Titel:  Die Legende vom Lichtgefährten

Kapitel 3 von 9

Autor: Liliane Romano

Serie:  Star Trek TOS

Paarung: K/S, S/m, K/m

First Time

Rating:  NC17, ein bisschen

Dies ist eine homoerotische Liebesgeschichte. Wer unter 18 ist oder homoerotische Erzählungen nicht mag, sollte bitte nicht weiterlesen.

 

Zusammenfassung: Eine alte vulkanische Legende erwacht zum Leben und ein emotionaler vulkanischer Dichter hilft Kirk und Spock sich zu finden.

 

Feedback: Ja.

Hier oder liliane_romano@yahoo.de

Archiv: Ja

Beta:  T'Sihek. Nach ihren Hinweisen – vielen Dank dafür! – habe ich nach der Erstveröffentlichung das eine oder andere nochmal korrigiert.

Disclaimer: Das Star Trek Universum gehört mir nicht und ich verdiene damit kein Geld. Ich spiele nur ein bisschen mit den sexy Jungs und den netten Mädels die dort wohnen. Ich schreibe nur zum Spaß und will keine Rechte verletzen.

 

 

Persönliches Logbuch des Captains. Seit zwanzig Jahren bin ich bei Starfleet, erst als grüner Kadett, dann als unerfahrener Fähnrich und inzwischen als Captain des Flagschiffes der Föderation. In Situationen wie dieser wird mir immer wieder der Zwiespalt bewusst zwischen den Träumen von fremden Welten, auf denen es soviel zu entdecken gibt und den Gefahren, in die wir uns auf unseren Reisen begeben.

"Diese Gefahren sind der Ausgleich für die Freude, der wir im All begegnen", hatte mir mein Vater vor unendlich langer Zeit gesagt. "

Freude und Leid gehen Hand in Hand. Das ist im Weltall genauso wie zu Hause auf der Erde. Der Unterschied ist nur die Größe dieser beiden Erfahrungen. Im All ist beides viel intensiver. Aber nicht nur das. Auch Freundschaft und Liebe und auch Zurückweisung oder Ablehnung wirst du viel stärker erfahren als es die daheim Gebliebenen tun."

 

Er hatte recht. Ich habe es nicht einmal erlebt, sondern ich erlebe es Tag für Tag. Seit zweiundsiebzig Stunden sind wir nun schon auf Tribas 1 und ich spüre es. Ich spüre es, wenn ich die Verletzten in den Lazaretten auf dem Planeten sehe, die Ärzte und Schwestern, die sich um sie kümmern; ich spüre es, wenn ich in die Augen von Selenos schaue, jenes Vulkaniers, der, während er ein Kunstwerk vollbrachte, seinen Lebensgefährten verlor, und ich spüre es, wenn jemand ganz bestimmtes vor mir steht, nämlich das wundervollste Individuum, dem ich jemals begegnet bin und wenn ich dann an seine Ablehnung denke, die freundschaftliche Beziehung zwischen uns in mehr zu verwandeln.

 

Seit ich dem Dichter Selenos begegnet bin, kann ich mich meiner Erinnerung daran kaum erwehren. Doch dieser vulkanische Dichter ist ungewöhnlich für einen Angehörigen seiner Spezies. Normalerweise ist diese zurückhaltend und erscheint uns Menschen zu kühl. Ehen zum Beispiel werden auf Vulkan normalerweise von den Eltern arrangiert, zu einem Zeitpunkt, an dem die späteren Partner noch Kinder sind. Ich nehme an, diesen Beziehungen fehlt dann das, was man im Rest der Galaxis als wahre Liebe bezeichnen würde.

 

Heute Mittag, nachdem Mr. Spock, die Doktores McCoy und M'Benga und Mr. Scott ihre neuesten Berichte über die Ereignisse auf Tribas 1 vorgelegt haben, werde ich eventuell noch die Zeit haben, eine Weile mit Selenos zu sprechen. Wenn es mir gelingt, diesen Vulkanier besser zu verstehen, gelingt mir das vielleicht auch bei einem gewissen anderen.



"Haben Sie schon eine Theorie, Mr.Spock"

 

"Sicher, Captain."

 

"Auf Sie ist Verlass! Dann schießen Sie mal los."

 

"Es ist aber nur eine Theorie, Sir."

 

"Genau davon habe ich soeben gesprochen."

 

"Die Wahrscheinlichkeit meiner Theorie ist momentan noch nicht messbar. Einen völligen Irrtum kann ich nicht ausschließen. Und wenn meine Theorie sich als falsch herausstellt..."

