Titel: Plumpudding für Zwei?

Autor: Lady Charena
Fandom: Martha Grimes Inspektor Jury

Pairung: Melrose/Richard, div.

Rating: PG, slash

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Melrose beschert Richard ein traditionelles, britisches Weihnachtsfest.

Inspiriert von T’Lens Storys, in denen die beiden heiraten. Ich hab mir auch ihre Idee ausgeliehen, dass die beiden verheiratet sind. Die Info rund um Plumpudding und alte Weihnachtstraditionen habe ich Agatha Christies Weihnachtsbuch entnommen.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

 

 

„Sieh’ dir das an“, meinte Richard, der in der Zeitung blätterte. „Die Leute bezahlen richtig viel Geld für so was.“

 

„Hmmmh?“ Melrose öffnete probeweise ein Auge und sah ihn über den Tisch hinweg an. So recht klappte es noch nicht mit seiner Aufnahmefähigkeit und überhaupt hatte er an seiner ersten Tasse Kaffee bisher nur gerochen. Bevor er die Tasse nicht gegess... nein, Moment, den Kaffee getrunken hatte, würde sich daran auch nichts ändern. Leider wirkte Koffein nicht bei reiner Inhalation. Allerdings brachte er es bisher noch nicht über sich, die Hand und den Arm und die Tasse zu heben... Konnte niemand intravenösen Kaffee erfinden? Obwohl, wenn er es recht bedachte, hasste er Nadeln noch mehr...

 

Stand Richard wirklich jeden Tag im Morgengrauen auf? Wieso quälte man die Menschen so? Da war er nun aus lauter Liebe seinem Liebsten gefolgt; hatte sich aus dem warmen, gemütlichen Bett gehievt, nur damit ihm dann die Badezimmertür vor der Nase zugeschlagen wurde. Angeblich würde er im Bad immer so lange brauchen und Richard meinte, er wäre ohnehin schon spät dran. Wurde wirklich Zeit, dass Richard seinen Urlaub antrat und sie nach Ardry End fuhren. Wenigstens hatte er ihn überreden können, über die Feiertage London zu verlassen und sich dafür mit Mrs. Wassermann und Carole-anne verbündet. Wenn er es richtig betrachtete, war das mehr als ein normaler Urlaub. Es waren ihre Flitterwochen.

 

„Du bist noch gar nicht wach, richtig?“, fragte Richard lächelnd und sah ihn über den Rand der Zeitung hinweg an. „Warum gehst du nicht wieder ins Bett?“

 

„Allein?“, schmollte Melrose und überwand sich endlich, an seinem Kaffee zu nippen, der leider inzwischen fast kalt war. Er schnitt eine Grimasse und ließ dann den Kopf dramatisch auf die Tischplatte fallen. Dummerweise direkt auf eine Gabel. Mit einem Schmerzenslaut richtete er sich wieder auf und fand sich plötzlich Richard sehr viel näher.

 

Der war nämlich aufgestanden und neben ihn getreten. Jetzt beugte er sich zu ihm herunter und küsste ihn auf die Stirn, wo sich die Gabelzinken abzeichneten. „Ich glaube, du gehst besser noch mal ins Bett, bevor du dich in deinem Zustand selbst verstümmelst. Was hältst du davon, wenn du mich heute Mittag zum Lunch ausführst? Bis dahin bist du doch hoffentlich wach?“ Er richtete sich auf und trank seinen Kaffee aus. Dann holte er seinen Mantel und ging zur Tür.

 

„Hey, was ist mit einem richtigen Abschiedskuss?“, rief ihm Melrose hinterher. „Wir sind gerade erst ein paar Monate verheiratet und schon vernachlässigst du mich.“

 

„Wenn du wach genug bist, um dich wieder aktiv an unserer Ehe zu beteiligen“, entgegnete Richard und zog die Wohnungstür hinter sich ins Schloss.

 

„Sadist“, murrte Melrose und ließ wieder den Kopf sinken. Dieses Mal nachdem er zuvor den Arm auf den Tisch gelegt und die Gabel zur Seite geschoben hatte.

 

Nach einer Weile hob er den Kopf wieder – auf Dauer war ihm hier das doch zu ungemütlich - und zog die Zeitung zu sich herüber. Hatte Richard nicht von irgendwas gesprochen, was da drin stand? Er überflog die aufgeschlagene Seite. Nichts Interessantes, soweit er... Halt, das musste es sein. Es war ein Bericht über die Besitzer von alten Landhäusern, die traditionelle, britische Weihnachtsfeste für Touristen anboten. „Von Strümpfen und Truthahn, Plumpudding und Austernsuppe“, lautete die Überschrift. Besonders Japaner schienen sich dafür besonders begeistern zu können. Irgendwie bizarr.

