Titel: Coffee and Jack
Autor: Lady Charena
Fandom: Torchwood
Episode: 2.13 Exit Wounds, Radiosode Lost Souls
Wörter: ~ 4400
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones
Pairing: Jack/Ianto
Rating: AU, slash, pg12, oneshot
Beta: T‘Len
Archiv: ja


Summe: Das Team ist nach seinem „Ausflug“ in die Schweiz zurück in Cardiff.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Oder um mit Stephen Fry zu sprechen: Not one word of the following is true.





“Ianto, listen to me. We are nearly out of here, right? Look! Look, according to the map, the exit’s near the control room. That’s were Jack is. And coffee. You love coffee. Coffee and Jack.“ (Gwen, Lost Souls)



„Okay…“ Ianto nahm wieder auf dem Beifahrersitz Platz und schloss den Sicherheitsgurt.

Er war ausgestiegen und hatte Gwen geholfen, ihre Tasche aus dem Kofferraum zu holen. Gentleman, der er war, hatte er sie ihr bis zur Tür getragen, wo Rhys auf sie wartete. Rhys lud sie ein zum Essen zu bleiben, doch Ianto lehnte höflich ab. Nicht nur, weil er Gwens warnenden Blick und ihr ablehnendes Kopfschütteln bemerkt hatte, während sie den Arm um ihren Ehemann schlang, sondern auch, weil er sich sicher war, dass Jack darauf brannte, im Hub nach dem Rechten zu sehen.

„…halten wir unterwegs irgendwo an, oder soll ich unser Abendessen vom Hub aus ordern?“ Er sah Jack an, der untypisch still gewesen war, seit sie das Flugzeug verlassen hatten. Vielleicht war es das Wiedersehen mit Martha gewesen. Da war etwas zwischen ihnen, über das Jack nicht mit ihm sprach – und Ianto hatte längst gelernt, dass es besser war, nicht zu fragen. „Worauf hast du Lust?“

Aber Jack ignorierte den Aufhänger für eine zweideutige Bemerkung, die Ianto ihm geliefert hatte. „Du kannst von deiner Wohnung aus ordern, was du willst. Ich fahre allein in den Hub.“

„Jack, ich…“

„Nein“, unterbrach ihn der andere Mann. „Keine Diskussion. Du gehst nach Hause und ins Bett...“

„Allein?“, warf Ianto ein und zog die Augenbrauen hoch. Es brachte ihm nicht mehr als einen Blick und ein abwesendes Lächeln ein. Okay, etwas war wirklich nicht in Ordnung.

„Ich kümmere mich um den Hub, checke die Riftmonitore, sage ‚Hallo‘ zu Myfanwy und komme dann später zu dir.“

„Aber wenn ich mitkomme, dann sind wir schneller fertig.“ Ianto nutzte ihren Stopp an einer roten Ampel, um seine Finger an Jacks Arm entlang streifen zu lassen. „Und wir hatten lange keinen Spaß mehr in deinem Büro. Gwen ist nicht da, wer weiß, wann wir das nächste Mal eine Gelegenheit finden...“

Jack fing seine Hand ein, hielt sie einen Moment fest - und legte sie dann auf Iantos Obernschenkel zurück. „Nicht heute“, sagte er, sein Ton fast kalt, als sie weiterfuhren.

„Okay.“ Die Zurückweisung war deutlich gewesen. Ianto presste die Lippen zusammen und richtete den Blick aus dem Fenster, bis der SUV vor dem Gebäude mit seiner Wohnung anhielt.

Er war bereits aus dem Wagen, bevor Jack die Chance hatte, etwas zu sagen und die ruckartigen Bewegungen, mit denen er den Kofferraum öffnete und seine Tasche herausholte, sprachen von unterdrücktem Ärger. Er hörte die Wagentür, doch er drehte sich nicht um, auch nicht als er die Präsenz des anderen Mannes hinter sich spürte.

