neu: Vaterliebe (Beauty and the Beast, gen, AR)
Titel: Vaterliebe
Autor: Lady Charena
Fandom: Beauty and the Beast
Paarung: Jacob Wells, Anna und John Pater, Mary
Rating: gen, AR
Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe/Hintergrund: Eine Geschichte, wie Vincent in die Tunnelgemeinschaft aufgenommen wurde und wie sich Jacob Wells und John Pater darüber entzweiten. Sie beruht auf dem, was über die Vergangenheit Vincents und Paracelsus in „Das Ritual der Unschuld“ zu erfahren ist.

Fortsetzung zu: „Das Kind im Schnee

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Jacob räusperte sich, um die Aufmerksamkeit des anderen Mannes auf sich zu lenken. „Es ist unglaublich, nicht wahr? So oft ich ihn auch betrachte, es erscheint mir jedes Mal wieder wie ein Traum.“ Er trat in die Kammer und stellte sich neben John, um das ungewöhnliche Kind zu betrachten, das Anna gefunden hatte.

John Pater wandte ihm den Kopf zu. Der nachdenkliche Ausdruck in seinen Augen irritierte Jacob, ohne dass er sagen konnte, weshalb dies so war. „Ja, es ist ein außergewöhnliches Kind“, erwiderte er. „Wirklich bemerkenswert, findest du nicht?“ Und er richtete wieder die Augen auf das schlafende Baby. „Anna möchte, dass wir ihn behalten.“

„Nun ja“, erwiderte Jacob unschlüssig. „Natürlich braucht das Kind besonders viel Aufmerksamkeit. Mary hat sich um die anderen Kinder zu kümmern. Und wenn Anna sich zutraut, für es zu sorgen...“ Er zögerte einen Moment. „Vorausgesetzt, dass du es auch willst.“

„Warum sollte ich es nicht wollen, wenn es Annas größter Wunsch ist?“ Ein Hauch von Spott schien in Johns Stimme zu liegen. „Du weißt, wie sehr sie sich ein Kind wünschte. Wie kann ich es ihr verweigern, nun da sie es hat.“

Jacob runzelte die Stirn. „Nun, wir wissen noch immer nicht, was es ist oder ob es überleben wird...“

„Ich sage dir, was er ist“, unterbrach ihn John. „Er ist mein Sohn. Und er wird leben.“

* * *

„Ich freue mich, dass du gekommen bist.“ Mary näherte sich ihm lächelnd. „Aber du bist spät dran. Ich habe Devin schon vor einer halben Stunde ins Bett gebracht.“

Jacob wandte sich unschlüssig von seinem schlafenden Sohn ab und trat zu Mary, die am Eingang der Kammer stehen geblieben war. „Das ist nicht so schlimm.“ Er nahm die junge Frau näher in Augenschein. „Was ist passiert, Mary? Du wirkst so sorgenvoll.“

„Nun, ich mache mir ein wenig Sorgen um Vincent. Anna sagt, er hat immer wieder Fieber und isst nicht richtig.“

„Um Vincent?“

Mary zupfte an ihren Manschetten. „Das Kind. Anna und John haben vorgeschlagen, ihn Vincent zu nennen, nach dem Krankenhaus, bei dem Anna es gefunden hat.“

Er erinnerte sich. „Natürlich, ich verstehe. Sie sind also entschlossen, es bei sich zu behalten?“

„Ja.“ Mary musterte ihn. „Dieses Kind – es ist erst so kurz da und sorgt bereits jetzt schon für Aufregung in der Gemeinde, Jacob. Viele sind sich nicht sicher, ob es wirklich hierher gehört. Manche haben Angst.“

„Angst?“ Jacob runzelte die Stirn. „Es ist nur ein Baby, Mary. Niemand hat Grund, sich zu fürchten. Und welche Chance hätte es da oben? Sie würden es sterben lassen – vielleicht sogar töten. Oder in einen Käfig sperren. Wir können das nicht zulassen. Für Kinder wie ihn haben wir diese Welt geschaffen, eine sichere Zuflucht.“

Marys Hände vollführten eine hilflose, flatternde Geste. „Ich muss dir nicht sagen, dass die Menschen fürchten, was ihnen fremd ist, Jacob. Sie ängstigen sich vor etwas, das sie nicht verstehen. Und es ist sehr schwer, zu verstehen, dass es ein Kind wie Vincent tatsächlich gibt.“

Jacob blickte sie an. „Fürchtest du dich, Mary?“, fragte er sanft.

