Titel: Whack the Dog
Autor: Lady Charena (Juni 2010)
Fandom: Torchwood
Episode: Mitte/Ende Staffel 2
Wörter: ~ 4600
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Team, „OMC“ (ODC?)
Pairing: Jack/Ianto,
Rating: AU, pg12, slash, humor/crack!fic, oneshot
Beta: T‘Len
Archiv: ja


Summe: Iantos neuer… Freund… bringt seine Beziehung mit Jack fast ins Wanken.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Oder um mit Stephen Fry zu sprechen: Not one word of the following is true.



Jack Harkness wunderte sich.

Er fragte sich, wie es so weit gekommen war, dass er nicht nur mitten in der Nacht im Flur der Wohnung seines Liebhabers stand - ohne das Licht einzuschalten, um Ianto nicht zu wecken - sondern auch noch auf einem Bein balancierte, um seine Schuhe so geräuschlos wie möglich auszuziehen. Gut, da war vielleicht ein bisschen Schlamm an ihnen – einen Weevil zurück in die Kanalisation zu scheuchen brachte das so mit sich – und wenn er den in die Wohnung schleppte, würde Ianto ihm verbal das Fell über die Ohren ziehen und dies wiederum seine Chancen auf Sex ganz erheblich senken.

Aber wirklich, seit wann dachte er über so etwas überhaupt nach? Das war alles so… verdammt häuslich.

Inzwischen verbrachte er mehr Nächte in Iantos Wohnung, als im Hub. Wenn es Rift und Weevil erlaubten, gingen sie zusammen schlafen, standen zusammen auf, aßen und arbeiteten und lachten zusammen und…

…und seltsamerweise war es ihm immer noch nicht zu eng. Hatte er nicht das Verlangen, diese Beziehung zu beenden. Er verbrachte Stunden damit, neben Ianto zu liegen und diesen jungen Mann anzusehen, der in ihm den Wunsch nach… Dauer… nach Beständigkeit weckte. Ein Wunsch, so unmöglich, so gefährlich – und trotzdem wagte er manchmal zu träumen.

Er wusste schon jetzt, dass er dafür irgendwann – und das eher früher als später - den Preis bezahlen würde. Aber er konnte ihn noch nicht loslassen, konnte es noch nicht beenden. Er hatte es versucht. Hatte Distanz zwischen ihnen aufgebaut; hatte ihn verletzt und selbst geblutet und darauf gewartet, dass Ianto es beendete. Aber er hatte unterschätzt, wie stur der junge Waliser sein konnte. Ianto ertrug seine Launenhaftigkeit stumm, wenn er erwartete, dass er laut wurde. Wies ihn mit ein paar Worten in seine Schranken, wenn er erwartete, dass Ianto schwieg. Ließ ihm den Raum und die Freiheit, die er haben wollte und die ohne Ianto schal und leer schmeckten.

Jack schnitt eine Grimasse, als er seine Schuhe ordentlich auf eine Schmutzfangmatte stellte und seinen Mantel auf einen Bügel hing. Irgendwie hatte Ianto es geschafft, ihn zu… zähmen. Fast ohne dass er es selbst bemerkt hatte. Oh, das war so…

Weiter kam Jack nicht, als er die Tür zum Schlafzimmer leise öffnete und plötzlich etwas großes, schweres, Fellbedecktes mit der Wucht eines Projektils in ihn katapultierte.

Jack landete äußerst ungrazil rückwärts auf dem Boden, das Gewicht des Angreifers auf seiner Brust verschlug ihm für einen Moment den Atem. Noch bevor er nach seiner Webley greifen konnte, ging das Licht an und Jack fand sich Auge in Auge – oder genauer gesagt – Nase zu Schnauze – einem enormen Hund gegenüber, der es sich auf seinem Bauch und seinen Beinen bequem gemacht zu haben schien und ihn so mühelos auf den Boden pinnte, wie ein Insekt in einem Glaskasten.

Ianto erschien über ihm, und wäre nicht dieses Monster dabei gewesen, ihn zu zerdrücken, hätte er sich die Zeit genommen, das zerzauste Haar und den nackten Oberköper seines Liebhabers gebührend in Augenschein zu nehmen. Wie es stand, erlebte sogar Jacks Libido angesichts eines großen Bernhardiners, der ihm auf die Brust sabberte, einen leichten Dämpfer.

