Oh, du selige

T’Len

2006

 

 

 

Fandom: Adelheid und ihre Mörder

Charaktere: Adelheid, Strobel, Pohl, Schilling

Kategorie: G

Hinweise:  Humor

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Summe: Fällt dieses Jahr Weihnachten aus?

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Vielen Dank an Lady Charena fürs Beta.

 

 

 

„Sagen Sie mal, Frau Möbius“, Hauptkommissar Strobel trat aus seinem Büro heraus. „Was ist denn dieses Jahr los mit Ihnen? Sonst haben Sie unsere Büros immer schon Wochen vorher mit all ihrem Weihnachtskram geschmückt und dieses Jahr nichts? Sollten wir heute nicht noch eine kleine Weihnachtsfeier machen?“

 

„Kein Zeit, Chef“, erwiderte Adelheid und haute weiter in die Tasten ihres Computers. „Sie wissen doch, unser aktueller Mordfall hat mich voll auf Trab gehalten:“

 

„Weil Sie sich unbedingt wieder einmischen mussten“, erwiderte Strobel.

 

Adelheid blickte auf. „Wollten Sie die Mord Eins schlagen oder nicht?“, fragte sie. „Wenn nicht noch über die Feiertage etwas passiert, dann liegen wir dieses Jahr wieder in der Statistik vorn. Dank diesem Fall.“

 

Sie wandte sich wieder ihrem Bericht zu. „Allerdings muss das bis zum heutigen Feierabend bei Direktor Dünnwald sein. Wenn Sie eine Feier wollen, müssten Sie sich ausnahmsweise einmal selber darum kümmern.“

„Pohl! Schilling!“, rief Strobel nach seinen Untergebenen.

 

Die beiden Kommissare stürzten aus ihrem Büro. „Was gibt es, Chef?“, fragte Pohl.

 

„Gehen Sie einkaufen“, befahl Strobel.

 

„Einkaufen? Was denn?“, wunderte sich Schilling.

 

„Glühwein, Stollen, was weiß ich, was wir alles für eine Weihnachtsfeier brauchen.“ Strobel knallte seine Bürotür hinter sich zu. 

 

„Vergessen Sie die Schneckennudeln für den Chef nicht“, warf Adelheid ein, ohne aufzublicken. „Und den besten Stollen gibt es bei Bäcker Meier in der Fleetstraße. Glühwein kaufen Sie am besten im Kaufhof am Markt. Sie müssten auch Kaffee mitbringen und ein paar Lebkuchen und wenn Sie noch etwas Tannengrün besorgen könnten, vielleicht auf dem Weihnachtsmarkt.“

 

Das Telefon klingelte und Adelheid nahm ab. „Ja Muddi... nein Muddi... mach ich Muddi...“

 

Strobel kam noch einmal aus seinem Büro. „Pohl“, flüsterte er seinem Mitarbeiter zu, „Besorgen Sie auch eine Kleinigkeit für Frau Möbius. Bestimmt hat sie wieder ein Geschenk für jeden von uns.“

 

„Aber was denn, Chef?“, fragte Pohl.


Strobel klopfte ihm auf die Schulter. „Ihnen wird schon etwas einfallen, Pohl. Ich verlass mich da ganz auf Sie.“

 

„Und ich darf dann wieder alles bezahlen“, maulte Schilling, als sie das Büro verließen.

 

///

 

„Bin ich ein Lastesel oder was?“, beschwerte er sich eine Stunde später, während Pohl die Regale des Kaufhauses durchstöberte.

 

Unter einem Arm trug Schilling ein Bündel Tannengrün. In der anderen Hand hatte er drei Beutel mit zwei Stollen, fünf Flaschen Glühwein, einer Großpackung Lebkuchen, einem Päckchen Kaffee und drei Schneckennudeln für den Chef.

 

Pohl hielt eine Tischdecke hoch. „Was meinen Sie, wäre das was für Frau Möbius?“

 

„Ich weiß nicht“, rümpfte Schilling die Nase. „Ist es nicht etwas unpersönlich?“

 

„Halten Sie mal, wir behalten das im Auge.“ Pohl drückte Schilling die Decke in die Hand und stöberte weiter.

 

„Was halten Sie von einer Vase?“, überlegte er. „Frau Möbius mag doch Blumen.“ Er hielt eine Vase hoch.

