grübel’ Ich war der festen Meinung, jemand hätte dieses XO vorgeschlagen, aber da hab ich mich wohl geirrt. Trotzdem: Ist das Bunny erst geschlüpft, lässt sich die kleine Bestie nicht mehr abschütteln...

Titel: Kaffeepause
Autor: Lady Charena
Kategorie: Crossover
Fandom: House MD / Sherlock Holmes
Pairung: Dr. James Wilson, Dr. James Watson
Rating: gen
Archiv: ja

Summe: Es gibt nichts Langweiligeres als Ärztekongresse
Meme Crossover-Challenge – gewünscht von mir selbst

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.



Ich hatte den jungen Mann mit den braunen Haaren und dem gut geschnittenen Anzug schon geraume Zeit beobachtet. Er schien auf jemand zu warten. Anfangs hielt er sich in der Nähe des Eingangs auf, doch das gab er schließlich auf und wanderte eher ziellos durch den Raum. Ich bewunderte sein Geschick, mit dem er freundlich lächelnd auswich, wann immer ihn eine Gruppe ins Gespräch ziehen wollte. Und ich konnte ihn sehr gut verstehen. Es gab nichts Langweiligeres als ein zu kleiner Raum in dem sich zu viele Ärzte aufhielten.

Ich selbst blieb weitestgehend unbehelligt. Vermutlich nahmen die Vorübergehenden anhand des aufgeschlagen vor mir auf dem Tisch liegenden Notizbuches an, ich wäre damit beschäftigt, Notizen zu machen oder einen Vortrag durch zu sehen, den ich noch zu halten hätte und wollten entweder nicht stören oder in eine Diskussion hineingezogen werden. Glücklicherweise war ich als reiner Zuhörer hier. Der junge Mann dagegen, der mein Interesse erweckt hatte, gehörte zu den Vortragenden und seine Ausführungen hatten mir ausgezeichnet gefallen, wenn ich mir als Allgemeinmediziner eine Meinung über einen Spezialisten anmaßen durfte.

Als er an meinen Tisch vorbeikam, ergriff ich die Gelegenheit, ihn anzusprechen. „Wie wäre es mit einem Kaffee, Dr. Wilson“, sagte ich. „Oder darf es etwas Stärkeres sein?“

Er stoppte, warf einen fast unbewussten Blick zur Tür – und wandte sich dann mir zu. „Sieht man mir das an?“, entgegnete er mit einem charmanten Lächeln. „Ja, ich denke, ich kann einen Kaffee vertragen, oder ich werde während der Vorträge heute Nachmittag im Tiefschlaf versinken.“ Er streckte mir die Hand entgegen. „Leider sind Sie mir im Vorteil, wir wurden einander noch nicht vorgestellt, Dr. ...?“

Verständlich, dass er diese Frage stellte, ich hatte mein Namensschild abgenommen und in die Tasche gesteckt, nachdem es ständig abfiel. Der Befestigungsmechanismus war offensichtlich defekt. „Ich habe Ihren exzellenten Vortrag mit großem Vergnügen verfolgt. James Watson, Allgemeinmedizin, inzwischen im Ruhestand“, stellte ich mich vor und schüttelte ihm die Hand.

„James Evan Wilson, Onkologie“, erwiderte der junge Mann. „Aber das wissen Sie ja sicherlich schon, wenn Sie den Vortrag gehört haben“, setzte er etwas verlegen hinzu.

Ich füllte die zweite Tasse, die auf dem Tisch stand und schob sie ihm zu. „Ist dies Ihr erster Besuch in London? Oh, verzeihen Sie“, setzte ich hinzu, als er mich erstaunt ansah. „Ich habe Ihren Akzent als amerikanisch erkannt und angenommen...“

„Danke. Nein. Nein, das ist richtig. Ich war noch nie zuvor in London.“ Er nippte an seinem Kaffee und warf wieder einen Blick auf die Tür.

„Dieser Tisch ist vom Eingang aus gut einsehbar, ich bin sicher, wenn Ihr Freund sich noch entschließt, sich zu uns zu gesellen, wird er Sie entdecken.“

Er sah mich verblüfft an, lächelte dann. „Sie erinnern mich eben sehr an diesen Freund, auf den ich warte“, meinte er dann. „Er sagt solche Dinge auch dauernd und überrascht die Leute damit. Er ist der Ansicht, dass kein Trick dabei wäre, sondern es nur darum ginge, genügend Aufmerksamkeit für Details aufzubringen.“

Ich erwiderte sein Lächeln und nickte. „Ich sehe, wir haben mehr Gemeinsamkeiten, als nur den Vornamen. Auch ich wurde nicht mit einer besonders starken Beobachtungsgabe geboren. Ein Freund hat mich gelernt, manches mit ganz anderen Augen zu sehen.“ Ich räusperte mich und lehnte mich leicht in meinen Stuhl zurück. „Ihr Freund ist sicherlich ebenfalls Arzt. Teilt er Ihr Fachgebiet?“ Ich hoffte, er würde es auf die ungebührliche Neugier eines alten Mannes schieben, dass ich diese Fragen stellte. Doch ich war noch nie einer freundlichen Unterhaltung abgeneigt gewesen.