„Es tut mir leid, dass ihr euch so kennengelernt habt“, sagte Ianto und zerrte an dem Halsband des Hundes. „Das ist George.“

„Du bist sicher, dass er nur George und nicht auch Ringo, Paul und John ist? Wiegt das Vieh eine Tonne?“ Jack rieb eine Hand über seine Rippen und – angewidert – über sein feuchtes Hemd. Er wischte sich die Handfläche an seiner Hose ab.

Wunder über Wunder, das Monster ließ sich von Ianto bewegen und trottete zur Seite, während Ianto ihm die Hand hinhielt, um ihm auf die Beine zu helfen. „Sag‘ mir bitte, du hast nicht vor, ihn zu behalten“, sagte Jack, als er wieder auf eigenen Füßen stand.

„Ich habe nicht vor, ihn zu behalten.“ Ianto schlang die Arme um Jacks Taille und küsste ihn. „Er wohnt nur ein paar Wochen hier bei mir.“

„Was?“ Bevor Jack mehr sagen konnte, bohrte sich eine Hundeschnauze in seinen Magen und er sah sich gezwungen, einen Schritt von Ianto weg zu treten, so dass George zwischen sie passte. „Aua. Hey, was soll das denn?“

„Oh ja, das.“ Ianto fuhr sich durch die Haare und seine Wangen wurden rot. „Er scheint… also er scheint mich zu mögen. Und wenn er jemand mag, dann ist er leicht… eifersüchtig.“

„Moment.“ Jack hob die Hände. „Habe ich das richtig verstanden? Dieses… Ding… wohnt bei dir. Für ein paar Wochen. Und ich darf dich nicht mehr anfassen, weil er dann eifersüchtig wird?“ Er stemmte die Hände in die Hüften und bedachte Ianto mit einem Blick, der deutlich besagte, dass er das für eine sehr schlechte Idee hielt. „Ist das dein Ernst? Oder warte – der Weevil hat mich doch erwischt, ich bin tot, und das hier ist eine Version der Hölle?“

Ianto seufzte. „Du bist nicht tot. Können wir… können wir das in Ruhe besprechen? Komm‘ mit in die Küche, ich mache dir einen Kaffee und erkläre dir alles.“

Jack trat um den Hund herum, ohne den Blick von ihm zu nehmen und folgte Ianto in die Küche, die Tür hinter sich schließend. Dort angekommen, klemmte er Ianto zwischen sich und dem Küchentresen, auf dem die Kaffeemaschine stand ein und küsste ihn, während seine Hände blindlings ihren Weg unter den Bund von Iantos Pyjamahose fanden.

„Jack!“ Ianto hielt seine Handgelenke fest. „Kaffee? Die Erklärung?“

„Kann warten.“ Jack hob ihn mühelos hoch, bis Ianto auf dem Tresen saß und trat zwischen seine Beine, um ihn erneut zu küssen.

Er hatte gerade damit begonnen, Iantos Pyjamahose über dessen schmale Hüften zu schieben und Iantos Hände waren damit beschäftigt, Jacks Gürtel zu öffnen, als ein irritierendes Geräusch in den Vordergrund seines Bewusstseins trat.

Scharren und Winseln von der anderen Seite der Küchentür.

Jack beschloss es zu ignorieren.

Das Scharren und Winseln wurde lauter – und dann von lautem Bellen begleitet.

Ianto stieß ihn von sich, sprang vom Tresen, zerrte seine Hose hoch und lief, um die Tür zu öffnen.

George stolzierte in den Raum und ließ sich genau zwischen ihnen auf dem Boden nieder. Er starrte zu Jack hoch, der das ganze ungläubig verfolgt hatte.

Ianto zuckte mit den Schultern. „Ich konnte ihn doch nicht das ganze Haus aufwecken lassen, oder?“

Jack wandte sich wortlos ab und ließ sich in einen der Stühle am Küchentisch fallen, die Arme vor der Brust verschränkt, die Beine von sich gestreckt, die Miene düster.

Er sah erst auf, als Ianto ihm eine Tasse vor die Nase hielt.

