Titel:  Die Legende vom Lichtgefährten

Kapitel 6 von 9

Autor: Liliane Romano

Serie:  Star Trek TOS

Paarung: K/S, S/m, K/m

First Time

Rating:  NC17, ein bisschen

Dies ist eine homoerotische Liebesgeschichte. Wer unter 18 ist oder homoerotische Erzählungen nicht mag, sollte bitte nicht weiterlesen.

 

Zusammenfassung: Eine alte vulkanische Legende erwacht zum Leben und ein emotionaler vulkanischer Dichter hilft Kirk und Spock sich zu finden.

 

Feedback: Ja.

Hier oder liliane_romano@yahoo.de

Archiv: Ja

Beta:  T'Sihek. Nach ihren Hinweisen – vielen Dank dafür! – habe ich nach der Erstveröffentlichung das eine oder andere nochmal korrigiert.

Disclaimer: Das Star Trek Universum gehört mir nicht und ich verdiene damit kein Geld. Ich spiele nur ein bisschen mit den sexy Jungs und den netten Mädels die dort wohnen. Ich schreibe nur zum Spaß und will keine Rechte verletzen.

 

 

 

 

ICH LIEBE DICH

 

„Er wollte es nicht, konnte sich auch nicht daran erinnern. Selenos hat mit seiner mentalen Kraft Simis getötet.“

Spock schloss wieder die Augen. Er hatte immer noch Schmerzen, nachdem Selenos ihn während des mindmelds in seiner Verzweiflung gegen die Wand geschleudert hatte.

 

Kirk zog hörbar die Luft ein. „Hat er es unter dem Einfluss des Wesens getan?“

 

„Es gibt kein ‚Wesen’, Jim. Jedenfalls nicht in der Art wie wir es als ‚Wesen’ bezeichnen würden. Eher eine Art von Bewusstsein. Was es exakt ist...

Selenos hatte das telepathische Band zu Simis aktiviert, was er nach der Abmachung zwischen ihnen aber nicht hätte tun dürfen. Er wollte ihm mitteilen, dass er den „Lichtgefährten“ vollendet hat. Aber in jenem Moment glitt Simis’ Plan, die Explosion und die Flutwelle auszulösen, durch seine  Gedanken.

Selenos erschrak. Er nahm in  Simis’ Gedanken etwas wahr, was er verhindern wollte. Etwas zerstörerisches. Das Ziel, mit den Wassermassen der Flutwelle die >Lichtebene zu schwächen<. So habe ich es verstanden.

Er sendete ein telepathisches Signal aus, allerdings zu spät, um Simis an seinem Vorhaben zu hindern. Dieses Signal hat Simis getötet.“

 

„Vulkanier sind dazu in der Lage, ihren Bindungspartner zu töten, indem sie ein telepathisches Signal senden?“ Kirk war erschüttert.

 

Spock widersprach. „Nein. Das ist nicht möglich. Selenos telepathisches Signal war extrem verstärkt worden. Selenos wollte ihn nicht töten. Es sollte nur ein Signal sein, auf das Simis hören sollte.

Auch das kann ich im Moment nicht genau erklären.

Aber ich glaube, ich weiß, woher wir die fehlenden Informationen bekommen können.

Ich bin mir sicher, Simis hat sie außerhalb der Computernetzwerke festgehalten.“

 

Ein leises Stöhnen kam aus seinem Mund, was Dr. McCoy zu ihm eilen ließ.

 

„Sie brauchen noch Ruhe, Spock. Einige Stunden Schlaf werden Ihnen gut tun.“

 

„Ich stimme Ihnen zu, Doktor. Vorher...Captain, bitte lassen Sie im Haus von Mr. Simis nach handschriftlichen Unterlagen suchen, dort könnten wir Antworten finden.“

 

"Wieso in handschriftlichen Unterlagen?"

 

„Weil es den Anschein hat, als durchdringe und beeinflusse die Energie, die von dem Bewusstsein, welches wir soeben noch für ein Wesen gehalten hatten, alle Computernetzwerke...und die Gehirne der Kolonisten, die ja in gewisser Weise auch Computernetzwerke...biologische...sind...Das habe ich zu spät erkannt. Damit die Informationen, die Mr. Simis gefunden hatte, außerhalb des Einflusses des allumfassenden Bewusstseins sicher gespeichert sind...hat er sie vielleicht auf Papier aufbewahrt. Wir wissen, Simis war als einziger nicht beeinflusst worden von dem Bewusstsein.“

 

Spock sank wieder zurück auf die Krankenliege und döste ein.

McCoy verließ den Raum, doch Kirk blieb noch eine Weile bei Spock stehen. Er betrachtete ihn und nach einer kurzen Weile streichelte er seine Wange.

Der Vulkanier drehte sich weg, entzog sich seinen Berührungen.

 

„Bitte, Captain“, murmelte er, „berühren Sie mich nicht. Sie wissen doch, sonst spüre ich Ihre Emotionen und dann kann nicht schlafen.“

 

In Jim stieg ein warmes Gefühl empor. Er beugte sich dicht an das spitze Ohr seine Freundes. „Empfindest du meine Gefühle als unangenehm, mein T’hy’la?“

Spock antwortete nicht.

 

 

 

 

*****************Simis – 12 Jahre vorher***************

 

Noch nie zuvor war Simis in Außenwelt gewesen. Jetzt stand er auf dem Raumhafen von Paris-Orly und versuchte, sich in dem Stimmengewirr und den bunten Beschilderungen zurechtzufinden.

Sein Vater, der als untergeordneter Diplomat hier auf der Erde arbeitete, hatte ihn zu einem Besuch eingeladen. Er wollte hier auf der Erde mit seinem Sohn über dessen Zukunft beraten und ihm nebenbei einen Einblick in seine Arbeit gewähren. Doch Simis würde nicht wie sein Vater Diplomat werden.

Vor wenigen Tagen hatte er seine  Ausbildung zum Geologen vollständig abgeschlossen und sein weiterer Weg würde ihn sicher in eines der vielen Forschungslabore führen, die Vulkan in verschiedenen Teilen der Föderation unterhielt. Gut ausgebildete Wissenschaftler wurden in der ganzen Föderation gebraucht. Unzählige neu entdeckte Planeten warteten nur auf einen Tross von Spezialisten, um ihr Geheimnisse preiszugeben.

Simis war 32 Jahre alt, fast 33 und bis zu seinem ersten pon farr hatte er noch einige Jahre als unverheirateter Mann vor sich. Seine Eltern hatten ihn als Kind nicht verlobt. Sie hofften, später, wenn er erwachsen sei, eine für sie selbst besonders zweckdienliche Verbindung für ihn arrangieren zu können. Sie dachten dabei an eine der Töchter aus den höchsten Clans, zu denen ihr eigener Clan noch nicht ganz zählte.

 

Es dauerte nicht lange und Simis hatte den richtigen Weg zu den Taxi-Gleitern gefunden. Höflich sprach er die Pilotin an und saß kurz darauf neben der jungen Erdenfrau auf dem Beifahrersitz.

Sie hatte ihn freundlich nach dem Ziel gefragt, sein weniges Gepäck verladen und ohne weitere Worte den Gleiter gestartet. Mit versteckter Neugierde beobachtete Simis das Treiben in der Stadt, durch die sie glitten. Zu seiner Überraschung wirkte sie viel stiller, als sein Vater sie ihm beschrieben hatte.

>Paris gilt den Menschen als inoffizielle Hauptstadt ihres Planeten. Der Grund dafür ist emotioneller Natur.

