Kapitel 4
Der Morgen dämmerte bereits, als Spock aus
einem tiefen Schlaf erwachte. Er versuchte sich aufzusetzen und fiel mit einem
Stöhnen wieder zurück auf die Matratze. Regungslos blieb er liegen. Sein ganzer
Körper schmerzte.
Jim hatte in der vergangenen Nacht fast vulkanische Kräfte entwickelt. Diese
gekoppelt mit seinem unbändigen sexuellen Verlangen hatte Spock alle physische
und psychische Kraft gekostet, die er aufbringen konnte. Physisch, um Jim
einigermaßen im Zaum zu halten, damit er in der Lage blieb, Jims Bedürfnisse zu
erfüllen und psychisch um seinen Geist abzuschirmen.
Eine Mentalverschmelzung hätte Spock an den Rand des Wahnsinns getrieben. So
gerne er normalerweise auch Jims Geist spürt und sonst jede Verschmelzung
genießt, in diesem Fall, war er froh, dass er es geschafft hat, sich
abzuschirmen. Jim hätte ihn unwillkürlich dazu getrieben, eine dauerhafte
Mentale Bindung zu initiieren, etwas was Jim sicher tief bereuen würde,
wenn er wieder klar bei Verstand ist.
Spock spürte den warmen nackten Körper seines Captains neben sich. Er schlief
tief und fest. Spock wunderte sich nicht darüber. Die körperliche Anstrengung
der vergangenen Nacht ging weit über das hinaus, was der menschliche Körper
normalerweise verträgt. Ihn wundert es eher, dass Jims Körper dieser Belastung
überhaupt so lange Stand gehalten hat.
Da Spock nicht wusste, wie
lange Jim noch schlafen würde und wann und ob überhaupt sein Verlangen wieder
erwachen wird, wollte er die Gelegenheit nutzen, seinen Körper von den Spuren
der nächtlichen Aktivitäten zu reinigen. Eine heiße Dusche würde seinen
geschunden Muskeln gut tun. Wenn er sich nur aufraffen könnte, seinen
schmerzenden Körper zu erheben und ins Bad zu gehen.
Ein äußerst unvulkanisches
Verhalten und undiszipliniert dazu, dachte Spock. Aber wen interessiert das
jetzt schon. Sein Verhalten am vergangenen Abend, als er die Initiative ergriff
und Jim küsste und damit erst recht Jims Leidenschaft entfachte, war auch nicht
logisch und damit unvulkanisch.
Er wunderte sich nur darüber, dass ihm das so vollkommen egal war, wo er doch
sonst immer soviel Wert darauf legte besonders vulkanisch zu sein. Wenn er
jedoch ehrlich war, musste er zugeben, dass er es immer genossen hat, seine
vulkanische Maske ab und zu mal fallen zu lassen. Und das konnte er nur in Jims
Gegenwart, wenn sie beide alleine waren Spock seufzte tief und beschloss,
darüber jetzt nicht weiter nachzudenken, sonst verpasste er wirklich die
Gelegenheit, unbemerkt ins Bad zu verschwinden.
Er riss sich zusammen, erhob sich und verschwand im Bad. Als er 20 Minuten
später frisch geduscht zurückkam, goss er sich ein großes Glas Wasser ein,
trank es in einem Zuge leer und kletterte wieder ins Bett. Spock kuschelte sich
an Jims warmen Körper und genoss trotz der Maltrakthuren der vergangenen Nacht
die Gegenwart seines Menschen und schlief kurze Zeit später wieder tief
und fest ein.
Als Spock das nächste Mal erwachte war heller Tag. Seine innere Uhr sagte ihm,
dass es Mittagszeit sein musste und er somit nochmals 6 Stunden geschlafen
hatte. Offenbar hatte auch Jim durchgeschlafen.
Spock drehte vorsichtig seinen Kopf in Jims Richtung und blickte geradewegs in
zwei wache Augen.