„Es tut mir leid. Inez hat gesagt, dass George geschlossene Türen nicht leiden kann, ich hätte daran denken sollen.“

Jack akzeptierte die Tasse, wenn auch nicht die Entschuldigung – noch nicht – und angelte mit dem Fuß nach dem zweiten Stuhl, um ihn näher her zu ziehen. Dann bedeutet er Ianto, Platz zu nehmen. „Warum fängst du nicht von vorne an?“, schlug er vor. „Wer ist Inez? Und wie kommt sie dazu, dieses Monster bei dir abzuladen?“

George gab etwas von sich, dass unzweifelhaft wie ein Knurren klang und Jack warf ihm einen eisigen Blick zu. George starrte unbeeindruckt zurück.

„Inez und ich sind in die gleiche Schule gegangen. Wir wohnten nebeneinander. Sie… sie hat noch Kontakt zu meiner Schwester und sie weiß von ihr, dass ich hier in Cardiff wohne. Sie muss beruflich für ein paar Wochen nach Liverpool und offenbar hat sie sonst niemand, der auf George aufpassen kann. Mitnehmen darf sie ihn nicht.“

„Sie könnte ihn bei deiner Schwester lassen, wenn die beiden so gute Freunde sind.“

„Jack, Rihannon hat zwei kleine Kinder. Und das ist ein großer Hund. Sie hätten vermutlich Angst vor ihm.“

Jack murmelte etwas, das wie: „zu recht“, klang.

„Rhi hat ihr erzählt, dass ich in einem Tourismusbüro arbeite, und alleine lebe und Inez stand einfach mit ihm vor meiner Tür, als ich nach Hause kam. Was hätte ich tun sollen?“

„Du hättest nein sagen können.“ Jack stellte seine leere Tasse ab. „Du hast dir von einer praktisch Wildfremden einen Hund anhängen lassen. Was ist, wenn sie nicht mehr zurückkommt? Vielleicht hat sie nur nach jemand gesucht, der ihr dieses Ungetüm endlich abnimmt.“

„Nein.“ Ianto wirkte nur eine Sekunde lang so, als hätte er Zweifel. „Sie ist völlig verrückt nach George. Sie hat geweint, als sie sich von ihm verabschiedete, als wäre er ein Kind. Inez kommt bestimmt zurück.“

„Ich hoffe, du hast recht. Du weißt ich liebe deinen Kaffee – aber ich lasse mir von niemand, schon gar nicht von einem Hund, vorschreiben wie ich mich zu benehmen habe.“ Jack umschloss sein Handgelenk und zog leicht daran. Ianto folgte dem und stand auf, nur um sich in Jacks Schoß wieder zu finden. „Und wie wäre es jetzt mit einer ordentlichen Entschuldigung?“

George hob interessiert den Kopf – und ließ ihn mit einem fast menschlich klingenden Seufzer zurück auf den Boden fallen, so als langweile ihn das Ganze, als sich die beiden Männer küssten.

„Bett?“, fragte Ianto ein wenig außer Atem.

Jack schüttelte den Kopf. „Zu weit. Küchentisch.“

„Nein.“ Ianto machte Anstalten, auf zu stehen, doch Jack schlang die Arme um seine Hüften und zog ihn zurück. „Nicht vor dem Hund, Jack.“

„Genau. Es ist ein Hund.“ Jack nippte an der Stelle, an der Iantos Hals in die Schulter überging. „Myfanwys Anwesenheit stört dich doch auch nicht, wenn wir im Hub…“

„Nein, Jack. Kein Sex vor George! Ich meine das ernst.“

„Uh, ich mag es, wenn du kinky Sachen sagst.“ Jack grinste und sah zu Ianto auf. „Was ist? Hast du Angst, wir könnten ihm etwas Neues beibringen?“, scherzte er.

„Aber er starrt uns die ganze Zeit so an“, sagte Ianto. Er presste sein Gesicht gegen Jacks Hals. „Und sag‘ jetzt nicht, ich solle einfach die Augen zulassen.“

„Okay. Bett.“ Jack hakte die Arme unter Iantos Oberschenkel und hob ihn mit sich hoch, als er aufstand. Er manövrierte sie um George herum, der eine Art Niesen von sich gab und dann gähnte.

Ianto schlang die Beine um Jacks Hüften, und hielt sich an ihm fest. „Das war einfach“, sagte er misstrauisch, und griff um Jack herum nach der Türklinke, um die Küchentür weiter zu öffnen.

