Titel:  Die Legende vom Lichtgefährten

Kapitel 8 von 9

Autor: Liliane Romano

Serie:  Star Trek TOS

Paarung: K/S, S/m, K/m

First Time

Rating:  NC17, ein bisschen

Dies ist eine homoerotische Liebesgeschichte. Wer unter 18 ist oder homoerotische Erzählungen nicht mag, sollte bitte nicht weiterlesen.

 

Zusammenfassung: Eine alte vulkanische Legende erwacht zum Leben und ein emotionaler vulkanischer Dichter hilft Kirk und Spock sich zu finden.

 

Feedback: Ja.

Hier oder liliane_romano@yahoo.de

Archiv: Ja

Beta:  T'Sihek. Nach ihren Hinweisen – vielen Dank dafür! – habe ich nach der Erstveröffentlichung das eine oder andere nochmal korrigiert.

Disclaimer: Das Star Trek Universum gehört mir nicht und ich verdiene damit kein Geld. Ich spiele nur ein bisschen mit den sexy Jungs und den netten Mädels die dort wohnen. Ich schreibe nur zum Spaß und will keine Rechte verletzen.

 

 

Kapitel 8

 

 

„...Du und mein Sohn, ihr habt euch geliebt, wart auf überwältigende Weise eins. Mein leiblicher Sohn ist tot, aber weil ihr zusammengehört, bist auch du mein Sohn...“

 

Die Augen von Selenos weiteten sich vor Erstaunen.

„Dein Sohn? Du meinst, was du sagst? Ich meine...du betrachtest mich als deinen Sohn?“ Ungläubig formulierte Selenos die Frage an den Vater seines toten Geliebten.

 

„Ich bin nicht wie meine Bindungspartnerin. Wir stimmen in der Einschätzung eurer Verbindung nicht überein. Das ist dir bekannt. Ich gebe zu, anfangs war ich dagegen. Du galtest weder für T’Nar noch für mich als akzeptabler Schwiegersohn. Aber nach dem mindmeld mit Simis konnte ich seinen Wunsch nach einer Bindung mit dir sehr gut verstehen.“

 

Seron überlegte, ob er nicht doch zu weit gehen würde mit seinen nächsten Worten. Aber Selenos verstand den Wunsch nach Liebe und er würde ihn, den Zweiten vulkanischen Botschafter, nicht geringer achten dafür.

 

„ Auf meine Forderung hin haben T’Nar und ich unser Band kurz nach eurer Bindung minimiert. Zum einen wegen ihrer Wut auf euch und auch auf mich, weil ich eurer Bindung zugestimmt hatte. Ich war nicht Willens diese Wut in ihr, die sie nicht beherrschen wollte, ständig miterleben zu müssen. Aber vor allem...wegen der Veränderungen in mir, als ich euer Glück erlebte

Als ich sah, wie glücklich ihr seid, wurde mir klar, was mir selbst fehlt, denn nach dem mindmeld mit meinem Sohn war in mir die Sehnsucht nach Liebe erwacht. Vorher hatte ich nicht gewusst, was ich vermisse und wegen euch beiden durchbrach die Sehnsucht nach diesem Gefühl  von einem Moment zum nächsten meine Emotionskontrollen.

Mir war klar, mit T’Nar würde ich die Liebe nie erleben können. Aber sie ist meine Bindungspartnerin für den Rest meines Lebens. Nur wenn ich auf meine gesellschaftliche Stellung und mein Ansehen verzichten würde, hätte ich eine Trennung in Betracht ziehen können. Doch ich war damals ebenso wie ich es heute bin, weit davon entfernt, den Mut für diesen Schritt aufzubringen.“

 

Seron setzte sich wieder und schaute dem Dichter in die verstehenden Augen.

„Ich bin nach Gol gegangen, um diese unerwünschten Emotionen in mir beherrschen zu können. Euer Glück zu spüren hatte zutiefst mein geordnetes Leben durcheinander gebracht, meine Seele in Aufruhr versetzt, in mir den Wunsch nach einer anderen Partnerin geweckt. Es ist seitdem mein Wunsch, mit einer Frau gebunden zu sein, die sich dem Gefühl Liebe nicht verschließt.

Die Philosophie der Beherrschung der Emotionen existiert ganz sicher nicht ohne Grund. Du kennst die entscheidenden Stellen aus Suraks Büchern so gut wie ich. Surak hatte sicher recht mit seiner Philosophie. Doch sie nützt nichts, wenn es um die Sehnsucht nach Liebe geht. Für unser Volk ist die Beherrschung der Emotionen, die Vorherrschaft der Logik, überlebenswichtig, doch sie ist nicht anwendbar, wenn die Sehnsucht nach Liebe erwacht.

Liebe hat mit Logik ganz einfach nichts zu tun.

In Gol gelang es mir, meine emotionalen Kontrollen zu stabilisieren, aber mein Wunsch nach Liebe blieb.

Du und Simis, ihr habt euer Glück nicht nur für euch erlebt, sondern auch für mich. Ihr habt erlebt, was ich niemals erleben durfte.

Trotz der ungestillten Sehnsucht nach Liebe wuchs in mir die Befriedigung darüber, dass wenigstens meinem Sohn diese Gefühl vergönnt sein würde.Dank dir. Du, Selenos, hast meinen Sohn zu dem glücklichen Mann gemacht, der ich niemals werden darf.“

 

Der Dichter blickte Seron an. Die Traurigkeit in den Augen des Diplomaten verschloss den Blick für die ähnlichen Züge von Vater und Sohn.

Selenos berührte mit seinen Fingern die von Seron, streichelte sie. Simis’ Vater hatte ihn trösten wollen und doch brauchte er selbst Trost.

Seron erzitterte unter der zarten liebevollen Berührung.

 

„Du hast einen solch einfachen Kuss noch nie vorher gespürt, Seron? Es ist kein Kuss aus Leidenschaft, er bedeutet nur Nähe. Er kann auch mehr bedeuten, das ist aber nicht zwingend. Ich hoffe, du findest bald den Mut, deinen Wünschen nachzugeben....und eine Frau, die lieben kann.“

Seron erwiderte die Berührung, wünschte sich, Selenos würde sie nicht so bald beenden. Wie sehnte er sich danach von einer Frau so berührt zu werden!

Er zog sich von Selenos zurück, begann wieder zu sprechen.

 

„Heute geht es um dich.

Ich bitte um Entschuldigung. Es war nicht geplant, dich mit meinen Emotionen so zu überfallen.

Ich bin vor allem hier, weil ich mit dir über deine Zukunft beraten und dir bei den Meditationen helfen will.“

 

„Ich habe noch keine Pläne für die Zukunft, aber auf Tribas will ich keinesfalls bleiben. Ob es mir hilft, zur Erde zu gehen? Unter Menschen lebt es sich für mich als emotionalen Vulkanier leichter als unter den Angehörigen meines eigenen Volkes.“

 

„Wenn du dort dein Leben von vor zwölf Jahren wieder aufnehmen willst, ist das keine gute Idee. Hast du vor, dich dort mit attraktiven irdischen Männern zu trösten? “

Energisch schüttelte Seron den Kopf.

„Wenn du glaubst, das würde für die Zukunft genügen, dann irrst du dich.“

 

Selenos dachte an Jim, senkte den Kopf.

„Was schlägst du vor?“

 

„Du kommst mit mir nach Vulkan. Ich habe in der Nähe von Gol ein kleines Haus und dort werde ich dir helfen, deine emotionale Kontrolle wieder herzustellen. Verstehe mich nicht falsch, ich will nicht deinen Charakter ändern, aber du weißt, als Vulkanier brauchst du wenigstens ein Minimum an Kontrolle. “

 

Der Dichter nickte.

„Was wird danach?“

 

„Das wird sich noch erweisen. Vergiss nicht, du bist jetzt ein berühmter Mann. Der „Lichtgefährte“ hat für Wirbel auf Vulkan gesorgt und wenn erst bekannt wird, dass sich die Lichtgefährtenlegende dank deines Werkes und der Liebe zwischen Simis und dir materialisiert hat, wird sich auf Vulkan einiges ändern.“

 

„Das war nicht geplant.“

 

„So ist es aber und du kannst davor nicht die Augen verschließen.

