Titel: Udrogoth sucht den Superstar
Autor: Lady Charena
Fandom: Disneys Barbaren Dave
Paarung: Dave, Candy, Fang, Oswidge, Lula das Schwert, Faffy der Drache und nicht zu vergessen, Der dunkle Herrscher Chuckles, das alberne Schweinchen
Rating: Gen, Humor
Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: In Udrogoth wird ein Minnesänger-Wettstreit ausgetragen. Natürlich dürfen die Helden da nicht fehlen. Während Candy sich schon in den Armen eines berühmten Sängers sieht, fiebert Dave seinem Auftritt entgegen. Fang schmollt, da sie zu jung ist, um mitmachen zu dürfen und Onkel Oswidge begleitet die Kinder, um auf sie aufzupassen. Während alle dessen beginnt der dunkle Herrscher Chuckles, das alberne Schweinchen, über die Macht der Musik nachzudenken...

 

Infos und Bilder zur Serie sind unter: www.barbarisch.de.vu zu finden

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

 

 

Es war ein Tag, der wie jeder andere begann.

 

Finsteres Lachen schallte durch die noch viel finstere „Festung der extremen Unreinlichkeit“. Der dunkle Herrscher Chuckles, das alberne Schweinchen, brütete über einem neuen Plan zur Erringung der Weltherrschaft. Einer schrecklichen Schreckensherrschaft, die mit der Machtübernahme in Udrogoth beginnen sollte.

 

Dave war früh aufgestanden, um die Schwerter und Streitäxte seiner Vorfahren in der großen Halle abzustauben und um die Pferdchenstreu im Pferdchenklo des Pferdchens seiner großen Schwester Candy zu wechseln. Eigentlich war es ihre Aufgabe, doch seit die Prinzessin in Abwesenheit ihrer Eltern sozusagen die Regentin von Udrogoth war, konnte man ihr natürlich nicht zumuten, dass sie sich dabei womöglich die frisch manikürten Fingernägel ruinierte. Und Dave machte es nichts aus. Er liebte Hausarbeit. Sogar Lulas ständiges Gemeckere über die Staubwolken, die ihr ins Gesicht fielen, konnte ihm die gute Laune nicht verderben.

 

Candy schlief noch. Sie hatte die halbe Nacht mit ihren Freundinnen in ihrem neuen Stammlokal verbracht, in dem Onkel Oswidge gelegentlich den Kochlöffel schwang, was sich nicht gerade belebend auf den Umsatz auswirkte. Um seine Kochkunst stand es so gut wie um seine Zauberkunst – beides war quasi nicht vorhanden.

 

Fang hatte bereits ihren allmorgendlichen Waldlauf hinter sich gebracht und nagelte stolz drei weitere Eichhörnchen gegen die Tür ihres Kinderzimmers. Sie war im Bogenschießen schon viel besser als ihr großer Bruder Dave.

 

Faffy hatte vergessen, wo sein Drachenklo stand und statt dessen eine von Candys neuerworbenen Blumenvasen zweckentfremdet, und flatterte jetzt in die Küche, um sich sein Frühstück zu suchen. Vor lauter Putzen war Dave aber noch nicht dazu gekommen, eine Dose Drachenfutter aufzumachen und so nahm Faffy mit einem kleinen Imbiss vorlieb – einem der Küchenstühle.

 

Oswidge hatte sich in den Keller der Burg zurückgezogen, um einen neuen Zaubertrick zu versuchen, doch der dämliche Apfel weigerte sich standhaft, zu einer großen, süßen, schmackhaften Sahnetorte zu werden.

 

Ein heiterer, sonniger Morgen. Und überall in Udrogoth gingen die Menschen ihrer Arbeit nach.

 

Bis... ja bis plötzlich ein reitender Bote erschien und an die große Tafel auf dem Marktplatz ein Schreiben nagelte. So schnell, wie er gekommen war, verschwand er auch wieder. Zurück blieb nur eine große Staubwolke und eine Menschenansammlung, die sich vor der Tafel drängelte.

