Titel: Süßes – oder es gibt Saures (Tupperwood Halloween Special)

Autor: Lady Charena (Oktober 2018)

Fandom: Tupperwood

Episode: ---

Wörter: 3908

Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Rhearn, Alice Carter, Tosh Sato, Owen Harper

Pairing: Jack/Ianto

Rating: pg12, slash, Humor



Summe: Halloween-Special im Tupperwood Universum.



Anmerkung: 2018 fällt Halloween auf einen Mittwoch, aber für den Zweck dieser Story habe ich es aufs Wochenende verschoben.



Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.







„Jemand ist ausgesprochen guter Laune heute“, bemerkte Ianto trocken, als Jack ihn von hinten umarmte, in den Nacken küsste – und ihn dabei unabsichtlich fast in einen Kleiderständer schubste, als der Waliser aus dem Tritt geriet.



Nach all den Jahren mit Jack sollte er solche Blitzangriffe eigentlich gewohnt sein, aber Ianto war abgelenkt, versuchte die winzige Schrift auf dem Etikett im Kragen eines Pinguin-Kostüms zu entziffern. Er gab Jack mit der freien Hand einen Klaps auf die Hüfte, um ihn daran zu erinnern, wo sie sich aufhielten. Einundzwanzigstes Jahrhundert hin oder her, sie standen mitten in der Kinderabteilung eines Bekleidungsshops im Einkaufszentrum und nur weil Jack ohne Schamgefühle geboren war, hieß das nicht, dass Ianto es mochte, angeglotzt zu werden wie ein Hund mit zwei Köpfen.



„Wo warst du heute morgen?“, fragte Jack grinsend. Er hatte den Hinweis verstanden und ließ Ianto los – ungern zwar, aber sein Partner bestand auf Verhaltensregeln.



„Ich schätze, das muss ich verschlafen haben. Weck mich das nächste Mal“, entgegnete Ianto trocken. Jacks „gute Laune“ an diesem Morgen hatte dafür gesorgt, dass sie den Tag fast eine Stunde später anfingen als geplant. Glücklicherweise war auf Tosh – Rhearn hatte den Abend und die Nacht bei ihr verbracht – Verlass. So, als sie endlich bei ihr erschienen, um ihre Tochter abzuholen, war Rhearn bereits gewaschen, gefüttert und angezogen. Wenn Ianto ehrlich war, schien Rhearn sogar ein wenig enttäuscht, schon abgeholt zu werden. Apropos… wo steckte ihre Tochter jetzt wieder? „Rhearn?“



„Sie war gerade noch neben mir.“ Auch Jack sah sich um. „Baban? Rhearn? Das ist nicht witzig, junge Dame.“



„Kuckuck.“ Kichernd krabbelte Rhearn unter dem Kleiderständer voller Kostüme hervor. „Kuckuck. Spieln wir Verstecken, Dada?“



„Nicht jetzt, Schatz.“ Jack hob sie auf die Beine und strich ihr die Haare zurück. „Wir benötigen erst ein tolles Kostüm für dich, schon vergessen?“



„Und das hoffentlich vor dem Mittagessen. Wir können Owen und Andy nicht den ganzen Tag im Hub alleine lassen“, warf Ianto ein. „Das nächste Mal kaufen wir ein Kostüm im Internet. Im Januar. Und nicht erst dann, wenn der Rest von Cardiff das gleiche vorhat.“ Er musste nur herausfinden, wie er Rhearn davon abhielt, es vorher so lange zu tragen, bis es auseinander fiel. Wie es mit einem gewissen Dinosaurierkostüm geschehen war.



Ianto hängte das Pinguin-Kostüm zurück an den Kleiderständer. „Das hier ist aus viel zu dünnem Material, das Wetter wird einfach abscheulich und wenn wir alle die Grippe kriegen, wird Cardiff garantiert von einer Alien-Invasion überrascht.“



„Aliens? Cool.“



Ianto fuhr herum, als eine unbekannte Stimme hinter ihm diese Bemerkung machte. Ein kleiner Junge, vielleicht zwei Jahre älter als Rhearn, sah ihn begeistert an. Er hielt ein Plastikschwert in der Hand.