Die Stadt ist viel zu dicht besiedelt und ständig muss ihre Bausubstanz erneuert werden. Ich verstehe nicht, wie sich die Menschen in ihr überhaupt zurechtfinden können und weshalb sie gern hier leben. Sie ist laut und eng.<

 

„Monsieur...verraten Sie mir Ihre ersten Eindrücke von unserer Stadt?“ unterbrach die Taxi-Pilotin seinen Gedankengang.

 

„Ruhiger, als ich vermutet habe. Es heißt, die Stadt sei laut und eng, doch ich habe einen anderen Eindruck. Nicht so ruhig wie eine vulkanische Stadt, doch nicht so laut wie erwartet.“

 

Sie lächelte ihn an, was eine für den jungen Vulkanier ungewohnte mimische Reaktion war. Wenn Vulkanier lächelten, verging dieser emotionelle Moment meist sehr schnell, wusste er.

„Sie kommen von einem sehr heißen Planeten, Monsieur. Deshalb ist Ihnen vielleicht entgangen, wie heiß es heute hier ist. Wir haben fast 40°C und bei diesen Temperaturen fliehen die Pariser aus der Stadt ans Meer. Dann ist sie langsam, leer und schon fast gemütlich.“

 

Als Simis an der vulkanischen  Vertretung aussteigen wollte, hielt ihn die Pilotin auf.

„Monsieur, ich möchte nicht aufdringlich erscheinen...trotzdem...ich möchte Ihnen etwas geben. Hier auf dieser Karte stehen mein Name, meine Anschrift und meine Com-Nummer.“ Sie überreichte ihm eine kleine Karte und blieb bei ihrem Lächeln.

„Falls Sie länger in der Stadt bleiben, rufen Sie mich doch einfach an. Wir könnten einen angenehmen Abend verbringen und vielleicht, wenn Sie Lust haben, eine angenehme Nacht...“

Simis nahm die Karte, stieg aus, nahm sein Gepäck und verabschiedete sich höflich. Er war verwirrt, wusste nicht, was die Frau von ihm erwartete. Er drehte sich noch mal zum Gleiter um und sah, wie sie ihm winkte. Dann startete sie das Taxi und Simis betrat die Botschaft.

 

 

„Bonjour, Monsieur Simis“, begrüßte ihn ein Botschaftsmitarbeiter.

„Ihr Vater musste kurzfristig die Botschaft verlassen. Ich schlage vor, Sie erfrischen sich in dem Badezimmer seines Büros und machen einen kleinen Rundgang durch die Stadt. In spätestens vier Stunden ist er wieder hier und wird sie empfangen. Wenn sie es wünschen, können Sie natürlich auch in seinem Büro warten oder sich in der Botschaft, zum Beispiel im Garten aufhalten. Meine Empfehlung ist jedoch ein Stadtrundgang, denn soweit ich weiß, hat Ihr Vater einen längeren Aufenthalt für Sie hier eingeplant.“ Der Mensch geleitete Simis zu den Räumen seines Vaters.

 

„Einen längeren Aufenthalt hat er für mich geplant?“ Simis war überrascht.

„Das hatte er nicht erwähnt.“

 

Der Mensch lächelte. „Er ist wohl der Meinung, wenn Sie in einem Labor eines fremden Planeten mit vielen Außenweltlern arbeiten werden, sollten Sie vorher schon einmal mit Außenweltlern Kontakt gehabt haben.“

 

Eine halbe Stunde später stand Simis wieder vor der Botschaft. Erst zögerte er kurz, dann begann er seinen Stadtrundgang.

 

Als er vier Stunden später wieder vor der Botschaft stand, steckten in seiner Kleidung sechs Visitenkarten von irdischen Frauen, drei von irdischen Männern und zwei Einladungen zu verschiedenen Geburtstagsparties.

 

 

Vor vier Stunden, zu Beginn seines Stadtbummels, hatten ihn seine Schritte zunächst zu einem Park gelenkt. Dort genoss er eine Weile an einem Springbrunnen den ungewohnten Anblick sprudelnden Wassers und wurde bald von einer Gruppe sehr junger Frauen angesprochen, die sich umstandslos zu ihm auf den Rand des Springbrunnens setzten und ihn alsbald mit neugierigen Fragen bombardierten, wie:

„Bist du schon lange in der Stadt? / Bist du gebunden? /Hast du heute Abend schon was vor?/ Und am Wochenende? Da hast du doch sicher Zeit?“

 

Simis hatte die Fragen höflich und freundlich beantwortet, die Einladungen für den heutigen Abend dankend und verwirrt abgelehnt und die ersten Visitenkarten mit Namen, Adressen, Com-Nummern und dem einen oder anderen glitzernden Herzchen drauf in seine Tasche gesteckt.

 

Dann zog es ihn weiter zu einem großen Boulevard im Zentrum der Stadt. Er besichtigte dort  ein edel geschmücktes Kaufhaus,  in dem er Dinge erblickte, die ihn an Begriffe an wie „Energie -und Ressourcenverschwendung“ und „Typisch menschliche Unlogik“ erinnerten. Eine Verkäuferin sprach ihn an, zeigte ihm eine Fotoserie über eine Region namens Marne -la -Vallée und steckte dem jungen Vulkanier die nächste Visitenkarte zu.

 

Auf dem Rückweg pausierte er in einem Straßencafé. Dort trank er ein leicht bitteres Getränk, welches ihm der Kellner empfohlen hatte. Einige Studenten setzten sich zu ihm und ihre Fragen klangen auch nicht viel anders, als die der jungen Frauen im Park. In dem Café bekam der Vulkanier dann die nächsten Com-Nummern.

 

Hätte Simis dort im Café einige Minuten früher schräg nach oben, zu dem Haus gegenüber geschaut, hätten seine Blicke die des vulkanischen Dichters Selenos getroffen, der ihn vom Fenster einer kleinen Pariser Wohnung aus beobachtete.

Simis wusste nicht, dass Selenos hier war und ihn gesehen hatte. Aber wenn, hätte er sich an seine ungewohnte Reaktion erinnert, als er ihm vor einer Weile auf Vulkan begegnet war.

Eine Reaktion seines Geistes und seines Körpers, die er noch nie erlebt hatte und die er erst nach zwei Wochen hatte unter Kontrolle bringen können...

 

 

***********Selenos – 12 Jahre vorher********************

 

Die Hitze draußen in der Stadt drang nicht bis ins Zimmer vor. Hier war es kühler und deshalb streifte sich Selenos, als er aufstand, eine Robe über. Er warf einen Blick zurück zum Bett und genoss den Anblick des nackten jungen Mannes darauf. Blonde, leicht wellige Haare waren auf Vulkan unbekannt und auf Selenos übten irdische Männer mit diesem Merkmal einen unwiderstehlichen Reiz aus.

Es hatte den Vulkanier gestern Abend nicht viel Mühe gekostet, ihn zu verführen. Eigentlich gar keine Mühe, denn viele Menschen waren förmlich verrückt nach den dunklen, attraktiven vulkanischen Männern. Selenos genoss deren Interesse und er hatte recht schnell die Vorteile erkannt, welche ihm die leidenschaftlichen Nächte mit ihnen brachten. Sie beruhigten seinen Geist und seinen Körper und verzögerten das Einsetzen des Pon Farr. Aber ihm blieben noch höchstens zwei Jahre bis es unabänderlich so weit war.

Die meisten Vulkanier lebten enthaltsam vor der Ehe und selbst nach der Heirat hielten sie sich mit der körperlichen Liebe zurück.

Nicht Selenos. Nur widerwillig hatte er die Beherrschung der Gefühle erlernt und ignorierte sie, so oft ihm das möglich war. Seltener als er es sich gewünscht hätte, bekam er diese Möglichkeit.

 

Selenos war als Kind von seinen Eltern verlobt worden. Er war mit dem Mädchen aufgewachsen, sie verstanden sich gut, aber wollten eigentlich nicht heiraten. Selenos musste aber eine feste Beziehung eingehen, denn das Pon Farr ließ ihm keine Wahl.

