Owner of a lonely heart
(begonnen Mai 2012, weitergeschrieben 2018)

LadyCharena (Februar 2018)
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Owen Harper
Pairing: [Ianto/Lisa]
Rating: A/U, pre-series, pg12, Canon-Charaktertod
Worte: 2755

Summe: Wie geht es mit Ianto weiter, nachdem er aufgeflogen ist und Lisa tot?

Fortsetzung zu: „Undercover Jones“, „Like Rats in his Stomach“, „Wer ist Ianto Jones?“ Part 1 bis 6, „Der Anfang vom Ende“ Teil 1+2 und „It‘s all over but the crying...“

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.





It's all over but the crying
Fade to black I'm sick of trying
Took too much and now I'm done
It's all over but the crying

Garbage
„It's all over but the crying“



Wieder Schritte vor der Tür.

Wieder trat niemand ein.

Dann entfernten sie sich.

Ianto war sich ziemlich sicher, dass er wusste, wer vor der Tür auf und ab ging. Er hatte Jacks Schrittmuster in den vergangenen Wochen verinnerlicht, immer mit halben Ohr darauf lauschend, ob der Captain nicht plötzlich hinter ihm auftauchte. Für eine so flamboyante Persönlichkeit, bewegte Harkness sich überraschend leise, wenn er wollte.

Er lehnte sich zurück. Das Kopfende des Bettes war hochgestellt, so dass er halb saß, halb lag. Dumpfer Schmerz pochte hinter seiner Stirn, aber das war auszuhalten. Was Ianto mehr Sorge bereitete, war die Unfähigkeit, sich zu erinnern, wie er zurück in diesen Raum gekommen war. Die Couch unter dem Torchwood-Mural. Sein Geständnis. Das Gefühl, zu ertrinken… Danach nur Dunkelheit, bis er die Augen in dem inzwischen vertrauten Zimmer öffnete, in dem er schon einmal aufgewacht war. Dieses Mal jedoch ohne Infusion in seinem Arm. Wie lange war er schon hier?

Irgendetwas hatte sich verändert, aber er konnte den Finger nicht darauf legen. Es war so still.

Da war Blut auf seinem Ärmel gewesen, nur ein wenig, ohne dass Ianto den Grund dafür entdecken konnte. Er war nicht verletzt.

Hatte er jemanden verletzt?

Nicht wahrscheinlich.

Mit seinem Geständnis hatte er sein Leben und vor allem Lisas Schicksal in Jack Harkness‘ Hände gelegt. Angesichts dessen sollte er sich vielleicht wundern, dass er nicht in einer der Zellen in den Vaults aufgewacht war.

Wenigstens waren diejenigen, die keine „Gäste“ beherbergten, sauber. Er hatte die Böden mit einem Heißwasserstrahler geschrubbt, stechende Dämpfe des industriellen Reinigers eingeatmet und Flechten aus Rissen im Mauerwerk entfernt. Er hatte gerade damit begonnen, die Versiegelung des grobporigen Betonbodens zu planen, um die Reinigung künftig zu erleichtert.

Und möglicherweise hatte er den Verstand verloren, wenn er in dieser Situation an so etwas dachte.

Was kümmerte ihn der Fußboden? Er hatte keine Zukunft hier. Er hatte keine Zukunft irgendwo. Bestenfalls schickte Jack ihn zurück zu UNIT. Und da er aufgeflogen war, hatte er keinen Nutzen mehr für Kona. Alles was er hoffen konnte, war dass er noch einmal Lisa sehen durfte. Ihre Hand halten. Mit ihr sprechen. Sie durfte trotz seines Versagens die Hoffnung nicht verlieren.

Jack. Er war seine letzte Hoffnung. Wenn er ihn überzeugen konnte, Lisa zu helfen… Wenn er ihn verstehen machen konnte… Bei all den Anekdoten und Bemerkungen über frühere Beziehungen, es musste doch irgendwann auch in Captain Harkness‘ Leben jemanden gegeben haben, den er geliebt hatte. Bei aller Abneigung gegen UNIT, wenn der aktuelle Leiter Torchwoods Lisas Herausgabe forderte, dann konnte Kona nichts dagegen tun. Er hätte sie niemals entführen dürfen, noch ihn einsperren. Torchwood musste ihr helfen. Ianto war nicht selbst am Ghostshift-Projekt beteiligt gewesen, er hatte nur Gerüchte gehört. Aber es konnte nicht alles zerstört worden sein, als die Daleks und Cybermen sich im Canary Wharf Tower bekriegten. Torchwood besaß Backup-Server überall in London und einige außerhalb Großbritanniens. Und irgendwo dort konnten sich die Informationen verstecken, die Lisa helfen würden. Die sie wieder zu einem Menschen machten.

