Titel: Early Light
Autor: Lady Charena (Mai 2010)
Fandom: Torchwood
Episode: Staffel 1
Wörter: ~ 1650
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Toshiko Sato
Pairing: Jack/Ianto
Rating: A/U, pg12, slash, oneshot
Beta: T‘Len
Archiv: ja


Summe: Hier, in einem Hotelzimmer mitten in London, im hellen Licht eines neuen Morgens, fühlte er sich seltsam unsicher und entblößt, trotz der Anonymität eines solchen Ortes. (Angesiedelt im gleichen ‘Verse wie „I’ve lost my way along the road“ – ein paar Wochen später.)

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Oder um mit Stephen Fry zu sprechen: Not one word of the following is true.



Soundtrack: Melissa Etheridge – Nervous

They don't much care for you
No they don't like your kind
The way you look, walk,
Or the way you talk
The way you always speak your mind
But you want to be my friend
You're not anything like them
You can show me things I've never seen
You say ooo child what a waste if we never took a taste
Of everything we find in between



Er wandte den Blick nicht vom Fenster ab, als warme Hände unter sein T-Shirt krochen, und langsam nach oben glitten, um dort wo die ersten Bögen seiner Rippen zu spüren waren, zur Ruhe zu kommen. Ein gleich warmer Mund presste einen Kuss in seinen Nacken, dicht an seinem Haaransatz. Atem strich wie eine Berührung über seine feuchte Haut, ließ ihn schaudern.

Vielleicht zögerte er einen Moment zu lange. Vielleicht bedurfte es etwas zu viel bewusster Anstrengung, die Muskeln in seinen Schultern und seinem Rücken, die sich unwillkürlich verkrampft hatten, zu entspannen. Die Berührung zu akzeptieren. Es war einfacher im Halbdunkel in Jacks Bunker unter dem Hub. Oder in der kühlen Nüchternheit seines Schlafzimmers. Hier, in einem Hotelzimmer mitten in London, im hellen Licht eines neuen Morgens, fühlte er sich seltsam unsicher und entblößt, trotz der Anonymität eines solchen Ortes.

Doch als sich der Halt um seine Taille lockerte, legte er seine Hände über die Arme, die ihn festhielten; lehnte sich in die Umarmung zurück.

„So... Ist diese Neigung zur Bettflucht eine alte Angewohnheit - oder liegt es an mir?"

Die Frage wurde definitiv in einem leichten Tonfall gestellt, doch er spürte das Gewicht dahinter.

Er konnte sagen, dass er es nicht mehr gewohnt war, die ganze Nacht neben jemand zu verbringen. Was war schon eine Lüge mehr zwischen… Freunden…?

Tatsache war, dass er nicht wusste, was ihn dazu gebracht hatte, das Bett geradezu fluchtartig zu verlassen, als er aufwachte und es einen Moment dauerte, bis er sich erinnerte, wem der Arm gehörte, der lose um seine Mitte geschlungen war. Wem der warme Körper, der gegen seinen passte, als hätten sie nie anders geschlafen.

Wer hätte gedacht, dass sie sich - beide tagsüber meist darum bemüht Distanzen einzuhalten - im Schlaf aneinander festhielten wie zwei verängstigte Kinder.

Tatsache war, dass er nicht wusste, was in diesen letzten Wochen mit ihnen passiert war. Warum er fühlte, was er für diesen Mann fühlte, der überraschend geduldig auf eine Antwort wartete. Gefühle, mit denen er niemals gerechnet hätte.

„Ich…“, begann Ianto.

Doch Jack unterbrach ihn. „Vermisst du London?“

Wieder das Zögern, dieses Mal aus Überraschung, er hatte den Themenwechsel nicht erwartet. „Nein.“

„Zu viele unangenehme Erinnerungen?“

„Es war nur ein Ort, an dem ich… untergehen… konnte, nachdem ich aus Newport wegging. Das ‚wo‘ war nicht wirklich wichtig.“ Er spürte eher, als dass er sah, wie Jack nickte. Dann ein Kuss auf sein Schulterblatt, bevor der andere Mann ihn losließ.

