Für R! Mit den besten Wünschen, damit du schnell wieder gesund wirst.



Titel: Der Fehltritt
Autor: Lady Charena (Januar 2013)
Fandom: Tupperwood
Episode: --
Wörter: 1880
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Toshiko Sato
Pairing: Jack/Ianto
Rating: slash, pg, Humor
Beta: T‘Len

Summe: Jack hat sich einen Fehltritt erlaubt. Ianto ist nicht amüsiert.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.




Hinter Ianto knallte die Tür des Tourismus-Büros ins Schloss, hart genug dass das Holz vibrierte. Er stoppte nur kurz, wechselte die beiden Einkaufstüten aus der linken in die rechte Hand und beugte sich über den Schreibtisch, um die nun freie Hand auf den unter der Theke versteckten DNA-Scanner zu pressen. Bevor die Wandverkleidung sich zur Seite bewegt und den Eingang zum Hub freigegeben hatte, öffnete sich die Tür nach draußen erneut.

Jack ergriff Iantos Handgelenk bevor der in den Lift treten konnte. „Warte einen Moment.“

Ianto schüttelte seine Hand ab und wirbelte zu seinem Partner herum. „Ehrlich, wie konntest du nur?“, fragte er aufgebracht.

„Ianto...“

„Direkt vor meinen Augen!“, unterbrach ihn der junge Waliser.

„Du wolltest ja nicht“, verteidigte sich der Captain, die Unterlippe trotzig vorschiebend.

„Natürlich nicht!“ Ianto rollte mit den Augen über diesen Versuch, ihre Tochter zu imitieren. Natürlich kam sie auch nicht damit durch. Nun gut, fast nie… „Wir waren nur noch zehn Minuten vom Hub entfernt, so lange hättest du mühelos warten können.“

Jack versuchte es mit Charme. „Gib zu, du hättest ihm auch nicht widerstanden...“

Eine Handbewegung seines Partners schnitt ihm das Wort ab. „Und dann auf einer öffentlichen Toilette? Wirklich? Manchmal denke ich, ich kenne dich überhaupt nicht.“

„Das war eine Notlösung“, der Captain gab sich ein wenig zerknirscht. „Ich wusste ja schließlich nicht, dass du so schnell zurückkommen würdest. Normalerweise bist du mindestens zehn Minuten weg, bei der langen Liste...“

„Entschuldige, dass ich mich beeilt habe, damit wir pünktlich bei unserer Tochter sind“, unterbrach ihn Ianto erneut, nicht mit Sarkasmus sparend. „Wenn du dich im Supermarkt benehmen könntest, müsste ich dich nicht wie einen Hund vor der Tür stehen lassen.“

„Du kannst mich ja das nächste Mal anbinden.“ Jack grinste. „Macht man doch so mit Hunden…“

„Das ist nicht witzig, Jack.“ Nein, Ianto klang nicht sehr amüsiert.

„Ich weiß. Aber ich konnte ihn schließlich nicht irgendwo stehen lassen und er war zu heiß um ihn einfach schnell...“ Noch bevor Jack den Satz beenden konnte, hatte Ianto erneut den Türöffner betätigt, sich seine Tüten geschnappt und war in den Lift getreten, kaum dass der Spalt, den die zurückgleitende Wandverkleidung freigab, dazu groß genug gewesen war.

Die Geheimtür schloss sich vor seiner Nase. Und öffnete sich auch nicht wieder, als Jack zum Schreibtisch trat und seinerseits den Türöffner betätigte. „Ianto?“ Er hatte das Surren des Lifts noch nicht gehört.

Und aus Erfahrung wusste er, dass die Wandverkleidung nicht schalldicht war. Sie hatten sich schon einmal im Lift versteckt, und den verdutzten Rufen einer Touristin gelauscht, die sich nicht erklären konnte, wohin die beiden Männer, die unmittelbar vor ihr das Gebäude betreten hatten, verschwunden waren.

„Komm schon, du blockierst die Tür. Lass mich rein“ Er machte eine Pause und wartete auf eine Antwort. „Ich werde mich auch entschuldigen.“

„Putz dir lieber auch gleich die Zähne“, warnte Ianto. Seine Stimme klang ein wenig dumpf, war aber deutlich zu verstehen – das bedeutete, er stand unmittelbar auf der anderen Seite der Verkleidung und nicht etwa abfahrbereit in der Liftkabine.

„Zähneputzen, Mundwasser - wenn du willst, schneide ich mir auch die Zunge raus...“, bot Jack grinsend an.

„Danke, ich verzichte auf derart extreme Maßnahmen“, erwiderte sein Partner trocken.

„Und danach könnten wir beide doch...“

„Vergiss es. Komm mir lieber nicht so bald unter die Augen.“ Iantos Worten folgte ein raues Kratzen – Metall das über Stein schabte und dann das Surren, mit dem sich der Lift in Bewegung setzte.