 

In fetten schwarzen Buchstaben stand da geschrieben: „Großer Minnesänger-Wettbewerb. Dem Sieger winkt ein Vertrag bei dem berühmtesten aller Minnesänger Rieter von der Hohlen. Kinder und Haustiere dürfen nicht teilnehmen. Drachen auch nicht.“ Daneben klebte ein rundes, rotes Verbotsschild, das einen durchgestrichenen Drachen zeigte.

 

Die Kunde verbreitete sich rasch in alle Winkel von Udrogoth – was nicht schwer war, so groß ist Udrogoth ja nun nicht. Und erreichte schließlich auch die Burg der barbarischen Helden. Candy, die inzwischen aufgestanden war und noch ganz verschlafen in der Küche mit Faffy schimpfte, der in der Zwischenzeit auch zwei Tischbeine angeknabbert hatte, war die erste, die davon erfuhr. Sofort hellwach eilte sie in ihr Zimmer, um sich die Haare zu machen und sich mit ihren Freundinnen zu treffen. Diese Neuigkeit verlangte nach einer ausgedehnten Beratung über die richtige Kleidung für so einen Anlass. Man konnte schließlich nie wissen, wenn man auf so einem Wettbewerb alles traf... Vor den gleichgültigen Augen ihrer Stofftiersammlung grübelte sie darüber nach, was sie anziehen sollte. Noch mit den Lockenwicklern im Haar ging sie durchs Schloss, um ihre Familie zu informieren.

 

Fang, die missgelaunt in ihrem Müsli herumstocherte – niemand wollte von ihrer Schießkunst und den erlegten Eichhörnchen hören – interessierte sich überhaupt nicht für Minnesänger. In ihrem Zimmer hingen nur Poster von berühmten Barbarenhelden wie: Kelvin, dem katastrophalen Kehlenaufschlitzer oder von Sven, dem schrecklichen Schwertschlucker.

 

An Onkel Oswidge ging die Neuigkeit ebenfalls vorüber – er konnte sie nicht hören, da er sich aus Versehen die Ohren weggezaubert hatte und sich nun nicht mehr an den Gegenzauber erinnern konnte.

 

Dave polierte gerade liebevoll die letzte Streitaxt, als Candy mit der großen Neuigkeit zu ihm kam. „Ein Minnesänger-Wettbewerb?“, rief Dave entzückt. „Das ist ja herrlich. Ich liebe Minnegesänge.“ Den neusten Hit vor sich hinträllernd tänzelte er durch die Halle. Er sah sich in Gedanken schon selbst auf der Bühne stehen, die Laute zupfen und ein berühmter Minnesäger werden. Die Romantik, die Lyrik... die todschicken Klamotten!

 

Fangs Kampfschrei, mit dem sie die Schlosshalle stürmte, ließ diesen Tagtraum wie eine Seifenblase zerplatzen.

 

Selbst Lula zuckte zusammen. „Warum machst du eigentlich bei diesem Wettbewerb nicht mit, Dave?“, fragte sie. „Ich bin überzeugt, du bist besser als der restliche Haufen Bauerntölpel in Udrogoth. Ich wäre zwar lieber das Schwert eines Barbarenkämpfers, als das eines Minnesängers, aber vielleicht wird so ein Mann aus dir. Hast du eigentlich schon einmal von den singenden Schwertern in Sidan gehört? Ein Cousin von mir...“

 

Ihr sarkastischer Tonfall – und der Rest ihrer Worte - ging völlig an Dave vorbei, in dessen Kopf eine herrliche Fantasie vom Jubel des Publikums und vor seine Füße geworfene Rosen entstand...

 

Auch in der „Festung der extremen Unreinlichkeit“ war die Neuigkeit publik geworden. Sofort beschloss der dunkle Herrscher Chuckles, das alberne Schweinchen, sich die Dummheit der Menschen zunutze zu machen und ein großer – nein, der größte überhaupt! – Minnesänger zu werden. Er würde in seinen Liedern dazu aufrufen, Chuckles zum neuen König von Udrogoth zu machen und der herrliche, hypnotische Klang seiner Stimme würde einfach unwiderstehlich sein. Alles was er noch brauchte, war ein überzeugendes Kostüm.