„Ich mag Aliens. Aliens sind total cool“, verkündete er und schwang sein Schwert durch die Luft. „Ich mach sie trotzdem alle tot.“



Ianto räusperte sich, während Jack lachte. Bevor er eine Antwort finden konnte, rief eine aufgebrachte Frauenstimme: „Josh? Josh, wo steckst du schon wieder? Wenn du nicht auf der Stelle herkommst, kaufen wir eben kein Kostüm. Du kannst das alte von deiner Schwester tragen.“



Diese Drohung brachte Josh dazu, seine Schwertübungen sofort aufzugeben und zwischen den Kleiderständern zu verschwinden, in Richtung der Stimme, die ihn weiter auszankte.



Jack trat grinsend neben seinen Partner. „Wir hätten ihn nach seinem Namen fragen sollen. Vielleicht können wir Josh für Torchwood anwerben, wenn er erwachsen ist“, meinte er. „Mir gefällt seine Einstellung und es sind ein paar richtig coole Schwerter in der Waffenkammer.“



„Die wir besser an ein Museum spenden sollten.“ Ianto schüttelte den Kopf. „Ich hoffe, er erzählt seiner Mutter nichts von einer bevorstehenden Alieninvasion.“



„Keine Sorge, selbst wenn. Nicht mal in Cardiff glauben die Leute alles.“ Jack wandte sich einem Korbständer mit Zubehör zu. „Wie wäre es damit?“ Er hielt ein paar plüschige Hasenohren hoch. „Möchtest du ein niedliches Bunny sein, Rhearn?“



„Wäre das eher Playboy oder Ostern?“, konnte sich Ianto nicht verkneifen.  



„Wir reden von meiner Tochter“, gab Jack grinsend zurück.



„Eben. Sie ist eindeutig genetisch vorbelastet. Das Verstecken ihr Lieblingsspiel hat, hat sie nämlich auch nicht von mir.“



„Warte bis ich Alice erzähle, was du von ihr denkst.“



Der Waliser wandte sich seinem Partner zu. „Bist du sicher, du suchst ein Kostüm für Rhearn und nicht für dich selbst“, spottete er. Bisher hatte Jack sich geweigert, zu verraten, wie er sich selbst zu kostümieren gedachte.



„Jetzt, wo du es erwähnst...“ Jack setzte sich die Ohren auf, die an einer Art Haarreif befestigt waren. „Definitiv Playboy. Aber in beiden Fällen brauche ich nur Ohren und einen Püschel.“



„Träum weiter.“ Ianto schnappte sich die Ohren und legte sie in den Verkaufskorb zurück.



„Du weißt nicht, was dir entgeht“, entgegnete Jack mit aufgesetztem Schmollen.



„Eine Verhaftung wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses, weil besorgte Eltern die Polizei rufen?“ Ianto suchte im Oberteil eines Schildkrötenkostüms nach dem Label mit der Größenangabe. „Wir waren uns doch einig, wir warten bis Rhearn ein Teenager ist, bevor sie einen von uns hinter Gittern sieht. Und alt genug, um unsere Kaution zu bezahlen“, setzte er hinzu.



Jack seufzte. „Dieses Jahrhundert ist so...“



„... einfach nicht reif für dich, ich weiß“, beendete Ianto den Satz lachend. „Wir sollten langsam wirklich eine Entscheidung treffen, oder Halloween ist vorbei.“ Er hielt das Schildkrötenkostüm hoch. „Was hältst du davon, cariad. Wollen wir mal anprobieren, ob dir das passt?“



Rhearn schien nicht so begeistert wie ihr Tad. Sie rümpfte die Nase und zupfte am angenähten Panzer.



„Ich wette, du bist darin die schönste Schildkröte von ganz Wales“, stimmte Jack zu. „Und sieh mal, der Panzer ist ein Rucksack. Da können wir die ganzen Süßigkeiten reinpacken, die wir sammeln werden.“



Rhearns Miene hellte sich beim magischen Wort Süßigkeiten beträchtlich auf. „Au ja.“



Ianto warf ihm einen „das war nicht hilfreich, Jack“-Blick zu und machte sich mit seiner Tochter an der einen Hand, das Kostüm in der anderen, auf die Suche nach den Umkleidekabinen.





###





Seit es Rhearn gab, hatte Jack es sich zur Regel gemacht, auch nach nächtlichen Einsätzen zurück nach Hause zu kommen, wenn es möglich war. Die Nächte in dem Bunker unter seinem Büro, alleine, kalt und miserable auf der schmalen Pritsche, gehörten definitiv in seine Vergangenheit.



