Titel: all through the night
Autor: Lady Charena
Fandom: Torchwood
Episode: Anfang Staffel 2 (inkl. 2.02 Sleeper)
Wörter: ~ 7500
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Team erwähnt
Pairing: Ianto/Jack
Rating: AU, NC-17, slash, oneshot
Beta: T‘Len
Archiv: ja


Summe: Jack und Ianto navigieren durch die Änderungen in ihrer Beziehung.

A/N & Warnung: Explizite Schilderungen von m/m-Sex, Blut und Jacks Torchwood-Tod(en). Außerdem werden Ereignisse aus den Doctor Who Episoden mit Jack angesprochen.

Komplett kursiv geschrieben Abschnitte sind Rückblenden/Erinnerungen

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Oder um mit Stephen Fry zu sprechen: Not one word of the following is true.

 

all through the night
I'll be awake and I'll be with you

all through the night
this precious time when time is new,

oh all through the night today
knowing we feel the same without saying

oh the sleep in your eyes is enough
let me be there, let me stay here a while…

(Cindy Lauper – All through the night)



Wirklich, das alles war Iantos Schuld.

Er hatte seine Hände bei sich behalten, was enormer Selbstkontrolle bedurfte, denn Ianto war ein warmes und solides Gewicht gegen seine Seite; sein Kopf an Jacks Schulter und er konnte jeden Atemzug, jeden Herzschlag, jede Bewegung des anderen Mannes spüren.

Obwohl Ianto offenbar den langweiligsten Film des Universums gefunden und darauf bestanden hatte, dass er ihn sich mit ihm ansah.

Obwohl sie mit Ausnahme eines Quickie unter der Dusche – und dem Blowjob, mit dem Ianto ihn davor geweckt hatte – den ganzen Tag keinen Sex hatten. An einem Tag, an dem keiner von ihnen einen Fuß in den Hub gesetzt hatte; ihre Handys abgeschaltet geblieben waren und Ianto ihm unter Androhung von Instantkaffee und zwei Wochen Sexentzug verbot, Tosh oder Owen, die die Stellung hielten, auch nur anzurufen um zu fragen, ob alles in Ordnung war.

Obwohl Ianto ein rotes Seidenhemd trug, das noch schmaler geschnitten war, als seine anderen Hemden, und enge schwarze Jeans und keine Krawatte. Möglicherweise sogar keine Unterwäsche.

Obwohl der Film, den Jack nicht ansah, bunte Lichter und Schatten über sein Gesicht und seine Augen und das verführerische ‚V’ an blasser Haut warf, die die beiden geöffneten, obersten Knöpfe bloßlegten.

Es war definitiv Iantos Schuld, dass Jack den ganzen Tag damit verbracht hatte, etwas zu tun, was er die meiste Zeit über als wenig attraktiven „Pärchenkram“ ansah.

Er gab sich wirklich alle Mühe – er wusste, er hatte einiges bei Ianto gutzumachen. Aber das war nicht alles… er wollte tatsächlich eine zweite Chance mit seinem brillanten, attraktiven Waliser. Ianto konnte ihm jedoch nicht Rechnung stellen, dass ihre ersten beiden Dates wegen Riftaktivität geplatzt waren. Oder dass sie eine Schläferzelle entdeckten. Und die Weevil, die Nacht für Nacht durch Cardiff schwärmten, bis Toshiko herausfand, dass die Renovierungsarbeiten an einem alten Abschnitt des Kanalisationssystems sie aus ihren Nestern vertrieben hatte und die umgesiedelt werden mussten?

So. Nicht. Jacks. Schuld.

Daher hatte es ihn wirklich mehr geschmerzt, als er zugeben konnte, als Ianto mit kaum mehr als einem resignierten Seufzen und einem Kopfschütteln antwortete, als Jack – bereits halb aus der Tür und mit Gwen im Schlepptau – ihm zuwarf, dass er es nicht schaffen würde, ihre Verabredung zum Abendessen einzuhalten.

Es war nur für den Bruchteil von Sekunden gewesen, die Ianto zur Seite sah, bevor er Jack ein unaufrichtiges Lächeln schenkte und sagte, dass er Takeout für sie ordern und damit hier auf ihn warten würde. Er hatte ohnehin noch in den Archiven zu tun, wo während seines kurzen Ausflugs in die Feldarbeit während Jacks Abwesenheit einiges liegen geblieben wäre.

Aber Jack kannte Ianto und er wusste, wann er eine Ausrede hörte.

Gwens ungeduldige Rufe – sie stand bereits am Rolltor, die Schlüssel des SUVs in der Hand - im Ohr, zögerte er und suchte nach den richtigen Worten, die sagen sollten, dass es ihm leid tat. Aber Entschuldigungen waren nie etwas gewesen, was Jack Harkness im Überfluss gebrauchte. Sein Lächeln, sein Charme, ein paar Schmeicheleien, die nahest gelegene annähernd horizontale Oberfläche – oder eine beliebige Kombination davon – glätteten in der Regel alle Wogen. Sollte er lange genug geblieben sein, um derartig drastische Maßnahmen erforderlich zu machen.

Doch alles, mit dem der Ex-Conman aufkommen konnte, war ein einfallsloses: „Guter Plan“, und ein Kuss auf Iantos Schläfe, bevor er ging.

Als er zurückkehrte, war bereits ein neuer Tag angebrochen.

Er hatte Gwen vor ihrer Wohnung abgesetzt und rechnete nicht wirklich damit, dass Ianto im Hub geblieben war. Natürlich hätte er zu ihm fahren und vielleicht sogar ein paar Stunden Schlaf an seiner Seite finden können – doch er brachte es nicht über sich, in seiner blutverschmierten, zerfetzten Kleidung vor Iantos Tür zu stehen. Das meiste davon war sein eigenes Blut. Er hatte den Mann mit dem Gewehr auf dem Dach gegenüber zu spät gemerkt und es gerade noch geschafft, Gwen aus dem Weg zu stoßen, als die ersten Schüsse fielen. Die drei Geschosse, die ihn getroffen hatten – zwei sein Herz, die dritte zerschmetterte seine Wirbelsäule – waren Black Talons gewesen, dazu designt, maximalen Schaden auf ihrem Weg durch einen Körper anzurichten. Jack wusste, er war tot gewesen, bevor er auf dem Boden aufschlug. Gwen war es gelungen, den Schützen ins Bein zu treffen, was dazu führte, dass er das Gleichgewicht verlor und vom Dach fiel – was er ebenfalls nicht überlebte.