Was immer die Zukunft für dich bringt, sie ist eng mit dem „Lichtgefährten“ und der Legende verbunden.“

 

„Das hatte ich befürchtet.“

 

„Du bist nicht allein. Ich werde bei dir sein, deine Schwester und dein Schwager auch. Zudem hast du viele Anhänger auf Vulkan, und es werden sehr bald noch mehr sein.“

 

Selenos stand auf, dachte nach.

„Was glaubst du, wird geschehen?“

 

„Es gibt mehr als eine Möglichkeit, wir sollten dieses Thema später erörtern.

Morgen, mein Sohn, werde ich dich auf die Meditationen vorbereiten und übermorgen werden wir mit der ersten beginnen.

Die Vorbereitungen sind notwendig. Ich muss dir beibringen, richtig zu atmen, deinen Geist ruhig zu halten und einiges mehr. Ich werde morgen früh wieder hier sein und dann beginne ich mit dem Unterricht.

Wann hast du das letzte Mal meditiert?“

 

„Vor mehr als zwei Jahren.“

 

„Dann wird es eine besonders große Herausforderung für uns beide. Als was stellten sich denn damals deine Meditations - Begleiter dar?“

 

„Nicht exakt als das, was ich mir gewünscht hätte, nicht als der Künstler und der Schmied aus der Lichtgefährtenlegende.“

 

„Als was zeigten sie sich?“

 

„Als der Schleier aus den goldenen Regentropfen, in dem vor 7000 Jahren die beiden Lichtgefährten auf die Lichtebene entschwanden der eine. Der andere als der Busch an ihrer Heimstätte, der vor ihrer Zeit als Lichtgefährten ausgedörrt war.

Als der Strudel der Liebe der eine und der andere als der, welcher die Liebe empfängt.“

 

„Aber auch als das Wasser, das Leben spendet und als Wüste, die das Wasser braucht, um zur Oase zu erblühen.“

 

„Ja. Faszinierend.“

 

 

Der Türsummer ertönte und Selenos öffnete.

„Guten Abend, Jim“, sagte Selenos, „bitte setz dich. Was kann ich für dich tun?“

 

„Störe ich?“ fragte Kirk mit einem Blick auf Seron.

 

„Nein. Was kann ich für dich tun?“

 

Kirk setzte sich. „Ich wollte wissen wie es dir geht, deshalb bin ich hier.“

 

Selenos lächelte.

„Inzwischen geht es mir wieder gut. Mein Schwiegervater hat mir gezeigt, dass er anders über mich und Simis denkt als seine Partnerin und hat mir noch dazu seine Hilfe angeboten. Ab Morgen wird er mich dabei unterstützen, meine Emotionen zu kontrollieren und mich beim Meditieren begleiten.“

 

Kirk drehte sich zu dem Diplomaten. „Das ist sehr anständig von Ihnen, Sir.....Vor allem nach dem Zwischenfall auf dem Hangardeck.“

 

Seron wehrte ab. „Nein, Captain. Anders. Es ist das mindeste was ich für Selenos tun kann, nachdem T’Nar ihn so beleidigt hat. Mein Schwiegersohn ist ein anständiger Mann, auch wenn viele Vulkanier ihm aufgrund seiner unkontrollierten Emotionen ohne Achtung begegnen. Er hat meinen Sohn glücklich gemacht und das zählt für mich mehr als seine schwache Emotionskontrolle.“

 

Kirk schaute Seron dankbar an. „Ihre Ansicht freut mich.“

Dann wandte er sich wieder dem Dichter zu.

 

„Deine Schwester ist wirklich faszinierend, doch noch so ein Zwischenfall und ich verfrachte sie in die Arrestzelle. Ich gehe gleich zu ihr und frage sie, was in sie gefahren ist.“

 

„Du wirst dir an ihr die Zähne ausbeißen. Sie wusste, was sie tat und wird mich auch in Zukunft immer wieder verteidigen.“

 

„Es freut mich für dich, dass du so eine treue Schwester hast und ich hoffe, sie hält ihre Wut in Zukunft unter Kontrolle...“

 

„Ich glaube, du hast mich nicht verstanden.“ Selenos trat näher an Jim heran. „Es ist durchaus möglich, dass sie sich unter Kontrolle hatte...“

 

„Das habe ich jetzt nicht gehört.“

 

Selenos antwortete nicht, es sah aus, als denke er an etwas anderes.

„Jim...“, sagte er schließlich leise, „ich komme mal kurz mit dir vor die Tür...“

 

Er wandte sich zu Seron um. „Nur ein Moment, ich möchte gern mit Jim etwas allein besprechen.“

 

Sie traten in den Flur und Selenos nahm Jims Hand in die seine.

„Es ist besser, wir schlafen nicht nochmal miteinander. So unwiderstehlich du auch bist, es erscheint mir nicht richtig, und zudem glaube ich, der Mann den du wirklich willst, überlegt es sich sehr bald anders und entscheidet sich für eine Beziehung mit dir.“

 

Die Stimme des Vulkaniers hatte ernsthaft und leise geklungen .

 

 Jim nickte. „Du hast sicher recht....Also...“, er lächelte, „es war mir ein Vergnügen, Selenos.“

 

Der Dichter erwiderte sein Lächeln. „Ich danke dir, James T. Kirk für deinen Trost und es war auch mir ein Vergnügen.“

 

Selenos hob Jims Hand an seinen Mund, küsste sie. Er zögerte einen Moment, schaute sich nach unwillkommenen Beobachtern um. Dann drückte er Jim an sich. Für einen Augenblick trafen sich ihre Lippen, vereinigten sich ihre Zungen zum letzten Mal.

 

°°°°                                                 

 

Die Hände in die Hüften gestemmt, stand Captain Kirk vor T’Adrana.

„Können Sie mir erklären, was das vorhin sollte? Sie können doch nicht die Gattin des Botschafters schlagen!“

 

Die Vulkanierin zeigte sich gleichgültig.

„Sie waren doch dabei, Jim. Sie wissen, warum ich es getan habe, und dieses eiskalte Biest weiß es auch. Machen Sie keine Affäre daraus. Sie wird es auch nicht.“

 

„Natürlich weiß ich es, aber das spielt keine Rolle. Auf meinem Schiff gibt es keine Angriffe auf Gäste.“

 

„Es war eine ausgesprochen angemessene Reaktion von mir. Sind Sie nicht meiner Meinung?“

 

Kirk verdrehte die Augen, stierte nach oben. „Ich bin Ihrer Meinung, T’Adrana. Doch trotzdem dürfen Sie das nicht tun. Versprechen Sie mir, künftig zurückhaltend zu sein?“

 

„Nein.“

 

Kirk massierte sich die Stirn. „Ok., T’Adrana. Ich verstehe. Würden Sie mir stattdessen versprechen, das nächste Mal stärker zuzuschlagen, damit es sich wenigstens lohnt?“

 

Die Vulkanierin lächelte erfreut. „Sie sind der Captain, wenn das Ihr Wunsch ist...“

 

Jim lächelte gequält. Dann wandte er sich Dr. M’Benga zu.

 

„Hat die Lady irgendwelche gefährlichen Verletzungen davon getragen?“

 

„Nun, Captain...betrachten Sie einen Bluterguss, den ich inzwischen so weit behandelt habe, dass er unsichtbar ist, als gefährliche Verletzung? Oder vielleicht eine angebrochene Nase? Oder ein zehn Sekunden andauerndes Aussetzen der Atmung als Folge von T’Adranas Schlägen? Nein? Ich auch nicht. In diesem speziellen Fall.“

 

Captain Kirk stöhnte in nur halb gespielter Verzweiflung.

