It‘s all over but the crying...
(begonnen Mai 2012, weitergeschrieben Juni 2017)

Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Toshiko Sato, Owen Harper, Suzie Costello
Pairing: [Ianto/Lisa]
Rating: A/U, pre-series, pg12, Canon-Charaktertod
Worte: 1420

Summe: Wie geht es mit Ianto weiter, nachdem er aufgeflogen ist und Lisa tot? Ein kurzes Kapitel, um die offenen Punkte aus dem letzten zu klären. (Fortsetzung zu: „Undercover Jones“, „Like Rats in his Stomach“, „Wer ist Ianto Jones?“ Part 1 bis 6 und „Der Anfang vom Ende“ Teil 1+2)

Anmerkung: Brigadier Lethbridge-Stewart (erwähnt in dieser Story) ist ein Canon-Charakter aus dem Dr. Who-Verse.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.





It's all over but the crying
Fade to black I'm sick of trying
Took too much and now I'm done
It's all over but the crying

Garbage
„It's all over but the crying“




Jack hatte sich an einem Imbissstand einen Kaffee geholt und nippte jetzt an dem heißen, aber eigentlich ungenießbaren Gesöff.
Er vermisste bereits Iantos Kaffee.

Seufzend leerte er den letzten Rest auf den Grünstreifen, auf dem der Imbiss parkte und warf den Becher in einen beinahe überquellenden Mülleimer. Ging zurück zu seinem Wagen und stieg ein. Aber er fuhr nicht los. Stattdessen legte er die Hände locker auf das Lenkrad.

Der Brigadier übernahm das Aufräumen persönlich und hatte ihn höflich, aber unmissverständlich aus der Einrichtung komplimentiert. Jack protestierte halbherzig, doch wenn er ganz ehrlich war, dann verursachte ihm dieser Ort inzwischen Übelkeit und er war erleichtert, ihn verlassen zu können.

Auf dem Beifahrersitz stand ein kleiner Karton mit persönlichen Dingen aus Iantos Besitz, die er nicht nach Cardiff mitnehmen durfte. Außerdem ein Speicherstick mit allen Daten über ihn. Inklusive der Informationen, die Ianto an Patanjali weitergegeben hatte und den Aufzeichnungen, die sie über ihn geführt hatten, während UNIT ihn einsperrte. Vielleicht würden sie ihm helfen, das Rätsel Ianto Jones endgültig zu lösen, doch die Frage war: Wozu?

Er konnte Ianto Jones nicht einfach mit einem Klaps auf die Finger bestrafen und ihn ohne Abendessen ins Bett schicken.

Genauso wenig sah er, dass Ianto Jones weiterhin für Torchwood arbeiten konnte. Oder sollte.

Retcon? Sie würden Jahre aus dem Gedächtnis des jungen Walisers entfernen müssen, jede Erinnerung an Torchwood und ihn mit einer glaubwürdigen Alternativgeschichte versorgen. Nur so konnten sie dafür sorgen, dass der Gedächtnisverlust auf Dauer Bestand hatte.

Als jemand, der persönliche Erfahrungen auf diesem Gebiet hatte, war Jack mehr als widerwillig, so weit zu gehen. Ianto würde nicht nur die Erinnerung an Torchwood verlieren, sondern auch an alles andere, was er in dieser Zeit erlebt hatte. An Menschen, die er getroffen hatte. An die Frau, die er liebte…

Vielleicht könnte man es angesichts ihres Todes und der Umstände wie es dazu kam, als barmherzigen Akt auslegen, ihn vergessen zu lassen, aber das war eine zu einfache Antwort.

Die blanke Wahrheit sah so aus, dass Jack keine Ahnung hatte, was er jetzt mit Ianto Jones anfangen sollte.


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Owen warf einen letzten Blick auf seinen schlafenden Patienten, dann streifte er die Latexhandschuhe ab und warf sie in den Müll. Gähnend stieg er die Treppe hoch in den Hauptraum des Hubs.

Suzie sah von ihrer Arbeit auf. Sie war erst seit einer halben Stunde hier und noch dabei, sich von ihren Kollegen über die Ereignisse der vergangenen Nacht informieren zu lassen.   Suzie war Ianto gegenüber eher gleichgültig eingestellt gewesen. Er hatte sich als erfreulich wenig störend erwiesen, keineswegs so eingebildet, wie sie es von anderen aus London kannte. Allerdings hatte sie sich nicht sonderlich viel mit ihm beschäftigt, ihre Arbeit war ihr weitaus wichtiger als irgendwelche neuen Freundschaften zu schließen.

„Jones lebt“, verkündete Owen knapp, als Tosh zu ihnen trat, einen Teebeutel in einen großen Warmhaltebecher tunkend. „Und ich sehe keinen Grund, warum das nicht so bleiben sollte. Zumindest bis Jack wieder da ist.“

„Jack hat vor ein paar Minuten angerufen, er ist auf dem Rückweg.“ Suzie schüttelte den Kopf. „Offenbar ist irgendetwas in London schief gelaufen. Er will, dass ich da hin fahre und mich darum kümmere, dass wir alles bekommen, was mit dem Cyberman zu tun hat, einschließlich...“ Sie legte eine bedeutungsschwere Pause ein. „...der Leiche. Keine Ahnung, was Jack sich dabei gedacht hat. Alles andere, auch die Dinge, die UNIT aus den Ruinen von Canary Wharf entfernt hat, geht nach Glasgow. Archie kommt persönlich nach London. Es muss also wichtig sein.“

„Ich verstehe wirklich nicht, was das ganze bezwecken sollte“, fragte Tosh bedrückt, gedankenverloren die Schnur des Teebeutels um ihren kleinen Finger wickelnd. „Warum haben sie versucht, diese arme Frau am Leben zu erhalten? Es gab doch keine Chance, ihr zu helfen.“

„Die Technologie ist faszinierend, das musst du zugeben. Ich hoffe, Jack lässt mich dieses Mal einen genaueren Blick darauf werfen.“ Suzie war mit Jack nach London gefahren, hatte beim Organisieren der Aufräumarbeiten geholfen, aber er hatte ihr nicht erlaubt, sich näher mit den Überresten der Cybertechnologie zu befassen.