 

Schilling blickte auf das Preisschild. „Für 99 Cent? Meinen Sie nicht, dass das etwas sehr billig wäre?“, fragte er skeptisch.


„Wir können ja noch was anderes zusätzlich suchen.“ Pohl drückte Schilling auch noch die Vase in die Hand. Der hatte mittlerweile Probleme alles festzuhalten. „Außerdem, meckern Sie nicht rum oder haben Sie eine bessere Idee?“

 

Schilling zuckte nur mit den Schultern.


„Den Kerzenständer nehmen wir auch noch.“ Pohl war noch einmal fündig geworden und Schilling um ein weiteres Stück in seiner Hand reicher.

 

„Und jetzt holen wir noch Pralinen“, sagte Pohl.

 

„Würden Sie vielleicht...“, versuchte Schilling etwas seiner Last auf seinen Kollegen zu verteilen, doch der überhörte das geflissentlich und ging einfach weiter.

 

Schilling wankte ihm hinterher. Da rempelte ihn plötzlich jemand an und das Tannengrün ging zu Boden. Geistesgegenwärtig schaffte es der Kommissar aber, Vase und Kerzenständer festzuhalten. „Passen Sie doch auf!“, rief er aufgebracht.


„Entschuldigung“, sagte der junge Mann, mit dem er zusammengestoßen war. Er sammelte das Tannengrün auf und schob es unter Schillings Arm. Dann klopfte er noch die Nadeln von Schillings Jackett ab. „Schönes Fest“, wünschte er und ging weiter.


Schilling stutzte, ließ das Tannengrün fallen und griff in seine Jacketttasche. „Der hat meine Geldbörse geklaut!“, rief er Pohl, der mittlerweile umgekehrt war, um zu sehen, wo sein Kollege blieb, zu.

 

„Wer?“,  fragte Pohl.


„Der Typ da, in der grünen Jacke“, Schilling deutete auf den jungen Mann, der gerade auf der Rolltreppe nach unten verschwand. „Er hat mich erst angerempelt und mir dann geholfen. Der alte Trick.“


„Stehen bleiben, Polizei!“, rief Pohl und rannte ihm hinterher. Schilling raffte das Tannengrün wieder auf und folgte seinem Kollegen so schnell es seine füllige Gestalt erlaubte.

 

Er holte ihn an der Kaufhaustür ein. „Er ist mir entwischt“, sagte Pohl bedauernd und trat hinaus.

 

Schwer schnaufend stellte Schilling die Beutel und die Zweige ab, behielt aber die Geschenke für Frau Möbius in der Hand, und zog sein Taschentuch aus der Hose, um sich den Schweiß abzuwischen. Dabei fiel seine Geldbörse heraus. Er hob sie auf.


„Wissen Sie was“, sagte er zu Pohl und trat ebenfalls durch die Tür. „Meine Börse ist gar nicht gestohlen. Ich hatte sie in der Hose nicht in der Jacke.“

 

„Was?“ Pohl drehte sich zu ihm um.


Da heulte der Alarm los und plötzlich sahen die zwei sich von Sicherheitsleuten umringt.

 

///

 

Das Telefon klingelte und Adelheid nahm den Hörer ab. „Herr Pohl am Telefon für Sie, Chef“, rief sie kurz darauf in Strobels Büro.


Ewald Strobel nahm die Zeitung vom Gesicht und quälte sich aus seinem Stuhl hoch. „Sind die noch nicht zurück?“, fragte Strobel. „Backen die den Stollen erst oder was?“

 

„Er klang dringend“, erwiderte Adelheid und ging wieder hinaus, um das Gespräch durchzustellen.

 

Kurze Zeit später kam Strobel heraus und griff sich seinen Mantel. „Das darf doch nicht wahr sein“, sagte er. „Die wurden wegen Ladendiebstahls verhaftet.“

 

„Ich geh’ sie raushauen.“ Sprach’s und war verschwunden.

 

Adelheid seufzte. Wenn es dieses Jahr noch eine Weihnachtsfeier der Mord Zwo geben sollte, würde ihr wohl nichts übrig bleiben, als sich doch selbst darum zu kümmern.

 

Sie griff zum Hörer. Gut, dass sie wusste, wen sie im Notfall anrufen konnte.  „Eugen, du musst mir einen Gefallen tun.“

 

Ende

 

 

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