Titel: What comes around, goes around

Autor: Lady Charena

Fandom: House, MD

Charaktere: Wilson

Thema: # 044. Kreis

Word Count: 1.287

Rating: gen, POV

Anmerkung des Autoren: Spoiler für 3.1 Meaning

Vielen Dank an T’Len für’s betalesen.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. 

 

 

 

Just because you can’t see the blood doesn’t mean I’m not hurt...

 

 

Erst sehr viel später wurde ihm bewusst, dass etwas nicht gestimmt hatte. Der falsche Farbton im Bild, die falsche Note in der Melodie.

 

Er rief sich die Szene ins Gedächtnis zurück. House, den Rücken ihm zugewandt, aus der Balkontür nach draußen starrend. Seine Stimme, ungewöhnlich leise. Und wenn er jetzt darüber nachdachte... ängstlich. Angst? House? Nein, House zeigte keine Angst. Nicht mehr, nie. Das letzte Mal, dass House jemandem erlaubt hatte, seine Angst zu sehen, war in der Nacht vor der OP gewesen, vor der Entfernung der Blutgerinnsel und selbst das wusste er nur von Stacy... Hörensagen. Schmerz, Wut, sogar Verzweiflung, das alles hatte ihm House erlaubt zu sehen, doch niemals Angst. Also musste er sich geirrt haben.

 

„Ich hatte wieder Schmerzen.“

„Stark genug, dass ich dir davon erzähle.“

 

Und er hielt sich auch seine eigene Reaktion vor Augen. Halb Spott, halb Unglauben. House sagend, dass er seine neugefundene Freiheit einfach übertrieben hatte – Joggen; Skateboard fahren – Himmel, er war tatsächlich an seinem ersten Arbeitstag die acht Meilen zum Krankenhaus gelaufen! Der Mann war eben keine Zwanzig mehr, auch wenn er sich wie zwölf benahm. Vor kaum etwas mehr als zwei Monaten hatte er gerade eben so überlebt, dass man auf ihn geschossen hatte. Dann das Ketamin-Koma... und selbstverständlich hatte House eine ordentlichen Physiotherapie abgelehnt, da ihm das alles viel zu langsam ging.

 

Also kein Wunder, dass er Muskelschmerzen hatte.

 

Überanstrengung.

 

Er sollte sich ein paar Tage schonen.

 

Mehr war es nicht. Oder?

 

Eine rote Ampel kam in sein Gesichtsfeld und er stoppte. Etwas nagte am Hintergrund seines Bewusstseins. Und er wurde es nicht los, wie ein Juckreiz an einer Stelle, die man nicht erreichen konnte.

 

Genau so hatte es doch schon einmal angefangen. Unerklärliche Schmerzen. Muskelschmerzen. Ärzte, die Wärme und Schonung verordneten und House mit ein paar Schmerztabletten nach Hause schickten.

 

Die ihn für einen Drogensüchtigen hielten, als er wiederkam, weil die Schmerzen schlimmer geworden waren und...

 

Die Ampel schaltete auf Grün und er fuhr weiter.

 

Nein, das konnte es nicht sein. Nicht dieses Mal. Es war nicht so einfach; das Leben war kein endloser Kreis, in dem sich alles immer und immer wieder wiederholte. Es waren nur ganz gewöhnliche Muskelschmerzen, House hatte es mit all der Lauferei übertrieben. Basta!

 

Bei der erstbesten Gelegenheit bog er ab und kurvte so lange durch Seitenstraßen, bis er sich in entgegengesetzter Richtung auf der Hauptstraße wiederfand. Anstatt zu seinem Hotel fuhr er zu House Apartment.

 

Und was, wenn es keines von beidem war?

 

House hatte behauptet, clean zu sein. Darüber hatten sie nie gesprochen. House hatte über vieles gesprochen in der Zeit nach der OP, selbst über die Halluzinationen. Doch das Thema seiner Vicodin-Sucht war unangetastet geblieben.

 

Er glaubte zu wissen, warum House nichts gesagt hatte.

 

Aber warum hatte ‚er’ geschwiegen?

 

Weil er sich bestätigt sah, dass ein Teil des Schmerzes nicht in House Bein, sondern seinem Kopf gewesen war? Es war keine leichtfertige Annahme gewesen, schließlich hatte er versucht, die Reste seines Freundes aufzusammeln und zusammen zu flicken, als Stacy ein zweites Mal aus seinem Leben verschwand.

 

Oder im Gegenteil eher Scham, weil mit der Ketamin-Behandlung der Schmerz verschwunden war und gerade das bewies, dass House Schmerzen tatsächlich nur körperlich gewesen waren?

 

So oder so, es war inzwischen egal, wer recht hatte. Weder das eine noch das andere ließ sich jetzt noch nachweisen.

 

Außer...

 

Außer die Schmerzen waren nicht... echt.