„Ich habe lieber nichts damit zu tun, die ganze Sache verursacht mir Gänsehaut.“ Tosh wandte sich Owen zu. „Du hast uns noch nichts dazu gesagt, was mit Ianto ist. Warum hat er aus dem Ohr geblutet?“

„Ich wollte warten, bis der Boss-Mann da ist, damit ich mich nicht wiederholen muss.“ Mit einem erneuten Gähnen lehnte sich Owen gegen Suzies Schreibtisch. „Ja, schon gut“, fuhr er fort, als beide Frauen ihm einen giftigen Blick zu warfen. „Ich kann es nicht genau sagen, ohne seinen Kopf aufzuschneiden und nach zu sehen, aber es befindet sich ein Implantat in seinem Gehirn. Ich weiß nicht, warum es mir bei den früheren Untersuchungen nicht aufgefallen ist, vielleicht war es da irgendwie inaktiv.“

„UNIT?“, fragte Suzie, die Stirn gerunzelte. „Ich hätte nicht gedacht, dass sie zu so etwas schon fähig sind. Klar, da waren die Berichte über die Mikrochips, um Menschen mit Hirnschäden zum Beispiel wieder zum Laufen zu helfen. Aber davon sind wir doch noch weit entfernt.“

„Ich denke, es kommt von den Cybermen.“ Owen zuckte mit den Schultern. „Das ist die viel logischere Erklärung. Ich habe ihn von Kopf bis Fuß untersucht, ein solcher Eingriff hätte Spuren hinterlassen. Jones hat sie gefunden, er hat das Lebenserhaltungssystem zusammengebastelt, dass sie so lange am Leben erhielt, bis UNIT sie gefunden hat. Wie hätte er das schaffen können, ohne Hilfe, ohne Wissen über die Technologie? Von den paar Überlebenden wissen wir, dass die Cybermen Versuche an den Leuten in London vorgenommen haben, als noch alle mit den vermeintlichen Geistern beschäftigt waren. Ich nehme an, Jones war einer davon. Die Implantate hätten voll Kontrolle über sie bedeutet, selbst bevor sie in einen dieser Blechkästen verpflanzt worden wären.“

„Wieso hat UNIT nichts davon bemerkt?“, warf Suzie ein. „Sie hatten ihn Monatelang unter ihrem Daumen.“

„Hey, ich konnte es nicht feststellen und ich bin überzeugt, ich habe die besseren Spielsachen.“ Owen klang fast beleidigt. „Vermutlich braucht man einen Cyberman, um das Implantat zu aktivieren und der einzige, den sie hatten, war defekt.“

„Du hast gerade gesagt, dass Jones darüber kontrolliert wurde“, hakte Suzie nach.

Oi! Ich bin auch kein Hellseher.“ Owen richtete sich auf. „Vielleicht hat sie sich später selbst irgendwie abgeschaltet, ein Verteidigungsmechanismus gegen die Untersuchungen der Wissenschaftler. Und nachdem ich ziemlich sicher bin, dass das Ding eine Art Selbstzerstörung durchgeführt hat, werden wir das vermutlich auch nie klären. Nur damit das klar ist – ich gehe jetzt nach Hause, dusche und lege mich ein paar Stunden aufs Ohr. Bevor Jones aufwacht, können wir eh nichts tun.“

„Selbstzerstörung?“, fragte Tosh. „Aber es war doch in Iantos Kopf. Bedeutet das, sein Gehirn ist… verletzt?“

Der Arzt zuckte mit den Achseln. „Auch das werden wir erst sehen, wenn er aufwacht.“ Er rieb sich übers Kinn. „Wenn Jack hier auftaucht, soll er mich nicht stören. Alles was er wissen muss, steht in dem Bericht, den ich ihm auf den Tisch gelegt hab. Seh‘ euch später, Ladies.“ Damit wandte er sich zum Gehen.

Tosh nippte an ihrem Tee. „Er tut mir leid.“

„Owen?“ Suzies Blick war zu ihrem Bildschirm zurückgewandert. „Er schlägt sich mehr Nächte grundlos um die Ohren.“

Ianto.“ Tosh schauderte. „Stell dir vor, so als Versuchskaninchen missbraucht zu werden.“

„Ich weiß nicht“, murmelte Suzie. „Es wäre vielleicht unter gewissen Umständen eine faszinierende Erfahrung, mal etwas von der Technologie, die der Rift bei uns ablädt, selbst auszuprobieren.“

„Ist das dein Ernst? Ich finde das eine entsetzliche Vorstellung.“ Tosh kehrte an ihren Schreibtisch zurück.

Suzie lächelte gedankenverloren und vertiefte sich in eine technische Zeichnung, an der sie seit einiger Zeit arbeitete.


Ende (tbc)