"Guten Morgen, Jim", begrüßte Spock ihn.
"Morgen, Spock", kam die etwas muffelig klingende Antwort von Jim.
Erstaunt verschwand Spocks linke Augenbraue unter seinem verwuschelten
Haaransatz.
Jim schien nicht gerade bester Laune zu sein. Irgendwie hatte er dafür auch
Verständnis. Dennoch würde er gerne dem Kern der Dinge auf den Grund gehen.
"Mir scheint, dass es dir besser geht", begann Spock vorsichtig. Er
wollte Jims Laune nicht noch weiter verschlechtern und fuhr vorsichtig
fort, "aber du scheinst dich nicht gerade darüber zu freuen."
"Freuen, Spock?"
Jim schnitt eine Grimasse.
"Über was sollte ich mich bitte schön freuen? Mein gesamter Körper fühlt
sich an, als wäre ein Heer von Klingonen über mich hergetrampelt, als ich
vorhin auf der Toilette war, hatte ich das Gefühl Rasierklingen zu pinkeln,
mein Arsch tut mir weh und zu guter letzt wachte ich auf mit dem Gedanken,
meinen besten Freund, meinen Ersten Offizier vergewaltigt zu haben. Wie bitte
sollte ich mich da fühlen?"
Spock Mundwinkel verzogen sich zu einem liebevollen Lächeln, als er dem
Ausbruch seines Captains zuhörte. Er wollte sich zu Jim rüberbeugen und ihn
tröstend in den Arm nehmen, sank aber sofort aufstöhnend in die Kissen zurück.
Offensichtlich ist seit meinem letzten Erwachen keine Besserung eingetreten
dachte Spock.
Alarmiert beugte sich Jim
über Spock. "Spock?", fragte er besorgt.
"Alles in Ordnung, Jim. Über meinen Körper müssen mehrere klingonische
Heere getrampelt sein. Ich würde auch die gesamte Einwohnerzahl Klingons über
mich trampeln lassen, wenn ich dir damit helfen kann", erwiderte Spock und
blickte Jim dabei in die Augen.
"Du meinst es wirklich
ernst, oder?", fragte Jim vorsichtig.
"Natürlich, Habe ich schon jemals etwas gesagt, dass ich nicht ernst
meine? Allerdings würde ich es bevorzugen, wenn du der einzigste bist, der über
meinen Körper trampelt. Wobei ich jedoch eine zärtlichere Behandlung vorziehen
würde", erläuterte Spock todernst. Wobei seine Augen schelmisch funkelten.
"Aber Spock, ich habe
dich vergewaltigt. Dich! Meinen besten Freund. Wie kannst Du das nur ertragen
und dann noch darüber scherzen?“, fragte Jim erstaunt.
Spock sah Jim lange in die Augen und Jim erwiderte seinen Blick. Vorsichtig
nahm Spock Jim Gesicht zwischen seine Hände und zog ihn dicht zu sich herunter.
"Jim, du hast mich
nicht vergewaltigt. Ich habe aus freien Stücken mitgemacht. Glaube mir, auch
wenn du vergangene Nacht fast die Kraft eines Vulkaniers hattest, du hättest
mich nicht vergewaltigen können. Ich war immer noch stärker als du. Wenn ich
das Gefühl gehabt hätte, vergewaltigt zu werden, dann würdest du jetzt nicht
hier neben mir liegen. Du wärst tot, Jim. Ich hätte dich auf der Stelle
getötet. Das einzigste, was dich vielleicht noch gerettet hätte, wäre die
Tatsache, dass wir eng befreundet sind und du nicht Herr deiner Sinne warst.
Wir Vulkanier sind nicht so friedfertig, wie ihr Menschen immer denkt. Wir
können eiskalt töten, wenn wir unseren Gefühlen erlauben die Oberhand zu
gewinnen. Und glaube mir, wenn jemand dich oder mich vergewaltigen will, dann
gewinnen meine Gefühle die Oberhand."