„Ianto.“

Jacks Hand umschloss seinen Arm, doch er rührte sich nicht von der Stelle. Ianto war es satt, immer der Vernünftige, Verlässliche zu sein und Jacks Launenhaftigkeit als gottgegeben hinzunehmen. Sollte Jack sich doch ein anderes Bett für die Nacht suchen, wenn er nur dann etwas zu sagen oder zu wollen hatte, wenn es seiner Harknessheit in den Kram passte.

Er hörte Jack seufzen und wenn er nicht gerade dabei gewesen wäre, seinen Ärger zu schüren, hätte er zugeben müssen, dass der andere Mann müde und beinahe… resigniert… klang. Trotzdem versteifte sich seine Haltung unwillkürlich, als Jack die Arme um ihn legte.

„Es hat nichts mit dir zu tun“, sagte Jack leise, sein Mund dicht genug an seinem Ohr, dass Ianto seinen Atem warm auf der Haut spürte. „Und nein, du hast auch nichts falsch gemacht“, fuhr er fort, als wisse er bereits, dass das Iantos nächster Gedanke gewesen wäre. „Ich würde im Moment nichts lieber tun, als Zeit mit dir zu verbringen.“

Ianto musste unwillkürlich daran denken, wie sehr er in dem Tunnel gefroren hatte und wie warm Jacks Körper an seinem war. Er zwang seine Gedanken zurück in die Gegenwart und wartete auf das „aber“, das folgen musste. Es kam immer ein „aber“.

„Aber… ich brauche ein paar Minuten für mich alleine.“

Da war etwas so nacktes, so verwundbares in Jacks Stimme, dass sich Ianto überrascht umdrehte, um ihn anzusehen. Doch wie zu erwarten zeigte das Gesicht des älteren Mannes nichts davon, als er ihn prüfend musterte.

Dann erschien das berüchtigte Harkness-Grinsen auf Jacks Lippen, doch anstatt ihn abzulenken, wirkte es eher wie ein Alarmlicht auf Ianto.

„Und ich erwarte natürlich, dass du ausgeruht bist, wenn ich zurückkomme“, setzte Jack hinzu, seine Finger um Iantos Krawatte geschlossen, um leicht daran zu ziehen. „Ich habe Pläne für heute Nacht, nachdem du dich geweigert hast, dich dem Mile High Club anzuschließen.“

Was Ianto keine andere Wahl ließ, als sich näher zu ihm zu beugen, wollte er nicht damit erdrosselt werden.

„Natürlich, Sir“, wiederholte er trocken. Da war noch immer eine ärgerliche Stimme im Hintergrund seines Bewusstseins, doch Jacks Nähe und seine Berührung und seine Wärme und die verdammten Pheromone – die Jack sehr wohl kontrollieren konnte – ließen sie rasch leiser werden. „Ich wollte uns die Peinlichkeit ersparen, erklären zu müssen, was wir beide auf der Toilette suchen.“

„Du hättest sagen können, dass du unter Flugangst leidest, und nicht ohne meine beruhigende Anwesenheit sein kannst“, schlug Jack vor und presste einen Kuss seitlich auf Iantos Kinn.

„Ich hätte sagen können, dass du unter Flugangst leidest, und nicht ohne meine beruhigende Anwesenheit sein kannst“, gab Ianto zurück.

„Hallo?“ Jack löste eine Hand von Iantos Taille, um auf das Revers seines Mantels zu zeigen. „RAF-Mantel. Flugangst? Ich? Ich bin mit einem unsichtbaren Raumschiff durch London geflogen, als deine Eltern noch nicht mal geboren waren.“

„Richtig, als könnte ich vergessen, dass du ein alter Mann bist“, spottete Ianto. „Du bist sicher, du bist nicht derjenige, der sich ausruhen sollte?“

„Ianto Jones!“ Jack verpasste ihm mit gefakt-empörtem Gesichtsausdruck einen Klaps auf den Hintern und Ianto wand sich, was dazu führte, dass sich ihre Körper auf ausgesprochen angenehme Weise aneinander rieben. „Dir ist klar, dass ich solche Frechheiten nicht ungestraft durchgehen lassen kann.“

Ianto beugte sich vor, um in Jacks Ohr zu flüstern: „Ich freue mich schon darauf“ und er lächelte, als er sah, dass Jack einen Moment die Augen schloss und sich dann über die Lippen leckte. „Du bist sicher, dass ich nicht doch mitkommen soll?“

„Ja.“ Als Jack die Augen wieder öffnete, wirkte das Blau seiner Iris plötzlich weniger strahlend und seine Schultern sackten ein wenig nach unten, als seine Hände Iantos Arme auf und ab rieben. Dann lehnte er sich vor, um ihn zu küssen.

