Titel:              Words never spoken of

Autor:            Mazza

Serie:             CSI Miami

Spoiler:           3.6 Ein glasklarer Fall

Paarung:         Horatio, Rick

Rating:           gen, past-Ep, PG

Archiv:           ffp

 

Summe:          Rick und Horatio haben eine kleine Auseinandersetzung

 

Disclaimer: Keiner der Charaktere gehört mir, diese Story wurde nicht geschrieben, um damit irgendwelche Urheber-Rechte zu verletzen.

 

 

„Ray? Aufwachen, du bist Zuhause.“ Horatio lächelte, als er sich zu seinem Neffen umwandte. Yelina hatte ihm gesagt, dass Ray die ganze Woche über von nichts anderem gesprochen hatte, als von ihrem Ausflug. Sie waren früh aufgebrochen, im Morgendämmern und so hatte Ray fast die ganze Rückfahrt verschlafen.

 

Ray wandte den Kopf, gähnte und schlug die Lider auf. Seine Augen, dunkel und ausdrucksvoll wie die seiner Mutter, wirkten jetzt schläfrig. Er blinzelte, rieb sich das schmutzige Gesicht. Mit der unersättlichen Neugier eines Kindes, das in der Stadt aufgewachsen war, hatte Ray ihren Angeltrip in eine Forschungsexpedition verwandelt. Horatio hatte sich unwillkürlich in seine Kindheit zurück versetzt gefühlt, als er mit Rays Vater, seinem „kleinen“ Bruder Raymond, durch die Gegend gestreift war. Er legte die Hand auf Rays Schulter. „Alles okay?“, fragte er. „Hat dir unser Ausflug gefallen?“

 

Sein Neffe strahlte. „Und wie, Onkel Horatio. Können wir das wieder machen? Nächstes Wochenende?“

 

Horatio lächelte und nahm die Sonnenbrille ab. „Ich werde mit deiner Mutter darüber sprechen.“ Dann nickte er zu dem mit einem Deckel verschlossenen Eimer, der neben Ray auf dem Rücksitz stand. „Vergiss deine Beute nicht.“ Er fragte sich, was Yelina wohl dazu sagen würde... als er aus den Augenwinkeln sah, wie die Haustür aufging. Yelina hatte offensichtlich den Wagen gehört und kam, um ihren Sohn abzuholen. Er blickte durch die Seitenscheibe auf seine Schwägerin, die beim Haus stehen blieb und nicht zu ihnen trat. „Ray, deine Mutter wartet auf dich. Beeil dich, es ist spät“, sagte er. Das Licht der Straßenbeleuchtung reichte nicht ganz in den Vorgarten und er konnte Yelinas Gesicht nicht sehen – trotzdem hatte er den Eindruck, als hätte sie geweint. Er kannte sie zu lange, zu gut, hatte zu oft Tränen auf ihren Wangen gesehen, um sich zu irren. Während Ray seine Sachen zusammensuchte und ausstieg, blieb Horatio sitzen. Es war auch so schwierig genug. Es war auch so schmerzhaft genug. Wann immer er sie sah... Horatio räusperte sich und setzte seine Sonnenbrille auf, obwohl die Sonne längst untergegangen war. Sie war das Schutzschild zwischen der Welt und seinen Gefühlen, die für niemanden zu sehen bestimmt waren.

 

„Gute Nacht, Onkel Horatio!“

 

Er lächelte und winkte zurück, sah wie Ray auf seine Mutter zuging, die die Arme um ihn legte und dabei kopfschüttelnd seine schmutzstarrende Kleidung betrachtete. Horatio wartete, bis sie im Haus verschwunden waren und warf dann einen Blick auf seinen Rücksitz, der ebenfalls eine Reinigung dringend nötig hatte. Dann startete er den Wagen. Eben als er wegfahren wollte, blickte er zufällig noch einmal zum Haus und sah, dass sich die Tür öffnete. Rick Stetler stürmte aus dem Haus, schlug – wie es schien, wütend – die Tür hinter sich zu und zog im Laufen sein Jackett über. Ohne auf Horatio zu achten, stieg er in seinen Wagen, der ein paar Meter weiter am Straßenrand geparkt war und jagte mit quietschenden Reifen davon.

 

Trotz der späten Stunde, trotz seiner Müdigkeit und obwohl er morgen auf Bereitschaft war, beschloss Horatio, nicht nach Hause zu fahren, sondern Stetler zu folgen. Es war Samstagabend, die Straßen waren bevölkert, so fiel es nicht auf, dass er ihm folgte.

