Titel: Das Kanarienvogel-Mysterium
Autor: Lady Charena (Juni 2017)
Fandom: Tupperwood
Episode: ---
Wörter: 1716
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Rhearn erwähnt, Tosh, Deborah*) erwähnt
Pairing: Jack/Ianto
Rating: pg12, slash, Humor

*) Siehe „The Torchwood Day Care Center Teil 2“ Kapitel 146


Summe: Jack erhält einen überraschenden Anruf.

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Jack warf einen Blick auf das Display seines Handys und lächelte. Ianto hatte beschlossen, heute morgen zunächst ein paar liegengebliebene Dinge zu erledigen und erst später in den Hub zu kommen.

„Hey, schon Sehnsucht nach mir?“, meinte er und lehnte sich zurück. „Was kann ich..." Ein merkwürdiges Kichern unterbrach ihn. „Ianto?“ Hatte Rhearn vielleicht das Telefon ihres Tads gemopst und beim Spielen angerufen?

Jaaaack?", kam es vom anderen Ende der Leitung. „Heeee-eyyyy, Jack."

Das war Ianto. Aber er klang nicht wie Ianto.

„Ist alles in Ordnung?", fragte Jack besorgt und setzte sich auf. Er griff mit der freien Hand nach der Tastatur. Ihr Sicherheitssystem erlaubte es ihm, auch vom Hub aus auf die Kameras im Haus zu zu greifen. Fluchend vertippte er sich beim Passwort. „Ianto? Sprich mit mir!"

„Jack, kannst du ihnen nicht sagen, sie sollen auf den hübschen Kanarienvogel hören?", quengelte Ianto. Richtig, quengelte. Er klang wie ein Fünfjähriger. „Sie weint sonst."

„Kanarienvogel?", wiederholte Jack verwirrt. Endlich hatte er sich eingeloggt und sah... nichts. Nur die leere Küche, kein Ianto. Auf dem Küchentisch stand eine verbeulte, graue Feldflasche. „Ianto, wo bist du?"

„Im Beeee-eeettt", kam es Singsang zurück.

Verdammt. Es gab keine Kameras im Schlafzimmer, sein Partner hatte sich da durchgesetzt.

„Wo ist Rhearn?", fragte Jack, die Tastatur zur Seite schiebend, um seine Webley aus der Schublade zu fischen. „Ist sie bei dir?"

Rhearn spielt mit Deborah", flüsterte Ianto. „Auf dem Spielplatz.“

Natürlich, Deborah. Er hatte vergessen, dass die beiden Spielplatz-Verabredungen hatten. Offenbar kam Rhearn großartig mit Deborahs kleinem Sohn klar.

„Ich will auch spielen. Kommst du heim? Ganz bald?"

Und ob er das würde. Ianto klang, als wäre er betrunken oder stände unter Drogen. Jack war sich sicher, dass weder das eine noch das andere an einem normalen Mittwochmorgen auf Iantos Plan stand.

„Ist noch jemand im Haus?", fragte er, während er aus seinem Büro lief und Tosh abwimmelnd zuwinkte, die neugierig von ihrer Arbeit aufsah. Jack lief ohne Erklärung weiter. Er konnte sie anrufen, sobald er wusste was hier gespielt wurde. Apropos gespielt...

„Komm und spiel mit mir, Jack. Spiiiiiieeeeel mit mir", sang Ianto währenddessen in sein Ohr. „Und dann können wir beide mit dem Kanari spielen." Mehr Gekicher folgte.

Ianto, hör mir zu", befahl Jack. Er hatte den Wagen erreicht und öffnete die Tür. „Du rührst dich nicht von der Stelle, verstanden?" Es musste ein Artefakt sein. Irgendetwas, das Ianto gestern im Archiv berührt hatte, das diese Wirkung auf ihn hatte.

„Uh-hu", kam es gedämpft von seinem Partner.

„Was machst du? Hast du mich verstanden?" Jack drückte den Startknopf und der Motor röhrte auf. Er verzichtete auf den Sicherheitsgurt, während er die Fernbedienung für das Garagentor betätigte.

„Uh-hu", kam es erneut.

Ianto?" Jack lenkte den Wagen aus der Garage auf die Straße und riskierte fast einen Zusammenstoß mit einem anderen Auto.

„Fertig", verkündete Ianto triumpfierend.