 

„Jim, machen Sie sich keine Sorgen“, beruhigte ihn T’Adrana, „ ich werde mich von ihr fernhalten. Aber meine Aktion vorhin auf dem Hangardeck musste sein.“

 

„War ihre Aktion also tatsächlich kein Wutausbruch? Sagen Sie nicht, Sie hatten das geplant!“

 

„Ich werde es nicht sagen, wenn Sie es wünschen.“

Kirk drehte sich um die eigene Achse, versuchte, sich zu beherrschen. Schließlich presste er, gefährlich klingend, zwischen den Lippen hervor: „Dass keiner mir Dummheiten macht, ich kann meine Wut nicht immer zügeln.“ Dann eilte er kopfschüttelnd aus der Krankenstation.

 

°°°°

 

Mitternacht war längst vorbei, als Spock sich auf den Meditationsstein legte. Wie schon vor achtzehn Stunden betrat er den Pfad zur neunten Meditations – Ebene.  Er klärte seinen Geist und beschloss für sich, dieses Mal vorurteilsfrei und ein bisschen demütiger als sonst die Meditation zu bestreiten. Der Simis – Begleiter hatte ihm am letzten Vormittag unmissverständlich klar  gemacht, dass er ihn für zu selbstsicher hielt. 

‚Du glaubst, eine logische Entscheidung getroffen zu haben, aber in Wahrheit hat ein Gefühl zu deiner Entscheidung geführt. Angst. Angst vor deinen Gefühlen. Vielleicht solltest du dich nicht immer auf Logik berufen, wenn du Entscheidungen triffst.

Ich sagte dir schon, dass du arrogant bist, von Zeit zu Zeit deiner selbst zu sicher. Dabei erkennst du nicht einmal den wahren Grund für deine Entscheidung.’

Vorwürfe, die Spock jetzt noch erschütterten, ihn beim Gedanken daran zusammenzucken ließen.

 

Spock wusste schon sehr lange, dass er Jim Kirk liebte und ihn auch physisch begehrte – und exakt das erschien ihm als Problem. Er hatte wegen dieser Gefühle lange mit sich gerungen, wollte sie sich nicht eingestehen. Liebe und Begehren durften  ganz einfach keine Rolle spielen für einen beherrschten und logisch denkenden Vulkanier. Zumindest keine bedeutende. Aber sie taten es dennoch. Als Spock sich entschlossen hatte, sich die Existenz der Gefühle für seinen Freund und Captain einzugestehen,  beschloss er auch sofort, ihnen keinen Einfluss auf seine Handlungen einzuräumen. Eine kurze Zeit lang war das gut gegangen, bis er merkte, dass Jim seine heimlichen Gefühle für ihn ebenso heimlich erwiderte. Spock hatte darauf mit einer Mischung aus rasendem Herzen und schlaflosen Nächten reagiert und mit einer Mischung aus traurig – trotzigem Stolz und herbeigeredeter Sicherheit beschlossen, dessen Gefühle nicht zum Anlass zu nehmen, sich seine eigenen für Jim zu gestatten. Aber ihm war klar gewesen, dass Jim eines Tages irgendetwas wegen seiner Gefühle für ihn sagen oder tun würde. Während eines Landurlaubes war es dann soweit. Jim hatte ihn geküsst, ihn seine Liebe spüren lassen. Spock war darauf vorbereitet gewesen und hatte ihm gegenüber so getan, als ob er dessen Gefühle nicht erwidere. Jims Niedergeschlagenheit, die Traurigkeit in dessen Seele wegen der Zurückweisung waren Spock ebenso wenig entgangen wie dessen Schamgefühl darüber, seinen Freund mit seinen Gefühlen überfallen zu haben. Doch die beabsichtigte Täuschung war gelungen, Jim ahnte nichts von Spocks wahren Gefühlen.

 

Täuschung und Selbsttäuschung. Von Anfang an, seit Spock seine Gefühle für Jim entdeckt hatte, hätten diese niederen Akte ihre Freundschaft verdunkeln können. Doch das trat zum Glück nicht ein, nur kurz war die Entfernung zwischen ihnen gewachsen, ihre Freundschaft überschattet. Der Vulkanier war erleichtert gewesen, denn Jims Freundschaft, seine Nähe, bedeuteten ihm zuviel. Er wollte ihn nicht verlieren.

Zufällig erfuhr Jim von Spocks Liebe zu ihm. Zufällig zu der Zeit, als Spock am Beispiel des um seinen geliebten Partner trauernden vulkanischen Dichters Selenos die Schattenseiten der Liebe hautnah miterlebte. Simis hatten die unbeherrschten Emotionen von Selenos mentales Leid zugefügt und Selenos’ Schmerzen wegen des Todes von Simis schienen ihm die Richtigkeit der Ablehnung einer Liebesbeziehung zu Jim zu beweisen. Er wollte sich solchen Emotionen nicht aussetzen. Kurz entschlossen bat er Jim in seine Kabine, machte reinen Tisch, lehnte zum dritten Mal eine Beziehung mit ihm ab. Seine Stimme klang fest und er war sich sicher, das Problem der für seine Selbstbeherrschung bedrohlich erscheinenden Gefühle für Jim endgültig gelöst und beendet zu haben.

Wenige Stunden später hatte ihm der Meditationsbegleiter in Gestalt von Simis das Gegenteil klar gemacht. Nichts war gelöst. Er hatte sich seine aus Furcht vor den eigenen Gefühlen getroffene Ablehnung einer Liebesbeziehung mit Jim als Logik verkauft und war damit beim Meditieren gescheitert. Der Simis – Begleiter akzeptierte seinen Selbstbetrug nicht, zeigte Spock, wonach er sich sehnte und führte ihm noch dazu seine Eifersucht vor Augen – denn als er sah, dass der Mann, den er liebte mit einem anderen geschlafen hatte, kochte er innerlich, verlor während der Meditation die Kontrolle.

 

Jetzt betrat Spock die neunte Meditationsebene erneut, fest entschlossen, die Meditation zu einer offenen Analyse zu nutzen, um eine Entscheidung über eine Zukunft mit oder ohne Jim und seiner Liebe zu treffen.

 

‚Ich bitte um Anpassung an diese Ebene’, flüsterten seine Gedanken, als er die neunte Ebne betrat. Die fahle Umgebung veränderte sich, wurde zu der vornehmen Gegend der vulkanischen Hauptstadt, in der sein Elternhaus stand.

Ruhig wartete Spock auf die Richtung, die seine Meditation nehmen würde. Seine Augen suchten die Szene nach dem Simis – Begleiter ab und er entdeckte ihn auf den Stufen seines Hauses. Er wartete bis Spock näher kam und erhob sich.

 

„Ich grüße dich“, sagte der Simis – Begleiter höflich, ganz anders als bei der letzten Meditation. Spock erwiderte den Gruß ebenso höflich.

 

„Ich muss dir ein Geständnis machen“, sagte der Begleiter, „Ich bin kein Begleiter. Deine beiden wahren Begleiter stehen hinter dir.“

 

Befremdet drehte Spock sich um. Ja, dort standen sie, genauso in ihrer Erscheinung, wie zu der Zeit, als sie ihn noch durch die Meditationen der unteren Ebene begleitet hatten.

Sie begrüßten ihn ohne viele Worte, als wären nicht fünfzehn Jahre sondern nur wenige Tage seit dem letzten Mal vergangen.

 

„Wir waren bei jeder Meditation in deiner Nähe, doch auf den hohen Ebenen ist unsere Führung unnötig und könnte stören, deshalb bleiben wir dort meist unsichtbar“, beantworteten sie die erste seiner stummen Fragen, „und heute zeigen wir uns, weil diese Meditation außerordentlich grundlegend für deine Zukunft ist."

 

Sie deuteten auf Simis, „Er ist hier, weil wir es für eine gute Idee halten, wenn dir jemand von dem du weißt, dass er sowohl das Liebesglück als auch das Liebesleid kennt, zur Seite steht. Wir beide werden uns im Hintergrund halten.“

 

„Wenn er kein Begleiter ist...“, Spock war ein wenig verwirrt.

 

„Irrelevant.“

 

Spock schwieg.

