Titel: VA Chronicles: Visiting Hours
Autor: Lady Charena
Fandom: The A-Team

Pairung: Murdock/Face

Rating: PG

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Face besucht Murdock in der VA (pre-series)

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics by Bonny Tyler.

 

 

every now and then

I get a little bit lonely

and you're never coming round

Once upon a time I was falling in love
But now I'm only falling apart
There's nothing I can do
A total eclipse of the heart

 

“Aua! Verdammt!” Die Stimme klang gedämpft und sehr vertraut, doch sie war keine der Stimmen in seinem Kopf. Wer hatte das gesagt?

 

Verblüfft hob Murdock den Kopf und sah zum Fenster. Er war jetzt seit mehr als acht Monaten im Krankenhaus, und erst vor ein paar Tagen hatte er ins Erdgeschoss und in ein Zimmer mit Fenster umziehen dürfen. Offensichtlich hielten sie ihn nun für harmlos. Er legte den Comic beiseite, in dem er gelesen hatte, weil er nicht schlafen konnte und stand auf, um zum Fenster zu gehen. Es ließ sich nicht völlig öffnen, nur etwa bis zur Hälfte kippen, um frische Luft herein zu lassen. Zusätzlich waren noch Gitterstäbe davor angebracht.

 

Er hasste es.

 

„Face“, flüsterte der Pilot erstaunt, als sein Freund sich aufrappelte und mit schmerzverzerrtem Gesicht den Arm rieb. Er lächelte und schob seine Hand in den Fensterspalt, zog ihn so weit auf, wie die Verriegelung es zuließ. „Hey, was ist passiert?“

 

Face schnitt eine Grimasse. „Du kennst mich doch. Ich wollte nachsehen, ob sie irgendwo einen Alarm angebracht haben und dabei bin ich über meine eigenen Füße gestolpert. Miserable Beleuchtung hier draußen.“

 

„Ich schätze, das liegt daran, dass du außerhalb der Besuchsstunden hier bist, Babe.“

 

Face grinste schief. “Tut mir leid, dass ich nicht durch die Vordertür komme. Ich muss schnell von hier verschwinden können, für den Fall, dass... nun, du weißt schon.“

 

„Lynch.“ Der Pilot seufzte. Er wandte sich kurz zur Seite, um einen unordentlichen Kleiderhaufen von einem Stuhl auf den Boden zu befördern, dann zog er das Sitzmöbel vor das Fenster und setzte sich. Den Ellbogen auf das Fensterbrett und das Kinn in die Handfläche gestützt, sah er nach draußen. Er versuchte die Gitterstäbe zu ignorieren. Er versuchte die Erinnerung an eine andere Zeit zu ignorieren, in der sie ebenfalls von Gitterstäben getrennt gewesen waren. Bambus oder Stahl, das machte nicht wirklich einen Unterschied.

 

Face warf einen prüfenden Blick über die Schulter, dann lehnte er die Stirn gegen die Gitterstäbe. „Wir haben ihn für eine Weile auf eine falsche Fährte geschickt... aber so wie es aussieht, müssen wir wieder einmal für eine Zeitlang untertauchen. Hannibal denkt, dass es nicht sehr lange dauern wird, vielleicht ein paar Wochen. Bis Lynch es aufgibt, in LA herum zu schnüffeln – oder er von seinen Vorgesetzten zurück beordert wird. Dann können wir uns wieder hier blicken lassen.“ Seine Stimme senkte sich, nahm einen sehnsüchtigen Ton an. „Ich wünschte, du könntest mit uns kommen.“

 

Murdock wandte den Kopf ab. „Nein, das ist nicht wahr“, erwiderte er rau und die Mischung aus Wut und Enttäuschung, die in ihm aufstieg, schnürte ihm fast die Kehle ab. „Der Verrückte und sein unsichtbarer Hund würden euch nur aufhalten. Außerdem hast du selbst gesagt, dass du nicht damit fertig wirst, was ich manchmal sage... tue... wenn ich nicht wirklich hier bin.“

 

