Titel: Magnetisch
Autor: Lady Charena (Mai 2017)
Fandom: Torchwood - Greyfriars Arms Hotel-Universum
Worte: 1616
Charaktere: Ianto Jones, Jack Harkness
Pairing: Jack/Ianto (Freundschaft, Slash, Flirten)
Rating: AU, ab 16, Slash
Beta: T’Len


Summe: Es ist die letzte Nacht in der Hütte am See für Jack und Ianto vor ihrer Rückkehr nach Cardiff.


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I'm in love with the shape of you
We push and pull like a magnet do
Although my heart is falling too

Ed Sheeran – Shape of You



Jack warf ein paar trockene Zweige in den Kamin, brachte die Flammen zum Auflodern.
Zwar hatte es schon Stunden zuvor aufgehört zu regnen, doch die Feuchtigkeit hing in der Hütte. Das schlechte Wetter hatte selbst ihm die Lust genommen, noch eine Abschiedsrunde im See zu drehen. Die Otter würden sich freuen. Falls sie auftauchten. Das Wasser verfärbte sich im Laufe des Tages milchig und Ianto erklärte ihm, dass die Verfärbung von Lehm stammte, den der anhaltende Regen aus den Hügeln spülte. Vielleicht konnten sie noch einmal hierher kommen. Er hatte den Eindruck, Ianto tat der Abstand zum Hotel und der offenbar endlosen Sorge um dessen Erhalt gut.

Apropos Ianto… Er stand auf und wischte sich die Handflächen an der Hose ab. Der junge Waliser war damit beschäftigt gewesen, die übriggebliebenen Lebensmittel zu verstauen und das Geschirr vom Abendessen zu säubern. Ianto schien seit Anbruch der Nacht nervös und Jack im engen Anbau ständig im Weg, weshalb er sich anbot, die Schlafsäcke auszurollen und das Feuer zu schüren.

Jack trat in die Küche, die sauber, aufgeräumt – und leer war. Allerdings stand Iantos Rucksack in einer Ecke, weshalb er nicht davon ausging, dass der junge Waliser ohne ihn getürmt war. Die Tür nach draußen war nur halb geschlossen.

Ianto stand neben dem Brunnen, sein Handtuch über den Unterarm gelegt, aber nicht damit beschäftigt, sich zu waschen. Er stand da und sah nach oben, in einen sternenklaren Himmel, von dem sich die Regenwolken endlich verzogen hatten.

Ringsum tropfte es von den Bäumen, das feuchte Gras schmatzte unter seinen Schritten. Hinter ihm fiel genug Licht aus der offenen Tür, dass Jack Iantos Umrisse erkennen konnte. Als er neben ihn stand, hatten sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt. Jack legte den Arm um die Schultern des jungen Mannes und lächelte, als Ianto sich in seine Berührung lehnte.

Er drehte den Kopf und sein Mund streifte Iantos Ohr. „Ich habe gehört, dass man sich etwas wünschen darf, wenn man eine Sternschnuppe sieht“, sagte er leise.

„Sternschnuppen?“, wiederholte der Hotelier. „Ich glaube nicht, dass heute Nacht...“

„Benutz deine Phantasie“, unterbrach ihn Jack amüsiert. „Du musst nicht alles wörtlich nehmen. Ich versuche nur eine alte Erdentradition aufrecht zu erhalten.“

„Wieso bin ich nicht überrascht, dass du so etwas weißt.“ Ianto schüttelte den Kopf. „Warte, beantworte das nicht.“ Er sah wieder nach oben. „Wenn du daran glaubst, dass Sternschnuppen Wünsche erfüllen können, dann solltest du nicht vergessen, eine Untertasse voll Sahne auf die Türschwelle zu stellen, bevor du schlafen gehst. Damit uns die Faeries keine bösen Streiche spielen.“

„So nüchtern, Mister Jones.“ Jack lachte leise. „Was würdest du dir wünschen, wenn du für eine Nacht daran glaubst, dass Sternschnuppen tatsächlich Wünsche erfüllen?“ Ianto versteifte sich einen Moment lang in seinem Griff und es schien, als wolle er sich von ihm zurückziehen. Dann senkte Ianto den Blick auf den Boden und verschränkte die Arme vor der Brust.

