Titel: Momente
Autor: Lady Charena (März/August 2018)
Fandom: Tupperwood
Episode: ---
Wörter: 1248
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Rhearn
Pairing: Jack/Ianto
Rating: pg, slash

Summe: Fortsetzung zu „Timelords bearing Gifts“.


Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.


>> Before you have kids, you cannot think it is possible to love so much. <<
    (Touching Evil US S01E05)




„Hier steckst du.“ Jack trat zu seinem Partner. „Hat sie dich wachgehalten?“, fragte er, mit einem Lächeln Rhearn betrachtend, die einen halben Zoo an Kuscheltieren in ihrem Bett beherbergte. Entweder mussten sie ein zweites Regal oberhalb anbringen oder ein größeres Bett kaufen. Vielleicht auch ein Kuscheltier-Schenkverbot an ihre Freunde und Familie herausgeben.

„Sie ist nach nur zweieinhalb Geschichten eingeschlafen.“ Ianto strich die Decke über seiner Tochter glatt, zog eine Ecke über ihren Fuß, der darunter hervorragte. „Ich wollte nur kurz nach ihr sehen. Weck sie nicht auf, sonst bekommen wir sie vor dem Morgengrauen nicht mehr zurück ins Bett.“

„Zum Glück hat sie nicht meine Schlaflosigkeit geerbt.“ Jack strich eine Haarsträhne aus Rhearns Gesicht, bevor er Ianto folgte.

„Ich erinnere dich an deine angebliche Schlaflosigkeit, wenn du das nächste Mal vor dem Fernseher schnarchst“, entgegnete Ianto trocken, als er die Tür des Kinderzimmers hinter sich schloss. Anstatt sich in Richtung ihres Schlafzimmers zu wenden, was angesichts der vorgerückten Stunde eher nicht ungewöhnlich gewesen wäre, ging er die Treppe nach unten und in die Küche.

„Ich schnarche nie!“, protestierte Jack lachend und folgte ihm auch dorthin. Er blieb im Türrahmen stehen, lehnte sich an, und beobachtete seinen Partner. „Danke für den Kaffee.“

Ianto, damit beschäftigt die Geschirrspülmaschine einzuräumen, hielt inne und warf ihm über die Schulter einen Blick zu. „Ich stelle dir immer eine Thermoskanne Kaffee hin, wenn du spät arbeitest.“

„Ich dachte, ich sollte es mal erwähnen.“ Jack hob eine Schulter in einer vagen Geste. „Ich meine, dass ich es nicht einfach so als gegeben hinnehme, was du machst… da bist...“

Ianto ließ das Geschirr sein und wandte sich ihm zu. Er musterte Jack eindringlich. „Hat er dich überredet, mit ihm zu gehen? Der Doctor?“, fragte er, seine Stimme vorsichtig neutral. „Oder bist du gerade erst… zurückgekommen? Von irgendwo oder irgendwann?“ Nicht, dass er das an irgendetwas feststellen konnte. Theoretisch könnte Jack jahrelang weggewesen sein und wäre keine Sekunde sichtlich gealtert. Nun, das würde zumindest Jacks „Besprechung“ - das Gespräch unter zwei Augen, sozusagen – mit der TARDIS erklären…

„Weder noch.“ Jack stieß sich vom Türrahmen ab und trat zu seinem Partner. „Nicht ohne vorher mit dir zu sprechen. Ganz bestimmt nicht, ohne mich von euch zu verabschieden.“ Er beugte sich vor, presste einen Kuss gegen die steile Falte der Skepsis, die sich zwischen Iantos Augenbrauen gebildet hatte. „Ich will nur dich und Rhearn und unser Leben hier und jetzt nie als selbstverständlich hinnehmen.“

Zwei Tage waren vergangen, seit der Doctor und die TARDIS nicht nur im Hub einiges an Staub aufgewirbelt hatten.


Und so recht wusste Ianto noch immer nichts mit den Neuigkeiten, die der Besuch des Timelords ergeben hatte, anzufangen. Was es wirklich für ihn bedeutete… Sollte er dankbar sein? Musste man dankbar sein für ein ungewolltes Geschenk, dass einem ungefragt aufgedrängt wurde? Aber war es überhaupt ein Geschenk? Oder nur das Hinausschieben des Unvermeidlichen? Andererseits, wenn es ihm ermöglichte, die Statistik zu schlagen, und der erste Torchwood-Agent in Wales zu sein, dem es gelang, das Rentenalter zu erreichen…


„Ich hatte nie das Gefühl, dass du es tust.“ Ianto nahm den Kopf leicht zurück, um Jack ins Gesicht sehen zu können. „Warum kommst du gerade jetzt darauf? Wegen einer Thermoskanne voll Kaffee?“

Jack nahm seinen Arm und führte ihn zum Küchentisch. Er wartete, bis Ianto Platz genommen hatte und setzte sich dann neben ihn.