 

Er trat ans Fenster und sein Blick nach draußen wurde von einem Vulkanier angezogen, der sich zögernd in eines der typischen Pariser Straßencafés setzte.

 

Simis.

 

Selenos’ Herzschlag erhöhte sich. Simis, der junge Mann, der ihm vor zwei Monaten im Museumskomplex von Shikar in die Arme gelaufen war. Er erinnerte sich genau an ihn. Mit einem schüchternen Blick war er zwei Schritte zurückgewichen, hatte sich vorgestellt und  sich für seine Ungeschicktheit entschuldigt.

Selenos erinnerte sich genau. Sehr genau sogar, denn sein Herzschlag hatte sich auch damals erhöht und in seiner Seele blitzte etwas auf. Als Simis um die nächste Ecke verschwunden war, hatte sich Selenos an der kühlen Mauer abstützen müssen, denn dieses eine Gefühl, dieses intensive Leuchten in seinem Innern, hatte ihn schwindlig werden lassen.

 

An jenem Abend hatte Selenos meditiert, seinen Geist halbwegs zur Ruhe gebracht und nicht gewusst, ob er auf ein Wiedersehen mit Simis hoffen sollte oder lieber nicht.

Liebe, Sehnsucht, Lust. Ja, Selenos hatte dieses Gefühl, was ihn überfallen hatte, schnell erkannt. Er war Dichter und oft genug sprach seine Poesie von genau diesen Emotionen. Ihm war die alte vulkanische Legende vom „Lichtgefährten“ eingefallen, in der zwei Männer so sehr in Liebe verbunden gewesen waren, dass die Schwingung ihres T’hy’la-Bandes die Schöpfungsebene erreichte. Tief in seinem Innern lebte die Sehnsucht nach jener Legende, die Sehnsucht nach einem T’hy’la, einem Seelenbruder, einem Geliebten im Körper und im Geist.

 

 

Als er Simis jetzt wiedersah, fragte er sich, ob dies seine Chance war, seine Sehnsucht zu stillen. Eine Sehnsucht, die größer und wichtiger war als die leidenschaftlichen Nächte mit attraktiven blonden Männern von der Erde.

Sein Körper hatte auch jetzt noch, nach den intensiven Stunden mit dem Menschen vor ihm im Bett, sofort reagiert. Als Selenos nun sah, dass der junge Mann aus seinem Erschöpfungsschlummer erwacht war, kehrte er zu dem durchwühlten Bett zurück. Sie küssten sich und der junge Mann lachte unwillkürlich über die wieder entfachte Lust in dem Vulkanier.

 

„Sag noch einer, ihr Vulkanier braucht keinen Sex...du bist ja unersättlich.“

 

„Ich bin eine Ausnahme. Und außerdem stehen mir als Dichter besondere moralische Freiheiten zu. Die meisten anderen Vulkanier gestatten sich solche unbeherrschten Gefühle nicht, aber ich bin ich und ich genieße die Entspannung, die sie bringen.“

Selenos drehte den blonden Mann auf den Bauch und streichelte ihn. Kühle, leicht feuchte Haut unter seinen Händen...Er zog ihn ein Stück nach oben und drang in ihn ein. Instinktiv berührte er den Mann mit den Fingerspitzen an der Wange, stellte eine leichte geistige Verbindung her. Eine leichte Verbindung...nur eine ganz leichte...weiter durfte er nicht gehen...

 

°°°

 

„An wen hast du vorhin gedacht, mein schöner Vulkanier?, fragte der junge Mann und küsste Selenos Ohrspitzen.

„Ich hatte dich in meinem Kopf und weiß, du hast nicht an mich gedacht.“

 

Selenos löste sich aus seinen Armen, drehte sich zur Seite. „Es tut mir leid.“

 

„Weil du nicht an mich gedacht hast beim Sex?“

 

„Ja.“

 

„Dachtest du an jemanden, in den du verliebt bist?“

 

„Verliebt...ich bin ihm nur einmal begegnet. Ich habe ihn vorhin in dem Café gegenüber wiedergesehen.“

 

„Liebe auf den ersten Blick?“

 

„Ja. Ich glaube, das ist der richtige Begriff dafür.“

 

„Wundervoll.“

 

„Ja.“

 

„Hast du vor ihn wiederzusehen?“

 

„Ich brenne, wenn ich an ihn denke.“

 

„War das ein Ja?“

 

„Ja.“

 

 

 

 

****************Simis und Selenos*********************

 

Simis begegnete dem Dichter im Louvre wieder. Selenos schlenderte am selben Tag und zur selben Stunde durch dessen Gänge wie er. Diesmal stießen sie nicht zusammen wie vor zwei Monaten in Shikar. Sie erblickten sich schon von weitem, erkannten sich und hielten aufeinander zu. Selenos begrüßte ihn mit seinem so typischen Lächeln und verursachte damit in Simis’ Geist einen Wirbelwind und in seinem Körper eine prickelnde Woge der selben Gefühle wie bei ihrer ersten Begegnung.

 

Selenos lud Simis in die Villa am Stadtrand ein, die der Familie seines Schwagers gehörte. Dort stellten sie alle einander vor, aßen zu Abend und danach begleitete Simis den Dichter in sein Zimmer. Sie machten es sich in den weichen Sesseln bequem und Selenos trug ihm seine Gedichte vor.

 

Simis verwirrten die Emotionen in diesen Gedichten und Selenos’ selbst verwirrte ihn noch mehr und er wurde unruhig.

 

Selenos schien die Unruhe in Simis zu erkennen und beendete den Abend.

Er brachte Simis mit einem Gleiter zurück ins Zentrum von Paris.

 

„Ich möchte Sie wiedersehen, Simis“, sagte er leise, und der Angesprochene konnte nur nicken.

 

„Morgen zehn Uhr an der Botschaft?“

 

Wieder konnte Simis nur nicken, denn seine Stimme reagierte nicht.

 

 

Als Simis danach in seinem Bett lag und einschlafen wollte, stellte sich dieser einfache Akt zum ersten Mal in seinem Leben als unmöglich heraus. Wegen des Aufruhrs in seinem Körper und seinem Geist begann er eine beruhigende Meditation. Zwei Stunden später brach er sie erfolglos ab. Er verkroch sich unter der Bettdecke, wo sein Körper weiterhin seltsame Signale ausstrahlte und ihn dazu zwang, zu dessen Beruhigung etwas zu tun, was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht verstand. Danach schlief er schließlich ein.

 

Am Morgen nach ihrem Wiedersehen im Louvre trafen sich Simis und Selenos wie verabredet an der Botschaft wieder. Der Dichter lud ihn zu einem Ausflug nach Marne - la -Vallée ein, dem Ort in der Nähe von Paris, den Simis neulich in dem Fotoband im Kaufhaus gesehen und den er am Abend zuvor erwähnt hatte.

 

Sie nahmen in dem rasanten Zug Platz, der sie zu ihrem Ziel bringen würde und Simis schaute sich auch hier neugierig, aber unauffällig um. Nicht weit von ihnen lagen ein Mädchen und zwei Jungen halb neben -, halb übereinander und  dösten vor sich hin. Ihr Alter schätzte Simis auf 16 Erden-Jahre.

Doch er schaute peinlich berührt wieder in eine andere Richtung, als er die Berührungen zwischen den dreien bemerkte. Der eine Junge streichelte die Hand des Mädchens mit der einen und den nackten Bauch mit der anderen Hand. Der zweite strich immer wieder zärtlich über die Beine des Mädchens und ließ seine Hand immer öfter unter ihren Rock gleiten.