„Ich will mit dir zusammen sein. Das ‚wo‘ ist zweitrangig.“ Jack kickte die Küchentür hinter sich zu, bevor George ihnen folgen konnte. „Und wenn du jetzt diesen hübschen Mund zu etwas anderem einsetzt, als nur zu reden, könnte ich fast vergessen, dass ich mitten in der Nacht von deinem neuen Mitbewohner angefallen wurde.“

Die Hände um Jacks Gesicht gelegt, tat Ianto genau das.


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Einige Tage vergingen, und der Rift wurde zunehmend unruhiger. Owen war nach wie vor nur im eingeschränkten Dienst. Und Gwen war mit den Vorbereitungen ihrer Hochzeit beschäftigt. Somit verbrachte Ianto mehr Zeit mit Feldarbeit als er es seit Jacks Abwesenheit mit dem Doctor getan hatte.

Nachdem George sich, alleingelassen und gelangweilt in Iantos Wohnung, an den Möbeln und an mehr als einem Paar von Iantos Schuhen ausgetobt hatte, begann Ianto ihn mit in den Hub zu nehmen. Zuerst versuchte er, ihn im Tourismusbüro zu lassen, doch nicht jeder Tourist, der nach Informationen suchte, nahm die Anwesenheit eines großen Hundes gelassen hin.

Schließlich musste er das Büro ohnehin schließen, da er zu oft unterwegs war, um es die Stunden offen zu haben, die ein glaubwürdiges Cover boten.

Tosh und Gwen schlossen den Bernhardiner sofort ins Herz und auch sie hatten schnell Georges Gunst gewonnen. Um Owen machte er, nachdem er ihn zum ersten Mal beschnüffelt hatte, einen großen Bogen, was der Arzt nur begrüßte. Und Jack… nun, das war eine völlig andere Geschichte. Es war zunächst wirklich amüsant. Wann immer Jack eine Geste der Zärtlichkeit in Iantos Richtung machte, schien George wie aus dem Nichts aufzutauchen. Er war wie ein lästiger Ex, der nicht einsehen wollte, dass es aus war. Sie hatten anfangs ihren Spaß daran, auszutesten was welche Reaktion bei dem Hund hervorrief – eine Berührung, ein Kuss, eine Umarmung.

Doch nach ein paar Tagen, mehreren unterbrochenen Versuchen Sex zu haben – denn Ianto hatte seine Skrupel noch immer nicht verloren – und der Zerstörung von Jacks Lieblingsschuhen (woran Jack den Unterschied feststellte, war Ianto ein Rätsel, für ihn sahen sie alle gleich aus) als sie George aussperrten - glich Jacks Laune der eines frisch gefangenen Weevils.

Und dann kam eine Nacht, in der wirklich alles schief ging, was danebengehen konnte.


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Jack hatte das Bett – und einen beneidenswert tief schlafenden Ianto – nur widerwillig verlassen, um einem Riftalarm nachzugehen. Er sammelte missmutig einige Metallteile ein, die keine irgendwie geartete gefährliche Strahlung abgaben – außer der, die nach einer Reise durch die Atmosphäre der Erde zu erwarten war – und ließ sie im SUV, Tosh konnte sich am nächsten Tag daran austoben. Die beiden Polizisten, die die Trümmer gemeldet hatten, ließen sich mit seiner Erklärung, dass es sich wohl um illegale Müllentsorgung handle, abspeisen – und er konnte ihnen ihre Bereitwilligkeit, vom Fundort zu verschwinden und ihm das Aufsammeln zu überlassen, kaum verdenken. Es regnete in Strömen.

Innerhalb weniger Minuten war sein Mantel so mit Wasser vollgesogen, dass Jack sich in seinen Bewegungen eher gehindert sah. Und da er eh schon nass war, zog er ihn aus und deponierte ihn in einer Plastiktüte auf dem Rücksitz.

Er fand kein entsprechendes Wort in der menschlichen Sprache, um seine Laune zu beschreiben, als er endlich den Kofferraum schloss und sich mit dem Ärmel vergeblich zumindest ein wenig Regenwasser aus dem Gesicht und den Augen zu wischen versuchte. Glücklicherweise hatte er im Lauf seines Lebens noch ein paar andere aufgeschnappt. Und was über Jacks Lippen kam, als er in einer Pfütze fast ausrutschte und nur das Gleichgewicht bewahren konnte – sollte man das so nennen wollen – indem er sich gegen die Fahrertür des SUVs warf, hätte sogar John die Röte in die Wangen getrieben.

