Last Christmas

 T’Len

2009

 

 

 

Fandom: Torchwood

Charaktere: Jack Harkness/Ianto Jones

Kategorie: PG

Hinweise: pre-Children of Earth

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Summe: Weihnachten in Cardiff

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Vielen Dank an Lady Charena fürs Beta.

 

 

Die Lichter der Stadt blinkten unter ihm. Heute kamen sie ihm noch heller vor als sonst, irgendwie intensiver. Vielleicht lag es daran, dass zu den üblichen Lichtern weitere hinzugekommen waren - die Weihnachtsbeleuchtung in und an den Häusern. Er würde nie so ganz verstehen, warum die Menschen des 21. Jahrhunderts so ein Faible für diesen Kitsch entwickelt hatten.

 

Jack Harkness zog seinen Mantel enger um sich. Ein kalter Wind pfiff über das Dach des Millenium-Centers. Weit unter ihm, in den Stuben der Wohnungen saßen die Menschen jetzt beim Weihnachtsessen, packten Kinder freudestrahlend ihre Geschenke aus, erklangen alte Weihnachtslieder oder wurden die Kerzen an den Bäumen entzündet. Ein ganz normaler Weihnachtstag eben, so wie jedes Jahr. Sie alle da unten ahnten nicht, wie knapp sie schon oft davor gestanden hatten, dieses kleine Glück zu verlieren – an Aliens, die ihre Welt übernehmen wollten, an gewaltige Energien, welche die Erde zu vernichten drohten oder an andere Schrecken. Sie wussten nichts von Weevils, Daleks und Slitheen und schon gar nichts von dem Riss durch Raum und Zeit, dass unter ihrer Stadt pulsierte. Und sie wussten genauso wenig von den Männern und Frauen, die so oft ihr Leben riskierten – und gaben – um sie vor all dem zu beschützen.

 

Er sollte Stolz empfinden, dass es ihnen auch in diesem Jahr gelungen war, dafür zu sorgen, dass die Menschen in Cardiff – und nicht nur dort - ein ganz normales Weihnachtsfest feiern konnten. Doch warum fühlte er dann soviel Bitterkeit in sich? War es, weil er hier oben stand, allein in Dunkelheit und Kälte, statt ebenfalls unter einem Weihnachtsbaum zu sitzen, bei Menschen, die ihm etwas bedeuteten?

 

Sollte er nicht lieber bei Alice und Stephen sein? Stephen würde jetzt womöglich das große, ferngesteuerte Auto auspacken, dass er ihm geschenkt hatte. Er würde sich anschließend lachend in seine Arme werfen und es kaum abwarten können, dass sie es gemeinsam ausprobierten während Alice in der Küche das Abendbrot zauberte. Nein, entschied er, es war besser so. Alice fühlte sich in letzter Zeit sichtlich unwohl in seiner Gegenwart. Ob es daran lag, dass er mittlerweile jünger wirkte als seine Tochter?

 

Und Stephen kam in ein Alter, in dem er immer mehr Fragen stellte. Es würde nicht mehr lange dauern und dem aufgeweckten Jungen würde – musste - auffallen, dass mit seinem Onkel Jack etwas nicht stimmte, dass er sich nicht veränderte, nie alterte. Alice sprach es zwar nicht laut aus, aber Jack spürte genau, dass es ihr lieber war, wenn er sich von ihr und ihrem Sohn fern hielt. Sie wollte Stephen ein möglichst normales Leben ermöglichen. Ein Großvater, der nicht aus dieser Zeit und von dieser Welt stammte und dem wohl gefährlichsten Job dieses Planeten nachging, passte da nicht hinein.

 

Er hatte ihr eine Entscheidung erspart, indem er, als er seine Geschenke ablieferte, augenzwinkernd zu Stephen bemerkte, dass er Weihnachten arbeiten müsse. „Jemand muss ja aufpassen, dass kein böser Gnom das Weihnachtsfest stört“, erklärte er. Im Gegensatz zu seinem Enkel hatte Alice gewusst, dass diese Bemerkung mehr Ernst als Scherz war.

 

Er hätte mit Gwen und Rhys feiern können. Gwen hatte ihn mehr als einmal eingeladen doch zumindest zum Weihnachtsessen zu ihnen zu kommen. Jack wusste, dass Rhys ihm sehr dankbar war, dass er jedes Mal abgelehnt hatte und die traute Zweisamkeit bei ihrem ersten Fest als Ehepaar nicht stören würde. Vielleicht würde Rhys Gwen nun endlich für die Idee ein Baby zu bekommen begeistern können. Jack wünschte es ihm, auch wenn das hieß, sein Team würde weiter reduziert werden.

 

Dann würden nur noch Ianto und er übrig bleiben. Zu wenig, um Team Torchwood 3 effektiv betreiben zu können. Er musste neue Mitarbeiter rekrutieren, ob er wollte oder nicht. Doch darüber nachzudenken war später noch Zeit genug. Heute wollte er lieber an angenehmere Dinge denken.