Es war ein seltsam zögernder Kuss, trocken und mit geschlossenen Lippen und nach nur wenigen Sekunden wich Jack zurück, ließ ihn los.

Ianto erinnerte sich plötzlich daran, dass sie vor dem Haus auf der Straße standen, wo sie jeder sehen konnte, der an ihnen vorbeiging oder vorbeifuhr. Aber er machte keine Anstalten, sich von Jack zu lösen. Die Ereignisse der vergangenen Wochen und Monate – ganz zu schweigen von dem gerade überstandenen Trip in die Schweizer Unterwelt - hatten wieder einmal überdeutlich klar gemacht, wie rasch alles vorbei sein konnte, und wie unwichtig es war, sich darüber Gedanken zu machen, was jemand denken könnte, wenn er ihn zusammen mit Jack sah.

Er griff nach dem anderen Mann, bevor Jack eine Chance hatte, sich abzuwenden und zog ihn in einen leidenschaftlichen Kuss. „Nur eine kleine Erinnerung daran, was hier auf dich wartete“, flüsterte er gegen Jacks Lippen, bevor er zurückwich und seine Tasche vom Boden aufhob, wo er sie hatte fallen lassen. Dann eilte er ohne noch einmal zurück zu sehen ins Haus.

Jack sah ihm mit einem leisen Lächeln nach, das jedoch verschwand, als die Tür hinter Ianto ins Schloss fiel. Er wandte sich ab, trat zur Fahrertür, öffnete sie und presste einen Moment seine Stirn gegen das kalte Metall des Rahmens, bevor er einstieg.


# # #


Einige Minuten später stand Jack auf dem ‚unsichtbaren‘ Lift und aktivierte über seinen Wriststrip die Beleuchtung im heruntergefahrenen Hub, noch während er langsam in Richtung Boden glitt.

Über ihm krächzte Myfanwy in ihrem Nest, offenbar aufgeschreckt von der plötzlichen Aktivität.

Er ließ den Blick durch den Hub wandern, der ihm leerer und kälter vorkam als seit vielen Jahren. Manchmal, wenn er die Augen schloss, glaubte er Blut zu riechen. Er wusste, dass das nicht möglich war, aber genauso war es auch in den Wochen nach Alex‘s… Jack stoppte den Gedanken, bevor er ihn beenden konnte. Es war schlimm genug, dass er kaum Toshs Arbeitsplatz ansehen oder einen Blick in die Medbay werfen konnte, ohne zu erwarten, seine beiden Freunde gleich zu sehen. Er musste nicht auch noch die alten Geister heraufbeschwören.

Jack wandte sich in Richtung seines Büros und versuchte, das krampfartige Zusammenziehen seines Magens zu ignorieren. Bestimmt war es nur, weil ihr Lunch im Flugzeug schon eine Weile zurücklag. Vielleicht hätte er Iantos Angebot annehmen sollen und nicht alleine hierher kommen. Vielleicht hätte er den Hub noch für ein paar Stunden sich selbst überlassen sollen und stattdessen Ianto zum Essen ausführen. Kein Fastfood, kein Takeout, sondern in ein richtiges Restaurant, sie verbrachten so wenig Zeit miteinander, ohne zu arbeiten oder außerhalb des Bettes…

Aber er wusste genau, warum er hier war. Warum er alleine hier war. Und er wusste, dass das seltsam nagende Gefühl nichts mit Hunger zu tun hatte.