Er schüttelte seinen Fuß und sein Hosenbein frei von Schlamm, in den er bis zum Knöchel gesunken war und stieg in den Wagen. Die Aussicht auf eine heiße Dusche und Ianto, der in einem warmen Bett auf ihn warteten, waren genau der Antrieb, den er brauchte, um auf dem kürzesten Weg nach Hause zu fahren.

Nach annähernd zehn Tagen des unfreiwilligen Kohabitats mit George wusste Jack es besser, als einfach die Tür zu öffnen.

Diese Erkenntnis verdankte er Georges Angewohnheit, nachts gerne in der Nähe der Tür schlafen und einer als Resultat davon zwischen Wand und Tür eingeklemmten Pfote. Ianto, besorgt darüber wie Inez eine Verletzung ihres Lieblings erklären sollte, presste Jack die Tüte mit ihrem Abendessen in die Arme und eilte mit einem – wie Jack fand über-dramatisch - humpelnden George auf der Suche nach einem Tierarzt aus der Wohnung. Als Ex-Conman erkannte der Captain natürlich einen Schwindel, wenn er einen sah. George humpelte mit der falschen Pfote.

Prompt revanchierte sich Jack für den ruinierten Abend damit, dass er seine Hälfte des Essens im Bett verzehrte (und den Kissenbezug, auf den er Soße tropfte, ganz unten im Wäschekorb versteckte). Ianto bemerkte in seiner Erleichterung, dass dem Hund nichts passiert war, erst am nächsten Morgen, dass sein Kissen einen anderen Überzug hatte und das obwohl Jack geschworen hätte, dass sie völlig identisch aussahen.

Doch dieses Mal war der Flur George-frei und Jack begann sich an Ort und Stelle aus seinen tropfnassen Klamotten zu schälen. Er war sich sicher, Ianto würde es noch weniger gefallen, wenn er eine Schmutz- und Regenwasserspur auf dem Weg ins angeschlossene Bad auch noch durchs Schlafzimmer zog.

Den Kopf schüttelnd, um wenigstens etwas des von dort kalt über seinen Rücken rinnenden Wassers aus den Haaren zu bekommen, öffnete er leise die Schlafzimmertür.

Der Lichtschein, der vom Flur in den Raum fiel, war genug, um ihn sehen zu lassen, dass Ianto ihn wohl trotz aller Vorsicht gehört hatte. Sein junger Liebhaber saß aufrecht im Bett und rieb sich blinzelnd übers Gesicht, offensichtlich kaum mehr als halb wach, während er eine Lampe neben dem Bett anknipste.

„Jack?“

Aber anstatt auf seinen Lover war Jacks Aufmerksamkeit auf George gerichtet.

George, der es sich auf der freien Hälfte des Bettes bequem gemacht hatte.

George, der einen Platz belagerte, den Jack ohne jeden Zweifel als den seinigen – und zwar ausschließlich seinen – in Anspruch zu nehmen begonnen hatte.

George, dessen Hintern auf dem Kissen ruhte, das bis zu dem Alarm Jacks gewesen war und der die Nase unter die Decke steckte, die Ianto ohne aufzuwachen um sich gewickelt hatte, als Jack ihn widerwillig los- und das Bett verließ.

„Jack, was ist...?“ Offenbar hatte sein Gesichtsausdruck mehr verraten, als ihm bewusst war, denn Ianto folgte seinem Blick. „Oh.“ Er seufzte. „Ich schätze, ihn haben die warmen Laken angelockt, als du gegangen bist.“ Sein Blick kehrte zu Jack zurück, musterte ihn, inzwischen daran gewöhnt, Jack nackt ins Schlafzimmer spazieren zu sehen. „Bist du nass geworden?“, fragte er, nun definitiv wach, als er Jacks in die Stirn geklatschtes Haar sah. „Geh’ duschen, ich überzieh’ das Bett frisch.“

„Ianto?“, sagte Jack, seine Stimme gefährlich ruhig. „Schaff’ ihn hier raus. Auf der Stelle.“

„Es ist nur ein Hund, Jack“, erwiderte Ianto, die Stirn gerunzelt. „Ich bin sicher, er kann die Laken in keinem sehr viel schlimmeren Zustand hinterlassen, als du.“ Seine Worte waren dazu gedacht, die Stimmung aufzuhellen, doch leider schienen sie eher den gegenteiligen Effekt zu erzielen.

