Hold on to your skirts, Ladies!



Titel: Heimkehr
Autor: Lady Charena (November 2016)
Fandom: Tupperwood
Episode: ---
Wörter: 2120
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Tosh, Owen, Rhearn
Pairing: Jack/Ianto
Rating: pg12, slash

Summe: Ianto ist dazu bereit, nach Hause zu gehen.
Aber da gibt es noch etwas zwischen ihm und Jack zu klären...


Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.



„Ich muss mit dir reden.“ Ianto schloss die Tür hinter sich und näherte sich entschlossen dem Schreibtisch seines Partners. „Was hast du dir dabei gedacht?“

„Ist es Zeit für… was auch immer ich dieses Mal vergessen habe?“ Die Miene des Walisers verhieß nichts Gutes und Jack konnte förmlich sehen, wie sein Versuch, seine mögliche Verfehlung mit einem Scherz abzumildern, verunglückte und in Rauch aufging. Er schob seinen Stuhl zurück und sah fragend zu Ianto hoch. „Ich habe nichts vergessen, richtig?“

„Nein“, bestätigte Ianto und lehnte sich gegen den Schreibtisch. „Warum ist Tosh damit beschäftigt, sich in Datenbanken zu hacken und deinen Namen als verstorben zu markieren? Wie stellst du dir das vor, wenn jemand deinen Führerschein sehen will, weil du wieder einmal zu schnell gefahren bist? Den ich unter großen Mühen selbst hergestellt habe, falls du dich daran erinnerst. Oder wenn du Geld aus dem Automaten holen willst?“

Jack lehnte sich zurück und verschränkte die Arme im Nacken. „Sie hat es dir erzählt.“

„Sie wollte es mir nicht erzählen.“ Ianto zog ein zusammengefaltetes Blatt Papier aus der Innentasche seiner Jacke und hielt es ihm vor die Nase. „Deine Tochter hat ihr keine Wahl gelassen.“

„Was hat Rhearn damit zu tun? Hey, das ist ein sehr gelungenes Bild von einem Hund“, meinte Jack voll väterlichem Stolz. Er kniff die Augen zusammen und legte den Kopf schräg. „Oder ein Bär. Zwei Bären, die sich gerade sehr sehr lieb haben.“

„Ein Schaf“, korrigierte ihn sein Partner.

„Bist du sicher? Es ist blau. Und hat möglicherweise sieben Beine.“ Er drehte das Bild um 180 Grad. „Oder bekommt gerade ein Baby...“

„Es ist ein Schaf.“ Ianto nahm ihm das Blatt ab und drehte es so, dass die Rückseite zu Jack zeigte. „Rhearn hat einen Ausdruck von Toshs Schreibtisch genommen um ihn zu bemalen.“ Er tippte auf eine Zeile. „Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, warum Tosh plötzlich ein solches Interesse an deinen Vermögensverhältnissen entwickelt. Also habe ich sie gefragt und sie war wirklich entschlossen, mir nichts davon zu sagen. Aber du kennst mich, ich habe meine Methoden.“

„Ich hoffe deine Methoden Tosh zu überreden sind andere als die, die du bei mir anwendest“, erwiderte Jack mit einem schiefen Grinsen. „Und sie hackt sich nicht wirklich in irgendwelche Datenbanken, sie hat sozusagen inoffizielle, unbegrenzte Einladungen in die meisten davon.“

„Gut zu wissen. Nicht der Punkt dieses Gesprächs.“ Ianto zog eine Augenbraue hoch.