Sie hatte Owen und Tosh angerufen und sie an den Schauplatz von etwas gelotst, was auf den ersten Blick wie ein schiefgegangener Drogendeal aussah, bis man eine der Leichen etwas genauer ansah und herausfand, dass sie nicht so ganz menschlich war. Als Jack den ersten Atemzug zurück ins Leben machte, war da nur noch eine Routine-Aufräummission durchzuführen, die er in Owens und Toshs fähigen Händen ließ. Sie würden den Tatort so arrangieren, dass keine Spur des Alien mehr zu finden war, wenn die Polizei einen anonymen Anruf erhielt.

Also fuhr er eine sichtlich aufgebrachte Gwen nach Hause, befahl ihr, sich den Tag
freizunehmen und fragte sich, als er ihr dabei zusah, wie sie in dem Gebäude verschwand, in dem ihre Wohnung lag, ob sie damit klarkommen würde, was passiert war. Aber das war nicht das erste Mal, dass sie jemand getötet hatte, seit sie für Torchwood arbeitete und es würde nicht das letzte Mal bleiben. Er konnte nichts anderes versprechen und er wusste, dass sie darüber offenbar ein Gespräch führen mussten. Doch nicht heute Nacht. Nicht, wenn er nach seinem eigenen Tod Erschöpfung wie Bleigewichte auf sich lasten spürte.

Er machte sich auf den Weg in den Hub.

Sicher, Ianto wusste, dass - egal was passierte – Jack am Ende in Ordnung sein würde. Dass er jedes Mal zurückkam. Doch er erinnerte sich auch an den Ausdruck im Gesicht des jüngeren Mannes, als er ein paar Wochen zuvor im SUV zu sich kam. Er war auf dem Rückweg von der Militärbasis verblutet, und es hatte lange gedauert, so dass der enorme Blutverlust sein Zurückkommen verzögerte. Wäre er alleine gewesen, hätte er den unangenehm schmerzhaften Teil des Sterbens mit einer Kugel in den Kopf abgekürzt; doch Gwens und Beths Gegenwart machten das unmöglich. Sie wirkten von den Ereignissen auf der Basis bereits schockiert genug.

Wie üblich war er einen Moment lang orientierungslos gewesen, als mit den ersten Atemzügen Sauerstoff und neues Blut durch reparierte Adern schoss und das nur allzu bekannte Gefühl, über Glasscherben gezerrt zu werden, seinen heilenden Körper durchschnitt.

Doch zur gleichen Zeit spürte er eine vertraute Präsenz um sich und er lächelte, noch bevor er die Augen aufschlug und zu Ianto aufsah. Der Sitz war ganz nach hinten geklappt und auch wenn der Innenraum des SUVs geräumiger war als der eines normalen Wagens, konnte Iantos Haltung doch nicht sonderlich bequem sein. Er balancierte – die Knie links und rechts von Jacks Beinen - auf dem Rand des Sitzes; seine Hände auf Jacks Schultern pressten ihn zurück, hielten ihn still, als die ersten Schauer durch ihn liefen. Iantos Gesicht war blasser als sonst, seine Augen geweitet und sein Mund zu einer dünnen Linie zusammen gepresst gewesen. Aber es war der angstvolle Ausdruck in seiner Miene gewesen, der Jack dazu brachte, die Hand zu heben und seinen Nacken zu umschließen, um ihn auf sich herunter zu ziehen. Nach einem Augenblick des Widerstandes gab Ianto nach und als Jack seinen Atem warm und stoßweise an der Seite seines Halses spürte, wusste er, dass Ianto mit seiner Fassung kämpfte. Da war nichts, was er sagen konnte, um ungeschehen zu machen, was passiert war, also musste er sich damit begnügen, die Arme um den zitternden jungen Mann zu legen und ihn fest zu halten.

„Und du wolltest mir nicht glauben, dass Platz genug für zwei auf dem Beifahrersitz ist“, flüsterte er schließlich in Iantos Ohr. „Wir müssen das unbedingt wiederholen. Und ich erwarte, dass du dabei wesentlich weniger Kleidung trägst.“

Er wurde mit einem etwas unsicheren Lachen belohnt, doch als Ianto den Kopf hob, war seine Miene ernst. Sein Blick war auf den Riss in Jacks Hemd und das verkrustete Blut der inzwischen geheilten Stichwunde auf seiner Haut gerichtet, das durch ihn hindurch zu sehen war.

„Hey.“ Jack hob sein Kinn an, bis Ianto ihm in die Augen sah. „Es ist okay. Ich bin okay. Und ich möchte, dass du nur daran denkst, an nichts anderes, ja?“ Er wartete, bis Ianto nickte und beugte sich vor, um ihn auf die Stirn zu küssen. „Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen, als noch eine Weile hier mit dir so zu liegen, aber ich glaube nicht, dass dein Rücken es mir danken würde. Außerdem müssen wir uns um Beth kümmern. Und ich brauche ein frisches Hemd. Einverstanden?“

„Natürlich, Sir.“ Iantos Stimme war neutral, als er von Jack herunterkletterte und den Wagen verließ. Er blieb jedoch stehen und half Jack, den Sitz in aufrechte Position zu bringen, bevor der aussteigen konnte.

Es war Blut auf dem Sitz, nicht allzu viel, wenn man bedachte, dass er gestorben war, denn das meiste davon hatte sich in seinem Brustkorb gesammelt, so dass er streng genommen wohl eher innerlich ertrunken war. Jack sah, wie Ianto auf die rostroten Flecken starrte und schluckte und ergriff seine Hand, um ihm vom Wagen weg zu ziehen.

„Ich muss es sofort entfernen“, protestierte Ianto erwartungsgemäß. „Sonst gehen die Flecken nie wieder raus.“

„Dann lassen wir eben einen neuen Sitz einbauen.“ Jack legte einen Arm um Iantos Schulter und führte ihn zum Eingang zum Hub. „Kümmere dich jetzt nicht darum. Ich will dich einfach nur bei mir haben. Und vielleicht eine Tasse deines herrlichen Kaffees?”

Doch der Kaffee hatte warten müssen, als Beth Gwen als Geisel nahm...

Das alles war auf der Fahrt in den Hub durch seinen Kopf gegangen. Er ging wirklich nicht davon aus, dass Ianto noch immer auf ihn wartete und der Hub, im Nachtmodus dunkler und stiller als sonst, schien das zu bestätigen. Er wollte nur duschen, seine ruinierte Kleidung irgendwo verstecken wo Ianto sie nicht fand, bevor er eine Gelegenheit hatte, sie ungesehen in den Verbrennungsofen zu stecken, und in sein Bett kriechen, selbst wenn es kalt und leer sein würde.

Das erste, was er wahrnahm, als er sich ohne die Leitersprossen zu benutzen in den Bunker hinab ließ, war der Geruch nach Kaffee und Sandelholzseife und Ianto. Er lächelte, noch bevor er ohne das Licht einzuschalten ans Bett trat, um zu sehen, was seine Nase ihm bereits verraten hatte. Einen Arm unter die Wange geschoben und eng in die Laken gewickelt, schlief Ianto in seinem Bett.

