Titel: Intimität (The Dream that Dreams itself)
Autor: Lady Charena (März 2017)
Fandom: Torchwood - Greyfriars Arms Hotel-Universum
Worte: 2841
Charaktere: Ianto Jones, Jack Harkness
Pairing: Jack/Ianto (Freundschaft, pre/slash, Flirten)
Rating: AU, ab 12, slash
Beta: T’Len


Summe: Ein neuer Morgen in der Hütte am See. Ianto und Jack genießen die Zweisamkeit.


Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der
Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.



Toward another he has gone
to breathe an air beyond his own
toward a wisdom beyond the shelf
toward a dream that dreams itself

(Patti Smith, About A Boy)



Das Gefühl war das gleiche, wie aus dem kalten Wasser des Sees aufzutauchen – ein Kribbeln tausender feiner Nadelspitzen, die sich von innen durch seine nackte Haut bohrten. Aber er spürte keine Kälte. Nur die Wärme des Feuers und der Hand auf seinem Rücken. Er hielt die Augen geschlossen, als er sich auf die Seite drehte, der wortlosen Aufforderung folgend. Sein Herz hämmerte gegen seinen Brustkorb und trotzdem fühlte er sich vollkommen ruhig. Es war richtig. Lippen streiften seine Stirn, seine Augenlider in einer Liebkosung so sachte, als könne er unter der Berührung zerspringen. Zu sanft. Zu wenig. Er wollte mehr. Hände, die ihn festhielten. Das Gewicht eines Körpers, der ihn in den abgenutzten Schlafsack presste. Diesen Rausch empfinden, den er vorher noch nie erlebt hatte…

Atemlos öffnete Ianto die Augen. Es war kühl. Die Luft roch nach kalter Asche und ein klein wenig nach Moder. Durch den Spalt zwischen den geschlossenen Fensterläden sickerte blasses Morgenlicht.

Er war alleine. Eingewickelt in eine Wolldecke, bekleidet mit einem Pyjama. Und so erregt, dass es fast schmerzte. Der Holzboden knarrte, als er sich auf die linke Seite rollte. Das Lager aus einem zweiten Schlafsack, Decken und Kissen, auf dem Jack neben ihm geschlafen hatte, war zerwühlt. Und kalt unter seiner tastenden Hand. Jack musste schon eine Weile wach und auf den Beinen sein. Sollte er nicht vollkommen still in der kleinen, angebauten Küche sein – und warum sollte er das tun? - dann bedeutete das wohl, dass er die Hütte verlassen hatte.

Seine Finger glitten ohne bewusstes Nachdenken über die Decke, die Jack benutzt hatte und als Ianto sich zurück auf den Rücken rollte, zog er sie mit sich. Über sein verschwitztes Gesicht, und er atmete Jacks Geruch ein, während er die rechte Hand unter den Bund der Pyjamahose schob.

Der rasch abkühlende nasse Fleck in seiner Hose und der Gedanke, dass Jack ihn in dieser Situation erwischen könnte, riss Ianto aus der trägen Schwere, die sich in ihm ausgebreitet hatte. Eine Mischung aus der ziellosen Schläfrigkeit, die mit dem Wissen kam, dass keinerlei Verpflichtungen auf ihn warteten und dem unbefriedigten Verlangen, das sein Traum geweckt hatte. Ein Verlangen, das seine eigene Berührung nicht zu stillen vermochte.

Es waren die Zweifel an seinem eigenen Handeln, sollte Jack unvermittelt zurückkommen, die Ianto schließlich dazu bewegten, sich aus den Decken zu wickeln und der kühlen Morgenluft zu trotzen. Weniger die Sorge vor der Reaktion des anderen Mannes.

Ianto nahm frische Unterwäsche und die Tasche mit seinem Waschzeug aus seinem Rucksack und tappte auf bloßen Füßen durch den schmalen Anbau ins Freie. Feuchte Grashalme klebten an seinen Knöcheln und dem Saum der Stoffhose fest, als er zu der primitiven Außentoilette trat, die sich ein paar Schritte von der Hütte entfernt befand. Seine Kleidung ließ er auf der hölzernen Bank neben dem gusseisernen Brunnen liegen, den sein Großvater geschlagen hatte, damit sie zum Kochen, Trinken und Waschen Grundwasser benutzen konnten. Großmutter wollte die Insekten, die im See lebten, nicht in ihrem Tee haben.

