Titel: Zitroneneis mit Schlagsahne

Autor: T’Sihek

Serie: TOS

Paarung: K/m, S/f (implied), K/S (implied)

Rating: PG-13, POV K, ft

Zusammenfassung: Meine Antwort auf T'Lens Challenge : "Du bist eifersüchtig, Jim." - "Das ist absurd! Auf wen denn?" (Wer sagt das und auf wen ist Kirk eifersüchtig und warum?) UND Verwende die Wörter: "Eisenbahn, Zitroneneis mit Schlagsahne, Schachfigur, Trikorder, Turnschuhe"
Kirk sitzt in einer Bar und versinkt in Selbstmitleid.

Feedback: Her damit! tsihek@yahoo.de

Archiv: Ja

Beta: Chris

Disclaimer: Spock und Kirk gehören Paramount/Viacom. Der Rest gehört mir und

ich beabsichtige nicht, einen Gewinn daraus zu erzielen – außer Spaß zu

            haben.

            Wer unter 18 ist oder homoerotische Erzählungen nicht mag, sollte bitte

            nicht weiterlesen.

 

 

 

 

~ Zitroneneis mit Schlagsahne ~

 

 

"Laß den Boden in der Tasse."

 

Mein Blick löst sich von der angeschlagenen Tasse. Wandert über den schäbigen Tisch und bleibt schließlich an einem Paar Turnschuhen hängen.

Ich grunze irgendwas. Unwillig, mich mit jemand anderem als mich selbst zu beschäftigen.

 

Der Besitzer eben dieser Turnschuhe lässt sich dadurch nicht ablenken. Ich höre das Kratzen eines Stuhls, das Rascheln von Kleidung als mein ungebetener Tischnachbar sich setzt.

Der Duft von Zitroneneis mit Sahne steigt mir in die Nase.

 

Ich hasse diesen Geruch. Er ist hier überall gegenwärtig. Ist in mir gegenwärtig. Und  er erinnert mich an etwas, an das ich nicht denken will. Nicht jetzt.

 

Warum tue ich es dann trotzdem?

 

"Was willst du von mir?"

 

"Dir auf den Wecker gehen? Dich solange provozieren, bis du mir einen Tritt in den Hintern verpasst? Mir anhören, warum du mitten in der Nacht in dieser gottverlassenen Bar auf einer gottverlassenen Raumstation sitzt und hartnäckig versuchst den Boden deiner Tasse durchzurühren?"

Ich kann das fast gleichgültige Schulterzucken förmlich sehen.

"Such' dir was aus."

 

Widerwillig hebe ich den Kopf und mustere mein Gegenüber.

Der Anblick ist der gleiche wie vor fast fünf Jahren, als ich schon einmal in dieser Bar saß: Schwarzes Jeanshemd... die obersten Knöpfe offen, so dass man die behaarte Brust sehen kann. Halblange dunkle Haare, die in leichten Wellen auf die Schultern fallen. Kein Lächeln oder Grinsen verzieht den sinnlichen Mund. Die schmale, seit einer Schlägerei etwas schiefe Nase - man sieht es nur, wenn man weiß, wonach man suchen muss. Aber es verleiht dem Gesicht etwas... *faszinierendes* - ich hasse dieses Wort! Dunkelgrüne, in ihrer Intensität fast leuchtende Augen.

 

Ich schließe die Augen, will einfach nicht mehr sehen!

 

Mein Gegenüber schweigt, wartet einfach, bis ich es nicht mehr aushalte.

Ich mache da weiter, wo ich aufgehört habe...

Langsam schließen sich die durchdringenden Augen, erlauben mir auch den Rest zu sehen: Ein dreieckiger Haaransatz. Schwarze, schräge Brauen auf einer hohen Stirn.

Der Blick gleitet fast automatisch zu den elegant geschwungenen Ohren. Der glitzernde Edelstein im rechten Ohrläppchen verhöhnt mich.

 

"Also: Warum bist du hier?"

 

Ich antworte nicht. Will nicht antworten.

Warum? Wie soll ich etwas erklären, auf dass ich selbst keine Antwort habe. Nicht haben will.

Stattdessen rühre ich einfach weiter in meinem Kaffee.

 

Er beugt sich über den Tisch und hält meine Hand fest.

"Du bist eifersüchtig, Jim."

 

"Das ist absurd! Auf wen denn?"

Habe ich das wirklich gesagt? Ich weiß es nicht. Vielleicht hat er ja recht. Vielleicht bin ich es ja wirklich.

 

Er steht auf und zieht mich mit sich.

"Komm. Diese Bar hier tut dir nicht gut."

