Titel:  Die Legende vom Lichtgefährten

Kapitel 9 von 9

Autor: Liliane Romano

Serie:  Star Trek TOS

Paarung: K/S, S/m, K/m

First Time

Rating:  NC17, ein bisschen

Dies ist eine homoerotische Liebesgeschichte. Wer unter 18 ist oder homoerotische Erzählungen nicht mag, sollte bitte nicht weiterlesen.

 

Zusammenfassung: Eine alte vulkanische Legende erwacht zum Leben und ein emotionaler vulkanischer Dichter hilft Kirk und Spock sich zu finden.

 

Feedback: Ja.

Hier oder liliane_romano@yahoo.de

Archiv: Ja

Beta:  T'Sihek. Nach ihren Hinweisen – vielen Dank dafür! – habe ich nach der Erstveröffentlichung das eine oder andere nochmal korrigiert.

Disclaimer: Das Star Trek Universum gehört mir nicht und ich verdiene damit kein Geld. Ich spiele nur ein bisschen mit den sexy Jungs und den netten Mädels die dort wohnen. Ich schreibe nur zum Spaß und will keine Rechte verletzen.

 

 

Kapitel 9

 

„Ich bin nicht die einzige, die es gesehen hat. Mindestens zehn Offiziere saßen gestern um diese Zeit hier beim Frühstück!“ beteuerte Uhura.

 

McCoy schüttelte den Kopf. „Ich kann es nicht glauben. Wir kennen uns seit vielen Jahren und ich weiß alles über ihn. Er hat niemals angedeutet, dass er für das Spitzohr mehr als Freundschaft empfindet.“

 

„Vielleicht sorgte er sich wegen Ihrer Reaktion, Doktor. Sie haben eine spitze Zunge und möglicherweise befürchtete er ätzende Bemerkungen von Ihnen.“

 

McCoy starrte die Frau mit weit aufgerissenen Augen an.

‚Ist das möglich? Jim liebt Spock und verschweigt es mir, weil er glaubt, ich würde ihn nicht ernst nehmen, mich über ihn amüsieren? Hätte ich so reagiert?.............Das kann sein’, gestand er sich ein. Jims bisherige Beziehungen verdienten eher die Bezeichnung Affären. McCoy hatte schon öfters <Ich hab’ mich verliebt> aus Jims Mund gehört und nur kurze Zeit später war die jeweilige Affäre beendet, die verliebten Gefühle Vergangenheit.

 

Was hatte Uhura soeben behauptet? Spock hätte Jim gepackt und ihn ohne Hemmung durch die Flure des Schiffes gezogen? Und an diesem Tag, also gestern, seien beide nicht zu ihrer Schicht erschienen, die Brücke hätte nur eine kurze Meldung von Spock bekommen, dass sie beide ihren Dienst aus dringenden Gründen später antreten würden. Als der Vulkanier am Nachmittag auf der Brücke erschienen sei, ohne Jim, hatte er geschwitzt und an ihm sei der Duft vom bevorzugten Duschgels des Captains deutlich zu erschnuppern gewesen?

 

„Wiederholen Sie doch noch mal, was dann am Abend geschehen war, Nyota“, bat McCoy.

 

„Muss ich es wiederholen, damit Sie es glauben? Na gut.

Also, der Captain und Spock befanden sich auf dem Freizeitdeck, tranken irgendeinen Cocktail und unterhielten sich mit Selenos...“

Uhuras Gesicht nahm für einen Augenblick einen träumerischen Gesichtsausdruck an, als sie den charmanten Dichter erwähnte.

„Sie strahlten wie ich es noch nie zuvor bei ihnen gesehen hatte, bei Spock sowieso nicht. Ich gesellte mich zu ihnen und ließ mir auch einen Cocktail bringen. Dann forderte Selenos uns alle drei auf, die Gläser zu heben und auf die Liebe zu trinken. Können Sie sich das vorstellen? Einen Vulkanier, der wie ein Mensch auf die Liebe trinkt?

Spock schaute einen Moment verdrießlich, als er meine Anwesenheit bemerkte, doch dann zuckte er nur mit den Schultern und sagte – wirklich, das sagte er: >...und auf den Beginn der Zukunft, der Zukunft, wie sie sein soll.< Dann streichelte er die Wange des Captains und dieser schloss glücklich die Augen.

Ich hatte wohl mit offenem Mund dagesessen, denn Selenos lachte und sagte zu mir: >Nyota, es ist alles in Ordnung, alles ist so wie es sein sollte. Denken Sie bloß nicht darüber nach.<

 

Uhura stupste den Arzt an. „Da, Doktor, der Captain und Spock.“

 

Unauffällig beobachtete McCoy die beiden, die sich mit einem überreichlichen Frühstück einen Tisch suchten.

 

„Jim, Spock, hierher“, winkte er sie kurz entschlossen an den Tisch.

Die beiden Männer schauten sich kurz an, setzten sich dann zu ihnen. Spock begann bedächtig zu essen, sah nicht hoch.

 

„Äh... .Jim“, begann der Doktor, „ich bin das erste Mal seit Tagen wieder auf dem Schiff und glaube, ich habe irgendetwas wichtiges verpasst....Was hältst du davon, deinem alten Freund einen Überblick über die letzten Tage zu geben? Wobei ich von dem spreche, was nicht im Logbuch steht...“

 

Genüsslich führte Jim die Gabel zum Mund und schien angestrengt nachzudenken.

„Selenos’ Schwester T’Adrana hat die Schwiegermutter ihres Bruders geohrfeigt und diese brauchte dann eine kleine Behandlung von deinem Kollegen Dr. M’Benga.“

 

„Ach...“ McCoy war ehrlich überrascht, dann fiel ihm ein, dass er nicht deshalb gefragt hatte.

 

„Das meinte ich nicht....es soll sich noch etwas ereignet haben, das viel wichtiger ist....“

 

„Ach...“, Jim tat erstaunt, „ich dachte du wüsstest es nicht. Doch du weißt wohl doch, was passiert ist – und da brauche ich dir auch nichts zu erzählen.“

 

McCoy merkte, dass Jim ein bisschen mit ihm spielen, seine Neugierde quälen wollte und beschloss, direkter zu werden.

Er schaute die beiden Männer an.

 

„Jim, Spock....liebt ihr euch?“

 

Spock, der sich bisher angestrengt seinem Frühstück gewidmet hatte, schaute auf und blickte dem Doktor ruhig in die Augen.

„Ja, Doktor, schon sehr lange, und seit 23 Stunden und 34 Minuten sind wir ein Paar.“

Er hob eine Augenbraue und schaute McCoy zufrieden an.

 

Der Doktor schaute von ihm zu Jim, wieder zu Spock, dann zu Uhura. Die Frau lächelte und zuckte mit den Schultern.