Als er gegen drei Uhr morgens von einem Riftalarm zurückkam und seine Klamotten über einen Stuhl warf – er hatte sie im Flur ausgezogen, um kein Licht zu machen und Ianto nicht zu wecken – rührte sich sein Partner kaum, als Jack ins Bett kletterte. Ein vages Murmeln driftete in seine Richtung, was Jack als Frage nach seinem Wohlbefinden und / oder ob alles okay war, auffasste. Er rollte sich auf die andere Seite, gab Ianto als Antwort auf beides einen Kuss und griente, als ihn ein matter Schlag gegen die Brust traf.



Jack ließ sich auf den Rücken fallen und schloss lächelnd die Augen. Er hatte sicherlich noch nicht lange geschlafen, war in einen eher leichten Halbschlaf gefallen, ohne zu träumen, als ihn ein Geräusch aufhorchen ließ. Jack streckte die Hand aus, bis sie gegen Iantos Rücken stieß, er streifte leicht daran entlang, aber der Waliser schlief ruhig. Der Alarm war eingeschaltet, also konnte niemand das Haus betreten. Weshalb er sich auch dagegen entschied, Ianto zu wecken. Vor allem als Jack klar wurde, dass das Geräusch von nackten Füßen auf dem weichen Teppich ihres Schlafzimmers stammte.



Er setzte sich auf, als an der Bettdecke gezupft wurde. „Baban, was machst du hier?“, flüsterte er. „Warum schläfst du nicht?“



„Ist schon Zeit für mein Kostüm?“, flüsterte seine Tochter zurück.



„Nein, Schatz, noch lange nicht.“ Jack schlug lachend die Bettdecke zur Seite. „Komm schnell zu mir ins Bett und ppsschht, ganz leise - wir wollen Tad nicht nochmal wecken.“



Rhearn ließ sich das nicht zweimal sagen. Sie kletterte ins Bett, kuschelte sich an ihn und war innerhalb von Sekunden eingeschlafen. Jack deckte sie sorgfältig zu, presste einen Kuss gegen ihr Haar, das süßlich nach Erdbeershampoo duftete und ließ sich vom leisen Rhythmus ihres Atmens in den Schlaf lullen.





###





„Du erinnerst dich aber, dass wir nicht die Queen zum Frühstück erwarten, oder?“, neckte Jack seinen Partner, dessen Kopf gerade fast im Gefrierfach verschwand, auf der Jagd nach einer Tüte mit Aufbackbrötchen, die eigentlich dort sein sollte. „Und du musst auch keine Armee verköstigen.“



Ianto wischte sich die klammen Finger an den Oberschenkeln trocken und warf ihm einen Blick zu. „Keine Brötchen. Aber ich denke ganz hinten im ewigen Eis klebt noch eine Mammutkeule. Vielleicht sollte ich die unseren Gästen servieren“, bemerkte er spitz.



Jack grinste schief. „Okay, ich war dran, das Gefrierfach zu enteisen und sauber zu machen und ich habe es vergessen. Keine Panik. Sie frühstücken bestimmt vor der Fahrt. Oder unterwegs. Niemand wird verhungern.“



„Was is’n ein Mamput?“, fragte Rhearn zwischen zwei Bissen. Während die Erwachsenen erstmal nur Kaffee tranken, hatte sie ihr Lieblingsfrühstück Bananentoast bereits vor sich stehen.



„Mammut“, korrigierte Jack lachend. „So eine Art Elefant, aber mit ganz vielen Haaren, weil es zu einer Zeit gelebt hat, in der es viel kälter war als heute. Und Tad macht nur Spaß.“



„Nicht darüber, dass sich ein Baby-Eisberg in unserem Gefrierfach befindet“, erwiderte Ianto trocken und steckte zwei weitere Scheiben Toast in den Toaster. „Wir müssen wirklich nochmal einkaufen gehen, ich kann nicht…“ Die Türklingel unterbrach ihn. Ianto sah auf die Uhr. „Sie sind früh dran.“



Jack stellte seine Tasse weg und sprang auf. „Ich kümmere mich darum.“ Er verließ eilig die Küche.



„Oh, nein.“ Ianto stoppte seine Tochter, die von Neugier getrieben, Jack auf dem Fuß folgen wollte. „Du bleibst hier und isst schön dein Frühstück zu Ende.“ Er fischte eine der Toastscheiben aus dem Schlitz, als die aufpoppten und biss eine Ecke davon ab, bevor er sich seinen Notizblock schnappte, um eine Einkaufsliste zu erstellen. Er brauchte etwas im Magen, dass wenigstens einen Teil des Koffeins absorbierte.