Das Mädchen selbst schnurrte unter den zärtlichen Berührungen ihrer beiden Begleiter und rückte instinktiv noch näher an sie heran, um sie noch intensiver genießen zu können.

 

Solche Berührungen in der Öffentlichkeit waren für Vulkanier undenkbar. Sie standen weder im Einklang mit ihrer Privatsphäre noch mit der erlernten Beherrschung der Emotionen.

Doch seit gestern stand es bei Simis mit dieser Beherrschung auch nicht zum Besten. Er ertappte sich mehrmals dabei, wie er tief Luft holte, um den Duft des Dichters einzuatmen.

 

In Marne -la –Vallée besichtigten sie den neuen „Begegnungspark der Föderation“. Sie konnten beide ihr Lächeln nicht unterdrücken, als sie bei der Darstellung der Vulkanier und deren Kultur angelangt waren.

 

„Sind wir denn so?“, flüsterte Simis seinem Begleiter zu.

„Sie stellen uns als perfekt dar.“

 

„Manche Vulkanier führen sich ihnen gegenüber auch so auf.“

 

„Das entspricht aber nicht dem IDIC Prinzip.

Schauen Sie, Selenos, diese Wachsfigur, die einen Vulkanier darstellt. Haben Sie jemals einen Mann gesehen, der eine solche körperliche Perfektion besitzt und solche ästhetischen Gesichtszüge?“

 

Selenos blickte seinem Begleiter in die Augen. „Haben Sie noch nie in einen Spiegel gesehen, Simis?“, flüsterte er.

 

Simis verstand es sofort.

 

°°°°°°°°°°

 

Die beiden Vulkanier trafen sich in den nächsten Wochen fast täglich und Simis verschwieg seinem Vater instinktiv seine Ausflüge und die Poesie-Stunden im Halbdunkel von Selenos’ Zimmer in der Villa.

 

Die Gefühle, die Simis am Abend nach ihrem Wiedersehen zu schaffen gemacht hatten, bekam er nach einer Weile unter Kontrolle.

Er hatte meditiert, sich selbst erforscht und erkannt, was er fühlte.

Gefühle, die Vulkanier immer beherrschen sollten. Liebe und Leidenschaft.

Simis hatte sich in Selenos verliebt, begehrte ihn. Er wusste, was er wollte.

Sein Geist und sein Körper sehnten sich nach dem Dichter und er genoss dieses Sehnsucht. Er wünschte sich, Selenos zu berühren, eins zu werden mit ihm.

 

Doch Selenos berührte ihn nie, stets blieb er auf Abstand zu ihm.

Und auch niemals bat er darum, seine Finger auf Simis’ Verschmelzungspunkte legen zu dürfen.

Einmal nur ergriff Selenos die Hände von Simis und streichelte sie. Für einen kurzen Moment. Dann war er zurückgezuckt, mit einem Ausdruck von Unsicherheit und Panik im Blick.

Simis konnte es nicht verstehen. Er hatte den Eindruck gehabt, Selenos fühle wie er. Doch der Dichter schien ihre freundschaftliche Beziehung nicht intensivieren zu wollen.

Simis war verwirrt, verstand Selenos’ unerwartete Zurückhaltung nicht.

 

 

Selenos liebte seinen Freund und obgleich er wusste, dass Simis sein Gefühle erwiderte, zögerte er.

Die tiefen Emotionen, die der Dichter für Simis empfand, erschienen ihm in ihrer Dimension unfassbar. Ja, selbst als eigene Dimension.

Ihn ergriff eine Art Ehrfurcht davor.

Er glaubte, diese unfassbare Dimension nicht wert zu sein. Als Vulkanier mit zu wenig Disziplin und seiner Vorliebe für kurze leidenschaftliche Abenteuer mit attraktiven irdischen Männern schien er sich dafür nicht gut genug.

 

 

 

Zwei Monate nach ihrem Wiedersehen im Louvre teilte Selenos ihm mit, dass er die Erde verlassen würde.

Da beschloss Simis, die Initiative zu ergreifen.

 

„Ich liebe dich, Selenos“, sagte er zu ihm.

 

„Ich will, dass wir T’hy’la sind, verbunden im Körper und im Geist.“

 

Simis hatte sich die Kleidung vom Körper gestreift, sie achtlos auf den Boden in Selenos’ Zimmer geworfen.

 

„Du weißt nicht, worauf du dich einlässt“, hatte Selenos geflüstert, „ich liebe dich auch, aber ich habe dich nicht verdient. Ich bin unbeherrscht, du hast jemand besseren verdient als mich.“

 

„Du redest Unsinn, T’hy’la, wir wollen es beide, ich weiß es. Ob du deine Emotionen beherrschen kannst oder nicht, ich will dich.“

 

„Deine Eltern werden einer Bindung zwischen uns nicht zustimmen.“

 

„Sie werden mich nicht aufhalten. Sie haben mich noch nie zu etwas gezwungen. Sie werden meinen Wunsch respektieren.“

 

Selenos kniete sich vor seinem t’hy’la nieder.

„Du willst es wirklich? Dann berühre DU mich, Geliebter, du musst damit beginnen, nicht ich. Bei jedem anderen würde ich es tun, aber nicht bei dir. Wenn du es willst...dann berühre mich...“

 

Simis führte Selenos zum Bett, legte sich neben ihn, entkleidete ihn.

Dann wollte und konnte sich Selenos nicht mehr beherrschen.

Er glitt auf den nackten Körper von Simis und begann, ihn zu lieben...

...glitt in seinen Geist und umwogte ihn mit seiner Liebe.

Tat mit ihm, was sie beide wollten.

Trank vom Saft der Liebe und der Leidenschaft seines t’hy’la.

Kniete sich zwischen seine Schenkel und gab Simis, was dieser sich wünschte.

Simis hielt sich nicht zurück, genoss es, tat es ihm gleich.

Sie waren zusammen, waren t’hy’la.

 

°°°°°°

 

Einige Tage später informierte Simis seine Eltern über seine Bindungsabsicht.

Zuerst lehnten sie ab, doch Simis ließ sich nicht beirren und versuchte, sie zu überzeugen.

 

Die Mutter von Simis konnte ihre Enttäuschung über die Entscheidung ihres Sohnes kaum verbergen.

Seinem Vater öffnete sich Simis in einem Mindmeld und dieser verstand ihn.

Er verteidigte Selenos gegenüber seiner Frau und bereitete die Bindungszeremonie vor.

Seine Eltern vertrauten ihm und wollten der Erfüllung seines einzigen, seines größten Wunsches, nicht entgegenstehen.

 

 

In der Zeit, als sie begannen, ihre Liebe miteinander zu teilen, wuchs in Selenos’ Dichterherz ein zweites unbändiges Verlangen heran.

Die selbst für seine unbeherrschte Natur beinahe zu intensiven Gefühle für seinen T’hy’la schienen von ihm zu wollen, dass er die Geschichte der legendären t’hy’la aus der Lichtgefährten-Legende neu schrieb. Selenos spürte den Drang, all seine Poesie in ein Werk zu legen, dass die Macht und das Glück der Liebe zeigt. Irgendwo in seinem Innern versprach ihm flüsternd eine Stimme, dass er und Simis die neuen Lichtgefährten sein würden...

