Titel: Yesterday’s gone
Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD
Charaktere: House/Wilson
Thema: # 001. Anfang
Word Count: 1352
Rating: PG-13, slash
Anmerkung des Autoren: Vielen Dank an T’Len für’s betalesen.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.


Yesterday is gone forever.
Would you trade tomorrow for today?
When I think of all those heart aches...it amazes me, no end
We could rise to this occasion... find our happiness again
(The Rembrandts)




Als er erwachte, war das erste Empfinden das der Verwirrung. Es war warm, bequem und eindeutig ein Bett, in dem er schlief. Doch irgendwie war da die Erinnerung, dass er eigentlich auf einem Sofa schlafen sollte. Der zweite Gedanke war, dass er sich in diesem Bett nicht alleine befand. Und der Körper, der da halb unter ihm lag, gehörte definitiv nicht seiner Frau... genauer gesagt, baldigen Ex-Frau. Nach ein paar Sekunden kamen die Erinnerungen an die vergangene Nacht zurück und fast instinktiv rollte er sich zur Seite, weg von... Er öffnete die Augen und blinzelte einige Male. Greg House war sein bester Freund. Wie zum Teufel war es so weit gekommen, dass sie... Fast so etwas wie Panik flatterte in seiner Magengegend.

Das konnte alles ruinieren, was zwischen ihnen war.

„Du denkst zu viel.“

House raue, schläfrige Stimme schreckte ihn aus seinen Gedanken hoch. Doch er fühlte sich zu verunsichert, um ihn anzusehen. Also starrte er weiter an die Decke. Lange, dünne Finger begannen auf der Innenseite seines Unterarms Kreise zu zeichnen.

„Du hast mich erschreckt“, meinte er in Ermangelung anderer Worte.

Greg lachte leise. „Du bist aufgewacht, hast dich an letzte Nacht erinnert und angefangen dich zu fragen, ob ich wohl bereuen werde, was passiert ist und ob ich dich splitterfasernackt auf die Straße setze. Wenn ich irgendetwas bereuen würde, glaubst du, ich wäre dann noch hier?“

Er grinste schief. „Du hast vermutlich recht. Panik lässt einen nicht gerade logisch denken.“ Wagemutiger als zuvor rollte er zurück, dichter an Greg und stützte sich auf einen Ellbogen, um zu ihm aufzusehen. Der amüsierte, entspannte, fast zufriedene Ausdruck auf Gregs Gesicht ließ ihn einen Moment den Atem anhalten. Er konnte sich nicht erinnern, diesen Ausdruck seit dem Infarkt gesehen zu haben. Als er immer weiter starrte, tauchte Neugier in den blauen Augen auf. Dann gab House ihm einen sanften Stoß.

„Na los, du kannst die Aussicht ein anderes Mal bewundern. Wir sind spät dran“, sagte der ältere Mann mit einem Grinsen, dass ganz leicht diabolisch wirkte...

„Was?“ Wilson drehte den Kopf und sah auf den Wecker neben dem Bett. „Verdammt. Es ist schon nach acht!” Er rollte sich von Greg weg und sprang aus dem Bett. „Warum hast du mich nicht früher geweckt?“

House beobachtete ihn mit einer Mischung aus Amüsement und Zuneigung. Er schob einen Arm unter den Kopf und machte keinerlei Anstalten, ebenfalls aufzustehen. „Du solltest mir dafür dankbar sein, du brauchtest den Schlaf. Ich habe dich die letzten Nächte in meinem Wohnzimmer auf und abgehen hören. Man sollte meinen, du hast genug Scheidungen hinter dir, um dich davon nicht vom Schlafen abhalten zu lassen.“

Nun, das war ein Thema, über das er ganz sicher nicht am frühen Morgen sprechen wollte. Schon gar nicht jetzt. Obwohl er so eine Ahnung hatte, dass der ungute Mix aus vagen Schuldgefühlen, einigem Bedauern, sehr viel Frust und einem guten Anteil Resignation irgendetwas damit zu tun gehabt hatte, dass er heute Nacht an die Tür von House Schlafzimmer klopfte und... und danach waren die Dinge etwas aus der Hand geglitten. Eigentlich hatte er nur mit Greg sprechen wollen. Es war ihm immer noch nicht ganz klar, wie es hatte damit enden können, dass er...

„Greg, ich habe einen Termin heute morgen. Mit einem Patienten. Um... nun genau jetzt.“ Wilson fuhr sich durch die Haare und starrte House an. Innerlich jedoch nahmen Gregs Worte eine gewaltige Last von seiner Seele. Wenn er jemals einen Beweis gebraucht hätte, dass House sich wirklich um ihn sorgte, dass er ihm wirklich wichtig war, dann hatte er ihn jetzt.

„Brown übernimmt für dich“, sagte House.

„Uh... was?“ Er brauchte einen Moment, um die Bedeutung der Worte zu verarbeiten. „Du... du hast im Krankenhaus angerufen, dass wir später kommen?“

House setzte sich auf und die Art, wie er sich bewegte, sagte Wilson, dass er bereits die erste Vicodin des Tages intus hatte.