 

„Setzen wir uns auf die Treppe“, sagte das Simis – Wesen und Spock gehorchte.

 

„Ich war gestern unhöflich zu dir, dafür bitte ich um dein Verständnis. Aber es schien mir notwendig, denn unserer Meinung nach ist dein Entschluss, eine Liebesbeziehung mit Jim Kirk abzulehnen, überwältigend kurzsichtig. Du bist ansonsten intelligent und beherzt, nur bei dieser wichtigen Entscheidung für deine Zukunft hast du unvernünftig entschieden.“

 

Spock schluckte. „Unvernünftig?“ fragte er vorsichtig.

 

„Ja. Du hast nicht an deine Zukunft gedacht. Du musst dich eines nicht weit entfernten Tages binden und obgleich es einen Mann gibt, der dich liebt und den du liebst, entscheidest du dich nicht für ihn, sondern wartest auf jemand anderen. Sage mir, Spock , worauf wartest du? Wartest du auf jemanden, der deine Seele nicht berührt?“

 

„Du kennst den Grund für meine Entscheidung eine Beziehung mit Jim abzulehnen, du hast ihn doch gestern selbst genannt.“

 

„Du siehst es also ein.“

 

Spock nickte.

 

„Das war das Ziel von gestern. Du hast es erreicht und heute zeige ich dir eine Variante deiner Zukunft, wie sie ohne Jim verlaufen würde, wenn du dich also gegen ihn entscheidest. Ich will, dass du deine Entscheidung – wie auch immer sie aussehen wird –  aus einem logischen Motiv heraus triffst und zeige dir deshalb die Konsequenzen deiner Entscheidung.“

 

Die Umgebung verschwamm und Spock sah sich im Transporterraum der Enterprise Jim gegenüber. Sein Freund hielt Abstand zu ihm, die Augen traurig auf ihn gerichtet.

 

„Ihr habt euch nach der Fünfjahresmission verabschiedet und du hast dich gegen ihn entschieden. Sieh dir an, wie es weitergeht“, sagte das Simis – Wesen.

 

Wieder änderte sich die Umgebung und vor Spock stand eine bemerkenswert attraktive Vulkanierin.

 

„Sie ist die Frau, die dein Vater für dich ausgesucht hat, eine liebenswürdige und vorurteilsfreie Wissenschaftlerin. Bald nach deiner Rückkehr nach Vulkan werdet ihr euch binden.“

 

Die Frau berührte ihn an der Wange und Spock spürte das Entstehen einer Partnerbindung. Ein berauschendes Gefühl, Euphorie gar. Er begleitete sie auf dem Weg zur Vulkanischen Wissenschaftsakademie und bewunderte auf dem Weg ihren wiegenden Gang, ihre sanften Augen und genoss ihren offenen Geist in seinem.

 

„Dein Vater hat eine gute Wahl getroffen, findest du nicht auch?“

 

Spock bejahte überrascht, jedoch unsicher über den Plan des Simis – Wesens.

Er wurde von ihm durch die Akademie geführt, sah sich selbst beim Forschen, beim Halten von Vorlesungen, erkannte stolz, dass die anderen Vulkanier ihm großen Respekt zollten, seine Fähigkeiten würdigten.

 

„Die Erfahrungen und das Wissen, dass du in den Jahren bei der Sternenflotte gesammelt hast, machen dich zu einem der brilliantesten und respektiertesten Wissenschaftler der Föderation. Das und die Ehe mit dieser schönen Vulkanierin aus den höchsten Kreisen lässt alle jene verstummen oder umdenken, die dir wegen deiner gemischten Gene die Anerkennung bisher verweigerten.“

 

Angenehm. Dieser Begriff, dieses Gefühl durchströmte ihn. Er würde ein hochgeachteter vulkanischer Bürger sein, seiner wissenschaftlichen Neugier nachgeben können und.............ihn durchzuckte ein schamvolles Gefühl bei der nächsten Szene, die er erlebte. Sinnliches Begehren war in ihm gewachsen, und er hatte seine Frau verlangend an sich gezogen. Lust, Sehnsucht nach Nähe. Spock kannte dieses Gefühl durchaus, meist bezog es sich auf Jim, doch er hatte sich auf der Enterprise stets mit der Arbeit abgelenkt und es sich verboten. Als gebundener Vulkanier – in der Zukunftsvariante mit dieser attraktiven Frau – schien die Kontrolle der sexuellen Lust instabil zu werden.

Er küsste seine Frau, doch sie erwiderte die Zärtlichkeit nicht, reagierte darauf mit wenig Verständnis.

 

„Das willst du?“ fragte sie sanft und strich ihm mit herablassender und demütigend wirkender Geste über die Wange.

 

„Es ist doch erst in vier Jahren wieder soweit bei dir und schon vor 34 Tagen habe ich deinem Trieb nachgegeben. Du hast keine Kontrolle über deine sexuellen Reaktionen. Aber ich werde dir geben, was du dir wünschst, denn du bist mein Mann und es ist mein Wunsch, dich zufrieden zu sehen.“

Sie streifte sich das Kleid von ihrem makellosen Körper und legte sich mit sachlicher Bewegung auf das Bett. Sie schaute ihn abwartend an, zeigte keinerlei emotionale Reaktion.

Ihre Teilnahmslosigkeit ließ ihn zögern, sich ihr zu nähern.

 

„Du willst nicht mit mir schlafen, für dich ist Begehren belanglos“, warf er ihr mit bitterer Stimme vor.

 

Sie richtete sich wieder auf, wählte ihre nächsten Worte mit Bedacht. „Sexuelle Handlungen mit dir sind nicht unangenehm, Spock, aber ich brauche sie nicht. Wenn du den Geschlechtsakt aber benötigst, um dein inneres Gleichgewicht zu bewahren, tue ich es selbstverständlich mit dir. Es macht mir nichts aus.“

 

Entschlossen entkleidete sie ihn und legte sich wieder abwartend auf das Bett. Spock legte sich zögernd zu ihr. Er streichelte sie zwischen den Schenkeln, versuchte, eine erotische Reaktion von ihr zu erhalten. Doch stattdessen spürte er ihre Ungeduld über die Langsamkeit des Vollzuges des Geschlechtsaktes. Deshalb schob er sich schnell auf sie, fasste seine Erektion und führte sie hastig ein. Es dauerte nicht lange bis er kam. Danach rollte er sich zur Seite, hielt die Augen geschlossen. Er merkte, wie sie nach kaum einer Minute aufstand und sich wieder ankleidete.

Der Spock in der Meditation erschauerte. Nicht angenehm.

 

Der Begleiter führte ihn schweigend zur nächsten Szene und dort saß er Jim gegenüber, bei einem offiziellen Treffen von Forschern und Starfleetleuten. Spock erinnerte sich an dessen Begehren, an das Verlangen, das Jim ihm entgegenbrachte. Er schaute ihn forschend an, traf auf unglückliche Augen.

Später, als er im Schlafzimmer seines Hauses allein im Bett lag, überwältigten ihn seine geheimen Wünsche. Er überwand die Scham darüber, dass seine Frau mit Sicherheit über die geistige Verbindung sein Tun bemerken würde und rieb sich an der Matratze, streichelte sein Geschlecht. Der Gedanke an Jim, den Mann, der voller Lust und Freude mit ihm geschlafen hätte, ließ ihn stöhnen und nach wenigen Sekunden den Höhepunkt erleben. Dann rollte er sich zusammen und jetzt war es ein Weinen, was ihn erbeben ließ. Irgendwann schlief er verzweifelt ein.

 

Er erwachte, als seine Frau den Raum betrat. Spock vergrub sein Gesicht im Kissen, schämte sich vor ihr. Doch sie reagierte anders, als er es erwartet hätte. Schweigend legte sie sich hinter ihn, umfasste seinen Körper und aktivierte die geistige Verbindung. Ihre sanfte und verständnisvolle Präsenz beruhigten ihn und nachdem sie eine Weile aneinander geschmiegt und ohne Worte auf dem Bett verbracht hatten, öffnete er seine Gedanken für sie, zeigte ihr seine Gefühle für Jim.