Manchmal übertrieb Ianto wirklich, wegen so eines kleinen Fehltritts... Jack starrte das Codeschloss an und versuchte sich an die Zahlenkombination zu erinnern, mit dem er die Tür dazu brachte, sich wieder zu öffnen. Ianto hatte den Mechanismus von der anderen Seite aus gesperrt. Wenn man den Notausschalter betätigte, funktionierte der DNA-Scanner nicht und riegelte damit den Zugang zum Hub ab. Vermutlich stand der Code in seinem Notizbuch... welches wiederrum unerreichbar in seinem Schreibtisch lag. Aber musste er jetzt wirklich den ganzen Weg bis zum nächsten Eingang laufen? Außerdem wimmelte es auf dem Plas von Menschen, wenn er den Lift an der Wasserskulptur benutzte, könnte jemand beobachten, wie er sich hinter dem Wahrnehmungsfilter „in Luft auflöste“.

Bevor Jack versuchen konnte, mit seinem Wriststrap den Mechanismus zu übersteuern, ging die Türverkleidung auf. Ah, er hatte es doch geahnt, Ianto ließ ihn nicht lange hier oben allein ausharren...

Doch anstatt von Ianto stand ihm Tosh gegenüber. Jack lächelte. "Hey. War Rhearn brav? Wir..." Klatsch. Eine schallende Ohrfeige unterbrach ihn. Verdattert starrte Jack die Computertechnikerin an. Seine Wange brannte, er wusste bereits, dass Tosh nicht so zerbrechlich war, wie sie aussehen mochte – und jetzt konnte er es auch spüren. "Wofür war das?", fragte er verwundert. Toshikos Augen funkelten - vor Wut und... Moment, waren das etwa Tränen? "Ist etwas passiert?"

„Wie konntest du das Ianto antun?“, fauchte Tosh ihn an. „Ich dachte du liebst ihn? Und dann verschwindest du mit einem Typen für eine schnelle Nummer auf eine öffentliche Toilette? Ich könnte dich umbringen, du dämlicher Idiot.“ Sie holte erneut aus.

„Tosh!“ Er fing ihre Hände ein, hielt sie fest. „Ich weiß nicht, was du gerade von mir denkst, aber das ist ein Missverständnis.“

"Willst du behaupten, dass du Ianto nicht betrogen hast?" Tosh befreite sich ruckartig aus seinem Griff. "Ich habe es mit eigenen Ohren gehört. Und gesehen. Ich meine, ich habe euch beide übers CCTV beobachtet! Hier, in diesem Raum."

Plötzlich begann Jack zu lachen. Und er stoppte nur, um zur Kamera hoch zu sehen und zu sagen: „Ianto, wenn du mich hören kannst, bitte klär Tosh auf bevor sie mich erwürgt um deine Ehre zu retten.“

„Ist das vielleicht ein Witz für dich?“, fragte Tosh leicht verunsichert - aber immer noch sichtlich sauer.

Jack winkte ab, er lachte wieder, lehnte sich gegen den Schreibtisch und hielt sich die Seiten.

Kaum zwei Minuten später kam Ianto eilig aus dem Lift und sah von ihr zu dem immer noch grienenden Jack und dann wieder zurück zu Tosh. „Was geht hier vor sich?“

Tosh trat zu ihm, legte die Hand auf seinen Arm. „Ianto, ich habe euren Streit mit angehört, über das CCTV. Ich arbeite doch gerade an der Verbesserung des Systems... wir haben jetzt auch Ton und Farbe...“ Sie brach ab, als Ianto sie verwundert ansah.

Jack bekam sich endlich wieder in den Griff. „Sie denkt... sie denkt...“, meinte er atemlos. „…ich hätte dich betrogen. In einer öffentlichen Toilette. Mit einem anderen Mann. Sie glaubt, darüber hätten wir gesprochen!“

Ianto zog überrascht die Augenbrauen hoch und wandte sich seiner Freundin zu. "Das ist ein Missverständnis."

"Genau das habe ich auch gesagt." Zufrieden grinsend verschränkte Jack die Arme vor der Brust.

„Ein Missverständnis“, wiederholte Tosh sarkastisch. „Inwiefern? Hat er ihn mit dir verwechselt und es ist ihm erst aufgefallen, als es vorbei war?“

„Tosh...“ Ianto schien nach den richtigen Worten zu suchen. „Das war kein richtiger Streit", fuhr er sanft fort. „Ich bin nicht wirklich sauer auf Jack, nur weil er sich bei Starbucks einen dieser zu Tode aromatisierten Kaffees geholt hat, während ich einkaufen war. Obwohl ich es immer noch ein klein wenig kindisch und vor allem widerlich finde, dass er sich in einer der öffentlichen Toiletten versteckt hat, um ihn zu trinken, ohne dass ich es sehe.“

„Es war eine wirklich saubere Toilette", mischte sich Jack ein. „Wir sollten das der Tourismusbehörde mitteilen, ich meine, wenn wir schon vorgeben, für sie zu arbeiten." Die beiden ignorierten ihn und er beschloss weise, vorerst den Mund zu halten.