Das Wasser aus dem Brunnen war klar, aber noch kälter als die Morgenluft. Es spritzte gegen seine Beine und durchtränkte den dünnen Stoff, als Ianto Wasser in den hölzernen Bottich pumpte. Zähneputzen und Morgenwäsche fielen gründlich aber entsprechend kurz aus. Ein bereits feuchtes Handtuch, das über der Rücklehne der Bank hing, verriet ihm,  dass Jack auch schon seine Morgentoilette erledigt hatte. Auch an ihm hatte Jack seinen Geruch hinterlassen, wie ein Kater, der sein Revier markierte. Ianto spürte, wie ihm das Blut in den Kopf schoss, als er sich abtrocknete und dabei versuchte, nicht daran zu denken, wie der verwaschene, leicht raue Stoff des Handtuchs bereits über Jacks nackten Körper gerieben hatte…

Er streifte hastig frische Unterwäsche über und wusch seine Pyjamahose im Wasserbottich aus. Sie blieb zum Trocknen über der Rückenlehne der Bank hängen, genau wie das Handtuch, als Ianto fröstelnd in die Hütte zurückkehrte. Er zog den Rest seiner Kleidung über und machte sich dann daran, das Schlaflager abzubauen, nachdem er die Fensterläden geöffnet hatte, um Licht in den Raum zu lassen. Kissen und Decken landeten sauber gestapelt auf dem Sofa, die aufgerollten Schlafsäcke verschwanden in einem Schrank.

Der Magen des jungen Walisers knurrte, als er seine Jacke überzog und die Hütte durch die Vordertür verließ. Zum ersten Mal bohrten sich leise Zweifel in sein Bewusstsein. Sicher, Jack hatte gesagt, dass er sich nicht langweilte, aber vielleicht hatte er seine Meinung geändert… Vielleicht hatte er sich mehr davon versprochen, als die Nacht auf einem kalten Holzboden zu verbringen…

Oder möglicherweise hatte er sich entschieden, ein weiteres Bad zu nehmen. Jacks Kleidung lag nachlässig auf einem halbwegs trockenen Fleck am Ufer und als Ianto sich umsah, konnte er Jack am anderen Ende des Sees auftauchen sehen. Vor dem Hintergrund eines Rests Morgennebels, der dort zwischen ein paar Sträuchern festhing, wirkte Jack, bis zur Taille im Wasser, wie eine Gestalt aus einer alten Sage. Wie ein Wassergeist oder -nymph, der sich anschickte, an Land zu gehen.

Dann drehte sich Jack um, sah ihn und winkte und der Eindruck des Märchenhaften verschwand. Trotzdem wartete Ianto unbehaglich darauf, dass Jack zu seiner Seite des Ufers zurück schwamm.

Jack kletterte ans Ufer und schüttelte den Kopf, ähnlich wie ein nasser Hund sein Fell schüttelte, Wasser in alle Richtungen spritzend. „Guten Morgen.“ Es schien ihm nicht zu entgehen, dass Ianto angestrengt wegsah, als er in voller Größe – und ohne einen Faden Kleidung am Leib – vor ihm stand. „Kann ich dich wieder mit mir ins Wasser locken?“, meinte er, sichtlich amüsiert. „Es ist kalt, aber es fühlt sich großartig an.“

Bore da.“ Ianto kickte einen kleinen Stein in den See. „Ich wollte fragen, ob du Hunger hast. Ich könnte uns Frühstück machen.“

„Ich dachte, wir waren uns einig, dass du aufhörst, mich wie einen Gast zu behandeln“, neckte Jack ihn. „Sonst kann ich unmöglich das tun...“ Er legte eine nasse Hand unter Iantos Kinn und küsste ihn. „Obwohl ich zugebe, es wäre schön, sich jetzt an einen Tisch zu setzen und mir das Frühstück deiner Schwester schmecken zu lassen.“

Ianto blinzelte, hob dann die Hand und wischte sich mit dem Handrücken das Kinn ab. „Ich bin nicht völlig unbegabt.“

„Ich weiß.“ Jack zwinkerte ihm zu. „Gib mir zwei Minuten, dann gehe ich dir zur Hand.“ Er  begann sich anzuziehen, ohne sich darum zu kümmern, dass seine Haut noch nass war. „Ich wollte dich nicht wecken, aber ich konnte nicht widerstehen. Es ist so ein herrlicher Morgen.“ Jack lachte. „Allerdings fürchte ich, die Otter habe ich erst einmal verscheucht.“

„Dein Charme hat sie nicht beeindruckt?“ Der junge Hotelier machte einen vorsichtigen Schritt rückwärts, als ihn eine Libelle neugierig ansteuerte.