 

Melrose lehnte sich zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. So recht hatten sie ihre Pläne für die kommenden Feiertage noch nicht besprochen, abgesehen davon, dass sie sie zusammen verbringen wollten, was für ihn das Wichtigste war. Aus diesem Grund war er auch persönlich nach London gefahren, um Richard abzuholen. Wenn er da war, konnte er ein Auge darauf haben, dass nicht noch in letzter Sekunde etwas dazwischen kam – und wenn er Richard mit seinen eigenen Handschellen an den Bentley ketten musste, um ihn von der Arbeit abzuhalten!

 

Hmmh. Eigentlich war das gar keine schlechte Idee. Er wusste zwar nicht, wie dieses altmodische Weihnachtsfest genau aussah, aber das sollte man herausfinden können. Oder er fragte einfach Ruthven. Sein Butler war ein wandelndes Lexikon, wenn es um Traditionen ging.

 

Irgendwie war er jetzt überhaupt nicht mehr müde. Melrose stand schwungvoll auf – und rammte den Tisch, worauf seine Kaffeetasse umfiel, ihren kalten Inhalt über sein Bein goss und den Tisch in einen hellbraunen Teich verwandelte. Fluchend betrachtete Melrose die Bescherung. Er musste wirklich hier raus. Diese winzige Wohnung war wie ein Magnet für Unheil. Plötzlich benahm er sich wie der letzte Trampel!

 

Er griff sich ein Geschirrtuch, das auf dem Herd lag und warf es auf den Tisch, damit es die Sauerei aufsaugen konnte, dann ging er duschen und sich umziehen. Er hatte einige Anrufe zu erledigen – einer davon würde nach Ardry End gehen – und anschließend ging er shoppen. Ob „Harrods“ so früh am morgen überhaupt schon geöffnet war? Oder sollte er zuerst zu „Fortnum and Mason“?

 

* * *

 

Teil 2

 

„Das ist absolut unglaublich“, meinte Richard verblüfft. „Wie hast du das in nur zwei Tagen hingekriegt? Oder war das schon länger geplant?“

 

Melrose strahlte – die Überraschung war ihm gelungen und die Mühe wert gewesen. Ganz nebenbei fühlte er sich bei dem ganzen selbst wieder wie ein Kind, das den Weihnachtsmorgen gar nicht schnell genug herbeisehnen konnte.

 

Auf Ardry End herrschte geschäftiges Treiben, als sie dort eintrafen. Ruthven hatte sich Verstärkung besorgt – zwei seiner Nichten, nette junge Frauen, halfen aus. Sie wollten sich über die Feiertage ein wenig hinzuverdienen, um an Sylvester in die Sonne fliegen zu können. Vielleicht lachten sie heimlich über Melrose nostalgische Anwandlungen, aber er hatte ihnen zwei Tickets versprochen und würde sogar noch ein bisschen Taschengeld drauflegen. Und dass die beiden sich benahmen, darüber wachte Ruthven mit Argusaugen. Aber so viel Aufsicht war eigentlich unnötig – es schien ihnen im Blut zu liegen.

 

Früh am Morgen war der Wagen der Gärtnerei vorgefahren und hatte eine große Menge an Stechpalmen und Mistelzweigen geliefert, die unter Marthas kritischem Blick aussortiert wurden, damit auch wirklich nur die schönsten und frischesten Zweige Verwendung fanden.

 

Melrose hatte sich nach dem Frühstück erboten, beim Aufstellen des großen Weihnachtsbaumes am Ende des Wohnzimmers zu helfen, der kurz danach geliefert wurde - doch Ruthven hatte ihm taktvoll die Aufgabe zugewiesen, nach zu sehen, ob noch alle Kugeln und der andere Weihnachtsschmuck die lange Lagerzeit unbeschädigt überstanden hatten. Damit war er gerade beschäftigt gewesen, als Richard ins Wohnzimmer trat. Ausnahmsweise hatte er seinen ersten Urlaubstag damit verbracht, länger zu schlafen.

 

Melrose sprang auf, trat zu ihm, umarmte und küsste ihn. Und es war ihm egal, wer dabei zusah.

 

Und taktvoll sah ihnen auch niemand zu. Die beiden Mädchen verteilten Vasen und Buketts mit Stechpalmenzweigen im Raum, steckten sogar ein paar kleinere hinter die Bilder an den Wänden. Martha war dabei, im Flur große Standvasen mit Mistelzweigen zu füllen, und zusätzlich kleine Sträußchen aus Mistelzweigen und roten Schleifen zu binden, damit sie aufgehängt werden konnten.