 

Immerhin waren sie erst aufgetreten, nachdem Cuddy ihm den Fall entzogen und den Patienten entlassen hatte. Und das war ‚zu’ vertraut. Das Vicodin hatte nicht nur die Nerven in House’ Bein betäubt, es hatte auch einen besänftigenden Schleier über alles andere geworfen... die innere Leere, die Einsamkeit die House fast greifbar umgab; die Langeweile, wenn es kein „Puzzle“ zu lösen gab; alte, nie verarbeitete Konflikte aus seiner Kindheit; Wut; Hass – auf seinen Vater, auf sich selbst, auf seinen Körper der ihn schamlos betrogen und im Stich gelassen hatte... Er wusste, die Narben an House Seele waren zahlreicher, älter und tiefer als die OP-Narben an seinem Bein.

 

Er fand einen Parkplatz direkt vor House Apartment – und blieb hinter dem Steuer sitzen. Es war nicht so, als... als ob er direkt eingeladen war. Tatsächlich hatten sie außerhalb des Krankenhauses sehr viel weniger Zeit miteinander verbracht, als es sonst für sie üblich war – vor allem seit seiner letzten Scheidung. Genaugenommen war er nicht mehr in House Apartment gewesen, abgesehen von einigen kurzen Besuchen um Kleidung für ihn zu holen und Steve McQueen in seine Obhut zu nehmen. House’ Ratte residierte jetzt in seinem Hotelzimmer. Die Proteste des Managers und der Zimmermädchen hatte die Bereitschaft, ein paar Scheine mehr pro Woche für das Zimmer zu bezahlen, besänftigt. Er hatte sich an das Tier gewöhnt, trotz seines anfänglichen Ekels. Irgendwie war es... ein Teil von House. So wie Steve für House eine Verbindung zu Stacy dargestellt hatte. Und interessanterweise hatte House die Ratte bisher nicht zurückgefordert. Vielleicht war auch dieser Teil der Vergangenheit abgeschlossen.

 

Schließlich stieg er aus und die vertrauten zwei Stufen hoch. Er klopfte. Und wartete. Nichts. Er klingelte, für den Fall, dass House unter der Dusche stand. Und wartete wieder. Keine Reaktion. Natürlich konnte es auch ganz einfach bedeuten, dass er nicht Zuhause war. Vielleicht im Krankenhaus... oder. Oder... Ihm wurde bewusst, dass auch er sich noch nicht an die veränderte Situation gewöhnt hatte. Es gab keinen Grund mehr, an zu nehmen, sein Freund würde immer auf der Couch vor dem Fernseher sitzen, wenn er vorbei kam. Oder am Klavier. Seine Möglichkeiten waren nicht mehr eingeschränkt... House Motorrad war nicht an seinem üblichen Platz geparkt. Aber dann erinnerte er sich, dass House nun ja lieber zur Arbeit lief. Trotzdem.

 

Er öffnete die Tür mit seinem Schlüssel. Er hatte ihn behalten. Für Notfälle. „House?“ Keine Antwort. Das Apartment war leer und dunkel. Er zögerte an der Tür, drückte auf den Lichtschalter und sah sich um. Es war eindeutig aufgeräumter als er es von früher in Erinnerung hatte.

 

Plötzlich vermisste er es, hier zu wohnen. Selbst mit House kindischen Streichen, seiner Unfähigkeit auch nur die grundlegendeste Ordnung zu halten (obwohl er immer vermutet hatte, dass ein gutes Stück der Unordnung bewusst hinterlassen wurde, um ihn zu ärgern) und dem Mangel an Privatsphäre, es war eine gute Zeit gewesen. Diese Wohnung war immer eine Zuflucht, und manchmal fast so etwas wie ein Zuhause für ihn gewesen. Kein Hotelzimmer konnte auch nur annähernd mithalten. Nicht einmal als er mit Grace zusammenlebte, hatte er sich irgendwo so frei und willkommen gefühlt. Das klang sogar in seinen Ohren merkwürdig, wenn man House ‚Gastfeindlichkeit’ kannte. Aber er konnte es nicht anders ausdrücken. Doch nachdem ihr Streiche-Wettstreit schließlich darin gegipfelt war, dass er House Stock ansägte (und dann nicht wagte, sich umzudrehen um den Ausdruck auf House Gesicht zu sehen, als er mitten im Krankenhaus durchbrach) konnte er nicht mehr zurück, er musste gehen. Und da war Grace’ Angebot, in ihre Wohnung zu ziehen, sehr gelegen gekommen.

 

Er stand eine Weile da, direkt im Eingang, so dass er sich weniger wie ein Eindringling vorkam. Er fragte sich, was House gerade tat, was er dachte...

 

* * *

 

Gregory House verließ Wilsons Büro so leise und ungesehen, wie er es betreten hatte. Das Rezept für Vicodin, auf dem er Wilsons Unterschrift gefälscht hatte, sicher in der Brusttasche seines Hemdes.

 

 

Ende...

 

* * * * *

Is this the way it's really going down?
Should've known better when you came around
That you were gonna make me cry
It's breaking my heart to watch you run around
'Cause I know that you're living a lie
That's okay baby 'cause in time you will find...
What goes around, goes around, goes around
Comes all the way back around

(Justin Timberlake)