„Zu wenig Pelz. Also an mir“, entgegnete Jack grinsend. „Man kann es nicht allen recht machen.“

Ianto sah der Libelle hinterher, die über den See flitzte, scheinbar auf der Suche nach einem sonnigeren Fleckchen. Es erinnerte ihn an einen lang vergangenen Sommer… Einmal hatte ihre Kusine sie begleitet. Wie sich herausstellte, hatte Stella panische Angst vor allem was surrte, summte, flatterte, krabbelte oder sich an Wänden entlang hangelte. Oder schlimmer noch, sich von der Decke abseilte. Ein perfektes Opfer für drei Jungs am Anfang der Pubertät und eine gefährliche Zeit für die Tierwelt rund um den See. Krabbler aller Art fanden sich unvermittelt in Stellas Kleidung, Schuhen, ihrem Schlafsack oder sogar auf ihrem Teller wieder. Iantos Vater, der gekommen war, um ein paar frische Lebensmittel zu bringen, nahm sie nach nur zwei Tagen wieder mit  nach Hause.

„Hast du es dir überlegt?“, fragte Jack, sein Mund dicht an Iantos Ohr. „Wir können um die Wette zur anderen Seite schwimmen, dann wird dir bestimmt warm.“

„Vielleicht später.“ Ianto drehte sich zu ihm um und fand sich so nah bei Jack stehen, dass sich ihre Nasen fast berührten. Blaue Augen funkelten ihn schelmisch an. Es war fast wie ein Zwang, sich vorzubeugen und ihn zu küssen. Er fuhr mit den Fingern durch Jacks nasses, glattes Haar, einfach weil es sich gut anfühlte. Dann machte Ianto einen kleinen Schritt zurück und begann Jacks noch offenstehendes Hemd zuzuknöpfen, den Blick auf die Knopfreihe gerichtet, auf einen kleinen Faden, der von einem der Knopflöcher ab stand. „Außerdem… Ich habe wirklich Hunger.“

Jack lächelte, hob seine Schuhe auf und deutete eine Verbeugung an. „Wer als Letzter an der Hütte ist, macht den Abwasch.“

Das „Rennen“ endete aufgrund der kurzen Strecke unentschieden, als sie sich in der Tür gegenseitig anrempelten, was Jack dazu ausnutzte, ihn gegen den Türrahmen zu pressen und mit einem Grinsen auf die Nase zu küssen. Um sich dann an ihm vorbei zu drängeln und sich selbst zum Sieger zu küren.

Jacks Angebot, ihm beim Zubereiten des Frühstücks zur Hand zu gehen, schien eher ein Vorwand gewesen zu sein, Hand an Ianto zu legen. Das, ebenso wie die Nähe zum Herd, brachte den jungen Waliser erneut ins Schwitzen. Schließlich schickte er Jack in den Hauptraum der Hütte, um dort ein Feuer zu machen und mit einer gusseisernen Gabel Brot über den offenen Flammen zu toasten. Bis er damit fertig war, hatte Ianto Würstchen und Rührei gebraten und trug zwei großzügig befüllte Teller zum Tisch. Vielleicht nicht so üppig, wie das Frühstück, das Rhi im Hotel servierte, aber es schmeckte ihnen trotzdem. Ianto rührte nach der Anleitung auf der Dose zwei Tassen Kaffee mit kochendem Wasser an und fand, dass er fast so schmeckte, wie selbst gebrühter. Er trug die Tassen zusammen mit einem der übriggebliebenen Stücke Dundee-Kuchen an den Tisch.

Jack sah ihm dabei zu und leckte sich Eigelb aus dem Mundwinkel. Er schob seinen leeren Teller zur Seite. „Du gibst eine wirklich gute Hausfrau ab“, meinte er.