 

Melrose zuckte mit den Schultern. „Eigentlich habe ich überhaupt nichts damit zu tun, Ruthven hat alles organisiert.“ Er sah seinen Partner an. „Auf die Idee gebracht hast du mich, weil dir dieser Artikel in der Zeitung aufgefallen ist.“ Er warf einen Blick über Richards Schulter. „Geh’ mal ein paar Schritte rückwärts.“

 

„Wieso, willst du mich jetzt schon loswerden?“, fragte Richard amüsiert, tat aber wie gebeten.

 

„Ganz bestimmt nicht. Aber nun stehst du genau unter einem Mistelzweig und ich kann das tun...“

 

Mehr Erklärungen waren von dort an nun wirklich nicht mehr notwendig.

 

Ruthven räusperte sich taktvoll, und trat dann einfach um das Paar herum, das sich küsste, um die Strümpfe am Kamin aufzuhängen. Er warf seinen Nichten einen tadelnden Blick zu, als die beiden tuschelten und kicherten, anstatt zu arbeiten. Es war noch so viel zu tun!

 

* * *

 

Nach all der Arbeit und den Anstrengungen verlief der Heilige Abend sehr ruhig und in trauter Zweisamkeit. Martha servierte ihnen ein ausgezeichnetes Dinner und sie verbrachten den Abend auf der Couch vor dem Kamin.

 

Für den ersten Weihnachtsfeiertag hatte sich Melrose eine weitere Überraschung einfallen lassen. Er hatte Gäste eingeladen, die im Laufe des Vormittags eintrudelten. Carol-anne und Mrs. Wassermann waren die ersten. Aufgeregt wie zwei Schulmädchen wussten sie gar nicht, wohin sie zuerst blicken sollten. Das Haus selbst, das festlich dekorierte Wohnzimmer oder der überwältigende Weihnachtsbaum mit dem kostbaren alten Glasschmuck. Wiggins, der sie begleitet hatte, vergaß völlig seine Allergien und Wehwehchen und wanderte mit weitaufgerissenen, glänzenden Augen durch den Raum. Stan hatte natürlich Stone im Schlepptau, der sich neben Mindy auf dem Teppich vor dem Kamin ausstreckte, nachdem sich die beiden Hunde kurz beschnuppert und offenbar Gefallen aneinander gefunden hatten. Stan klopfte Melrose und Richard auf die Schulter und holte dann einen Gitarrenkoffer in den Raum. Anstatt seiner üblichen Stratoblaster packte er jedoch eine ganz normale Gitarre aus, die aussah, als habe sie schon etliche Jahre auf dem Buckel, setzte sich zu den beiden Hunden an den Kamin und begann ein Weihnachtslied zu spielen.

 

Noch bevor allerdings eine besinnliche Stimmung aufkommen konnte, trafen die anderen Gäste ein. Diane Demorney rauschte einer Schneewolke gleich in einem weißen Pelzmantel an, fiel zuerst Richard, dann Melrose um den Hals und hinterließ pinkfarbene Kussmünder auf ihren Wangen. Offenbar war kussechter Lippenstift nicht dramatisch genug für jemanden wie Diane. Marshall Trueblood hatte sich in Schale geworfen, er wirkte wie einem Herrenmagazin entsprungen. Sein Weihnachtsgeschenk bestand in zwei Flaschen mit sehr edlem Inhalt, die von Ruthven fachmännisch begutachtet wurden – der daraufhin eine der Brandyflaschen für die Küche requirierte, damit Martha mit ihm der Brandybutter den letzten Schliff gegen konnte.

 

Als letztes kam Agatha, die sich auch nicht durch die fürchterlichsten Drohungen hätte davon abhalten lassen können. Selbstverständlich war sie immer noch nicht völlig überzeugt, das diese „angebliche“ Heirat von Plant und dem Superintendenten nicht nur ein elaborater Plan ihres angeheirateten Neffens war, der einzig dazu diente, sie zu ärgern. Sie hatte Vivian untergehakt, die leicht verwirrt und mehr als nur etwas betreten dreinblickte, als sie die beiden nebeneinander stehen sah.

