Titel: vestigia flammae
Autor: Lady Charena
Fandom: Beauty and the Beast
Paarung: Vincent/?
Rating: R
Beta: T'Len
Archiv: ja
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Summe/Hintergrund: Eine Umarmung... etwas Trost... eine Nacht hat Platz für viele Erinnerungen - vergangene und neue.

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...agnosco veteris vestigia flammae...
...nah spür' ich die Glut meiner früheren Liebe... Äneas
(Zitat aus „Inspektor Jury unter Verdacht)


Die Stille... etwas war anders geworden, hatte sich verändert... Die Stille hatte einen fremden Klang angenommen. Das Warme, Tröstliche war aus ihr verschwunden, ersetzt von Kälte und Verlassenheit. Die Kälte lauerte überall... in den Kammern und Fluren, in den Sälen und Tunneln. Was ihm seit frühester Kindheit Geborgenheit geschenkt hatte, machte ihm nun Angst. Stille... bis auf die leisen, regelmäßigen Atemzüge seines Sohnes.

Er hatte so lange nicht mehr geschlafen, dass seine Augen sogar vom milden Licht der Kerzen schmerzten, die in der Nähe der Wiege brannten und ihren matten Schein kaum einen Meter weit warfen. Die Schatten in den Ecken täuschten Bewegungen vor, wo keine waren – wo keine sein konnten, weil niemand da war, der sie verursacht hatte.

Er schloss die Augen, drehte sich weg vom Kerzenlicht, von den trügerischen Schatten, der kühlen Wand zu. Leise Schritte vor seiner Kammer, noch jemanden floh in dieser Nacht der Schlaf. Sie stockten, wurden dann lauter, näher, in seiner Kammer - und endeten schließlich vor seinem Bett. Ein zweites Atmen erfüllte den Raum.

"Vincent?"

Eine warme Stimme, so vertraut wie die Schritte, wie der Geruch. So warm wie der Körper, der sich nun unter der Decke gegen seinen Rücken schmiegte.

Zwei Arme umfassten ihn so vorsichtig, als hätten sie Sorge, ihn zu zerbrechen - oder vielleicht zerbrochen zu werden... Warmer Atem streifte ihn im Nacken, dort wo sich sein Haar teilte, wo ihn nun weiche Lippen berührten.

Die Erinnerung überfiel ihn wie ein hungriger Wolf, schlug ihre Zähne in die blutende Wunde in seiner Seele. Ein unwillkürlicher Schauer lief durch seinen Körper, seine Muskeln verkrampften sich, seine Hände schlossen sich zu Fäusten.

"Scccchhhh... ich bin da..."

Er verschloss sich vor den Erinnerungen, wie er seine Augen vor dem Licht der Kerzen geschützt hatte und der Schmerz ließ etwas nach, gerade so viel, um ihm das Atmen wieder zu gestatten. Er lauschte auf die leisen Worte, unfähig selbst nur einen Laut zu formen.

"Lass' mich da sein..."

Wieder berührten die Lippen seinen Nacken und wieder erschauerte er. Diesmal strömten andere Gefühle durch ihn... die er mit Catherines Tod erloschen geglaubt hatte, weil er glauben wollte, dass nur sie sie erwecken konnte.

Langsam bewegten sie sich tiefer, er spürte sie auf dem kurzgeschorenen Fell auf seinen Schultern, tastend, suchend... eine Zunge warm und süß, der Kontur seiner Wirbelsäule folgend.

Er konnte nicht anders, als sich in die Berührung zu ergeben. Sein Blut begann zu pulsieren, überrannte seine Furcht, machte ihn offen, machte ihn verletzlich und schutzlos gegenüber...

Sein Atem stockte, als die Berührung stoppte, als die warmen, sanften Lippen ihn verließen.

"Nein... Bitte..."

Protest? Er wusste, es sollte nicht - durfte nicht sein, es war Unrecht, so zu empfinden... Verrat. War es das?

Flehen? Ihn vor der Nacht, der Stille, der Kälte in seiner Seele zu retten... Vor dem Schmerz. Vor sich selbst?

Seine eigene Stimme klang fremd in seinen Ohren. So fremd wie die Empfindungen, die aus dem Spalt in den geheimsten Winkeln seiner Seele hervorquollen, unaufhaltsam wie Magma aus einem Vulkan...

Er lag still, reglos, als er auf den Rücken gedreht wurde, als der Mund - der körperlos geworden zu sein schien, da er nichts anderes wahrnahm - zu ihm zurückkehrte, die empfindliche Haut an seiner Kehle suchte. Er lauschte auf ein ersticktes Geräusch, halb Seufzen, halb Schluchzen und erkannte, dass es von ihm gekommen war...

Erneut verließen ihn die Lippen, doch nicht für lange, glitten tiefer, berührten seine Brust. Finger, die kein Zögern zu kennen schienen, suchten sich ihren Weg zu kleinen, verborgenen Hautknospen, die unter ihrer Berührung erblühten und ein scharfes Stechen der Lust durch ihn sandten. Ein anderer, weitaus süßerer Schmerz.

Fast spielerisch, neckend, gesellte sich der Mund dazu und die Finger glitten weiter, suchten und fanden und schürten das innere Feuer, das ihn erfasst hatte.

Er war zu schwach um zu widerstehen, zu müde um auf zu hören, jetzt, solange es noch gehen würde. Aber vielleicht war es ja längst zu spät... Vielleicht war es bereits zu spät gewesen, als er den nackten Körper zum ersten Mal gegen seine bloße Haut geschmiegt fühlte...

Wie im tiefen Wasser versank er in Erinnerungen an andere Hände, andere Lippen, die er gespürt hatte, die...

Unter seinen geschlossenen Lidern quollen die ersten Tränen hervor, versuchte er auch verzweifelt, sie zurückzuhalten, erschienen sie ihm doch ein Verrat am Jetzt, am lebendigen Vertrauen - der Liebe die ihm dargebracht wurde - mit toter Trauer zu begegnen...

Die Hände, der Mund, ließen es nicht zu, holten ihn zurück an die Oberfläche aus tückischen Un-tiefen der Erinnerungen - löschten sie nicht aus, weil das nicht in ihrer Macht lag - doch machten sie leichter zu ertragen.

Ein süßes Singen durchflutete seinen Körper, riss ihn in einen Malstrom aus Schmerz und Lust.

Er löste sich von seinem Körper, schwebte - und als er sich der Schwerkraft beugen musste und fiel, wurde er von starken Armen
aufgefangen...

* * *

Erst lange, nachdem es wieder still geworden war, schlug Vincent die Augen auf. Es war Dankbarkeit, die ihn die Hand ausstrecken ließ, um die Wange des neben ihm schlafenden Mannes zu berühren. Es war Liebe, die ihn seinen Namen sagen ließ... leise, um ihn nicht zu wecken. "Devin."

Und dann... dann endlich konnte auch er schlafen, sicher geborgen in der Glut seiner Lieben - der vergangenen und der gegenwärtigen...


...agnosco veteris vestigia flammae...
...nah spür' ich die Glut meiner früheren Liebe... (Äneas)


Ende