 

°°°°°°°°°°°°°°

 

 „Du hast doch gehört, was meine Mutter gesagt hat und wir sollten und daran halten. Erst nach der Bindungszeremonie werden wir wieder miteinander schlafen. Das ist doch ein Kompromiss zu unseren Gunsten. Sie akzeptiert dich nicht und wenn wir uns nicht an die Abmachung halten, lehnt sie vielleicht noch in letzter Minute unsere Bindung ab.“

 

„Aber wir haben doch schon miteinander geschlafen. Sie will mir doch nur zeigen, dass sie unsere Beziehung nicht gut heißt und stellt deshalb diese unlogische Forderung.“

 

„Es sind noch 27 Tage und 18 Stunden bis zu unserer Bindung. Kannst du es nicht solange aushalten?“

 

„Ich kann es, T’hy’la. Kannst du es?“

 

Simis verdrehte seine Augen. „Wenn ich es nicht aushalten kann, ist es deine Schuld. DU liest mir stundenlang deine Poesie vor und DU nimmst ohne zu fragen meine Hände und streichelst sie...“

 

„Du hast es genossen. Das erste Mal, das zweite Mal, das dritte M...“

 

Jetzt fing Simis an zu lachen. „Du bist ein ganz schlimmer Verführer, T’hy’la...“

 

„Ich bin Dichter.“

 

„Ja, das hat mich auch verführt.“

 

Dann wurde Simis ernst. „Ich will dich etwas fragen, Selenos. Es heißt, wenn vulkanische Männer nicht sexuell enthaltsam leben, ist das Pon Farr nicht so schmerzhaft. Ist das wahr?“

 

„Ich habe schon davon gehört. Vulkanische Männer, die zum Beispiel mit Menschen verheiratet sind, deuten das an. Menschen sind nämlich fast ständig sexuell erregt und so MÜSSEN sich Vulkanier Ihnen anpassen. Wenn diese Vulkanier dann sagen, sie könnten das Pon Farr sogar genießen, wissen sie also wovon sie reden...“

 

...und so geschah es auch. Die beiden Männer genossen viele Jahre ihre Liebe und Ihre Leidenschaft. Zweimal erlebte Selenos seine unendliche Lust im Pon Farr zusammen mit seinem T’hy’la. Ihre tiefe Beziehung verhinderte die Fieberschmerzen und sie konnten es beide genießen.

 

So geschah es dann auch bei Simis, doch bald darauf hatte sich schon ein Schatten auf ihr Glück gelegt.

Der Schatten der unbeherrschten Emotionen von Selenos.

Der Schatten, der Simis’ Geist über ihr Partnerband leiden ließ, weil die Überflutung durch Selenos’  Emotionen ihm die Beherrschung seiner eigenen Emotionen unmöglich machte.

Der Schatten zu intensiver und unbeherrschter Gefühle, die

 

 

nach einer Weile

 

 

dazu führten, dass Simis eine Entscheidung treffen musste, die ihm selbst unerträglich schien.

 

 

„...ich habe keine andere Wahl, Geliebter.“ Simis’ Stimme war traurig, aber er blickte seinem t’hy’la fest in die Augen.

„Außerdem bin ich gezwungen, für eine sehr lange Zeit zu meditieren, um meine eigenen Gedanken zu ordnen und meine Emotionen unter Kontrolle zu bringen. Wir werden unsere Beziehung solange einschränken bis du deine Arbeit am „Lichtgefährten“ beendet hast. Dann fällt sicher die Anspannung von dir ab und deine Emotionen werden sich wieder auf ein akzeptables Maß einpendeln.“

 

„Das werden wir nicht, T’hy’la....Das kannst du nicht verlangen.“ Selenos’ Hände zitterten, als er das Ansinnen von Simis hörte.

 

„Doch, Selenos. Ich kann und ich werde es verlangen. Deine Emotionen zerstören mich, und auch wenn du das nicht nachvollziehen kannst, so ist es doch die Wahrheit.“

 

„Nein, T’hy’la, ich kann nicht ohne dich leben...“

 

Simis packte Selenos an der Schulter, schüttelte ihn.

„Ich habe keine Wahl. Du zerstörst mich und du zerstörst unsere Beziehung mit deinen extremen Emotionen.“

Seine Stimme wurde weich. „Vollende deine Arbeit am „Lichtgefährten“, T’hy’la. Dann wird alles wieder gut. Du brauchst mich nicht, um dein Werk zu vollenden.“

 

Selenos fiel vor seinem Geliebten auf die Knie. „Doch, ich brauche deine Nähe dafür, Geliebter. DU bist mein Lichtgefährte. Bleib bei mir.“

 

Simis kniete sich zu Selenos auf den Boden, streichelte seine Hände. „Ich bin dein T’hy’la. Der Lichtgefährte ist eine Legende.“

 

„Für mich ist er real. Du bist es. Wenn zwei T’hy’la sich unendlich lieben, wenn sie verbunden sind als wäre es nie anders gewesen, als wäre alles andere falsch, dann werden sie zu Lichtgefährten. Genau das ist es, was ich mir mit dir vorstelle.“

 

„Ich weiß. Aber du verstehst nicht, dass wir schon so eng verbunden sind, wie du es dir wünschst. Ob wir die legendäre Lichtebene, den Gleichklang mit dem Universum, erreichen oder nicht, ist irrelevant.“

 

Simis stand auf und zog Selenos auf die Beine. Er umfasste ihn, streichelte ihm den Rücken. „Vertrau mir, T’hy’la. Wir werden uns nicht trennen, wir schränken nur für ein Weile unsere Beziehung ein und minimieren unser Band...“

 

„Nein! Niemals! Das darfst du nicht...“

Selenos vergrub seinen Kopf an Simis’ Schulter und begann zu weinen. Sein Partner hatte ihn noch nie so sehr weinen sehen. Jetzt jedoch klammerte sich dieser an ihn und konnte damit gar nicht mehr aufhören.

Irgendwann löste sich Simis aus der verzweifelten Umarmung seines T’hy’la und brachte diesen zu ihrem gemeinsamen Bett.

Er legte sich nicht zu ihm.

Und er würde es auch nie mehr tun.

Nachdem Selenos zwei Jahre später die Arbeit am „Lichtgefährten“ beendet hatte, würde Simis tot sein.

 

 

 

DIE LEGENDE VOM LICHTGEFÄHRTEN

 

Leise betrat Kirk die Kabine seines Ersten Offiziers, in der sich Selenos auf dem Bett erholte. Seine Schwester T’Adrana hatte sich dort um ihn gekümmert, da die Krankenstation mit den Verletzten von Tribas überfüllt war.

Die Frau stand auf, als er näher trat.

„Mein Bruder ist wach und es geht ihm besser. Er hat sich hier in Mr. Spocks Kabine schnell erholt, denn das vulkanische Ambiente tut ihm gut. Wenn Sie es wünschen, können Sie mit ihm sprechen.“

 

Jim bedankte sich und T’Adrana verließ den Raum.

Selenos deutete mit der Hand auf den Stuhl neben seinem Bett. „Bitte setzen Sie sich, Captain.“

 

Jim tat es. „Spock hat es mir gesagt. Es ist nicht Ihre Schuld, machen Sie sich keine Vorwürfe. Ihr Signal war verstärkt worden, deshalb starb Simis, nicht wegen Ihnen.“

 

„Ich weiß.“

 

„Gut.“

Sie schwiegen und Jims Blicke wanderten über den Vulkanier, der mit geöffneten, feuchten Augen auf Spocks Bett lag.

 

Selenos trug das weiße Hemd halboffen und eine ebenso weiße kurze Hose.

„Er ist erregt“, dachte Jim überrascht. Unübersehbar. Selenos’ Geschlecht zeichnete sich überdeutlich unter der Hose ab.

 

Der Vulkanier lachte leise und Kirk wandte den Blick ab.

„Ich musste die ganze Zeit an Simis denken. Wir haben in den letzten beiden Jahren kein einziges Mal miteinander geschlafen. Ich konnte ihn nicht dazu verführen. Er wollte Abstand zu meinen unbeherrschten Emotionen. Mein Feuer floss daraufhin noch stärker in den ‚Lichtgefährten’. Jetzt ist das Werk vollendet und mein Lichtgefährte tot. Niemals mehr werde ich in ihm sein können...Ich beneide Sie, Jim.“

 

„Mich?“ Kirk war überrascht und schaute Simis in die Augen.