Da war selbst im Schlaf eine steile Falte zwischen seinen Augenbrauen und Jack beugte sich über ihn, um seine Lippen einen Moment dagegen zu pressen, bevor er so leise wie möglich in das kleine Bad trat, das sich an sein Quartier anschloss und die Tür hinter sich schloss.

Ein paar Minuten später kam er sauber und nackt zurück – und fand sich einem halbwachen Ianto gegenüber, der auf dem Bett saß und ihn schläfrig musterte. Rasch glitt er neben ihn auf das schmale Bett und Ianto rückte näher an die Wand, um Platz für ihn zu machen.

„Was ist passiert?“, fragte der Jüngere, und seine Schläfrigkeit ließ seinen Akzent stärker zum Vorschein treten.

Jack dachte, mit dieser Stimme könnte Ianto das Telefonbuch vorlesen und die Leute würden ihm gebannt zuhören. „Nichts, was nicht bis morgen warten kann. Schlaf’ weiter.” Er rückte näher zu ihm und seufzte zufrieden, als Iantos warmer Körper sich an seinen schmiegte, Iantos Rücken gegen seine Brust gepresst, ihre Beine ineinander verflochten. Seine Arme glitten um die Taille des jungen Mannes, und er küsste seinen Nacken, als er die Augen schloss.

Er dachte, dass Ianto bereits wieder schlief, und war nahe daran, ihm zu folgen, als er ihn erneut sprechen hörte: „Bist du… Du bist gestorben, nicht wahr?“

„Wieso denkst du das?“, fragte Jack nach einem Moment.

„Ich bin aufgewacht, weil ich die Dusche gehört habe. Aber du fühlst dich noch immer kälter an als sonst. Und ich weiß, dass du nie kalt duschst, wenn es sich vermeiden lässt. Also muss es einen anderen Grund dafür geben.“

„Intelligent und hinreißend attraktiv. Ich bin ein sehr, sehr glücklicher Mann, dass ich dich gerade in meinem Bett gefunden habe“, sagte Jack leichthin. Er wollte jetzt nicht darüber reden, was passiert war. Er wollte hier liegen und Iantos Herzschlag unter seinen Fingern spüren.

„Jack…“ Ianto versuchte den Kopf zu drehen, um ihn anzusehen, doch Jack stoppte ihn.

„Nicht jetzt. Ianto… bitte?” Er ließ zu, dass seine Stimme seine Erschöpfung zeigte und verengt seinen Griff um den jungen Mann leicht, als sich merklich Anspannung in Ianto ausbreitete.

Sie wechselten keine weiteren Worte und es dauerte lange, bis sie beide Schlaf fanden.


# # #


Wirklich, das alles war Iantos Schuld.

Keine dreißig Sekunden, nachdem der Abspann über den Bildschirm lief, war Ianto über ihm wie ein Verhungernder an einem Buffet. Nicht, dass Jack sich beklagte, als sie auf dem Weg ins Schlafzimmer immer wieder stoppten und zum dritten Mal sein Hinterkopf unsanft gegen die Wand knallte, als Ianto ihn dagegen presste, um ihn zu küssen. Was war schon ein möglicher Gehirnschaden gegen Ianto, der seine dominante Seite zum Vorschein kommen ließ – was sonst ein wenig Überredung von Jack benötigte.

Sie landeten in einem Gewirr aus Gliedmaßen und halb ausgezogenen Kleidungsstücken im Schlafzimmer und es war Iantos Schuld, dass Jack sich hilflos lachend in die Kissen zurückfallen ließ, als der jüngere Mann in seiner Hast über seine eigenen Hosenbeine stolperte und auf dem Hintern landete.

Ianto sah ihn warnend an und Jack hob beide Hände in einer entschuldigenden Geste, während er versuchte, sich das Grinsen vom Gesicht zu wischen.

Er rollte sich an die Bettkante, setzte sich auf und streckte die Hand nach Ianto aus, als der zurück auf die Beine kletterte. Sekunden später grub er seine Finger in dunkles Haar, und Iantos Mund erstickte sein Aufstöhnen, als er ihn küsste. Iantos clevere Zunge presste gegen seine Lippen, und Jack gab bereitwillig nach, sog sie in seinen Mund, und wand seine eigene darum.

Ihre Hände glitten zwischen ihnen hin und her, aneinander, übereinander, öffneten ein paar verbliebene Knöpfe und stießen störende Kleidung aus dem Weg.

Es waren Iantos Knie, die seine Beine auseinanderstießen, so dass sein Körper dazwischen passte. Und Iantos Zähne an seinem Hals, die ihm einen überraschten, atemlosen Fluch abrangen, als er sich wie ein Vampir an ihm festsog. Und Iantos Hüften, die gegen seine pressten. Und die Rundungen von Iantos Gesäß, die so perfekt in seine Handflächen passten, als er ihn noch enger an sich zog…

Alles an ihm passte so perfekt zu Jack; glitt in ihn, füllte ihn aus, als wären sie zwei Hälften eines Ganzen, füreinander gemacht. Er führte Jack in Versuchung, das einzige zu tun, was er sich geschworen hatte, nie zu tun – sein unsterbliches Herz ganz und gar an einen Sterblichen zu verlieren.


# # #


Jack wachte alleine in seinem Bett auf und rollte sich auf die Seite, um sich umzusehen. Dem Licht nach zu urteilen, das von oben durch die Öffnung fiel, war es später Morgen und der Hub hatte vom Nacht- in den Tagmodus gewechselt.

Er fuhr sich durch die Haare, als die Ereignisse der letzten Nacht in seine Erinnerung zurückkamen und stand dann auf. Ianto hatte zu aufgebracht geklungen, als dass er das ganze ohne eine Erklärung auf sich beruhen lassen würde. Jack warf ohne große Hoffnung einen Blick ins Bad, doch Ianto war weder dort, noch sonst irgendwo im Bunker. Nicht, dass der Raum groß genug war, dass er ihn hätte übersehen können. Und Ianto steckte sicherlich weder im Schrank, noch unter dem Bett, die beiden einzigen Orte, die man nicht sofort und von überall einsehen konnte.

Jack zog sich an und stieg die Leiter hinauf in sein Büro. Vages Kaffeearoma driftete ihm entgegen und er ließ seine Schritte davon lenken.

Ianto saß auf einer der höher gelegenen Gangways, die selten benutzt wurden, außer jemand stattete Myfanwy einen Besuch ab und ließ die Beine über den Rand baumeln. Er hatte die Arme auf das Geländer gestützt und hielt eine Tasse in den Händen. Neben ihm stand Jacks blaugestreifter Kaffeebecher auf dem Gitter.