 

„Der Doktor hatte es mir nicht geglaubt, weil er es sich nicht vorstellen konnte...“

 

„Oh....“, Kirk riss in gespielter Überraschung die Augen auf, „Sie haben es also schon auf dem Schiff verbreitet.“

 

„Captain....es war offensichtlich und Sie waren beide nicht besonders diskret. Ich musste es nicht verbreiten. Die Szene auf dem Freizeitdeck gesten Abend war eindeutig gewesen, ganz zu schweigen von gestern früh. Mister Spock hat Sie....“

 

Jim hob die Hände, unterbrach Uhuras Ausführungen.

„Verstehe, Miss Uhura“, lachte er, „Ich weiß, was Sie meinen, ich war dabei.“

 

„Jim“, sagte McCoy leise, „warum hast du mir nie etwas von deinen Gefühlen für  Spock gesagt? Vertraust du mir nicht?“

 

Kirk sah ihn nicht an.

 

„Jim“, wiederholte der Doktor, „hast du geglaubt, ich würde dir nicht glauben oder dich nicht ernst nehmen?“

Der Captain schaute ihn noch immer nicht an als er nickte.

 

„Es war nie meine Absicht, dich zu verletzen, und auch Sie nicht, Spock“, wandte er sich an den Vulkanier, „es ist eine schlechte Angewohnheit von mir, dumme Bemerkungen zu machen.“

 

„Ich weiß, Pille. Aber bei dieser Sache war ich selbst so verwirrt, daß ich es nicht ertragen hätte, von dir durch den Kakao gezogen zu werden. Und vor allem Spock sollte so etwas nicht ertragen müssen.“

 

McCoy war verletzt und das zeigte er Jim.

„Unsere Freundschaft ist wohl doch nicht so gut, wenn du so schlecht über mich denkst.“

Er hatte erwartet, dass Jim abwiegeln, ihre Freundschaft als gut bezeichnen, und das Problem aus der Welt schaffen würde. Aber er täuschte sich.

 

Kirk seufzte. „Lass und ein anderes Mal darüber reden, Pille. Nicht jetzt. Ich bin im Moment....“

 

„Jim, Spock...“ Selenos stürmte mit Seron im Schlepptau in die Offiziersmesse.

 

Selenos’ Augen waren weit augerissen, die Fassung hatte er längst verloren.

„Ich habe soeben meditiert, das erste Mal seit über zwei Jahren. Seron hat mich begleitet und er kann bestätigen, was ich gesehen habe.“

 

„Was hast du gesehen?“ fragte Spock ruhig.

 

Selenos schaute ihn an, plötzlich still.

„Ihr werdet vielleicht glauben, es sei eine Illusion gewesen, aber Seron war dabei“, fuhr er fort, bemüht, sachlich zu sprechen, „Es geht um Simis. Besser, ihr kommt beide mit in mein Quartier.Dort sind wir ungestört.“

 

Jim und Spock sahen sich an, zögerten.

Die Ungeduld des Dichters wuchs und ohne weitere Worte packte er Jim und zog ihn nach oben.

 

„Selenos....das ist nicht nötig...“

Doch der Dichter ignorierte seine Worte und zog ihn hinter sich her, raus aus der Messe, durch die Flure bis zum Gästequartier. Spock und Seron folgten ihnen eilig.

 

Plötzlich herrschte in der Offiziersmesse Schweigen. Länger als gestern zur selben Zeit. Die Offiziere schauten sich an, sendeten sich stumme Fragen. Dann richteten sich ihre Blicke auf Dr. McCoy.

 

„Fragt nicht mich! Ich bin seit Tagen das erste Mal wieder auf dem Schiff....“

 

°°°

 

„Captain, Mister Spock“, begann Seron,

Als ich Selenos vorhin auf seiner ersten Meditation seit über zwei Jahren begleitete, erschien ihm und mir Simis. Es war keine Illusion. Ich kenne mich mit Meditieren aus und bitte Sie, mir zu glauben. Auch die beiden Begleiter von Selenos – Spock wird Ihnen das Prinzip der Meditationsbegleiter sicher erklären – sprachen von ihm als Simis. Sie sagten, er könne sich auf dieser Ebene nur schwer zeigen, da deren Energieniveau zu gering ist. Wir wurden aufgefordert, mit Ihnen beiden die zehnte Meditationsebene zu betreten. Ich solle Selenos mitziehen und Sie Spock, den Captain. Wir sollen uns darauf vorbereiten und wir haben nur eine Chance.“

 

Jim starrte ihn an. „Eine Chance, Sir? Wofür eine Chance, und wie konnte Simis >erscheinen< ? Könnten Sie etwas präziser werden?“

 

Seron schüttelte den Kopf. „Ich kann es nicht mit genügend Sicherheit sagen. Klar ist nur, dass der Geist von Simis, nicht wie der Körper getötet wurde. Der Geist existiert weiter. Simis ist auf der Lichtebene. Sie haben selbst schon genug erlebt auf ihren Missionen, um mich zumindest zum Teil verstehen zu können.

 

„Auf der Lichtebene im Planetenbewusstsein“, sagte Spock leise, „ich hätte es erkennen müssen.

 

Seine nächsten Wort klangen leise und heiser. „Jim, Selenos, als ich meditiert habe, erschien mir ein Wesen, das wie Simis aussah. Ich wusste nicht...“

 

„Was? Du bist ihm schon begegnet und hast nichts gesagt?!“ Selenos hielt sich nur mit Mühe davon ab, schon wieder jemanden – diesmal Spock – durch den Raum zu werfen.

 

„Spock“, fragte Jim vorsichtig, „Was hast du in der Meditation erlebt?“

 

„Ich erlebte zwei Meditationen mit diesem Wesen...“

 

„Mit Simis...“

 

„Sehr wahrscheinlich war er es. Bei der ersten, dachte ich, er sei ein Meditations - Begleiter. Bei der zweiten wusste ich, dass dies nicht sein konnte. Ich hätte es erkennen müssen. Aber mir kam der Gedanke nicht. Ich hielt ihn nur für eine Begegnung, für ein Hilfsmittel um zu lernen...“

 

„Was zu lernen, Spock?“ fragte Jim neugierig.

 

„Wegen uns, Jim. Er hat mir gezeigt, wie ich fühle...und wie glücklich Simis und Selenos waren...er hat es mir vor Augen geführt...“

 

Jim und Selenos lächelten sich an.

 

„...beim zweiten Mal hat er mir gezeigt, wie mein Leben verliefe, wenn ich mich gegen dich entscheiden würde...“

 

Kirk schenkte ihm ein sanftes Lächeln. „Wie es scheint, war jene Variante im Nachteil...“

 

„Das kann man so sagen...“, bestätigte Spock.

„Botschafter, Jim, wir sollten uns auf die Meditation vorbereiten. Sie wird sehr schwierig werden, denn einen anderen mit auf die zehnte Ebene zu ziehen ist mühevoll und fordert von allen Beteiligten große Konzentration. Und wie wir hörten, haben wir nur einen Versuch.“

 

„Korrekt“, bestätigte Seron, „ich schlage vor, sobald wir meine Partnerin und Selenos’ Schwester informiert haben, werden Sie, Spock, den Captain vorbereiten und ich Selenos.“

 

„Ich weiß nicht, ob ich euch verstehe“, sagte Jim.