 

„Weil Sie bald mit dem Mann Ihrer Träume zusammen sein werden. Spock wird nicht mehr lange zögern.“

 

Jims Herzschlag erhöhte sich. „Sie sind sich da sicher?“

 

Selenos richtete sich auf. „Ich bin sicher, Jim. Zweimal haben Spock und ich eine Geistverschmelzung miteinander erlebt und beide Male hat der Gedanke an Ihre Berührungen ihn erregt...so wie mich der Gedanke an Simis erregt hat“, er deutete mit dem Kopf auf seine Erektion.

„Spock ergeht es nicht anders bei dem Gedanken, Sie lieben zu dürfen.“

 

Selenos schaute ihm nachdenklich in die Augen, dann hob er seine Hand, griff sanft, aber ohne zu zögern in Kirks Haar und strich zärtlich darüber. „Sie sind ein schöner Mann, Jim. Bevor ich mit Simis zusammen war, habe ich Männern wie Ihnen nicht widerstehen wollen.“

 

Kirk schwieg. Er wusste keine Erwiderung auf die Worte des vulkanischen Dichters.

 

„Jim, bitte öffnen Sie die Schublade hinter Ihnen.“

 

„Was ist da drinnen?“

 

„Etwas für Sie. Von Spock.“

 

Kirk verstand nicht, doch er öffnete die Schublade.

 

„Da liegt ein Kleidungsstück, eine Hose.“

 

„Nehmen Sie sie.“

 

Jim hob die Hose aus der Schublade. „Spocks Uniformhose“, sagte er, „was ist...“

 

Dann fühlte er die noch nicht ganz getrocknete sahnige Flüssigkeit an seinen Fingern.  

 

„Das ist...ist das?“ Kirk sah Selenos fragend an.

 

„Ja. In unserem ersten mindmeld habe ich Spock seine Gefühle für Sie vor Augen geführt und das, was Sie da unter Ihren Händen spüren, ist sozusagen...das Resultat davon. Ich sagte ihm, er solle den Saft seiner Liebe eine Nacht aufbewahren, damit er am nächsten Tag sieht, wie kraftvoll seine Gefühle für Sie sind und dass sie ihm Freude und Glück schenken.“

 

„Wenn das stimmt...“

 

„Es stimmt. Spock liebt und begehrt Sie. Er wird bald zu Ihnen kommen.“

 

Jim vergrub sein Gesicht in Spocks Hose und genoss die Leidenschaft seines t’hy’la.

 

 

 

Persönliches Logbuch des Captains

Es ist nach Mitternacht und ich bin todmüde. Doch ohne die kleine bunte Pille aus der Krankenstation, die noch auf meinem Nachttisch liegt, könnte ich trotzdem nicht einschlafen. Die Geschehnisse der letzten Stunden haben mich durcheinander gebracht und mir eine Dimension gezeigt, die ich bisher noch nicht kannte.

Zuerst hatte mir Selenos, der ungewöhnlich emotionelle Vulkanier, Spocks Gefühle für mich gezeigt und die Hoffnung in mir auf eine Zukunft mit ihm ins Unermessliche gesteigert.

Eine Weile später erfuhr ich, welche Erkenntnisse Spock aus den handschriftlichen Unterlagen von Mr. Simis gewonnen hat, die wir in dessen Haus auf Tribas gefunden hatten.

Spock hatte mir in meiner Kabine gegenüber gesessen und mir mit ungewöhnlich leiser und heiserer Stimme von der Macht der Liebe erzählt. Natürlich drückte er sich nicht ganz so aus, aber genau darum geht es in den Ereignissen auf Tribas 1.

Ich kann sie immer noch nicht fassen, und den erneuten emotionellen Ausbruch von Selenos, seinen Schmerz, als er die Aufzeichnungen seines t’hy’la gelesen hatte, kann ich sehr gut nachvollziehen

Wir Menschen glauben an die Kraft der Liebe und den Vulkaniern geht es tief in ihrem Innern auch nicht anders. Doch ein solch deutlich erlebbares Übergreifen der Emotion ‚Liebe’ in die materielle Welt hat kein Mensch und hat auch kein Vulkanier je erlebt...

 

 

***********************wenige Stunden vorher************************

 

 

„...ich habe die handschriftlichen Unterlagen von Simis ausgewertet und werde Ihnen eine Zusammenfassung geben. Sie enthalten die Lösungen der meisten Rätsel.“

Spock überzeugte sich mit einem Blick von der ungeteilten Aufmerksamkeit des Captains.

„Captain, was aus den Aufzeichnungen von Mr. Simis hervorgeht, ist in seiner Dimension größer als ich vermutet habe. Aber es klärt nicht alle Fragen.

 

Als Simis die vorrübergehende Trennung von Selenos durchgesetzt hatte, begann er mit dem Meditieren. Er wollte seinen Geist wieder kontrollieren, was ihm durch Selenos’  emotionelle Überflutung immer weniger gelungen war. Seine Meditationen waren sehr diszipliniert und sehr tief. Tiefer auch als die der anderen Vulkanier auf Tribas 1. Wegen dieser tiefen Meditationen konnte Simis dem Einfluss des Bewusstseins auf Tribas entkommen. Deshalb bemerkte er als einziger die Veränderungen auf dem Planeten. Aber wen er auch deshalb ansprach, Selenos oder einen der anderen Kolonisten, ignorierte ihn, reagierte einfach nicht. Er gab die Daten in die Computer ein und sie wurden nicht abgespeichert. Er versuchte eine Subraummitteilung und der Sender sendete nicht.

In seinen Meditationen und bei seinen Untersuchungen erkannte Simis die Ursache.

 

 

Der Planet Tribas 1 besitzt ein Bewusstsein und damit steuert er instinktiv seine natürlichen Vorgänge. Temperatur, Flora, atmosphärische Vorgänge und so weiter.

Dieses Bewusstsein durchdringt netzartig den ganzen Planeten.

Der Gedanke, dass Planeten eine Art Bewusstsein haben, ist eine altbekannte Theorie, doch was hier auf Tribas geschah, war neu.

Die Energie des Bewusstseins von Tribas 1 wurde plötzlich verstärkt. Warum?

Simis hat es in seinen Meditationen erkannt.

Ursache ist die Kraft der Liebe zwischen Simis und Selenos, die so groß war wie die Liebe des Künstlers und des Schmiedes in der Legende vom ‚Lichtgefährten’. Ihr Bindungsband schwang so stark, dass die Stärke seiner Schwingung tatsächlich auf gewisse Weise die Lichtebene berührte.“

 

„Also doch!“ Kirk sprang auf. „Was geschah genau, Spock?

 

„Nun, Captain, auch wenn wir Vulkanier es uns nicht eingestehen wollen: Von der Lichtgefährten-Legende geht eine starke Kraft aus.“

 

 „...und von der Liebe zwischen Selenos und Simis“, warf Kirk ein und lächelte Spock an.

 

Spock wich Jims Blick aus. „Ja, davon auch und darum geht es.

Die Lichtgefährten-Legende ist zwar stark, aber sie ist eigentlich nur eine Legende. Vielleicht hat sie sich so ereignet, aber das ist irrelevant. Von Bedeutung ist Selenos’ Glaube an die Legende, sein Wunsch, er und Simis könnten die neuen ‚Lichtgefährten’ werden. Selenos glaubt an die Legende und die Liebe zwischen Simis und ihm war, wie mir jetzt klar ist, in der Tat stark genug, um die ‚Lichtebene’, also die Schöpfungsebene zu erreichen.

