Verlorene Söhne

T’Len

2003

 

 

 

Serie: Dr. Kulani – Arzt auf Hawaii

Paarung: diverse Charaktere der Serie, m/m-romance

Code: PG

Feedback: tlen11@freenet.de

Summe: Daniel muss mit Sams Enthüllung fertig werden.

 

Disclaimer: Leider gehören mir die Jungs und Mädels nicht.  Ich habe sie nur für ein bisschen Fanfiction-Spaß ausgeborgt. Damit sollen keine Urheberrechte verletzt werden. Und natürlich wird damit nichts verdient. Beachtet die Altersangabe und geht wo anders spielen, wenn ihr zu jung seit oder euch am Thema stört.

 

Vielen Dank an Lady Charena fürs Beta.

 

 

 

Für Richard und Martin. Ich bewundere euren Mut und eure tiefe Liebe für einander.

 

 

 

Diese Geschichte spielt rund sechs Jahre nach Ende der Serie. Daniel hat Nina geheiratet und Tess, die zu einem attraktiven Teenager herangewachsen ist, adoptiert. Mit Nina hat er einen dreijährigen Sohn. Kenji und Laura sind wieder zusammen und haben dank moderner Medizin doch noch eine gesunde Tochter bekommen. Tony hat sich von Margaret getrennt und in Caitlin verliebt, die vor kurzem von ihrer Schwangerschaft erfahren hat. Jeder ist glücklich, nur Margaret hat noch keinen neuen Partner gefunden. Daniels Eltern und seinem Bruder geht es auch gut. Sam, der nachdem er Hawaii mit seiner Mutter verlassen hatte, doch seine Schule beendete, studiert Medizin und kehrt jetzt mit einer Überraschung für seine Familie auf die Insel zurück.

 

 

Daniels Haus am Strand:

 

„Dad!” Daniel traute seinen Augen kaum, als er für ein rasches Mittagessen nach Hause kam und dort seinen ältesten Sohn auf der Veranda sitzen sah.

 

„Pono!” Er umarmte seinen Sohn herzlich, sah ihn dann genauer an. Sam war wirklich zu einem schlanken, attraktiven, jungen Mann herangewachsen. Er hatte ihn seit über einem Jahr nicht mehr gesehen - und ihn trotz seines Glücks mit seiner neuen Familie wirklich sehr vermisst. „Welche Überraschung, was machst du hier? Und vor allem: Warum hast du deinen Besuch nicht angekündigt? Ich hätte dich doch am Flughafen abgeholt”, fragte er.

 

Sam lächelte. Ihm war gar nicht bewusst gewesen, wie sehr er Hawaii und seinen Vater vermisst hatte, bevor er seine Füße wieder auf die Insel gesetzt hatte. Es tat so gut, wieder hier zu sein, die warme Sonne auf seiner nackten Haut zu spüren, die Wellen sanft an den Strand rollen zu hören. „Ich wollte dich überraschen, Dad, und…” Er winkte Nina zu, die gerade mit Daniel Jr. auf dem Arm aus der Tür trat, „...meine hübsche Stiefmutter und meinen kleinen Bruder und meine Schwester .“

 

„Du weißt hoffentlich, dass du hier immer willkommen bist, Sam“, sagte Nina. Sie trat zu Daniel, küsste ihn und reichte ihm dann den Jungen.

 

„Ich weiß”, bestätigte Sam. „Und ich wünschte wirklich, dass das Studium mir mehr Zeit für Besuche hier lassen würde.“ Er seufzte. „Ich vermisse euch. Aber es gibt noch einen anderen Grund, warum ich jetzt gekommen bin. Ich möchte heiraten – hier.“

 

„Das nenne ich wirklich eine Überraschung”, antwortete Daniel und stellte seinen Sohn, der angefangen hatte unruhig zu strampeln, weil ihn offensichtlich jeder ignorierte, auf den Boden. „Aber bist du sicher? Ich meine, du bist noch sehr jung und, glaube mir, ich weiß aus meinen nicht allzu glücklichen Erfahrungen, wie schwierig es ist, eine Familie während des Studiums zu haben, besonders während eines Medizin Studiums.”

