Solltet ihr nach der Veröffentlichung dieser Story länger nichts mehr von mir hören, schickt bitte jemand zum Nachschauen ins Tiefkühlfach von Jupps Kühlschrank... *bibber*

 

 

Titel: Undercover
Autor: Lady Charena
Fandom: SK Kölsch

Paarung: Jupp Schatz/Klaus Taube
Rating: m/m, PG-15, C

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Jupp begleitet Klaus nur widerwillig zu einem undercover-Einsatz in einen Schwulen-Club

 

Ich finde, Jupp hat den ganzen Spaß in der Serie. Zeit, dass Kläuschen auch mal an die Reihe kommt. Und glaubt mir, T’Len und ich haben unabgesprochen und unabhängig voneinander mit diesen undercover-Stories angefangen. Dirty… ahem… great minds think alike… <g>

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics by Danzel.

 

 

 

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Wanna take you for a ride
Into the shadows
Where no-one knows us
We can deal just what we dare
Let me take you undercover
Let me blow your mind tonight
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“Wartest du auf etwas bestimmtes, Jupp?”, fragte Taube, als er sich seinem Kollegen zuwenden... wollte... und den Platz an seiner Seite leer fand. Er warf einen Blick über die Schulter und sah Schatz noch immer neben seinem Wagen stehen.

 

Jupp knallte die Autotür zu. „Ich könnte dich umbringen, dass du mich dazu überredet hast“, knurrte er. „Möchte nur wissen, was Haupt sich dabei denkt. Das ist doch gar nicht unsere Zuständigkeit.“

 

Da sein Partner keine Anstalten machte, sich in Bewegung zu setzen, kehrte Klaus an seine Seite zurück. „Wir haben doch bereits darüber gesprochen. Und glaub’ nur nicht, dass mir das mehr Spaß macht als dir. Jetzt kuck’ nicht so belämmert, Jupp“, setzte er mit einem Lachen hinzu. „Ich bin kein Szene-Typ.“

 

Bei Jupp gewann für einen Moment die Neugier die Oberhand über das Unbehagen. „Und wo hast du dann deinen... Freund… kennen gelernt, ich meine den, mit dem du in Urlaub geflogen bist?“

 

„Lernst du Frauen nur in Kneipen kennen?“ Klaus zögerte, als ihm einfiel, dass das möglicherweise kein geeignetes Beispiel war, sondern der Wahrheit entsprach. „Egal, wir sind uns auf einer Ausstellung begegnet. Fotos“, setzte er hinzu, als er Jupps abschätzigen Blick bemerkte. „Fotos von einer bekannten amerikanischen Fotografin. Ich hatte schon in Washington...“

 

„Wie viel Zeit haben wir noch?“, unterbrach ihn Jupp, bevor sein Partner abschweifen würde.

 

Klaus sah auf die Uhr. „Zehn Minuten. Die Schicht unseres Kontaktmannes beginnt um elf.“ Er berührte Jupps Schulter, spürte die Anspannung darin. „Entspann’ dich. Niemand wird dich beißen.“ Auf den schmalen Lippen erschien ein Lächeln. „Außer du fragst danach. Bleib’ einfach immer in meiner Nähe, halte dich von Darkrooms und Toiletten fern, sprich nicht mit Fremden, dann geschieht dir nichts. Ich passe schon auf dich auf.“

 

„Ja, Mutti. Und ich nehme auch keine Süßigkeiten an und lasse mir von niemand Drinks spendieren.“ Jupp schnitt eine Grimasse und stopfte die Hände in die hinteren Taschen seiner Hose. „Verdammt noch mal. Ich halte es trotzdem für eine beschissene Idee. Mir nimmt doch im Leben keiner ab, dass ich... und vor allem, dass ich... mit dir...!!“

 

Klaus seufzte und zog sein Handy aus der Tasche. „Soll ich Haupt anrufen und die Sache absagen?“, fragte er ruhig.

 

Jupp starrte einen Moment auf das Telefon, dann verhärteten sich seine Gesichtszüge. Aufgeben? Er? Mit eingeklemmten Schwanz den Rückzug antreten wegen ein paar Schwuchteln? „Nein“, sagte er entschlossen. „Lass’ uns das Ding durchziehen. Aber komm’ mir bloß nicht auf komische Ideen.“

 

„Gut.“ Klaus steckte das Handy wieder ein. „Du sollst mich nicht heiraten, Jupp, du sollst nur für ein paar Stunden so tun, als wären wir zusammen. Betrachte es als Erweiterung deines Horizonts.“

 

„Das klappt nie“, prophezeite Jupp düster und ignorierte stur, was sein Partner sonst noch so gesagt hatte. In diese Richtung benötigte sein Horizont bestimmt keine Erweiterung!

 

„Wir haben eine Chance.“ Klaus wischte ein paar Staubflusen vom Ärmel seiner Jacke. „Allein diese Woche hat es vier neue Überfälle auf Besucher dieses Clubs gegeben. Ich würde sagen, so wie die Überfälle an Brutalität zugenommen haben, ist es reines Glück, dass die letzten beiden es überlebt haben. Das nächste Opfer hat vielleicht nicht mehr so viel Glück. Und spätestens dann ist es unsere Zuständigkeit.“ Er sah Jupp an. „Du hast die Fotos gesehen. Es ist immer der gleiche Typ Mann, der überfallen wurde – aber ich passe nicht in das Schema, ebenso wenig wie Gino. Er ist zu jung und hat die falsche Haarfarbe. Du dagegen...“

 

„Ich muss mich aber nicht unbedingt wohl dabei fühlen, als lebender Köder da rein zu spazieren, oder?“ Jupp sah sich misstrauisch um, doch sie waren im Moment allein auf der Straße. „Was ist, wenn du dich irrst, und es mehrere sind? Mir wäre einfach wohler, wenn noch jemand dabei ist, der uns im Notfall helfen kann.“