Die Stärke der Lichtgefährten-Legende allein hätte nicht diese Wirkung erreichen können. Aber dann kam die Stärke der Liebe zwischen Simis und Selenos, das wegen ihrer Liebe starke Schwingen ihres T’hy’la-Bandes, hinzu. Dadurch wurde die alte Lichtgefährten-Legende mit Leben erfüllt, sie wurde aktiviert, könnte man sagen.

Selenos ist ein emotionell unbeherrschter Telepath und die Gefühle für seinen T’hy’la und die Legende sind, wie wir wissen, sein Lebenssinn.

Als Simis und Selenos die Lichtgefährten-Legende durch ihre Liebe zueinander mit Leben erfüllten, transportierte Selenos sie unbewusst auf telepathischem Weg in das Bewusstseinsnetz des Planeten.

Die mentale Kraft, die Selenos im Wald von Tribas’mink immer wieder spürte, war vermutlich die Kraft des Planetenbewusstseins, denn die Kraft der Legende erhöhte die Energie im Bewusstseinsnetz des Planeten um das x-fache.

Das ist der Grund für die beschleunigte Evolution auf Tribas und das ungewöhnlich hohe Pflanzenwachstum.

Was monatelang auf Tribas geschah, ist Schöpfung, wie in der Legende. Es geschah zwar unbewusst, aber es geschah.“

 

„Liebe ist die stärkste Kraft im Universum“, sagte Jim, „und sie ist die einzige Kraft, welche die Schöpfungsebene erreichen kann.

Simis war also tatsächlich Selenos’ Lichtgefährte. Er wiederholt es immer wieder, aber wir hielten es für ein Symbol.“

 

Sie schwiegen beide. Kirk versuchte, das gehörte zu verarbeiten. Dann hob er leise wieder zu sprechen an.

 

„Simis und Selenos hatten ihr Band minimiert und trotzdem war es stark und stabil genug, das Bewusstsein eines ganzen Planeten so hochgradig zu beeinflussen... Soviel Liebe...Vulkanische Gefühle sind in ihrer Macht wirklich...eindrucksvoll...“

 

Spock schwieg, schaute seinen Freund nicht an.

 

„Sie hatten zwar ihr Band minimiert, aber blieben in Liebe verbunden. So...stark...

Ist Selenos bewusst, dass er sich seinen Wunsch, mit Simis die ‚Lichtebene’, den Gleichklang mit der Schwingung des Universums zu ereichen, erfüllt hat?“

 

„Nein, Jim. Er weiß es nicht.“

 

„Wir sollten es ihm sagen.“

 

„Ja.“

 

Dann fiel Kirk etwas ein. „Sagen Sie, Spock, warum spürte es Selenos nicht, als das Band, das ihn mit Simis verband, riss?

 

„Unbekannt. Ich hoffe, wir finden es später noch heraus.“

 

„Aber warum spürte er seinen Tod zwei Stunden später, als die Flutwelle hereinbrach?“

 

„Auch noch unbekannt.“

 

„Sie sagten, dass Sie bei der Geistverschmelzung Blockaden in Selenos’ Geist durchbrechen mussten. Welche Ursache hatten diese?“

 

„Ich bin nicht sicher. Möglicherweise hat sie Selenos selbst errichtet. In dem Moment als er merkte, dass sein Warnsignal an Simis tödlich war. Eine automatische Reaktion aus Schutz vor dem Schock, den Simis’ Tod bewirkt hätte.“

 

Jim dachte nach. „Wissen Sie, warum die Kolonisten auf Tribas die Veränderungen nicht bemerkten und wie und warum sie von dem Planetenbewusstsein beeinflusst wurden?“

 

„Laut seinen Aufzeichnungen glaubte Simis, dass alle biologischen und technischen Netzwerke des Planeten instinktiv in sein Bewusstseinsnetz eingegliedert wurden, als sich dessen Energie verstärkte. Die Bewohner betrachteten die Vorgänge auf Tribas als richtig, als logisch, als das, was geschehen solle, denn das Planetenbewusstsein empfand die Veränderungen auch so. Deshalb wurde die Ungewöhnlichkeit der Vorgänge nicht zur Kenntnis genommen.

Die Computernetzwerke reagierten ebenso. Sie konnten, weil sie kein eigenes Bewusstsein und keine bewusste Intelligenz besitzen, sogar noch leichter beeinflusst werden.“

 

„Was bezweckte Simis denn nun eigentlich mit der Explosion und der Flutwelle, Spock? Wollte er das Planetenbewusstsein ablenken oder so ähnlich?“

 

Der Vulkanier nickte. „Ja, so stand es in Simis’ Aufzeichnungen. Er sah keinen anderen Weg und vermutete zu Recht, dass die Naturkatastrophe das Bewusstseinsnetz erschüttern würde und es sich für eine Weile auf die Behebung der Schäden würde konzentrieren müssen. In dieser Zeit hätte es seine Energie instinktiv darauf gelenkt und die Kolonie wäre seinem Einfluss entglitten.“

 

„Dann hätte Simis genügend Zeit gehabt, die Kolonisten erst vor der von ihm verursachten Flutwelle in Sicherheit zu bringen, sie aufzuklären und mit ihnen Maßnahmen gegen die Beeinflussung zu ergreifen.

Ist die Kolonie vollständig befreit von dem Einfluss?“

 

„Nicht völlig, aber die Bewohner haben inzwischen die Veränderungen erkannt.“

 

„Existiert noch die Gefahr der Beeinflussung?“

 

„Nein. Das Bindungsbandes zwischen Selenos und Simis ist gerissen. Deshalb kann sich die Energie nicht erneut verstärken.“

 

„Spock, ich gehe zu Selenos und gebe ihm Simis’ Unterlagen.“

 

„Selenos könnte sehr emotional reagieren. Seien Sie vorsichtig, Jim.“

 

„Das werde ich.

Übrigens, ich wurde informiert, dass die Eltern von Simis morgen an Bord kommen. Sie sind Diplomaten. Kennen Sie sie zufällig?“

 

„Ich kenne sie, aber das ist lange her...Doch ich erinnere mich, dass die Mutter von Simis mit seiner Beziehung zu Selenos nicht einverstanden war. Aber sein Vater hatte sich plötzlich auf  die Seite seines Sohnes gestellt und Selenos verteidigt. Sie selbst lehnte Selenos als Partner für ihren Sohn ab.“

 

„Das klingt nicht gut. Am besten, ich informiere ihn erst morgen. Hat Selenos eine eigene Kabine zugewiesen bekommen?“

 

„Ja, Gästequartier Nummer 3. Er hat es vorhin bezogen.

 

Jim, seien sie vorsichtig, wenn sie zu ihm gehen.“

 

„Das sagten sie schon.“

 

„Ich weiß.“

 

°°°°°

 

Selenos saß im Lotussitz auf dem Boden und Jim setzte sich neben ihn, denn der Dichter wollte nicht allein sein, während er die Aufzeichnungen seines toten t’hy’la  las.

Der Vulkanier hatte einen geringen Lichtpegel eingestellt, doch noch hoch genug für ihn, um die Schrift zu lesen. Das Gesicht von Selenos lag im Schatten und Kirk konnte es nicht erkennen. Er fühlte die Hitze, die von seinem Körper ausging, die auch Spock ausstrahlte. Bei Kirks vulkanischem Ersten Offizier stand die hohe Körpertemperatur meist im Kontrast zu seiner Ausstrahlung. Vulkanier präsentierten sich anderen meist unnahbar kühl. Doch in der kurzen Zeit, in der er Selenos kannte, hatte er ihn nicht einen einzigen Moment als unnahbar empfunden. Im Gegenteil.

Kirk hörte Selenos Stimme, nicht warm und sanft wie sonst, sondern abgehackt, heiser. Er stützte sich mit den Händen ab und sprang hoch.

