Titel: so tired of being here
Autor: Lady Charena

Fandom: House, MD

Charaktere: Stacy/House

Thema: # 036. Geruch/riechen

Word Count: 2.304

Rating: PG

Anmerkung des Autoren: Vielen Dank an T’Len für’s betalesen.

Summe: House hat sich verändert

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics by Evanescence “My Immortal”.

 

 

I'm so tired of being here
And if you have to leave
I wish that you would just leave

These wounds won't seem to heal
This pain is just too real
There's just too much that time cannot erase

 

Sie waren zum Mittagessen in der Cafeteria verabredet gewesen, doch Greg tauchte nicht auf. Nach einer Viertelstunde war Stacy das Warten leid und ging. Auf dem Weg zurück in ihr Büro fragte sie sich, warum sie überhaupt erwartet hatte, dass er auftauchen würde. Sie wusste, wie sehr er es hasste, dass ihn die Leute anstarrten - die Wut und die Verlegenheit, die er bei ihren Blicken empfand, ließ ihn hastig und ungeschickt mit den Krücken umgehen. Ein Krüppel, das war alles, was er noch von sich sah. Was er glaubte, dass sie es von ihm sahen.

Sie seufzte. Es nutzte nichts, sich zu sagen – ihm zu sagen! - dass die Neugier der Leute mit der Zeit verschwinden würde. Es waren schließlich erst zwei Wochen vergangen, seit Greg wieder begonnen hatte, zu arbeiten. Nur ein paar Stunden pro Tag, um seine Genesung nicht zu gefährden. Als sie nach Gregs Entlassung aus dem Krankenhaus wieder angefangen hatte, voll zu arbeiten, hatte sie selbst ebenfalls ihren Anteil an mitleidigen Blicken und neugierigen Fragen erlebt. Doch nach ein paar Tagen hatte das Interesse an ihr nachgelassen und der Alltag kehrte zurück.

 

Stacy stand bereits vor der Tür zu ihrem Büro, als sie kehrt machte und zu dem Raum ging, der Greg zugewiesen worden war. Doch das Büro war leer und im angrenzenden Konferenzzimmer saß nur ein junger, blonder Mann über ein Kreuzworträtsel gebeugt. Er sah auf, als sie die Tür öffnete. „Dr. Chase, ich suche House.“

 

Er blinzelte sie nervös an und schien sich erst eine Antwort überlegen zu müssen. „Er ist vor einer halben Stunde gegangen, aber ich weiß nicht, wohin. Ich denke nicht, dass er nach Hause ist, seine Tasche ist noch da.“

 

Stacy lächelte ihm zu. „Danke.“ Als sie das Konferenzzimmer verließ, hatte sich der junge Australier bereits wieder seinem Kreuzworträtsel zugewandt. Er hatte sich sicherlich mehr von einem Posten bei Gregory House versprochen.

 

Sie zögerte. In ihrem Büro wartete genug Arbeit auf sie... trotzdem wandte sie sich in die entgegengesetzte Richtung und ging zu den Aufzügen. Sie konnte sich denken, wo Greg war. Zwar war es alles andere als vernünftig, zu denken, dass er auf dem Dach war, doch Greg war nicht immer mit Rationalität zu begegnen. Wieder zögerte sie einen Moment, als sie aus der Liftkabine trat und dem Korridor um eine Ecke folgte, wo sich das Treppenhaus befand. Es war nur ein kurzes Stück zu überwinden, bis zum Dach. Ein Absatz aus vier Stufen. Allerdings für jemanden, der an Krücken ging, war es eine kaum zu bewältigende Distanz. Und trotzdem... als sie am Fuße der vier kahlen Betonstufen stand, wurde ihr Gefühl immer stärker, dass sie ihn dort oben finden würde. So lange sie ihn kannte, hatte er sich dorthin verzogen... wenn ein Patient starb, wenn sie sich gestritten hatten, um nach einer durchgearbeiteten Nacht Luft zu schnappen, um zu rauchen, um Unfug auszuhecken... Manchmal fand sie James bei ihm, doch meistens war er dort, um alleine zu sein.

 

Stacy stieg die Stufen hoch und drückte die eiserne Brandschutztüre auf. Eigentlich sollte der Zugang zum Dach nicht so einfach sein, doch sie wusste, dass Greg nicht der einzige war, der gelegentlich dort oben Zuflucht suchte.