Jack deaktivierte den Alarm und öffnete die Tür. „Missa. Schön, dass ihr schon da seid.“ Er umarmte seine Tochter zur Begrüßung und küsste sie auf die Stirn. „Wo ist Steven? Sitzt er noch im Auto?“, fragte er.



„Dad… Steven ist diese Mal nicht mitgekommen“, entgegnete Alice mit leichtem Zögern.



Jack musterte Alice. „Schade. Warum denn nicht? Rhearn hat sich auf ihn gefreut. Wir natürlich auch. Sag nicht, er fühlt sich zu alt für Trick-or-Treat? Oder ist er krank?“



Alice schüttelte den Kopf. „Nein, es geht ihm gut. Seine Klasse hat diesen Monat als Aufgabe bekommen, ein Abstammungsprofil für ihre Familie zu machen. Vater, Mutter, Großeltern, Urgroßeltern... Und ich dachte, es wäre die perfekte Gelegenheit "das bestimmte Gespräch" mit ihm zu führen."



Jack hob die Augenbrauen. „Das über Bienen und Blumen?“, fragte er lachend.



„Nein. Darüber, dass du nicht sein Onkel bist, sondern sein Großvater. Er ist alt genug, Dad. Ich konnte ihm nicht länger weismachen, dass du dem Mann in den Fotos von Lucia und seinem Großvater einfach nur sehr ähnlich siehst. Er ist alt genug um zu erkennen, dass du nicht alterst.“ Alice sah ihn an. „Ich weiß, ich hätte zuerst mit dir sprechen sollen, aber es war nicht wirklich ein geplantes Gespräch, es hat sich eher spontan ergeben, als er die Fotos für sein Projekt sortiert hat, und…“



„Ich verstehe, Missa“, versicherte Jack ihr. „Hast du ihm die ganze Wahrheit erzählt? Über mich? Torchwood? Immerhin haben Lucia und ich uns so kennengelernt.“



„Nein.“ Alice schüttelte den Kopf. „Vorerst nur von dir und Mom. Mehr hätte ihn überfordert. Er… ist wütend, dass wir ihn belogen haben. Meinte, dass wir ihn wie ein Baby behandelt hätten.“ Sie hob die Hand, strich sich die Haare zurück. Und lächelte Ianto zu, der hinter Jack auftauchte. „Deshalb wollte ich ihn auch nicht zwingen, mit zu kommen. Er bleibt das Wochenende über bei einem Freund. Ich habe ihm erlaubt, auf eine Party zu gehen. Patricks Eltern haben ein Auge auf ihn.“ Sie hob die Schultern. „Vielleicht... können wir zusammen mit ihm sprechen. Wenn er dazu bereit ist.“ Alice lächelte schief. „Ich denke, du hast einige Erfahrung mit solchen Gesprächen?“



„Natürlich. Das ist eine gute Idee.“ Jack wechselte einen Blick mit Ianto. „Er könnte auch mit in den Hub kommen. Ich bin sicher, er versteht, dass er nicht darüber sprechen darf.“



„Nur willst nur mit deinen tollen Spielsachen vor ihm angeben“, entgegnete Ianto trocken. „Wollt ihr beide nicht zuerst einmal ins Haus kommen oder bleiben wir den ganzen Tag vor der Tür stehen? Soll ich uns Kaffee bringen?“



Alice lachte und küsste Ianto auf die Wange, als sie ihn endlich begrüßte. „Du bist wirklich die bessere Hälfte meines Vaters“, meinte sie. „Ich hätte liebend gerne eine Tasse Kaffee. Da ich Steven schon gestern Abend bei Patrick abgeliefert habe, bin ich heute früh los, um nicht in den üblichen Stau zum Ende der Woche zu kommen“, erklärte sie als sie Ianto in die Küche folgte. Jack nahm ihr den Autoschlüssel aus der Hand und ging, um ihr Gepäck zu holen.



„Tante Alice!“ Rhearn rutschte von ihrem Stuhl und lief aufgeregt auf sie zu.