Jim schaute Spock ungläubig an. Seine Augen wurden bei jedem von Spocks Worte
immer größer. Spock hat noch nie so offen und gefühlvoll zu ihm gesprochen.
Fast wollte er glauben, eine versteckte Liebeserklärung aus Spock Mund zu
hören, aber der Schock saß noch zu tief. Er konnte dem allen noch nicht ganz
glauben.
"Die Kraft eines
Vulkaniers? Spock, was habe ich getan? Wieso konnte ich das?", wollte Jim
wissen.
"Der Trank, den du zu dir genommen hast, hat dich etwas erleben lassen,
was ein anderer, der dir nahe steht bereits erlebt hat", erläuterte Spock.
"Jemand der mir nahe steht? Wer könnte dass.... oh nein, Spock, du meinst
doch nicht etwa ich hätte... - Spock?", stammelte Jim.
"Doch Jim, du hast
erlebt, was ich erlebt habe, eine Art Pon Farr. Das hat dir die Kraft und
Ausdauer verliehen", bestätigte Spock Jims Vermutung.
"Wie ist so etwas möglich?", wollte Jim erstaunt wissen.
"Unbekannt, Jim. Es muss mit dem Tee zusammenhängen, welchen Du getrunken
hast. Warum du dir aber die Vision eines vulkanischen Pon Farr ausgesucht hast,
und nicht etwas harmloseres, kann ich nicht beantworten. Ich kann nur
Mutmaßungen anstellen", antwortete Spock.
"Ist es vorbei Spock? Bitte sag mir, dass es vorbei ist",
bettelte Jim und sah Spock aus flehentlichen Augen an.
"Ich kann es nicht mit Bestimmtheit sagen. Du bist seit 10,43 Stunden
nicht mehr über mich hergefallen. Wärst du Vulkanier, hätte es eine so lange
Unterbrechung nicht gegeben. Die Pausen würden zwar mit der Zeit länger
werden, aber in dieser Phase sicher nicht mehr als vier Stunden andauern. Bis
zur völligen Überwindung des Blutfiebers vergehen mindestens 3 Tage und wenn in
dieser Zeit keine mentale Bindung eingegangen wird, kann es sogar noch länger
dauern, ja sogar lebensgefährlich werden. Meinen Beobachtungen nach zu
urteilen, würde ich sagen, dass Du es überwunden hast", erläuterte Spock
in seiner typisch trocknenden Art.
Jim konnte es nicht verhindern wieder rot zu werden, als Spock davon sprach,
dass er über ihn hergefallen sei und drehte beschämt den Kopf zur Seite. Er
konnte ihn nicht in die Augen schauen. Den Blick aus den Fenster gerichtet
murmelte er: "Ich nehme an, es ist keine mentale Bindung entstanden?"
"Keine, die nicht auch früher schon da war. Du könntest das
Band sonst spüren. Nein, ich konnte dich abwehren. Und glaube mir, wenn ich dir
sage, dass es meine ganze mentale Kraft gekostete hat, dir keinen Einlass zu
meinem Geist zu gewähren."
Spock blickte auf die beschämte Gestalt auf dem Bett und es tat ihm unendlich
leid dass Jim dies hatte erleben müssen. Er konnte sich genau vorstellen ,wie
er sich fühlen musste. Wäre ihm dass passiert, er wüsste nicht, wie er damit
hätte umgehen sollen.
"Es tut mir so unendlich leid, Spock, ich wünschte, ich könnte das alles
ungeschehen machen."