„Ich dachte, es ist sicherer. Je weniger Informationen über mich da draußen sind, desto besser.“ Jack hob die Schultern. „Ich habe sie auch gebeten, zu prüfen, ob man dich zu mir zurückverfolgen kann.“

„Es ist bereits alles in meinem Namen, das Haus, das Grundstück, die Bankkonten für unsere alltäglichen Ausgaben. Die Vorsorge für Rhearn. Auf dem Papier bin ich alleinerziehender Vater.“ Ianto schüttelte den Kopf. „Und unsere Tochter soll jetzt offenbar auch noch eine Halbwaise werden.“ Er legte die Zeichnung auf den Tisch. „Jack, keiner von uns ist ein Anfänger, wenn es darum geht, Geheimnisse zu bewahren. Torchwood. Deine Unsterblichkeit. Wie lange du hier bist. Der Doctor. UNIT. Und so weiter und so weiter. Ich denke wir haben alles im Griff ohne zu so drastischen Maßnahmen zu greifen und dich für tot erklären zu lassen.“

„Es ist nicht ideal. Vor allem nicht jetzt, wo ich nichts mehr haben will als ein normales Leben. In Datenbanken und Verzeichnissen zu existieren wie jeder andere Mensch auch.“ Jack rollte samt Stuhl näher zu ihm und legte beide Hände auf Iantos Oberschenkel. „Aber wenn es notwendig ist, um euch zu schützen, dann… ja, dann verzichte ich lieber darauf, als steuerzahlender Bürger eingetragen zu sein und wählen zu gehen.“

„Wann hat Owen das letzte Mal deinen Kopf untersucht? Ich glaube, da ist in letzter Zeit einiges lose geworden. Muss an dieser Laserwaffe liegen, mit der D‘Elas dich außer Gefecht gesetzt hat.“ Ianto nahm seinen Worten den Stachel, indem er Jack mit den Fingern durch die Haare fuhr. „Ernsthaft, wie soll das weitergehen? Ziehst du zurück in deinen Bunker und wir sehen dich nur noch hier? Oder ziehen wir alle in den Hub? Ich bin sicher, wir können einen der Lagerräume zu einem Spielplatz für Rhearn umbauen und Percy badet in Zukunft einfach im Gezeitenpool.“

„Du denkst, ich mache mir zu viele Sorgen?“, fragte Jack.

„Nein. Ich denke es ist falsch, darauf mit Rückzug zu reagieren.“ Ianto legte seine Hände über Jacks. „Das hast du mir beigebracht, als ich alles hinwerfen wollte, damals nach Lisa und den Kannibalen. Du hast nicht zugelassen, dass ich weggelaufen bin und mich verkrochen habe. Und jetzt werde ich für uns das gleiche tun.“

Jack sah ihn an, dann stand er wortlos auf, umschloss Iantos Gesicht mit beiden Händen und küsste ihn. Überrascht versuchte Ianto sich mit den Händen abzufangen, verfehlte aber die Schreibtischkante und verlor das Gleichgewicht. Er sackte rückwärts und da Jack ihm folgte, landeten sie letztendlich beide auf dem Schreibtisch.

„Verdammt, könnt ihr euch nicht endlich angewöhnen, eine Socke außen an die Türklinke zu hängen!“ Unbemerkt von den beiden hatte Owen das Büro betreten.

„Raus!“

Etwas in Jacks Gesicht ließ den Arzt ohne weiteren Kommentar den Rückzug antreten.

Ianto lachte und gab seinem Partner einen Schubs gegen den Brustkorb, aber Jack dachte gar nicht daran, ihn aufstehen zu lassen. „Wie hast du gerade gesagt? Weglaufen ist nicht erlaubt.“

„Dann lass mich wenigsten den Hefter unter meinem Rücken rausholen, bevor er sich bis zu meinem Schulterblatt durch gebohrt hat.“


# # #


Owens Augen verengten sich, als Jack und Ianto sich zu ihm und Tosh in die Pausenecke gesellten. „Nett, dass ihr euch doch noch von der anstrengenden Schreibtischarbeit trennen konntet. Tosh und ich haben schon überlegt, ob wir uns auf die Suche nach Adoptiveltern für euren Ableger machen sollen.“

Red keinen Unsinn.“ Tosh gab dem Arzt einen unsanften Stoß in die Rippen. „Ich passe jederzeit gern auf Rhearn auf.“ Sie sah Ianto an und hob fragend die Augenbrauen.