 

„Es gibt einen Zeitunterschied zwischen Simis’ Tod und dem Riss der geistigen Verbindung zu Selenos. Dieses Rätsel ist bis heute nicht gelöst“, sagte Seron, "Simis und Selenos haben mit ihrer intensiven Liebe die Lichtebene erreicht. Der Geist von Simis hat sich möglicherweise auf der Lichtebene befunden, als sein Körper starb. Er war dort gefangen oder besser gesagt behütet. Das Band riss nicht, weil sein Geist unabhängig vom Körper auf der Lichtebene weiterexistierte. Die Lichtebene manifestiert sich an dem Ort, wo zwei Liebende zu Lichtgefährten werden. In diesem Fall im Planetenbewusstsein von Tribas. Erst als das Planetenbewusstsein sich  wegen der Flut aus der Verbindung mit Selenos zurückzog, riss das Band. Ich glaube, Mister Spock denkt das selbe wie ich.

Wenn Simis’ Geist zu diesem Zeitpunkt auf Grund der Ereignisse verwirrt war, konnte er sich Selenos nicht mitteilen und nach dem Riss ihres Bandes erst recht nicht. Nur in der Meditation war er dazu in der Lage. Warum er den Kontakt von der Lichtebene aus zu einem von uns nicht eher aufgenommen hat und ob das überhaupt möglich gewesen wäre, kann ich nicht sicher sagen. Wir werden es erfahren, wenn wir die zehnte Ebene erreichen.

Ich habe eine Theorie, aber....warten Sie es ab, Captain. Sie werden auch noch eine Rolle spielen, denn wir wurden ausdrücklich aufgefordert, Sie mitzubringen.“

 

°

Richard Matisse und seine Frau T’Adrana waren sehr spät aufgestanden und hatten beschlossen, das Frühstück trotzdem nicht ausfallen zu lassen. Der Vulkanierin hätte ein Morgen ohne Frühstück nichts ausgemacht, aber der 70jährige Mensch wollte nach dieser anstrengenden Nacht nicht darauf verzichten. Mit Stolz ertrug er das Gefühl von Erschöpfung in seiner Körpermitte und erfreute sich an zwei Dingen, nämlich an seiner noch immer vorhandenen Fähigkeit zu einer heißen Liebesnacht wie jener von eben und an dem reichlichen Frühstück vor sich auf dem Tisch in der Offiziersmesse. 

 

Vulkanier sprachen nicht über Sehnsucht nach Liebe und Lust, aber viele erkannten sie an, zollten ihnen Respekt. Die Anerkennung der Poesie von T’Adranas Bruder Selenos war ein Beweis dafür. Doch seine Anerkennung war anders als sie unter Menschen gewesen wäre. Vulkanier vermieden das Thema Liebe in der Öffentlichkeit völlig. Doch wenn manche vulkanische Partner allein waren, im Privaten, sah das Leben anders aus als es laut Surak sein sollte. Sie berührten sich, erforschten, wie weit sie ihre Empfindungen, ihre Lust,  leben konnten um danach trotzdem wieder beruhigt und beherrscht sein zu können. Ein Balance – Akt zwischen Beherrschung der Emotionen und Liebessehnsucht, den nicht jeder bewältigte. T’Adrana konnte es. Nach einer Liebesnacht mit ihrem Mann meditierte sie oft viele Stunden, um ihrer Beherrschung die Oberhand zurückzugeben. Konsequent verfolgte sie diesen Weg und wünschte sich, ihr unbeherrschter Bruder könnte es auch.  Auch wenn sie froh und zufrieden war wegen des Glücks, das er jahrelang mit Simis erlebt hatte, sorgte sie sich doch schon damals um ihn. Seine Unbeherrschtheit ging auch ihr zu weit und sie konnte den Rückzug von Simis verstehen. Sie hatte ihren Bruder mehrmals auf die Gefahren seiner fehlenden Beherrschung hingewiesen, eindringlich, wie auch Simis es getan hatte, aber Selenos wollte seine Emotionen nicht zügeln. Seine radikal - ablehnende Einstellung zur Emotionsbeherrschung war eine andere, als T’Adrana und ihre Mitstreiter, die sie, von den Einflussreichen ihrer Heimatwelt nur geduldet, auf Vulkan und verschiedenen Föderationswelten aufwiesen. Während sie versuchten, das festgefahrene System der vulkanischen Emotionsbeherrschung zu lockern, lebte Selenos einfach nur seine Emotionen aus. Für ihre Ziele interessierte er sich nicht.

 

‚Liebste“, unterbrach Richard ihre Gedanken mit seinen, ‚T’Nar kommt...’

 

Die andere Vulkanierin trat zu ihrem Tisch und T’Adrana bereitete sich auf die unausweichliche Konfrontation vor.

 

„T’Adrana“, hörte sie und registrierte überrascht eine andere Stimme als die der eiskalten Frau. Es war Selenos’ Stimme, die sie vernahm.

T’Nar war ein Stück zurückgetreten, hatte dem heranstürmenden Selenos Platz gemacht. Er riss seine Schwester hoch, drückte sie an sich.

 

„Simis’ Geist lebt auf der Lichtebene weiter, obwohl der Körper zerstört wurde. Er hat mit mir und Seron gesprochen, während der Meditation.“ Selenos hielt seine Schwester weiter umklammert, drängte seine Gefühle in sie. T’Adrana bemühte sich, die Kontrolle über ihren Geist zurückzugewinnen, die ihr durch die Nähe ihres Bruders entglitten war.

‚Ein bisschen mehr Beherrschung wäre gut für dich“, dachte sie. Erst dann realisierte sie seine Worte und schob ihn energisch und fassungslos von sich.

„Was wirst du jetzt tun?“

 

Ihre Blicke trafen sich und in diesem Moment  wusste Selenos, was zu tun war. Es gab nur einen Weg für ihn. Es war ein Geschenk. Er konnte mit dem Mann, den er so sehr liebte, wieder vereint sein...

T’Adrana erkannte es nur eine Sekunde später.

 

„Ich will dich nicht verlieren“, flüsterte sie, unhörbar für Kirk, aber laut genug für ihren Bruder.

 

„Ich liebe ihn“, antwortete Selenos ebenso leise, „ Ich muss es tun. Ohne ihn will ich nicht leben. Wenn ich die Möglichkeit habe, auf der Lichtebene mit seinem Geist vereint zu sein, werde ich es tun.“

 

T’Adrana nickte, senkte den Kopf.

Kirk hatte diese Worte nicht gehört. Keiner offenbarte sie ihm.

 

Zu dieser Zeit war die Offiziersmesse wieder leer. Sie setzten sich und als später Seron hinzukam, erzählte dieser von seiner und Selenos’ Begegnung in der Meditation.

