Titel: Snapshot #34: Ärger auf dem Spielplatz
Autor: Lady Charena (April 2017)
Fandom: Tupperwood
Episode: ---
Wörter: 2020
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Rhearn
Pairing: Jack/Ianto
Rating: pg12, slash, Humor

Summe: Ein Zwischenfall auf dem Spielplatz.

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Das Windspiel über der Tür klirrte, obwohl niemand eintrat. Milde irritiert sah Ianto auf.

Es war Gwens Idee gewesen, es aufzuhängen, während sie ihn im Büro der Touristeninformation vertrat. Eine leichte Erschütterung genügte schon um es in Bewegung zu setzen. Bisher war Ianto noch nicht wirklich dahinter gekommen, weshalb es ihn störte. Vielleicht erinnerte es ihn eher an den Eingang zu einem Teeladen oder einem Mini-Markt.

Möglicherweise hatte es etwas damit zu tun, dass Ianto sich seit einiger Zeit Gedanken darüber machte, ob sie diese Fassade aufrechterhalten sollten. Das kam regelmäßig vor, besonders dann, wenn er über dem Antrag zur Erneuerung ihrer Lizenz brütete – und Ianto empfand es als persönliche Kränkung, dass das Ministerium für Tourismus und Kulturerbe sie dazu zwang – oder versuchte, so zu planen, dass sie die vorgeschriebenen Stunden geöffnet hatten und gleichzeitig ihre eigentliche Aufgabe nicht vernachlässigten.

Eine Lösung wäre, jemand einzustellen, der sich ausschließlich um die Touristeninformation kümmerte. Ein andere, die Farce aufzugeben. Wer kümmerte sich heutzutage noch darum, warum jemand in einem bestimmten Gebäude ein- und ausging. Owen hatte endlich gelernt, keine Pizza mehr dorthin zu bestellen. Und seit sie gemeinsam ein Haus bewohnten, brauchte Jack keine „offizielle“ Anschrift mehr. Aber auch ein Mann aus der Zukunft hing manchmal an der Vergangenheit und in diesem speziellen Fall schien Jack Veränderungen stark abgeneigt. Er hatte sich ausgebeten, die Diskussion dieses Themas auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.

Natürlich gab es da auch noch eine weitere Möglichkeit… Nämlich Jacks Hoffnung, dass Ianto sich damit begnügte, nur noch rein administrative Aufgaben zu übernehmen (was ein Vollzeitjob an sich war) und sich um ihre Tochter zu kümmern (noch ein Vollzeitjob), anstatt als Feldagent aktiv zu werden. Nicht, dass er riskieren wollte, Rhearn nicht aufwachsen zu sehen. Und selbstverständlich hatte Ianto jede Absicht, die Statistik zu schlagen und der erste Torchwood-Agent zu sein, der in Rente ging. Aber bei aller Liebe zu seinem Partner und ihrem Kind, da gab es immer noch etwas das in ihm dagegen rebellierte, hinter einem Schreibtisch zu sitzen, während andere ihr Leben riskierten.

Das Windspiel klirrte erneut. Doch dieses Mal öffnete sich die Tür auch. Allerdings nicht für einen Touristen auf der Suche nach Informationen und der nächsten Sehenswürdigkeit, sondern für ein schmutziges kleines Mädchen. Ianto hatte kaum Zeit, seinen Stuhl ein Stück vom Schreibtisch weg zu rollen, bevor Rhearn sich anschickte, auf seinen Schoß zu klettern. Sand rieselte zu Boden, als er ihr durchs Haar strich. Was hatte sie auf dem Spielplatz gemacht, ein Sandbad genommen?

Jack folgte ihrer Tochter und hinterließ seine eigene Sandspur auf dem Boden. Es ließ Ianto schlimmes für den Zustand des Autos befürchten. Er gab seiner Tochter einen Kuss auf eine relativ saubere Stelle an ihrer Stirn. „Hi, cariad. Ihr seid früh zurück.“

Rhearn sah zu ihm hoch, unbekümmert mit den Füßen baumelnd. „Dada ist perfes“, verkündete sie.