 

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„Es ist eine kluge Entscheidung, ein Jahr nach Gol zu gehen. Es wird dir helfen.“ Sie verabschiedeten sich und er betrat die heiligen Hallen der Meister der Gefühlsbeherrschung.

 

Spock war immer wieder fasziniert von der Möglichkeit, in einer Meditation alle Empfindungen so direkt miterleben zu können. So wie jetzt auch.

 

Als er sich nach einem Jahr Gol verlassend sah, hatten sich sein Körper und sein Geist beruhigt. Das Zusammenleben mit seiner großzügigen und verständnisvollen Frau gestaltete sich harmonisch und er konnte es in seinem Geist genießen.

Das Pon Farr brachten sie ohne Probleme hinter sich und als er von der Schwangerschaft seiner Frau erfuhr, verlor die Erinnerung an Jim noch mehr an Bedeutung.

 

„Wir gehen einige Jahre weiter in der Zeit“, sagte das Simis – Wesen und Spock sah die Bilder seiner Wahl zum Präsidenten der Vulkanischen Akademie der Wissenschaften, sah seine beiden Kinder heranwachsen und schließlich auch das schönste Bild. Seine Frau beim Geschlechtsakt unter ihm lustvoll stöhnend, seine Zärtlichkeiten erwidernd.

 

„Sie wollte dich zufrieden sehen, dir geben was du dir wünschst. Deshalb hat sie gelernt, hat sich informiert darüber, wie sie körperliche Liebe geben und selbst erleben kann. Es sieht so aus, als hättest du doch die richtige Wahl getroffen, als du dich für sie entschieden hast. Eine Entscheidung für Jim hätte nicht mit Sicherheit zu einem glücklichen Leben geführt, dein oder sein Leben hätten auch bei einem Einsatz tödlich enden können. Bei der Zukunftsvariante, die ich dir gegenwärtig zeige, kann das nicht passieren. In dem Leben, so wie du es in diesem Moment erlebst, werden deine Seele und deine Emotionen kaum in Aufruhr gebracht. Es wird ruhig und ohne übermäßige emotionale Anspannung verlaufen.“

 

Er sah Spock an, wartete auf eine Antwort von ihm.

 

„Aber ich bin sicher, du wirst mir noch mehr zeigen wollen, vermutlich etwas, dass mir nicht so angenehm erscheint.“

                                                                               

 

Das Simis – Wesen zeigte in Richtung der Akademie.

 

„Du weißt, bei einem Leben mit Jim wird es schwierig, Kinder zu haben. Du wärest aber ein guter Vater, verständnisvoll, großzügig und aus eigener schlechter Erfahrung auch fest entschlossen, deine Kinder die Entscheidung über ihre Zukunft selbst treffen zu lassen.

Sehen wir uns an, wie es deinen Kindern ergeht.“

 

Spock fand sich in einem Vorlesungssaal der Akademie wieder, inmitten von hunderten jugendlicher Vulkanier.

 

„Deine Tochter ist jetzt 18 Jahre alt, dein Sohn 15. Wie all die anderen hier nehmen sie an einer Vorlesung von Starfleet – Offizieren teil, die den Auftrag haben, speziell unter Vulkaniern um Nachwuchs zu werben. Deine Tochter wird nicht zur Flotte gehen, sie hat sich zur Genugtuung deines Vaters für den Weg der Diplomatie entschieden. Dort vorn sitzen die beiden. Geh’ zu ihnen, begrüße sie“, forderte das Simis – Wesen von ihm. Spock befolgte seine Aufforderung, stand seiner Tochter gegenüber, die ihrer Mutter so ähnelte. Er blickte seinen Vater an, erkannte seine Zufriedenheit über den Weg seiner Enkeltochter.

 

„Achte auf die Redner und auf die Reaktion deines Sohnes auf sie.“

 

Die Anwesenden setzten sich und die Vorlesung begann. Eine junge Vulkanierin begann zu den Anwesenden zu sprechen, legte ihnen die Gründe dar, aus denen sie sich für die Flotte entschieden hatte. Spock sah die Augen seines Sohnes, erkannte die Neugierde auf die Wunder des Universums in ihnen. Nach der Vulkanierin betrat ein Mann von der Erde das Podium und Spock erkannte Jim.

 

„Admiral Kirk wurde zum Oberbefehlshaber der Sternenflotte ernannt“, erklärte das Simis – Wesen und Spock betrachtete Jim.

Er wirkte ernster als früher, seine Mimik und Gestik präziser und ruhiger als in der Vergangenheit. Spock lauschte seinen sanften und eindringlichen Worten, ließ sich wie die anderen Zuhörer in ihren Bann ziehen.

 

„....und weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig Vulkanier auf einem Raumschiff sind. Es ist nicht nur eine Frage Ihrer Fähigkeit zu logischem Denken, es geht um mehr. Die unterschiedlichen Fähigkeiten und Denkweisen verschiedener Spezies erhöhen die Effektivität der Ergebnisse auf den Missionen und, was ebenso wichtig ist, sie werden Ihr Leben bereichern und ihre eigene Persönlichkeit und Ihre eigenen Fähigkeiten erhöhen....“

Jims Blick schweifte über die Reihen der Zuhörer und er erkannte Spock. Nur kurz trafen sich ihre Blicke, dann glitt Jims Blick weiter.

 

Die Umgebung verschwamm für einen Moment und das Simis – Wesen ließ sie sich wieder verfestigen, als der Vortrag beendet war.

 

„Ich möchte mit Admiral Kirk sprechen“, sagte Spocks Sohn und strebte in dessen Richtung. Zögernd folgte er ihm, und dann trafen sich seine und Jims Blicke erneut.

 

„Wir haben uns lange nicht gesehen, Spock“, wurde er mit einem warmen Lächeln begrüßt.

 

„In der Tat, wir sind beide sehr beschäftigt“, sagte Spock und wich seinem Blick aus, als er merkte, wie er ihn erzittern ließ. Die Begegnung dauerte nicht lange, doch schmerzhaft spürte Spock in sich den Wunsch nach Jims Nähe.

‚Es ist nicht vorbei’, erkannte er, ‚wir begehren und lieben uns noch immer.’

Sein Sohn unterhielt sich mit Jim und Spock war klar, dass er sich für den selben Weg wie sein Vater entscheiden würde.

Später am Tag, in seinem Haus, sprach er mit seinem Sohn über diesen Weg, über die Chancen und über die Gefahren. Er vermied es, über seine Zeit mit Jim zu sprechen, auf die wunderbare Fünfjahresmission direkt einzugehen, doch sein Sohn spürte seine Distanz.

 

„Vater, es ist nicht das erste Mal, dass ich mich mit der Sternenflotte befasse und ich habe schon oft gehört, du und Admiral Kirk wart Freunde. Ihr wurdet als das beste Team der Sternenflotte bezeichnet. Doch du sprichst, als wäre er ein Fremder für dich. Erzählst du mir von eurer gemeinsamen Zeit auf der Fünfjahresmission und von eurer Freundschaft?“

 

Aber Spock wollte nichts erzählen, nicht das traurige, nicht das schöne und vor allem nichts über sich und Jim. Er währte die Bitte seines Sohnes ab, vertröstete ihn auf ein anderes Mal.

Unsicher sagte sein Sohn: „Ich habe Admiral Kirk für morgen zu uns eingeladen. Ich weiß, ich hätte dich vorher fragen sollen....“

 

Das Simis – Wesen führte ihn zum nächsten Tag, als Jim in seinem Haus zu Gast war. Spocks Sohn löcherte den Admiral mit unzähligen Fragen über ihre Missionen und über den Weg in die Sternenflotte. Beim Zuhören wuchs in Spock das Gefühl des Verlustes, entzündete sich in ihm die Flamme der Leidenschaft für das All neu. Nein, nicht neu, sie war nie verloschen, hatte tief in seinem Innern weiter gebrannt.