Jack Miene verdüsterte sich noch weiter. „Schmeiß ihn raus.“

„Das kann ich nicht machen, Jack.“ Ianto stand auf und trat auf Jack zu, die Hände besänftigend gehoben. „Ich habe Inez versprochen, auf ihn aufzupassen.“ Er schlang die Arme um Jacks Taille und sein Schaudern, als er mit der kalten Haut seines Lovers in Berührung kam, war deutlich spürbar. „Komm’ schon, Jack. Es ist zu früh, um zu streiten und du fühlst dich wie ein Eisklotz an. Du gehst unter die Dusche und wärmst dich auf, während ich George in die Küche bringe und die Bettwäsche wechsle. Und in Zukunft wird er sich eben daran gewöhnen müssen, dass die Schlafzimmertür geschlossen bleibt“, machte er einen Vorschlag zur Güte.

Für einen Moment schien es, als wäre Jack besänftigt, doch genau diesen Augenblick wählte George, um ein scharfes Kläffen von sich zu geben, als wisse er genau, wovon die Rede sei. Und als die beiden Männer zum Bett sahen, wälzte sich der große Bernhardiner genüsslich auf den Rücken.

„Vergiss’ es, ich will dieses Vieh hier nicht mehr sehen. Ich werfe ihn raus.“

Ianto hielt ihn zurück. „Das ist meine Wohnung.“ Es war definitiv keine gute Idee gewesen, das jetzt zu erwähnen.

„Soll das heißen, du hast lieber ihn hier, als mich?“, fragte Jack ungläubig.

„So war das nicht gemeint! Natürlich nicht – natürlich will ich nicht ihn lieber hier haben.“ Ianto versuchte, Jack zum Bad zu bugsieren. Er hatte wirklich zu wenig geschlafen, um sich jetzt mit so was herum zu schlagen.

„Dann schmeiß du ihn raus.“ Jack blieb stur stehen, als wäre er angewachsen. „Er macht das alles nur, um mich zu ärgern. Er hasst mich.“

Ianto seufzte und presste die Stirn gegen Jacks, den echogleichen Seufzer Georges ignorierend. „Jack, bitte. Ich will nicht mit dir streiten.“ Er strich mit den Fingern Jacks Wirbelsäule entlang und lächelte, als der andere Mann sich unwillkürlich enger an ihn lehnte. „Ich mache es wieder gut“, flüsterte er in Jacks Ohr. Es gab einen sicheren Weg, Jacks Laune zu verbessern – und außerdem war er ja schon wach.

„Oh, wirklich?“, fragte Jack mit falscher Skepsis. „Darauf bin ich schon sehr gespannt, Mr. Jones.“

„Ich könnte mit unter die Dusche kommen? Dir den Rücken waschen. Und was immer du sonst noch willst.“ Iantos Hände auf Jacks Gesäß unterstrichen seine Worte.

„Mir gefällt, wie du denkst.“ Jack grinste, bevor er Ianto küsste und ihn in Richtung Bad zog.

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Nun, er war definitiv wärmer, dachte Jack, als er einige Zeit später ins Schlafzimmer zurückkam. Doch die entspannte Haltung, die er Iantos talentiertem Mund und seinen begabten Händen zu verdanken hatte, verschwand abrupt als er George entdeckte, der nach wie vor das Bett nicht geräumt hatte.

Entschlossen die Belagerung selbst zu beenden, trat Jack zum Bett und griff nach George Halsband. Um einen Schritt zurück zu machen, als der Bernhardiner ihn anknurrte und die Lefzen hochzog, um seine Zähne zu zeigen.

Damit war für Jack endgültig die Grenze dessen erreicht, was er zu ertragen gewillt war. „Ianto!“

Sein Liebhaber eilte aus dem Bad, noch damit beschäftigt, sein Haar trocken zu reiben. „Was ist passiert...?“, begann er, als er beinahe gleichzeitig Jacks Miene und den knurrenden Hund bemerkte.

„Du entscheidest jetzt auf der Stelle, wen du in deinem Bett haben willst. Ihn oder mich“, sagte Jack eisig.