Ein Geräusch durchbrach seine Gedanken. Ianto hob den Kopf. Lauschte. Wieder Schritte draußen auf dem Flur. Und dann – endlich – das Öffnen der Tür.

Er setzte sich auf, schwang die Beine über die Bettkante. Abgesehen von den Schuhen war Ianto vollständig bekleidet.

Aber es war nicht Jack Harkness, der eintrat, sondern Owen Harper. Der Arzt hielt in der einen Hand einen Pappbecher und in der anderen eine Papiertüte mit dem Aufdruck eines Cafés, welches sich nicht weit vom Hub entfernt befand. Ianto hatte dort selbst schon Backwaren für seine Kollegen besorgt.

Einen Moment lang kam es ihm so vor als wäre Owen überrascht, ihn wach zu sehen, doch dann wandelte sich die Miene des Arztes in eine neutrale Maske. „Frühstück“, meinte er knapp und hielt Ianto den Becher hin.

„Es… i-i-ist es Morgen?“, fragte Ianto, zögernd den Becher nehmend.

„Nahe genug.“ Owen stellte die Papiertüte auf den Beistelltisch und zog eine Mini-Taschenlampe aus der Brusttasche seines Laborkittels. „Das ist Tee“, meinte er mit einem Nicken in Richtung des Bechers. „Koffeinfrei. Dafür mit Milch und Traubenzucker.“ Er verzog seine schmalen Lippen zu einer Art Grinsen, als Ianto unwillkürlich eine Grimasse schnitt. „Gerbstoffarm, das ist zurzeit besser für deinen Magen.“

„Danke“, murmelte der junge Waliser und spielte einen Moment mit dem Verschluss im Becherdeckel, bevor er an dem Getränk nippte. „Gar nicht schlecht.“

„In der Tüte ist Haferbrei, auch mit Traubenzucker. Ein paar Kalorien können dir nicht schaden.“ Owen knipste die Taschenlampe an. „Ich habe ihn in der Mikrowelle aufgewärmt. Aber zuerst will ich mir ein paar Dinge ansehen.“

Ianto hielt still, beide Hände um den Teebecher gelegt, während der Arzt in seine Augen und Ohren leuchtete, sich die Innenseite seines Mundes ansah und an der Kehle seinen Puls maß.

Er fand es beinahe unheimlich, wie höflich und professionell sich Harper verhielt. Nicht eine Beleidigung war über seine Lippen gekommen, keine abschätzige Bemerkung. Ja, nicht einmal ein trockenes „Teaboy“, an das er sich schon fast gewöhnt hatte. War es, weil Jack ihm die Wahrheit über Ianto gesagt hatte? Aber hätte das nicht erst recht Spott und beißende Bemerkungen provoziert? Der Arzt war sicher nicht für seine Zurückhaltung bekannt.

„Dein Puls ist etwas zu langsam, das sollte ein wenig Bewegung beheben. Wenn du dein Frühstück bei dir behalten kannst.“ Owen steckte die Taschenlampe weg. „Irgendwelche anderen Beschwerden?“

„Mein Kopf tut weh.“ Ianto trank noch einen Schluck Tee, der wie gesüßte Milch schmeckte. „Nur ganz leicht. N-n-nicht wie vorher.“

Ein scharfer Blick des Arztes traf ihn. „Darum kümmern wir uns später. Vielleicht hilft es, etwas zu essen.“

Das war zu viel, so viel Nettigkeit machte keinen Sinn. „Was ist p-p-passiert? Sterbe ich?“, platzte es frustriert aus Ianto heraus. „Warum bist du so nett zu mir?“

„Wenn sich Jack nicht weiter in meine Arbeit einmischt und Betäubungsmittel austeilt wie der Süßigkeiten-Onkel, dann nicht“, schnarrte der Arzt, ohne auf seine letzte Frage einzugehen.