 

Am Abend lud Jim seinen Freund in sein Hotelzimmer ein und ohne zu zögern folgte er ihm. Sie saßen sich gegenüber und sprachen über ihre Missionen von damals, zu Anfang zögerlich und angespannt, später lockerer, und zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahrzehnten sah Spock das Lächeln Jims wieder. Das Lächeln, das ihn von Anfang an in seinen Bann gezogen hatte, das die ersten begehrlichen Wünsche in ihm geweckt hatte. Spock erfuhr, dass Jim in keiner festen Beziehung lebte. Seine Beziehungen waren stets nur von kurzer Dauer gewesen und niemals hatte er den richtigen Mann oder die richtige Frau gefunden, um eine feste Partnerschaft einzugehen.

 

„Bist du glücklich?“ fragte Jim ohne ihn anzusehen.

 

Und Spock konnte auf diese Worte nicht antworten. Eine einfache Frage und er konnte es nicht.

Der Spock beim Meditieren befand sich im Körper des Spock in der Meditations – Szene, er empfand so wie er, wußte das selbe wie er. Dies war das Prinzip bei dieser Art der Meditation.

Und nach einigen Augenblicken erkannte er, dass er die Frage sehr wohl beantworten konnte.

Und er erkannte die Traurigkeit in sich und die Wut auf sich selbst.

Ja, die Beziehung zu seiner Frau hatte sich immer weiter verbessert.

In kleineren oder größeren Abständen genossen sie gemeinsam ihre Lust.

Ihr Zusammenleben war von Harmonie geprägt.

Ihre gemeinsamen Kinder waren wohlgeraten und wuchsen in einer Athmosphäre von Frieden und Toleranz auf.

Spocks wissenschaftliche Neugier konnte bei seiner Arbeit an der Akademie zumindest zum Teil befriedigt werden.

Diesen Tatsachen nach hätte er Jims Frage mit „Ja“ beantworten können.

Aber er sagte „Nein“, denn in jenem Moment hatte er die Wahrheit erkannt.

Trotz all dieser positiven Tatsachen war seine Frau nie in der Lage gewesen, seine Seele zu berühren.

Trotz allem fühlte er sich an der Vulkanischen Akademie der Wissenschaften eingeengt. Die Forschungsarbeit dort unterschied sich deutlich von der auf einem Raumschiff und auf fremden Planeten.

Er wünschte sich nichts sehnlicher, als auf einem Raumschiff durch das All zu reisen.

Er sah sich in seiner Sehnsucht Seite an Seite mit James T. Kirk auf der Brücke.

Er sah sich in seiner Sehnsucht an Jims Körper gepresst.

Jims Lächeln, das ihn immer gewärmt hatte, erschien in seinem Geist.

Sogar damals hatte es ihn gewärmt, erkannte Spock verwirrt, hatte es ihn glücklicher gemacht als die schönsten Stunden mit seiner Frau heute.

Trotz deren ehrlichen Bemühens, ihn zu verstehen und glücklich zu machen.

Mit Jim hatte er nie eine intime Beziehung gehabt und trotzdem war das, was sie in ihrer Freundschaft fünf Jahre lang geteilt hatten, strahlend in seinem Gedächtnis verankert.

Strahlender als jede andere glückliche Erfahrung in seinem Leben, ob mit seiner Frau oder sonst irgend etwas.

 

‚Wenn schon die Erinnerung daran so schön ist, wie wundervoll wäre dann erst eine intime Beziehung mit Jim gewesen?’

 

Spock erinnerte sich an die Worte, mit denen er damals eine Liebesbeziehung zu Jim abgelehnt hatte, an diese ach so logisch erklärte Unlogik in seiner Begründung.

‚Ich will mich diesen Gefühlen nicht aussetzen’, waren seine Worte damals gewesen.

‚Liebe kann eine angenehme Emotion sein...dessen bin ich mir bewusst. Doch was kann sie außer dem Angenehmen noch bewirken? Eifersucht, Verlustgefühle, Ängste, am Ende sogar Hass.’

 

Das waren vor über zwanzig Jahren seine Worte gewesen zu dem Mann, den er damals geliebt hatte, und den er noch heute liebte.

Jim war der Mann, mit dem er schon damals glücklich war, obwohl sie nie eine intime Beziehung gehabt hatten.

Aus Angst und aus falschem vulkanischen Stolz, aus fehlendem Vertrauen in seine Gefühle und vor allem aus Unkenntnis über seine Zukunft hatte er seine Entscheidung getroffen.

Jetzt hatte ihm das Simis – Wesen die Zukunft gezeigt.

 

‚Die Zukunft, welche niemals eintreten wird’, beschloss Spock.

 

Mit unendlicher Erleichterung erkannte er, dass er es noch immer in der Hand hatte, seine Zukunft anders zu gestalten, als er sie jetzt gesehen hatte.

Denn noch immer befand er sich mit Jim auf ihrer Fünfjahresmission und seine Zukunft lag noch vor ihm.

Spock zog Jim ohne Zögern an sich.

Er wusste, was er wollte.

„Ich werde mich für dich entscheiden“, flüsterte er ihm zu und sein Herz wollte zerspringen vor Glück, „sobald ich hier raus bin und diese Zukunft hinter mir gelassen habe, entscheide ich mich für dich. Ich werde dich lieben und nie wieder loslassen.“

 

Das Simis - Wesen vergrub seinen Kopf in den Händen, schien zu lachen.

„Jetzt raus mit dir aus der Meditation und schnapp dir deinen t’hy’la, bevor meiner es tut...“

Spock hörte es nicht mehr.

 

 

 

Spock bremste seinen Abstieg mit aller Macht, denn dieses Mal wollte er die Kopfschmerzen nicht riskieren, die aus einem irregulären Beenden der Meditation resultierten. So langsam, wie es ihm möglich war, trat er den korrekten Rückweg an.

Unten angekommen zählte er bis zehn und schwang sich vom Meditationsstein. Sein Blick fiel auf die Uhr. Sie zeigte Viertel vor acht an, Jim würde längst wach sein, das Frühstück fast beendet haben. Spock eilte ins Bad, stellte sich unter die Ultraschalldusche. Er erledigte gründlich und rasant seine Morgenhygiene und zog seine Uniform an. Wieder in seinem Wohnraum warf er einen Blick auf sein Bett. Er verharrte einen Moment, als er in Gedanken Jim und sich selbst dort vor ihm sah, eng umschlungen und voller Glück.

 

Spock verließ sein Qartier, eilte durch die Gänge und gelangte zur Offiziersmesse.

Vom Eingang aus durchsuchten seine Augen den Raum, fanden seinen t’hy’la. Erleichtert stellte er die Abwesenheit von Selenos fest und dann stürzte er fast in den Raum, geradewegs zu Jims Tisch.

Überrascht hob Kirk den Kopf als sein Erster Offizier unelegant knapp vor der Tischkante abbremste. Fragend schaute er den unübersehbar ungewöhnlich emotionsgeladenen Freund an.

Spock sah in die haselnussbraunen Augen seines Freundes und seine tiefe Sehnsucht  wuchs zu entfesselter Vorfreude.

 

„Jim.“

 

„Ist etwas nicht in Ordnung, Spock?“

 

Der Vulkanier hatte seine plötzlich großen Augen auf ihn gerichtet, reagierte zuerst nicht.

 

„Spock“, wiederholte Jim, „was ist denn los?“

 

„Jim“, brachte der Vulkanier hervor, „würdest du mit mir in meine Kabine kommen?“

 

Kirks Blick verdüsterte sich.

„So etwas ähnliches hast du gestern um dieselbe Zeit schon einmal gesagt.“

 

„Ja..ja“, erinnerte sich Spock, „aber heute wird es anders sein. Kommst du mit?“

 

Jims Herz raste. ‚...aber heute wird es anders sein...’ Sofort war ihm klar, was Spock meinte.

 

„Kommst du mit in meine Kabine, Jim?“ wiederholte sein Freund ungeduldig.