 

* * *

 

Endlich war der große Tag gekommen und ganz Udrogoth begab sich zum Marktplatz, in dessen Zentrum ein riesiges Zelt aufgebaut war. Auch Candy, Dave, Fang und Onkel Oswidge machten sich auf den Weg. Dave war so aufgeregt, dass er ständig an seinen Fingernägeln knabberte, bis sie weg waren. Onkel Oswidge bot ihm seine an.

 

„Drachen dürfen nicht am Wettbewerb teilnehmen“, las Candy von dem großen Schild vor, das vor dem Zelteingang aufgestellt war. „Tja, Pech für dich, Faffy.“

 

„Das Zuschauen ist sicherlich auch ganz interessant“, tröstete Dave seinen kleinen Hausdrachen, der allerdings nicht sonderlich betrübt schien. Ein kleines Rauchwölkchen stieg aus seinen Nüstern auf. In diesem Moment trat ein Mann aus dem Zelt und begann damit, unter das große Verbotsschild ein kleineres anzubringen, auf dem stand: „Drachen ist das Betreten des Zuschauerraumes generell verboten!“.

 

Dave wandte sich an den Handwerker. „Entschuldigen Sie, aber warum dürfen Drachen nicht rein?“

 

Der Mann hielt inne und blickte Dave an. „Zu gefährlich“, brummte er.

 

„Das ist mein Drache Faffy.“ Dave wies auf den kleinen Drachen, der träge in der Luft hing. „Er ist stubenrein – er macht jedenfalls meistens in sein Drachenklo – und sobald ich ihm abgewöhnt habe, an den Möbeln zu knabbern, ist er auch völlig ungefährlich. Er kann nicht mal Feuer speien, nur kleine Blitze.“

 

„Ist trotzdem verboten. Drache ist Drache.“

 

Dave gab sich damit nicht zufrieden. „Aber warum?“

 

„Bei der letzten Veranstaltung hat ein Drache teilgenommen.“ Der Mann wandte sich wieder seiner Arbeit zu. „Hat die Jury geröstet, als sie ihn für schlecht hielten. Drachen sind wirklich furchtbar unmusikalisch. Und noch nachtragender.“

 

„Aber Faffy will ja nicht singen. Er will nur zusehen.“ Oswidge versuchte vermittelnd einzugreifen.

 

„Is auch verboten.“

 

„Aber was kann schon passieren, wenn er nur zusieht?“

 

„Bei der letzten Veranstaltung saß die Familie des Drachen im Publikum.“ Der Handwerker packte seinen Hammer ein und betrachtete prüfend das Schild. Es hing ziemlich schief. „Sie brannten das Zelt nieder und richteten große Verheerungen an, weil sie die Entscheidung der Jury als ungerecht empfanden. Drachen sind ziemlich schnell beleidigt.“ Er nickte den Barbaren zu und verschwand wieder im Zelt. „Und nachtragend. Habe ich das schon erwähnt? Schrecklich nachtragend.“

 

„Aber ich kann Faffy auf keinen Fall allein hier draußen lassen“, jammerte Dave. „Er wird Angst haben und...“

 

„Ach Unsinn“, mischte sich Fang ein. „Er wird höchstens das Zelt auffressen.“

 

„Ich werde hier bleiben und auf ihn aufpassen“, erbot sich Onkel Oswidge. Er hatte auf der anderen Straßenseite eine Imbissbude entdeckt und der Duft frittierter Fische, der verlockend über den Marktplatz strich, reizte ihn mehr als Daves Auftritt. Diese neumodische Musik war nicht nach seinem Geschmack. Und die Zeit beim Essen zu verbringen gefiel ihm besser als sich die Ohren weg zu zaubern. Überhaupt war er ja nur mitgekommen, weil er die Verantwortung für die Kinder trug. Allerdings, was konnte hier schon passieren? Oswidge marschierte als zielstrebig auf den Imbiss zu, von einem selig gurrenden Faffy gefolgt, der ohnehin schon wieder Hunger hatte.