 

T’Nar, Simis’ Mutter, hatte sich dazu gesetzt und schaute ihrem ungeliebten Schwiegersohn in die Augen. Die leuchtenden Augen von Selenos blendeten ihre eiskalten. Sie schloss sie, verwirrt und ungläubig. Ihr Sohn liebte diesen Mann, den sie so verachtete, aber die Liebe zu ihrem Sohn war das einzige Gefühl, das sie sich selbst gestattete. Sie verstand diesen Dichter, von Anfang an schon und doch konnte sie die Wahl ihres Sohnes nicht verwinden. Als ihr Partner Seron ihr erklärte, dass sie nicht an der Meditation teilnehmen konnte, ihren Sohn nicht noch einmal sehen durfte, kämpfte sie mühsam gegen den Schmerz in sich und ein Gefühl der Trostlosigkeit ergriff sie.

 

°

Als sie sich später allein im Quartier des Dichters befanden, sprachen Seron und Selenos über die Meditation. Seron und Spock würden mit sich gegenseitig und jeweils mit Selenos und Jim Mindmelds eingehen. Dadurch konnten die beiden sie auf die zehnte Ebene begleiten ohne selbst geistig dazu in der Lage zu sein. Seron und Spock würden die ganze Last tragen und die anderen beiden Männer mussten in erster Linie ihre Gedanken und Gefühle ruhig halten. Auf der zehnten Ebene würden sie normalerweise nur Beobachter sein. Dieses Mal sicher nicht und Seron graute es vor dem, was er und die anderen Vulkanier vermuteten. Vor der einen Möglichkeit. Es gab noch eine zweite, eine kleine Hoffnung in ihm, von der die anderen nichts ahnten. Die Hoffnung, dass Selenos, den er auch als seinen Sohn ansah, nach der Meditation nicht tot in seinen Armen liegen würde, weil es vielleicht doch noch diese andere Möglichkeit gab.

 

Mit einem kurzen Mindmeld bereitete Seron seinen Schwiegersohn auf die Meditation vor, indem er dessen Emotionen mäßigte. Wenn er diese nicht unter Kontrolle halten könnte, würde sie nicht durchführbar sein.

 

Und  wenn dann jenes eintrat, was er und die anderen Vulkanier befürchteten, würden er und Spock ihm dabei helfen, auch wenn Selenos’ physischer Tod die Konsequenz wäre.

 

°

Eigentlich hatte sich Spock mit Jim in dessen Kabine zurückgezogen, um ihn auf die morgige Meditation vorzubereiten. Doch das musste warten, denn der Vulkanier, der vor wenigen Tagen noch Jims Liebe abgelehnt hatte, konnte jetzt nicht genug davon bekommen. Er lag hinter Jim, eng an dessen Rücken geschmiegt, genoss ihn nur.

Erst nach einer Stunde erklärte er ihm den Meditationspfad und bereitete ihn darauf vor.

 

Von Selenos’  Vorhaben während der Meditation erwähnte er nichts. Besser, Jim bliebe es unbekannt.

 

„Bevor ich Selenos kennengelernt hatte, war ich mir nicht sicher, ob Vulkanier lieben konnten. Aber ich hoffte es. Ich hoffte es wegen meiner Liebe zu dir.“

 

„Wir können es und insgeheim  wollen wir es.“

 

„Jetzt weiß ich es.“

 

„Ja. Ich auch.“ 

 

°

T’Nar und T’Adrana waren am Tisch in der Offiziersmesse sitzen geblieben.

 

„Sie haben niemals eines von Selenos’ Gedichten gelesen.“

 

T’Nar reagierte nicht.

 

„Selenos hatte Simis damals auf der Erde jeden Abend seine Poesie vorgetragen.“

 

„Er hat meinen anständigen beherrschten Sohn verführt, hat ihn zu seinem Vergnügen benutzt. Ohne ihn und seine Poesie wäre er noch am Leben. Das ist eine Tatsache.“

 

„Ihr Partner ist auch verzweifelt wegen Simis’ Tod. Aber auch deshalb, weil er im Gegensatz zu seinem Sohn niemals die liebenden Gedanken eines anderen in seinen gespürt hat.“

 

T’Nar blickte der anderen Frau in die Augen und ihr Blick war nach dem kurzen emotionalen  Aufblitzen von eben wieder vereist.

„Ich habe meine Emotionen unter Kontrolle. So, wie es der richtige Weg für Vulkanier ist.“

Sie erhob sich und verließ den Raum.

 

°

Selenos saß am Abend wieder auf einem Tisch des Freizeitdecks. Die letzten Stunden hatte er genutzt, um einen kleinen Teil vom „Lichtgefährten“ zu übersetzen und trug ihn nun den anwesenden Frauen und Männern von der Enterprise vor. Uhura, dicht neben ihm sitzend, genoss die Worte der Liebe aus seinem Mund. ‚Auch wenn sie nicht mir gelten’, dachte sie wehmütig.

Später am Abend trat Selenos zu ihr.

„Nyota, Sie sagten mir neulich, Sie wollen meine Signatur auf der Übersetzung des „Lichtgefährten“. Ich habe vorhin auf Tribas einige Exemplare ausdrucken und binden lassen. Dieses hier“, er reichte es ihr, „ist für Sie. Es ist vulkanisch, aber ich habe es trotzdem signiert. Eine vollständige Übersetzung wird noch dauern.“

 

Dankbar griff die Frau nach dem Buch und öffnete es. >Für eine sehnsuchtsvolle Frau, von Selenos und Simis< stand auf einer der ersten Seiten.

„Er hat mich 12 Jahre lang inspiriert, deshalb ist es auch von ihm“, erklärte er ihr sanft.

 

°

Es war schon Mitternacht, als sich Selenos mit seinem Schwiegervater in einer Ecke des jetzt nur noch schwach beleuchtetenFreizeitdecks unterhielt.

„Wenn du soweit bist, Vater, wenn du deine Sehnsucht nach Liebe erfüllen kannst, übersetze den „Lichtgefährten“ für die Menschen. Du kennst ihre Sprache gut und wirst die richtigen Worte finden.“

 

Wie am letzten Abend schon einmal berührte er dessen Finger mit seinen und schenkte ihm einen kleinen Teil der Liebe, nach der sich dieser so sehr sehnte.

Seron erwiderte die Berührung und erlaubte sich dieses Mal, sie länger zu genießen. Das Freizeitdeck war leer und niemand würde es sehen.

 

„Du darfst dem Captain nicht verraten, was du vorhast. Er wäre verpflichtet, es zu verhindern. Sei vorsichtig.“

 

Selenos nickte und drehte sich weg. „Simis wird wissen, dass ich mit Kirk geschlafen habe. Das löst ein..... unbehagliches Gefühl in mir aus. Ich schlafe mit einem anderen Mann, obwohl mein t’hy’la noch bei mir ist.“

 

„Du hast mit Kirk geschlafen?“ Seron war überrascht, doch seine Stimme blieb neutral. „Du hattest also tatsächlich vor, dein altes Leben von vor 12 Jahren wieder aufzunehmen.“ Es war keine Frage.