Jack wollte eben fragen, ob er etwas falsches gesagt hatte, als Ianto ihn abrupt ansah. Er hob die Hand, legte sie an die Seite seiner Wange und strich mit dem Daumen die Kontur von Jacks Lippen nach.

„Was wünschst du dir?“, wiederholte Jack leise.

„Nicht...“ Ianto schluckte. „Nicht ich zu sein, für eine Nacht.“ Seine Stimme ging fast unter in den Geräuschen der Natur.

„Wer möchtest du sein?“ Jack drehte den Kopf leicht, presste einen Kuss in Iantos Handfläche.

„Jemand, der... mutig ist.“ Ianto schluckte erneut, schloss die Augen.

„Du bist einer der mutigsten Menschen, die ich kenne“, erwiderte Jack. Und das war nicht nur so daher gesagt.

„Nicht mutig genug, um mehr zu tun als zu träumen.“ Der junge Waliser schüttelte den Kopf.

„Sag mir, was du geträumt hast.“ Er legte seine Hand über Iantos Finger, ließ ihn sich nicht zurückziehen. „Bitte.“

Ianto bewegte die Lippen, benötigte ein paar Anläufe, bevor er das erste Wort heraus bekam. „Von dir. Ich habe von dir geträumt.“ Sein Adamsapfel hüpfte. „Davon, dich zu berühren. Und berührt zu werden...“

Jack nahm Iantos Hand, drehte sie, küsste ihn auf den Pulspunkt an seinem Handgelenk. Er konnte das feine Zittern seiner Muskeln spüren. „Komm mit nach drinnen und zeig es mir. Wo es wärmer ist.“

Einen langen Moment schien die Zeit einzufrieren, dann überflutete Röte das Gesicht des jungen Walisers. Seine Augen weiteten sich und Jack konnte nicht nur spüren, wie sich sein Puls beschleunigte, er nahm auch die Pheromone wahr, die Iantos Körper produzierte.

Dann nickte Ianto. Das Handtuch fiel achtlos ins nasse Gras, als Ianto Jacks Hand fest in seine nahm und ihn in die Hütte führte.



And last night you were in my room
And now my bedsheets smell like you
Every day discovering something brand new

Ed Sheeran – Shape of You



Der Raum wurde nur noch vom matten Flackern des fast erloschenen Feuers im Kamin erhellt.
Die Lampe auf dem Tisch hatte Jack nicht eingeschaltet, bevor er sich auf die Suche nach Ianto machte und danach spielte es keine Rolle mehr.

Jack beugte sich vor und presste einen Kuss gegen Iantos nackte Schulter, zog die freie Seite des Schlafsacks um ihn hoch. Wollte nicht, dass er fror, wenn das Feuer ganz erlosch und die dürftige Wärme schwand.

Iantos Hand, seine Finger noch immer lose um Jacks Unterarm geschlossen, zuckte kurz, als vergewissere er sich, dass Jack nicht vorhatte weg zu gehen, doch er schlief ruhig weiter.

Nicht unbedingt die bequemste Haltung für Jack, auf der Seite liegend, der Arm, auf den er sich stützte, in Iantos Griff. Doch er hatte vorerst nicht die Absicht, sich von ihm zu lösen und ihn damit vielleicht zu wecken. So angenehm ein wacher Ianto jetzt auch wäre… Mit der freien Hand, eigentlich nur mit den Fingerspitzen, strich er über Iantos Handrücken, bis sich die Finger des jungen Mannes entspannten.

Schließlich rollte er sich langsam auf den Rücken und Ianto folgte ihm im Schlaf, drehte sich ihm wieder zu, sein Gesicht gegen Jacks Oberarm gepresst. Der Griff seiner Finger lockerte sich und seine Hand fiel weg, landete auf Jacks Hüfte. Dafür schob sich sein Knie instinktiv zwischen Jacks, auf der Suche nach der bequemsten Haltung, presste ihre Unterkörper aneinander.