 

Bevor sie ihn sah, roch sie den Rauch. Greg saß auf der Außenmauer, die zwar relativ breit aber trotzdem viel zu schmal für ihren Geschmack war. Er lehnte mit dem Rücken gegen die Wand hinter ihm, das rechte Bein ausgestreckt, das linke angezogen, so dass er den Arm aufs Knie stützen konnte. Die Krücken lagen davor auf dem Boden. Obwohl er vollends damit beschäftigt schien, dem Rauch nach zu sehen, wusste sie, dass ihm ihre Anwesenheit nicht entgangen war.

 

Stacy musterte ihn. Er hatte sich seit dem Infarkt so sehr verändert und trotzdem war da noch zu viel von dem Mann, in den sie sich verliebt hatte, als dass sie etwas anderes tun konnte, als für ihre Beziehung zu kämpfen.

 

Wenn er nur mit ihr sprechen würde.

 

Sie wusste nicht, ob er für Cuddys Angebot, in die Abteilung für Diagnostische Medizin zu wechseln, dankbar war oder nicht. Sie hatte von Lisa erfahren, dass er es angenommen hatte. Sie wusste nicht, ob seine Schmerzen davon beeinflusst wurden, dass er wieder arbeitete. Zumindest schien es ihn abzulenken. Sie wusste, dass er es nicht ertragen hätte, noch länger in ihrer Wohnung zu sitzen und nichts zu tun. Nutzlos. Diagnostics schien für Greg perfekt zu sein. Er würde sich mit interessanten Fällen beschäftigen können; sich sogar in gewissem Maße aussuchen, mit welchen Patienten er sich befasste. Er liebte Herausforderungen und erst dann, wenn andere Ärzte bereit waren, auf zu geben, begann Greg, sich dafür zu interessieren. Sie wusste auch, dass es nicht alleine Lisa Cuddys Idee gewesen war, sondern das James einen großen Anteil daran hatte. Überhaupt hatte er alles getan, um Greg wieder für seine Arbeit zu interessieren. Er kam oft genug mit Bonnie vorbei und sie aßen zusammen zu Abend, bevor er sich mit Greg auf die Couch verzog, um ihm von irgendeinem bizarren Fall zu erzählen, den er im Krankenhaus aufgeschnappt hatte. Meistens gab Greg vor, nicht interessiert zu sein. Aber dann sah sie seine Augen aufleuchten, hörte ihn Theorien aufstellen, wenn sie den beiden etwas zu trinken brachte. Bonnie war natürlich weniger begeistert davon, dass ihr Mann so viel Zeit mit Greg verbrachte und Stacy hatte oft genug mit ihr zusammengesessen und hatte ihr zugehört, um zu denken, dass die Ehe von James und Bonnie auf tönernen Füßen stand. Trotzdem brachte sie es nicht über sich, die Treffen abzusagen. Wenn James da war, dann kam Greg für ein paar Stunden aus dem Schneckenhaus, in das er sich seit dem Infarkt zurückgezogen hatte. Sie hatte keine Ahnung, wie er es anstellte, aber sie war von Herzen dankbar für James Freundschaft, Geduld und Hartnäckigkeit.

 

Das Schweigen zwischen ihnen schien ihr so greifbar wie der weiße Rauch, der von Gregs Zigarette aufstieg und der in ihrer Kehle kratzte.

 

Das Schweigen schloss sie aus – aus seinen Gefühlen, aus seinen Gedanken... aus seinem Leben.

 

„Ich dachte, du wolltest aufhören zu rauchen.“

 

Greg sah sie nicht an. „Ich sagte, ich denke darüber nach. Du hast aufgehört zu rauchen und deshalb willst du, dass ich es ebenfalls tue, damit du den Rauch nicht mehr an mir riechst und deine Entschlossenheit ins Wanken gerät.“

 

Sie hatte keine Lust, mit ihm zu streiten, also beschloss sie, seinen feindseligen Ton zu ignorieren. Außerdem hatte er vermutlich sogar recht. „Greg...“

 

„Ich brauche das. Es entspannt mich. Ich habe einen stressigen Job“, erwiderte er spottend.