 

„Ich irre mich nicht.“ Klaus sah wieder auf die Uhr. „Und je mehr Leute sich hier aufhalten, desto geringer ist die Chance, dass er erwischt wird. Die Überwachung hat nichts gebracht, also brauchen wir einen Lockvogel. Du bist der Lockvogel, ich decke dir den Rücken. Wir beide sind nun einmal die unbekanntesten Gesichter, die sie auftreiben konnten.“ Sie hatten gerade genügend Zeit, alles noch einmal zu besprechen, wenn es Jupp half, seine Nervosität zu überwinden. Was er allerdings bedenklich fand, war, dass Schatz ihn allmählich damit anzustecken schien. „Die Aussagen der Opfer stimmen überein. Wir sind das Profil oft genug zusammen durchgegangen. Es ist ein Täter und er scheint seine Opfer auszuwählen, weil sie irgendwie aufgefallen sind. Einer der Verletzten meinte, es müsse der Streit mit einem Bekannten gewesen sein, der die Aufmerksamkeit des Täters auf ihn lenkte. Als er gleich darauf ging, wurde er überfallen. Also werden wir da drin eine Weile an der Bar herumsitzen, alles beobachten und dann vorgeben, uns zu streiten. Du wirst gehen und ich dir in ein paar Minuten folgen. Wenn alles gut läuft, locken wir ihn damit heraus.“ Wenn es allerdings nicht gut lief... Sie hatten alles genau vorbereitet und die Risiken minimiert, aber ein Rest Unsicherheit blieb.

 

„Okay, okay.“ Jupp streckte die Schultern. “Ist es nicht langsam an der Zeit, dass wir reingehen?“

 

Klaus nickte und folgte ihm zum Eingang. Er hielt die Tür auf und ließ Jupp an sich vorbeischlüpfen. „Morituri te salutant“, flüsterte er ihm mit einem schiefen Lächeln zu.

 

 

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Undercover! Won't you come with me
Undercover ! That’s what you should be
Undercover! Undercover with me
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Sie nahmen an der Theke Platz und hielten nach ihrem Kontaktmann Ausschau. Es handelte sich um einen ehemaligen Polizisten, der ins Sicherheitsfach gewechselt war und von den Besitzern des Clubs engagiert wurde. Er war allerdings bereit, mit seinen früheren Kollegen zusammen zu arbeiten. Da sie sich ja immerhin quasi im Dienst befanden, bestellte sich Klaus Wasser, während Jupp auf sein übliches Kölsch zurückgriff.

 

Er leerte das Glas halb, wandte sich dann Klaus zu und sah ihn erwartungsvoll an. „Und? Was jetzt?“, fragte er.

 

„Wir warten“, erwiderte Klaus ruhig. Er drehte den Kopf zur Seite und verbarg so sein Lächeln vor Jupp, als er seinen Partner unruhig auf seinem Barhocker hin- und herrutschen sah. Unauffällig ließ er seinen Blick durch den Raum schweifen, auf der Suche nach ihrem Kontaktmann. Es schien heute Abend nicht viel los zu sein. Vielleicht hatten sich die Überfälle rumgesprochen. Über eine Treppe am anderen Ende der Bar kam man auf eine Tanzfläche. Der Raum vor ihnen teilte sich in Nischen und freistehende Tische auf, an denen sich vereinzelt Paare oder Singles befanden.

 

Klaus warf einen Blick auf Jupp und sah, wie sich sein Kollege nervös die Hände an der Hosennaht abwischte. Er griff beruhigend nach seiner Hand und sah überrascht, dass Jupp zuerst zurückzuckte, dann die Achseln hob und entschuldigend grinste. „Warum nehmen wir nicht da drüben Platz“, schlug Klaus vor und wies auf eine der Nischen ganz in der Nähe. „Von da aus können wir uns genauso gut umsehen.“ Und Jupp würde sich vielleicht ein wenig entspannen.

 

Jupp nickte und sie nahmen ihre Gläser, gingen in die Nische hinüber. Sie saßen nebeneinander auf der Bank, immerhin sollten sie ein Pärchen abgeben. Klaus seufzte. Das würde schwieriger werden, als er gedacht hatte. Jupp hielt ziemlichen Abstand zu ihm. Wie ein Pärchen kamen sie bestimmt nicht rüber.

 

Ein Mann ging langsam an der Nische vorbei, musterte sie prüfend. Klaus sah auf und rutschte näher an Jupp, legte den Arm um seine Schulter. Jupp richtete sich bei seiner Berührung ein wenig auf, blickte ihn an. „Sieht so aus, als hätten wir einen Beobachter“, flüsterte Klaus seinem Kollegen ins Ohr und Jupp warf einen Blick auf den Mann, der sie noch immer anstarrte.

 

Jupp versteifte sich spürbar und drehte den Kopf ruckartig weg. „Verdammt, unser Kontaktmann ist das aber nicht“, sagte er leise. „Bloß, den kenn ich irgendwoher. Hoffentlich erkennt der mich nicht als Bulle.“

 

„Erkennt?“ Klaus rückte noch näher. “Was meinst du damit? Woher?“

 

„Ich bin nicht sicher. Aber es war beruflich.“ Jupp beugte sich näher zu Klaus und bemühte sich, so drein zu sehen, als wäre er völlig in ihr Gespräch vertieft. „Irgendein Dealer, glaube ich. Er ging bei ner Razzia mit ins Netz. Kleiner Fisch.“ Er grinste. „Hab ihn erwischt, als er seinen Vorrat im Klo runterspülen wollte.“ Er sah auf, als Klaus noch näher rückte. „Sag’ mal, was treibst du da eigentlich?“

 

„Er starrt uns noch immer an. Versuch’ doch wenigstens, ein bisschen überzeugender zu sein, Jupp. Sonst fliegen wir noch auf.“ Er nahm Jupps Hand und platzierte sie auf seinem Oberschenkel.