„Mit was?" Er hoffte, das Ganze entpuppte sich gleich als Witz. Sollte er besser Owen anrufen, damit der ihm nachfuhr?

„Mit Auszie-eeen." Ianto kicherte. „Mir war soooooo heiß."

Jack schloss einen Moment die Augen - und riss sie sofort wieder auf, als ein Hupkonzert ertönte. Er hatte ein anderes Auto geschnitten. „Ich bin in zwei Minuten bei dir", presste er zwischen den Zähnen heraus. „Bleib wo du bist, okay? Bleib im Bett. Für mich. Bitte?"

Oooookayyyy", antwortete ihm Ianto gedehnt. „Aber du bist nicht böse, wenn ich ohne dich anfange, oder?" Seine Worte klangen zunehmend vernuschelt, so als wäre er ganz kurz davor, einzuschlafen.

„Natürlich bin ich nicht böse“, versicherte ihm Jack und parkte quer auf dem Gehweg vor ihrem Haus. Er sprang aus dem Wagen. „Ich bin schon da.“ Zahllose Dinge rasten durch seinen Kopf. Pflanzenöle, Rindenextrakte, Tiersekrete, Pheromone von Menschen und anderen Humanoiden, es gab wahrscheinlich Millionen Dinge im Universum, die Ianto in diesen Zustand versetzen konnten. Absichtlich oder als unabsichtliche Nebenwirkung. Um gar nicht erst von den Medikamenten und künstlichen Drogen zu reden...

Jack riss die Haustür auf, die Alarmanlage war ausgeschaltet und stürmte die Treppe hoch in ihr Schlafzimmer, das Handy - aus dem noch immer Iantos Stimme klang, schien so, als singe er jetzt - in den verkrampften Fingern. Er stürmte ins Schlafzimmer und stoppte abrupt.

Ianto lag auf dem Rücken, Arme und Beine von sich gestreckt, halbnackt, quer über das  Bett ausgebreitet. Offenbar hatte er nicht mehr geschafft, seine Hose ganz auszuziehen, sie hing ihm um die Knie. Er trug eine Unterhose, Socken und um den Hals eine Krawatte. Vor dem Bett lag das Sweatshirt, das Ianto morgens getragen hatte, als Jack in den Hub fuhr. Das Handy balancierte er auf der Stirn.

Ianto?“

„Jack!“ Begeistert rappelte Ianto sich auf, das Handy flog zwischen die Kissen und er zurück auf den Rücken, um wie eine umgedrehte Schildkröte liegen zu bleiben. Die Hose um seine Knie hatte ihn zurück in die Waagerechte katapultiert.

„Was ist mir dir?“, fragte Jack besorgt und half ihm auf die Beine, langsamer dieses Mal und zog seine Hose hoch.

Ianto hing ihm glücklich am Hals. „Ich habe aufgeräumt. Im Keller. Und dann ging es mir auf einmal soooooooo gut. Und der Kanarienvogel hat schön gesungen." Er atmete tief ein. „Und du riechst ja sooooo gut. Komm ins Bett.“ Ianto drehte sich mit ihm in einer ungeschickten Pirouette und versuchte sie beide aufs Bett zu befördern. Definitiv nicht, wozu Jack jetzt der Sinn stand.

Immerhin klärte sich so das Mysterium des Kanarienvogels auf. Über Iantos Schulter hinweg konnte Jack den Fernseher sehen, auf dem das Bild einer Frau in einem gelben -  kanariengelben, wenn man so wollte - Kleid eingefroren war. Ihr Mund war in dem Moment, als auf die Stopptaste gedrückt worden war, weit offen - sie hatte entweder geredet oder gesungen, jetzt sah es fast so aus, als schreie sie.

„Langsam, langsam." Jack sah seinem Partner ins Gesicht. Iantos Pupillen waren so geweitete, dass sie fast das komplette Blau seiner Iris verschluckten. So high, so anlehnungsbedürftig, so erregt... Jack schob Iantos Finger von seinem Schritt weg... das wäre unter anderen Umständen der Anfang eines sicher sehr interessanten Tages gewesen. Aber er hatte keine Ahnung, was es war, das Ianto so beeinflusste. Es könnte ihm schaden.