„Alles okay, Tosh“, beruhigte Ianto sie und nahm seine Tochter auf den Arm, die eiligst von Owens Schoß kletterte. Trotz seines Protestes war der Arzt offenbar gerade damit beschäftigt gewesen, ihr aus einem Bilderbuch vorzulesen. „Alles gut, cariad?“, wandte er sich an Rhearn und rieb seine Nase gegen die seiner Tochter. „Hat sich Onkel Owah gut benommen?“ Obwohl Rhearn inzwischen gelernt hatte, Owens Namen richtig auszusprechen, verwandte Ianto absichtlich die verstümmelte Version.

„Wir haben ganz viiiiiieeeeeel gelesn“, verkündete Rhearn stolz. „Ich auch.“

„Wirklich? Gut gemacht, mein Schatz.“ Ianto sah Owen spöttisch an. „Onkel Owen ist gut mit Büchern, in denen mehr Bilder als Wörter sind.“

„Hardi-har-har“, erwiderte der Arzt grimmig. „Das muss dieser Mutterwitz sein, von dem ich schon so viel gehört habe. Kommt direkt aus den Eierstöcken, was Teaboy?“

„Das reicht, Owen.“ Jack sah den Arzt an. „Hattest du vorhin ein Anliegen? Oder bist du nur vorbeigekommen, um dich zu beschweren?“

„Ich wollte nur wissen, wann es in diesem Laden das nächste Mal etwas zu essen gibt.“ Owen bemerkte, dass er noch immer das Bilderbuch in der Hand hielt, klappte es eilig zu und legte es neben sich auf die Couch, um die Arme vor der mageren Brust zu verschränken.

„Hast du vergessen, wie man telefoniert?“, erwiderte Ianto trocken. „Wie man Pizza ordert?“

Tosh stand auf. „Warum gehen Owen und ich nicht und holen für uns alle etwas? Das dauert auch nicht länger.“ Sie warf ihrem Kollegen einen auffordernden Blick zu, doch Owen tat so, als hätte er nichts bemerkt. „Ich hätte heute eher Lust auf Nudeln als auf Pizza. Wie sieht es bei euch aus?“

„Danke, Tosh.“ Jack kramte in seinen Taschen nach ein paar Geldscheinen und reichte sie an seine Computertechnikerin weiter. „Such uns irgendetwas schönes aus. Ich übernehme die Rechnung.“

Widerwillig stemmte sich nun auch Owen auf die Beine. „Ich komme besser mit. Sonst schleppt sie nur Gemüse an.“

Rhearn drehte sich zu Tosh. „Ich will mit, ich will auch mit.“

Ianto stellte sie seufzend auf die Beine. „Wenn Tante Tosh einverstanden ist.“

„Natürlich.“ Tosh streckte die Hand aus und das kleine Mädchen lief zu ihr, griff nach ihren Fingern. „Wir holen jetzt erst mal deine Jacke. Und dann machen wir einen kleinen Ausflug.“

Rhearn winkte ihren Eltern fröhlich zu und ging mit Tosh. Owen folgten ihnen wesentlich bereitwilliger als seine mürrische Miene vermuten ließ.

Jack setzte sich schwungvoll auf die Couch – und zog das Bilderbuch unter sich hervor. „Warum setzen wir nicht fort, was wir vorhin angefangen haben“, meinte er mit einem Zwinkern. „Hier liegt es sich viel bequemer.“

Doch Ianto blieb stehen. „Ich werde nach dem Essen nach Hause fahren. In unser Haus“, setzte er hinzu. „Bevor wir Rhearn dorthin zurückbringen, möchte ich mich selbst überzeugen, dass alles wieder in Ordnung ist.“ Natürlich war ihr Wohnzimmer professionell von allen Spuren gereinigt worden, von dem gleichen diskreten Unternehmen, das auch für Torchwood Tatorte reinigte – irgendwann war es einfach nicht mehr möglich gewesen, dass sich das Team selbst darum kümmerte – aber Ianto wollte das selbst beurteilen. „Am besten fährst du zuerst zu Estelles Haus und holst Percy ab. Alles andere kann warten.“

„Können wir Percy nicht dort lassen?“, protestierte Jack erwartungsgemäß. Doch dann setzte er sich auf. „Wenn so etwas noch einmal passiert...“

„Falls so etwas noch einmal passiert“, erwiderte Ianto. „Werden wir damit umgehen. Zusammen.“ Er nahm neben seinem Partner Platz. „Und vergiss die Todesanzeige, okay? Ich lasse mich nicht zum Witwer machen, bevor ich überhaupt verheiratet war. Nicht mal vorgetäuscht.“

Jack nickte und zog ihn an sich.