 

Sie fuhren nicht weit. Ein paar Straßen außerhalb der Wohnsiedlung, in der Yelinas Haus stand, stoppte Stetler vor einer Bar, deren Neonreklame bunte Schlieren in die Nacht warf. Horatio fuhr langsam an ihm vorbei und sah, wie Rick die Bar betrat. Er fuhr ein Stück weiter, bis er ebenfalls einen Parkplatz fand und ging dann zurück.

 

Wegen der dekorativen Einrichtung war Rick bestimmt nicht hier. Horatio nahm die Sonnenbrille ab und sah sich in der überfüllten Bar um. Schäbige, abgenutzte Stühle und Tische, die Wände hätten einen Anstrich dringend nötig. Die Fenster waren entweder mit dunkler Farbe überstrichen worden oder starrten vor Schmutz. Selbst wenn sie sauber und es draußen heller Tag gewesen wäre, hätte die Bar immer noch heruntergekommen und düster gewirkt. Dichte Rauchwolken verpesteten die Luft, in der sich der süßliche Geruch von Erbrochenem mit Alkohol mischte. In einer Ecke plärrte ein Fernseher eine Sportübertragung heraus und zahlreiche Gäste drängten sich lautstark um das Gerät.

 

Horatio sah Stetler an der Theke sitzen. Er zögerte einen Moment, dann trat er zu ihm, nahm auf dem Hocker neben Rick Platz, der zufällig in diesem Augenblick frei geworden war. Als er einen Kaffee bestellte – ein Wunsch, der mit sichtlicher Verachtung aufgenommen wurde – sah Stetler auf.

 

Er stellte sein Glas auf den Tresen. „Was zum Teufel willst du hier?“, fragte er scharf.

 

Horatio blickte ihn an. „Einen Kaffee trinken“, erwiderte er kühl. „Ich finde es auch schön, dich zu sehen“, setzte er ironisch hinzu.

 

„Lass’ mich bloß in Ruhe, Horatio.“ Stetler winkte dem Barkeeper, der sein Glas nachfüllte. „Na, wie war der Ausflug mit Ray junior?“, fragte er ätzend. „Hattet ihr beide Spaß? Hast du den Jungen gründlich genug gegen mich aufgehetzt?“

 

Horatio ignorierte den Kaffee, der vor ihn hingeschoben wurde. „Ray und ich hatten sehr viel Spaß“, erwiderte er. „Und ich habe niemals auch nur ein Wort gegen dich in Gegenwart des Jungen gesagt. Du solltest mich besser kennen, Rick. Wen Yelina... sieht... ist allein ihre Sache.“

 

„Ach, der edelmütige Horatio Caine“, entgegnete Stetler sarkastisch und leerte sein Glas. „Wird dir eigentlich nicht übel von deinem eigenen Gerede?“ Er knallte sein Glas auf die Theke.

 

„Lass’ es nicht an mir aus, wenn du dich mit Yelina gestritten hast.“

 

Rick wandte sich ihm zu. „Ja, wir haben uns gestritten. Und ich bin sicher, dass dich das freut. Du wartest doch nur darauf, dass unsere Beziehung schief geht und du dich als Tröster anbieten kannst.“

 

„Und ich bin sicher, dass dir nicht bekommt, was immer du da trinkst“, erwiderte Horatio gelassen. Er hatte seine Stimme völlig unter Kontrolle, obwohl er wütend und angewidert über die Weise war, wie Stetler über Yelina sprach. „Yelina weiß selbst am besten, was sie tut. Sie braucht mich nicht.“

 

„Ach komm, lassen wir doch die Spielchen, Horatio“, höhnte Rick. „Ich bin nicht blind und ich bin kein Idiot. Es ist nicht zu übersehen, dass ‚du’ sie liebst. Aber ‚ich’ bin mit ihr zusammen. Und ich lasse mir nicht mehr länger deine Versuche gefallen, unsere Beziehung zu unterminieren, schon gar nicht über den Jungen.“

 

„Ich habe nichts unternommen, um euere Beziehung zu ‚unterminieren’.“ Horatio beugte sich vor. „Ray ist mein Neffe, Rick. Und ich werde so viel Zeit mit ihm verbringen, wie ich will. Du bist nicht sein Vater.“

 

„Aber du bist es auch nicht!“ Ricks Lippen verzerrten sich verächtlich. „Was für eine tolle Gelegenheit es an Halloween doch war, dich ins rechte Licht zu setzen und Ray aus der Klemme zu holen. Und dir die Dankbarkeit seiner Mutter zu sichern. Aber lass’ dir eins sagen – Dankbarkeit bedeutet gar nichts. Sie wird dir nie gehören.“