Lachend ging Alice in die Hocke und umarmte das kleine Mädchen. „Hallo Rhearn. Freust du dich auf morgen Abend? Hast du schon ein hübsches Kostüm?“



Ianto, damit beschäftigt Kaffee einzuschenken, seufzte hörbar. „Bring sie bitte nicht auf Ideen“, meinte er. „Wir waren gestern einkaufen. Ich habe sie den Rest des Tages nicht mehr aus dem Kostüm bekommen.“



„Aber du musst zugeben, sie ist die süßeste Schildkröte, die es jemals gegeben hat“, meinte Jack und stellte Alice‘ Reisetasche ab.



„Deiner vollkommen unvoreingenommenen Meinung als ihr Vater nach“, spottete Alice lächelnd.



„Exakt.“ Jack warf sich grinsend in die Brust. „Meiner vollkommen unvoreingenommenen Meinung nach habe ich die schönsten und klügsten und besten Töchter dieser Welt – und aller anderen.“



Alice umarmte ihn, während Rhearn eindeutig mehr Interesse an ihrer Tasche hatte und Ianto räusperte sich. „Bevor wir jetzt alle vor Rührung in Tränen ausbrechen, wie wäre es mit Frühstück?“, meinte er.



Alice wandte sich Jack zu. „Halt dir den nur gut fest“, meinte sie mit einer Kopfbewegung in Iantos Richtung. „So einen findest du nie wieder.“



„Ganz meine Meinung.“ Jack zwinkerte seinem Partner zu. „Deshalb will ich ihn ja auch so schnell wie möglich heiraten.“



„Kann es bis nach dem Frühstück warten?“ Ianto wies auf den Küchentisch. „Ich schlage vor, wir setzen uns alle erst einmal.“ Er hob seine Tochter hoch und setzte sie auf ihren Stuhl zurück. „Aufessen, junge Dame. Tante Alice ist das ganze Wochenende hier, ihr könnt später zusammen spielen.“



Alice nahm auf Stuhl neben ihrer Halbschwester Platz und die Kaffeetasse entgegen, die Ianto ihr reichte. „Ich hätte gerne das gleich wie sie“, meinte sie mit einem Augenzwinkern.



„Kein Problem.“ Ianto schob ihr einen Teller zu. „Toast ist in einer Minute fertig. Die Bananen liegen da drüben.“



„Es schmeckt besser, als es aussieht.“ Jack lehnte sich zurück, verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich denke, ich nehme ein Omelette.“



„Du weißt, wo der Herd steht“, erwiderte Ianto trocken.



Alice lachte und lauschte ihrem Geplänkel. Es war schade, dass Steven nicht mitgekommen war, aber sie nahm sich trotzdem vor, das Wochenende zu genießen. Es war bereits zu viel Zeit verloren gegangen in den Jahren des Schweigens zwischen ihr und ihrem Vater.





###





„Das ist sicherlich…“, begann Alice.



„Bitte sag jetzt nicht: die niedlichste Schildkröte der Welt“, unterbrach Ianto sie mit einem leidgeprüften Seufzen. „Ich kann es einfach nicht mehr hören.“



„Ich wollte sagen, die schnellste Schildkröte der Welt“, beendete Alice den Satz mit einem schelmischen Grinsen, das Jacks in Nichts nachstand. Sie sah Rhearn nach, die in ihrem Kostüm durchs Wohnzimmer tobte.



„Das stimmt allerdings. Wenigstens werden wir heute Abend kein Problem haben, sie ins Bett zu bringen.“ Ianto versuchte seine Fliege gerade zu rücken. „Was habe ich mir nur dabei gedacht? Es ist kein Kostüm. Ich trage immer einen Anzug. Soll ich mir ein Martiniglas um den Hals hängen, damit man erkennt, was ich darstellen will? Ich glaube es hat mir mal jemand eines geschenkt.“ Er wandte sich Alice zu. „Könntest du vielleicht…?“



Alice hob abwehrend die Hände. „Ich habe absolut keine Ahnung vom Fliegen-binden. Aber ich finde, du siehst sehr sexy aus. Ist es komisch, wenn ich das über meinen künftigen Stiefvater sage?“



„Nicht so komisch, wie der Stiefvater-Teil.“ Ianto presste Daumen und Zeigefinger gegen seine Nasenwurzel. „Jack hatte Recht damit, dass Bezeichnungen nicht so wichtig sind.“



„Nun…“, Alice hakte sich bei Ianto unter. „Ich denke, wir beide geben ein großartiges Bild ab. Und Jack hat dir wirklich nicht verraten, welches Kostüm er für sich ausgesucht hat?“