„Sag mal habt ihr beide noch alle Tassen im Schrank?“, kam es gefährlich leise von Tosh. Sie gab Ianto einen Schubs, der jedoch wesentlich sanfter ausfiel, als die Ohrfeige für Jack.

Unfair!

„Tosh, wir haben uns wirklich nur zum Spaß gestritten“, wiederholte Ianto. „Und wenn ich gewusst hätte, dass du uns hörst, dann wären wir nie so weit gegangen.“

„Du hast bestimmt schon gehört, dass das Schönste am Streiten die Versöhnung danach ist“, warf Jack ein. „Als nächstes hätte ich Ianto zu Versöhnungssex im Archiv überredet.“

Sie wandte sich um und funkelte Jack böse an. „Du… Du! Argh!“, sagte sie, offenbar um Worte verlegen. „Oh ihr beide verdient euch wirklich gegenseitig. Ich bin nur froh, dass Rhearn noch so klein ist und nicht verstanden hat, was ihre Väter für Idioten sind.“ Tosh schlug mit etwas mehr Wucht auf den Türöffner als nötig war, um das Gerät zu aktivieren. Die Wandverkleidung glitt vor ihr auf und sie verschwand ohne ein weiteres Wort – aber nicht ohne ihnen noch einen entrüsteten Blick zuzuwerfen.

Jack wandte sich grinsend seinem Partner zu. „Fangen wir jetzt mit dem Versöhnen-Teil an?“, fragte er eifrig.

„Stopp!“ Ianto streckte die Hand aus und legte sie flach auf Jacks Brust, ihn auf Abstand haltend. „Nicht so schnell. Das mit dem Zähneputzen habe ich ernst gemeint. Wer trinkt denn bitte Kaffee mit Pfefferminz-, Karamell-, Vanille- und Schokoladensirup, ganz zu schweigen von einer doppelten Portion Sahne oben drauf.“

„Und ein paar Zimtsprenkel“, ergänzte Jack mit wehmütigem Unterton. Das schmeckte wirklich besser als es Ianto klingen ließ…

„Da war genug Zucker drin um einen Elefanten zu lähmen.“ Ianto verschränkte die Arme vor der Brust.

Jack legte die Arme um seinen Nacken. „Und wenn ich verspreche, mich von fremdem Kaffee fern zu halten?", flüsterte er seinem Partner ins Ohr. "Ich weiß, du bist eher Purist und du machst ja auch den besten Kaffee in dieser und den nächsten drei Galaxien, aber ab und zu ein kleines bisschen Abwechslung kann doch nicht schaden?"

Ianto rollte mit den Augen, und schüttelte dann den Kopf. "Twipsin. Gut, vielleicht können wir uns ein oder zwei Flaschen von diesem Sirup zulegen - aber versprich mir, dass du die Dosierung ein bisschen runter schraubst, ich bin sicher das Zeug macht abhängig." Er schüttelte sich in gespieltem Entsetzen. "Und keine so absurden Kombinationen mehr."

„Versprochen.“ Jack küsste ihn auf die Wange.

Ianto lehnte sich zurück und drückte auf den Türöffner. „Und entschuldige dich bei Tosh.“

„Wieso muss ich mich entschuldigen?“ Jack sah ihn indigniert an, als er ihm in den Lift folgte. „Sie hat das Schlimmste von mir gedacht. Und sie hat mir eine Ohrfeige verpasst, die ich noch eine Weile spüren werde.“

„Du Armer“, entgegnete Ianto trocken, beugte sich aber vor und küsste ihn auf die Wange. „Besser?“

„Ein Anfang.“ Jack legte den Arm um die Taille seines Partners, während sie in die Tiefe glitten. „Wow, das hätte ich wirklich nicht von ihr erwartet. Was sie wohl mit mir machen würde, wenn ich dich wirklich betrüge?“

„Ich hoffe, du planst nicht, das heraus zu finden.“

„Nicht in absehbarer Zeit. Hey, Ianto? Was würdest du eigentlich tun?“, fragte Jack, als der Lift mit einem leichten Ruckeln anhielt.

„Das willst du garantiert nicht wissen, cariad.“ Ianto warf ihm über die Schulter ein Lächeln zu, bevor er den Aufzug verließ.

Zufrieden grinsend folgte ihm Jack. Das Sprichwort hatte recht, die Versöhnung war wirklich das Schönste am Streit. Und er wusste, dass Ianto ihm seinen Fehltritt längst verziehen hatte…

Ende