 

„Nein, nicht bewusst, eigentlich haben wir uns nur Trost geschenkt. Ich glaubte, Simis sei tot und Jim fühlte sich auch einsam, weil Spock ihn zurückgewiesen hatte. Es war nicht geplant.“

 

„Selenos......mein Sohn....“

 

„Was denkst du jetzt über mich, nachdem du  weißt, dass ich nicht lange nach Simis’ scheinbarem Tod schon mit einem anderen Mann geschlafen habe?“

 

„Es hat mich befremdet. Aber ich weiß, was Sehnsucht nach Liebe ist. Dafür würde ich niemanden verurteilen.“

 

„Nein?“

 

„Niemals, mein Sohn. Schon lange nicht mehr. Und dein t’hy’la wird der erste sein, der dich versteht.“

 

 

°°°

Am nächsten Morgen beamten Sie auf den Planeten und begaben sich zum Strand des Binnensees, dorthin, wo Simis gestorben war. T’Adrana und T’Nar begleiteten sie und auch M’Benga und McCoy waren mitgekommen.

Selenos trug eine golden und dunkelgrün schimmernde Robe. Seine Hochzeitsrobe.

Spock und Seron lehnten sich Seite an Seite an einen Felsen. Jim und Selenos wiederum hatten sich an sie gelehnt. Die anderen saßen oder standen in gebührendem Abstand um sie herum.

Die vier Männer leiteten die Geistverschmelzung ein.

 

......Sie fanden sich alle vier an einem Strand wieder, nicht unähnlich dem, an dem sie sich auch außerhalb der Mediation befanden. Vorsichtig musterten sie die Umgebung und bewegten sich vorsichtig aufeinander zu. „Haltet eure Gedanken ruhig“, forderte Spock von Jim und Selenos, „denn je mehr ihr denkt, umso schwieriger ist es für Seron und mich, zur zehnten Ebene zu gelangen.“

 

Kirk bemühte sich um innere Ruhe. Langsam schritten sie den Strand entlang und Kirk registrierte, dass die Entfernung, die sie am Strand zurücklegten, eine andere war als sie es in der Realität gewesen wäre. Entfernungen schienen hier offensichtlich keine Rolle zu spielen und ihm fiel ein, was Spock ihm gestern erklärt hatte.

„Die Wege, die wir zurücklegen müssen, dienen der Konzentration in der Meditation. Je erfahrener und ruhiger die Meditierenden sind, deso kürzer sind die Wege und umso schneller gelangt man zum eigentlichen Zielort in der Meditation.“

 

Sie stoppten an einem himmelblauen Bassin. Es war gefüllt mit einem teils orangen und teils silberschimmernden gasartigen Stoff.

„Wir sollen in den Rauch treten, dort findet dann eine Art rituelle Reinigung statt...“

Spock unterbrach sich und Jim folgte seinem Blick zum Rand des Bassins. Dort saßen, mit den Füßen im rauchgefüllten Bassin baumelnd, vier seltsame...Gestalten.....Jim klappte den Mund auf. Sie boten einen ungewöhnlichen Anblick.

‚Ein Stern mit Füßen?...Und ein...was ist das?...ein Sehlat?...Und die anderen beiden Gestalten?....Eine Vulkanierin, eine wunderschöne Vulkanierin...und ein...ein was?... das vulkanische IDIC – Symbol?’

 

„Ruhig, Jim“, wiederholte Spock eindringlich und zog ihn mit sich in den Nebel. ‚Öffne den Mund, atme tief ein, sauge den Rauch in dich auf. Er mus in dich eindringen. Es ist zwar nur symbolisch, erfüllt aber trotzdem seinen Zweck.’

 

Jim schmeckte den Nebel in seinem Mund. ‚Metallisch...und kühl...der silbrig schimmernde Teil, der orangene hat mehr...Konsistenz und schmeckt nach...keine Ahnung...’

 

„Jim“, forderte Spock jetzt eindringlicher, „ruhig bleiben...“

 

Kirk bemühte sich, den Rauch in sich aufzunehmen und sich zu entspannen. Die ruhigen Gedanken von Spock beruhigten schließlich auch ihn und nach einer Weile forderte ihn Spock auf, das Bassin zu verlassen.

Die Gestalten hatten ihren Platz am Beckenrand verlassen und erwarteten die vier Männer.

 

„Komm zu mir, Spock“, bat der Sehlat und Spock trat langsam zu ihm. Der große Teddybär drückte den Vulkanier fest an sich und Spock verschwand fast in dem dichten Fell. Jim schmunzelte und auch Selenos konnte sich das nicht verkneifen.

 

„Ich freue mich für dich, Spock. Du hast mit deiner Entscheidung für Jim die richtige Wahl getroffen“, sagte der Teddybär.

Der Stern trat näher und Spock, inzwischen vom Sehlat wieder freigegeben, stellte Jim die beiden vor.

„Das sind meine Meditationsbegleiter. Diese Wesen zeigen sich in einer dem Meditierenden angepassten Form.“

 

„Ein Schmusetier und ein Stern als Symbol des Begehrens des Geistes. Faszinierend“, sagte Selenos und lächelte, „jetzt, wo du den Mut gefunden hast, dich für den Mann deiner Träume zu entscheiden, hast du sogar eine Menge mehr als ein Schmusetier gefunden...“

 

Spock funkelte ihn ärgerlich an, aber Spocks Begleiter lachten.

Seron und seine Begleiter gesellten sich zu ihnen. Der Vulkanier hielt die attraktive Frau, die seine Begleiterin darstellte, im Arm und hatte das IDIC – Symbol untergehakt.

„Mein Ideal“, erklärte Seron in gelöstem Tonfall, „und meine Traumfrau, eine liebenswürdige und zärtliche Vulkanierin.“

 

Zu acht machten sie sich auf den Weg zur zehnten Ebene und die vier Begleiter von Spock und Seron unterstützten diese beim Mitziehen von Jim und Selenos. Jim spürte, wie sich die Energie auf jeder Ebene erhöhte und Spock hielt seine Hand, um ihn zu beruhigen. Er sah, wie Seron das selbe mit seinem Schwiegersohn tat. Die Begleiter liefen vor und neben ihnen und dirigierten sie in die richtige Richtung.

Nach einer Weile hielten sie an und die vier Begleiter bildeten einen Kreis um die Meditierenden. Eine Art Lichtstrom trug sie alle nach oben.

„Das war die letzte Energieerhöhung. Wir sind auf der zehnten Ebene.“

 

Die Umgebung flirrte einen Moment und wurde wieder zum Strand auf Tribas, zur selben Stelle wie am Anfang und jene, auf der sie auch die Meditation begonnen hatten, dort wo sie an die Felsen und an sich gegenseitig gelehnt, saßen. Die Umgebung war die selbe, aber Jim fühlte einen Unterschied in der sie umgebenden Energie.

 

„Hier ist mein Körper gestorben, aber mein Geist ist auf der Lichtebene und wegen der ähnlichen Energie auf der zehnten Ebene der Meditation kann ich leicht hierherkommen.“

Unbemerkt von Kirk war Simis erschienen und  lächelnd zu Selenos getreten. Er ergriff seine Hand und streichelte sie.