 

„Schatz? Jupp Schatz!“, kam es von dem anderen Mann. „Hey, ich erkenn doch einen Bullen, wenn ich einen sehe. Was zur Hölle macht ein Bulle hier?“

 

Jupp richtete sich auf und sah über die Schulter. „Sogar ein Bulle geht ab und zu einen trinken. Hau’ ab, Möller.“ Gerade noch rechtzeitig war ihm der Name eingefallen. Er fluchte innerlich. Verdammt, wenn sie wegen so was aufflogen, wurden sie zum Gespött des gesamten Präsidiums.

 

„Das glaub ich aber nicht.“ Möller baute sich vor ihnen auf. „Sieht mir ganz so aus, als würdest du hier rumschnüffeln. Hey, Leute – wir haben hier einen Schnüffler!“ Er hob die Stimme, um die im Hintergrund laufende Musik zu übertönen. Er hatte kaum ausgesprochen als ein paar unfreundliche Gesichter über den Rand der Nische blickten.

 

„Ich bin nur hier, um etwas zu trinken“, knurrte Jupp und warf seinem Partner einen hilfesuchenden Blick zu. Doch Klaus beschränkte sich darauf, die Männer zu mustern, die sie anstarrten.

 

„Na klar. Ausgerechnet in diesem Club“, höhnte der Dealer. „Dir seh’ ich die Hete doch an der Nasenspitze an. Was solltest du sonst hier treiben, außer zu schnüffeln.“

 

„Vielleicht wollte er mal was neues ausprobieren“, kam es überraschenderweise von Klaus. Er griff ruhig nach seinem Glas und trank. Dabei rutschte er ein wenig zur Seite, so dass man Jupps Hand auf seinem Oberschenkel sehen konnte.

 

Möller musterte Taube, der seinem Blick kühl standhielt. „Was bist du denn für einer?“, fragte er. „Nette Krawatte, Baby. Trägst du die auch im Bett?“ Ein paar der Umstehenden lachten. „Na, dann probier’ doch mal was ganz neues aus, Bulle“, fuhr Möller fort. „Schick’ den Spießer hier heim zu Mutti und such’ dir jemand von deinem Kaliber.“ Er musterte Jupp mit einem zweideutigen Grinsen, der daraufhin rot anlief – vermutlich eher vor Wut als vor Verlegenheit. Er beugte sich vor und legte seine Hand auf Jupps Schulter.

 

Der sprang auf und wich zurück. Dabei stieß er gegen Klaus, der ebenfalls aufgestanden war. Und bevor Jupp sich versah, fand er sich herumgedreht und von Taube geküsst. Auf den Mund! Genau so schnell war er wieder frei und wäre womöglich ungeachtet aller Konsequenzen einfach auf den grinsenden Dealer losgegangen, wenn nicht Klaus Arm um seine Taille gekommen wäre und ihn zurückhielt. Jupp schluckte gegen seine Wut an – und gegen den Drang, sich den Mund abzuwischen. Das käme vielleicht im Moment nicht so gut.

 

Er sah Möllers Hand einen Moment zu spät nach ihm greifen – doch bevor er ihn berührte, schoss Klaus freie Hand nach vorn und schloss sich um Möllers Handgelenk. Eine Drehung, ein kleiner Ruck, Finger die sich in den Unterarm pressten und der Dealer taumelte mit einem wütenden Schmerzschrei nach vorn, gegen den Tisch und ging dann auf die Knie.

 

„Du störst, Baby“, sagte Klaus freundlich, aber mit ähnlich verächtlichem Unterton, den Möller zuvor benutzt hatte, als er Taubes Krawatte betrachtet hatte. „Der gehört mir.“ Er ließ den Dealer los, zog die Hand zurück, blickte Jupp an. Erleichtert sah er das Grinsen auf dem Gesicht seines Partners. Gut, Jupp spielte mit – und womöglich fühlte er noch sein Ego gestreichelt.

 

Möller starrte ihn an. „Du bist sein Liebhaber?“, fragte er herausfordernd.

 

Taube erlaubte sich ein dünnes Lächeln, seine Augen blieben kühl und wachsam. „Ja, ich liebe ihn.“ Er spürte, wie sich Jupp dicht an ihm verstreifte; sah aus den Augenwinkeln, wie Jupp denn Kopf hob, ihn überrascht anblickte. Er hielt den Blick jedoch starr auf Möller gerichtet – der, der zuerst wegsehen würde, hätte seinen Vorteil verloren.

 

Doch dann grinste Möller plötzlich und verbeugte sich spöttisch. Er wandte sich ab und verschwand. Auch ihr Publikum zerstreute sich wieder, jetzt da es nichts mehr zu sehen gab.

 

Klaus rückte seine Krawatte zurecht, setzte sich erleichtert und lehnte sich zurück, schloss die Augen, den Kopf in den Nacken gelegt.

 

„Das hast du ja ziemlich gut hingekriegt“, meinte Jupp.