 

Sie zuckte zusammen und verschränkte ärgerlich die Arme vor der Brust. Okay, sie hatte das gesagt und vielleicht verdiente sie es, dass ihr ihre eigenen Worte jetzt ins Gesicht geschleudert wurden. „Meine Arbeit ist auch stressig und ich habe es trotzdem geschafft, damit auf zu hören. Und du hast recht, seit ich nicht mehr rauche, weiß ich es erst zu schätzen, wenn jemand nicht wie ein voller Aschenbecher riecht.“

 

„Und das gibt dir was...? Moralische Überlegenheit?“, entgegnete Greg schneidend. „Wenn du dir das Rauchen abgewöhnt hast, um mir damit auf die Nerven zu gehen, dann ist es ein voller Erfolg.“

 

Stacy presste die Lippen zusammen und drehte den Kopf zur Seite. Auf keinen Fall wollte sie zeigen, wie sehr sie seine Worte verletzen konnten. Was war nur mit ihnen passiert? Sie hatten sich doch einmal geliebt... „Ist das alles was ich mache? Dir auf die Nerven gehen?“ Die Frage war über ihre Lippen, bevor sie es verhindern konnte und für einen Moment dachte sie, ihre Stimme wäre zu leise gewesen, als dass er sie gehört habe.

 

„Jetzt gerade schon.“

 

Sie sah auf, doch er hatte den Blick von ihr abgewandt. Und obwohl die Distanz zwischen ihnen nicht mehr als zwei Schritte betrug, schien es sehr viel weiter bis zu ihm zu sein, als sie neben ihn trat.

 

Greg warf seine Zigarette weg und holte eine Packung aus seiner Jackentasche, um eine frische heraus zu holen. Bevor er die Packung zurückstecken konnte, nahm Stacy sie ihm aus der Hand und warf sie ohne hinzusehen über die Mauer, auf der Greg saß. Sie dachte flüchtig, dass hoffentlich nicht gerade in diesem Moment jemand unten vorbeigegangen und von dem Zigarettenpäckchen getroffen worden war.

 

Greg zündete die Zigarette an, die er bereits in der Hand gehalten hatte. „Du bist nicht meine Mutter“, meinte er tonlos. „Du kannst mir nicht sagen, was ich zu tun und zu lassen habe.“

 

Sie blinzelte gegen die Tränen an, die ihr in die Augen stiegen. Sagte sich, dass es nur der Rauch war, nicht seine Worte. „Ich will dir keine Vorschriften machen. Aber du kannst nicht von mir erwarten, dass ich tatenlos zusehe, wie du dich langsam umbringst. Und du weißt, dass ich damit nicht nur das Rauchen meine.“

 

„Niemand zwingt dich, dabei zu zu sehen.“

 

Sie hasste das sarkastische Grinsen, das auf seinem Gesicht lag, als er sich ihr zuwandte und ihr Rauch ins Gesicht blies. Das war nicht der Greg, den sie kannte. Er war niemals so grausam gewesen. Einen Augenblick lang wusste sie nicht, was sie tun sollte. Schließlich pflückte sie die Zigarette aus seiner Hand, nahm einen tiefen Zug und blies ihm den Rauch ins Gesicht.

 

„Beeindruckend. Aber was soll mir das sagen?“, erwiderte er trocken.

 

„Du bist ein Idiot.“ Sie hielt ihm die Zigarette wieder hin.

 

Zu ihrer Überraschung lachte Greg, aber es klang nicht besonders fröhlich. Er drückte die Zigarette aus und ließ sie fallen. „Ich weiß das. Und du wusstest es auch, als du dich mit mir eingelassen hast.“

 

„Ich verstehe dich nicht.“ Stacy musterte ihn. „Ich verstehe nicht, warum du mich ständig wegstößt. Alles was ich will...“ Sie zögerte.

 

„Was willst du?“

 

Stacy streckte die Hand aus, legte sie auf seinen Arm. „Ich will, dass du mehr auf dich achtest. Was passiert ist...“

 

„Was passiert ist“, äffte er sie sarkastisch nach und schüttelte ihre Hand ab. „Du kannst es nicht mal aussprechen. Ich bin ein Krüppel. Und das wird nicht weggehen. Es wird nicht besser werden. Egal, was du oder Cuddy oder Wilson sagt oder tut. Es wird nicht weggehen. Es spielt verdammt noch mal keine Rolle mehr, ob ich rauche oder nicht.“ Er sah von ihr weg, stützte den Kopf gegen den linken Arm. Als er weitersprach, war kein Ärger mehr in seiner Stimme. Und obwohl die Worte an sie gerichtet waren, war sie sich nicht wirklich sicher, ob er mit ihr sprach. „Versuch’ nicht, mich zu ändern. Ich dachte, unsere Beziehung wäre besser, wäre mehr... Ich dachte, du zumindest könntest mich so akzeptieren, wie ich bin.“