Er nahm hinter ihm Platz, so dass Ianto zwischen seinen Beinen saß und sich sein Rücken gegen Jacks Brust schmiegte, als er sich zurücklehnte. Jack nutzte die Gelegenheit, ihn zu küssen und legte einen Arm um Iantos Mitte, bevor er nach seiner Tasse griff und den ersten Schluck trank. Der Kaffee war heiß und stark, als hätte Ianto auf die Sekunde genau vorhergesagt, wann Jack ihn finden würde. Vielleicht konnte er das. Jack presste einen dankbaren Kuss auf den schmalen Streifen Haut, der zwischen Iantos Haaransatz und dem Kragen seines Hemdes zu sehen war.

Und dann erzählte er ihm, was passiert war, seine Wange gegen Iantos Schulter gelegt, so dass er sehen konnte, wie sein Atem die kurzen Haare in seinem Nacken bewegte. Dass er es versuchen wollte, machte diese neue Offenheit zwischen ihnen nicht einfacher. Er hatte so lange so viele Geheimnisse mit sich herumgetragen, dass er verlernt hatte, sie zu teilen. Und dann war da immer das Risiko, das Falsche zu sagen…

Ianto saß sehr still, und er stellte keine Fragen, oder unterbrach ihn. Die einzige Reaktion, die er nach außen zeigte, war seine Hand, die sich über Jacks Hand auf seinem Bauch legte und ihre Finger ineinander verflocht.

Als er fertig war, war der Kaffee kalt. Er stellte seinen Becher zur Seite, löste Iantos aus dem Klammergriff, in dem der jüngere Mann seine Tasse hielt und setzte sie ebenfalls auf den Steg. Dann drehte er mit seiner nun freien Hand Iantos Gesicht zu sich. Da war ein verräterischer Glanz in den blauen Augen und als sich eine einzelne Träne davon löste, um über eine blasse Wange zu rinnen, beugte er sich vor und fing sie auf, küsste Iantos Nase. Dann legte er seine Stirn gegen die des Archivisten und hielt ihn fest.

Über ihnen streckte der Pteranodon den Kopf aus seinem Nest und beäugte die beiden Männer neugierig und vielleicht ein klein wenig nachdenklich.


# # #


Kein Date, sondern einen ganzen Tag, hatte Ianto gefordert – einen ganzen Tag nur für sie alleine, ohne Riftalarm und Alien und dem Ende der Welt.

Und Jack hatte kaum ein Sekunde gezögert, ihm diesen Wunsch zu erfüllen.

Als sie nach einer Weile die Gangway oben bei Myfanwys Nest verließen und Ianto in die Küchenecke trat, um ihren kalten durch frischen Kaffee zu ersetzen, war Jacks erste Handlung, Textnachrichten an sein Team zu senden. An Gwen, dass sie sich für den Rest der Woche freinehmen konnte, und er sie erst am Montag wiedersehen wollte – was ihr Zeit genug geben sollte, mit den Ereignissen der letzten Nacht ins Reine zu kommen. Und an Tosh und Owen, dass sie sich den Tag freinehmen konnten, aber er dafür erwartete, dass sie am Folgetag ohne ihn und Ianto klarkamen.

Die erste, zustimmende Antwort kam – wenig überraschend war sie von Tosh – als Ianto mit ihrem Frühstück in sein Büro trat und das Tablett auf den Tisch stellte.

Jack sah von seinem Handy auf und bemerkte die verräterischen, roten Ränder um Iantos Augen. Er stand auf, half ihm das Tablett abzuräumen und unerledigten Papierkram und andere Dinge, die sich auf seinem Tisch angesammelt hatten, zur Seite zu schieben, um Platz für Tassen und Teller zu machen. Dann nahm er ihm das Tablett aus den Händen, lehnte es seitlich gegen den Schreibtisch und küsste Iantos Augenlider, bevor er ihm mit sanftem Nachdruck zu dem Stuhl gegenüber seinem führte und hineinsetzte.


# # #


Ein paar Minuten später lagen sie nebenander auf dem Bett, atemlos und mit identischen, zufriedenen Lächeln auf den Gesichtern.

Die erste Dringlichkeit war befriedigt, Schweiß und andere Körperflüssigkeiten begannen zu trocknen, wo sie sich auf bloßer Haut und noch immer nicht völlig entfernter Kleidung befanden, während ihr Puls langsam auf ein normales Maß zurückfand.

Es war still, bis auf ihre raschen Atemzüge, und für den Moment war das genug.

Jacks Schulter lag gegen Iantos Schulter gepresst und als er seine Hand ein wenig zur Seite bewegte, um seine Finger mit Iantos zu verflechten, fühlte sich das fast intimer an, als alles, was sie zuvor getan hatte. Er hatte das Gefühl, ihn für eine sehr, sehr lange Zeit so festhalten zu wollen.

Das war der Punkt, an dem in seinen Gedanken für gewöhnlich Alarmglocken zu schrillen begannen und versuchten, in eine andere Richtung zu navigieren.

Einen Tag lang so zu tun, als wären sie ein ganz normales Paar…

Lunch in einem Café; ein Spaziergang und Ianto neben ihm im Gras an einem unerwartet sonnigen Tag in einem Park; Gespräche oder Schweigen, je nachdem, wonach ihnen gerade war; ein intimes Dinner in einem vornehmen Restaurant und ein Besuch in einem Kino, der vorzeitig endete, weil sich ein älteres Paar, das hinter ihnen saß sich daran störte, dass sie sich küssten und sich lautstark beschwerte – was dazu führte, dass sich andere Zuschauer davon gestört fühlten. Ianto nahm ihn an der Hand, führte ihn aus der Vorstellung, bevor Jack seiner Meinung über die Intoleranz des 21. Jahrhunderts Luft machen konnte und besänftigte ihn mit einem langen Kuss im Foyer. Jack fand einen Videoladen, der vierundzwanzig Stunden geöffnet hatte, und überließ Ianto die Auswahl eines Ersatz-Films, während er ihn vergeblich in die Nische mit den „Erwachsenenfilmen“ zu locken versuchte. Sie lachten und alberten auf dem Weg nach Hause. Und als Jack den Film, den Ianto ausgesucht hatte, für langweilig erklärte, schlug der ihm auf die Finger und sagte ihm, er müsse sie zur Strafe für den Rest des Streifens bei sich behalten.

…war gut gewesen. Es hatte sich richtig angefühlt. Aber Jack konnte sich nicht erlauben, sich allzu lange in einer Illusion zu verlieren.