 

„Ich bin sicher”, betonte Sam. „Es ist die Liebe meines Lebens und wir wollen es lieber eher als später offiziell machen.“

 

„So, wo ist sie? Warum hast du deine Braut nicht gleich mitgebracht? Wie heißt sie?” Daniel war neugierig auf seine zukünftige Schwiegertochter.

 

„Im Hotel.“ Sam seufzte. Jetzt kam der schwierigere Teil. „Und sein Name ist Peter.“

 

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King Kamehameha Krankenhaus:

 

Dr. Anthony Metzger beugte sich über einen jungen Patienten. „Was zum Teufel haben Sie gemacht, um zwei Arme, ein Bein und ein paar Rippen zu brechen?”, fragte er den blonden, attraktiven Mann auf der Untersuchungsliege.

 

„Ich war während einer Bergabfahrt schneller als mein Fahrrad,” antwortete der Twen, trotz seiner offensichtlichen Schmerzen mit einem Lächeln auf den Lippen. „Ich trainierte für den Ironman. Ich nehme an, den kann ich jetzt vergessen.“

 

„Natürlich”, antwortete Tony. „Aber ich verspreche Ihnen, nachdem wir Sie zusammengeflickt haben, sind Sie wieder wie neu.“

 

„Doktor, bevor Sie beginnen, muss ich Ihnen etwas sagen”, erklärte der junge Mann.

 

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„Das sieht gut aus. Ich denke, wir können dich morgen entlassen, Tommy.“ Daniel sah zufrieden auf dem 18-jährigen, jungen Hawaiianer im Krankenbett. „Deine Verletzungen sind gut verheilt.“

 

Der Junge nickte. „Danke Doktor. Ich bin froh, endlich dieses gastfreundliche Haus verlassen zu können. Das Essen ist nicht gerade große Cousine.“ Er lächelte aber da war ein trauriger Unterton in seiner Stimme.

 

Daniel beobachtete den Jungen, sagte dann: „Tommy, du weißt, dass du noch immer die Polizei rufen und den Kerl, der dir das angetan hat, anzeigen kannst. Und wenn du Hilfe brauchst, es gibt Organisationen. Und wenn es jemand aus deiner Familie…”

 

Tommys Augen verdunkelten sich als er harsch antwortete: „ich habe Ihnen schon gesagt, Doktor, dass es nur ein Unfall war.“

 

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Als Daniel das Zimmer verließ, war er so in Gedanken versunken, dass er beinahe Kenji ungerannt hätte. „Hey Danny, was ist los? ”, fragte Dr. Fushida.

 

Daniel seufzte. „Tommy, mein Patient, der so schrecklich geschlagen wurde. Er lehnt es noch immer ab, darüber zu sprechen oder die Polizei zu rufen.“

 

Kenji zuckte die Schultern. „Das ist sein Problem. Wenn er nicht will…”

 

„Ich frage mich, ob ich das Jugendamt informieren sollte”, überlegte Daniel.

 

„Er ist 18. Er ist erwachsen und dies geht nur ihn etwas an,” erwiderte Kenji.

 

Daniel seufzte erneut. „Du hast natürlich Recht, leider. Ich fürchte halt nur, dass dies wieder geschehen könnte. Du weißt doch, dass die meisten solcher Gewalttaten in den Familien passieren. Ich könnte wetten...“

 

Kenji beobachte seinen Freund. Daniel wirkte müde und verärgert. „Dass ist doch nicht das Einzige, dass dich beschäftigt, nicht wahr?”

 

„Nein”, antwortete Daniel. „Sam ist auf der Insel und er will heiraten.“

 

Kenji lächelte. „Sollte das nicht ein Grund sein, sich zu freuen. Warum schaust du so traurig drein? Gefällt sie dir nicht?”