 

Selenos sank auf die Knie. Seine Beine trugen ihn nicht mehr. Tränen rollten aus seinen Augen und er versuchte erfolglos, seinen Atem unter Kontrolle zu bringen.

 

„Selenos...“ Seron beugte sich zu seinem Schwiegersohn um ihn zu beruhigen. Simis, in seine cremefarbene Hochzeitsrobe gehüllt, kniete sich zu seinem t’hy’la. Er zog ihn behutsam in seine Arme und Selenos umklammerte ihn schluchzend.

 

„Ich kann dich berühren, Geliebter...seit zwei Jahren habe ich das nicht getan....und dann war alles aus....ich brauche dich so sehr....ich liebe dich....“

 

„Ich bin bei dir und wir werden immer zusammenbleiben. Das verspreche ich dir. Damals hatte ich keine andere Wahl, als das Band zu minimieren, aber jetzt werden wir es neu erschaffen und für immer zusammen bleiben...“

 

Kirk, gefangen von der Liebe, die sich vor seinen Augen offenbarte, fragte sich, wie das funktionieren sollte. Fragend blickte er zu Spock, der keine Regung zeigte. Jim blickte zu Seron und sah, wie Simis sich diesem zuwandte.

 

„Vater, du hast meinen T’hy’la zu mir gebracht. Ich danke dir.“

 

Seron nickte, aber er schien nicht glücklich.

„Was werdet ihr tun?“ fragte er seinen Sohn ruhig.

 

Selenos lachte aus vollem Hals.

„Was wir tun werden? Das wussten wir doch schon vor der Meditation. Außer Jim natürlich, zum Glück wusste er es nicht...“

 

Ein mulmiges Gefühl stieg in Kirk auf, aber er verstand Selenos’ Worte nicht. Er hob zu sprechen an, wollte erfragen, was gemeint war, doch als sich Simis ihm zuwandte, schwieg er. Simis war der schönste Mann, den er jemals gesehen hatte. Lange schwarze Wimpern umgaben leuchtende dunkle Augen und natürliche Eleganz durchdrang ihn gänzlich. Selenos und Spock waren auch atemberaubend attraktiv, aber Simis erst....

’Unschuldig und gleichzeitig ernst und klug...und so ein unendlich sanfter und liebevoller Blick...Seine Augen leuchten wie Lichter...’

Jim betrachtete den jungen Vulkanier erstaunt, seine Blicke glitten über den Mann, den Selenos so sehr liebte. Er kannte ihn nur tot auf dem Obduktionstisch im Notlazarett auf Tribas und jetzt kniete er hier, lebendig und nur einen Meter von ihm entfernt. Unsagbar schön. Der T’hy’la von Selenos, dem so emotionalen Dichter.

 

Simis ließ Jims Versenkung in seinen Anblick mit einem kaum sichtbaren Lächeln über sich ergehen.

„James T. Kirk“, sagte er mit zärtlicher Stimme, „du hast meinen T’hy’la getröstet. Ich danke dir.“

 

Dann drehte er seinen Kopf wieder zu dem vor ihm knieenden Selenos.

„Jim ist bezaubernd. Ich kann verstehen, dass du dich von ihm hast trösten lassen“, sagte er mit neckender Stimme.

 

„Du hast...Verständnis?“ fragte Selenos unsicher.

 

„Ihr habt euch gebraucht. Warum sollte ich kein Verständnis haben.“

Er blickte zu Spock.

„Es war mir eine Ehre und eine Freude, dir den Weg zu Jim zu weisen.“

 

Spock schwieg zuerst, doch dann sagte er leise. „Ich danke dir, Simis.“

 

„Dein Dank gebührt deinem Sehlat und deinem Sehnsuchtsstern. Sie haben mich zu dir geführt.“

Er streichelte seinen T’hy’la, der immer noch um Beherrschung ringend, sich schluchzend an ihn klammerte.

 

„Selenos, ich bin doch bei dir....und in wenigen Minuten werden wir für immer zusammen sein. Aber du musst dich beruhigen.“

 

Er wandte sich den anderen zu. „Konzentriert euch...ich versuche inzwischen meinen t’hy’la zu beruhigen.“

 

„So schnell, mein Sohn? Ihr wollt es sofort tun?“

 

„Worauf sollten wir warten“, fragte Selenos, „weshalb sollte ich zögern, mich wieder mit ihm zu vereinen? Was nützt mir mein lebender Körper in der physischen Welt, wenn ich Simis damit nicht spüren kann? Auf der Lichtebene ist alles möglich, kann mein Geist alles tun. Auf der Lichtebene brauche ich keinen Körper.“

 

„Ich hatte gehofft, es existiert noch eine andere Möglichkeit...“, sagte Seron traurig.

 

Jim verstand es noch immer nicht, aber war mehr als alarmiert durch die Worte der Vulkanier.

 

„Was habt ihr vor? Kann mir jemand erklären...“

 

„Captain“, sagte Seron ruhig, „es wird Ihnen nicht gefallen. Aber bitte verstehen Sie es. Sie lieben sich und wollen zusammen sein...“

 

„Was...“

 

„Mit einem vulkanischen Mentaltrick werde ich meine Körperfunktionen abschalten und während ich sterbe, ist mein Geist auf der Lichtebene, die gleichzeitig die Schöpfungsebene ist. Schöpfungsebene! Verstehst du, Jim? Auch der Tod gehört zur Schöpfung und wenn jemand stirbt, berührt er diese Ebene. Im Moment meines physischen Todes bin ich dem Geist von Simis, der sich schon auf der Lichtebene befindet, ganz nah. So nah, dass wir uns, bevor mein Geist auf der Lichtebene die Erinnerung an diese Welt hier verliert, vereinen können. Spock und Seron werden mir dabei helfen, einen Mindmeld mit Simis einzugehen. Dieser mindmeld wird nie enden. Wir werden für alle Zeit vereint sein. Dieses Mal hält unser Bindungsband ewig.“

 

„Nein!.....Seron, Spock...das dürft ihr nicht tun....“

 

Spock und Selenos sahen erst sich an und dann Jim.

„Doch. Wenn Selenos es will, werden wir ihm dabei helfen, zu seinem T’hy’la zu gelangen. Sie werden es verstehen, früher oder später....nach ihren menschlichen Vorstellung werden die beiden im Paradies sein. Ich will auch nicht, dass Selenos stirbt, ich will nicht auch noch meinen anderen Sohn verlieren. Aber es geht nicht um mich und nicht um Sie. Es geht um die Liebe zwischen Simis und Selenos.“

 

„Der physische Tod von Selenos ist nicht nötig, Vater“, ertönte die Stimme von Simis. Er löste sich von Selenos und trat zu den drei Männern.

„Es gibt diesen anderen Weg, an den du schon gedacht hattest. Wenn Selenos es will, kann er mit mir vereint sein und trotzdem physisch weiterleben.“

 

Energisch schritt er zu seinem Geliebten und zog ihn auf die Füße.