 

„Eine Minute, Spock. Mein Toast...“

 

Doch der Vulkanier schüttelte energisch den Kopf, deutete auf das Tablett vor Jim.

„Meiner Erfahrung über deine Frühstücksgewohnheiten nach hast schon drei Toast, zwei Rühreier mit Speck, einen Vanillejoghurt mit Mandelkrokant, ein Glas Orangensaft und Kaffee zu dir genommen. Das genügt.“

 

Als Jim ihn verblüfft anblickte und ansonsten nicht reagierte, packte ihn Spock am Handgelenk und zog ihn nach oben. Der unerwartete Ruck brachte ihn ins Stolpern und er prallte gegen Spock.

Die anderen Offiziere starrten sie überrascht an. Spock ließ sich von den neugierigen Blicken nicht stören und strebte mit seinem widerstandslos gefangenen Freund dem Ausgang zu. Ohne sein Handgelenk auch nur für einen Moment loszulassen, zog er ihn hinter sich her durch die Gänge des Schiffes in die Richtung seines Quartiers.

Im Lift packte er noch das andere Handgelenk Jims, blickte ihn wortlos an. Im überrumpelten Captain breitete sich unbändige Freude aus und er ließ sich Spocks schmerzhaften Griff gefallen, versprach er doch Spocks Entscheidung für ihn und Leidenschaft pur.

 

 

 

 

Kaum hatte sich die Tür hinter ihnen geschlossen, löste Spock seinen Griff um Jims Handgelenke, packte ihn unter dem Po und hob ihn hoch. Er drückte ihn besitzergreifend an sich und rieb sein Gesicht an seinem Körper.  Dann schaute er auf und Jim sah in glühende Augen, sah den einen Wunsch in ihnen, der ihm nur allzu bekannt war.

 

„Vulkanier sind manchmal vor Logik blind. Bitte verzeih mir meine Ablehnung von gestern. Ich liebe dich, Jim, und ich will dich nicht nur als Freund sondern auch als Geliebten. Ich will deine Küsse, ich will deine Berührungen, ich will alles das, was du willst.“

 

Für einen Moment stoppte er, sein Blick änderte sich in Unsicherheit und einen Hauch Eifersucht.

„Du hast mit Selenos geschlafen...“

 

„Wir brauchten beideTrost, es hätte sich nicht wiederholt“, flüsterte Jim.

 

„Hat es dir gefallen mit ihm?“

 

„Du bist der Mann, den ich will....denke nicht mehr an Selenos...“

 

Spock stellte Jim wieder auf die Füsse.

„....ich wurde eifersüchtig und bin es noch immer. Bitte, Jim, du musst mir treu sein. Versprich es mir!“ forderte der Vulkanier.

 

„Wenn wir zusammen sind, wird es keinen anderen Mann mehr geben...“

 

„...und auch keine Frau“, forderte Spock und er blickte Jim unsicher und forschend an.

 

Jim lächelte über Spocks eifersüchtiges Temperament, das so fremd war und so gut tat.

 

„Bitte versprich es, t’hy’la.“

 

„Ich verspreche es, Geliebter.“

 

Oh ja, dies war das schönste Versprechen , das er jemals gegeben hatte, das ihm liebste und das verlockendste.

 

Spock drückte ihn wieder an sich. Sein Mund berührte Jims Ohr.

„Was ich gestern über die Auswirkungen der Liebe gesagt habe, mag wahr sein......aber...“, er drehte seinen Kopf, betrachtete den Mann seiner Träume voller Liebesverlangen, „es ist irrelevant. Es ist das wahrscheinlich irrelevanteste und dümmste, was ich jemals gesagt habe.“

 

„Du hast es also endlich gemerkt.“

 

Spock nickte, dann wurde sein Blick wieder unsicher.

„T’hy’la, ich weiß was ich will, bin mir meiner Wünsche sicher. Aber...“, Spocks Stimme wurde leise, „ich fühle trotzdem Unsicherheit in mir.

Du musst mich den Weg, der vor uns liegt, führen.....“

 

Jim lächelte überglücklich. „Nichts ist mir lieber, beginnen wir mit einem laaaangen Kuss...“

 

Mit seinen sehnsuchtsvollen Lippen berührte Jim vorsichtig die unsicher zitternden seines Freundes, ließ ihm Zeit sich an die Berührung zu gewöhnen.  Nur einen Moment später öffnete Spock die Lippen, gewährte der weichen Zunge seines Freundes Einlass...

Der erste Kuss, der erste so sanfte und so behutsame Schritt auf dem Weg der Leidenschaft. Sie wollten ihn nie enden lassen, unterbrachen ihn erst, als sie atmen mussten.

 

Jim blickte Spock neugierig lächelnd an. „Gefällt dir das?“

 

Noch ganz zittrig vom leidenschaftliche Kuss mit seinem t’hy’la, nickte Spock, hielt sich an ihm fest.

Dann drückte er ihn fast schmerzhaft fest an sich und begann erneut mit einem intensiven endlosen Kuss, ließ erst von ihm ab, als Jim nach Luft schnappte.

 

Als der Mensch nach einer Weile wieder bei Atem war, flüsterte er Spock zu: „Ich werde dich jetzt ganz langsam ausziehen, einverstanden?“

 

Spock nickte. „Ja, tu es...“

 

Jim fuhr mit federleichter Bewegung unter Spocks Uniformhemd, schob es nach oben. Spock hob die Arme, damit Jim es ihm ausziehen konnte. Zaghaft streiften seine Finger über Jims Hemd, wagten erst nicht, was sie wollten und taten es dann doch.

 

Jim zog Spock mit sich auf das Bett.

Er kniete sich über ihn und bedeckte seinen Körper mit feuchten Küssen, Spock bewegte sich nicht, genoss es nur. Ließ sich einfach nur von der Zärtlichkeit seines Geliebten verwöhnen.

Entschlossen öffnete Jim die Hose seines Vulkaniers, zog sie ihm aus.

Spock atmete schwer und seine Hände hielten Jims Handgelenke schmerzhaft fest.

 

„Soll ich aufhören?“ fragte Jim und berührte mit seinen Lippen Spocks Geschlecht.

 

„Nein, nein, mach weiter...“

 

„Dann lass mich los............und lass dich fallen....“

 

°°°

Als Jim Kirk erwachte, stellte er fest, dass er neben dem leeren Bett lag. Er spürte die Härte des Fußbodens und ein ungewohnt nachhaltiges Ziehen im Unterleib. Sein Blick fiel auf das zerwühlte Bett und schlagartig fielen ihm die letzten Stunden ein.

Ganz zu Anfang hatte er Spock mit seiner Zunge bis zur Extase gereizt. Der Vulkanier hatte sein Lust herausgeschrieen,

ihn danach mit unbezwingbarer Kraft und glühenden Augen auf den Rücken geworfen.

Von diesem Moment an war dem Menschen die Führung von dem Vulkanier genommen worden.

Spocks konnte seine Wünsche kaum kontrollieren und er riss seinen Freund mit in seine bis vorhin noch verborgene vulkanische Leidenschaft.

 

 

Jim kroch zurück aufs Bett und schmiegte sein Gesicht in die feuchte klebrige Decke

Feucht und klebrig vom Liebessaft des Mannes den er liebte, und feucht und klebrig von seinem eigenen.

Spocks erster Orgasmus in Jims Mund hatte dem Vulkanier die letzten Reste seiner Zurückhaltung genommen.

Jim war von der Leidenschaft seines sonst so beherrschten Freundes überrollt worden.

Jim hatte sich ihm bereitwillig geöffnet, den kurzen scharfen Schmerz beim Eindringen in Kauf genommen.

Spock hatte Jim mit seinem Liebessaft gefüllt,

der Mensch - nach einer Weile, als der Vulkanier ruhiger geworden war -  es ihm gleichgetan.

Spock hatte seine Finger bittend auf Jims Wange gelegt, sich glückselig mit ihm verschmolzen, ihm die Liebe in seinem Innern gezeigt.