Ianto seufzte und ließ das Handtuch sinken. „Findest du nicht, dass...“ Er verkniff sich gerade noch, zu sagen, dass Jack sich albern benahm. Es war doch nur ein Hund. „Du benimmst dich ja, als wärst du auf George eifersüchtig“, formulierte er unsicher um. „Hast du nicht gesagt, du kennst keine Eifersucht?“

„Das ist keine Eifersucht. Das ist pure Selbsterhaltung. Er sieht mich an, als wäre ich sein nächstes Abendessen.“

„Es stört dich nie, wenn ich dich so ansehe…“ Sein Scherz fiel flach und Jack zuckte mit keiner Wimper. „Jack, es ist nur ein Hund. Findest du nicht, du benimmst dich ein wenig... kindisch? Es ist ja nicht, als würdest du dir große Mühe geben, sein Vertrauen zu gewinnen. Es ist vielleicht kein Wunder, dass er dich nicht mag, wenn du immer nur...“ Ianto schloss hastig den Mund, als ihm aufging, dass er da gerade möglicherweise einen sehr großen Fehler beging.

Jacks Reaktion ließ keinen Zweifel daran, dass er genau das tat. Wortlos ging Jack an ihm vorbei, griff sich trockene Kleidung aus der Hälfte des Schrankes, den Ianto für seine Sachen frei geräumt hatte und ging ebenso ohne ein Wort aus dem Raum. Augenblicke später hörte Ianto die Wohnungstür ins Schloss fallen.

Er seufzte erneut und sah George anklagend an, der unschuldig mit dem Schwanz klopfte. „Was soll ich nur mit dir machen?“, fragte er den Hund.

Selbstverständlich hüllte sich George in Schweigen. Stattdessen kletterte er aus dem Bett, und kam zu Ianto, um sich neben ihn zu setzen, und erwartungsvoll zu ihm aufzusehen. Als Ianto nicht reagierte, stieß er mit dem Kopf dessen Hand an.

Ianto trat einen Schritt zurück. „Böser Hund!“, sagte er streng. „Ich will dich nicht mehr sehen.“ Er zog sich an und verbrachte die Nacht auf der Couch im Wohnzimmer.

George gesellte sich nach einer Weile zu ihm, kletterte neben ihm auf die Couch und legte mit einem schweren Seufzen den Kopf auf Iantos Knie.

In Gedanken bei Jack, von dem Ianto hoffte, dass er nur in den Hub gefahren war, bis sein Ärger verflog, streichelte er den Hund abwesend.

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Jack verschränkte die Arme im Nacken, als er zur Decke des Bunkers hoch starrte. Eine verräterische Stimme in seinem Kopf sagte ihm, dass er sich wie ein eifersüchtiger Idiot benommen hatte. Aber etwas an diesem Hund... Er war fast versucht, Owen anzuweisen, ihn zu untersuchen, ob es wirklich nur ein Hund war.

Er vermisste Ianto an seiner Seite.


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Wie üblich war Ianto am nächsten Morgen der Erste aus dem Team, der im Hub ankam (er hatte nach Jacks Verschwinden ohnehin keine Minute mehr geschlafen) und nach kurzem Zögern ließ er George mit einem zweiten Frühstück und einem neuen Spielzeug – einem Gummihuhn, das ein markerschütterndes Quietschen von sich gab, wenn man es drückte – im geschlossenen Büro der Touristeninformation zurück, bevor er mit dem Lift nach unten fuhr.

In Jacks Büro brannte Licht – was nichts hieß, es brannte immer – aber er selbst war nicht in Sicht.

Also ging Ianto schnurstracks in die Kaffeenische und begann, Kaffee für Jack und sich selbst zu machen, während er Schokoladencroissants, Donuts und noch warmes, mit Äpfeln und Rosinen gefülltes Blätterteiggebäck, das er auf dem Weg zur Arbeit gekauft hatte, auf einem Teller arrangierte. Danach stellte er alles auf ein Tablett und machte sich mit seinem Friedensangebot auf in Jacks Büro.

Erwartungsgemäß war es das Aroma des frischen Kaffees, das Jack aus seinem Bunker lockte. Er war vollständig angekleidet, aber sein Haar lockte sich feucht im Nacken und seine Hosenträger schwangen frei an seinen Seiten, als Jack die Leiter hochkletterte und sich hinter seinen Schreibtisch setzte.