 

Da war ein merkwürdiger Unterton in seiner Stimme – und Klaus, wie immer sensibel für alle Stimmungsschwankungen seines Partners, horchte auf. Er öffnete die Augen und drehte den Kopf, um Jupp anzusehen. „Ihm eins auf die Nase zu geben, wie zweifellos dir vorschwebte, hätte ja wohl mehr Aufmerksamkeit auf uns gezogen, als wir im Moment gebrauchen können. Zumindest die Aufmerksamkeit der falschen Person.“

 

Jupp grinste. „Das, was du da mit seinem Handgelenk gemacht hast, war auch ziemlich cool. Wo hast du das gelernt?“

 

Klaus setzte sich auf und strich sein Jackett glatt. Er griff nach seinem Glas. „Selbstverteidigungskurs“, meinte er knapp. „Könnte dir auch nicht schaden.“

 

Jupp verzog das Gesicht. „Ich hab nicht vor, irgendnen Kerl so nahe an mich ran zu lassen.“

 

„Ja, das habe ich gemerkt“, murmelte Klaus. Er bemerkte, dass Jupp wieder Abstand zu ihm hielt. Verdammt, Jupp hatte die ganze Zeit über recht gehabt – es war eine Schnapsidee gewesen, diesen Auftrag zu übernehmen. Und so genau wusste er inzwischen auch nicht mehr, wieso er einmal etwas anderes geglaubt hatte... „Tut mir leid, wegen dem Kuss vorhin. Aber ich glaube nicht, dass Worte allein ihn überzeugt hätten.“

 

Zu seiner Überraschung zuckte Jupp nur mit den Schultern. „Ich schätze.“ Er schien noch mehr sagen zu wollen, doch das Licht wurde plötzlich gedämpfter und die Lautstärke der Musik nahm etwas zu. Es waren inzwischen mehr Männer im Club und viele von ihnen gingen nach oben, auf die Tanzfläche. Die Musik wurde noch lauter und hätte ohnehin jede Unterhaltung unmöglich gemacht.

 

Klaus sah sich um. Mit ihrem Kontaktmann hatte er zuvor nur telefoniert, er kannte sein Bild aus der alten Polizeiakte und hoffte, ihn wieder zu erkennen. Er hörte, wie sich Jupp neben ihm räusperte und sah ihn an, dachte sein Partner wolle etwas sagen oder ihn auf etwas aufmerksam machen. Aber Jupp starrte mit geweiteten Augen auf ein Pärchen in einer schräg gegenüber liegenden Nische, das im Clinch war, komplett mit Zungen und Händen, die unter Kleidung verschwanden. Klaus beobachtete ihn einen Moment amüsiert. Dann gab er Jupp einen Stoß. Der zuckte zusammen und blickte ihn fragend an. Klaus rückte näher an ihn. „Starr nicht so hin“, sagte er in Jupps Ohr. „Am Ende denken sie noch, du bist interessiert, mit zu machen.“ Er zog seine Hand von Schatz Schulter, als er bemerkte, dass Jupp darauf starrte.

 

Jupp wandte sich ab, um sein Glas zu leeren.

 

Fast im gleichen Moment tauchte ihr Kontaktmann mit zwei Gläsern auf. Er stellte sie auf den Tisch und beugte sich vor, damit sie seine Stimme über den Lärm von der Tanzfläche hören konnten. „Ihr müsst die beiden Bullen sein, Taube und Schatz“, sagte er mit einem Nicken. „Ich beobachte euch schon seit ein paar Minuten. Besonders überzeugend seid ihr zwei aber nicht.“ Er blieb abwartend stehen, bis Jupp einen Geldschein aus der Tasche zog und ihm in die Hand drückte. „Bisher ist noch niemand hier, der mir aufgefallen ist. Fast nur Stammgäste.“ Er nahm die leeren Gläser und wandte sich zum Gehen. „Oben auf der Tanzfläche ist ein Typ, der seit zwei Wochen jeden Abend da ist. Er tanzt nicht, baggert keinen an, sondern guckt nur zu.“ Der Sicherheitsmann zuckte mit den Schultern. „Solche verklemmten Typen gibt’s natürlich auch, aber unter diesen Umständen... Seht euch doch mal da oben um, ihr Turteltäubchen.“ Mit einem sarkastischen Grinsen ließ er sie allein.

 

Jupp nahm sein Glas. „Sollen wir?“

 

„Sollen wir was?“, fragte Klaus, der noch immer versuchte, ganz aus den hastigen Worten ihres Kontaktes schlau zu werden.

 

„Na tanzen.“

 

„Ist das dein Ernst?“ Klaus blickte seinen Partner verblüfft an.

 

„Das klang doch ganz überzeugend, wir sollten uns diesen Typen mal ansehen. Vielleicht ist er der, den wir suchen. Langsam habe ich das ganze hier satt. Je schneller wir den Typen greifen, desto schneller sind wir hier raus.“ Jupp leerte sein Glas, während Klaus seines überhaupt noch nicht angerührt hatte. Dann stand er auf und streckte einladend die Hand aus. „Na los, darf ich bitten, Täubchen? Du stehst doch sonst auf Tanzen, oder hab ich mich in der Sambaschule getäuscht.“

 

Klaus stand auf und ließ sich von seinem Partner an der Hand nehmen, die Stufen zur Tanzfläche hinaufführen. Hatte er Jupp so falsch eingeschätzt oder fand er sich einfach nur mit der Situation ab? Käme ein bisschen plötzlich.

 

Kaum auf der Tanzfläche angekommen, sahen sie fast auf Anhieb einen einzelnen Mann, der in einer Ecke an der Wand lehnte, sein Gesicht unkenntlich in der flackernden Beleuchtung.

 

„Wir müssen näher an ihn ran, aber ohne dass er etwas davon merkt“, sagte Klaus zu Jupp.

 

Im gleichen Moment verstummte für einen Moment die Musik – und als sie wieder einsetzte, war es ein langsamer, romantischer Song. Ein paar Pärchen verließen die Tanzfläche, die anderen rückten enger zusammen.