Perfes? Wie in pervers? „So, ist er das“, erwiderte Ianto trocken und musterte seinen Partner, der ganz entgegen seines Charakters bisher noch kein Wort gesagt hatte. „Was hast du angestellt, Jack?“

„Nichts“, protestierte Jack und lehnte sich gegen den Schreibtisch. „Es war nicht meine Schuld, dass sie uns fast vom Spielplatz geworfen haben. Fast. Hey, ich bin freiwillig gegangen.“

Ianto griff nach der Hand seiner Tochter, die fröhlich Schubladen aufzog. „Wenn du Hunger hast, ich habe etwas in meiner Tasche für dich. Aber zuerst gehst du dir mit Dada die Hände waschen. Das habt ihr beide nötig.“

„Pommes?“, fragte Rhearn mit Eifer, während sie auf den Boden plumpste und der Einfachheit halber unter dem Schreibtisch durch auf die andere Seite robbte.

„Keine Pommes. In meiner Tasche ist kein Platz für einen Ofen. Du wirst dich mit Reispudding und Erdbeerkompott begnügen müssen.“ Ianto sah ihr nach, als sie nach nebenan verschwand, wo es eine kleine Waschecke und Toilette gab.

„Ist in deiner Tasche vielleicht Platz für zwei Portionen?“, fragte Jack, während er ihr folgte.

„Das hängt ganz davon ab, wie gut deine Erklärung wird.“ Ianto wischte sich Sand von der Hose und stand auf, um den Imbiss vorzubereiten, während nebenan Wasser plätscherte.

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Ein paar Minuten später saß eine (vorübergehend) oberflächlich gereinigte Rhearn in ihrer Spielecke, umgeben von Kuscheltieren und Kissen und schmierte sich so enthusiastisch Erdbeerkompott ins Gesicht als handle es sich um eine Gesichtsmaske.

Ianto beobachtete sie einen Moment, bevor er sich Jack zuwandte, der sich - etwas manierlicher aber ebenso enthusiastisch – durch seine Portion Reispudding arbeitete. Er hatte es sich in Iantos Stuhl bequem gemacht, die Beine lang vor sich ausgestreckt. „So, willst du mich noch länger auf die Folter spannen? Was ist auf dem Spielplatz passiert?“, fragte  der Waliser und setzte sich auf die Schreibtischkante. „Du hast nicht wieder „vergessen“ deine Webley im Auto zu lassen, oder?“ Diese Erfahrung einmal zu machen, hatte Ianto vollkommen gereicht. Selbstverständlich verstand er die Besorgnis der anderen Eltern auf dem Spielplatz. Er wäre ebenfalls besorgt, wenn jemand den Mantel auszog, weil es ihm in der Sonne zu warm wurde und darunter eine Waffe am Gürtel trug. Und Jack gestand selbst ein, dass es nicht eine seiner besten Ideen gewesen war, die Webley mitzunehmen.

„Es war wirklich nicht meine Schuld.“ Es war echte Verwunderung, nicht vorgetäuschte Unschuld, die sich in Jacks Miene spiegelte. „Seit wann ist es verboten, als Erwachsener in einem Sandkasten zu spielen?“

„Wovon sprichst du?“ Überrascht zog Ianto die Brauen zusammen. „Natürlich ist es das nicht.“

Hah!“ Jack gestikulierte mit dem Löffel und tropfte um ein Haar Erdbeersaft auf seinen Ärmel. „Genau das habe ich auch gesagt.“

„Fang von vorne an.“ Ianto warf ihm ein Papiertuch zu. „Und komm bitte zügig zu dem Punkt, an dem unsere Tochter das Wort p-e-r-v-e-r-s gelernt hat.“ Er buchstabierte pervers.