 

"Mr. Spock! Nicht einmal Sie können alles richtig machen und immer Recht haben. Und jetzt beglücken Sie uns endlich mit den Ergebnissen Ihrer Überlegungen!"

 

"Natürlich, Captain, Entschuldigung, ich wollte Ihnen nur klar machen..."

 

"Mr. Spock!"

 

"Captain? "

 

"Es wird bald dunkel, bitte fangen Sie an!"

 

"Wir haben 9 Uhr morgens an Bord der Enterprise und selbst wenn es schon Abend wäre, wir haben hier künstliche Beleuchtung...Und wieso sind Sie der Meinung, Licht würde eine Rolle spielen?

Sowohl Menschen als auch Vulkanier können bei Dunkelheit nachdenken und ich als Vulkanier kann sogar im Dunkeln lesen, also zum Beispiel meine Daten vorlesen."

 

"Ich bin aber kein Mensch, Spock, und Sie sind kein Vulkanier."

 

"Das entspricht nicht der Wahrheit."

 

"Doch, Spock, tut es. Ich bin nämlich inzwischen zu einem Nervenbündel mutiert. Offensichtlich als Folge Ihrer Mutation zu einer Nervensäge."

Spock legte den Kopf schief. "Ich glaube, ich verstehe. Sie wollen, dass ich nicht soviel rede sondern stattdessen mit meinem Bericht beginne."

 

"Genau, Spock. Bitte beginnen Sie."

 

"Es ist aber nur eine Theorie, Sir"

 

Jim atmete tief ein und ermahnte sich ruhig zu bleiben.

"Sie wissen, es handelt sich im Fall von Mr. Simis nicht um einen normalen Mord. Er geschah in etwa gleichzeitig mit der ebenfalls ungeklärten Explosion des Forschungslabors, dessen Leiter er war.

Wäre Mr. Simis kein gebundener Vulkanier gewesen, wäre ich dem Gedankengang, den ich jetzt darlege, wohl nicht gefolgt. Doch da ich ihm gefolgt bin, stieß ich auf eine mögliche Version der Ereignisse. Da aber noch Fragen offen sind, habe ich Mr. Selenos zu diesem Treffen hinzugebeten."

Er wandte sich an den neben ihm sitzenden Vulkanier. "Die Frage, die ich Ihnen jetzt stellen muss, wird Ihre Privatsphäre verletzten. Ich bitte Sie dafür um Entschuldigung, Selenos."

 

Der Angesprochene starrte einige Sekunden vor sich hin, dann nickte er knapp. "Ich habe meinen Lichtgefährten verloren. Wenn ich helfen kann, seinen Tod aufzuklären..."

 

Spock senkte den Kopf, schluckte, nickte dann.

In Jim quoll ein Gefühl von Wärme empor. Wie immer, wenn er Spocks Schüchternheit und Unschuld erlebte. Diese waren so typisch für ihn und weckten in Jim den Wunsch, ihm einen Mantel aus eben dieser Wärme, verziert mit seiner Liebe, um die Schultern zu legen.

'Du beschützt mich, Spock, mit deiner Ruhe und deinen Fähigkeiten. Passt es da nicht, wenn ich dich als Ausgleich dafür, in einen Kokon aus meinen Gefühlen hülle?'

Er dachte an das Wort Lichtgefährte, mit dem Selenos seine große Liebe benannte. Er beschloss, herauszufinden was dieses Wort genau bedeutete. Er würde Selenos' Dichtungen erkunden und diese würden es ihm sicher erklären können.

 

Spock befragte Selenos.

"Wann hatten Sie mit Mr.Simis zum letzten mal telepathischen Kontakt über das Band?"

 

"Unmittelbar nachdem ich zwei Kilometer vor meinem Ziel im Wald von Tribas'mink den Gleiter abgestellt hatte. In dem Gebiet dürfen technische Aktivitäten nur im Notfall stattfinden, sollten Sie wissen. Er wünschte mir Erfolg bei meiner Dichtung."


Jim spürte sofort, dass Selenos etwas verschwieg.

"Da ist noch etwas, Selenos, habe ich recht?", fragte er leise.

"Vielleicht etwas, das Spock nicht gefragt hat, aber dennoch vielleicht wichtig wäre?"

 

Spock nickte leicht. Er hatte das selbe fragen wollen.

'Jim's Intuition vermutlich. Diese seltsame Fähigkeit, die so anders als vulkanische Logik ist', dachte er.