 

„Na klasse, auch das noch. Ein Kuschelsong.“ Jupp legte zögernd die Arme um die Schultern seines Partners. Obwohl er Klaus zuvor schon ein paar Mal umarmt hatte, war das eine spontane Geste im Überschwang der Gefühle gewesen. Das war etwas anderes. Klaus fühlte sich fremd und falsch an ihm an. Er zuckte fast zurück, als Klaus die Distanz zwischen ihnen überbrückte und sie in vollem Körperkontakt kamen. Dann lagen Klaus Arme um seine Taille und er hatte Mühe, nicht instinktiv zurück zu weichen, sich daran zu erinnern, dass sie hier eine Rolle spielen mussten.

 

Und Taube machte das wesentlich besser, als er, dachte Jupp mit einem Grinsen, als Klaus das Kinn auf Jupps Schulter stützte. „Entspann’ dich ein bisschen“, sagte Taube in sein Ohr. „Vertrau’ mir einfach.“

 

Vertrauen. Normalerweise fiel es ihm nicht schwer, Klaus zu vertrauen – und der hatte ihn auch noch nie hängen lassen. Aber Jupp hasste es, nicht die Kontrolle über eine Situation zu haben. Und ganz klar war es nicht er, der jetzt und hier das Sagen hatte. Er holte tief Luft und grinste, als Klaus den Kopf hob und ihn ansah. „Okay, Partner.“

 

„Okay, Partner“, wiederholte Klaus. Einem plötzlichen Impuls folgend beugte er sich vor und rieb seine Wange gegen Jupps, der ihn verblüfft ansah. Klaus lachte und verengte seinen Griff ein wenig. Nur ein Blinder hätte nicht bemerkt, wie wenig das hier alles Schatz gefiel. Aber gleichzeitig konnte er es sich nicht verkneifen, ihn noch etwas zu triezen. Über seine Motive wollte er lieber nicht nachdenken...

 

Überraschenderweise – oder vielleicht auch nicht – fanden sie dann doch zu einem gemeinsamen Rhythmus, bewegten sich zur Musik.

 

„Besser?“, fragte Jupp nach ein oder zwei Minuten.

 

Klaus, der sich bemühte, ihren Verdächtigen nicht aus den Augen zu lassen, zuckte leicht zusammen, als er plötzlich den Atem seines Partners an der Wange spürte. „Besser?“, wiederholte er.

 

„Na, ich meine, ob wir jetzt überzeugender sind.“

 

Klaus drehte den Kopf, um ihn anzusehen. „Ich fürchte, nicht sehr.“

 

„Verdammt.“ Jupp fluchte leise. “Sieh’ dir das an. Jetzt haben wir auch noch Publikum.“

 

Taube sah über die Schulter. Möller und ein paar seiner Freunde traten auf die Tanzfläche. Sie grinsten, stießen sich gegenseitig an, flüsterten miteinander. Zweifellos waren sie beide das Hauptgesprächsthema. Klaus holte tief Luft. „Tut mir leid, Jupp. Aber da musst du jetzt durch“, sagte er. Er löste seine Arme, hob die Hände, legte sie um Jupps Gesicht und beugte sich vor, um ihn zu küssen. Es war ein ruhiger, unbedrohlicher Kuss, ohne Leidenschaft, mit geschlossenen Lippen. Nicht wirklich überzeugend, aber gut gemeint.

 

Aus der Ecke, in der Möller mit seinen Freunden stand, kam ein Buh-Ruf.

 

Jupp schnitt eine Grimasse, als hätte er etwas übles gerochen. Er warf einen Blick in Richtung des Dealers, doch Klaus drehte seinen Kopf sofort zurück, so dass sie sich ansahen. „Nein, Jupp“, sagte er leise. „Ignorier’ ihn. Eine Schlägerei auf der Tanzfläche können wir uns jetzt nicht leisten.“

 

„Okay. Aber ich krieg’ das Schwein noch.“ Es kostete Jupp sichtliche Mühe, sich zu entspannen. Aber dann grinste er schließlich, auf diese jungenhafte Weise, die ihn für einen Augenblick nicht älter als seinen Sohn aussehen ließ. „Denen gefällt also nicht, was wir bieten, was?“ Er hob die Hand, fast ohne zu zögern, legte sie an Klaus Wange. Dann ließ er seine Finger langsam an Klaus Hals nach unten gleiten, lockerte den Knoten der Krawatte. „Du hättest dich ruhig etwas lockerer anziehen können“, meinte er, sein Mund dicht an Klaus Ohr. „Du trägst das Zeug ja wie eine Ritterrüstung.“

 

„Was?“, brachte Klaus überrascht heraus, gleichermaßen verblüfft über seine Worte, wie darüber, dass er Jupps Bereitwilligkeit über seinen Schatten zu springen, mal wieder zu gering beurteilt hatte – ganz zu schweigen von der erstaunlichen Sanftheit seiner Berührung. Oder von ihrer Wirkung auf ihn. Das war nicht eingeplant gewesen. Jupps Hand lang zwischen ihnen, fast in Höhe seines Herzens. Eine unbewusste Geste der Abwehr, ihn fern zu halten.

 

Klaus war sich ziemlich sicher, dass sein Partner das Klopfen seines Pulses spüren musste, so heftig schlug es gegen seine Rippen. Er spürte einen kalten Schauer entlang seiner Wirbelsäule, als Jupp sich ein wenig enger an ihn schmiegte, die zweite Hand auf seinem Rücken. Klaus folgte dem vorsichtigen Druck und legte seinen Kopf zurück an Jupps Schulter. Er drehte das Gesicht nur ein wenig zur Seite und seine Lippen streiften Jupps Hals. Die Haut, die er berührte, war feucht, weich und schmeckte salzig. Etwas lief schief. Er hatte geplant, Jupp ein paar Schlucke von seiner eigenen Medizin (nehmen zu lassen, ihn ein wenig ins Schwitzen zu bringen. Aber jetzt begann etwas aus dem Ruder zu geraten – nein, nicht etwas – ER. Jupps Nähe begann plötzlich eine Wirkung auf ihn zu haben, die er nicht hatte einplanen können. Ihm war heiß und er spürte den Schweiß klebrig in seinem Nacken. Jupp hatte recht, es war Blödsinn, so angezogen hierher zu kommen. Sein Verstand sagte ihm, dass sie nur eine Rolle spielten. Sein Körper hatte ein paar eigene Ideen. Verdammt, er war doch nicht aus Stein und es war schon zu lange her, dass er zuletzt an seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse gedacht hatte. Zwischen dem Job und der Zeit, die er privat mit Jupp verbrachte... blieb wenig Energie und Lust, sich nach jemand umzusehen, der...