Jack drehte den Kopf, atmete ein amüsiertes Seufzen in Iantos Haar und widerstand der Versuchung, ihn wach zu küssen – weiter zu machen, wo sie aufgehört hatten. Er atmete Iantos Geruch ein: der Eigengeschmack seiner Haut, Salz, sauberer Schweiß, das metallische Aroma des Wassers aus dem See (und vermutlich auch aus dem Brunnen).

Von außen betrachtet, war kaum mehr zwischen ihnen geschehen, als bei den noch unbeholfenen, tastenden Annäherungsversuchen zweier Teenager. Aber das hatte er weder als enttäuschend noch als unbefriedigend empfunden. Und Jack war sich sicher, dass Ianto das genauso sah. Das Vertrauen, dass ihm der junge Waliser heute Nacht entgegengebracht hatte, war ein unglaubliches Geschenk und das einzige, was Jack bedauerte, war dass die Nacht zu bald enden würde und sie diesen Ort verlassen mussten.

Er wagte es, seine freie Hand unter den Schlafsack zu schieben, ließ sie sacht über Iantos Rücken streichen, langsam auf und ab, über die glatte, milchweiße Haut. Erinnerte sich daran, wie tastend, aber nur wenig zögernd, der junge Waliser sich daran gemacht hatte, seinen Körper zu erkunden.

Erinnerte sich an Iantos Mund gegen seinen Hals, Iantos Gesicht in die Beuge zwischen seiner Schulter und seinem Hals gepresst, um sein Stöhnen zu unterdrücken, als Jack sich gegen ihn bewegte, obwohl niemand sie hier hören konnte. Ihn in die hastig übereinander gezogenen Schichten aus Decken und ihren Schlafsäcken presste, darauf bedacht, ihn nicht mit seinem vollen Gewicht zu belasten, um ihm nicht das Gefühl zu vermitteln, von ihm erdrückt zu werden.

Hatte sich zur Seite gerollt und Ianto mit sich gezogen, als der sich gegen ihn wölbte, in seine Hand stieß und über Jacks Finger kam.

Und er erinnerte sich an das kurze Aufblitzen von Erstaunen in Iantos Gesicht, das er vielleicht verpasst hätte, wenn er ihn nicht so genau beobachtet hätte – mehr darauf bedacht, was Ianto empfand, als auf seine eigene Befriedigung, er wollte unter allen Umständen, dass dies eine gute Erfahrung für den jungen Mann wurde – als Jack gegen seinen Oberschenkel kam.

Während er mit einer Hand nach seinem T-Shirt angelte und sie notdürftig sauber rieb, schien die ganze Anspannung von Ianto abzufallen. Sein Atem wurde ruhiger, sein Griff lockerte sich, dann glitt er übergangslos in den Schlaf.

Kein Wunder, dachte Jack und drückte einen Kuss gegen sein Haar. Der junge Waliser musste unter enormen Druck gestanden haben, mental wie körperlich. Schließlich war Ianto ein junger, gesunder Mann und selbst ohne Druck von seiner Seite, ihre körperliche Nähe, die Berührungen – und nicht zu vergessen, seine futuristischen Pheromone – konnten nicht ohne Wirkung bleiben. Trotzdem, alles was heute Nacht passiert war, passierte aus freiem Willen. Er hatte nicht gedrängt und nicht gefordert, genau wie er Ianto einmal versprochen hatte.

Er konnte nur hoffen, dass Ianto nichts bereuen würde, wenn der Morgen kam.

Aber bis dorthin konnte er seine Nähe genießen. Jack legte seine Hand über Iantos und verflocht ihre Finger ineinander. Die letzten Flammen im Kamin erloschen und Dunkelheit legte sich über sie, umschloss sie in ihrem Kokon.


Ende (tbc)