 

Ich folge ihm schweigend. Etwas an ihm zieht mich in einen Bann, so wie schon einmal vor fünf Jahren.

Während er vor mir durch die mit Menschen und Nichtmenschen vollgestopften Gänge geht, klebt mein Blick an ihm.

Er ist groß. Und schlank. Und elagant. Alles an ihm ist elegant. Selbst wenn er Lumpen trüge, wäre er elegant.

 

So wie *Er*.

 

Wut... und Einsamkeit... und Bitterkeit... Sie ballen sich in meinem Magen zusammen und ersticken mich.

 

Er bleibt unvermittelt stehen und ich renne in ihn hinein. Seine Hand umfasst mein Kinn.

Fest. Unerbittlich.

Er zwingt mich, ihn anzusehen.

 

"Du bist ein Idiot!"

 

Dann lässt er mich los. Geht einfach weiter.

Einen Moment lang bleibe ich stehen, während um mich herum das Leben weiterpulsiert. Ich fühle mich, wie in einer schnell fahrenden Eisenbahn: Ich sitze reglos... und um mich herum rauscht das Leben vorbei.

 

Einige Meter entfernt bleibt er stehen, dreht sich um, sieht mich an.

Abwartend.

Auffordernd.

 

Diese Augen.

Sie fangen mich ein und ich gehorche.

 

Minuten später sind wir in seinem Quartier. Er hält mich fest. Lässt zu, dass ich mich an seiner Körperwärme verbrenne. So heiß.

 

Wieder hebt er meinen Kopf an, küsst mich. Ich erinnere mich an diese Küsse, die Intensität, dieses Nichts-anderes-neben-sich-gelten-lassen.

Ob *Er* auch so küsst?

Ich werde es nie wissen.

 

Ich will das jetzt nicht. Will mich losreißen.

 

"Nein." Ein Knurren, mehr ein Fauchen.

 

Und ich gebe auf. Lasse mich fallen. Er fängt mich auf, umhüllt mich mit seiner Leidenschaft, seiner Freundschaft.

 

Liebe? Nein. Wir lieben uns nicht. Haben es nie getan.

 

Sein Feuer verschlingt mich. Ich verbrenne. Steige mit den Flammen empor. Falle mit der Asche zu Boden.

Dann - wie Phönix aus der Asche - entstehe ich neu.

 

Er hält mich, streichelt mich, lässt zu dass ich mich gegen ihn dränge.

Es ist still. Die Ruhe umhüllt mich, füllt die Leere in mir. Ich merke, dass ich ruhig werde.

 

"Ich bin ein Idiot."

 

"Ja."

 

Unwillig richte ich mich auf. Sehe ihn an.

 

"Warum, Sejtan? Warum bin ich ein Idiot?"

 

"Weil du seine Liebe wegwirfst."

 

Ich drehe mich auf den Rücken. Fort von ihm. Lege einen Arm über meine Augen, damit ich ihn nicht sehe. Stattdessen sehen ich *Ihn*.

 

Ein Stöhnen. Kam es von mir?

 

"Warum verletzt du ihn immer wieder so sehr? Was hat er dir getan?"

 

"-"

 

"Wann hörst du auf, ihn mit namenlosen Frauen zu betrügen? Wenn es zu spät ist? Wenn es für ihn *zu spät* ist?"

 

"-"

 

"Er war heute in der Bar, allein. Hat nach dir gesucht. Er sagte nichts. Aber ich habe seine Augen gesehen, als er dich in der Nische entdeckt hat. Mit dieser Frau."

 

"HÖR AUF!"

Ich springe aus dem Bett. Versuche dem warmen Barriton zu entkommen, der *Seinem* so sehr ähnelt.

 

"Läufst du schon wieder weg?"

 

Keine Ironie. Keine Anschuldigung.

Eine Frage.

Nichts anderes.

 

Eine Frage.

 

"Laufe ich schon wieder weg?"

 

"Dass kannst nur du beantworten. Wenn du ihn liebst, geh zu ihm."

 

"Er braucht mich nicht."

 

"Da wäre ich mir nicht so sicher. Er braucht dich so, wie du ihn."

 

Ich drehe mich um, starre Sejtan an. Den Mann, der mir beibrachte Vulkanier zu lieben. Damals. Als ich allein war und glaubte niemals ein guter Captain zu werden.

Ich hatte Urlaub genommen, war einfach in irgendeinen Transporter gestiegen und bin auf dieser Raumstation gelandet. Ich hatte mich vollaufen lassen.

Und dann habe ich ihn gesehen. Seine Augen, die mich schon damals durchschaut hatten.

 

Es war meine erste Nacht mit einem Mann gewesen.