 

„Es ist keine sie. Das ist das Problem.“

 

///

 

Daniels Haus, am Abend:

 

Es war ein langer, anstrengender Tag gewesen und Daniel war wirklich müde, als er nach Hause kam. Kurz vor dem Ende seiner Schicht waren die Opfer eines schweren Verkehrsunfalls auf dem Kamehameha-Highway eingeliefert worden. Also hatte er operieren müssen und es war spät geworden.

 

Und schließlich hatte auch Sams Enthüllung an seinen Nerven gezerrt. Er hatte gedacht, dass er seinen Sohn kennen würde, aber…

 

Da entdeckte er die zwei eng umschlungenen Gestalten am Strand, die sich küssten und liebkosten. „Pono!”, rief er.

 

Die jungen Männer fuhren rasch auseinander. „Dad!” Sam lächelte ihn an. „Das ist…”

 

Aber Daniel reagierte gar nicht auf ihn. „Könnt ihr nicht ein bisschen diskreter sein? Wenn die Kinder euch so sehen…”

 

Sam starrte seinen Vater ungläubig an. „Ich dachte, du wärst anders als Mutter und würdest akzeptieren“, sagte er leise und traurig. 

 

Nina, die Daniel kommen gehört hatte, trat von der Veranda herab. „Lasst uns drinnen reden”, schlug sie vor. „Kein Grund zum Streiten.“

 

Aber Sam nahm seinen Freund an der Hand und wandte sich ab. „Nein, wir gehen”, antwortete er. „Wir werden euch nicht länger mit unserer Anwesenheit belästigen.“

 

„Warte Pono!”, rief Daniel, aber sein Sohn war bereits gegangen.

 

Nina sah ihren Ehemann an. „Wir das wirklich nötig, Daniel? Er ist schließlich dein Sohn.“

 

///

 

King Kamehameha Krankenhaus, am nächsten Morgen

 

„Zu behaupten, du sähest schrecklich aus, wäre ein Kompliment. Was ist los, Daniel?”, fragte Margaret als sie ihren Freund auf dem Gang traf. Daniel sah wirklich schrecklich müde aus.

 

„Es ist wegen Sam”, erwiderte er. „Er hat mir gestern erzählt, dass er homosexuell ist und seinen Freund heiraten möchte.“

 

„Du hast ein Problem mit Homosexualität?“

 

„Nein, natürlich nicht. Wenn es jemand anders wäre, es würde mich überhaupt nicht stören. Aber es ist nicht so einfach, wenn es um den eigenen Sohn geht. Es ist nur… verdammt, ich wollte immer nur das Beste für ihn. Und ich weiß sehr wohl, dass die Menschen noch lange nicht so tolerant sind, wie sie eigentlich sein sollten. Es wird nicht einfach werden für ihn, besonders nicht als Arzt. Und…” Er seufzte. „Natürlich habe ich mir auch Enkelkinder von ihm gewünscht. Und um die Dinge noch schlimmer zu machen: Ich war gestern nicht gerade nett zu ihm und seinem Freund. Ich fürchte, er wird mir nicht so leicht verzeihen.“

 

///

 

„Sei vorsichtig, Caitlin”, riet Tony seiner Partnerin, als sie gerade dabei war, Dave zu untersuchen, den jungen Mann mit dem Fahrradunfall.

 

„Ich bin schwanger, nicht dumm und ich kann lesen.“ Sie zog Handschuhe an und beugte sich über den jungen Mann, um seine Verletzungen an den Armen zu untersuchen.

 

„Was hat er?”, fragte Tommys Vater, der gekommen war, um seinen Sohn anzuholen, alarmiert.

 

„Nichts worüber Sie sich Sorgen machen müssen”, antwortete Tony. „Nichts ansteckendes.“

 

„Sie können es ruhig erzählen, Doktor”, erwiderte Dave. „Ich bin HIV-positiv.”

 

„Was!“, schrie da Tommys Vater. „Sie haben meinen Sohn in ein Zimmer mit so einem Perversen gesteckt.“

 

„Hey, ganz ruhig”, versuchte Tony ihn zu beruhigen. „Das Virus kann nicht durch die Luft übertragen werden. Es besteht kein Risiko, außer die zwei würden…”

 

„Und wer garantiert mir, dass sie nicht genau das tun?”, rief der Mann.