Ianto, was hast du genau gemacht? Bitte sag mi..." Der Rest seiner Frage wurde von Iantos Mund abgeschnitten. Okay. Vorsichtig nahm er Iantos Kopf in beide Hände und schob ihn ein wenig von sich. „Bitte, wo warst du, bevor es dir gut ging?“

„In der Küche. Ohhhh!“ Iantos Miene hellte sich auf. „Gehen wir da hin? Da haben wir schon lange nicht mehr...“

„In der Küche?“ Jack schlang einen Arm um Iantos Taille und hielt sich mit der anderen Hand am Treppengeländer fest, damit sie nicht beide die Stufen hinunter purzelten. Ianto schien Schwierigkeiten mit der Koordination seiner Füße zu haben. Die seiner Hände war aber völlig okay, die wanderten unablässig über alle Stellen an Jacks Körper, die Ianto von da aus erreichen konnten, streichelten und rieben...

Mit einiger Mühe hatten sie es schließlich geschafft. Jack warf einen suchenden Blick durch die Küche. Was nur... Sein Blick fiel auf die Feldflasche auf dem Tisch. Irgendwoher kannte er die doch...

Mit Ianto - kichernd in seine Seite geschmiegt - trat Jack an den Tisch und roch vorsichtig an der Flasche. Ein Geruch der an vermoderte Blumen erinnerte, stieg daraus auf. Sofort stellte Jack die Flasche zurück. Das war Pilif. Eine Art Urahn des Pheromonsprays, mit dem Owen sich einmal in Schwierigkeiten gebracht hatte. Wie war das unter seine alten Sachen geraten? Die Feldflasche war seine, seine Initialen waren eingeritzt. Das Zeug hätte vernichtet werden müssen, vor... das musste sehr lange vor Iantos Geburt gewesen sein. Offenbar hatte sich die Flüssigkeit, die man eigentlich auf die Haut reiben musste, damit sie Wirkung entfaltete, im Laufe der Jahre verflüchtigt bis auf einen kleinen Rest und Ianto hatte beim Aufräumen im Keller die Flasche gefunden und eingeatmet, was sich darin befand.

Das zu wissen nahm eine Last von Jack. Dieses Zeug war zum Glück harmlos. Ianto würde sich gründlich ausschlafen und sollte nicht einmal einen Kater zurückbehalten.

Jaaaa-aaack", beklagte sich Ianto. „Du hast mich ganz vergessen." Er verzog das Gesicht.

„Wie könnte ich das." Erleichtert küsste er seinen Partner auf die Stirn. „Warum nehmen wir nicht die Couch statt des Tischs?", schlug er vor. „Komm mit mir ins Wohnzimmer." So umwerfend Ianto in diesem Zustand sein mochte, er musste dafür sorgen, dass er wieder nüchtern war, bevor Deborah Rhearn nach Hause brauchte. Sie durfte ihre Tad auf keinen Fall so erleben. Ganz zu schweigen davon, dass Ianto ihm das nie verzieh.

Also bugsierte er Ianto - bei dem langsam, aber stetig die Schläfrigkeit über die Lust siegte - ins Wohnzimmer und auf die Couch. Nahm ihm die Krawatte ab und deckte ihn zu. Ianto murmelte noch vagen Protest, weil Jack sich nicht zu ihm legte - und schlief kurz darauf wie ein Stein.

Jack zog die Augenbrauen hoch, als Ianto in ungewohnter Lautstärke zu schnarchen anfing und eilte dann zurück in die Küche. Hastig schraubte er die Flasche zu und machte das Fenster auf, um gründlich durch zu lüften. Zum Glück wirkte das Zeug bei ihm nicht, sonst hätte Deborah möglicherweise eine sehr interessante Szene bei ihrer Rückkehr erwartet...

Zur Sicherheit steckte er die Feldflasche in einen Müllsack und verknotete ihn gut, er würde sie später im Hub entsorgen. Dann setzte er sich neben Ianto und wartete darauf, dass sein Partner zu sich kam.

„Und wenn du wieder nüchtern bist, dann werde ich dich daran erinnern, dass man nicht an Flaschen mit unbekanntem Inhalt schnüffelt, genau wie du es mir immer einschärfst, Mister Jones", sagte er leise zu dem schlafenden Waliser. „Gleich nachdem ich dich Owen als Versuchsobjekt für ein paar Untersuchungen überlassen habe." Nur zur Sicherheit.

Jack strich seinem Partner eine vorwitzige Haarsträhne aus der Stirn und zog das Handy aus der Hosentasche, um Tosh anzurufen, bevor die sich Sorgen um sie machte...


Ende