 

°°°

Spock war aus dem Badezimmer gekommen und sah den Menschen mit lächelndem Gesicht auf dem Bett liegen, die eine Wange in die Decke geschmiegt, die andere ihm zugewandt. Er schlief. Spock setzte sich neben ihn auf das Bett. Er betrachtete ihn still, glaubte kaum, was er mit ihm erlebt hatte.

 

‚Ich hätte es schon eher haben können’, dachte er und seufzte innerlich. Aber als ihm klar wurde, dass er es in Zukunft, in der Zukunft wie sie sein sollte, immer wieder würde haben können, veränderte sich sein inneres Seufzen zu einem leuchtenden und jubilierendem Lächeln auf seinem Gesicht.

In diesem Moment erwachte Jim und das erste was er erblickte, war das glückstrahlende Gesicht seines Freundes.

 

Spock half ihm auf, brachte ihn ins Bad und kehrte zurück zum Bett.

Er nahm die Decke und wie auch Jim soeben drückte er sein Gesicht in die klebrige Feuchtigkeit.

Der Vulkanier erinnerte sich an Selenos’ Worte, an seine Hose, die nach dem mindmeld mit dem Dichter benetzt war von seinem Samen.

 

‚Dein Liebessaft....bewahre ihn eine Nacht auf und morgen früh kannst du es verstehen....Deine Gefühle, Spock. Sie sind kraftvoll und schenken dir Glück und Freude. Deine Kleidung wird dich an sie erinnern. Und weil dir deine Gefühle dies schenken, ist es richtig, sie zu beachten. Sie erzählen dir, was du dir wünschst, was du brauchst.... Ich sage dir nur eines: Du würdest sie immer wieder erleben, die Küsse, die Zärtlichkeiten und du könntest wieder und wieder die Lust spüren, wenn er dich berührt, wenn du in ihn eindringst.’

 

‚Ja’, dachte Spock und seine  Seele jubilierte, ‚ja, ich verstehe es jetzt....und ich werde es immer wieder erleben.

Darauf habe ich gewartet.’

 

°

Jim kehrte frisch geduscht zurück und Spock schloss ihn behutsam in die Arme, flüsterte ihm die Worte zu, nach denen er sich so lange gesehnt hatte. Sie küssten sich und Spock begann, Jim wieder auszuziehen.

Der Mensch hob abwährend die Hände.

 

„Das ist keine gute Idee, t’hy’la. Wir haben es fünf Mal miteinander getan, ich brauche mindestens bis morgen Pause. Außerdem ist es schon Nachmittag und wir sollten uns mal wieder auf der Brücke sehen lassen....“

 

Spock schüttelte den Kopf.

„Wir sind noch immer im Orbit, wir werden zur Zeit nicht gebraucht. Und du brauchst jetzt noch keine Pause....ich werde es dir beweisen...“

 

Mit diesen Worten legte er Jim auf den Bauch. Mit seinem schon längst wieder erwachten Glied drang er in seinen t’hy’la ein, legte seine Finger auf dessen Wange und verschmolz wieder mit seinem Geist....

 

°

Wenige Minuten später stand Spock auf, zog sich ohne sich noch einmal zu waschen an und begab sich zur Brücke.

Dort fragte ihn Uhura nach dem Verbleib des Captains und Spock wechselte mühsam seinen wonnetrunkenen Gesichtsausdruck gegen den normalkühlen, bevor er sich herumdrehte und ihr antwortete.

 

„Er benötigt eine Pause, Lieutenant. Er kommt später.“

 

°°°°                                                                                

 

Es war vier Uhr morgens und das Schiff döste noch vor sich hin.

Seron hatte es sich auf dem mit Kissen bedeckten Boden in Selenos’ Quartier bequem gemacht, lehnte sicher an der Wand.

Selenos setzte sich zwischen seine Beine und Seron umfasste mit der einen Hand seinen Körper, drückte ihn auf seinen eigenen, ertastete mit der anderen Hand die Kontaktpunkte in dessen Gesicht.

 

„Sprich in deinen Gedanken die Formel, um die Meditation zu beginnen.“

 

Selenos folgte den Anweisungen von Seron. Schritt für Schritt betrat er den Pfad der Meditation, den er seit mehr als zwei Jahren nicht begangen hatte. Vorsichtig begab er sich auf den vorgeschriebenen Weg.

Die Hand von Seron um seinen Bauch wiegte ihn ihn Sicherheit, seine kaum spürbare Anwesenheit in seinen Gedanken beruhigte und unterstützte behutsam seinen Geist.

Seine beiden Meditationsbegleiter, der goldene Regentropfen – Schleier und der verdorrte Busch, begrüßten ihn, zeigten sich erfreut darüber, dass Selenos wieder meditierte, sich ihnen anvertraute. Sie ermahnten ihn zur Ruhe, geleiteten ihn behutsam auf das höhere Energieniveau der dritten Ebene.

 

„Hier ist unser Ziel, Dichter“, sagte der verdorrte Busch.

 

„Bitte passt meine Energie an“, bat Selenos, den Regeln entsprechend, die Begleiter.

 

Die bisher leere Umgebung flirrte, veränderte sich. Selenos erkannte den Strand am Binnensee auf Tribas, hörte das Rauschen der Wellen.......und nach einem kurzen Moment des sich Zurechtfindens in dieser Szene, hörte er jemanden seinen Namen rufen, begleitet von den Klängen des Wassers.

 

Es war die Stimme seines Geliebten.

 

„Ganz ruhig“, flüsterte der Schleier aus goldenem Regen, „drehe dich langsam um.“

 

Selenos wandte sich um, hielt sich dabei an den Begleitern fest.

Nur eine Armeslänge von ihm entfernt stand Simis, schenkte ihm dieses eine, nur für seinen t’hy’la bestimmte Lächeln.

 

„Du bist es...“, schrieen Selenos’ Gedanken.

 

Seron, der seine Erlebnisse über den mindmeld miterlebte, hielt ihn fester.

 

‚Eine Illusion der Begleiter’, flüsterte er ihm in Gedanken zu.

 

„Du musst ruhig bleiben, Selenos“, forderten die Begleiter eindringlich, „sonst kannst du das Energieniveau nicht halten.“

 

Der Dichter beruhigte seinen Atem, wandte an, was ihm Seron am gestrigen Tag gezeigt hatte.

Simis stand noch immer vor ihm.

Selenos wollte Simis berühren, so, wie es bei den beiden Begleitern stets möglich war.

Doch seine Hand glitt durch ihn hindurch. Selenos spürte die Überraschung seines Schwiegervaters darüber, der ihn sicher in seinem Arm hielt.

 

„Dies ist nicht seine Ebene, nicht der Ort an dem er sich zur Zeit aufhält. In dieser Sekunde ist er hier, aber es ist sehr schwierig für ihn, sich auf diesem niedrigen Energieniveau zu zeigen“, sagte der goldene Regentropfenschleier, „du musst die zehnte Meditationsebene betreten, um ihn berühren zu können.“

 

„Geliebter“, flüsterte Simis, „ komm morgen auf die zehnte Ebene. Bitte Spock, dich zu begleiten. Sage ihm, er muss unbedingt, hörst du, unbedingt, Jim mitziehen......und ihr müsst die Meditation auf Tribas durchführen, am Strand, dort ist es am einfachsten....

Vater, ich danke dir, dass du Selenos hierher begleitet hast. Begleite ihn auch auf die zehnte Ebene, ziehe ihn mit dir. So können wir es schaffen....Aber...“,

Simis’ Stimme klang eindringlich, „ihr dürft nicht versagen. Ihr habt nur eine Chance.“

 

„Was hat das zu bedeuten, Geliebter?“ fragte Selenos, „Du bist es wirklich. Ich verstehe nicht...“

 

Simis blickte Selenos weiter unverwandt an, sein kaum sichtbares Lächeln verwandelte sich in in ein alles überstrahlendes.

 

„Ich bin auf der Lichtebene und die zehnte Ebene der Meditation ist der erste Schritt dort hin.“

 

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Weiter: Teil 9