Die Intensität, die unbestreitbare Existenz seiner Gefühle in diesem Moment machte dem Mann Angst, der einmal Daleks mit nichts weiter als einem selbstsicheren Grinsen entgegen getreten war. Der ein Jahr in Ketten damit verbracht hatte, unvorstellbare Tode zu sterben, in der Gewissheit, dass er dazu beitrug die Welt, die er gelernt hatte, als seine zu betrachten und die Menschen, die er liebte, zu schützen.

Sex mit Ianto – selbst unglaublich intensiver Sex – war okay. Zuneigung, Lust, sogar eine kleine Verliebtheit hatte keine Bedeutung in Hinsicht auf das Große und Ganze. Vielleicht nicht einmal, ihn zu lieben. Jack hatte zuvor geliebt. Aber Ianto war dabei, so viel mehr zu werden; mit einer Intensität in ihm zu brennen, die er vor ihm so nicht gekannt hatte. Ein junger Mann mit sanften Augen und stählernem Willen war dabei, sich so tief unter Jacks Haut, unter all seine Barrieren und Geheimnisse zu graben, dass ihn zu verlieren eine so tiefe Wunde in ihn reißen würde, dass vielleicht nicht einmal die Ewigkeit ausreichen mochte, sie ganz zu heilen. Er wusste schon jetzt kaum noch, wo er aufhörte und Ianto anfing. Wenn er diesen Gefühlen erlaubte, weiter zu wachsen…

Und schlimmer noch – er wollte es ihnen erlauben. Wollte diesen Fluch, diesen Teil des Vortex, der in ihm glühte und ihn jedes Mal ins Leben zurückzerrte, aus sich herausreißen und Ianto darin einwickeln, ihn an sich binden, bis sie selbst die Zeit nicht mehr zu trennen vermochte.

Er wollte ohne einen Augenblick des Bedauerns seine Unsterblichkeit opfern, wenn das bedeuten würde, an Iantos Seite alt zu werden und irgendwann nach der Spanne eines normalen, menschlichen Lebens zu sterben.

Aber die Zeit und die Realität hielten sie in einem Impasse gefangen, in dem Jack nicht wagte, weiter zu gehen, weil es bedeuten konnte, alles zu verlieren, was er in den Händen hielt – und er aus dem gleichen Grund nicht in der Lage war, zurück zu weichen.

Also tat er, was er immer diesen Momenten tat: er drängte diese Gedanken dorthin zurück, von wo sie gekommen waren und versiegelte die Türen seines Bewusstseins davor. Aber jedes Mal war es ein wenig schwieriger und er irgendwann würde er sich ihnen stellen müssen. Es war unausweichlich.

Jack rollte sich auf die Seite und wusste, dass ihm Iantos Blick folgte, als er sich auf einen Ellbogen stützte, um auf den Wecker zu sehen.

Es war kaum neun Uhr vorbei, zu früh, um im Bett zu bleiben – obwohl Jack auch dagegen nichts einzuwenden hätte – und keiner von ihnen müde. Er überlegte, ob er Ianto eine Dusche und einen Ausflug in den Pub in der Bay vorschlagen sollte.

Sie gingen manchmal mit den anderen dorthin, denn er lag in der Nähe des Hubs und Jack liebte es, Ianto mit seiner Scheuheit aufzuziehen, die immer dann zutage trat, wenn sie mit anderen zusammen waren. Er konnte es nicht anders als amüsant finden, dass Ianto - der ihn mit so leichter Hand dazu brachte, alles zu tun, was er wollte - schon dann rot wurde, wenn Jack den Arm um ihn legte oder sein Kinn auf Iantos Schulter stützte, und andere um sie herum waren.

Er wollte sich hinstellen und der Welt diesen Mann zeigen, der ihn liebte. Wollte, dass sie ihn sahen, wie Jack ihn sah und nicht als den farblosen Teaboy, der sich immer im Hintergrund hielt, und der so oft übersehen wurde.

So betrachtet war es eine angenehme Überraschung gewesen, dass Ianto auf dem Weg zum Lunch seine Hand ergriffen und ihre Finger ineinander verflochten hatte, auch wenn sich rote Flecken über seinen Wangenknochen zeigten. Es sagte ihm, dass Ianto genau wie er wollte, dass dies zwischen ihnen funktionierte. Dass er nicht der einzige war, der sich veränderte.

Jack presste einen Kuss gegen Iantos Schlüsselbein, und er sah in blaue Augen, die ihn mit einer Intensität musterten, als versuchten sie seine Gedanken zu lesen, als er zuerst Ianto, dann sich selbst vom Rest ihrer Kleidung befreite. Er küsste entschuldigend den Abdruck seiner Zähne an Iantos Schulter, bevor er sich wieder auf den Rücken drehte.

Sie konnten aber auch einfach nur hier liegen blieben, genau so.

Der Gedanke brachte ihn fast zum Lachen und Jack musste innerlich den Kopf über sich selbst schütteln. Es war noch gar nicht so lange (oder sehr lange, je nachdem aus welcher Perspektive man es sah) her, da wäre er bereits angezogen und auf dem Weg zurück in den Hub gewesen. Er war immer unruhig, immer auf der Suche nach etwas gewesen: nach Antworten; nach seinem Doctor; nach einer neuen Eroberung; nach einem Ort, an den er gehörte; einen Platz, in den er passte.

Die Matratze senkte sich ein wenig, als Ianto sich auf die Seite drehte, so dass er ihm zugewandt war, leicht auf einen Ellbogen aufgestützt, den Kopf in die Handfläche gelegt. Seine freie Hand griff nach Jack.

Jack schloss die Augen, als Iantos Fingerspitzen langsam an der Innenseite seines Arms entlang glitten; anfangend bei seinem Handgelenk wanderten sie hoch zu seiner Schulter, beschrieben einen ordentlichen kleinen Kreis und folgten dem gleichen Pfad zurück.

Es war eine Berührung, eher besänftigend als erregend, als ob Ianto von den Konflikten in seinem Inneren wusste. Es war genug, dass er nicht wagte, die Augen zu öffnen, aus Angst, was Ianto in ihnen lesen könnte. Das war, was sie ausmachte – nicht die Worte, die sie nicht sagten; nicht die Bezeichnungen, die sie sich nicht gaben.

Also ließ er die Lider geschlossen und gab vor, zu schlafen, selbst wenn er nie weiter davon entfernt gewesen war…

Bis Ianto plötzlich die Hand zurückzog und sich von ihm wegrollte, ganz offenbar in der Absicht, das Bett zu verlassen. Jack öffnete die Augen und griff nach ihm, erwischte ihn am Fußknöchel, was dazu führte, dass Ianto um ein Haar das Bett mit dem Kopf zuerst verließ um den Fußboden zu küssen.