„Oh. Okay.“ Der junge Waliser sah ihn verunsichert an und drehte den Teebecher zwischen den Händen.

„Ist das Stottern neu?“, fragte Harper weiter, die Hände in die Taschen seines Laborkittels versenkend.

„Nein.“ Ianto presste die Lippen zusammen.

„Geht das auch etwas ausführlicher?“

„Ich habe als Junge gestottert“, erklärte Ianto langsam und deutlich. „Nur eine ganz leichte Sprachstörung. Ich war ein halbes Jahr in einer Sprachtherapie-Gruppe. Jetzt kommt es nur noch vor, wenn ich sehr müde bin. Oder betrunken.“

„Aha“, erwiderte Owen skeptisch. „Und was von beidem trifft jetzt zu?“

Ianto schwieg. Er nahm an, dass es sich um eine rhetorische Frage handelte. „Ich muss mit Captain Harkness sprechen“, sagte er nach einer Weile.

Owen musterte ihn. „Jack ist nach London gefahren. Iss dein Frühstück, ich wärme den Kleister kein zweites Mal auf.“

„Ich weiß, dass er hier ist“, entgegnete Ianto tonlos. „Ich habe ihn gehört.“

„Keine Ahnung, was du gehört haben willst. Jack ist in London“, beharrte der Arzt.

„Ich muss mit ihm sprechen. Es ist wichtig.“ Ianto stand auf, seine etwas wackligen Knie ignorierend. „Bitte. Es ist wirklich sehr wichtig.“

„Ich sage es ihm, wenn er zurück ist.“ Owen wandte sich zum Gehen. Er zuckte zusammen, als der Teebecher einen halben Meter von ihm entfernt gegen die Wand klatschte. Dann drehte er sich um. „Diese Sauerei mache ich nicht weg“, sagte er ruhig.

Ianto ballte seine zitternden Finger zu Fäusten. „Bitte“, flüsterte er.

„Ich sage es ihm.“ Dieses Mal verließ Owen den Raum.

Ianto setzte sich auf die Bettkante und schlang die Arme um sich selbst.


# # #


„Verdammt, willst du mich zu Tode erschrecken“, knurrte Harper, als er um die Ecke bog und unvermittelt vor Jack stand. „Was hängst du hier rum wie das Phantom der Oper?“

„Du weißt wirklich, wie man Komplimente macht, Owen.“ Jack stieß sich von der Wand ab, gegen die er gelehnt hatte. „Wie geht es ihm?“

„Er ist wach. Klar im Kopf, soweit ich das aus einer fünfminütigen Unterhaltung schließen kann. Und – oh ja – aufgebracht. Er hat den Teebecher nach mir geworfen, als ich ihm sagte, dass du nicht da bist.“

„Offensichtlich hat er dich nicht getroffen.“ Jack musterte ihn flüchtig.

„Ich glaube nicht, dass er mich treffen wollte“, knurrte Owen. „Er wollte nur meine Aufmerksamkeit. Genauer gesagt, deine.“ Er wandte sich seinem Boss zu. „Was soll das? Was machst du hier? Soll ich glauben, dass du plötzlich schüchtern geworden bist und nicht mit Teaboy reden kannst, ohne zu giggeln und zu erröten wie ein Schulmädchen?“

„Wie vielen Menschen hast du schon sagen müssen, dass jemand, den sie lieben, tot ist?“

Jacks Frage überraschte den Arzt sichtlich. Er starrte auf seine Schuhe. „Zu vielen.“

„Ich auch.“ Jack rieb sich übers Gesicht. Was er in London gesehen hatte, steckte ihm mehr in den Knochen, als er gedacht hatte. Nach all den schrecklichen Dingen, die er in seinem langen Leben bereits gesehen und durchlebt hatte… Vielleicht lag es daran, dass er die rohe Hilflosigkeit in Iantos Augen wiedererkannte. Die Hoffnung. „Ich sollte es ihm sagen. Ihn noch länger im Unklaren zu lassen, ist grausam.“