„Nicht von mir, okay?“ Jack leckte sich die Lippen ab. „Wir wollten ein Schloss aus Sand bauen. Unser Besuch in Cardiff Castle letztes Wochenende hat wirklich Eindruck bei Rhearn hinterlassen. Ein paar andere Kinder wollten mitspielen. Wir saßen mitten auf dem Spielplatz im Sandkasten, ich habe niemand in eine dunkle Ecke gelockt.“

„Hat das jemand behauptet?“ Die Schlussfolgerung war nicht so abseitig, wenn das Wort pervers gefallen war. Ianto warf einen Blick zu Rhearn, doch die kleckerte Reispudding auf eines ihrer Bilderbücher und schenkte der Unterhaltung ihrer Eltern keine weitere Beachtung.

„Ich war so überrascht wie du.“ Jack stellte seinen Pudding weg, als verderbe ihm alleine die Erinnerung daran den Appetit. „Niemand hat mit den Kleinen gespielt, abgesehen von mir. Alle waren mit Kaffeetrinken oder sich unterhalten beschäftigt. Oder mit Bücher, Zeitungen und Handys.“

„Vielleicht sehen manche Eltern das als kleine Pause an. Und die Kinder können ja miteinander spielen.“ Ianto pflegte sich auch nicht in den Sandkasten zu setzen. Aber wenn Rhearn schaukelte oder kletterte oder auf der Rutsche saß, war er lieber in ihrer Nähe, als irgendwo am Rand des Spielplatzes auf einer Bank. Zumindest so lange sie noch so klein und ihre Körperbeherrschung noch nicht voll ausgereift war. Schlamm, Sand und alles womit man herummatschen konnte, übernahm ohnehin Jack - mit Freuden.

„Jedenfalls hat sich am Anfang niemand dafür interessiert. Wir hatten schon den kompletten Burggraben ausgehoben und einen Turm gebaut, der einen Architekturpreis hätte gewinnen können“, erklärte Jack.

„Über deine Bescheidenheit hat sich bestimmt niemand beklagt.“ Der Waliser schob Jacks Hand weg, der diese Bemerkung mit einem Klaps auf Iantos Oberschenkel bedachte.

„Dann hat sich Liam den Finger eingeklemmt, als Claire gerade den Eimer auf den Boden gedrückt hat. Ein Unfall. Es war nicht schlimm, aber er hat sich erschreckt und ich habe mir… Was?“, fragte Jack, als er Iantos Blick bemerkte.

„Liam und Claire? Hast du alle Kinder auf dem Spielplatz nach ihrem Namen gefragt?“

Jack zuckte mit den Schultern. „Es ist doch nur höflich, sich einander vorzustellen.“ Er griff wieder nach dem Reispudding.

„Okay, vergiss, was ich gesagt habe und erzähl weiter.“ Ianto verschränkte die Arme vor der Brust. „Es wird langsam spannend.“

„Okay, ich habe mir Liams Finger angesehen und ihn getröstet und plötzlich stürzt sich eine Frau – Liams Mutter – auf mich und schreit, was ich mit ihrem Kind mache und ich solle ihn sofort loslassen.“ Jack sah ihn an. „Und dann bricht das Chaos aus. Auf einmal ist der Sandkasten voll mit Müttern, die ihre Kinder wegzerren und ein paar der Kleinen haben angefangen zu weinen und einer der Väter hat mich angeschrien, ich wäre wohl per… p-e-r-v-e-r-s und hat mich beschimpft.“ Er nickte, als Ianto ihn verwundert ansah. „Ich übertreibe nicht. Jemand hat sogar die Polizei angerufen.“

Seufzend rieb sich Ianto übers Gesicht. „Okay. Da ich keinen Anruf bekommen habe, dass ich dich wieder einmal aus dem Gefängnis abholen muss, nehme ich an, du konntest die Sache aufklären? Hast du ihnen deinen Ausweis gezeigt? Den Polizisten, meine ich, nicht den Eltern.“