„Jack!“, protestierte Ianto überrascht, nachdem er sein Gleichgewicht wiedergefunden hatte. Er setzte sich zurück aufs Bett, gegen das Kopfende gelehnt und sah zu Jack hinüber, der quer über die Matratze ausgestreckt lag, sein Kopf auf der Höhe von Iantos Knie.

„Wo willst du hin?“, fragte Jack, auch wenn er seinen Griff lockerte und stattdessen Kreise auf Iantos Wade zeichnete.

„Nur ins Bad. Nicht alle von uns genießen es, in ihrem eigenen…“ Er deutete mit einer Grimasse auf das angetrocknete Sperma an seinem Bauch und seinen Oberschenkeln. „…du weißt schon… zu liegen.“

Jacks Grinsen verdiente eindeutig die Bezeichnung ‚wölfisch‘. „Ich glaube, ich hatte auch einen gewissen Anteil an... du weißt schon...“ Er beugte sich vor.

„Und das macht es inwiefern besser?“, erwiderte Ianto trocken und lehnte sich näher zu ihm. Es klang wie eines von Jacks Spielen und er konnte dazu nie nein sagen…

Sie trafen sich auf halbem Weg und Jack küsste ihn. Seine Finger wanden sich in Iantos Haar, um ihn fest zu halten. Es war ein überraschend ruhiger Kuss, ohne die Dringlichkeit, die sie zuvor an den Tag gelegt hatten, als sie ins Schlafzimmer stolperten. (Nun, zumindest war Ianto gestolpert…)

„Bleib‘ im Bett“, flüsterte Jack gegen seine Lippen.

Ianto nahm den Kopf leicht zurück, um ihn anzusehen, die Andeutung einer Grübelfalte zwischen seinen Augenbrauen. „Es dauert nur eine Minute“, sagte er nach einem Moment. „Oder komm‘ mit und wir wiederholen unsere Dusche von heute Morgen.“ Seine Hand fand ihren Platz an der Seite von Jacks Gesicht, seine Fingerspitzen glitten in Jacks Haar, während sein Daumen über makellos glatte Haut und fein definierte Wangenknochen strich.

Der Druck seiner Fingerspitzen gegen seinen Schädelknochen war fast schmerzhaft, als Jack sich in die Berührung presste und ihn küsste. „Bleib‘ hier. Bei mir.“ Er flüsterte es gegen die Lippen des anderen Mannes, in den willig geöffneten Mund. „Hier bei mir. Bitte.“

„Jack?“ Blaue Augen musterten ihn fragend, ein Schatten von Besorgnis glitt durch ihren Hintergrund. „Ich habe nicht vor, irgendwo hin zu gehen. Ich wollte nur ins Ba…“

Er kam nicht dazu, den Satz zu beenden, als ihm Jacks Mund das Wort abschnitt und seine Hand glitt von Jacks Wange zu seiner Brust, um ihn von sich zu schieben.

Nicht weit. Gerade genug, dass er Jack zurückdrücken konnte, bis der andere Mann wieder flach auf dem Rücken lag und er sich rittlings über Jacks Beine setzen konnte. Seine Knie sanken links und rechts von Jacks Hüften in die Matratze und seine Hände lagen auf Jacks Schultern, als er ihn küsste.

Oh, das war alles so Iantos Schuld…

Er drehte den Kopf zur Seite, als seine Lungen den Mangel an Sauerstoff beklagten und presste den Mund gegen die weiche Haut unterhalb von Iantos Ohr, was den anderen Mann für einen Moment nach Luft schnappen ließ. Er war so vertraut mit Iantos Körper, mit all seinen sensitiven Punkten, dass er mit verbundenen Augen ein Diagramm davon zeichnen könnte.

Die Finger um seine Schultern pressten tief genug in die Haut, dass sie bei jedem anderen dunkelrote Male hinterlassen hätten. Er wusste, dass sie bei ihm so rasch verblassten wie sie entstanden und für einen Moment wallte Eifersucht in ihm hoch, um all die kleinen Dinge, um die er betrogen wurde. Jack konnte seine Spuren auf Iantos Haut hinterlassen – hatte es viele Male getan – aber wo blieben Iantos Spuren auf seiner Haut? Was kennzeichnete ihn vor den Augen der anderen als Iantos, so wie er Ianto als sein markierte?

Seine Hände legten sich auf Iantos Hüften, zogen ihn näher, enger zu sich und er spürte einen Schauer durch Ianto rinnen, als sie aneinander glitten; er wusste, dass Ianto noch leicht empfindlich von seinem noch nicht so lange zurückliegenden Orgasmus war.

Jack öffnete die Lider und sah in blaue Augen mit geweiteten Pupillen, die ihn suchend anblickten. „Wirst du mir irgendwann verzeihen?“, fragte er.

Ianto wandte für einen Moment den Blick ab. „Jack…“ Doch er sprach nicht weiter. Stattdessen beugte er sich vor, um Jack auf die Stirn zu küssen; auf die Schläfen, die Wangen, das Kinn. Sein Mund glitt an seinem Hals entlang, dann presste Ianto seine Stirn gegen Jacks Brustbein. „Es tut mir leid“, flüsterte er.

„Nein. Nicht…“ Jack zeichnete mit den Fingerspitzen eine Linie entlang Iantos Wirbelsäule. „Du hast dich für nichts zu entschuldigen.“ Er biss sich auf die Unterlippe, als Iantos Hand zwischen sie glitt und begann, seine wachsende Erektion zu voller Härte zu bringen. „Ich hätte… das nicht fragen dürfen. Du bist nicht…“ Was immer er noch sagen wollte, wurde von Iantos Mund verschluckt, als er ihn küsste.

Seine Hand glitt unter das Kissen, wo griffbereit eine Tube mit Gleitmittel lag und zog sie hervor, um dann nach einem Kondom zu fischen, das er hier irgendwo noch von ihren Aktivitäten am Morgen wusste.

Es war nicht notwendig. Was seinem Körper ermöglichte, von jeder Verletzung zu heilen, bewahrte ihn auch vor allen Krankheiten, die er sich auf andere Weise holen konnte, selbst wenn er gegen sie nicht geimpft sein sollte. Und da Ianto ein (biologisch gesehen) völlig gewöhnlicher und genetisch nicht angepasster Mann des 21. Jahrhunderts war (und es selbst in seiner Zeit Planung und medizinischer Betreuung bedurfte, um gewisse Einschränkungen zu überkommen, wie er aus Erfahrung wusste), konnte keiner von ihnen schwanger werden – obwohl es Spaß machen würde, es zu versuchen…

Aber Ianto bestand darauf und Jack verstand, dass es sein Weg war, ihm zu sagen, dass es ihm noch nicht gelungen war, Iantos volles Vertrauen zurück zu gewinnen – selbst wenn sie wieder das Bett teilten.