Fetzen seiner Unterhaltung mit Martha zogen durch seine Gedanken: „Ich muss stark sein… für Gwen und Ianto…“; „…ich kann nicht sterben, egal wie sehr ich es versuche…“; „…es war meine Schuld…“

Und dann… das Bild des Technikers, den sie gefunden hatten, seine glühende Gestalt… die sich abrupt in Iantos reglose Gestalt verwandelte und Gwens Worte gellten in seinen Ohren: „Jack, es hat Ianto… er glüht…“ Wie ein falscher Engel.

Iantos Stimme. So weit weg. So verwirrt. „Die Stimmen… sie sagen sie wären Tosh und Owen und Lisa… Jack…“

Und die Verbindung, die abbrach, bevor er Ianto sagen konnte, dass die einzige Stimme, der er folgen solle, seine war. Bevor er ihm sagen konnte, dass er ihn nicht im Stich ließ; dass er einen Weg fand, sie dort heraus zu holen. Ihn und Gwen.

Er hätte sie beinahe beide dort unten im Tunnel verloren. Er hätte Ianto verlieren können und die letzte Erinnerung an ihn wäre gewesen, dass sie sich fast gestritten hätten, als Martha verkündete, dass Ianto wesentlich überzeugender den Botschafter spielen konnte und sie ihn deshalb auf die Liste setzte.

Jack brach auf die Knie und presste die Handflächen gegen die Ohren, obwohl die Stimmen in seinem Kopf waren und er sie so nicht zum Schweigen bringen konnte.

Er hatte sich nicht erlauben können, darüber nachzudenken. Er konnte nicht alles stehen und liegen lassen und in den Tunnel laufen, um Ianto und Gwen da heraus zu holen, egal wie jede Faser in seinem Körper danach schrie. Genau zu wissen, was diese Kreaturen anrichten konnten, half nicht im Geringsten. Also scherzte und lachte er mit Professor Johnson und Martha und hielt seine flirtende Fassade aufrecht.

Sie wussten, dass jeder einzelne der elf Verschwundenen in den Tunnels gewesen war und trotzdem musste er sie dort hinunter schicken. Im Wissen, dass er vielleicht nach Cardiff zurückkehren würde, um den gleichen Ausdruck des Schmerzes, den er in Dr. Harringtons Augen gesehen hatte, in Rhys zu bringen. Dass er ihn in seinen eigenen sehen würde.

Da war nichts in seinem Magen als der schale Kaffee, den sie im Flugzeug serviert hatten, als er sich übergab und seine Bauchmuskeln krampften, bis es sich anfühlte, als stochere jemand mit einem Messer in seinen Eingeweiden herum.

Nach einer Weile ließ das Gefühl nach und er stand auf, wischte sich mit dem Handrücken über den Mund. Erinnerte sich daran, dass weder er noch Rhys jemand verloren hatten, den sie liebten und die Welt einmal mehr sicher war.

Es klang hohl selbst in seinen eigenen Ohren.

Plötzlich hielt er es an diesem Ort, der so lange seine Zuflucht gewesen war, nicht mehr aus. Er entfernte die Spuren seines Moments der Schwäche, putzte sich unten im Bunker die Zähne und griff sich einen Armvoll sauberer Kleidung, die er auf dem Schreibtisch platzierte, während er Myfanwy und die Weevil fütterte und den Riftmonitor zurück auf Automatic setzte. Kaum eine Stunde nach seiner Ankunft senkte sich wieder Dunkelheit über den Hub und Jack warf sein Kleiderbündel auf den Beifahrersitz des SUV, bevor er zu Iantos Wohnung fuhr.


# # #


Es war ein dumpfes Geräusch, wie wenn im Flur etwas auf den Boden gefallen wäre, und ein unterdrückter Fluch, die Ianto weckten.

Er blinzelte und lauschte, und lächelte dann. Jack. Es fühlte sich nicht so an, als hätte er lange geschlafen – eigentlich hatte er das überhaupt nicht vorgehabt, er hatte heiß geduscht, weil ihm noch immer kalt war und sich aufs Bett gesetzt, und irgendwie war dass das letzte, an das er sich erinnerte – also war Jack nicht lange im Hub gewesen.