 

Jack lächelte als sich seine Gedanken seinem Lover zu wandten. Ianto verbrachte den Tag bei seiner Schwester und deren Familie. Jack hatte genau den Widerspruch gespürt, in dem der junge Mann sich befand. Einerseits fühlte Ianto sich verpflichtet, Jack einzuladen, anderseits fürchtete er die Reaktion seiner Angehörigen, wenn er mit einem fremden Mann im Schlepptau auftauchte. Jack mutmaßte, sie hatten keine Ahnung über Iantos aktuelles Liebesleben und dies sollte -  ginge es nach Ianto - auch so bleiben.

 

Er hatte seinem Freund also die Peinlichkeit sich entweder vor ihm oder seiner Schwester rechtfertigen zu müssen, erspart und recht flapsig darauf hingewiesen, man möchte ihm ja mit jeder Art von „familienlastigem, rührseligem Weihnachtskitsch“ verschonen. „Wer auch nur daran denkt, mich zu so etwas einzuladen, bekommt Retcon.“ Er werde unter allen Umständen im Hub bleiben und alles im Auge behalten, hatte er noch versichert. Man wisse ja nie, ob nicht gerade am Weihnachtsabend die nächste Invasion drohe.

 

Doch dann war es ihm dort unten irgendwann zu eng geworden und er hatte sich nach der Weite des Himmels gesehnt, nach den Sternen und nach dem Blick auf seine Stadt. Seine Gedanken drifteten in die Vergangenheit. Er erinnerte sich an Weihnachtsfeste, als Cardiff nicht dieses Lichtermeer gewesen war, als die Menschen die Nächte hier, wie in vielen anderen Städten des Landes, im Dunkeln verbrachten, aus Angst vor feindlichen Angriffen. Manchmal schien ihm diese Zeit wie Ewigkeiten her und dann doch wieder, als wäre es erst gestern gewesen.

 

Und er dachte an sein Zuhause. Seltsam, obwohl der Ursprung des Festes zu seiner Zeit längst jedwede Bedeutung verloren hatte, obwohl es den Planeten, auf dem es einst begann, in seiner ursprünglichen Form gar nicht mehr gab, irgendwie hatte die Tradition Raum und Zeit und Kulturen überlebt. Er dachte an seine Mutter, an ihr festlich geschmücktes Zuhause, daran wie er und Grey es kaum erwarten konnten, ihre Geschenke auszupacken, damals bevor...

 

Ehe die düsteren Gedanken richtig nach ihm greifen konnten, spürte er eine sehr reale Hand auf seiner Schulter. Jack wusste auch ohne sich umzudrehen genau, wem sie gehörte.

 

„Ich denke, du bist bei deiner Familie“, sagte er.

 

„Ein Mann kann nur eine bestimmte Menge an familienlastigem, rührseligem Weihnachtskitsch ertragen“, antwortete Ianto und trat um ihn herum. Er küsste Jack leidenschaftlich. „Und du hast mir gefehlt.“

 

Jack öffnete seinen Mantel und zog Ianto in eine enge Umarmung, den Mantel um sie beide schließend. „Wie hast du mich hier gefunden?“

 

„Du warst nicht im Hub, da war dies die logische Wahl. Außerdem, was denkst du, wie viele Männer an diesem Tag und um diese Zeit in Cardiff auf einem Wolkenkratzerdach herum stehen?“

 

Er ergänzte mit einem Lächeln. „Außer dem Weihnachtsmann.“

 

„Oh, der ist schon weitergeflogen. Hatte noch so viel zu tun. Dabei hätte ich ihn und seine Rentiere gern...“

 

Ianto stoppte Jack mit einem weiteren Kuss. Während seine rechte Hand sich in Jacks Haar grub, wanderte die Linke zwischen ihre zusammengepressten Körper und suchte nach dem Reißverschluss von Jacks Hose. Mit einiger Mühe fand Ianto ihn und zog ihn auf.

 

Jack schob seinen Lover überrascht ein Stück von sich. „Was ist mit der kein-Sex-auf-dem-Dach-Regel passiert, die du einst aufgestellt hast?“, wunderte er sich.

 

„Heute ist Weihnachten, da werden schließlich Wünsche erfüllt“, erwiderte Ianto. Er löste sich von Jack und ergriff dessen Hand. „Komm.“

 

Er führte Jack auf die andere, mehr windgeschützte Seite des Daches. Jack sah zu seiner großen Überraschung, dass dort eine Decke ausgebreitet lag, um die herum Kerzen brannten. Ein kleiner, mobiler Heizkörper strahlte angenehme Wärme aus. Eine Flasche Champagner stand hingegen in einem Kühler.

 

„Die hiesige CCTV-Kamera hat leider gerade einen bedauerlichen, nicht aufzufindenden Defekt“, erklärte Ianto.

 

Jack grinste. „Ich sehe, du hast an alles gedacht.“ Wobei diese Bemerkung ebenso dem Satz galt, der ihm ihrer – natürlich durch Ianto hergestellten - Privatsphäre versicherte – nicht, dass Jack sich groß am Gegenteil gestört hätte, Ianto aber, wie er wusste, sehr wohl – wie auch der Tatsache, dass er soeben die Packung Kondome und die große Tube Gleitcreme, welche auf der Decke lagen, entdeckt hatte.

 

Ianto zog Jack in seine Arme. „Merry Christmas, Jack.“

 

Dann war die Welt um sie herum für eine ganze Weile vergessen und für einen Moment wünschte selbst Jack Harkness, es möge immer Weihnachten auf Erden sein.

 

 

Ende