„Den hatte ich nicht dabei.“ Jack deutete auf sich. Er hatte sich für einen weniger zeitlosen Look entschieden und war in Jeans und einem Hemd auf den Spielplatz gegangen. Der Mantel wirkte nicht auf alle Menschen so attraktiv wie auf Ianto, sondern rief in alltäglichen Situationen eher mehr Aufmerksamkeit hervor, als gewünscht. „Einer der beiden Polizisten ist ein früherer Kollege von Gwen und er hatte schon mit Torchwood zu tun, er hat mich erkannt. Er hat dafür gesorgt, dass sich alle beruhigen. Rhearn hatte danach keine Lust mehr zum Spielen und wir sind gegangen.“

„Du hast gesagt, man hat euch vom Spielplatz geworfen.“ Ianto hatte nach wie vor eine steile Falte auf der Stirn.

„Fast. Ich habe fast gesagt“, verbesserte ihn Jack. „Rhearn hat sich schnell wieder beruhigt, ich habe ihr im Auto ihre Lieblings-CD eingelegt.“

„Jack, ich verstehe immer noch nicht wieso das so eskalieren konnte.“ Ianto schüttelte den Kopf. „Ich weiß, man kann nicht vorsichtig genug sein, aber ich sehe nicht, warum jemand denken konnte, dass du versuchst...“

„Es gibt nur eine Lösung, weißt du das?“ Jack stellte die leere Puddingschale weg und stand auf. Er beugte sich vor und küsste Ianto. „Wir gehen in Zukunft immer gemeinsam mit Rhearn auf den Spielplatz und du passt auf uns auf.“ Er zog spielerisch an Iantos Krawatte. „Du wirkst so seriös.“

Ianto rollte mit den Augen und befreite seinen Schlips, bevor Jack zu viele Knitterfalten hineindrehte. „Glaubst du wirklich, das ist passiert, weil du nicht seriös genug aussiehst?“

Jack zuckte mit den Schultern. „Vielleicht hatte Liams Mutter einen schlechten Tag. Oder sie hat nicht das Glück, dass sie zu jemandem wie dir nach Hause kommt. Und ich kann sie verstehen, ich hätte vermutlich genauso reagiert, wenn ich gesehen hätte, dass ein Fremder Rhearn anfasst.“ Er legte die Hände auf Iantos Hüften. „Ich hoffe nie wieder in so eine Situation zu geraten, aber deshalb werde ich nicht in Zukunft darauf verzichten, mit meiner Tochter im Sandkasten zu spielen.“

„Wenn du etwas anderes gesagt hättest, würde ich dich jetzt zu Owen schleifen, damit er dich untersucht.“ Ianto legte die Hand an Jacks Wange, küsste ihn zurück. „Warum hilfst du mir nicht, Rhearn wieder sauber zu kriegen, dann schließe ich das Büro und wir drei machen einen Spaziergang, so lange das schöne Wetter anhält und der Rift ruhig ist. Zur Entschädigung, weil das Spielen so kurz ausgefallen ist.“

„Nur, wenn du versprichst, dass wir bei der nächsten Gelegenheit eine Sandburg bauen.“, erwiderte Jack lachend. Er nahm Iantos Hand, drehte sie um, presste einen Kuss auf seine Handinnenfläche und auf den Ringfinger mit dem Verlobungsring.

„Wenn es nicht gleich Cardiff Castle sein muss.“ Ianto richtete sich auf und gab Jack einen kleinen Schubs, damit der Platz für ihn machte.

„Einverstanden.“ Jack ließ ihn los und schnappte sich die Rolle mit den Papiertüchern. „Du fängst sie ein und ich wische?“

„Soll ich nicht besser das Dinosauriernetz aus dem Archiv holen?“, fragte Ianto spöttisch, während er sich nach seiner Tochter bückte. Rhearn ließ sich ganz ohne Gegenwehr hochheben.

Jack lachte und machte sich daran, Gesicht und Hände seiner Tochter zu säubern.

Ende