„Murdock, das ist nicht wahr!“ Face zwängte eine Hand zwischen den Gitterstäben durch, presste die Handfläche gegen die Glasscheibe. Er wünschte sich, er könnte ihn berühren. Worte waren nicht genug. Er seufzte. „So habe ich das nie gemeint. Ich… ich habe manchmal Angst. Um dich, nicht vor dir. Du wirst plötzlich so fremd, so unnahbar. Es tut weh. Aber ich komme damit klar. Hey, Babe – ich liebe dich doch.“ Er wartete eine Weile, aber es kam keine Antwort. „Ich soll dir von Hannibal ausrichten, dass es ihm leid tut, dass wir dich hier lassen müssen. Ich hasse es, dass du hier bleiben musst, aber im Moment... Es ist wirklich das beste, wenn du im Krankenhaus bleibst, du bist hier sicher. Wir wollen nicht, dass Lynch dir wieder auf die Pelle rückt. Er scheint inzwischen zu glauben, dass du wirklich keinen Kontakt mehr zu uns hast und nicht weißt, wo wir sind.“

 

„Als ob ich das wüsste!“, erwiderte der Pilot bitter. „Ich habe das Krankenhaus seit mehr als einem Monat nicht mehr verlassen. Und auch davor habe ich nicht gerade viel Zeit in den schicken Apartments verbracht, die du dir besorgt hast. Entweder brauchtet ihr mich zum Fliegen oder wir sind in irgendeinem schäbigen Motel abgestiegen, als würdest du dich...“ Er brach ab, biss sich auf die Lippen.

 

„Hör’ auf damit!“ Face schloss resigniert die Augen. Seit Murdock in der Klinik war und sie sich auf der Flucht befanden, schienen sie sich fast immer nur zu streiten, wenn sie sich sahen. Die Bitterkeit in seinem Liebhaber erschreckte ihn und er konnte nicht wirklich damit umgehen. Er hatte sie nie zuvor in ihm gesehen, nicht einmal nach Dan Hoi. „Es tut mir leid“, fügte er in normaler Tonlage hinzu. „Es tut mir wirklich leid, wenn du das Gefühl hast, dass ich nicht mehr mit dir zusammen sein will. Das stimmt nicht. Ich verspreche dir, dass ich dich aus dem Krankenhaus hole, sobald sich Lynch verzogen hat. Ich rufe dich an, so bald wir wieder in der Stadt sind. Okay? Keine Klienten, keine Jobs, kein Colonel, kein BA. Nur wir beide. Okay, Murdock?“

 

Da war ein scharfer Schmerz in seiner Brust. Murdock senkte den Blick und erwartete fast, Blut aus einer Wunde sickern zu sehen, doch sein weißes T-Shirt war makellos... Er schluckte gegen den Knoten in seinem Hals an. „Ja. Ich verstehe das“, flüsterte er ohne Überzeugung. „Nur wir beide.“ Er wusste, dass Face die Enttäuschung in seiner Stimme hörte. Den Mangel an Begeisterung. Er wusste, dass er nicht fair war, er sollte das nicht tun, besonders sollte er es Face nicht antun. Sie wussten beide, dass er in die VA gehörte, dass man ihn wegsperren musste; weg von einer Welt, die ihn nicht akzeptieren konnte und an deren Existenz er aufgehört hatte, zu glauben.

 

Murdock sah auf und legte einen Moment seine Handfläche gegen die von Face, gegen die Scheibe, die sie trennte.

 

 

Once upon a time there was light in my life
But now there's only love in the dark
Nothing I can say
A total eclipse of the heart

 

 

Dann hielt er es nicht länger aus, stand auf, wandte sich ab und lief zu seinem Bett. Er zog die Decken um sich hoch, komplett angezogen mit Schuhen, Mütze und Lederjacke, die er in letzter Zeit kaum mehr abgelegt hatte, um immer bereit zu sein, wenn sie ihn holen kamen. Nur... sie waren nie gekommen. Er drückte das Gesicht in die Kissen, presste die Handflächen auf die Ohren, schloss Face’ Stimme aus. Und schließlich wurde es ganz still in ihm. Er zog sich in die Träume zurück, Visionen eines anderen Lebens – eines, an das er sich kaum noch erinnern konnte, dass er es einmal gelebt hatte...

 

Ende