Titel: Eine Frage des Vertrauens
Autor: Lady Charena
Fandom: SK Kölsch

Paarung: Jupp Schatz, Klaus Taube
Rating: PG
Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe/Hintergrund: Jupp stellt eine Frage zu viel.

Spoiler: 04/01 – Die letzte Partie

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

 

„Hey, Taube! Schalt’ mal ’nen Gang runter.“

 

Klaus Taube drehte sich überrascht um, als er die Stimme seines Partners Jupp Schatz hinter sich hörte. „Was machst du hier? Ist etwas passiert?“, fragte er, als Jupp ihn eingeholt hatte.

 

„Passiert? Nö. Ich dachte nur, ich hole dich ab. Dann sparst du dir ein Taxi.“ Jupp stopfte die Hände in die Jackentaschen. „Alles okay mit dir? Was hat der Arzt gesagt?“

 

„Woher wusstest du, dass ich heute zur Nachuntersuchung ins Krankenhaus musste?“ Klaus bewegte vorsichtig die Schulter, die endlich vom Verband befreit war. Nur noch ein großes Pflaster bedeckte die Schusswunden.

 

Jupp zuckte mit den Schultern. „Achim.“

 

Klaus Taube zog den Mantel enger um sich. „Nett von dir.“ Er folgte Jupp ein paar Schritte. „Da lang geht’s aber nicht zum Parkplatz, sondern zum Patientenpark.“

 

Jupp sah über die Schulter. „Ich weiß. Bist du wieder fit?“

 

„Ja, klar. Es sah schlimmer aus, als es letztlich war.“ Klaus ging neben Jupp und fragte sich, worauf sein Partner nun aus war. Die drohenden Wolken am bedeckten Himmel über ihnen hatten wohl die Patienten aus dem Park vertrieben. Sie hatten ihn ganz für sich allein. „Darf ich dir eine Frage stellen, Jupp?“

 

Schatz wandte ihm den Kopf zu. „Natürlich.“

 

„Warum hast du damals zu dem Arzt in der Notaufnahme gesagt, du wärst mein Bruder?“ Das hatte ihn tatsächlich beschäftigt. Später, als Jan in U-Haft saß und er mit Schmerzmitteln vollgepumpt im Bett lag, aber keinen Schlaf finden konnte.

 

Jupp lachte. „Ich wusste keine andere Möglichkeit, mit dir zu sprechen, ohne dass mich der Arzt sofort rausschmeißt. Verwandte dürfen doch eher rein als Kollegen.“

 

Taube schüttelte den Kopf. „Weißt du, du hättest auch sagen können, du bist mein Partner“, erwiderte er mit einem dünnen Lächeln.

 

„Na ich sagte doch, dass Kollegen...“ Jupp blieb abrupt stehen, als ihm dämmerte, was Taube gemeint hatte. „Spinnst du?“, entgegnete er heftig. „Das hätten die doch nie geglaubt! Ich und...“ Er brach verlegen ab, als Taube zu lachen begann.

 

„Das war ein Witz, Jupp“, beruhigte ihn Taube. Es war fast schon zu einfach, ihn auf die Palme zu treiben, aber gelegentlich musste er Jupp seine abfälligen Bemerkungen und spitzen Reden über Homosexuelle zurückzahlen.

 

„Sehr witzig“, maulte Schatz. „Damit kannst du glatt im Kiez auftreten.“

 

Sie gingen weiter nebeneinander her, keiner sprach für ein paar Minuten. An einem stillgelegten Springbrunnen starrte Jupp auf einen moosbewachsenen Fisch, aus dessen weitaufgerissenen Maul eigentlich die Fontaine spritzen sollte. Ein selten hässliches Vieh. „Darf ich dir auch eine Frage stellen?“, meinte er nach einem Moment und fixierte weiter den Fisch.

 

„Das ist nur fair.“ Klaus studierte die Wolken über ihnen und fragte sich, ob es wohl gleich anfing zu regnen und wie er Jupp schnellstmöglich aus diesem Park brachte, bevor sie beide klatschnass sein würden. Er hätte nicht gedacht, dass spazieren gehen auf Jupps Tagesordnung zu finden war.

 

„Hattest du mal was mit ihm?“

 

„Was?“ Verblüfft sah Taube Jupp an und fragte sich, wovon zum Teufel der sprach. Er starrte auf die Statue, die Jupp anstarrte, als wäre sie das faszinierendeste, was er jemals gesehen hatte. „Mit dem Fisch?“, fragte er ironisch.

 

Jupp schnaubte verächtlich. „Mit Jan.“

 

Klaus Taube richtete sich steif auf und straffte die Schultern, das Ziehen in seiner Schusswunde ignorierend. „Ich wüsste nicht, was dich das angeht“, entgegnete er ablehnend.

 

Schatz zuckte mit den Achseln. „Ihr wart ja irgendwie mächtig vertraut miteinander.“

 

„Wir waren Freunde, und eine Zeitlang dachte ich, ich würde ihn kennen“, erwiderte Taube nach einer Weile leise. „Wir haben zusammen gearbeitet und wir mussten uns aufeinander verlassen können. Dazu muss man Vertrauen haben. Auch auf das Risiko hin, dass es irgendwann enttäuscht wird.“

 

Jupp wandte sich ihm halb zu, sah ihn an. „Ich schätze, du findest es ziemlich... äh, schwierig... mir zu vertrauen, oder?“

 

Klaus musterte ihn nachdenklich. So ernste Töne kannte er bisher nicht von Jupp und irgendetwas in seinem Inneren warnte ihn davor, mit weniger als absoluter Wahrheit zu antworten. „Ja. Ich finde es wirklich sehr schwer, dir zu vertrauen. Du benimmst dich meistens ziemlich irrational. Du rast wie ein Verrückter durch die Gegend. Du trittst Türen ein und Vorschriften behandelst du wie lästige Schmeißfliegen. Aber wenn ich glauben würde, dass ich nicht dazu in der Lage bin, dir zu vertrauen, wäre ich nicht hier, sondern längst wieder in Wiesbaden“

 

Schatz nickte und ging ein paar Schritte weiter. Klaus blieb stehen. „Jupp?“ Er wartete, bis sein Partner sich umgedreht hatte und ihn fragend ansah. „Vertrauen ist keine Einbahnstraße. Du kannst nicht erwarten, etwas zu bekommen, wenn du nicht bereit bist, etwas herzugeben.“

 

Jupp sah zu Boden, dann wieder auf. Der ernste Ausdruck war aus seinen Augen verschwunden. „Hast du den Spruch in einem Glückskeks gefunden?“ Er zog den Kopf ein. „Scheiße, es fängt an zu schütten. Komm’ in die Hufe, ich will hier keine Wurzeln schlagen.“ Er lief Richtung Ausgang.

 

Taube warf einen Blick auf die schweren, grauen Wolken und beschleunigte seine Schritte. Einige Meter vor ihm verschwand gerade Jupp um eine Ecke. Er fragte sich, ob er wirklich in der Lage war, das „ausgleichende Element“ zu Jupps Spontaneität zu sein, wie Haupt es in seiner Begrüßungsrede genannt hatte...

 

Ende