„Ich habe Cuddy angerufen“, meinte House und griff nach seinem Stock. „Ich sagte, wir hätten noch was zu erledigen und würden gegen neun da sein. Ich hoffe, du weißt das entsprechend zu würdigen. Sie hat mir zwei zusätzliche Klinikstunden aufgebrummt. Diese Frau hat einfach kein Verständnis.“ Er humpelte ins Badezimmer und Wilson folgte ihm, noch ein wenig benommen von dem Wechselbad an Empfindungen an diesem Morgen.

„Natürlich nicht. Sie weiß so gut wie ich, dass du sie deinem Team aufbürden wirst“, meinte Wilson, als sich Greg ihm zuwandte und ihn kritisch musterte. Er rieb sich verlegen den Nacken. „Wer ist denn dieses Mal an der Reihe?“ Er plapperte weiter, fühlte sich plötzlich nervös. „Cameron? Oder Chase? Oder denkst du wirklich, du bringst Foreman dazu, auf eine deiner Ausreden herein zu fallen?”

„Bei Cameron hat es das letzte Mal geklappt.“ House’ Grinsen ließ nicht unbedingt gutes vermuten, als er die Distanz zwischen ihnen überbrückte, bis sie so dicht beieinander standen, dass sich ihre Körper fast berührten. Er fing Wilsons Hand ein, als der sie sinken lassen und sich abwenden wollte, und hielt ihn davon ab. Seine Finger glitten an James Arm entlang, um seine Taille; um dann, fast nur mit den Fingerspitzen, über Wilsons Hintern zu streichen. Der jüngere Mann wurde rot, was ein weiteres Grinsen herausforderte. House fuhr fort zu sprechen, als wäre überhaupt nichts passiert. „Ich versuche es dieses Mal bei Chase. Er ist so ein braver Katholik, immer gut dafür, ein wenig Buße zu tun.“ Er beugte sich vor und genauso leicht, wie seine Fingerspitzen Wilsons Haut, streiften seine Lippen über James Mund. Dann wich er ein wenig zurück und zog seine Hand weg. „Los, ab mit dir unter die Dusche. Sonst kommen wir wirklich zu spät.“

Wilson versuchte sich an einem tadelnden Blick, doch das Ergebnis war eher erbärmlich, gemessen an House’ Reaktion und dem, was er in den blauen Augen sah. Kopfschüttelnd trat er an House vorbei und in die Dusche.

* * *

Sie brachten den Rest der morgendlichen Rituale mit so wenig Verzögerung wie möglich hinter sich, um dann gemeinsam ins Krankenhaus zu fahren. Als sie auf den Lift im Eingangsbereich zutraten, erschien Cuddy an der Tür zur Klinik. Sie warf einen Blick auf die Uhr, was House dazu veranlasste, ebenfalls einen – wenngleich auch übertrieben gründlichen – Blick auf seine Uhr zu werfen, um sie dann zu schütteln und ans Ohr zu halten.

Lisa Cuddy schenkte ihm ein dünnlippiges, trockenes Lächeln, um sie dann von Kopf bis Fuß zu mustern. Ihre Augen wurden zu schmalen, misstrauischen Schlitzen, als sie sich fragte, was House nun wieder an Unfug im Sinn hatte – bevor sie sich plötzlich weiteten. Sie wandte sich hastig ab, doch nicht schnell genug, um das breite Lächeln zu verstecken, dass auf ihrem Gesicht erschienen war.

„Hey, Jimmy. Ich glaube sie weiß, was du letzte Nacht getan hast“, merkte House mit einem Grinsen und verschwörerisch gesenkter Stimme an. „Könnte das wohl an den Knutschflecken liegen, die da nur halb unter deinem Kragen verschwinden?“

Wilson spürte seine Wangen wieder heiß werden und seufzte resigniert. Er hatte die Male an seinem Hals beim Rasieren bemerkt und bereits House spöttische Kommentare über sich ergehen lassen.

„Na los, lass’ uns von hier verschwinden, bevor sie es sich anders überlegt und zurück kommt. Am Ende halst sie mir auch dafür noch Klinikstunden auf.“ House drückte mit dem Ende seines Stocks auf den Rufknopf des Lifts.

James lachte leise und spürte, wie die Anspannung aus seinem Körper verschwand. Es war sicherlich nicht das Ende ihrer Freundschaft - vielmehr der Anfang von etwas Neuem, das noch viel besser, viel aufregender als die Vergangenheit zu werden versprach. „Der Himmel möge verhindern, dass du tatsächlich wirklich arbeiten musst, wie der Rest von uns“, erwiderte er trocken.

„Ich wusste, dass du meiner Meinung bist“, antwortete House, als der Lift ankam und sie in die Kabine traten. „Schließlich muss es einen Grund geben, dass ich dich als Freund behalte.“

Wilson lachte und lehnte sich an die Liftkabine zurück. Angesichts der neuen Situation klang das etwas merkwürdig. Dann schüttelte er den Kopf und vergaß den Gedanken, als Greg ihn noch einmal rasch küsste, gerade bevor die Lifttüren wieder aufgingen. Noch immer lachend folgte er ihm auf den Korridor. Ja, definitiv ein neuer Morgen, ein neuer Anfang...

Ende