 

„Du weißt ja nicht mehr, was du redest.“ Horatios Stimme klang flach vor unterdrücktem Ärger. Er legte die Handflächen links und rechts von seiner unberührten Tasse auf den Tresen. „Geh’ nach Hause, Rick. Erspar’ Yelina dein jämmerliches Selbstmitleid.“

 

„Selbstmitleid?“, wiederholte Stetler. „Glaubst du, es ist toll zu wissen, dass man immer nur zweite Wahl ist? Nicht nur, dass man mich auf diesen undankbaren Posten abgeschoben hat. Nein, auch noch zu wissen, dass die Frau, die man liebt, einen unter anderen Umständen nicht einmal ansehen würde? Glaubst du, ich weiß nicht, dass ihr längst zusammen wärt, wenn du nicht die Tochter dieser kleinen Fixerin als deine ausgegeben hättest? Du hast Yelina enttäuscht und was immer zwischen euch begonnen hatte, war vorüber, weil sie keinen Vertrauensbruch hinnimmt. Was würde wohl passieren, wenn ich ihr erzähle, dass dieses kleine Balg in Wirklichkeit Raymonds Tochter ist, hmh? Und was würde sie wohl dazu sagen, dass du es schon lange weißt? Dass du für Madisons Unterhalt aufkommst, nur damit Suzie Barnam den Mund hält? Glaubst du nicht, Ray würde sich über eine Halbschwester freuen?“

 

Horatio holte tief Luft und hielt seine Wut in Zaum. Seine Hände ballten sich zu Fäusten. Entweder das oder er würde sie in Ricks Gesicht schlagen. „Du wirst deinen Mund halten, Rick“, sagte er sehr ruhig, sehr beherrscht. „Denn Yelina würde dir ebenso wenig verzeihen wie mir– du kennst die Wahrheit fast ebenso lange wie ich. Und ich warne dich, Rick. Wenn du sie unglücklich machst, wenn du sie auch nur in der geringsten Weise verletztst, wirst du dich vor mir verantworten müssen. Und glaube mir, das willst du nicht wirklich.“ Er stand auf, zog einen Geldschein aus der Tasche und warf ihn auf den Tresen. „Geh’ nach Hause, Rick. Du bist betrunken.“

 

„Noch längst nicht betrunken genug!“ Mit einem Wink bestellte Rick einen weiteren Drink.

 

Horatio schob das Glas beiseite, das der Barkeeper vor Rick stellte und packte Stetlers Oberarm. „Geh nach Hause“, sagte er noch einmal und betonte dabei jedes Wort.

 

Einen Moment lang starrten sich die beiden Männer an. Dann griff Stetler in die Tasche und zog einen Geldschein heraus, den er über den Tresen schob. Er machte sich von Horatio los und ohne ihn noch einmal anzusehen, suchte er sich einen Weg durch die Gäste und verschwand.

 

Horatio seufzte und fuhr sich durch die Haare. Dann verließ er die Bar ebenfalls. Draußen war weder eine Spur von Stetler, noch von seinem Wagen zu entdecken. Langsam ging Horatio zu seinem Auto und versuchte den schlechten Geschmack aus dem Mund zu bringen, den die unangenehme Auseinandersetzung mit Rick hinterlassen hatte. Als er seinen Wagen erreichte, lehnte er sich einen Moment müde dagegen, legte die Stirn gegen das kühle Metall. Ob betrunken oder nicht, Ricks Worte hatten ihn getroffen. Ray junior hatte sich beklagt, dass er sie nicht mehr besuchen kam, seit Yelina mit Stetler zusammen war. Aber wie konnte er? Es war schwer genug, sie bei der Arbeit zu sehen. Die Vertrautheit zwischen ihr und Rick zu beobachten. Ricks Arm um ihre Schulter, Yelinas Hand in seiner. Und er konnte die Wand nicht vergessen, die zwischen ihnen stand – eine Wand aus unausgesprochenen Wahrheiten, verschleierten Lügen und Schweigen. Diese Wand war unsichtbar, doch zu hoch um sie zu überwinden – und zu lang, um sie umgehen. Und es gab nichts, was er dagegen tun konnte.

 

Er richtete sich auf, verschloss diesen Teil seines Herzens, brachte es zum Schweigen - wie er es stets tat und setzte sich hinter das Steuer. Tiefe Müdigkeit erfüllte ihn, als er sich auf die Heimfahrt machte.

 

 

Ende