„Du meinst, ihn noch länger hoffen zu lassen?“, entgegnete Owen bitter. Er erinnerte sich   an den Moment, als man ihm gesagt hatte, dass Katie während der Operation gestorben war, mit brutaler Klarheit. Alles andere danach war ein großes, schwarzes Loch aus Verzweiflung, Trauer und Trunkenheit. Er kannte Jones nicht lange genug, um zu wissen, wie der junge Waliser auf die Nachricht reagieren würde, aber sicherlich nicht gut. Sie mussten ihn im Auge behalten. Jack hatte Recht, auch wenn Owen das kaum jemandem gegenüber zugeben würde. Jones war ein Torchwood-Agent. Sie konnten ihn nicht einfach nach Hause schicken. Vielleicht konnten sie Tosh zu ihm schicken… sie schien einen Draht zu ihm zu haben.

„Bleib in der Nähe“, drang Jacks Stimme in seine Überlegungen. „Und nimm das.“

Bevor Owen sich versah, wurde ihm Jacks Mantel und das Holster mit der Webley in die Hände gedrückt. „Hey, sehe ich aus wie dein Kammerdiener?“, beschwerte sich der Arzt halbherzig.

Jack warf ihm einen Blick zu, der sagte: „Netter Versuch“, dann ging er den Korridor entlang.

Owen lehnte sich gegen die Wand. Er faltete den rutschenden Mantel über seinen Arm. „Wie zum Teufel bewegt er sich in dem Ding?“, murmelte er.


# # #


„Captain Harkness, Sir.“ Ianto sprang auf, als Jack in den Raum trat. „Ich muss mit Ihnen sprechen, Sir.“

„Ich bin für ein paar Stunden weg und du packst die Förmlichkeiten aus. Es ist immer noch Jack, Ianto.“ Jack bemühte sich um einen lockeren Ton, als er zu dem jungen Waliser trat. Erstaunlicherweise schien Ianto die Ruhe gutgetan zu haben. Er stand zweifellos unter großer Anspannung, aber seine Gesichtsfarbe ging nicht mehr in Richtung transparent.

Entweder bewirkte Owens Behandlung Wunder… Oder sein Geständnis hatte dem jungen Waliser neue Hoffnung gegeben. Vergebliche Hoffnung.

„Ich habe gehört, Owen hat beinahe eine Teedusche genommen. Falls du dir Sorgen machst, das war vermutlich das Harmloseste, was jemals nach ihm geworfen wurde.“ Jack umrundete den feuchten Fleck auf dem Boden.

„Es tut mir leid. Jack.“ Ianto sah einen Moment weg. „Owen hat gesagt, du bist in London.“

„Ich war in London.“ Jack sah auf die Papiertüte. „Keinen Appetit?“, fragte er.

Der junge Waliser schüttelte den Kopf. Er sah Jack unvermittelt an.

Jack öffnete die Tüte und betrachtete einen Moment den Inhalt. „Ich verstehe das vollkommen.“ Er stellte sie zurück. „Wir sollten etwas Essbares finden. Wo sind deine Schuhe? Wir machen einen kleinen Ausflug.“

„Jack. Bitte. Wir müssen über UNIT sprechen. Es ist mir egal, was mit mir passiert. Aber Lisa braucht Torchwoods Hilfe.“ Ianto trat zu Jack. „Sie braucht deine Hilfe.“

„Warum sprechen wir darüber nicht, nachdem wir beide etwas gegessen haben. Es war eine anstrengende Fahrt, ich könnte ein wenig frische Luft gebrauchen.“ Jack sah sich um. „Wo sind deine Schuhe? Und eine Jacke.“

Ianto sah ihn einen Moment länger an, dann blinzelte er ein paar Mal und bückte sich nach seinen Schuhen, die unter dem Bett standen. „Meine Jacke ist oben. Ich hatte sie zum Trocknen im Büro gelassen.“

„Perfekt.“ Jack wartete, bis Ianto seine Schuhe geschnürt hatte, dann hielt er einladend die Tür auf. „Wir nehmen den Ausgang durchs Büro.“

Ianto folgte ihm zögernd.

Owen stieß sich von der Wand ab, als Jack näher kam. Gefolgt von Ianto? „Ist das eine Privatparty oder kann jeder mitkommen?“, fragte er.