Sie schüttelte den Kopf, ein zärtliches Lächeln umspielte ihre Lippen. „Nein. Er ist wundervoll. Am liebsten würde ich ihn selbst bei mir behalten.“ Sie berührte Jacobs Arm. „Vielleicht solltest du mit der Gemeinde sprechen. Sie hören auf dich, Jacob.“

Jacob nickte, „Ich hätte mich schon längst darum kümmern müssen. Ich danke dir, Mary. Und ich werde auch nach Vincent sehen.“ Er warf noch einen Blick auf Devin, dann verließ er die Kammer.

* * *

„Anna?“

Sie drehte sich zu ihm um, das Kind im Arm. „Jacob! Bitte, komm doch herein. Du bist so selten hier in der letzten Zeit. John hat erst gestern gesagt, wie sehr er euere Schachabende vermisst.“

Unschlüssig trat Jacob näher. „Es gibt im Moment viel zu tun, Anna. Ist John da?“

Anna schüttelte den Kopf. „Nein, er ist in seinem Labor.“ Sie legte das Baby in seine Wiege zurück und streichelte versonnen über seine Wange. „Er ist ein so liebes Kind.“ Dann blickte sie auf. „Soll ich John für dich rufen?“

„Nein, ich danke dir, aber das ist nicht notwendig. Ich bin eigentlich hergekommen, weil Mary mir sagte, dass das Baby krank ist. Warum hast du mich nicht gerufen?“

„Es schien mir nicht so schlimm. Mary meinte, dass es häufig vorkommt, dass kleine Kinder Fieber haben und dann schlecht trinken.“ Ihr Gesicht zeigte jetzt Besorgnis. „Du denkst doch nicht etwa, er ist ernstlich krank?“

„Ich weiß es nicht, Anna. Natürlich werde ich ihn mir ansehen, aber es ist schwer, etwas Genaues zu sagen. Ich weiß nicht, ob sein Körper genauso reagiert wie der normaler Kinder.“ Jacob stellte seine Tasche ab und nahm das Stethoskop heraus. „Aber ich tue, was ich kann.“

Anna berührte seinen Arm. „Das weiß ich. Ich hoffe, es ist nichts Schlimmes. Ich kann mir ein Leben ohne ihn schon nicht mehr vorstellen, Jacob. Es ist, als wäre er immer mein Kind gewesen.“

Jacob berührte beruhigend ihre Hand, die auf seinem Arm lag. „Mach’ dir nicht zu viele Sorgen.“ Er trat an die Wiege und beugte sich über das Baby.

Und als hätte Vincent seine Anwesenheit gespürt, öffneten sich seine Lider und helle, blaue Augen blickten ihn direkt an. Jacob hielt unwillkürlich inne. Diese Augen... sie waren fast erschreckender als die Fremdartigkeit seines Gesichts. So intensiv, so klar – und so lebendig. Sie fesselten ihn völlig.

Ein unbemerktes Lächeln glitt über Jacobs Züge und er streckte die Hand aus, um die weiche Wange des Kindes zu berühren. Ja, fremd vielleicht, doch nicht furchteinflößend. Ein Kind, das den Schutz und die Liebe der Gemeinde brauchte, wie kaum ein anderes zuvor.

Weder Jacob noch Anna bemerkten John, der in den Schatten beim Eingang der Kammer stand und sie beobachtete.

Der Ausdruck von Eifersucht in seinem Gesicht hätte sie wohl überrascht...


Fortsetzung: Spirale abwärts