Titel: Cold Blue Water
Autor: Lady Charena (August 2017)
Fandom: Torchwood - Greyfriars Arms Hotel-Universum
Worte: 1906
Charaktere: Ianto Jones, Jack Harkness
Pairing: Jack/Ianto (Freundschaft, Slash, Flirten)
Rating: AU, ab 16, Slash
Beta: T’Len


Summe: Es ist Zeit, Abschied von der Hütte am See zu nehmen.


Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der
Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.



What is this pulling, tugging at my
Limbs so heavy dragging me down again
So I'm hoping, this cold blue water
Scrubs me clean and spits me out again


Sea Wolf   "Whirlpool"
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Es regnete. Das erste, was er wahrnahm, war das endlos vertraute Rauschen von Wasser. Das harte Stakkato auf den Metallteilen im Dach. Das Gurgeln am Ende der Dachrinne, wo es in Richtung Boden schoss. Das ferne Plätschern des Sees, in der Stille bis in die Hütte vor dringend.

Während er darauf lauschte, ließ der Regen nach. Verstummte zu einem gelegentlichen Tropfen. Er hörte die feuchte, kühle Luft im Kamin, fast wie das Flüstern einer weit entfernten Stimme.

Langsam öffnete er die Augen. Dünne graue Schatten krochen durch die Ritzen zwischen den Fensterläden. Nein, keine Schatten. Morgenlicht. Morgen… Er schloss die Lider, drehte sich zur Seite, weg von der störenden Helligkeit.

Das Feuer musste seit Stunden erloschen sein, nur ein vager Geruch nach Rauch hing noch in der Luft.

Sein linkes Bein ragte unter der Decke hervor und er zog es fröstelnd enger an den Körper. Sein Knie stieß gegen etwas… nein, jemanden.

Ianto öffnete die Augen und sah direkt in Jacks. Unwillkürlich hielt er den Atem an. Es war noch nicht hell genug um Details zu erkennen, aber einer der Lichtstreifen fiel direkt über Jacks Gesicht. Ließ seine Augen in einem fast unnatürlichen Blau aufleuchten. Ließ ihn wieder an mystische Kreaturen denken, die in den Untiefen kristallklarer Seen lebten.

Jack hob die Hand, berührte seine Wange und Ianto atmete aus, schloss die Augen. Lippen streiften seine Lider.

„Gut.“ Jacks Mund war dicht an seinem Ohr. „Wenn du mich noch länger so ansiehst, lasse ich dich nie mehr nach Cardiff zurück.“

„Wenn ich nicht bis heute Nachmittag zurück bin, schickt Rhi mir die Polizei hinterher.“ Ianto spürte einen Knoten in der Kehle. Wie sollte er seiner Schwester vor die Augen treten? Musste sie ihm nicht ansehen, was passiert war? Was er getan hatte?

Jack verfolgte das Wechselspiel an Gefühlen, wie Wolken über das Gesicht des jungen Walisers gleitend. Den ersten Moment... frei von aller Scheu, voller Vertrauen. Dann der Rückzug, die Schuldgefühle. Jetzt Scham, die sich brennend rot auf der hellen Haut seines Halses zeigte. Nur mit den Fingerspitzen zog er eine Linie entlang Iantos Kinn, spürte das Pulsieren unter der dünnen Haut, als sich Iantos Herzschlag beschleunigte. Er war vorsichtig gewesen, hatte keine eigenen sichtbaren Spuren auf ihr hinterlassen. Nur wer ganz genau hinsah, konnte noch den fast abgeheilten Kratzer erkennen, den die Krallen des Doppelgängers verursacht hatten.

„Es wird gerade erst hell. Wir haben Zeit.“ Er küsste Ianto auf die Schläfe. „Lass die Augen zu. Die Nacht ist noch nicht vorbei. Du kannst tun, was du willst. Sein, wer du willst.“

„Nicht die Julia“, murmelte Ianto und überraschte ihn mit einem Lächeln.

„Julia?“, wiederholte Jack amüsiert. „Definitiv keine Julia.“ Er ließ seine Hand über Iantos Brustkorb wandern, wie um dies zu unterstreichen.