Ianto, der gerade den Kuchen mit einer Gabel in zwei Hälften teilte, stoppte mitten in der Bewegung und sah ihn an, die Augenbrauen hochgezogen. „Bitte?“

„Das war ein Witz.“ Jack hob die Hände. „Ein dummer Spruch.“

Der junge Waliser schüttelte den Kopf. „Da bin ich mir bei dir nie so ganz sicher“, entgegnete er und schob eine Hälfte des Kuchens in Jacks Richtung.


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Das Wetter war zu schön, um in der Hütte zu bleiben. Es brauchte keine große Überredungskunst, um Ianto zur weiteren Erkundung der Umgebung der Lichtung zu bewegen.

Sie durchquerten den Waldgürtel und erreichten einen grasbedeckten Hügel. Der Aufstieg war anstrengender als vermutet – die Arbeit im Hotel zählte nicht gerade als Sportprogramm – aber die Aussicht belohnte sie für die Mühe.

Ein großer Baum mit ausladendem Blätterdach lud zu einer Pause ein. Jack breitete eine Decke aus – er hatte sich Iantos Rucksack über die Schultern geschlungen – und sie improvisierten ein Picknick. Kaltes Brunnenwasser aus der Thermosflasche und Teesandwiches, die Ianto aus dünnen Brotscheiben und einem Töpfchen Gentleman‘s Relish, das er unter den von Jack mitgebrachten Vorräten fand, zubereitete. Damit würden sie zwar nicht die Queen zum Tee beglücken, aber Jack erklärte, das wäre das beste Picknick, an dem er je teilgenommen habe. Und das würde ein Festmahl mit einer indischen Prinzessin unter freiem Himmel mit einschließen. Er lachte Iantos Skepsis über den Wahrheitsgehalt dieser Geschichte weg.

Nach dem Essen zog Jack sein Hemd aus, um sich in der Frühsommersonne zu aalen, während Ianto lieber im Schatten des Baumes blieb. Er lehnte sich gegen den Baumstamm und legte den Kopf in den Nacken, um nach oben zu sehen, auf die ständig wechselnden Muster, die sich in den Blättern bildeten. Gewärmt von der Sonne und satt döste er ein wenig vor sich hin, bis ihm bewusst wurde, dass Jack ihn beobachtete.

Ianto blinzelte und räusperte sich dann. Sein Mund war trocken. Jack war in die Hocke gegangen und musterte ihn so eindringlich, als sähe er ihn zum ersten Mal. „Stimmt etwas nicht?“ Er wischte sich mit der Hand über den Mund. „Habe ich Krümel am Kinn?“

Jack lachte leise und streckte eine Hand aus, strich über die Wange des jungen Mannes. „Oh, Ianto. Ich denke, ich bin es nicht mehr gewöhnt, mit jemandem wie dir zusammen zu sein.“

„Jemandem wie mir?“, wiederholte der junge Waliser fragend, als eine steile Falte zwischen seinen Augenbrauen erschien. „Was ist an mir… so anders?“

Jack presste die Lippen einen Moment auf die Stelle zwischen Iantos Augenbrauen, glättete das Stirnrunzeln. „Ich wünschte, ich könnte dir erklären, wie besonders du bist“, sagte er leise. „Dir zeigen, wie ich dich sehe.“

Ianto sah ihn mit weiten Augen an. „Ich verstehe nicht?“

„Du vertraust mir“, erwiderte Jack, scheinbar zusammenhanglos.

„Bisher hast du mir keinen Grund gegeben, es nicht zu tun. Oder?“ Unsicherheit schwang für einen Moment in Iantos Stimme mit.

„Ich hoffe es.“ Jack setzte sich auf die Fersen zurück, die Arme vor der Brust verschränkt, um seine Hände daran zu hindern, weiter auf Wanderschaft über Iantos Körper zu gehen. Die spielerische Stimmung war plötzlich in etwas sehr ernstes umgeschlagen. „Du zwingst mich dazu, zu denken. Zu planen. Zu warten.“

„Das ist etwas Schlechtes?“ Ianto blinzelte überrascht.