 

Dave reihte sich wie die anderen in die Schlange mit den Bewerbern ein. Fang, der das alles viel zu langweilig war, verschwand irgendwo in der Menschenmenge. Candy, die eigentlich bei ihrem nervösen Bruder zu bleiben versprochen hatte, entdeckte ihre Freundinnen und gesellte sich zu der kichernden Gruppe, die nach Berühmtheiten Ausschau hielt. Davon gab es in Udrogoth allerdings nicht gerade viele.

 

* * *

 

Endlich war auch Dave an der Reihe. Schüchtern trat er auf die Bühne und gab sein Bestes. Die Jury beriet sich murmelnd – und er kam in die nächste Runde.

 

Eine lange Reihe unbegabter Minnesänger und noch mehr furchtbar schrägen Tönen später, gab es schließlich zwei Finalisten: Dave – und den dunklen Herrscher Chuckles, das alberne Schweinchen, der sich mit einer großen, dunklen Sonnenbrille getarnt hatte.

 

Es wurde ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Das Publikum tobte und war nicht mehr auf den Sitzplätzen zu halten. Schließlich kam es zum alles entscheidenden Finale. Dave und Chuckles hatten die gleiche Punktzahl. Der nächste Song würde alles entscheiden. Dave sang sein selbstkomponiertes Lieblingslied über den Frühjahrsputz und wurde mit stürmischem Applaus belohnt – vor allem von den anwesenden Hausfrauen. Der dunkle Herrscher hielt die Zeit für gekommen, das hypnotische Chuckles-ist-euer-König-Lied auszuprobieren. Und tatsächlich, alle Leute saßen wie erstarrt auf den Bänken und lauschten dem Song.

 

Als Chuckles endete, war es sehr still, kein Applaus. „Wer ist euer König?“, rief er in die Runde.

 

Das hypnotisierte Publikum antwortete wie aus einem Munde: „Der dunkle Herrscher Chuckles, das alberne Schweinchen, ist unser König.“

 

Auch Dave, genauso hypnotisiert, stimmte mit ein.

 

Hochzufrieden nickte Chuckles. „Dann gebe ich jetzt noch ein Potpourri meiner besten Songs zum besten, bevor wir zu den Krönungsfeierlichkeiten schreiten.“ Er öffnete den Mund – aber es kam nur ein schrilles Quieken heraus. Der Zauber, den er benutzt hatte, um seiner Stimme den unwiderstehlichen Klang zu geben, hatte seine Wirkung verloren. Und genauso verlor auch der Hypnosebann seine Wirkung auf das Publikum. Es gab Buh-Rufe und faule Tomaten flogen. Fast hätte Dave auch noch was abgekriegt – und das, wo doch Tomatensaft so schwer aus der Kleidung zu kriegen war!

 

Fang drängelte sich mit einem Armvoll Tomaten in die erste Reihe vor – das war eindeutig der beste Teil des Tages...

 

* * *

 

Der Wettbewerb endete schließlich damit, dass das Zelt im Tomatensaft beinahe absoff. Der dunkle Herrscher war längst geflohen, seine zurückgelassene Sonnenbrille nahm Fang als Trophäe mit, um sie am Abend an die Tür ihres Kinderzimmers zu nageln.

 

Dave war der unbestrittene Sieger des Wettbewerbs. Doch leider war das Zelt nun hinüber und Rieter von der Hohlen, der noch an den Raten für das andere Zelt abbezahlte, pleite. So wurde es nichts mit dem Vertrag und der Karriere.

 

Trotzdem war Dave nicht traurig, als sie sich am Abend auf den Weg zurück ins heimatliche Schloss machten. Es war trotz allem ein wundervoller Tag gewesen. Er nahm die Laute und begann ein Lied zu trällern, ungeachtet des verzweifelten Stöhnens seiner Verwandtschaft, die wirklich die Nase voll hatten.                                                                                                                                       

 

Ende