 

Selenos sah ihn nicht an. Er starrte auf die Tischplatte und schwieg.

 

"Mr. Selenos", bat Jim, "falls es wichtig sein sollte...Sie selbst haben Simis soeben als ihren Lichtgefährten bezeichnet. Ich weiß zwar nicht genau, was dieses Wort bedeutet, aber offensichtlich etwas wunderschönes. Wenn wir seinen Tod aufklären wollen..."

 

Selenos blickte ihm in die Augen.

Jim erwiderte seinen Blick, fest und bittend.

'Seine Augen sind heller als die von Spock', dachte er. 'Heller und runder, und seine Lippen beben. Er leidet. Tut mir leid, Selenos', flüsterten seine Gedanken.

'Es ist kaum zu ertragen, ein geliebtes Wesen zu verlieren. Das weiß ich.'

 

Der Vulkanier wandte sich stumm um Hilfe bittend an Richard, den menschlichen Mann seiner Schwester. Dieser nickte zustimmend und Selenos erhob sich.

 

"Ich weiß nicht, ob es eine Bedeutung hat, aber egal wie es sich verhält, ich kann nicht darüber sprechen. Mein Schwager wird Ihre Frage beantworten." Er verließ er den Raum.

 

Richard räusperte sich.

"Meine Dame, meine Herren, das Problem in der Beziehung zwischen Simis und Selenos war eine gewisse Einseitigkeit."

 

Kirk erstarrte.

 

"Die beiden hatten ihre Beziehung schon seit zwei Jahren auf Eis gelegt, sozusagen. Sie hatten beschlossen, das Band nur sehr selten zu benutzen. Also selten als telepathische Brücke und, was viel wichtiger ist, nicht mehr als Brücke für ihre Emotionen.

Wenn also Selenos sagt, er hatte mit Simis am Abend telepathischen Kontakt, dann war dieser sicher der einzige in, nun, schätzungsweise einer ganzen Woche. Im Gegensatz zur Art ihrer Beziehung wie sie früher gewesen ist, ein unvorstellbarer Unterschied. In Wirklichkeit hatte er Simis nicht vor einigen Tage verloren, sondern schon vor einigen Jahren. Ich werde Ihnen den Grund erklären und ich denke, Sie werden ihn verstehen.

 

Als die beiden sich vor zwölf Jahren auf Vulkan zum ersten Mal begegneten und sich wenig später auf der Erde wieder sahen, stand Selenos etwa zwei Jahre vor der Hochzeit mit seiner Verlobten.

Er war auch damals schon ein, nun sagen wir, ungewöhnlicher Vulkanier. Seine Ausübung vulkanischer Disziplin war schon immer recht gering. Sie haben das selbst bemerkt. Verstehen Sie mich nicht falsch. Niemand, der ihn kannte, nahm ihm das übel.

Selenos ist ein sehr angenehmer Mann. Großzügig, sanft und höflich. Was machte es da schon, wenn seine Leidenschaft manchmal überkochte und er auch sonst seine Emotionen nicht besonders gut unter Kontrolle hatte?

Auch wenn viele Vulkanier streng sind mit sich selbst und den anderen Angehörigen ihres Volkes, wissen sie doch ein unbefangenes, liebenswürdiges Wesen zu schätzen.

Sicher schon deshalb, weil die meisten von ihnen anders sind. Außerdem ist Selenos ein Künstler und wie unter Menschen sind Künstler auch unter Vulkaniern mit besonderen moralischen Rechten ausgestattet.

Zwischen Simis und Selenos war es Liebe auf den ersten Blick. Ich habe es damals miterlebt und weiß wovon ich spreche. Selenos riss Simis mit sich in einen Strudel aus Wärme, Liebe und Leidenschaft und dieser genoss es.

Selenos und seine Verlobte trennten sich in gutem Einvernehmen und nur wenige Wochen später banden sich die beiden Männer. Diese Glückseeligkeit hielt viele Jahre an.

Doch eben nicht für immer. Simis versuchte, die überquellenden Emotionen seines Gefährten auszugleichen, um seine eigene emotionale Selbstkontrolle nicht zu verlieren. Aber es gelang ihm nicht.

Stattdessen wurde Selenos immer unkontrollierter und gefährdete damit auch Simis. Sie sprachen darüber, ständig, später stritten sie sich auch.

Doch Selenos wollte sich nicht zur Selbstbeherrschung zwingen lassen. Irgendwann genügte die Liebe, die beide verband, nicht mehr aus als Basis für eine Beziehung.