 

„Dad”, bat Tommy.

 

„Ich kann Ihnen versichern, dass ich nicht schwul bin”, warf Dave ein. „Ich bekam es durch eine Bluttransfusion nach einem Unfall während eines Radrennens in Brasilien.“

 

Aber Tommys Vater war nicht beruhigt. „Perverse, alles Perverse“, zischte er. „Mein Sohn hat mit denen nichts zu schaffen.“

 

„Dad, kannst du es nicht endlich akzeptieren?”, bat Tommy leise.

 

„Nein! Niemals! Du wirst nicht... Dafür werde ich sorgen.”

 

Daniel und Margaret, die die Schreie auf dem Gang gehört hatten, eilten ins Zimmer. „Was  geht hier vor?”, fragte Daniel.

 

„Sie hatten Recht, Doktor. Ich wurde von meinem Vater geschlagen. Er kann nicht akzeptieren, wer und was ich bin”, sagte Tommy mit leiser Stimme. „Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir helfen könnten, so dass ich nicht länger zu Hause leben muss.“

 

Daniel starrte den Mann wütend an. „Wie können Sie es wagen, Ihren Sohn so schlimm zu schlagen? Er hätte an seinen inneren Verletzungen sterben können. Sie gehören ins Gefängnis. Nichts gibt ihnen das Recht...“

 

„Was hätten Sie denn getan, Doktor, wenn Sie Ihren Sohn im Bett mit einem anderen Kerl ersicht hätten? Ich musste diese Perversität doch aus ihm herausschlagen.“

 

„Oh Gott”, murmelte Caitlin.

 

„Ich kann nicht glauben, was ich soeben gehört habe”, erwiderte Daniel. „Ihr Sohn ist ein erwachsener junger Mann. Sie müssen akzeptieren, dass er ist wie er ist.“

 

„Doktor, Sie können das doch gar nicht beurteilen. Was hätten Sie denn getan, wenn es Ihr eigener Sohn gewesen wäre?“

 

„Mein Sohn ist homosexuell”, antwortete Daniel mit fester Stimme. „Und ich bin stolz auf ihn:”

 

///

 

Sams und Peters Hotel:

 

„Dad.“ Sam trat von der Tür zurück und ließ seinen Vater herein. „Wenn du gekommen bist, um mir weitere Vorwürfe zu machen, hättest du dir die Zeit sparen können.

 

„Ich möchte mit dir reden.” Daniel lächelte seinen Sohn an.

 

„Ich gehe besser”, bot Peter an.

 

„Nein, bitte bleiben Sie”, erwiderte Daniel. Sam trat an die Seite seines Partners und ergriff dessen Hand.

 

„Ich bin gekommen, um mich bei euch beiden zu entschuldigen“, sagte Daniel. „Ich habe wirklich kein Problem mit eurer Beziehung. Bitte glaubt mir. Es ist nur, Pono, dein Geständnis hat mir erneut gezeigt, wie wenig ich von dir und deinem Leben weiß. Es tut mir so leid, dass ich nie mehr Zeiten für dich hatte. Ich denke, es war für dich bestimmt nicht leicht, zu dir selbst zu finden. Und ich hätte für dich da sein sollen. Aber ich war es nicht. Und das hat mich wütend auf mich selbst gemacht. Aber ich habe diese Wut an dir ausgelassen. Bitte verzeiht mir. “

 

„Ich verstehe, Dad, aber das war etwas, wobei du mir nicht hättest helfen können. Ich musste meinem eigenen Weg finden.“ Sam lächelte Peter an. „Und mit Peters Hilfe ist mir das gelungen.“

 

„Bist du glücklich?“, fragte  Daniel.

 

„Ja, bin ich. Sehr sogar.“

 

Daniel reichte dem Freund seines Sohn die Hand. „Willkommen in der Familie.“

 

-Ende-