Oder was auch immer er auch wirklich gemacht hatte. Vermutlich sollte er froh sein, dass Jack sich kein Dach gesucht hatte, um ein paar Stunden dort oben vor sich hin zu brüten. Vielleicht konnten sie jetzt etwas essen und den Abend damit verbringen, alles über Geister und Partikel und kalte Tunnel zu vergessen.

Er wickelte sich enger in die Laken, presste das Gesicht ins Kissen und gab vor, zu schlafen, als die leisen Schritte näher kamen.

Nach einem Moment senkte sich das Bett unter dem Gewicht einer zweiten Person und während Jacks Geruch seine Nase erreichte, spürte er eine warme Hand, die ihm das Haar aus dem Gesicht strich und dann Lippen, die einen Kuss gegen seine Stirn pressten.

Ianto wollte gerade die Augen öffnen, als er Jack sprechen hörte.

„Danke, dass du zu mir zurückgekommen bist.“

Er zögerte; verwundert über den rauen Unterton in Jacks Stimme.

Dieses Mal fanden Jacks Lippen seine und er konnte nicht länger so tun, als würde er noch immer schlafen. Er wand eine Hand unter den Laken hervor, griff nach Jacks Nacken und zog ihn weiter zu sich herunter.

„Ich wusste natürlich, dass du wach bist.“ Jack presste seine Stirn gegen Iantos und dieses Mal schwang nur Amüsement in seiner Stimme mit.

Ianto schlug die Augen auf und sah ihn an. „Gwen hat mich zurückgebracht. Wenn ich alleine dort unten gewesen wäre… sie waren in meinem Kopf, diese Stimmen… ich wäre bei ihnen geblieben.“

Jack griff nach seiner Hand und hielt sie zwischen seinen, betrachtete Iantos Handfläche, als versuche er in den Linien ihre Zukunft zu lesen. „Ich dachte, du erinnerst dich nicht mehr daran, was passiert ist.“

Er schnitt eine Grimasse. „Das habe ich Gwen erzählt… das war einfacher, als zuzugeben, dass es mir peinlich ist, wie schnell ich mich habe einwickeln lassen. Wie schnell ich davon überzeugt war, dass ich dort unten bei den Geistern bleiben will.“ Er zog seine Hand aus Jacks Griff und rollte sich auf die andere Seite, wandte ihm den Rücken zu. „Ich hätte stärker sein müssen“, flüsterte er.

„Ianto.“

Jacks Hand auf seiner Schulter rollte ihn zurück auf den Rücken, doch er hielt stur die Augen geschlossen.

„Glaub‘ mir, es gab nichts, was du dagegen hättest tun können. Es war nicht deine Schuld. Diese Kreatur ist in deine Erinnerungen eingedrungen. Wenn du versucht hättest, dich dagegen zu wehren, hätte sie dich verletzen können – nicht nur körperlich, sondern mental.“

Er spürte den leichten, warmen Druck von Jacks Lippen gegen seine Stirn, seine Lider, seine Nase.

„Und am Ende zählt nur, dass du dich gegen die Stimmen entschieden hast und zurückgekommen bist.“

„Gwen hat mich daran erinnert, dass der Ausgang in der Nähe des Kontrollzentrums liegt. Dass du dort bist.“ Er schlug die Augen auf und sah zu Jack hoch, der sich über ihn beugte. „Sie hat mich an die Dinge erinnert, die ich liebe. Kaffee. Kaffee und Jack.“

Er sah, wie Jack für einen Moment den Blick abwandte; sah die Halsmuskeln des älteren Mannes arbeiten, als er schluckte.

„Uh… ich denke, ich sollte froh darüber sein, dass ich die Nummer zwei geschafft habe“, sagte Jack schließlich und der leichte Tonfall seiner Stimme klang gezwungen. „Und hey, wer hat gegen Kaffee eine Chance.“

„Jack, du bist nicht Nummer zw…“ Er erhielt keine Gelegenheit, das Wort zu beenden, als Jack ihn hart küsste. Die Hand, die auf seiner Schulte gewesen war, begann ihren Weg unter die Lagen an Stoff zu suchen, die sie trennten.

