Titel: Nachtleben
Autor: Lady Charena (Januar 2017)
Fandom: Torchwood - Greyfriars Arms Hotel-Universum
Worte: 1814
Charaktere: Ianto Jones, Jack Harkness
Pairing: Jack/Ianto (Freundschaft, pre/slash, Flirten)
Rating: AU, ab 12, slash
Beta: T’Len


Summe: Jack und Ianto verbringen den ersten Abend gemeinsam in der Hütte.


Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der
Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.



„Hast du dich aufgewärmt?“ Jack ließ mehr Holzscheite in einen geflochtenen Weidenkorb fallen, der neben der offenen Feuerstelle stand. Dann rieb er die Handflächen gegen die Seitennaht seiner Hose und setzte sich neben Ianto auf den Boden. Wolken waren aufgezogen und hatten die Frühsommersonne verdeckt. Es war rasch kühler geworden. Was leider auch zu einem wieder angezogenen Ianto geführt hatte.

Feuer zu machen, Holz zu holen, ein Bad in einem Teich… Primitiv wie dieses Leben vielleicht erscheinen mochte, Jack genoss es. Nun, vielleicht würde er nach einigen Tagen anfangen, die Bequemlichkeiten der Stadt zu vermissen, doch für den Moment war er vollkommen damit zufrieden, hier zu sitzen und in die Flammen zu starren. Konnte natürlich auch ganz und gar an der Gesellschaft liegen…

„Ja. Danke. Ich hatte vergessen, wie viel Spaß es macht, zu schwimmen. Trotz des kalten Wassers.“ Ianto nickte in Richtung des Feuers. „Du machst das wirklich gut. Du bist ein großer Fan vom Leben in der freien Natur, ja?“

Jack lachte. „Das würde ich nicht gerade behaupten, aber ich bin nicht ganz hilflos, wenn es dazu kommt.“ Er stützte die Arme hinter sich auf und räkelte sich genüsslich. „Ich habe Hunger“, verkündete er dann.

Ianto sah ihn an, eine Augenbraue amüsiert hochgezogen. „Schon wieder? Du hast die halbe Pastete gegessen.“

„Und hatte seither viel Bewegung an frischer Luft. Davon bekomme ich immer Hunger.“ Jack klopfte sich auf den Bauch. „Ich kann es mir leisten, oder?“

„Du bist so ein bescheidener Mensch.“ Obwohl seine Worte spöttisch klangen, wandte Ianto den Blick ab – nicht bevor Jack gesehen hatte, dass sich seine Wangen rot färbten. „In der Blechdose mit der Aufschrift Teegebäck sind vier Stück Dundee-Kuchen. Lass mir eines davon übrig.“

Jack rückte näher zu ihm und küsste ihn auf die Schläfe. „Ich werde drei übriglassen. Wir sind ja noch ein paar Tage hier. Aber nur, weil du mich so nett darum bittest. Das Essen deiner Schwester ist eine große Versuchung.“ Er stand auf. „Du willst wirklich nichts? Ich kann frisches Wasser holen und den Kessel aufsetzen, dann probieren wir den Instantkaffee.“

„Nicht im Moment. Ich bin… ich brauche wirklich nichts.“ Der junge Waliser schüttelte die Decke um seine Schultern ab. „Warte, ich hole dir den Kuchen.“

„Wir sind nicht im Hotel, Ianto.“ Jack winkte ab. „Hier musst du mich nicht bedienen.“ Er lachte. „Denkst du, dass du es verkraftest, wenn ich stattdessen dich bediene?“

„Da bin ich mir nicht sicher.“ Er sah Jack nach, der eifrig den Raum durchquerte, um in den Anbau zu verschwinden. Langsam erst kam ihm zu Bewusstsein, wie bizarr die Situation war. Hier, alleine mit Jack. Ohne Arbeit, ohne Ablenkungen, ohne Pflichten. Ohne Regeln?

Nackt mit Jack im See zu schwimmen, er hatte mehr als seinen Körper für den anderen Mann entblößt und Jacks Worte… Er erschauderte und zog die Decke wieder um seine Schultern, obwohl es direkt vor dem Feuer mollig warm war. Jacks Worte. Er wusste nicht, was er von Jack wollte, nur dass er es von Jack wollte und das er derjenige war, der diese Gefühle in ihm wachrief.

Lisa zu lieben, war gewesen wie an einem Sommertag in der Sonne zu stehen. Warm. Sicher. Geborgen. Mit ihr hatte er Pläne gemacht, mit ihr wollte er Wurzeln schlagen. Ein Leben auf einer vorgezeichneten Bahn.

Jack war wie ein Gewittersturm. Unberechenbar. Unkontrollierbar. Überwältigend. Ausbrechend aus existierenden Pfaden. Und manchmal riss er nieder, was sich ihm in den Weg stellte.