 

„Hey, Taube? Bist du noch da?“ Jupps Stimme durchbrach seine Gedanken und er nickte, ohne den Kopf zu heben. „Dieser Typ, von dem unser Kontakt gesprochen hat, er starrt uns die ganze Zeit an.“ 

 

Klaus konzentrierte sich seufzend wieder auf ihre Aufgabe. „Uns oder dich?“, fragte er und vermied es bewusst, selbst nachzusehen, um kein Misstrauen zu erwecken.

 

„Ich bin nicht sicher. Mich, schätze ich“, entgegnete Jupp unsicher.

 

„Sieht so aus, als hätten wir eine Spur.“

 

„Ich könnte auch nur sein Typ sein.“ Da war ein fast unmerkliches Zittern in Jupps Stimme.

 

Es veranlasste Klaus, ihn anzusehen. „Bist du okay?“, fragte er.

 

„Klar“, behauptete Jupp flapsig. „Bild’ dir nur nicht ein, so ein Tänzchen mit dir macht mich nervös.“

 

„Möller?“, fragte Klaus weiter, ohne nach zu haken.

 

Jupp grinste. „Ist beschäftigt.”

 

“Gut.” Klaus brachte ein wenig Abstand zwischen sie. Teils um seinetwillen, teils um Jupps Willen. Er wollte sich nicht vorstellen, wie sein Kollege reagieren würde, sollte er spüren, dass Klaus eine Erektion hatte. „Wir... wir sollten wieder nach unten gehen. Wenn er uns folgt, wäre das noch ein Indiz, dass wir unseren Mann haben.“

 

Jupp grinste. „Ich fang’ gerade an, mich daran zu gewöhnen”, flachste er. „Du bist gar kein schlechter Tänzer.“ Er blickte zur Seite, vielleicht zu Möller, vielleicht zu ihrem Verdächtigen. Klaus sah nicht nach. Statt dessen starrte er auf Jupps Mund, der ziemlich dicht an seinem war. Selbst durch die Kleidung war er sich plötzlich Jupps Händen auf seinem Körper zu sehr bewusst.

 

„Was denkst...“ Jupp wandte sich ihm zu und ihre Lippen streiften aneinander, weil Klaus im gleichen Moment den Kopf nach vorne gebeugt hatte. Ohne nachzudenken, küsste er ihn erneut. Ein, zwei Mal, sanft, so wie bei ihrer Ankunft auf der Tanzfläche. Jupp hielt sehr still unter seiner Berührung. Wich nicht zurück. Reagierte aber auch sonst nicht. Trotzdem glitt ein köstliches Prickeln durch ihn, dessen Ursprung er nicht erkunden wollte.

 

Jupp war unsicher, wie er reagieren sollte. Was trieb Klaus da? Hatte er irgendetwas übersehen? Gab es noch jemand, der sie beobachtete? Er wünschte sich wirklich, sie hätten das vorher klären können. Er zog den Kopf zurück, weg von seinem Partner, milderte die Geste aber durch einen Kuss auf Klaus Wange ab. Jupp drehte sein Gesicht zur Seite, so dass es aussah, als beschäftige er sich damit, Klaus Hals zu küssen.

 

Doch wie schon einmal an diesem Abend schlossen sich Klaus Finger um sein Gesicht, drehten ihn zurück und wieder spürte er die Lippen seines Partners auf seinen. Was zum Teufel hatte Klaus vor...? Verdammt, was passierte da nur... Er hielt mit Mühe still, um ihren Job nicht zu gefährden. Obwohl etwas tief in ihm mit Interesse registrierte, dass es nicht halb so schlimm war, wie er gedacht hatte. Oder wie er dachte, dass es sein sollte...

 

Klaus vergaß für einen Augenblick Möller, vergaß den Verdächtigen. Ignorierte, dass sie nur eine Rolle spielten, dass Jupp nicht freiwillig mitspielte. Er strich die Kontur der Lippen unter seinen mit der Zungenspitze nach, drängte sich mit sanfter Gewalt zwischen sie, bis sie sich ihm widerstrebend öffneten. Seine Finger gruben sich tiefer in Jupps Haar, hielten ihn bewegungslos und er vertiefte den Kuss. Jupp reagierte nicht darauf, aber er wich zumindest auch nicht zurück. Wenn es vielleicht auch nur Überraschung war, die ihn an Ort und Stelle festhielt. Klaus ging das Risiko ein, im nächsten Moment eins auf die Nase zu bekommen. Doch bis dahin wollte er diesen Kuss, so einseitig er auch sein mochte, so lange wie möglich auskosten.

 

Dann endete der Song und für einen kurzen Moment wurde es still. Klaus blinzelte und ließ Jupp los, um zurück zu treten. Um nicht das Gesicht seines Partners anzusehen, blickte er sich um. Der Verdächtige beobachtete sie noch immer. Möller grinste ihn über die Schulter eines Mannes an, von dem Klaus nur den Rücken sehen konnte – und dass seine Hände hinten in Möllers Hose verschwanden. Offenbar hatten sie ihn nun endlich auch überzeugt.