„Whoa, Mister Jones. Sind wir etwa völlig nackt unter diesem Laken?“, fragte Jack, als er sich für einen Moment von ihm löste, um Luft zu holen.

„Ich bin direkt aus der Dusche ins Bett gegangen. Irgendeine Chance, dass ich in naher Zukunft eine zweite Dusche brauchen werden?“ Ianto stieß die Laken weiter nach unten in Richtung Fußende des Bettes, als Jack einen Kuss gegen sein Schlüsselbein presste.

Dummerweise musste er in diesem Augenblick gähnen.

Und Jack setzte sich auf, zog seine Hand weg. „Okay. Wir verschieben das definitiv auf später.“

WAS? „Jack!“, protestierte Ianto. „Ich finde das nicht witzig. Komm‘ wieder her und küss‘ mich.“

„Ich finde das ebenso wenig amüsant. Aber du hast geglüht, als Gwen dich aus dem Tunnel schaffte!“

„Aber ich bin gesund. Martha hat gesagt, dass ich zu kurz dort unten war, als dass ich irgendwelche Schäden davon getragen habe. Es geht mir gut. Du kannst aufhören, mich wie einen Invaliden zu behandeln.“ Ungläubig sah Ianto zu, wie Jack das Bett beinahe fluchtartig verließ. Er rieb sich über die Schläfen und sah zum Captain hinüber, der am Fenster stand und ihm den Rücken zuwandte. „Jack?“

Er erhielt keine Antwort – alles, was Jack tat, war die Stirn gegen die Fensterscheibe zu pressen. Ianto unterdrückte den Drang, ihm zu sagen, dass er Flecken auf dem Glas hinterlassen würde, warf die Laken beiseite und setzte sich auf. Er verharrte, unsicher auf der Bettkante sitzend. „Jack?“ Er hasste den zögernden Klang seiner Stimme und räusperte sich. „Jack? Ich will nicht mit dir streiten. Kommst du zurück ins Bett? Nur… ich meine, wenn du willst, dann ruhe ich mich aus… aber ich wäre dabei lieber nicht allein.“ Er starrte auf seine nackten Füße und zog die Schultern hoch.

Es war eine ganze Weile still, dann sah er Jacks Beine in seinem Blickfeld auftauchen. Zwei Hände auf seinen Schultern drückten ihn zurück, und er ließ es zu, streckte sich in der Mitte des Bettes aus. Einen Moment später glitt Jack neben ihn, rollte ihn auf die Seite und presste sich an ihn. Iantos Kopf fiel zurück gegen Jacks Schulter, er spürte den Oberkörper des anderen Mannes an seinem Rücken und eins von Jacks Beinen fand den Weg zwischen seine, als sich ein Arm um seine Taille legte und er Jacks Mund an seinem Hals fühlte.

„Schlaf‘ jetzt.“

„Jack!“, protestierte Ianto.

„Du hast gesagt, du willst nicht streiten.“

„Ich will wissen, was mit dir los ist, Jack. Du kannst nicht plötzlich anfangen… mich zu behandeln, als wäre ich aus Glas.“ Er war sich nicht sicher, ob er etwas Falsches oder etwas Richtiges gesagt hatte, aber Jacks Körper war dicht genug an seinen gepresst, dass er die Anspannung in den Muskeln des älteren Mannes spüren konnte.

„Ich kann dich nicht auch noch verlieren.“

Wenn es nicht so still im Raum gewesen wäre, hätte er Jacks Worte vielleicht gar nicht gehört, so leise sprach er und Ianto spürte, wie sich seine Lippen gegen seine Haut bewegten.

„Jack?“ Er versuchte den Kopf zu drehen, um den anderen Mann ansehen zu können, doch bevor er die Bewegung zu Ende führen konnte, legte Jack die Stirn gegen die Seite seines Gesichts und hinderte ihn daran.