„Nein. Sagen wir so... Die Leute, mit denen ich sonst zusammen bin..." Er musterte Ianto. „Intim bin..." Röte schimmerte in Iantos Nacken und er unterdrückte ein Lächeln. „...haben keinerlei Erwartungen an mich.“

„Außer bezahlt zu werden?“ Ianto sah momentan an ihm vorbei in die Weite. „Tomi hat dich gesehen. Mit jemandem vor einem Pub, du hast ihm Geld gegeben. Er hat es Rhi erzählt.“

Jack legte die Finger um sein Kinn, drehte Iantos Kopf, bis der ihn wieder anblickte. „Ich weiß nicht, was dein Freund da gesehen hat, aber es war sicher nicht, wonach es aussah.“

„Ich bin nicht so naiv, Jack. Denkst du, ich weiß nicht, dass man Sex für Geld kaufen kann?“ Ianto zuckte mit den Schultern. „Und ich nehme an, es ist einfacher für dich. Keine Erwartungen, keine Verbindung, keine... emotionalen Ansprüche. Du kannst einfach gehen.“

„Das macht es so kompliziert mit dir“, sagte Jack leise. „Ich kann nicht einfach gehen. Nicht mehr. Du bist zu wichtig für mich geworden.“

„Wie?“ Ianto spürte, wie sein Herz schneller zu schlagen begann. „Es ist nichts zwischen uns passiert.“

„Zwischen uns ist eine Menge passiert, Ianto.“ Er beugte sich vor, bis sein Mund Iantos Ohr streifte. „Ich will mehr von dir, als nur mit dir zu schlafen. Ich will, dass dein Herz schneller schlägt, wenn wir uns sehen. Ich will, dass du an mich denkst, wenn ich nicht da bin. Ich will... dass du mir gehörst.“

„Und ich?“ Die Worte kamen ohne bewussten Gedanken über Iantos Lippen.

„Ich hoffe, dass du irgendwann das gleiche für mich fühlst.“ Jack musterte ihn wieder.

„Ich habe Lisa geliebt“, erwiderte Ianto nach einer Weile. „Ein Teil von mir liebt sie vielleicht immer noch. Sie zu verlieren... von ihr abgewiesen zu werden... das hat so wehgetan. Ich weiß nicht, ob ich riskieren kann, noch einmal so etwas zu fühlen.“ Er zog die Knie an, schlang die Arme darum – und schuf damit eine Barriere zwischen ihnen.

Als ob die Natur auf den Stimmungsumschwung reagierte, schoben sich plötzlich Wolken vor die Sonne und warfen große Schatten über das grüne Gras.

„Vielleicht sollten wir zurückgehen, bevor es anfängt, zu regnen.“ Ianto griff nach herumliegendem Wachspapier, in das die Brote eingeschlagen gewesen waren, um es in den Rucksack zu packen.

Jack hielt seine Hand auf. „Wenn du dazu bereit bist, dieses Risiko wieder einzugehen, dann bin ich hier.“ Er stand auf und zog Ianto mit sich auf die Beine. Bevor der junge Waliser etwas darauf antworten konnte, machte Jack sich daran, die Überbleibsel ihres Picknicks einzusammeln.

Ein paar Minuten später, sie waren gerade den Hügel herunter gestiegen, begann eiskalter Regen auf sie herunter zu prasseln. Zwischen den Bäumen waren sie einigermaßen geschützt, doch als sie die Hütte endlich erreichten, waren beide bis auf die Knochen nass.

Während Jack das Feuer neu entfachte und kräftig schürte, um ihre im Raum verteilte Kleidung zu trocknen, machte Ianto – in eine Decke gewickelt – Kaffee.

Jack schien die Kälte nichts auszumachen. Er hatte eine Decke locker um die Taille gewickelt und beobachtete durch das Fenster, wie der Regen auf die Oberfläche des Sees prasselte. So heftig, dass das Wasser Blasen zu schlagen schien. Er nahm die Tasse die Ianto ihm reichte mit einem dankbaren Lächeln. Und sah dem jungen Mann zu, der sich fröstelnd einen Sitzplatz nahe dem Feuer suchte.

Es gab einfach Dinge, auf die es sich lohnte, zu warten. Egal wie lange es dauerte.

Jack holte eine weitere Decke und legte sie Ianto über die Schultern, bevor er neben ihm Platz nahm. In einvernehmlichem Schweigen lauschten sie auf das Trommeln des Regens auf dem Holzdach und das Knistern der Flammen im Kamin, während sie den wärmenden Kaffee tranken.


Ende (tbc)