Es war blanke Ironie, dachte Jack, als seine Finger sich um das viereckige Päckchen schlossen und die Folie leise in seiner Handfläche knisterte.

Er hatte während seiner… Abwesenheit… mit ein paar Leuten geflirtet, aber selbst wenn er es gewollt hätte, es wäre keine Gelegenheit für mehr gewesen. Und auf der Valiant…

Jack verschloss hastig die Tür vor diesen Erinnerungen, die noch immer zu dicht unter seiner Oberfläche ruhten.

...und hinterher, als die Zeit sich zurückgedreht hatte und er in der TARDIS blieb, um dem Doctor zu helfen, die Schäden durch die Paradoxmaschine zu reparieren, war er damit beschäftigt, seinen Körper wieder neu fühlen zu lernen.

Er war während diesem Jahr so oft gestorben, hatte solche Brutalität und Grausamkeit erlebt, dass er statt Stunden Tage und Wochen benötigte, um vollständig zu heilen. Es war wie nach Abaddon gewesen, als er erst nach vier Tagen zu sich kam. Nur war ihm dieses Mal nicht der Luxus vergönnt, es nicht bewusst mit zu erleben und zu spüren, wie jede einzelne Zelle in seinem Körper heilte.

Selbst in den Nächten in seinem Raum an Bord der TARDIS, wenn sie beruhigend in seinem Kopf sang, um die Erinnerungen fern zu halten, aus denen seinen Alpträume bestanden, war es Iantos warme Präsenz, nach der er sich sehnte. Aber er konnte nicht zurück, nicht bevor er so weit geheilt war, dass er nicht beim ersten Wiedersehen mit seinem Team in Scherben zerbrach. Sie durften ihn niemals so sehen.

Er fragte sich, wie Ianto reagieren würde, wenn er ihm erzählen würde, dass er sowohl mit Martha wie auch mit Tish in einem Bett geschlafen hatte, ohne dass je irgendetwas zwischen ihnen passiert war. Ianto würde ihm natürlich nicht glauben. Jack würde sich selbst nicht glauben, dass er in den Armen von zwei wunderschönen Frauen geschlafen hatte und der Gedanke an Sex nicht einmal auftauchte.

Seit seiner Rückkehr hatten sich ihre Aktivitäten auf Hand- und Blowjobs beschränkt. Und heute Morgen unter der Dusche war Jack zwischen Iantos fest zusammengepressten Oberschenkeln gekommen, den offenen Mund gegen seinen Haaransatz gedrückt.

Sie waren immer in der Lage gewesen, ihre körperliche von ihrer emotionalen Beziehung zu trennen. Da waren immer Tage gewesen, an denen er Ianto über seinen Schreibtisch beugte oder er sich im Archiv gegen eines der Regale gepresst fand, und sie hart, schnell und ohne große Finesse ihren Ärger, Frust oder ihre Hilflosigkeit exorzierten. Blaue Flecken, Bissspuren und Kratzer Zeugen dieser Katharsis; zerrissene Kleidung und bei einer besonderen Gelegenheit ein Sprung in der gläsernen Wand, die Jacks Büro vom Rest des Raumes abtrennte, die stummen Opfer.

Er legte beides in Iantos Hand und bog seine Finger darum, dann griff er nach dem zweiten Kissen und schob es unter seine Hüften. Schloss die Augen und wartete auf Iantos Entscheidung.

Es waren keine Worte, mit denen Ianto ihm antwortete. Es waren seine Finger, die beinahe neckend an Jacks Flanken entlang glitten. Sein Mund, offen und feucht und warm gegen seine Haut, sich fast quälend langsam tiefer arbeitend. Eine Zungenspitze in seinem Nabel und letztlich… endlich… sein Atem, kühl auf Jacks erhitzter Haut, als Ianto direkt über seiner Erektion ausatmete.

Hände, die seine Beine auseinander schoben, als bräuchte er dazu erst eine Aufforderung, so dass Ianto dazwischen knien konnte.

Seine Lider glitten auf, als er das leise ‚klick‘ hörte, mit dem der Verschluss der Tube aufsprang und Jack beobachtete das Gesicht seines jungen Liebhabers. Da war ein viel zu ernster Ausdruck; so viel Konzentration zeigte sich um seine Augen, dass Jack fast die Hand ausgestreckt hätte, um ihn an sich zu ziehen und zu küssen, bis…

Er stemmte die Ellbogen in die Matratze, als sein ganzer Körper sich instinktiv aufwölbte, als Ianto den ersten Finger in ihn gleiten ließ. Oh ja, es war wirklich eine lange Zeit vergangen; länger als je zuvor, so weit er sich zurückerinnern konnte. Das leichte Brennen, das er spürte, als Ianto den engen Muskelring dehnte, erweckte fast die Fantasie, Ianto seine Unschuld (und war das nicht ein Wort, das niemand jemals mit ihm in Verbindung bringen würde?) zu geben. So, wie er Iantos erster Mann gewesen war. Wieder etwas, an dem Ianto Schuld war – er verwandelte sich in einen sentimentalen Romantiker. Bevor er sich versah, würden er und Ianto Kleidung im Partnerlook tragen, jeden Abend vor dem Fernseher kuscheln und eine monogame Beziehung führen. Nicht, dass er – zumindest nicht, seit er in der Nacht nach der Rückkehr von seinem Ausflug in das Jahr 1941 das CCTV Band mit Owens und Iantos Auseinandersetzung sichtete und sich eingestand, dass Ianto recht hatte: er brauchte ihn so viel mehr, und nicht nur als Bettwärmer – viel daran gedacht hatte, andere Partner zu finden.

Er atmete aus, entspannte sich bewusst und als Ianto nach einer Weile einen zweiten Finger hinzunahm, war er für ihn bereit.

Jack streckte eine Hand aus, flocht sie in dunkles, seidiges Haar, als Ianto den Kopf senkte, um Bissmale in der empfindsamen Haut rund um seine Hüftknochen zu hinterlassen. Seine freie Hand umschloss Iantos Schulter und drückte sie. Als Ianto aufsah, zog er ihn auf sich, zu sich her, um ihn zu küssen. „Jetzt“, sagte er atemlos gegen die Lippen des jüngeren Mannes. „Jetzt, Ianto.“

Er hörte Ianto leise lachen, und ihn etwas murmeln, dass nach: „…wo auch immer… nicht geduldiger geworden…“ klang.

Jack wünschte für einen Moment, er könnte Ianto die Wahrheit sagen. Geduld war nur eines der Dinge gewesen, die er während seiner… seines Aufenthaltes… an Bord der Valiant gelernt hatte.

Nur für eine Sekunde, dann zwang er sich zurück ins Hier und Jetzt und konzentrierte sich auf den Verlust an Wärme, als Ianto sich von ihm löste; sich auf die Fersen zurücksetzte, zwischen Jacks Beine.