„Selenos, ahnst du nicht, wer noch auf der Lichtebene ist, mit  Erinnerung und auf ewig vereint?“

 

„Die Lichtgefährten...“, flüsterte der Dichter, „der Künstler und der Schmied. Laut der Legende entschwanden sie in einem goldenen Regentropfen – Schleier zur Lichtebene, wo sie auf ewig vereint sein sollten...“

 

„Ja....und sie sind hier. Sie werden uns helfen einen anderen Plan zu verwirklichen. Wenn ihr endlich alle zur Ruhe kommt und euch konzentriert.

Warum wohl habe ich mich euch nicht eher offenbart? Ich musste erst Spocks Zögern beenden, dafür sorgen, dass er es wagt mit dem Mann, den er liebt, eine Beziehung einzugehen. Das war notwendig, denn...“

 

Simis trat zu Jim und Spock.

„Liebt ihr euch? Wollt ihr euch binden? Ich hoffe es, denn wenn ihr es wollt, so könnt ihr es hier und jetzt tun.

Die Energie, die im Moment der Entstehung einer mentalen Partnerbindung zwischen zweien, die sich wirklich lieben, für einen Moment freigesetzt wird, ist so stark, dass die Grenzen zwischen der Lichtebene und der physischen Welt  verschwimmen. Wenn ihr beide, die ihr in der physischen Welt lebt und der Künstler und der Schmied in der geistigen Welt auf der Lichtebene uns gemeinsam mit eurer Liebe unterstützt, können wir es schaffen, dass Selenos und ich uns vereinen können. Wir können ein Liebesband bilden ohne dass Selenos’ Körper sterben muss. Auch ohne seinen physischen Tod können wir die Lichtebene erreichen und uns geistig vereinen.“

 

„Mit der Macht der Liebe.“

Zwei Männer traten zu ihnen.

Sie wussten alle, wer sie waren.

Der Künstler und der Schmied aus der Legende vom Lichtgefährten.

Der Legende, die Selenos mit seiner Poesie und seiner Liebe zu Simis unbewußt aktiviert hatte.

Hier standen sie. Groß, schlank und mit halblangem schwarzen Haar der eine und etwas kleiner, mit kürzerem, etwas hellerem Haar und kräftiger der andere. Sie waren eindeutig Vulkanier, und an ihnen erkannten sie den Hauch der Lichtebene, den Hauch der Ewigkeit.

Endlos.

Ewig in Liebe verbunden.

 

Sie traten zu dem Dichter.

„Auf der zwölften Ebene, also noch höher in der Meditation, könnt ihr beide euch auch mit euren Körpern wieder vereinen. Die Ebene, auf der ihr dann zusammen sein werdet, ist nicht exakt die selbe, wie die physische auf der ihr lebt. Aber ihr werdet für euch und für die anderen meist sichtbar und spürbar scheinbar auf der normalen physischen Ebene existieren. Hier auf der zehnten ist diese Möglichkeit noch nicht gegeben. Du musst in der Meditation die zwölfte Ebene erreichen. Aus eigenem Können, nicht mitgezogen von einem anderen.

 

Hier und jetzt existiert für eine sehr kurze Zeit genügend Energie damit ihr euch schon mental vereinen könnt. Ihr habt nur eine Chance dafür, denn es ist auch mit genügend Energie und genügend Liebesmacht fast unmöglich, sich auf diese Weise zu vereinen.“

 

Sie traten zu Selenos.

„Der Weg ist schwierig. Aber am Ziel wirst du mit deinem T’hy’la wieder vollständig vereint sein. Wählst du diesen Weg?“

 

Selenos nickte und lachte beinahe über diese Frage.

 

Die Lichtgefährten gingen zu den anderen.

„Du, Seron, hast es geahnt, du hast die Legende genau studiert und sachlich erforscht.

Jim, Spock, ihr liebt euch. Zögert nicht, bindet euch hier und jetzt.

Wenn sich mit der Energie, welche die Entstehung eures Liebesbandes freisetzt, Simis und Selenos mental vereint haben, kann der Dichter in den nächsten Jahren lernen, bis zur zwölften Ebene zu meditieren.

Du Seron, wirst es ihn lehren.

Simis wird ihn über das Liebesband mit seinem Wissen und seiner geistigen Kraft unterstützen. Er wird ihm einen neuen Weg weisen, um zur zwölften Ebene zu gelangen.

Einen Weg, bei dem Selenos seine Emotionen zwar beherrschen, aber sie nicht verleugnen muss.

Wenn Selenos die zwölfte Ebene in einigen Jahren erreicht hat,  kann er sich mit Simis körperlich vereinen. Nur mit der mentalen Kraft auf dieser Ebene ist das möglich.

Die Lichtebene, auf der sein Geist jetzt existiert, ist auch die Schöpfungsebene.

Deshalb wird dann, wenn es soweit ist, auf dieser Ebene ein neuer Körper für ihn entstehen.

Hier auf der Schöpfungsebene ist das möglich.

Als wir vor 7000 Jahren auch physisch existierten, haben wir mit der Schöpfungskraft Wasser und Nahrung, Frieden und Harmonie erschaffen. Es ist möglich.

 

Jim, Spock, sagt ihr Ja?" Die Lichtgefährten traten dichter an die beiden heran.

 

Sie sahen sich an, sahen in ihren Augen ihre Liebe zueinander.

Es gab nur eine Antwort.

Sie beschenkten sich damit und sie beschenkten Simis und Selenos.

Der Künstler, der Schmied, Seron und die vier Meditationsbegleiter - der Sehlat, der Stern, die schöne Vulkanierin und das IDIC – Symbol – umringten die vier Liebenden.

Noch waren Spock und Jim, waren Simis und Selenos nicht vereint im Geiste.

Aber sie würden es gleich sein.

 

Spock leitete die Verschmelzung mit Jim ein.

Simis und Selenos warteten.

Jim und Spock spürten, wie das Band entstand.

Dann spürten Simis und Selenos das Zeichen der beiden Lichtgefährten.

Simis berührte die Verschmelzungspunkte seines t’hy’la und in dem Moment, als das Bindungsband von Spock und Jim entstand, spürten sie, wie sich ihre Geister berührten.

Die Energie, die im Moment der Entstehung des Liebesbandes zwischen Jim und Spock freigesetzt wurde, und die Liebe der beiden Lichtgefährten, verbunden auf der Lichtebene, war stark genug.

Der Geist von Simis und der Geist von Selenos überwanden die Schranken.

Ließen die Grenzen zwischen der physischen Welt und der Lichtebene verschwimmen.

Nur für einen Moment. Doch es genügte.

Die beiden liebenden Paare hatten sich vereint.

Simis und Selenos fühlten sich wieder in ihren Gedanken.

Jim und Spock ebenso.

Selenos begann zu weinen. Er konnte das Glück nicht fassen, das ihm zuteil geworden war.

Jim erging es nicht anders.

Dann verließ ihn die Kraft.

Spock fing ihn auf als er fiel.

Die letzte Erinnerung.

 

Als Jim erwachte, lag er am Strand von Tribas.

Spock hielt ihn umfasst.

Sie spürten jeder den Körper des anderen und dessen Geist.