„Kein Wort. Er hat darauf bestanden sich im Hub umzuziehen und uns dort zu treffen. Tosh sagt, er hat sich seit einer Stunde in seinem Büro verbarrikadiert, mit vorgezogenen Sichtblenden und die Kameras sind deaktiviert.“



Alice lachte. „Sollten wir uns Sorgen machen?“



„Er hat versprochen, ein Minimum an Diskretion walten zu lassen. Und er hält sich besser dran. Deines ist übrigens auch nicht schlecht. Obwohl ich mir eher Catwoman als Hauskatze vorgestellt hatte, als du die Plüschohren ausgepackt hast“, meinte Ianto.  



„Danke für das Kompliment, aber ich bin nicht Halle Berry.“ Alice schüttelte lächelnd den Kopf. „Lack und Leder? Definitiv nicht in diesem Wetter. Sollten wir je Halloween in der Karibik feiern, können wir uns noch einmal darüber unterhalten.“ Sie sah Ianto an. „So, Mister Bond. Wer von uns beiden fängt die rasende Schildkröte jetzt ein und verstaut sie im Auto?“





###





„Es klingt wie der Anfang eines schlechten Witzes: ein Pinguin, eine Katze und eine Schildkröte betreten ein Touristeninformationsbüro in Cardiff…“, meinte der Waliser, als er seine Handfläche gegen den Scanner neben der Tür presste und wartete, bis das Alarmsystem sie entriegelte. Oder wie der Anfang eines Horrorfilms... Dann hielt er die Tür auf, damit Alice und Rhearn dem Nieselregen entkommen konnte. Er folgte und strich sich durch die feuchten Haare. Zum Glück hatte er hier noch ein paar extra Regenschirme. „Jack sollte uns jeden Moment hier abholen.“



Alice glättete den Katzenschwanz an ihrem Kostüm, der leider beim Einsteigen in die Autotür geraten war und sah sich um, während sie Regentropfen aus den angeklebten Schnurrhaaren wischte. „Viel Betrieb herrscht hier wohl nicht?“, fragte sie.



„Es gibt ein zweites Informationsbüro in Mermaid Quay. Ansonsten würde das mit dem Cover für den Eingang nicht funktionieren.“ Ianto zog ein Papiertuch aus der Tasche und wischte Schokoladenflecken von Rhearns Kinn und ihren Fingern.



Als sie dabei gewesen waren ins Auto zu steigen – zu diesem Zeitpunkt regnete es noch nicht – hatte sie die Nachbarin von schräg gegenüber gesehen und war zu ihnen getreten, um Rhearns Kostüm ausgiebig zu loben und allen Schokoküsse mit aufgemalten Geisterfratzen anzubieten. Alice sprang in die Bresche, stellte sich als Rhearns Tante aus London vor und lobte ausgiebig die Gartendekoration aus Keramikkürbissen, die offenbar selbstgemacht waren. Und gab so Ianto die Chance, Rhearn in ihren Kindersitz zu bugsieren, war mit dem Kostüm nicht gerade einfach war.



Ein Ächzen und Rumpeln war hinter der falschen Wand zu hören und Ianto ließ seine fast saubere Tochter sein – sie würde eh noch mehr Flecken abbekommen – um sich über den Schreibtisch zu beugen und den Schalter zu betätigen, der die Wandabdeckung vor dem Lift zurückklappen ließ.



„Ich weiß ja nicht, wie du die Geräuscheffekte hinbekommen hast, aber das klingt nach Gruselschloss“, bemerkte Alice.



„Das ist leider echt“, erwiderte Ianto, als der Lift stoppte. Oh ja, definitiv Gruselschloss, dachte der Waliser als Jack aus dem Lift kam. Verkleidet als Frankensteins Monster, komplett mit dicker Schraube im Hals.



Rhearn warf einen Blick auf ihren Vater und fing an zu schreien.





###





„Ich glaube, das war nicht ganz der Empfang, den Jack sich vorgestellt hatte.“ Tosh reichte Alice eine Tasse Tee.