Spock wurde sich bewusst, dass er die falschen Worte gewählt hatte, als er von
ungeheurer Kraftanstrengung sprach. Jim musste glauben, dass er auch versucht
hat, ihn mental zu vergewaltigen. Er musste Jim klarmachen, dass dem nicht so
war und das konnte er nur, wenn er Jim die Wahrheit sagte – die Wahrheit, wie
sehr er Jim begehrte, wie sehr er ihn liebte
"Jim, du hast mich falsch verstanden. Es hat mich deshalb all meine
mentalen Kräfte gekostet, dich abzuwehren, weil deine Gefühle so heftig waren,
dass sie mich an den Rand des Wahnsinns getrieben hätten, hätte ich dir den
Einlass zu meinen Geist gewährt. Ich wäre nicht in der Lage gewesen, dich je
wieder loszulassen, nachdem ich einmal gespürt habe, was ich nicht zu träumen
gewagt hätte. Ich hätte dich festgehalten und nie wieder gehen lassen. Du
hättest unwillkürlich eine dauerhafte Mentalbindung erwirkt und ich hätte dem
nichts entgegenzusetzen gehabt. Ich konnte nicht etwas geschehen lassen, was du
später bereut hättest, so sehr ich es mir auch gewünscht hätte.“ Spock legte
seine Hand an Jims Wange und drehte seinen Kopf wieder zu ihn herum, so dass
Jim in seine Augen sehen musste. Noch nie hatte er zu irgendjemanden solche
Worte gesagt.
Jim blickte in Spocks Augen und sah dort kein Bedauern, kein Zorn, sondern nur Liebe.
In seinem Blick lag Spocks
Seele, all die Liebe und das Begehren, welches er so viele Jahre tief in sich
verborgen hatte.
Jim war sich nun vollkommen sicher. Er hatte sich vorhin nicht getäuscht. In
Spocks Worten lag für ihn die schönste Liebeserklärung, die er je gehört hat.
Und ihm wurde jetzt auch
klar, was die Alte gemeint hat. Jim hatte seine Frage gefunden, die Frage,
dessen Antwort er schon lange kannte. Er liebte und begehrte Spock, dass wusste
er schon seit langen. Die Frage aber war, wie er es dem Vulkanier klar machen
sollte oder ob überhaupt und ob Spock seine Gefühle erwidern würde. Darüber
hatte er nie nachgedacht oder sich jeden Gedanken daran verboten. Für ihn
schien es klar zu sein, dass Spock es nie erfahren dürfte und dass er die Liebe
nicht erwidern würde.
Aber einfach nur danach zu fragen, wäre ihm nie in den Sinn gekommen. Frage und
Antwort wurden in dieser Nacht zusammengeführt. Seine ganzen Bedenken lösten
sich in Nichts auf.
Unwillkürlich hob Jim seine Hand und berührte vorsichtig Spocks Haare. Sanft
strich er durch sein schwarzes Haar. "Das wollte ich schon immer einmal
tun", murmelte Jim.
"Was? Mich verführen oder meine Haare in einen unordentlichen Zustand
versetzen?", fragte Spock unschuldig.
Jim zerzauste Spock Haare und ein kleines scheues Lächeln umspielte seine
Mundwinkel als er antwortete "Beides, Spock. Ich wollte beides schon immer
einmal tun."
"Dein Wunsch ist letzte Nacht in Erfüllung gegangen. Du hast beides getan
und ich versichere dir, du warst dabei sehr erfolgreich."
"Nur kann ich mich daran kaum erinnern. Dann hast du sicher nichts
dagegen, wenn ich es noch einmal wiederhole , nur so um meine Erinnerung wieder
aufzufrischen", fragte Jim mit einem schelmischen Blick in den Augen und
zog Spocks Kopf zu sich herunter. Ihre Gesichter waren einander so nahe, dass
sie sich fast berührten und jeder den Atem des anderen spürte.
"Doch ich habe etwas dagegen."
"Waaaas? Ich dachte..."
"Ich wollte es nämlich auch schon immer tun."
"Hä?"
"Dich verführen und deine Haare in Unordnung bringen. Und ich glaube,
diesmal bin ich an der Reihe. Das bist du mir schuldig."
"Aber...", war alles was Jim antworten konnte, ehe Spocks
Lippen Jims Mund mit einem leidenschaftlichen Kuss zum schweigen brachten.
FINE