Er leckte sich über die Lippen, trocken und leicht angeschwollen, und seine Finger glitten unruhig über das zerknitterte Laken unter ihnen, begierig darauf, Ianto zu berühren. Er wollte Iantos Hände wegschieben, als er das Kondom überrollte und mehr Gleitgel über seine Erektion verteilte und sie durch seine ersetzen. Er wollte ihn in seinem Mund und Ianto tief in seine Kehle kommen spüren.

Aber irgendwann in der Zeit und Distanz zwischen der Couch und dem Bett, hatte er beschlossen, Ianto heute Nacht die Kontrolle zu überlassen. Es war nicht unbedingt ein Opfer. Er liebte es; liebte die Selbstsicherheit, die Ianto im Bett an den Tag legte; seine gelegentliche Aggressivität und oh… diese schmutzigen Gedanken, die hinter ihrer unschuldigen Fassade offenbar nur auf ihn gewartet hatten. Vor Ianto hatte er seit seiner Strandung auf der Erde kaum einen Partner gefunden, der so offen für all die herrlichen sexuellen Spielarten war, die Jack während seiner Zeit als Time Agent überall in der Galaxie kennen gelernt hatte…

Dann waren Iantos Finger zurück in ihm, drei dieses Mal, mehr Gleitgel und dann, begleitet von einem vagen Schmerzempfinden, endlich Ianto… Sein Kopf fiel in den Nacken, sein Becken wölbte sich, um Ianto noch tiefer in sich zu spüren; er stemmte die Fersen in die Matratze für mehr Halt… den er an Iantos Armen fand. Seine Fingerspitzen fest genug in Iantos Schultern gegraben, dass er morgen blaue Flecken vorweisen konnte.

Aber das spielte keine Rolle, nicht jetzt, nicht wenn er nur mehr wollte; so viel mehr, es war nie genug mit Ianto…

…nie genug Zeit, nie genug Worte, nie genug…

Er stemmte sich hoch, zog Ianto auf sich herab, trotz des etwas ungünstigen Winkels, um ihn zu küssen, und Ianto biss ihn mit etwas, dass sich fast nach einem Knurren anhörte, in die Lippen. Eine seiner Hände legte sich fest um Jacks Kinn, hielt ihn still; während er sich mit der anderen abstützte, und dann war Iantos Zunge in seinem Mund, ihn absolut dominierend, und Jack liebte es.

Seine Beine schlangen sich um Iantos Hüften und er kreuzte die Fußknöchel übereinander, um ihn so eng an sich zu pressen, wie er konnte. Mit jeder Bewegung vorwärts presste Iantos Bauch gegen seine eigene, bisher stark vernachlässigte Erektion. Er hätte eine Hand lösen können, und sich selbst berühren. Er hätte Iantos Finger von seinem Kinn lösen können und sie nach unten drücken. Aber er tat nichts davon, sicher allein davon kommen zu können, wie sich Ianto in ihm bewegte. Von der überwältigende Nähe, der Hitze, den Geräuschen von Fleisch an Fleisch und Iantos Stöhnen, das seinen Mund füllte.

Seine Welt verengte sich auf die blauen Augen, die seinen Blick festhielten, und seine Gedanken gaben ihr endloses Wandern in endlosen Kreisen auf. Er war endlich angekommen – in diesem Moment. In dieser Realität.

Er bemerkte kaum, dass Tränen auf seinen Wangen waren, als er kam; heiß und begleitet von heftigem Schaudern; Ianto eng an ihn gedrückt, ihre Lippen so fest aufeinander gepresst, dass sich ein Gefühl von Taubheit in der unteren Hälfte seines Gesichtes ausbreitete.

Ianto murmelte seinen Namen, frenetisch; seine Bewegungen weniger kontrolliert, dann spannte sich jeder Muskel an, bevor er auf Jack herabsank und sein Gesicht am Hals des älteren Mannes vergrub.

Jack streckte sich unter ihm aus, hielt ihn fest, spürte ein gelegentliches Zittern durch Iantos Körper rinnen, wie elektrische Strömungen unter der schweißnassen Haut, während sie versuchten, wieder zu Atem zu kommen.

Nach einem Moment richtete sich Ianto auf die Ellbogen auf, küsste ihn auf die Stirn; glitt aus und von ihm, rollte weg. Und obwohl es das letzte war, was er jetzt tun wollte, ließ Jack ihn gehen.

Er schloss die Augen, lauschte auf das leise Geräusch von bloßen Füßen auf dem Boden; dem Öffnen der Tür zum angrenzenden Badezimmer. Wasser rauschte, und dann wiederholte sich alles in umgekehrter Folge.

Die Matratze senkte sich leicht, und er spürte, wie Iantos Knie leicht in seine Seite pressten, als er sich neben ihm aufs Bett kniete. Dann wischte ein feuchtes Handtuch Schweiß und Sperma und Gleitmittel von seiner Haut.

Das Handtuch verschwand und Ianto drapierte sich mit einem zufriedenen Seufzen um ihn, über ihn, den Kopf unter Jacks Kinn geschoben, so dass er die Seite seines Gesichtes gegen seinen Brustkorb legen konnte.

Jack wollte einen Scherz machen; ihm von einem krakenarmigen Alien erzählen, mit dem er einmal Sex hatte, und davon wie er bis heute nicht wirklich wusste, welchem Geschlecht er es zuordnen musste, weil drei zur Auswahl standen und dass Ianto sich gerade sehr ähnlich um ihn wickelte…

Zu einer Normalität zurückkehren, in der er nicht schon jetzt den Augenblick fürchtete, in dem der Herzschlag, den er gegen seinen spüren konnte, aufhören würde zu schlagen.

Aber er tat es nicht. Konnte es nicht. Stattdessen drehte er den Kopf und vergrub sein Gesicht in Iantos Haar.

Er konnte ein Zusammenzucken nicht verhindern, dass Ianto unvermittelt seine Hand ergriff und ihre Finger miteinander verflocht, bevor er sie zwischen ihre Körper zog, so dass er seine Wange dagegen schmiegen konnte. Er spürte Iantos Lippen über seine Knöchel streifen, als er: „Schlaf‘ jetzt“, murmelte.

Und Jack schlief. Für den Moment sicher vor allem, was vergangen war und was noch kommen mochte. Mit allem, was er brauchte und wollte, genau hier in seinen Armen.

Für jetzt.. und den Rest der Nacht… war es genug.


Ende



what in this world
keeps us from tearing apart
no matter where I go I hear
the beating of your heart
I think about you
when the night is cold and dark
no one can move me
the way that you do
nothing erases the feeling between me and you

(Cindy Lauper – I drove all night)