 

Ich glaubte, mich verliebt zu haben. Bewunderte, vergötterte ihn.

Er lachte nicht. Aber er nahm meine Liebe auch nicht an. Er bot mir Freundschaft. Und Sex.

 

Ich nahm beides.

 

Dann kehrte ich zur Erde zurück. Und bekam *SIE*.

Hatte er es gewusst?

 

Es war kein Platz mehr in meinem Leben für etwas anderes als mein Schiff. Und trotzdem.

Da war *Er*. Genauso faszinieren, fesselnd und rätselhaft wie Sejtan.

Noch mehr als Sejtan.

Auch *Er* bot mir seine Freundschaft und ich nahm sie.

 

Sie wurde zu etwas, das mir *gehörte*. Etwas, dessen ich mir sicher war.

 

Bis gestern.

 

Blind starre ich auf ein Schachbrett. Eine Schachfigur liegt daneben, der Rest wartet auf ein Spiel.

 

"Du spielst Schach?"

 

"Ja."

 

Er steht auf, umarmt mich. Ich drehe mich um, schmiege mich an ihn.

 

"Verdammt. Warum hat er das getan?"

 

"Aus dem gleichen Grund, warum du es tust. Immer wieder."

 

"Aber warum jetzt? Warum interessiert ihn plötzlich etwas anderes als sein Trikorder? Oder seine Schachfiguren? Oder seine wissenschaflichen Arbeiten? Oder..."

 

Ich verstumme. Nein. Sejtans Lachen lässt mich verstummen.

 

Hilflos sehe ich ihn an. Er ist wirklich amüsiert. Lacht, den Kopf zurückgelegt, während er mich an sich zieht.

Es fasziniert mich. Ich kenne keinen anderen Vulkanier, der das tut. Aber Sejtan ist auch nicht wie andere Vulkanier. Er hat mir nie erzählt, warum er auf dieser Raumstation lebt. Er tut es einfach. Wie er so vieles *einfach* tut.

 

Er küsst mich flüchtig. Wieder dieser Duft.

Zitroneneis mit Sahne!

Es irritiert mich, lenkt mich ab.

 

"Warum riechst du nach Zitroneneis?"

 

Er hört auf zu lachen und sieht mich verständnislos an.

 

"Zitroneneis?"

 

"Mit Schlagsahne."

 

"Mit Schlagsahne?

Keine Ahnung. Ich dachte immer, Menschen würden an Vulkaniern einen zimtähnlichen Geruch wahrnehmen?"

 

Plötzlich verstehe ich. Und fange an zu lachen.

 

"Zimt!"

Ich lache immer noch, bekomme kaum Luft.

"Mom stäubte unser Eis immer mit Zimt ein. Besonders Zitroneneis. Keine Ahnung warum."

 

Jetzt fängt auch er an zu grinsen.

 

"Jim Kirk, du bist verrückt."

 

"Bin ich das?"

 

"JA!"

Er zieht mich mit sich zum Bett und wir lassen uns darauffallen.

 

"Und nun erzähl mir, was geschehen ist."

 

"Du weißt es doch."

 

"Ich habe ihn gesehen. Mit ihr. Aber ich weiß nicht, was passiert ist. Und was du dabei für eine Rolle gespielt hast."

 

Ich zucke mit den Schultern.

Plötzlich komme ich mir kindisch vor. Verdammt! *Er* hat nichts anderes getan, als ich es immer wieder tue. Vor seinen Augen.

 

"Er hat eine Geliebte. Eine der Botschafterinnen, die wir zu diesen Verhandlungen hergebracht haben."

 

"Aha. Und weiter?"

 

"Nichts weiter. Du hast Recht. Ich bin eifersüchtig. Auf sie."

 

"Und warum liegst du dann mit *mir* hier im Bett? Nackt. Anstatt in genau diesem Zustand in *seinem* Bett zu liegen?"

 

"Das frage ich mich auch."

 

"Worauf wartest du dann noch?"

 

Ich sehe ihn an. Dann stehe ich auf und ziehe mich an.

Ich gehe, ohne mich noch einmal umzudrehen.

 

~ * ~

 

Am nächsten Morgen gehe ich wieder in die Bar. Mit *Ihm*.

Sejtan begrüßt uns, wechselt ein paar Worte auf vulkanisch mit Spock.

Lächelt mir zu.

 

Ich lächle zurück. Und frage mich wieder einmal *warum* dieser Vulkanier mich so leicht durchschauen kann.

 

Spock beugt sich zu mir. Ich fühle seine Lippen an meinem Hals, sein Atem streift mein Ohr.

 

"Weil er dich liebt. So wie ich."

 

~~ * ~~