„Letzte Chance. Ich kann mich nicht mehr lange zurückhalten.“

Ianto öffnete die Augen. Jack saß mit untergeschlagenen Beinen vor ihm, den Deckel der Keksdose als Teller in der Hand. Darauf ein von Rhi großzügig dimensioniertes Stück Früchtekuchen, überzogen mit einer dicken Schicht Zuckerguss, die verhinderte das der Kuchen zu schnell austrocknete. Er brach etwas davon ab und hielt es Ianto hin. Ohne weiter darüber nachzudenken, öffnete er den Mund. Jacks Fingerspitzen streiften seine Lippen und es fühlte sich an wie ein leichter, aber schmerzloser, elektrischer Schlag.


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Ohne Sonne war es wirklich zu kalt, um erneut schwimmen zu gehen. Aber als Ianto die Spinnweben an der Decke kritisch zu mustern begann, musste Jack eingreifen, bevor der junge Waliser auf die Idee kommen konnte, zu arbeiten. Das sollte eine Auszeit werden, mehr noch für den Hotelier als für ihn.

Also überredete er einen Anfangs wenig begeisterten Ianto, Schuhe und Jacke anzuziehen und mit ihm nach draußen zu gehen. Sie umrundeten den See, wanderten ein Stück in den Wald, der schließlich in grüne Hügel auslief. Selbst nach all der Zeit, die er auf der Erde verbracht hatte, konnte sich Jack sich immer noch daran sattsehen, wie grün dieser Planet war. Sie lachten über ein paar Feldhasen, die sie am Waldrand aufscheuchten und wurden von aufgebrachten Eichhörnchen aus der Sicherheit einer Baumkrone heraus beschimpft, die sich offenbar von ihnen gestört fühlten. Ianto überraschte sich selbst damit, wie viele Pflanzennamen ihm ins Gedächtnis zurückkehrten, die er als Kind gelernt hatte.

Es begann bereits zu dämmern, als sie die Hütte erreichten und Jack beeilte sich, das Feuer neu zu entzünden, während Ianto mit Hilfe einer batteriebetriebenen Campinglampe für Licht sorgte.

Jack erwies sich als passabler Koch – er grillte Brot und Würstchen über dem offenen Feuer mit einer langen Eisengabel, die er in der Küche gefunden hatte und servierte alles stolz auf einem Blechteller. Ianto rundete das Festmahl mit im Herd gebackenen Äpfeln, Käse und Haferkeksen ab.

Als Jack etwas später zwei Becher mit Kaffee in dem Raum balancierte, vorsichtig darauf bedacht, sich nicht die Finger zu verbrühen, saß Ianto auf dem altmodischen Sofa, in einem abgegriffenen Kinderbuch blätternd. Er sah auf und legte es weg, als Jack neben ihm Platz nahm.

„Gute Erinnerungen?“, fragte Jack, als er ihm einen der Becher reichte.

„Sehr gute.“ Ianto lächelte und hob vorsichtig den Becher, atmete den aufsteigenden Dampf ein. „Nun, es riecht zumindest wie Kaffee.“

„Hey.“ Jack gab ihm einen Klaps auf den Oberschenkel. „Vielleicht verstehe ich nicht viel von den Feinheiten der Kaffeezubereitung, aber ich kann die Aufschrift auf einer Dose lesen“, meinte er grinsend.

„Gratuliere“, erwiderte der Waliser trocken. Dann nippte Ianto an seinem Becher und Jack wartete auf das Urteil. „Trinkbar“, kommentierte Ianto knapp.

„Bei dir kommt man wirklich kaum zu Wort“, neckte Jack ihn. „Trinkbar.“ Er nahm einen großen Schluck. Hmh, tatsächlich. Trinkbar. Er rückte näher zu Ianto. „So… Es ist wirklich sehr leise hier“, bemerkte er nach einer Weile. Im gleichen Moment explodierte eines der brennenden Holzscheite und einer der Dachbalken ächzte. Draußen gab ein Tier einen Laut von sich und Wasser plätscherte, als ob etwas in den Teich gefallen wäre. „Relativ leise“, verbesserte sich Jack lachend.