# # #


Rhearn war endlich eingeschlafen.

Als Jack mit ihr und Percy angekommen war, hatte Rhearn es kaum abwarten können, bis sie aus dem Kindersitz befreit wurde, bevor sie an Ianto vorbei ins Haus stürmte und – angefangen bei ihrem Zimmer – alles genau untersuchte. Sie zeigte keine Scheu oder gar Angst. Sie war einfach nur froh, wieder in ihrem Zuhause zu sein, mit ihren Spielsachen und Percy und Tad und Dada.

Ianto hatte sie beobachtet und sich gewünscht, so unbefangen sein zu können. Dieses Haus war weiterhin erfüllt mit Liebe und guten Erinnerungen, aber die Ereignisse hatten einen kleinen Schatten hinterlassen. Er wusste, mit der Zeit würde der Schatten weiter verblassen.

Umso wichtiger war es gewesen, sofort zur vertrauten Routine zurückzukehren. Also folgte auf das Spielen das Abendessen, ein ausgiebiges Bad und Rhearn nutzte weidlich aus, ihre beiden Eltern um sich zu haben. Noch eine und ein weitere Seite vorlesen, dann noch eine Geschichte…

Aber letztlich waren die Augen doch so schwer geworden, dass Rhearn sie nicht mehr länger offen halten konnte. Sie kuschelte sich mit Fanny im Arm in die Kissen und Ianto zog die Decke sorgfältig um sie, küsste sie auf die Stirn.

„Ich erinnere mich vage, dass wir hier irgendwo ein Bett haben“, murmelte Jack, sein Mund dicht an Iantos Ohr, die Arme um die Taille seines Partners legend. „Und wir haben es ganz für uns alleine.“

„Gleich.“ Ianto drehte sich zu ihm um. „Da ist noch etwas, das wir klären müssen.“

„Okay. Das klingt ernst?“ Jack sah ihn an. „Muss ich mir Sorgen machen?“

„Nein.“ Ianto griff in seine Hosentasche, hielt dann die Hand zwischen ihnen hoch und öffnete sie. Auf seiner Handfläche lagen die beiden Ringe, die Jack für seinen Heiratsantrag gekauft hatte. „Gewisse Ereignisse in der jüngeren Vergangenheit beiseite“, sagte er leise. „Du hast du mir versprochen, zu warten, bis ich bereit bin. Bis ich dich frage... nun, nur zur Sicherheit, dachte ich, wir könnten es noch einmal richtig machen. Und ohne das einer von uns nur halb bei Bewusstsein ist.“ Er zögerte einen Moment, sah Jack in die Augen. „Willst du mich heiraten, Jack Harkness?“

„Natürlich. Ja.“ Jack küsste ihn lachend. „Jetzt auf der Stelle?“

Ianto lachte ebenfalls. „Ich denke, wir können uns etwas mehr Zeit lassen. Aber wir können damit anfangen.“ Er hielt die Ringe hoch.

Jack nahm den Ring, den er für Ianto ausgewählt hatte, und schob ihn ohne zu Zögern auf den Ringfinger an Iantos linker Hand. Er musste unbedingt Tosh noch einmal für ihre Hilfe danken, der Ring passte perfekt.

Ianto wiederholte das mit dem zweiten Ring bei Jack. „Ich denke, ich habe keine Angst mehr, dich zu verlieren“, sagte er und leise Überraschung schwang in seiner Stimme mit.

„Danke, dass du mir ein Zuhause gegeben hast.“ Jack zog ihn enger an sich.

Sie verbrachten noch eine Weile damit, ihre schlafende Tochter zu beobachten. Sicher und geborgen in ihrem Heim.


Ende