„Es war die Nachtigall und nicht die Lerche“, zitierte der junge Waliser. „Romeo und Julia.  Wir haben Shakespeare in der Schule gelesen.“

„Oh, diese Julia.“ Jack beugte sich über ihn, küsste ihn auf die Mundwinkel, er konnte seinem Lächeln nicht widerstehen. „Ich bevorzuge Liebesgeschichten, die weniger dramatisch enden.“

Ianto öffnete die Augen. „Geh mit mir schwimmen.“

„Sicher?“ Jack musterte ihn überrascht. „Das Wasser ist vermutlich ziemlich kalt.“

„Das ist mir egal.“ Ianto sah ihn an, schlug dann den Blick nieder und biss sich auf die Unterlippe, als mache ihm sein eigener Mut Angst. „Ich… ich bin sicher, dir fällt etwas ein, wie uns wieder warm wird?“

„Ein...“ Jack beugte sich über ihn, küsste ihn. „Zwei...“, murmelte er gegen Iantos Mund. „Drei...hundert Dinge vielleicht...“ Seine Finger glitten an Iantos Wirbelsäule nach unten und er lächelte, als ein Schaudern durch den Körper des jungen Walisers ran. „Für den Anfang.“


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Auf dem vom Regen aufgeweichten Ufer stehend, bezweifelte Ianto plötzlich die Weisheit seiner Idee. Obwohl es fast Sommer war, hing sein Atem als weiße Wolke vor ihm in der Luft. Der Regen hatte gestoppt, doch überall tropfte es, und das Gras unter seinen Fußsohlen war glitschig vor Nässe gewesen.

Er hätte einen Rückzieher gemacht und vorgeschlagen, in die Hütte zurück zu gehen, wo sie im Kamin ein Feuer entfachen konnten. Aber Jack war ihm bereits voraus, stand schon bis zu den Knien im Wasser.

Langsam watete Ianto den ersten Schritt in den See und schnappte nach Luft. Kalt war ein kaum ausreichender Begriff. Es fühlte sich an, als ob das Wasser in seine Haut schnitt.

Jack war inzwischen tiefer vorgedrungen und machte einen Hechtsprung vorwärts. Er tauchte wenige Meter weiter auf, warf den Kopf in den Nacken und lachte. „Woooohooo.“ Seine Stimme hallte über den See. Wasser tretend wandte er sich zu ihm um. „Komm schon, Ianto. Es ist großartig.“

Er konnte die Kälte seine Beine hoch kriechen spüren, seine Zehen waren bereits taub, aber Ianto biss die klappernden Zähne zusammen und folgte Jack. Es war immerhin seine eigene Idee gewesen.

Als das Wasser bis an seine Knie reichte, bückte Ianto sich und tauchte die Arme unter, um sich allmählich an die Temperatur zu gewöhnen. Er war sich sicher, wenn er wie Jack einfach ins Wasser sprang, würde er auf der Stelle an einem Herzinfarkt sterben. Nun, es wäre eine Möglichkeit, den Fragen seiner Schwester zu entkommen…

Eiskalte Arme schlangen sich um seine Taille und Ianto schreckte hoch, als sich Jack lachend an seinen Rücken schmiegte. „Du überlegst zu viel“, wisperte Jack in sein Ohr, und das war alles, was Ianto an Warnung erhielt. Im nächsten Augenblick hatte Jack ihn mit sich ins tiefere Wasser gezogen und sie tauchten unter.


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Bewegung half, seine halbgefrorenen Glieder aufzutauen und langsam begann das Schwimmen Ianto wieder Spaß zu machen. Nach zwei Runden um den See ließ sich Ianto in der Mitte der Wasserfläche treiben, genoss das Gefühl der Schwerelosigkeit.

Jack tauchte unter ihm durch – hatte er bei den Ottern heimlich Schwimmunterricht genommen? - und ließ sich neben ihn treiben, gelegentlich mit den Füßen paddelnd, damit er nicht zu weit abtrieb. Möglicherweise hatte er nicht übertrieben, als er ihm erzählt hatte, dass er in einem Haus neben einem Ozean aufgewachsen war.

Schweigend sahen sie nach oben, wo die Morgensonne durch die letzten Regenwolken brach.

„Ich bin froh, dass du mitgekommen bist“, meinte Ianto schließlich leise.

„Ich bin froh, dass du mich gefragt hast.“ Jack richtete sich im Wasser auf, paddelte neben ihm.

„Vielleicht… vielleicht können wir das wiederholen?“, fragte der junge Hotelier scheu. Er drehte den Kopf vorsichtig.

„Wann immer du möchtest.“ Jacks begeisterte Miene sprach Bände. „Aber möglicherweise bei besserem Wetter. Komm, schwimm mit mir um die Wette ans andere Ende des Ufers. Wer zuerst bei dem großen Stein ist, bekommt das Frühstück serviert.“ Er rollte sich im Wasser herum – etwas, dass Ianto nicht einmal versuchen würde, nachzumachen – und schwamm mit weiten Zügen davon.

Ianto ließ die Beine nach unten sinken und schnappte überrascht nach Luft, als er in tiefere, kältere Wasserschichten sank, bevor er ihm folgte. Natürlich war Jack lange vor ihm am Ufer und thronte grinsend auf dem Stein wie ein Fabelwesen aus einer Sage.