„Ich will nur, dass du ein paar Minuten mit mir hier liegen bliebst. Dann ziehst du einen deiner sexy Anzüge an… und wir gehen essen. Kein Fastfood. Irgendwohin, wo es… nett ist und mich die Leute um meinen attraktiven Begleiter beneiden können. Ist das ein Plan?“

Da war etwas fast Verzweifeltes in Jacks Stimme und Ianto fand, dass sein Mund trocken und seine Kehle eng wurde. „Ich… ja, das klingt gut.“

„Und dann…“

„Was dann, Jack?“ Dieses Mal hinderte ihn der andere Mann nicht daran, sich auf den Rücken zu drehen und zu ihm auf zu sehen.

„…dann sollten, denke ich, der Botschafter von Wales und sein persönlicher Assistent noch ein wenig Zeit miteinander verbringen.“ Ein leichter Tonfall war in Jacks Stimme zurückgekehrt.

Was immer da eben zwischen ihnen gewesen war, es schien vorbei. Oder eher, Jack hatte es in die dunkle Ecke zurückgestopft, aus der es gekrochen war. Und Ianto hatte keine Absicht, seine Rückkehr heraus zu fordern.

Er lachte leise und hakte den Arm um Jacks Nacken, um ihn näher zu sich zu ziehen. „Unter einer Bedingung“, sagte er und Jack schnitt eine Grimasse.

„Du kehrst schon den Boss heraus?“, spottete er mit einem Grinsen.

„Oh, ich weiß doch, wie sehr du deine Bürofantasien magst“, gab Ianto zurück und küsste das gespielte Schmollen von Jacks Mund. „Dich als meinen persönlichen Assistenten zu haben. Daran könnte ich mich gewöhnen.“

„Ich bin furchtbar mit Terminen, aber ich habe andere Qualitäten, die das wieder gutmachen, vor allem, was den persönlichen Teil angeht“, erwiderte Jack. „Welche Bedingung?“

„Ich muss nicht wieder so tun, als wäre ich mit Gwen verheiratet“, erwiderte Ianto mit ernster Stimme.

Jack lachte und rollte sie herum, bis Ianto auf ihm lag. „Einverstanden.“

Das Lachen verschwand von seinem Gesicht und wurde durch etwas anderes ersetzt, einen Ausdruck, den Ianto nicht völlig deuten konnte. Oder nicht deuten wollte. Da war etwas wie Sehnsucht in Jacks Augen… und vielleicht Bedauern. Ianto sah weg und presste die Lippen gegen Jacks Hals, spürte unter der warmen Haut den Pulsschlag des anderen Mannes und hielt sich daran fest.

Jacks Finger glitten wie aus eigenem Antrieb durch das dunkle Haar des jungen Mannes, dann drehte er den Kopf ein wenig und presste einen Kuss gegen eine glatte Stirn. „Du solltest jetzt wirklich weiterschlafen.“

„Aber ich bin nicht müde. Ich habe im Flugzeug geschlafen. Was du bemerkt hättest, wenn du nicht die ganze Zeit damit verbracht hättest, UNIT Generäle anzubrüllen.“ Iantos Tonfall blieb leicht, neckend. „Gwen sagte, die Stewardess fing schon an, nervöse Blicke in Richtung des Airmarshalls zu werfen und sie musste gehen und die Frau beruhigen, dass du weder verrückt noch ein Terrorist bist.“

Ianto zog eine seiner Hände weg, wo sie zwischen seinem und Jacks Brustkorb eingeklemmt waren und ließ sie über Jacks Seite wandern, bis seine Finger unter den Bund der Hose wandern konnten, die Jack immer noch trug. Ungewöhnlich genug, normalerweise konnte Jack seine Klamotten gar nicht schnell genug loswerden... Es hatte ihn immerhin einiges gekostet, Jack von seiner Angewohnheit, sich bereits vor seiner Wohnungstür auszuziehen zu kurieren. Ianto hatte weder die Geduld, noch die Zeit, sich eine neue Wohnung zu suchen, weil sich die Beschwerden seiner Nachbarn häuften. Oder noch mehr, als ohnehin schon…