 

„Ich habe es nicht bemerkt? Simis und ich haben die Lichtebene erreicht und ich konnte es nicht erkennen?“

 

Jim stand auf und trat zu ihm. „Sie haben erreicht, was Sie sich immer gewünscht hatten. Sie haben mit der Kraft der Liebe die Schöpfungsebene berührt. Die Lichtgefährten-Legende ist wahr. Vor 7000 Jahren war sie es und sie ist es heute.“

 

„Wieso konnte ich es nicht sehen, obwohl doch seit zwölf Jahren meine Gedanken fast nur um Simis und die Legende kreisen?“

 

Selenos packte Kirk an den Armen, schaute ihn an, fassungslos, mit einem Blick irgendwo zwischen Hölle und Verdammnis.

 

„Die Lichtgefährten-Legende endet nicht mit dem Tod. Sie endet im ewigen Leben der beiden Lichtgefährten auf einer anderen Daseinsebene! Aber mein Lichtgefährte ist tot!

Was habe ich denn erreicht?“

 

„Glauben Sie mir, ich kann Ihre Gefühle sehr gut nachvollziehen. Sie haben den Mann verloren, den sie lieben und dies ist etwas, das niemand erleben möchte. Sie haben mit Simis die Lichtebene erreicht und können dieses Glück nicht mit ihm teilen. Aber was Sie erreicht haben, kann Ihnen niemand nehmen...“

 

Selenos krallte seine Finger noch stärker in Jims Arme. Seine Augen glühten und Kirk unterdrückte einen Schmerzensschrei.

 

„Simis ist tot! Mit ihm, dem Mann den ich liebe, habe ich die Lichtebene erreicht. Das heißt, was ich erreicht habe, WURDE mir genommen!“

 

Er schleuderte Kirk von sich und dieser konnte sich nur dank seiner antrainierten Reaktionsschnelligkeit vor dem Aufprall auf die Tischkante retten.

Selenos stürmte aus der Kabine, doch er kam nicht weit. Kirks Erster Offizier stand davor und betäubte ihn mit einem sicher gesetzten Nackengriff.

 

 

 

*********************Am nächsten Morgen**************************

 

Jim hatte genüsslich Eier und Toast zum Frühstück in sich hinein geschaufelt. Als Spock  sich zu ihm setzte, trank er gerade die letzten Tropfen seines Kaffees.

 

„Jim“, sagte er, „ich möchte etwas mit dir besprechen, privat. Kannst du in einer halben Stunde in meine Kabine kommen?“

 

Kirks Puls erhöhte sich. „Es ist soweit“, dachte er, ‚Spock will mich und jetzt sagt er endlich Ja.’

 

„Natürlich, Spock. Ich komme dann gleich zu dir.“

 

Der Vulkanier stand wieder auf, verließ die Messe ohne zu frühstücken.

 

‚Es ist soweit’, dachte Kirk und schloss die Augen, ‚Spock und ich...in einer halben Stunde...’

 

°°°°°°

 

Die Tür zu Spocks Kabine glitt auf, kaum dass Kirk vor ihr stand. Er betrat den Raum und sah Spock in dessen Mitte. Der Vulkanier trug nicht wie sonst seine Uniform, sondern eine dunkle Robe, bestickt mit für Jim unverständlichen Schriftzeichen.

Spock wartete, bis Jim vor ihm stand, dann umfasste er ohne zu zögern mit den Händen die Oberarme seines Freundes.

Er schaute Jim forschend in die Augen, sprach nichts.

 

‚Sag’ es doch einfach, Geliebter’, dachte der Mensch, ‚bitte sag’ es.’

 

Dann begann Spock zu sprechen.

„Was ich dir jetzt sage, Jim, fällt mir nicht leicht. Aber es ist nicht mein Wunsch, dass du dich wieder so...schlecht fühlst wie damals. Deshalb habe ich beschlossen, diesmal offen mit dir zu sprechen...Freunde sollten immer offen sein zueinander...“

 

Jim erstarrte. ‚Was, wieso...’

 

„Wir werden keine Liebesbeziehung miteinander eingehen. Alles wird bleiben, wie es ist, auf einer rein freundschaftlichen Basis. Keine...Küsse, keine Berührungen über das notwendige hinaus. Nichts, was für eine freundschaftliche Beziehung zu intim ist.

Ich will mich diesen Emotionen nicht aussetzen.

 

Kirk wurde schwindelig. „Spock, was...ihnen nicht AUSSETZEN?“

 

Der Vulkanier löste die Hände von Jims Armen und drehte sich von ihm weg.

 

„Ich will es nicht, Jim. Aber...ich will dich auch nicht anlügen, und deshalb...“

Er drehte sich wieder um und schaute Jim in die Augen.

„Meine Gefühle sind nicht anders als deine...und doch darf es nicht sein...Ich weiß, du verstehst den Grund nicht. Du sagtest mal zu mir ‚Es ist unlogisch, wenn wir es beide wollen.’ Doch es ist nur so, dass du die Logik nicht verstehst....“

 

Er holte Luft, drehte sich wieder weg von seinem Freund.

„Ich habe es mir nicht leicht gemacht, doch du hast erlebt, was Emotionen bewirken. Das war schon damals der Grund, deinen Wunsch nach einer Liebesbeziehung abzulehnen.

Selenos und Simis haben sich geliebt, und doch ist ihre Beziehung gescheitert. An Selenos’ intensiver Liebe gescheitert.

Du siehst, wie Selenos leidet. Du selbst hast wie er seelische Schmerzen erlebt, wenn du jemand verloren hattest.

Als Surak damals seine Philosophie der Beherrschung der Emotionen durchsetzte, wusste er sehr genau, weshalb er auch bei der Liebe keine Ausnahme zuließ und auch deshalb werden Ehen auf Vulkan meistens auf andere, pragmatischere Weise begonnen.

Liebe kann eine angenehme Emotion sein...dessen bin ich mir bewusst.

Doch was kann sie außer dem Angenehmen noch bewirken? Eifersucht, Verlustgefühle, Ängste, am Ende sogar Hass.

Auf Tribas konnte erst eine Naturkatastrophe die Auswirkung der Emotion Liebe stoppen. Sie hatte tausende Menschen und Vulkanier ihrer eigenen Gedanken beraubt.

Du selbst hast den Schmerz gespürt und die Schatten erlebt, die von Emotionen ausgehen.

Ich als Vulkanier erlebe Emotionen viel stärker als du. Deshalb will ich sie nur sehr begrenzt zulassen. Ich will mich selbst vor ihnen schützen. Ich habe die Auswirkungen verschiedener Emotionen erlebt......und aus diesem Grund will mich ihnen nicht aussetzen.

Ich kann mir vorstellen, wie du dich jetzt fühlst, Jim. Es...tut...mir leid...aber glaube mir, es ist besser so.“

 

„Spock“, flüsterte Jim, Wut und Tränen kaum noch zurückhaltend.

„Du kannst das doch nicht ernst meinen. So einen Unsinn habe ich noch nie gehört. Du weißt doch, was Liebe ist...Du hast Angst vor deinen Gefühlen, ich fasse es nicht. Und deshalb willst du mir, willst du uns, das antun?“

 

Jim wandte sich zur Tür, drehte sich noch einmal zurück und stellte mit mühsam beherrschter Stimme nur eine Frage.

„Sage mir, mein Freund, worauf du wartest. Wartest du auf jemanden, den du nicht liebst, damit du dich nicht der Liebe AUSSETZEN musst? Wenn du eines Tages eine Beziehung eingehst, dann mit jemandem, der deine Emotionen und deine Seele nicht berührt?“

 

 

 

 

 Weiter: Teil 7