 

„Nein.“ Stacy wich einen Schritt zurück, als brauche sie die Distanz, um die Worte zu finden. „Nein, du willst, dass ich dich so sehe, wie du dich selbst siehst. Als Krüppel. Aber das tue ich nicht. Ich lebe seit fünf Jahren mit dir zusammen. Ich arbeite in einem Krankenhaus. Die Hälfte unserer Freunde sind Ärzte. Denkst du nicht, ich habe genug gelernt, um zu sehen, dass nichts in Ordnung ist? Das Morphium, dass du auf dem Bücherregal versteckt hast, die Tabletten, der Alkohol – und ich rede nicht von deinen Saufgelagen mit James vor dem Fernseher.“

 

„Ich leide unter chronischen Schmerzen, falls dir das entgangen sein sollte“, erwiderte er scharf. „Ich leide darunter, weil du ihnen erlaubt hast, an mir herum zu schneiden, während ich im Koma lag. Und das, obwohl du genau wusstest, dass ich das nicht wollte. Das Morphium, die Tabletten, der Alkohol...“ Er deutete ohne hinzusehen auf die Krücken. „...und das da – das ist jetzt ein Teil davon, was ich bin.“

 

Stacy schüttelte traurig den Kopf. „Nein“, erwiderte sie leise. „Das alles benutzt du nur, um dich dahinter zu verkriechen.“

 

Greg gab ein halb verächtliches, halb amüsiertes Schnauben von sich. „Wann hast du Psychologie studiert? Vor oder nach dem Jurastudium?“

 

Sie gab auf. „Gut... okay... du hast gewonnen. Mach’ weiterhin was du willst. Bring’ dich langsam um, wenn es das ist, was du willst.“

 

Der schneidende Sarkasmus kehrte in seine Stimme zurück. „Wenn du zusehen willst, kann ich die Dinge ein wenig beschleunigen...“

 

Stacy wandte sich hastig von ihm ab. Zu hastig vielleicht, aber sie wollte nicht, dass er sie weinen sah. Ohne noch einmal zurück zu sehen – ohne noch mehr zu sagen, dass sie beide – oder sie sicherlich – bereuen würden  - verließ sie das Dach und lehnte sich im Treppenhaus gegen die Wand. Greg machte keine Anstalten, sie zurück zu halten.

 

Ihr Herz fühlte sich an, als schnüre es etwas zusammen. Die Distanz zwischen... sie konnte nicht länger ignorieren, dass er alles tat, um sie aus seinem Leben zu drängen. Und sie wusste, warum er es tat. Er hatte es selbst ausgesprochen. Er strafte sie für ihre eigenmächtige Entscheidung. Dass er ohne die OP vielleicht nicht überlebt hatte, machte für ihn keinen Unterschied. In seinen Augen hatte sie ihn verraten, hatte sie sich mit Lisa verbündet, um gegen seinen Willen zu handeln. Und Gregory House war kein Mann, der so eine Kränkung leicht akzeptierte. Sie hatte gehofft, er würde ihr verzeihen, wenn es ihm erst einmal besser ging. Es hatte doch niemand vorhersehen können, dass die Schmerzen bleiben würden...

 

Als sie sich das Gesicht wie ein kleines Mädchen mit dem Ärmel ihrer Jacke abtrocknete, roch sie ganz leicht Rauch, der sich in dem dünnen Stoff verfangen hatte. Damit hatte alles begonnen. Aber die Zigarette war nur ein Symbol gewesen... Die harschen Worte zwischen ihnen nur ein Streit von vielen. Und sie wusste, dass sie es nicht mehr lange aushalten konnte. Sie liebte ihn, würde ihn immer lieben, aber sie spürte, dass es für ihre Beziehung vielleicht bald keine Zukunft geben würde.

 

Sie schauderte, als hätte sie ein kalter Luftzug gestreift. Dann stieg sie langsam die Treppen hinab, um wieder an die Arbeit zu gehen.

 

Ende