„Das waren bestimmt Otter“, erklärte Ianto. Er trank einen weiteren Schluck Kaffee, stellte den Becher dann auf den Boden. „Sie leben an dem Fluss, an dem wir vorbei gekommen sind und der unterirdisch den See speist. Das ist die Grenze zum Naturschutzgebiet. Manchmal kommen sie nachts her, um zu jagen.“ Er schüttelte mit einem Lächeln den Kopf. „Einmal haben wir sie tagsüber gesehen und Rhi hat sich danach tagelang vor dem Schwimmen gegruselt, weil sie Angst vor den Zähnen hatte. Sie dachte, ein Otter könne sie mit einem Fisch verwechseln und beißen. Grandma hat sie schließlich davon überzeugt, dass sie sich umsonst Sorgen macht. Sie hat die Kontur eines Menschen neben die eines Fisches gemalt und ihr erklärt, dass ein Otter das niemals verwechseln würde. Im Gegenzug hat Rhi dann versucht, mir einzureden, dass mir ein Fuchs die Ohren abbeißen würde, wenn ich ihr nicht meinen Schokoriegel gebe. Ich war fünf. Ich hätte ihr geglaubt, wenn meine Großeltern nicht eingegriffen hätten.“

„Füchse, Otter, Hasen, Eichhörnchen… Das Nachtleben hier ist wirklich interessant.“ Jack stellte seinen Becher auf der Fensterbank hinter der Couch ab, legte den Arm um Iantos Schultern und der jüngere Mann lehnte sich in seine Berührung.

„Ich hatte Angst, es würde dir zu langweilig sein“, gestand Ianto nach einer Weile leise.

„Ich langweile mich nicht im Geringsten.“ Jack wandte den Kopf, küsste ihn auf die Wange. „Dazu ist die Gesellschaft viel zu gut. Was hältst du davon...“ Er beendete den Satz nicht, da Ianto sich zu ihm drehte und ihm den Mund verschloss. Iantos Finger fanden den Weg in seinen Nacken, schoben sich in sein Haar, hielten ihn fest, obwohl Jack keine Anstalten machte, den Kuss zu beenden. Oder einen von denen, die danach kamen…

„Jemand muss Holz nachlegen, oder das Feuer geht aus“, murmelte Ianto, gegen Jack zurückgelehnt, so dass sein Hinterkopf auf Höhe von Jacks Schlüsselbein lag.

„Lass es ausgehen.“ Jack schlang beide Arme um seine Taille, zog ihn noch ein wenig enger an sich. „Mir fällt bestimmt etwas ein, um dich warm zu halten.“

„Morgen früh wirst du das vielleicht anders sehen.“ Aber Ianto machte keine Anstalten, aufzustehen. „Was wolltest du vorhin sagen?“, fragte er überraschend.

Hm?“Jack stützte das Kinn auf Iantos Schulter.

„Du hast gesagt: Was hältst du davon…?“, erinnerte ihn der junge Hotelier.

„Oh. Ja.“ Jack presste einen Kuss auf Iantos Hals, unterhalb seines rechten Ohrs. „Ich habe überlegt, ob ich uns zum Frühstück einen Fisch fangen soll.“

„Willst du einen schießen?“ Ianto drehte den Kopf und sah ihn fragend an. „Ich habe gesehen, dass du deinen Revolver eingepackt hast, aber ich habe keine Angel mitgebracht.“

„Auch gut.“ Jack küsste ihn auf die Nase. „Wer braucht schon Fisch. Wir haben doch noch mehr von den Würstchen, oder?“

„Genug, dass du dich nicht wegen der Fische mit den Ottern streiten musst.“ Ianto schloss die Augen, ließ den Kopf wieder gegen Jacks Brustkorb zurücksinken. Das Auge eines Sturms war still. Sicher. „Obwohl, Zuhause müsstest du dich mit Johnny darum streiten. Geräucherte Schafswürstchen sind sein Lieblingsessen. Rhi hat sie mir eingepackt, weil sie sich auch ohne Kühlschrank für kurze Zeit halten.“

„Sprich weiter, du machst mich hungrig.“ Jack biss ihn grinsend ins Ohrläppchen. „Da wir gerade von Frühstück sprechen. Wir haben keine Milch. Irgendeine Chance, dass da draußen auch eine Kuh zum Melken herumläuft?“

„Das bezweifle ich.“ Es war seltsam, hier zu liegen und über Essen zu sprechen, nach dem, was sie gerade getan hatten. Andererseits fühlte es sich auch völlig normal an. „Außerdem, weißt du, wie man eine Kuh melkt?“

„Oh, ich kenne das grundlegende Prinzip. Das heißt, ich habe schon beim Melken zugesehen. Es kann nicht so schwer sein, wenn mir die Kuh sympathisch ist“, erklärte Jack lachend.

Twpsyn“, murmelte der Waliser schläfrig. Er gähnte.

„Langweile ich dich? Ich bin als blendender Unterhalter bekannt“, neckte ihn Jack.

„Jack?“

„Ja?“, erwiderte er amüsiert.

„Halt die Klappe.“

Und Jack hielt die Klappe.
Mit Vergnügen.


Ende (tbc)



You're my light in the dark
Guiding, guiding me home
And your faith in me is all I need, baby
Your love, it sets me free

LAURA IZIBOR    "Mmm..."