 

Zum ersten Mal trafen nunmehr Richards und Melrose’ Freunde aufeinander. Nach anfänglichem Unbehagen auf beiden Seiten herrschte nach einiger Zeit ein reger Austausch. Vielleicht trug auch der heiße Kaffee dazu bei, den Ruthven klugerweise servieren ließ – oder der großzügig bemessene Brandy, der sich darin befand – begleitet von den köstlichen Plätzchen, deren Herstellung Martha bereits vor Melrose’ Anruf in Angriff genommen hatte. Natürlich hätten sie sich ebenso gutes Gebäck von Betty Balls Bäckerei liefern lassen können, doch Martha hatte ihren Stolz – zu so einer feierlichen Gelegenheit gab es Selbstgebackenes. Selbst wenn sie die Nacht in der Küche hätte verbringen müssen, um mit allem fertig zu werden – da ja immerhin auch noch das große Festessen zubereitet werden wollte. Aber auch dafür hatte sich eine Lösung finden lassen. Melrose hatte einfach eine Frau aus Long Pidd engagiert, die Martha mit allem zur Hand ging und die „gröbere Arbeit“ übernahm, was auch immer sich hinter dieser mysteriösen Formulierung verbergen mochte.

 

Als das Eis gebrochen war, zogen sich alle in ihre Räume zurück, um sich für das große Dinner umzuziehen und sich noch ein wenig auszuruhen, bevor es galt, den Magen an seine Grenzen zu treiben. Selbst Mindy zog mit Stone los, vermutlich in die Küche, den Quell all der köstlichen Gerüche, die durchs ganze Haus drangen.

 

Als sie das Wohnzimmer schließlich für sich alleine hatten, trat Richard zu Melrose, der wie ein Honigkuchenpferd grinsend am Kamin stand und die aufgereihten Strümpfe betrachtete. Er legte den Arm um seinen Partner und sah ihn an. „Danke“, sagte er schlicht. „Ich glaube, das wird das schönste Weihnachten meines Lebens.“

 

* * *

 

Teil 3

 

Das große Dinner begann genau um zwei Uhr mittags und war wirklich ein Festmahl. Holzscheite prasselten im Kamin und Martha hatte zusätzlich ein paar Zimtstangen und andere Gewürze in die Flammen geworfen, die einen köstlichen Duft verbreiteten, der mit den Aromen der aufgetischten Gerichte wetteiferten.

 

Und was da alles serviert wurde. Martha hatte sich selbst übertroffen. Austernsuppe nach einem viktorianischen Originalrezept, gefolgt von zartem Steinbutt, der selbst den eisernen Fish-and-Chips-Fan Wiggins davon überzeugte, dass man Fisch auch unfrittiert genießen konnte. Was für manche schon eine vollständige Mahlzeit sein mochte, bildete jedoch nur den Auftakt.

 

Es kamen zwei Truthähne auf den Tisch, von denen einer – der Tradition folgend – gekocht, der andere gebraten war. Ruthven übernahm die ehrenvolle Aufgabe, sie eigenhändig zu zerlegen. Melrose überließ es ihm gerne. Zwar wäre es als Hausherr eigentlich seine Pflicht gewesen, doch er hätte die Biester vermutlich eher grausam verstümmelt als säuberlich und elegant zerteilt, wie Ruthven das erledigte.

 

Für eine Zeitlang verstummte das Durcheinander der Stimmen und fast andachtsvolle Stille senkte sich über den Raum, als sich alle auf das Essen konzentrierten.

 

Doch kaum schimmerten die ersten Knochen auf den silbernen Platten, als der nächste Gang aufgetragen wurde – eine gewaltige Rinderlende. Davon wurde jedoch kaum mehr als gekostet. Vor allem, weil Melrose bereits warnte, dass ihnen noch der Nachtisch bevorstand.

 

Der Höhepunkt des Dinners war jedoch unbestritten der Plumpudding. Es war ein wunderbarer Anblick. Jemand hatte das Licht gedimmt und von draußen durch die großen Glasflächen kam graues Zwielicht, denn es schneite heftig, was nur zur allgemeinen Stimmung beitrug.

 

Der riesige Plumpudding thronte wie ein Fußball auf einer alten Silberplatte, die mit viel Hingabe auf Hochglanz poliert worden war. Ein Stechpalmenzweig steckte wie eine Flagge in seiner Mitte. Direkt vor der Tür hatte Martha ihn mit Brandy übergossen und angezündet – blaue und rote Flämmchen umtanzten den Pudding wie Elmsfeuer.

 

Carol-anne war die Erste, die anfing zu klatschen. Aller Augen waren auf den Pudding gerichtet – abgesehen die von Melrose und Richard. Sie sahen sich an und Richard griff über den Tisch, um Melrose Hand an seine Lippen zu drücken.

 

Vivian beobachtete sie aus den Augenwinkeln und seufzte leise.