 

Er räusperte sich und wandte sich Jupp zu. Der Ausdruck im Gesicht seines Partners ließ seinen Herzschlag für einen Moment aussetzen. Jupp musterte ihn mit einer Mischung aus Verwirrung und etwas wie mühsam unterdrückter Abscheu. Und er erinnerte sich plötzlich wieder daran, wo sie sich befanden – und warum. Alles, was in den letzten Minuten zwischen ihnen geschehen war, ging strikt von ihm aus. Jupp hatte seine Berührung nur geduldet, um ihre Deckung nicht auffliegen zu lassen. Da war nichts sonst.

 

„Okay, das reicht, denke ich“, sagte Klaus, seine Stimme klang unsicher und ein wenig zittrig sogar in seinen eigenen Ohren. „Gehen wir nach unten und ziehen den zweiten Akt ab.“ Er wandte sich ab und ging, ohne auf Jupp zu warten, zur Treppe. Das war Teil ihres verabredeten Plans. Sie hatten ihren Beobachter überzeugt, dass sie ein Paar waren. Jetzt mussten sie durch einen fingierten Streit seine Aufmerksamkeit endgültig auf sich lenken.

 

Klaus entschied sich, an der Theke zu warten, anstatt in ihre Nische zurück zu kehren. Er bestellte ein Wasser und legte einen Geldschein auf die Theke. Ihr Kontaktmann lehnte am anderen Ende. Er grinste breit, als Jupp neben seinen Partner trat, der auf einem der Barhocker Platz genommen hatte und ein Wasser bestellte. Er ging an den beiden vorbei. „Nette Show, Bullen”, flüsterte er ihnen im Vorbeigehen zu. „Am Ende hätte ich es euch fast abgenommen.“ Dann verschwand er durch eine Tür im hinteren Teil des Clubs.

 

Klaus räusperte sich und beobachtete unauffällig die Treppe. Mehrere Männer kamen jetzt herunter, um etwas zu trinken – und tatsächlich folgte ihnen auch ihr Verdächtiger. Er setzte sich an einen Einzeltisch ganz in der Nähe der Bar. „Er ist da“, sagte Klaus leise zu seinem Partner.

 

Jupp nickte. „Scheint gar nicht genug von uns zu bekommen, der Kerl“, erwiderte er. Anstatt sich ebenfalls zu setzen, blieb er neben Klaus stehen, legte einen Arm locker um dessen Schultern, die Hand streifte unbeabsichtigt die Seite von Klaus Gesicht. Ein beiläufig dargestellter Besitzanspruch – so sollte es zumindest aussehen, aber für Klaus war es plötzlich unangenehm real.

 

Er lenkte seine Aufmerksamkeit wieder auf den Raum. Verdammt, Möller tauchte mit seinen Kumpels auch auf und setzte sich an einen Tisch in ihrer Nähe. Klaus konnte ihre Blicke auf ihnen spüren. So ein großes Publikum hatten sie nicht erwartet. Das machte es schwieriger, überzeugend zu wirken. Und vor allem mussten sie jetzt schnell handeln. Klaus schob das Kölschglas weg, dass der Mann hinter der Theke eben vor Jupp gestellt hatte. „Trink’ nicht so viel“, sagte er, seine Stimme leicht erhoben. Diesen Satz hatten sie als Startsignal für ihren „Streit“ ausgemacht.

 

„Bist du noch ganz dicht“, entgegnete Jupp sauer. „Du bist nicht meine Mutti, hör’ auf, mir vorzuschreiben, wie viel ich trinken soll.“

 

Irgendwo lachte jemand. „Hast ganz recht, Babe. Sag’ deinem Freund, er soll sich nicht wie ein Weib aufführen.“

 

Klaus wiederstand der Versuchung, sich nach dem Rufer umzusehen. „Nicht, wenn du Interesse daran hast, dass wir gemeinsam hier weggehen.“

 

„Huch, da muss wohl jemand auf dem Sofa schlafen“, rief Möller, der die kleine Szene mit Vergnügen beobachtete.

 

Auch ihn ignorierte Klaus. Und er legte warnend die Hand auf Jupps Arm, als der Anstalten machte, auf zu stehen und dem Dealer das vorlaute Maul zu stopfen.

 

Jupp schüttelte ihn ab und trat von ihm weg. „Das geht dich einen Scheiß an, wie viel ich trinke. Oder wo ich schlafe. Oder wen ich vögle. Ich bin nicht dein verdammtes Eigentum.“ Er leerte sein Glas in einem Zug, warf ein paar Münzen auf die Theke und verließ den Club.

 

Klaus schloss die Augen, senkte hastig den Kopf. Er rieb sich über die Stirn, spürte Kopfschmerzen beginnen. Es war nur ein gefakter Streit gewesen, aber die Wut und Enttäuschung in Jupps Stimme schienen echt gewesen zu sein. Seine Schuld.

 

Nach ein paar Minuten hob er den Kopf und sah sich um. Der kleine Tisch in ihrer Nähe, an der ihr Verdächtiger gesessen hatte, war leer. Verdammt, er hatte sich ablenken lassen und nicht darauf geachtet, wann er gegangen war. War er Jupp sofort gefolgt?