„Ich denke, du hast diese Blicke falsch verstanden“, entgegnete Jack, fing seine Hände ein und zog sie an den Mund, um jede Fingerspitze einzeln zu küssen. „Sie wollte ihm bestimmt ein Threesome vorschlagen.“

„Manchmal wundere ich mich, wie dieses Ego überhaupt in unser Schlafzim… überhaupt in diesen Raum passt.“ Er sah Jack nicht an, wollte nicht wissen, ob der ältere Mann seinen Versprecher bemerkt hatte.

Sicher, Jack verbrachte die meisten der wenigen Nächte, in denen sie weder der Rift noch die nach wie vor unruhige Weevil-Population auf Trab hielten, in seiner Wohnung und in seinem Bett. Es war eine Frage der Praktikabilität, dass sich hier und dort Jacks Sachen unter seine mischten – Socken, Hosenträger und T-Shirts und Jacks Bücher und seine geliebten Glenn Miller Platten – aber es bedeutete nicht, dass Jack bei ihm einziehen wollte. Nein, es hieß nur, dass Jack nach fast zweitausend Jahren in einem Loch unter Cardiff – Ianto konnte einen Schauer nicht unterdrücken, der bei dem Gedanken durch ihn ran - nicht mehr in einem Bunker unter seinem Büro schlafen wollte. Bei den seltenen Gelegenheiten, wenn er einmal schlief.

„Hey, was war das?“

Jacks Stimme holte ihn zurück ins Hier und Jetzt. „Offenbar ein Zeichen dafür, dass mir gefällt, was du mit meinen Fingern machst.“

„Ich weiß, dass ich gut bin, aber das war ein paar Minuten bevor du plötzlich angefangen hast, ins Leere zu starren.“ Jacks Finger unter seinem Kinn zwangen Ianto dazu auf zu sehen. „Woran denkst du?“

„Daran, dass du versprochen hast, mich zum Essen auszuführen“, log Ianto glatt. „Und wenn wir jetzt nicht aufstehen, dann sind die einzigen Restaurants, die noch aufhaben, Fastfood-Restaurants und ich muss meinem neuen persönlichen Assistenten eine Rüge erteilen. Es gehört zu seinen Aufgaben, zu verhindern, dass ich zu spät komme.“

„Eine Rüge, hm?“ Jack sah aus, als ob er es ernstlich in Betracht zog. „Wie sähe das aus?“

„Du kannst sicher sein…“, Ianto küsste seinen Mundwinkel und nahm den Kopf zurück, als Jack versuchte, der Berührung zu folgen und ihn in einen ordentlichen Kuss zu locken. „…das mir etwas einfallen würde.“

„Wir sollten darüber noch einmal reden, Herr Botschafter. “

„Ja, das sollten wir.“ Es kam etwas zu ernst über seine Lippen, um nur eine Antwort auf Jacks letzte Bemerkung zu sein. Ianto rollte sich von Jack und auf die freie Seite des Bettes. Dann stand er auf und streckte die Hand aus.

Jack folgte ihm ohne zögern und umschloss seine Finger. Für einen langen Moment standen sie da, die Hände ineinander verflochten und sahen sich nur an. Dann zog Ianto langsam seine Hand zurück und wandte sich dem Schrank zu, um Jacks Wunsch seiner Garderobe nachzukommen.

Was immer auch in einem Tunnel in der Schweiz passiert war oder was auch immer dort hätte passieren können, sie standen beide hier in einem Schlafzimmer in Cardiff – und das war das einzige, was zählte. Richtig?


Ende



Soundtrack: Bonnie Tyler – Fools Lullaby

Baby, when I lost you
My heart stood still
Oh baby, when I kissed you
Gave me such a thrill
Oh baby, when I touched you
Felt a shiver on my skin
This love's not a sin

Oh I'm far away from home
I'm so alone
Don't make my blue eyes lie

Let's heal the pain
Take me in your arms
Make love again