 

Selenos saß lächelnd neben Jim und Spock.

Und alle vier badeten im Glück.

 

Persönliches Logbuch des Captains

Die Flutschäden auf Tribas 1 sind größtenteils beseitigt und unsere Hilfe wird nicht mehr benötigt. Die Verletzten haben sich dank der medizinischen Hilfe von der Enterprise erholt und unsere Ingenieure und Crewmen haben beim Wiederaufbau geholfen.

Wir haben den Orbit um Tribas 1 verlassen und sind unterwegs zum Lypastia – Sektor. Ein Ionensturm hat dort die Energieversorgung von Schiffen verschiedener Art und der Raumstation K14 lahmgelegt. Die Enterprise soll zusammen mit einigen anderen Sternenflottenschiffen die Lage klären und technische Hilfe leisten.

Der Befehl kam überraschend, wir hatten uns schon darauf eingestellt, die unfreiwilligen Hauptakteure der Sensationen auf Tribas nach Vulkan zu bringen. Sie werden dort erwartet  und zwar – auch wenn die vulkanischen Offiziellen es nicht so ausgedrückt haben, voller Ungeduld. Besonders Selenos hat ihnen viel zu berichten und auch ich selbst wurde von der vulkanischen Regierung  um weitere Auskünfte gebeten.

Die uralte vulkanische Legende vom Lichtgefährten ist Wirklichkeit geworden. Nicht auf Vulkan, aber auf der Föderationskolonie Tribas 1. Der emotionale und liebenswürdige vulkanische Dichter Selenos und sein Lebenspartner Simis haben mit der Kraft ihrer Liebe die Lichtebene erreicht, die Ebene der Schöpfung. Wie der Künstler und der Schmied in der 7000 Jahre alten Legende.

Auf Vulkan regiert seit der Zeit von Surak eine Philosophie, die das Gefühl Liebe als irrelevant und gefährlich einstuft. Ein großer Teil der Vulkanier ist sich bewusst, wie zweifelhaft dieser Gedanke ist und in vielen ihrer privaten Beziehungen brauchen und leben sie Liebe.

Simis und Selenos sind wieder vereint, wenn auch vorerst nur im Geiste. Der Dichter meditiert mit Hilfe seines Schwiegervaters Seron seit drei Tagen fast ununterbrochen, um sich in einigen Jahren mit seinem Geliebten vollständig, also auch körperlich wieder vereinigen zu können. Die beiden Männer werden danach nicht in der selben Dimension existieren wie vor den Ereignissen auf Tribas. Ich bin mir nicht sicher ob ich Serons Erklärungen hundertprozentig verstanden habe. Er sprach von einer leicht phasenverschobenen Dimension. Aber eigentlich ist das nicht relevant, es zählt nur, dass die beiden wieder vereint sind.

Doch vorher muss Selenos eine außerordentlich hohe meditative Ebene, die zwölfte, erreichen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist er dazu nicht in der Lage und eigentlich gelangen nur die in Gol meditierenden Vulkanier auf die zwölfte Ebene. Selenos wäre dazu nicht fähig. Aber er wird einen anderen, einen neuen Weg gehen, um zur höchsten Ebene zu gelangen. Es ist ein Weg, den die beherrschten Vulkanier nicht kennen und wohl auch nicht kennen wollen. Selenos wird beim Meditieren einen Weg zur höchsten Ebene beschreiten, auf dem er die Kraft seiner Liebe zu Simis nutzt. Der Künstler und der Schmied und natürlich sein Bindungspartner Simis werden Selenos während dessen Meditationen diesen alternativen Weg lehren.

 

Und ich selbst? Spock und ich sind zusammen, sogar schon Bindungspartner. Das war eigentlich noch nicht geplant. Aber während der entscheidenden Meditation war die Energie eines, nämlich unseres, neu entstehenden Liebesbandes notwendig, damit sich auch Simis und Selenos mental wieder vereinen konnten. Und obwohl ich von den Ereignissen überrollt wurde, bereue ich die schnelle Bindung mit Spock nicht. Wir lieben uns und hätten uns früher oder später sowieso gebunden.

In einer langen, ausführlichen und teilweise sehr privaten Botschaft haben wir Spocks Eltern über uns und die Ereignisse auf Tribas, die ungeplant zu unserer schnellen Bindung führten, informiert.

Sie werden es verstehen und ich bin sicher, auch Sarek wird unserer Bindung zustimmen. Ich rechne jede Stunde mit einer Antwort auf unsere Botschaft.

 

Captain Kirk schaltete sein Logbuch ab. Dann duschte er sich, zog sich frische Kleidung an und ging zu Spocks Kabine.

 

°

 

Selenos lag auf Spocks Bett, die Augen geschlossen. Aber er schlief nicht, lag auch nicht still. Seine Hände streichelten die Luft, einige Zentimeter über seinem Körper. Jim kannte diese Geste seit Tagen. Seit der erneuten Initialisierung des Partnerbandes mit Simis befand sich der Dichter fast ständig in mentalem Kontakt zu seinem Geliebten. Während der Meditationen empfing er von Simis, dessen Geist auf der Lichtebene weiter existierte, Informationen darüber wie er vorzugehen hatte, um seine eigenen mentalen Fähigkeiten zu erhöhen. Mit diesen energetischen und theoretischen Erfahrungen würde der Vulkanier irgendwann in naher Zukunft in der Lage sein, sich mit seinem Geliebten endgültig wieder zu vereinen.

 

Im Moment jedoch meditierte Selenos nicht. Auf dem Bett liegend genoss er einfach nur die geistige Verbundenheit mit seinem t’hy’la. Sie liebkosten sich zärtlich in Gedanken, verschlungen in ihrer Liebe zueinander. Warum sich der Dichter hier in Spocks Kabine aufhielt und nicht lieber allein in seinem eigenen Quartier während er Simis so nah war, wusste Kirk nicht.

 

Spock saß auf der Bettkante und betrachtete Selenos. Als er aufblickte, schien es Jim, als ob sein T’hy’la in einer Art Trance sei. Er trat zu ihm und Spock bedeutete Jim, sich  zu ihm zu setzen.

 

‚Schau, Jim’,  flüsterten seine Gedanken und deuteten zu Selenos.

Kirk richtete seinen Blick auf den träumenden Dichter und dann sah er, was Spock meinte. In der Einheit mit seinem t’hy’la konnte er es erkennen, konnte er für einige Sekunden Simis sehen. Er lag halb neben, halb auf Selenos, schmiegte sich an seinen Körper.

 

„Er ist hier. Ich sehe ihn“, sagte Jim erstaunt zu Spock.

 

‚Nur Liebende können einen Teil der Lichtebene erleben’, hörte er Simis in seinen Gedanken, ‚nur deshalb könnt ihr beide mich sehen.’

 

Jim hob den Kopf, wandte sich ihm zu.

Ihre Blicke trafen sich und Jim erschienen die Augen von Simis wie zwei leuchtende Sterne auf dem Weg durch die Nacht.

 

 

Ende von Band 1

 

 

Fortsetzung in Band 2