Ianto schob ihm wortlos den Teller zu, und setzte sich ihm mit seinem eigenen Frühstück gegenüber.

Sie aßen schweigend – was an den meisten anderen Tagen nicht weiter ungewöhnlich gewesen wäre – und Ianto ging, um ihre Tassen frisch zu füllen.

Als er zurückkam, nahm ihm Jack beide Tassen ab, stellte sie auf den Schreibtisch und zog ihn in seinen Schoß, um ihn zu küssen. Ianto schloss beide Hände um Jacks Gesicht und leckte einen Schokoladenfleck von seinem Mundwinkel - und ein paar Momente später fielen sie in ihrer Hast, nach unten zu kommen, fast die Leiter hinunter.

Alle Unstimmigkeiten beseitigt – oder zumindest vorübergehend beigelegt – war Jack geraume Zeit später eher daran interessiert, seine Finger unter dem Tisch an der Innenseite von Iantos Bein entlang wandern zu lassen, als an der Standpauke, die ihnen eine entrüstete Toshiko hielt, nachdem sie George alleine und verzweifelt an der Wandverkleidung kratzend, hinter der sich der Eingang zum Hub befand, vorgefunden hatte.

Sie lächelte vielsagend, als sie Ianto fragte, was er sich dabei gedacht habe und ihr Blick lenkte seine Aufmerksamkeit darauf, dass er sein Hemd falsch zugeknöpft hatte. Er war in Eile gewesen, nachdem der Alarm der Sirenen über dem Rolltor sie über die Ankunft der anderen informiert hatte – und Jack darauf bestand, ihm (wenig hilfreich) beim Ankleiden zu helfen...

Aber Ianto war klar, dass sie das Problem damit nicht gelöst hatten. Und es gab nur eine vernünftige Lösung.

Nach einem kurzen Abstecher in die Toilette, um seine Kleidung in Ordnung zu bringen, zog er schließlich mit einem Seufzen sein Handy aus der Tasche seines Jacketts und wählte.


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Jack stellte sich neben ihn und sie sahen gemeinsam nach unten in den Hauptraum des Hubs, wo Owen kopfschüttelnd beobachtete, wie Tosh und Gwen einen die Zuwendung sichtlich genießenden George mit Streicheleinheiten überschütteten.

Ianto ließ seine Schulter gegen Jacks streifen und wandte den Kopf, um ihn anzusehen. „Ich habe gerade mit Inez telefoniert“, sagte er leise.

„Und?“, fragte Jack, die Stimme neutral, erwiderte jedoch den Druck von Iantos Arm gegen seinen.

„Ich habe ihr gesagt, dass ich George nicht länger behalten kann, weil ich beruflich verreisen muss. Sie hat mit ihren Eltern gesprochen, sie kommen ihn heute Nachmittag bei mir abholen.“ Das Lächeln, das Jacks Miene aufhellte, beschwichtigte Iantos schlechtes Gewissen darüber, sein Versprechen gegenüber Inez gebrochen zu haben, erheblich.

Jack beugte sich vor und küsste ihn. „Wie ich heute Nacht reagiert habe...“, sagte er. „Vielleicht hast du recht.“

Ianto sah ihn fragend an.

Der Captain schnitt eine Grimasse. „Vielleicht kann ich doch ein kleines bisschen eifers...“ Er kam nicht dazu, den Satz zu beenden, als George ein lautes Kläffen von sich gab.

Jack sah düster nach unten, doch Ianto schloss die Finger um sein Kinn und drehte sein Gesicht zu sich zurück. „Entschuldigung akzeptiert“, sagte er. „Meine Reaktion war auch nicht gerade brillant. Können wir uns darauf einigen, dass wir uns beide wie Idioten benommen haben und das ganze vergessen?“

„Unter einer Bedingung“, entgegnete Jack. „Keine weiteren Haustiere.“

„Keine weiteren Haustiere“, bestätigte Ianto mit einem Lächeln und beugte sich vor, um Jack zu küssen.

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Owen folgte Georges Blick nach oben und verzog das Gesicht, als er sah, womit Jack und Ianto beschäftigt waren.

„Ich kann verstehen, wie du dich fühlst“, sagte er sarkastisch zu dem Hund. „Ich verstehe dich voll und ganz, Kumpel.“


Ende