Selenos Arbeit am 'Lichtgefährten' brachte dann wohl das Fass zum überlaufen. Als vor zwei Jahren das dichterische Werk in seine entscheidende Phase trat und Selenos' Emotionen glühten, hielt Simis es nicht mehr aus. Er setzte die vorrübergehende Reduzierung ihrer Kontakte über das Band durch, verweigerte Selenos das...intime Beisammensein...und vermied auch sonst den Kontakt zu ihm.

Nachdem Selenos vom wahren Todeszeitpunkt seines Gefährten erfahren hatte, war ihm schnell klar, das etwas nicht stimmte. Er hat mit mir darüber gesprochen, müssen Sie wissen, und er wusste, dass die Natur seiner Beziehung mit Simis eine wichtige Rolle spielen würde bei der Aufklärung dessen Todes.

Er sagte mir, in den ganzen zwei Jahren, als Simis die mentale Funkstille erzwungen hatte, hatte er eben diese Funkstille nie gespürt, wenn er im Wald von Tribas'mink an seinem Werk arbeitete. Dort spürte er Simis Liebe genauso stark wie früher in seinem Geist.

Keine telepathische Kommunikation, wohlgemerkt, nur die Emotion. Deshalb verbrachte er wohl auch viele Nächte lang im Wald, sagte er mir. Im Wald von Tribas'mink fühlte er sich Simis so nah wie früher. Selenos nahm an, dass sein Gefährte in den Nächten, die sie getrennt verbrachten, seine geistige Nähe suchte, es ihm aber am Tage nicht eingestehen wollte. Vergessen Sie nicht, die beiden haben sich geliebt, und wenn Vulkanier lieben, ist das viel intensiver als bei uns Menschen."

 

Spock starrte nach unten, das Gesicht bleich, die Hände verkrampft.

"Das passt", bemerkte er mit rauer Stimme, "das passt in meine Theorie."

 

Er blickte Jim an. "Ich vermutete, dass eine fremde Wesenheit die Kontrolle über das Partnerschaftsband übernommen hatte. Und nach diesen Ausführungen erscheint mir die Auflösung des Falles sehr nah zu sein."

Spock machte eine Pause.

Dann blickte wieder zu Jim. "Irgendwo im Wald von Tribas'mink existiert eine unbekannte intelligente Wesenheit, vielleicht nur geistiger Art, vielleicht auch zusätzlich teils oder ganz von materieller Natur. Und dieses Wesen hat mit seinen Fähigkeiten die Kontrolle über das Partnerschaftsband von Simis und Selenos übernommen und Simis später getötet, sicher auch das Labor zerstört."

Jim stimmte ihm zu. "Das scheint wahrscheinlich, Mr. Spock."


Dr. M'Benga nickte. "Selenos verbrachte lange Zeit im Wald. Das Wesen spürte seine Leidenschaft. Es nahm die Stelle von Simis ein. Aber warum?"


Kirk antwortete. "Ein Parasit vielleicht, der sich von Emotionen ernährt, von telepathischer Kommunikation eventuell. Wir haben das schon erlebt, wie Sie wissen."

 

"Unwahrscheinlich, Captain, unlogisch."

 

Jim blickte seinem Freund in die Augen. "Erklären Sie, Spock."

"Nun, das Wesen hat Selenos nicht geschadet, ihn stattdessen positive Emotionen erleben lassen. Geschadet hat es Simis, indem es ihn, vermutlich mit seinen telepathischen Kräften, getötet hat. Und vergessen Sie nicht, es hat sicher auch das Labor zerstört. Warum hätte ein Parasit das tun sollen?"

 

"Ich verstehe", sagte Dr.McCoy. "Glaube ich jedenfalls. Meiner Meinung nach handelte das Wesen aus Liebe zu Selenos. Ich denke, es spürt Selenos Schmerz über das Scheitern seiner Beziehung zu Simis, und weil es selbst Selenos liebte, wollte es den scheinbaren Verursacher von Selenos` Schmerz vernichten. Es nahm auch den Zusammenhang zwischen Simis und dem Labor wahr und zerstörte es. Das Wesen wollte einen glücklichen Selenos, emotional geladen, und, es wollte ihn für sich allein. Ich weiß nur nicht, wo es sich zur Zeit befindet."

 

Spock schüttelte den Kopf. "Fast korrekt, Doktor, aber nicht ganz."


Jim schaute ihn fragend an. "Was hat Pille übersehen, sagen Sie es."

 

"Wir sollten Mr. Selenos nach dem Lichtgefährten fragen."

 

 

Weiter: Teil 4