„Rhearn ist sicher nicht das erste Kind, dass sich an Halloween über ein Kostüm erschreckt.“ Alice musterte Jacks Kollegin, den Rock, die Brille, die Perücke. „Velma, richtig?“



Tosh lachte. „Genau. Wir übernehmen die Bereitschaft, damit Jack und Ianto mit Rhearn die Süßigkeitenrunde machen und auf die Parade gehen können und ich wollte nicht komplett auf ein Kostüm verzichten, aber auch nichts Aufwendiges, für den Fall das es Alarm gibt. Owen hat es sich noch leichter gemacht, er hat einfach einen alten Arztkittel angezogen, künstliche Blutflecken drauf gemalt und wandelt als Zombie-Doktor durch die Gegend.“



„So, ist Jack ein guter Boss?“, fragte Alice und trank einen Schluck Tee.



Tosh setzte sich neben sie auf die Couch. „Ja. Der beste.“ Sie schlug die Beine übereinander, die in kecken Kniestrümpfen steckten. „Es gibt nichts, was er nicht für uns tun würde. Wir sind Freunde, ein Team, eine Familie.“



„Ich bin so froh, das zu hören“, entgegnete Alice. „Er war zu lange allein. Er braucht eine Familie.“



„Oh, wenn es nach Jack geht, wird sich die Familie bald vergrößern.“ Tosh lachte. „Ianto wird eher früher als später nachgeben und Rhearn bekommt ein Geschwisterchen. Oder zwei. Oder drei.“



Alice schüttelte den Kopf. „Wir sitzen hier und sprechen darüber, dass mein Vater ein Kind bekommen hat, als wäre es das Normalste in der Welt.“



„Nun, das hier ist Torchwood. Wir haben Dinge erlebt – und überlebt – gegen die ein schwangerer Mann wirklich ganz normal erscheint.“ Tosh lehnte sich zurück. „Aber ich verstehe auch, wenn man mit einem Kind hier nicht mehr arbeiten will.“



„Torchwood war eines der Probleme meiner Mutter, aber nicht ihr einziges“, entgegnete Alice nachdenklich. „Und mit mir zu verschwinden diente mindestens so sehr dazu, Jack zu bestrafen, wie um uns vor Torchwood zu schützen. Aber inzwischen ist das alles anders und Jack macht die Regeln.“



„Sieht so aus als wäre wieder alles im Lot“, meinte Tosh und deutete auf die Tür zu Jacks Büro, aus dem Jack, Ianto und Rhearn traten.



Alice stellte ihre Tasse weg und stand auf. „Danke für den Tee. Und das Gespräch“, wandte sie sich an Tosh.



„Wir können los, Rhearn hat verstanden, dass das Monster immer noch ihr Dada ist“, meinte Ianto. „Tosh, im Kühlschrank ist etwas zu Essen für dich und Owen, ein kleines Danke für die Bereitschaft.“



„Zuerst habe ich noch etwas für Rhearn.“ Tosh stand auf und nahm ein kleines, buntverpacktes Päckchen aus einer Tasche ihres Rocks um sie in Rhearns Kürbiskörbchen zu stecken.



„Sag Danke, Tosh“, soufflierte Ianto.



„Danke, Tante Tosh“, strahlte Rhearn.



„Danke, Tosh“, kam es von Jack, der ein reichlich bedröppelt dreinsehendes Frankensteinmonster abgab.



„Bis später“, erwiderte Tosh und winkte. „Tolle Kostüme, ihre alle.“



„Darf ich bitten, Ms Kitty“, fragte Jack und bot Alice seinen Arm an.



„Mit Vergnügen, Mr. Monster.“ Lachend hängte Alice sich bei ihrem Vater ein.



Ianto schüttelte den Kopf, wechselte einen Blick mit Tosh und nahm die Hand seiner Tochter, um den beiden zum Lift zu folgen.



Tosh sammelte die Tassen ein, um sie in die Küche zu bringen, als Owen die Treppe hochkam. Er gähnte und streckte sich und nahm sich zum tausendsten Mal vor, nie wieder auf der Untersuchungsliege einzuschlafen. „Habe ich etwas verpasst?“



„Nichts von Bedeutung. Frankensteins Monster hat eine Schildkröte erschreckt, bevor James Bond eingriff und ich habe mit einer Katze Tee getrunken.“



Owen starrte seine Kollegin an. „Aha. Bist du sicher, dass es nur Tee war?“



Tosh gab ihm einen Kuss auf die Wange. „Fröhliches Halloween, Owen.“ Und damit ließ sie ihn stehen.



Owen sah ihr nach, schüttelte den Kopf. An diesem Tag drehten wirklich alle durch…





Ende