Titel: Feiern wie die Feste fallen (Dydd Gŵyl Dewi)
Autor: Lady Charena (März 2017)
Fandom: Tupperwood
Episode: ---
Wörter: 1462
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Rhearn, Team, Rhi, Rhys
Pairing: Jack/Ianto
Rating: pg12, slash, Feiertage

Summe: Ein gewöhnlicher Torchwood-Einsatz endet für Ianto in einer erfreulichen Überraschung.


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Nicht immer standen Torchwood alle Türen offen. Im wörtlichen, sowie übertragenem Sinne. Es handelte sich auch nicht um eine neue Erkenntnis. Und trotzdem ging genau das Ianto in diesem Moment durch den Kopf.

Er musterte den Zaun, der ihm den Weg versperrte, mit sinkendem Mut. Es war ein sehr stabiler Zaun, mit besonders unangenehm aussehenden Spitzen am oberen Ende.

„Vielleicht sollten wir nach einem anderen Eingang suchen.“ Ianto sah an seinem Anzug herunter. Sie befanden sich bereits auf dem Weg in den Hub, als sie der Anruf erreichte, der sie letztendlich hierher geführt hatte. Tosh war heute als Erste im Hauptquartier angekommen und hatte in den nächtlichen Meldungen etwas gefunden, das nach einem Fall für Torchwood aussah. Jack beschloss, einen kleinen Umweg zu fahren und sofort nachzusehen, um was es sich handelte.

Und jetzt das. Warum hatte er sich von Jack überreden lassen, ausgerechnet heute seinen neuen Anzug zu tragen. Wolle vertrug sich nicht mit rostigem Stahl.

„Oder wir warten, bis Andy hier auftaucht und schicken ihn mit seinem Polizeiausweis rein.“ Ianto schlug den Kragen seiner gefütterten Jacke hoch. Der Tag war unerwartet sonnig für Anfang März, aber es wehte ein kühler Wind, der an ihren Kleidern und Haaren zerrte.

„Nicht nötig“, verkündete Jack, sich unternehmungslustig die Hände reibend.

Für Iantos Geschmack zeigte er etwas zu viel Enthusiasmus dafür, bereits am frühen Morgen einen Einbruch zu begehen. Zum Glück hatte sich in den vergangenen Jahren ihr Verhältnis zur Polizei sehr gebessert. Trotzdem würde er im Falle einer Verhaftung darauf bestehen, eine eigene Zelle zu bekommen.

Jack knöpfte seinen Mantel zu, damit ihn die herumflatternden Mantelschöße nicht behinderten und begann sich am Zaun hoch zu ziehen. Mit einer Hand griff er zurück, nach Ianto. „Komm, ich helfe dir drüber.“

Das wäre ja noch schöner. Ianto ignorierte die helfende Hand und machte sich selbst an den Aufstieg. Er hatte in seiner Jugend den einen oder anderen Zaun erklommen, zugegeben nicht in Kleidung wie dieser. Oder mit Lederschuhen mit glatten Sohlen. Murrend befreite er seinen Ärmel, mit dem er hängengeblieben war und schwang sich über die Spitzen, darauf achtend, dass er ihnen nicht zu nahe kam. Aufatmend ließ er sich fallen und landete federnd auf dem Boden. Na also. Er hatte nichts verlernt.

Jack wartete auf der anderen Seite auf ihn, die Arme vor der Brust verschränkt, ein amüsiertes Funkeln in den Augen. Er ersparte sich aber jeden Kommentar, als Ianto ihn warnend ansah. Jack hob die Hände, Handflächen nach außen und drehte sich dann auf dem Absatz herum.

Er befragte seinen Wriststrap und deutete auf eine etwas abseits stehende Halle. „Da entlang“, meinte er. „Toshs Koordinaten sagen, wir müssen in diesem Lager suchen. Du wirst sehen, wir sind in fünf Minuten fertig und ich lade dich zu einem vor- Date Night - Mittagessen ein. In das Bistro, in dem du so gerne isst.“

„Hast du irgendetwas angestellt?“, fragte Ianto misstrauisch, als er ihm folgte. Schließlich hatten sie bereits Pläne für heute Abend und zweimal am Tag auswärts zu essen, war etwas extravagant.

„Ich bin schwer gekränkt...“, erwiderte Jack grinsend, „...dass du meine guten Absichten so auslegst. Ich finde einfach nur, wir sollten den Tag genießen.“

„Richtig.“ Ianto schnitt eine Grimasse, als Jack das Eingangstor zur Halle aufzog und dieses ein markerschütterndes Quietschen von sich gab. In einer schmutzigen Lagerhalle herum zu laufen und nach etwas zu suchen - von dem sie nicht wussten, um was es sich handelte - machte ja so viel Spaß.

Er hätte den Vormittag angenehmer mit seiner Tochter verbringen können. Rhearn brauchte neue Schuhe, sie war aus dem letzten Paar definitiv herausgewachsen. Aber Rhearn diente heute seiner Schwester als Versuchsobjekt. Rhiannon arbeitete an einer Lizenz als Tagesmutter und plante mit ihrer Nichte zu üben. Rhearn hatte zwar gefragt, ob Tad mit auf den Ausflug käme, als er sie anzog, ließ sich aber später bereitwillig von Rhi im Auto verstauen. Ianto hatte seine Schwester versprechen lassen, dass sie ihn sofort anrief, sollte Rhearn nicht mehr mitmachen wollen, damit er sie abholen konnte.

„Ich hoffe, du hast irgendwo in deinem Mantel eine Taschenlampe“, bemerkte Ianto trocken, als sie in die dunkle Halle traten.