„Nein. Er ist Diagnostiker. Wir arbeiten im gleichen Krankenhaus – in New Jersey. Einem Lehrkrankenhaus.“

„Diagnostik.“ Ich ließ das Wort wie einen edlen Tropfen Wein auf meiner Zunge zergehen. „So etwas gab es noch nicht, als ich mein Studium begann. Das ist sicher ein faszinierendes Gebiet.“

„Ja, an interessanten Fällen mangelt es ihm sicher nicht. Aber er ist kein sehr umgänglicher Mensch... eine schwierige Persönlichkeit. Er hat nicht viel übrig für Patienten.“

Er versteckte sein Lächeln halb hinter der Tasse und ich hatte den Eindruck, es handelte sich dabei um einen eher privaten Gedanken, weniger bezog es sich wohl auf seine Aussage. Ein Arzt der nicht viel von Patienten hielt, war sicherlich eine Abnormität. Wohingegen ich mit „schwierigen Persönlichkeiten“ ausreichende persönliche Erfahrung hatte.

Es trat eine dieser natürlichen Gesprächspausen ein und wir widmeten uns beide dem Getränk.

Ein klapperndes Geräusch ließ mich aus meinen Gedanken aufschrecken und als ich mich nach der Quelle umsah, entdeckte ich, dass es sich um meinen Stock handelte, der auf den Boden gefallen war. Offenbar hatte der junge Mann unter dem kleinen Tisch die Beine ausgestreckt und ihn dabei versehentlich umgeworfen.

„Entschuldigen Sie bitte.“

Höflich sprang er auf und hob den Stock auf. Ich beobachtete, wie er ihn einen Moment ansah und dann den Kopf schüttelte. So interessant wie unerklärlich. „Eine alte Kriegsverletzung“, erklärte ich. „Ich war in Ihrem Alter Militärarzt. Unter anderem in Indien.“

Er nahm wieder Platz und leerte seine Tasse. „Sie erwarten sicherlich Gesellschaft“, sagte er. „Das zweite Gedeck war kaum für mich bestimmt.“

Ich beruhigte ihn. „Wie es mir scheint, teilen wir das gleiche Schicksal. Wir wurden beide... versetzt, nicht wahr, das ist der Ausdruck. Ich ließ das zweite Gedeck aus der vagen Hoffnung heraus auflegen, dass sich ein Freund interessieren lassen würde, vorbei zu kommen. Doch diese hat sich nicht erfüllt. Er ist gelegentlich etwas... launenhaft. Andererseits ist er auch kein Arzt, nur interessierter Laie.“

„Der Dekan des Krankenhauses, in dem wir arbeiten, hat uns auf diesen Kongress geschickt. Und mein Freund hat sehr deutlich gemacht, dass er nur unter Zwang hier ist. Dies schließt offenbar das Anhören von Vorträgen nicht mit ein. Ich hatte gehofft, er würde wenigsten zu meinem erscheinen, aber... Ich denke, man kann ihn ebenfalls als launenhaft bezeichnen.“ Er schob mit einem etwas gedankenverlorenen Ausdruck die Hand in die Tasche und als er sie wieder herauszog, hielt er einen dieser in Amerika gebräuchlichen orangefarbenen Medikamentenbehälter zwischen den Fingern. „Ich verstehe nicht, wieso die in meiner Tasche sind“, murmelte er, nachdem er die Aufschrift gelesen hatte.

Dann sah er mich an. „Entschuldigen Sie bitte, ich muss gehen. Mein Freund braucht dieses Medikament. Möglicherweise erklärt es, warum er nicht hier ist. Und hier im Saal gilt ein Verbot für Mobiltelefone. Oder es war sein verdammter Stolz.“ Er stand auf. „Es hat mich gefreut, Sie kennen zu lernen, Dr. Watson.“

Wir schüttelten uns erneut die Hand und ich sah ihm nach, bis er den Raum verlassen hatte.

Ende