Jack nahm seinen Mantel entgegen und warf ihn sich um die Schultern wie einen Umhang. „Wir gehen etwas Essen. Ein wenig frische Luft schnappen. Gibt es dagegen Einwände, Doktor Harper?“

„Ich denke, Ianto weiß, was er essen darf und was nicht.“ Owen blickte Jack an. „Bist du sicher, dass das eine gute Idee ist?“

„Die brauche ich nicht“, erwiderte Jack, als der Arzt ihm seine Waffe reichen wollte. „Ich habe nicht vor, erst auf die Jagd zu gehen.“

„In dem Fall stehen die Chancen besser, dass ihr nicht verhungert“, erwiderte Owen trocken. „Vielleicht sollte ich mitkommen.“

Ianto hatte den Wortwechsel mit sichtlichem Unverständnis verfolgt.

„Das wird nicht nötig sein.“ Jack nahm den Arm des jungen Walisers und führte ihn den Korridor entlang, zur Treppe, die nach oben führte.

„Jack!“

Aber Harkness ignorierte den Nachruf seines Teamarztes und Ianto folgte ihm widerstandslos.


# # #


Zwanzig Minuten später hob Ianto das Gesicht in den Sonnenschein. Sie hatten das Ende des Steges erreicht. Es war tatsächlich kühl hier in der Bucht, aber selbst der Wind fühlte sich gut auf seiner Haut an. Sofort fühlte er sich jedoch schuldig. Er stand hier mit einem halb-gegessenen Sandwich in der Hand und genoss die Mittagssonne, während Lisa in einem Labor eingesperrt war.

Jack stand neben ihm, die letzten Krümel seiner Mahlzeit von seinem Mantel wischend.

Ianto wandte sich ihm zu. „Warum sind wir hier?“, fragte er leise.

„Es ist privater als im Hub.“ Jack sah aufs Wasser hinaus.

„Warum?“ Er brachte das Wort kaum über die Lippen. Das Essen in seinem Magen fühlte sich an wie ein Bleiklumpen.

„Ich war in London. Bei UNIT.“ Jack wandte sich ihm zu. „Aber ich war zu spät. Ianto, es gibt keinen Weg, dies einfacher für dich zu machen.“ Er sah Ianto zurückzucken und griff nach ihm, packte Iantos Handgelenk. Der Rest des Sandwiches fiel auf den Boden und landete unter Iantos Schuh.

„Nein.“ Ianto riss sich los. „Nein.“ Er presste die Handflächen gegen die Ohren wie ein Kind, das vorgibt, nichts hören zu können.


Jack griff nach seinen Händen, zog sie sanft nach unten. „Es tut mir leid. Lisa war tot, als ich in London angekommen bin. Es gab nichts mehr, dass ich tun konnte.“

„Nein.“ Das Wort war nur ein Wispern.

„Sie haben versucht, sie von der Konvertier-Einheit zu trennen. Aber das war förmlich das einzige, was sie am Leben erhielt.“ Auf diese stark zensierte Variante der Wahrheit hatte Jack sich auf der Rückfahrt mit sich selbst geeinigt. „Es tut mir leid“, wiederholte er.

Der junge Waliser machte einen Schritt rückwärts und sackte in sich zusammen. „N-n-nein. Ich muss… muss i-i-ihr helfen.“

„Ianto.“ Jack setzte sich neben ihn auf den Boden, dicht genug um ihn zu stützen, falls es nötig werden sollte. „Ich weiß, es klingt grausam und es ist sicher nicht, was du jetzt hören willst, aber nichts und niemand konnte ihr helfen. Du musst mir das glauben. Das war nicht das erste Mal, dass ich es mit Cybermen zu tun hatte.“

Ianto erwiderte nichts. Jack war sich nicht einmal sicher, ob er ihn gehört hatte. Der junge Waliser schien wie erstarrt. Schien kaum zu atmen. Er war nicht sicher, welche Reaktion er erwartet hatte. Es gab keine erwartbare Reaktion.

Schließlich gab Ianto einen Laut von sich, der wie ein Zwischending aus Schluckauf und Seufzen klang. Er drehte sich zur Seite und erbrach das wenige, was er gegessen hatte.

Jack legte die Hand auf seinen Rücken. Ließ ihn wissen, dass er nicht alleine war, auch wenn das im Moment keinen Trost bot.



Ende (tbc)