„Die TARDIS… sie hat mir gezeigt, wie mein Leben hätte aussehen können, wenn gewisse Dinge in der Vergangenheit anderes gelaufen wären.“ Jack sah ihn an. „Sie hat mir eine Zeitlinie gezeigt, in der ich dich verloren habe, genau wie Tosh und Owen. In der Grey… noch immer verloren ist. In der der Hub zerstört ist und Torchwood praktisch nicht mehr existiert.“ Er stockte, schien Mühe zu haben, die nächsten Worte über die Lippen zu bringen. „Ich… ich habe Steven sterben sehen und ich war dafür verantwortlich. Alice, sie...“ Jack schüttelte den Kopf, senkte den Blick auf Iantos Hand, der der Waliser auf seinen Arm gelegt hatte und ein Schaudern lief durch ihn. „Ich war wieder so alleine. Ich habe schon viel gesehen, aber das… es war ehrlich gesagt… ziemlich grauenhaft.“

Cariad?“, brach Ianto letztlich das Schweigen. „Wenn nichts davon tatsächlich geschehen ist, warum hat die TARDIS dir diese alternative Zeitlinie gezeigt?“

Jacks Lachen ließ jede Spur von Humor vermissen. „Das hat sie für sich behalten. Aber ich denke…“ Er schnitt eine Grimasse. „Ich denke, sie wollte dass ich weiß, dass es okay ist. Dass… das was mit dir passiert, nichts Schlimmes ist. Ich habe dir gesagt, dass sie schon immer eine Schwäche für mich hatte.“

„Sie hat eine wirklich komische Art, das zu zeigen.“ Ianto schüttelte den Kopf. „Jack, ich weiß nicht, was ich von dem ganzen halten soll. Davon, was mit mir passiert ist... passiert. Ich brauche mehr Zeit.“ Er zog seine Hand zurück, rieb sich übers Gesicht. „Definitiv werden wir das nicht heute Nacht lösen. Lass mich den Rest des Geschirrs wegräumen und dann schlafen gehen, okay?“

„Das Geschirr kann bis morgen warten.“ Jack stand auf und hielt Ianto die Hand hin. Der rollte mit den Augen, ließ sich aber auf die Beine helfen. Wenig überraschend zog ihn Jack näher zu sich. „Ich werfe noch rasch einen Blick in Rhearns Zimmer.“

Ianto lächelte. „Wage es nicht, sie aufzuwecken. Du kannst morgen mit ihr spielen. Das gleiche gilt für deine andere Tochter“, meinte er trocken. „Und Jack…“ Er legte beide Hände um Jacks Gesicht, küsste ihn. „Vergiss nicht, dass du nicht alleine bist. Hier und jetzt. Okay?“


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Ianto öffnete die Augen, als leise Schritte und das Rascheln von Kleidung, die auf dem Boden landete, ihm verriet, dass Jack sich endlich entschlossen hatte, auch ins Bett zu kommen.

Er gab nicht vor, zu schlafen, wartete aber bis Jack neben ihm lag, einen Arm über seine Hüften gelegt, sein Körper warm gegen Iantos Rücken. Erst dann stellte er die eine Frage, die ihm seit ihrem Gespräch in der Küche auf der Zunge brannte. „Warum ich? Wieso bin ich so wichtig?“Als Jack nicht antwortete, drehte er sich auf die andere Seite, obwohl er im Dunkel des Raumes das Gesicht des anderen Mannes nicht sehen konnte. „Du hast so viele Leben gelebt, so viele Leben berührt, so vieles erlebt. Warum ist ein einziger Moment, eine einzige Entscheidung, so viel bedeutender als alle anderen?“ Überdies ein Moment, an den er sich selbst nicht einmal erinnern konnte. Als er im Gezeitenpool erwacht war, hatte nichts viel Sinn ergeben, weder warum Jack ihn küssen sollte, noch warum er sich im Horror dieses Augenblicks überhaupt darum scherte, was mit einem Verräter geschah.

„Ich weiß es nicht“, erwiderte Jack leise. „Manchmal ist ein einzelner Moment wichtiger, als man sich je vorstellen könnte. Und manchmal ist ein einziger Mensch wichtiger, als er für möglich hält.“ Jack Hand glitt Iantos Arm entlang, über seine Schulter, bis seine Finger die Wange des Walisers fanden, seine Fingerspitzen den Mund des anderen Mannes berührten. „Du hast mein Leben so verändert, Ianto Jones. Du machst mich besser. Und das weiß ich mit Sicherheit.“



Ende