 

Die beiden Mädchen kamen mit einem Tablett voll Teller herein und der Pudding wurde hastig angeschnitten und verteilt, so dass bald jeder ein Stück vor sich stehen hatte, so lange noch die Flammen flackerten.

 

„Jeder muss sich etwas wünschen, bevor die Flammen ausgehen“, rief Diane, die ihre übliche kühle Reserviertheit völlig vergessen hatte.

 

„Du verwechselst das mit den Geburtstagskerzen“, entgegnete Trueblood.

 

„Nein. Ich habe das irgendwo gelesen.“

 

„Nicht streiten, Kinder.“ Selbst Mrs. Wassermann hatte ihre Schüchternheit abgelegt. „Wir sollten es lieber tun, bevor die Flammen völlig erloschen sind.“

 

Einen Augenblick lang herrschte Schweigen, als sich alle auf ihre Wünsche konzentrierten.

 

Schließlich drehte Ruthven das Licht wieder höher und jeder griff erwartungsvoll nach Gabel und Löffel. Vanillesoße und Brandybutter wurden von einem zum anderen gereicht und Gläser mit süßem Dessertwein nachgefüllt.

 

Etwas klirrte. „Hey, ich habe was in meinem Pudding gefunden“, ließ sich Marshall vernehmen. Er wischte die Kuchenkrümel ab. „Ein silberner Knopf.“

 

„Der Junggesellenknopf“, lieferte Diana sofort die Erklärung. „Das heißt, du wirst weiterhin Junggeselle bleiben.“ Sie lächelte ein wenig boshaft. „Es wird also in Kürze keine zweite Hochzeit geben.“

 

„Also ich finde diesen Brauch einfach abscheulich“, ließ sich Agatha vernehmen, die bisher viel zu beschäftigt gewesen war, sich den Mund mit Essen voll zu stopfen, um viel zur Konversation bei zu tragen. „Es ist doch unhygienisch, Gegenstände in einem Pudding zu werfen.“ Sie versuchte etwas unter ihrer Serviette zu verstecken, doch der neben ihr sitzende Trueblood bemerkte es und zog sie weg. Ein kleines silbernes Schweinchen funkelte im Kerzenschein.

 

„Ein Schwein“, rief er begeistert. „Agatha, das sollten Sie sich nicht zu Herzen nehmen“, setzte Trueblood mit falschem Mitgefühl hinzu. „Es ist reiner Zufall, wer was bekommt.“ Er grinste.

 

Vivian zeigte den Gegenstand vor, den sie gefunden hatte, bevor Agatha Luft holen konnte, um sich zu beschweren. „In meinem war ein Ring. Weiß jemand, was das bedeutet?“

 

„Es bedeutet, dass du bald heiratest. Wie herrlich, meine Liebe“, erklärte Diane.

 

Carol-anne war die nächste, die auf einen Glücksbringer stieß. Nachdenklich betrachtete sie das Ding von allen Seiten. „Ich habe keine Ahnung, was das darstellen soll“, meinte sie schließlich ratlos.

 

„Das ist ein Fingerhut, mein Kind“, erklärte Mrs. Wassermann. „Oh, das kennt ihr jungen Dinger gar nicht mehr, das braucht man, damit man sich beim Nähen nicht die Fingerspitze verletzt, wenn man dicken, festen Stoff näht.“

 

„Bedeutet das, ich werde bald einen Handarbeitskurs belegen?“, fragte Carol-anne lachend.

 

„Oh nein, eigentlich bedeutet es, dass man nie heiratet.“ Diane wusste auch für diesen Gegenstand die Bedeutung.

 

„Nun, bei der Anzahl an Verehrern, die mir auf der Treppe begegnen, halte ich das für ein Gerücht“, ließ sich Richard mit einem Augenzwinkern vernehmen.

 

„Ich habe auch etwas gefunden.“ Melrose fischte eine Münze aus seinem Pudding.

 

„Das ist ja wieder einmal typisch“, meinte Trueblood. „Es bedeutet Geldsegen. Als hättest du das nötig.“

 

Alle lachten und widmeten sich dann wieder dem Dessert, auch wenn es niemand schaffte, seinen Teller zu leeren.

 

Im Anschluss an das üppige Dinner wurde eine allgemeine Siesta beschlossen, und alle zogen sich in ihre Zimmer zurück, um sich vor dem traditionellen Anzünden des Weihnachtsbaumes zum Tee noch etwas zu erholen.

 

Wie am Vormittag blieben nur Melrose und Richard zurück.

 

Melrose hob sein Glas und klickte es gegen Richards. „Auf das erste von vielen, wundervollen, gemeinsamen Weihnachtsfesten“, sagte er leise.

 

 

Ende