„So gerne ich den Tag hier mit dir in diesem Zimmer verbringen würde, die Pflicht ruft.“

Die Luft auf seiner bloßen Haut fühlte sich nun kalt an, als Jack von ihm wegtrat.

„Ist es okay, wenn ich zuerst dusche?“

Ianto wandte sich zu ihm um und überraschte sie beide, indem er sich vorbeugte, Jacks Gesicht mit beiden Händen umschloss, und ihn küsste. „Natürlich, Sir“, sagte er.

Jack lächelte, küsste ihn auf die Schläfe und durchquerte mit (übertrieben) schwingenden Hüften den Raum. Bevor er die Tür zum Badezimmer öffnete, sah er über die Schulter zurück, grinste und zwinkerte Ianto zu. „Wir können natürlich auch viel Zeit sparen, und zusammen duschen.“

„Ich glaube nicht, dass das korrekt ist“, entgegnete Ianto trocken – obwohl sich seine Füße schon wie aus eigenem Antrieb in Bewegung gesetzt hatten. „Sir.“

Jack streckte ihm die Hand entgegen und er nahm sie, sah einen Moment auf ihre Hände, musterte das Gesicht des älteren Mannes, als hinterfrage er Jacks Motive. Was immer er in seinen Zügen las, es hinderte ihn nicht daran, Jack ins Bad zu folgen.


# # #


Ooo you make me nervous
Ooo you make me want to run away and hide
Ooo you make me nervous

Feels so wrong and feels so right, feels like insanity
I keep acting strange hoping that I'll change
Waking in a sweat from a burning dream


Als sein Handy klingelte, war er gerade dabei, mit einigem Amüsement zu beobachten, wie Jack vor dem Spiegel noch immer mit seiner Frisur beschäftigt war, nur ein Handtuch um die Hüften. Während Ianto bereits komplett angekleidet war und nur noch Hand an den perfekten Sitz seines Krawattenknotens legte.

Jack warf ihm im Spiegel einen Blick zu, der besagte, dass er genau wisse, was Ianto denke – und grinste, als er sich umdrehte, um ihm nachzusehen.

Ianto warf einen Blick auf den im Display angezeigten Namen und antwortet. „Guten Morgen, Toshiko.“

„Du klingst sehr munter, obwohl es noch so früh ist“, erwiderte Tosh mit leisem Lachen. „Guten Morgen, Ianto. Ich nehme an, du hast sehr gut geschlafen?“

Glücklicherweise konnte sie ihn nicht sehen, denn Ianto spürte, wie seine Wangen warm wurden, als er den sanft neckenden Unterton in ihren Worten hörte.

Erst einige Tage zuvor hatte Tosh Jack und ihn erwischt, als sie sich im Archiv küssten. Sie hatte beschlossen, ihren Augen fünf Minuten Pause von dem Programm zu gönnen, an dem sie gerade arbeitete und Ianto im Archiv zu besuchen, anstatt ihn über das Comm zu fragen, ob ihre Verabredung zum Essen an diesem Abend noch stand. Seit Mary und seit ihrem desaströsen Campingausflug hatte sich Freundschaft zwischen ihnen zu entwickeln begonnen. Ianto wusste nicht, mit welcher Reaktion er gerechnet hatte, als sich plötzlich jemand räusperte und er über Jacks Schulter hinweg Toshs amüsierte Miene sah. Jack drehte sich ohne Eile um, ließ einen Arm um Iantos Schulter und schob seine Fingerspitzen im Nacken unter Iantos Kragen. Tosh lächelte jedoch nur und ignorierte Jack genau wie Iantos dunkelrotes Gesicht, als sie ihn nach ihrer Verabredung zum Abendessen fragte. Er war dankbar dafür, dass sie das Thema nie ansprach.