„Das ist keine Taschenlampe in meiner Tasche, ich freue mich nur, dich zu sehen“, flachste Jack zurück, zog dann aber doch eine kleine Lampe aus einer der zahlreichen Manteltaschen und knipste sie an. Ein kleiner, runder Lichtpunkt tanzte vor ihren Füßen über einen staubigen Betonboden. Von weiter hinten kam ein Geräusch, das durch den Raum hallte.

Großartig. Vielleicht gab es hier auch noch Ungeziefer. „Es ist ein Ding, hat Tosh gesagt, richtig?“, vergewisserte sich Ianto. „Kein Lebewesen?“

„Toter als ein Dodo. Hey, habe ich dir schon einmal erzählt, wie ich...“

Ianto hatte nichts gegen Jacks Geschichten. Sie konnten sehr unterhaltsam sein, gelegentlich sogar lehrreich. Oder erregend. Aber hier und jetzt stand ihm der Sinn so gar nicht nach einer Anekdote über ausgestorbene Riesenvögel. „Kannst du es orten?“, fragte er. „Ich weiß nicht, wie wir es sonst hier finden sollen, das ist...“

„Überraschung!“, hörte er Jack sagen. Im gleichen Moment ging das Licht an.

„Überraschung!!!“, ertönte es von mehreren Seiten, doch es war kein Echo. Ianto blinzelte überrascht, als seine Freunde hinter Kisten und Kartons hervortraten. Tosh, Owen, Andy, Gwen und Rhys - und Rhi, mit Rhearn auf dem Arm.

Ihre Tochter ließ sich nicht lange zurückhalten und kaum stand sie auf ihren eigenen Beinen, lief sie zu ihrem Tad. Strahlend sah sie zu Ianto hoch. „Tad, bist du übergerascht?“

Lachend hob Ianto sie hoch. „Mehr als das“, erwiderte er und küsste sie auf die Wange. Er sah Jack fragend an. Dessen zufrieden Miene bewies hinreichend, dass er selbst hinter der Überraschung steckte.

Jack hob eine Schulter, als wolle er sagen, das ist doch nichts... „Nun, das heißt nicht, dass du und ich nicht heute Abend ein Date haben“, erklärte er. „Aber zuerst feiern wir unseren Jahrestag.“

„Welchen Jahrestag?“ Ianto war gut mit Jahrestagen, Geburtstagen und ähnlichem.

„Der Tag, an dem wir uns kennen gelernt haben.“ Bevor Ianto protestieren konnte, hob Jack die Hand. „Ich weiß, keine gute Zeit, an die du nicht unbedingt erinnert werden willst. Deshalb habe ich mir gedacht, für all die Tage, an denen wir uns kennen gelernt haben - und wieder kennen lernen mussten, wie nach meiner Rückkehr - einen auszusuchen. Und nachdem der erste März ein wichtiger Tag in Wales ist, warum es nicht ausnutzen...“

Ianto unterbrach ihn mit einem Kuss. „Danke. Ich liebe dich, Jack Harkness.“ Damit drückte er ihm Rhearn in die Arme. „Ich nehme an, sie wussten alle davon?“

„Ich hätte es nicht alleine organisieren können, ohne dass du Verdacht geschöpft hättest“, gab Jack zu. „UNIT wird sich heute um eventuelle Notfälle kümmern, Torchwood hat frei. Ich dachte, wir frühstücken hier zusammen und gehen dann mit Rhearn den Umzug ansehen. Sie ist jetzt alt genug, um sich dafür zu interessieren. Und mehr über ihre walisische Abstammung zu erfahren.“

„Das ist eine großartige Idee.“ Ianto fing Toshs Blick auf, die ihm zuzwinkerte und mit einer Lauchstange winkte. Er hoffte, sie erwartete nicht wirklich, dass er sich die ans Reverse steckte. Tradition hin oder her.

Natürlich war sich Ianto des walisischen Nationalfeiertags bewusst gewesen, wer nicht, aber auch Feiertage waren für gewöhnlich etwas, auf das der Rift keine Rücksicht nahm. Und nachdem Jack keine Notiz davon zu nehmen schien, hatte Ianto den Tag gedanklich abgehakt. Sie würden sich noch genug damit beschäftigen müssen, wenn Rhearn mit der Schule anfing. Er trat zu Tosh.

Während Ianto sich ihren Freunden zuwandte, sah Jack seine Tochter an. „Oh ja. Wir haben Tad so was von übergerascht“, meinte er mit einem zufriedenen Lächeln. „Hast du schon großen Hunger?“

Rhearn nickte. „Tante Rhi hat Kuchen“, teilte sie ihm mit. „Mit Schokolade. Und ganz gelben Blumen.“

„Das muss ich mir sofort ansehen“, erwiderte Jack und gesellte sich zu den anderen, die sich um zwei aufgestellte Tische mit allerlei Leckereien versammelt hatten. Rhearn hatte Recht, es gab einen Kuchen, der mit gelben Zucker-Osterglocken verziert war. Und eine Reihe anderer köstlich aussehender Dinge, die möglicherweise dazu führen würden, dass sie das Mittagessen auf einen anderen Tag verschieben mussten.

Er legte den freien Arm um Iantos Taille und zog seinen Verlobten - der sich gerade mit Tosh unterhielt - an sich, küsste ihn unter Beifall und gespielten Buh-Rufen ihrer Freunde, Kollegen und Familie.


Ende





Informationen zum St. Davids Day (walisisch: Dydd Gŵyl Dewi) gibt’s hier:
http://www.visitwales.com/de/entdecken/traditionen-und-geschichte/st-davids-day