Die Luft fühlte sich tatsächlich warm auf seiner kalten Haut an, als Ianto aus dem Wasser kletterte. Atemlos ließ er sich auf ein kleines Fleckchen Gras fallen.

Er sah zu Jack hoch, der ihm die Hand entgegen streckte. „Ich glaube, es ist wichtiger, dich ins Warme zu bekommen“, meinte er.

Ianto ließ sich auf die Beine helfen und kaum überraschend zog ihn Jack an sich. „Du warst ebenso lange wie ich im Wasser, wieso ist deine Haut so warm?“, fragte er, sich bewusst, wie sein Herz gegen seinen Brustkorb pochte - als versuche es durch die Rippen zu brechen.

Anstatt einer Antwort küsste Jack ihn, seine Berührungen vertrieben rasch die Kälte aus Iantos Gliedmaßen.

Ein lautes Platschen schreckte sie auf und als Ianto über die Schulter sah, tauchte der Kopf eines Otters aus dem Wasser auf. Er schien sie missbilligend zu betrachten, diese Störung seines frühmorgendlichen Raubzugs durch den See.

Lachend nahm Jack Iantos Hand und sie liefen zur Hütte zurück, den langen Weg um den See nehmend, um auch den Rest der Kälte aus den Gliedmaßen zu vertreiben.


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Jack bestand darauf, dass Ianto in eine Decke gewickelt wartete, bis er das Feuer im Kamin entfacht hatte. Er hatte eine gewisse Routine entwickelt, und innerhalb kürzester Zeit züngelten die ersten Flammen an den Holzscheiten.

Er stellte den Funkenschutz vor den Kamin und drehte sich um, glitt neben Ianto auf das unordentliche, aber bequeme Lager aus Decken und Schlafsäcken. „Wärmer?“, fragte er.

Der junge Hotelier nickte. Er setzte sich auf, beugte sich vor, legte die Hand in Jacks Nacken und küsste ihn hungrig.

Jack ließ sich zurückfallen, zog ihn mit sich, auf sich.


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Der Vormittag war weiter fortgeschritten und sie konnten es nicht länger aufschieben. Es war Zeit, die Zelte abzubrechen.

Ianto trat hinter die Hütte, pumpte Wasser – fast so kalt wie das im See – aus dem Brunnen und wusch sich. Seine eigene Berührung fühlte sich auf seiner Haut fremd an. Er schloss die Augen und schauderte, spürte wieder Jacks Mund auf… Ianto atmete scharf aus. Er hatte davon gehört, hatte andere Männer darüber sprechen hören, wie eine Frau einen Mann mit dem Mund befriedigen konnte. Dass man in der Regel dafür bezahlen musste, weil anständige Frauen so etwas nicht machten. Und dann hatte Jack… Er hatte gedacht, etwas wäre in ihm zerbrochen, so hart war er gekommen. Wie ein hormongeplagter Teenager ohne jede Kontrolle über sich. Aber Jack hatte nur gelacht, sich den Mund abgewischt und gewartet, bis Ianto wieder atmen konnte. Dann hatte er Iantos Finger zu seiner Erektion geführt und...

Er öffnete die Augen und beendete rasch seine Morgenwäsche. Das kalte Wasser half. Ein wenig.

Er zog sich an, bevor er in die Hütte zurückkehrte und sah mit einem Anflug von Erleichterung (und einiger Enttäuschung), dass auch Jack angezogen war und ihr improvisiertes Schlaflager abgebaut hatte.

Sie frühstückten schweigend und räumten dann die Hütte auf. Ianto warf einen letzten prüfenden Blick in die Runde, bevor er die Tür abschloss. Er schwang seinen Rucksack über die Schulter und drehte sich zu Jack um, der ein paar Schritte entfernt wartete.

„Alles okay?“, fragte er, als Ianto zu ihm trat.

„Ja.“ Der junge Waliser nickte. „Nur...“ Er brach ab.

„Nur?“ Jack musterte ihn von der Seite, als sie die Lichtung durchquerten.

„Ich weiß nicht, ich sollte...“ Ianto hob die Schultern und sah einen Moment weg, um einer Wurzel auszuweichen. „Sollte ich mich nicht… anders fühlen? Nach allem… mit dir...“

Jack lachte leise, aber es lag kein Spott darin. „Ianto, ich bin kein Magier. Ich kann dich nicht ändern. Alles was du fühlst, war immer schon in dir, es war nur vorher versteckt. Aber jede Änderung kommt aus dir selbst.“ Er streckte die Hand aus und Ianto legte ohne Zögern seine Hand in Jacks. „Mir gefällt alles an dir, Ianto Jones.“

Ianto erwiderte nichts, drückte nur seine Finger.

Erst, als sie den Wagen erreichten, trennten sie sich.



Ende (tbc)