„Gibt es etwas Neues, Tosh?“, antwortete er mit einer Gegenfrage. „Ist im Hub alles in Ordnung?“

„Abgesehen davon, dass Owen unter Entzugserscheinungen leidet, weil er offensichtlich vergessen hat, dass es noch andere Möglichkeiten gibt, an Kaffee zu kommen, als darauf zu warten, dass du ihm eine Tasse hinstellst – und sich lieber Janet zum Frühstück servieren ließe, als das zuzugeben – ist alles in Ordnung. Wir hatten nur einen einzigen Alarm, aber dass stellte sich als der Streich von ein paar betrunkenen Collegestudenten heraus, die es witzig fanden, eine Statue in einem Garten mit grünem Schleim zu übergießen und zu behaupten, es wäre ein Alien. Gwens Freund Andy Davidson hat sich darum gekümmert.“

Er hörte im Hintergrund Gwens Stimme.

„Gwen will wissen, wo Jack ist. Er geht nicht an sein Handy“, sagte Tosh.

„Er ist noch im Bad, sein Telefon liegt hier“, antwortete Ianto automatisch und biss sich fast auf die Zunge, als ihm klar wurde, wie das klang. Nun, es klang danach, wie es tatsächlich war, aber der Gedanke, dass seine Kollegen wussten, dass Jack und er ein Zimmer teilten…

„Ich sage ihr, dass er sie zurückruft, okay?“ Tosh wartete nicht auf eine Erwiderung. „So, habt ihr beide Spaß in London?“

„Wenn du langweilige Konferenzen und Streitereien über Budgets als Spaß ansiehst, oh ja, dann amüsieren wir uns prächtig“, entgegnete er trocken.

„Nun, ich denke, das ist der Unterschied zwischen Arbeit und Urlaub.“ Toshiko zögerte einen Moment und als sie weitersprach, war ihre Stimme leise, ein wenig zaghaft. „Ist Jack... ist er… gut… zu dir?“

Er wandte sich unwillkürlich um, sah zu Jack hinüber, der halb angezogen im Durchgang zum Bad stand und sich offenbar darum bemühte, ihm nicht zu offensichtlich zuzuhören.

„Ja“, sagte Ianto leise. „Das ist er. Ich muss Schluss machen, Tosh, die erste Sitzung fängt in einer halben Stunde an und wir haben noch nicht gefrühstückt. Wir sehen uns morgen im Hub, ja?“ Er verabschiedete sich rasch und unterbrach dann die Verbindung.

„So“, meinte Jack und ging an ihm vorbei, um ein frisches Hemd aus seinem Koffer zu nehmen. „Was bin ich?“, fragte er, als er hineinschlüpfte.

„Wieso gehst du davon aus, dass wir von dir gesprochen haben?“, entgegnete Ianto ausweichend. Impulsiv trat er zu Jack und strich seinen verdrehten Kragen glatt. Er zog die Hand so rasch zurück, als hätte er sich selbst bei etwas Verbotenem ertappt.

Jack ignorierte seine Reaktion und grinste, als er das Hemd zuknöpfte. „Es geht immer um mich.“ Er lachte, als Ianto erwartungsgemäß mit den Augen rollte.

„Wir sollten dein Ego als alternative Energiequelle in Betracht ziehen“, sagte er trocken. „Groß genug ist es.“

„Ts, ts“, machte Jack. „Solche bösen Worte aus so einem hübschen Mund.“ Er beugte sich vor, um Ianto auf den Mundwinkel zu küssen, bevor er sich abwandte und sich auf die Suche nach seinen Schuhen machte. „Und dann glaube ich, habe ich dich etwas von Frühstück sagen hören.“

„Ja, Sir.“ Ianto nahm Jacks Mantel von einem Haken neben der Tür und hielt ihm den älteren Mann hin, als der fertig angekleidet war.

Jack schlüpfte hinein, und sah ihn an, eine Hand bereits auf dem Türknauf. „Und heute Abend wirst du mir ganz genau erklären, wie gut ich zu dir bin“, sagte er, seine Stimme seiden.

Ianto schluckte. Woher wusste Jack… Aber vielleicht wollte er das lieber nicht wissen. „Ja, Sir“, erwiderte er und folgte Jack aus dem Raum.

Ende