Titel: Fit wie ein Turnschuh
Autor: Lady Charena
Fandom: SK Kölsch

Pairung: Jupp, Falk, Dr. Schwarz
Rating: gen, Humor

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Sport ist Mord

 

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„Wo bleibst du denn?“, fragte Falk und versteckte ein Grinsen, als Jupp atemlos zu ihm aufschloss. „Alles in Ordnung?“

 

„Klar.“ Jupp stemmte die Hände in die Hüften, beugte sich leicht vor und holte tief Luft. Er versuchte es zumindest, doch irgendwie schienen seine Lungen zu Nichts zusammengeschrumpft zu sein, er bekam nichts hinein. „Geht mir... geht mir prima.“

 

„Na, du siehst nicht so aus.“ Falk musterte seinen Partner - inzwischen etwas besorgt. „Vielleicht lässt du besser eine Runde ausfallen.“

 

„Damit... damit die Westphal mir wieder... wieder eine Strafpredigt hält, was?“ Jupp schüttelte sich die schweißverklebten Haarsträhnen aus der Stirn, fuhr sich mit dem Arm übers Gesicht.

 

„Es wird ihr auch nicht gefallen, wenn du hier auf der Bahn umfällst.“ Falk fuhr sich durch die Haare, die wirrer als sonst abstanden. „Außerdem kuck dir Achim an. Er hat schon zwei Runden vor dir aufgegeben.“

 

„Häh?“ Jupp richtete sich langsam auf. „Aber ich bin doch nur zwei Runden gelaufen.“

 

„Richtig. Achim hat schon nach hundert Meter aufgegeben und sitzt jetzt auf der Tribüne.“ Falk rieb an einem Grasfleck an seiner Trainingshose. Er nickte zu Dr. Schwarz hinüber, die gerade auf der gegenüberliegenden Bahnseite lief. „Sie ist gut. Wir sind zwei Runden zusammen gelaufen und sie hat mich abgehängt. Ich muss wirklich wieder häufiger laufen gehen.“

 

„Hey, wir haben von *mir* gesprochen“, brummte Jupp. “Gibt’s keine Möglichkeit, aus dem Programm rauszukommen? Irgendeine Befreiung?“

 

„Nur, wenn du irgendwie krank wärst.“ Falk wippte auf den Fersen. „Aber bevor die Westphal dich rauslässt, musst du schon auf dem Tisch von Dr. Schwarz liegen. Nicht, nachdem uns neulich dieser Typ entwischt ist.“

 

„Sag’s doch“, gab Jupp gereizt zurück. „Er ist mir entwischt! Mir! Aber was zum Kuckuck kann ich dafür, dass ich über diesen dämlichen Mülleimer stolpern musste.“

 

„Ja, und dabei war er noch in einer so völlig unscheinbaren Farbe gestrichen. Dieses ORANGE sieht man kaum“, stichelte Falk. „Aber keine Bange, ich habe gesehen, dass er sich dir absichtlich vor die Füße geworfen hat. Es war nicht dein Fehler.“ Dann klopfte er Jupp auf die Schulter. “Na, wie sieht’s aus, hast du wieder genug Luft? Lass’ uns noch ein paar Runden drehen.“ Er lief los, ohne auf seinen Partner zu warten und gesellte sich zu der Pathologin, die sich ihnen freiwillig angeschlossen hatte. Jupp trabte murrend und schimpfend hinter ihnen her.

 

* * *

 

Ein paar Tage später wiederholte sich das Ganze. Gesine Westphal hatte mindestens zwei Trainingseinheiten pro Woche angeordnet. Und Jupp folgte der Anweisung zähneknirschend, ihm blieb keine andere Wahl. Ansonsten hätte sie ihn zu Innendienst verdonnert. Und die Aussicht war noch schrecklicher.

 

Seine Beine waren bleischwer, als er endlich zu Falk aufschloss, der locker plaudernd Seite an Seite mit Dr. Schwarz lief. Die Pathologin warf ihm einen prüfenden Blick zu, dann zog sie das Tempo an und lief ihnen davon. Falk dagegen wurde langsamer und passte sich Jupp an, der inzwischen nicht mehr lief, sondern nur noch ging und darauf wartete, dass das Seitenstechen nachließ.

 

„Komm’ lass uns von hier verschwinden“, meinte Jupp, als er einigermaßen zu Atem gekommen war.

 

„Ich will noch ein paar Runden laufen.“ Falk fuhr sich durch die Haare. „Wie viele hast du geschafft? Zwei?“

 

„Vier“, schwindelte Jupp. Dabei waren es in Wirklichkeit gerade einmal eineinhalb gewesen. Eindreiviertel, zählte man die letzten Schritte dazu.

 

„Na siehst du, es klappt schon besser.“ Falk klopfte ihm auf die Schulter. „Schwing’ die Hufe.“

 

„Warte“, protestierte Jupp und hielt Falks Arm fest. „Reicht das noch nicht? Hey, wir sind doch gestern gelaufen. Ganze fünf Kilometer.“

 

„Wir sind viereinhalb Kilometer zum Park gefahren. Und dann bist du einen halben Kilometer zum Büdchen gelaufen – hin und zurück zusammen waren ein halber Kilometer – um dir ein Eis zu holen.“ Falk war unerbittlich. Er löste sich aus Jupps Griff und ließ ihn stehen.

 

„Es war heiß.“ Jupp knurrte ein paar wenig schmeichelhafte Dinge vor sich hin, als er sich wiederwillig in Trab versetzte und hinter seinem Partner herlief. Er schnaufte empört. Als ob dieses schwachsinnige im-Kreis-laufen irgendwas bringen würde. Abgesehen von schmerzenden Füßen und mieser Laune. Er wischte sich die Stirn ab. Wo war diese Verbrechenswelle, von der die Zeitungen immer schrieben? Wenn sie einen Fall hätten, würde ihm die Zeit für diesen Quatsch fehlen. Ja, dringende Ermittlungen wären die perfekte Ausrede, sich um die Stunden auf dem Sportplatz zu schenken.

 

Verdammt, jetzt bekam er auch noch eine Blase an der Ferse. Jupp hatte es satt. Er humpelte von der Bahn und ließ sich schwer ins Gras plumpsen, wo er sich die Schuhe von den Fersen zerrte und kummervoll seine Füße betrachtete. Von der anderen Seite der Bahn drang ausgelassenes Lachen an seine Ohren. Stöhnend ließ sich Jupp auf den Rücken fallen und legte einen Arm über die Augen.

 

„Üben Sie schon mal?“, schreckte ihn wenig später eine spöttische Stimme auf.

 

„Häh?“ Jupp nahm den Arm weg und blickte in das amüsierte und beneidenswert unangestrengt wirkende Gesicht von Dr. Schwarz. „Was? Wofür?“, fragte er verständnislos.

 

„Na wenn Sie so weitermachen, landen Sie noch auf meinem Tisch.“ Die Pathologin strich eine Haarsträhne zurück, die sich aus ihrem Pferdeschwanz gelöst hatte. „Vielleicht sollten Sie es mit was einfacherem versuchen. Nordic Walking, wäre doch eher was für Sie. Macht das nicht Ihre Mutter? Walken Sie doch einfach mit ihr. Strengt nicht so an und macht auch fit. Und ein bisschen weniger Zigaretten und Kölsch - und Sie sind wie neu.“ Sie nickte und gesellte sich wieder zu Falk.

 

„Walken? Mit meiner Mutter?“ Jupp legte wieder den Arm über die Augen. „Nur über meine tote Leiche!“ Und überhaupt, er war fit – fit wie ein Turnschuh.

 

Ende