 

Klaus stand auf und verließ hastig den Club. Der Parkplatz war leer, Jupps Auto stand jedoch da. Von Jupp keine Spur. Er lief ein paar Schritte weiter, tastete nach dem Revolver, den er versteckt am Körper trug und drehte sich einmal um sich selbst. Von irgendwoher erklang ein gedämpfter Schmerzensschrei, ein metallisches Klappern. „Jupp!“ Er schlug alle Vorsicht in den Wind und eilte in eine schmale Seitenstraße, die rechts vom Parkplatz abführte. Verdammt, hier gab es keine Beleuchtung und das wenige Licht, das von der nächsten Straßenlaterne bis hierher reichte, genügte kaum, dass er sah, wohin er trat. Aber da waren zwei Schatten, Umrisse, die miteinander kämpften, als er näher kam. Eine der Gestalten presste die andere gegen die Wand. „Jupp?“

 

„Hier, Klaus. Keine Panik, ich hab alles im Griff.“

 

Er kam atemlos bei den beiden an und erkannte, dass es Jupp war, der ihren Verdächtigen an die Wand drückte. „Ich hab ihn erwischt, als er mir mit einer Eisenstange über den Kopf schlagen wollte. Weiß der Geier, wo er die versteckt hatte.“ Jupp legte dem Mann Handschellen an und zerrte ihn vor auf den besser beleuchteten Parkplatz. „Du hast dir ja ganz schön Zeit gelassen.“

 

„Ich war sicher, du brauchtest keine Hilfe.“ Klaus zog das Handy aus der Tasche, um ihre Kollegen zu alarmieren, als er die blutige Schramme an Jupps Schläfe sah. „Was ist mit deinem Kopf?“, fragte er besorgt.

 

„Nichts weiter. Nur ein Kratzer”, brummte Jupp und trat zu ihrem Wagen. Er schloss auf, kurbelte das Fenster herunter und befestigte eine der Handschellen am Fenster. Fast benommen stand ihr Verdächtiger da, den Blick auf den Boden gesenkt. Er sagte nichts.

 

Klaus beendete seine Meldung an die Zentrale. „In fünf Minuten ist ein Streifenwagen da.“ Er steckte das Handy weg und zog ein sauberes Taschentuch hervor. Wischte den dünnen Blutfaden weg, der sich von Jupps Schläfe zu seiner Wange zog. Drückte es dann sanft gegen die Schramme.

 

Jupp zuckte zurück und schlug seine Hand weg. „Verdammt, was treibst du da?“, knurrte er. „Ich bin doch keine fünf, ich kann das selbst.“ Er nahm das Taschentuch aus Klaus Fingern und drückte es gegen die Wunde, um die Blutung zu stoppen. Nach einem Moment sah er auf und grinste entschuldigend. „Sorry. Ich wollte dich nicht anschreien. Das war nicht gerade, was ich mir unter einem gelungenen Abend vorstelle.”

 

Klaus Blick war auf ihrem Gefangenen. „Das ist mir klar, Jupp.“ Er schob die Hände in die Taschen seines Jackett, als wäre ihm kalt. „Es tut mir leid. Ich meine, vorhin, als wir...“

 

„Von was redest du?“, fragte Jupp.

 

Klaus blickte ihn an. „Wegen dem Kuss“, sagte er mit einer hilflosen Geste.

 

„Was ist damit? Wir haben doch ne gute Show hingelegt, oder?“

 

„Ja, haben wir.“ Klaus wandte sich wieder ab. „Ich wollte nur nicht, dass du denkst... ich habe mich vielleicht ein wenig zu sehr... vom Moment hinreißen lassen.“

 

„Ich habe keine Ahnung, von was du redest.“ Jupp schüttelte den Kopf. „Es hat doch funktioniert.“

 

„Ja, es hat funktioniert.“ Klaus Stimme ging fast unter, als der Streifenwagen auf den Parkplatz einbog. Es hat viel zu gut funktioniert... Und je schneller er diesen Abend vergessen würde, umso besser. Für sie beide. Er zuckte zusammen, als Jupp ihm auf die Schulter klopfte.

 

„Was hältst du davon, wenn wir unseren Erfolg feiern? Im Rättematäng?“

 

„Sicher. Gute Idee.“, hörte Klaus sich selbst antworten, obwohl er es eher vorgezogen hätte, sich in seine Wohnung zu verkriechen wie ein waidwundes Tier. Bis er wieder einen klaren Kopf hatte. Er sah Jupp nach, der zu den beiden Beamten trat. Verdammt, warum musste alles auf einmal so kompliziert sein...

 

Ende

 

Because of you – Michael Fitz

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Secretly unlocked my heart

And threw away the key

Tenderly tore my walls apart

Deep where my secrets lay

 

Silently cracked my turtle shell

And blew it all to bits

I stumbled straight into your well

I can’t I won’t – get out

 

Because of you I’m naked

Because of you I feel the rain

Because of you I take it

That I’m happily insane

Because of you I’m naked

Because of you I feel the sun

Because of you I take it

That I’m not the only one

Because of you

 

Softly found a way to kill

The demons of my doubts

Then sang your siren-song until

I sank beneath your shouts

 

Subtly split my heart in two

And kept the bigger half

You smile in everything I do

And I still can hear you laugh

 

Because of you I’m naked

Because of you I feel the rain

Because of you I make it

In the howling wind

Because of you I’m naked

Because of you I feel the sun

Because of you I take it

That I’m not the only one

Because of you

 

You stirr me up

You push me down

At least this pain is real

You let me swim

Then let me drown

You tell me what to feel

 

Because of you…

 

 

Inspiriert von einem meiner all-times-goodies:

Elisabeth Stuarts Story “Undercover”.

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"I've never... done anything with a guy, okay? This was just adrenaline, the excitement of being undercover. It didn't mean anything," he finishes sharply and pulls away from my touch.

To accept that would be to remain in safety. We could go back, blind and innocent, not acknowledging the sexual tension between us. But the easy route is a lie. Still, for him I would do much more than commit a simple lie.

 

Until...

...later, in the darkness of the night, alone in my bed, alone with dreams filled by Peter. Dark eyes brimming with love... candlelight playing over a gleaming, muscled body... warm mouth on my own... smooth, hot skin coming alive under my fingers... his words, his soft cries....

 

I wonder: are they dreams or premonitions?

I believe that I must be very careful.