Titel: Gut geplant, ist halb gewonnen – Teil 3
Autor: Lady Charena (Februar 2016)
Fandom: Torchwood - Greyfriars Arms Hotel-Universum
Worte: 1561
Charaktere: Jack Harkness, Alex Hopkins
Pairing: Jack/Ianto (Freundschaft, pre/slash, Flirten)
Rating: AU, ab 12, slash/het
Beta: T’Len


Summe: Nach der mit Ianto verbrachten Nacht holt Jack die Realität ein.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.




Anders als Ianto vollkommen katerfrei, trübte nichts Jacks Laune an diesem Morgen. Nun, vielleicht abgesehen davon, dass er sich wieder einmal ohne Abschied davonschlich, während Ianto schlief. Aber es wäre grausam gewesen, ihn zu wecken. So küsste er ihn nur auf die Stirn, breitete sein Jackett über ihn, nahm seinen Mantel und verließ so leise wie möglich das Büro hinter der Rezeption.

Ungeachtet dessen betrachtete er den Abend als Erfolg. Der Alkohol hatte nicht nur den angenehmen Effekt, Iantos Hemmungen ein wenig zu mildern, er lockerte auch die Zunge des jungen Walisers. Nach und nach, unterbrochen von etwas mehr Whiskey und Aktivitäten, die keine Worte erforderten, redete sich Ianto seine Sorgen von der Seele. Der Zustand des Hotels und die damit einhergehenden finanziellen Schwierigkeiten, kamen nicht wirklich als Überraschung, wohl aber, dass sich Lisa gemeldet hatte. Doch offensichtlich würde der ganze Whiskey Schottlands nicht ausreichen, um Ianto dazu zu bewegen, über dieses Thema zu sprechen…

Das Hotel war noch still und dunkel, als er in sein Zimmer zurückkehrte um zu baden und frische Kleidung anzuziehen. Iantos unsicher forschende Finger waren nie weiter als bis zu seinem geöffneten Kragen gewandert und Jack seinerseits behielt seine Hände oberhalb der Taille des jüngeren Mannes, und doch… Mit Ianto empfand er keinen Frust darüber wie langsam sich die Dinge zwischen ihnen entwickelten. Manchmal konnten eben auch alte Hunde neue Tricks lernen und Jacks neuer Trick war Geduld. Und bis Ianto so weit war, lehnte er sich in der Wanne zurück, tauchte tiefer in das warme Wasser und ließ seiner Fantasie freien Lauf.

Später frühstückte er mit Alice und Steven, lauschte seinem Enkel während der munter von einem Traum erzählte, in dem er zum Mond flog. Und komplementierte den Porridge, den seine Tochter auf einer Kochplatte in ihrem Zimmer zubereitete.  

Sein Glück hielt auf dem Weg in den Hub an, der Morgen war kühl und klar und vor allem staubtrocken. Dass er sich an den Regen in Wales gewöhnt hatte, musste nicht zwangsläufig heißen, dass er ihn mochte.

Das Hauptquartier der walisischen Niederlassung von Torchwood war dunkel und still, offenbar war er zur Abwechslung der Erste, der zur Arbeit erschien.

Oder doch nicht. In Alex‘ Büro brannte Licht und als Jack darauf zusteuerte, erschien der Mann selbst. Den grauen Bartstoppeln nach, die sein fahles Gesicht zierten und den ungekämmten Haaren nach hatte Hopkins die Nacht an seinem Schreibtisch verbracht. Er wirkte von Kopf bis Fuß zerknittert und hielt einen Teebecher in der Hand, aus dem weißer Dampf aufstieg.

Alex blieb so abrupt stehen, als er ihn sah, dass er Tee auf den Boden verschüttet. Bevor Jack auch nur so viel wie „Guten Morgen“ sagen konnte, funkelte ihn sein Freund und Vorgesetzter wütend an.

„Du!“, rief Hopkins und kam auf ihn zu.

„Ich“, entgegnete Jack leichthin und verschränkte grinsend die Arme. „In Person. Zumindest war ich es noch, als ich das letzte Mal nachgesehen habe.“ Und das konnte man nicht oft genug, in diesem Geschäft…

„Ich sollte dich... ich weiß gar nicht, was ich mit dir machen sollte, aber das sofort.“ Alex packte Jack am Ärmel und zog ihn mit diesen rätselhaften Worten in sein Büro, die Tür hinter ihnen schließend. Sein Becher landete mit einem dumpfen Knall auf der Schreibfläche, spritzte mehr Tee auf die dort liegenden Papiere.

„Wo brennt es?“, fragte Jack trocken. Wirklich, Alex sollte sich an seinen eigenen Rat halten und ab und zu eine Nacht frei nehmen. Er brauchte dringend ein wenig Entspannung.

„Bei dir. Offensichtlich. Habe ich dir nicht gesagt, nein, dich nicht angefleht, mit deinen Eroberungen diskret zu sein?“ Aufgebracht tigerte Hopkins hinter seinem Schreibtisch auf und ab.

Jacks Gedanken kehrten sofort zur letzten Nacht zurück, aber davon konnte Alex nicht sprechen. Außerdem hätte er nicht diskreter sein können… „Das war ich auch.“

„So? Soll ich dir sagen, womit ich die halbe Nacht verbracht habe? Damit einen deiner Versuche von "Diskretion" aus der Welt zu schaffen.“ Alex schlug mit beiden Händen auf die Tischplatte, dass der Teebecher und diverse andere Utensilien hüpften.

Das erklärte den übernächtigten Zustand seines Bosses, aber auch nicht mehr. „Ich weiß nicht, wovon du redest.“

„Du hattest Sex mit einem jungen Mann, den du in einem Pub aufgelesen hast. Und du hast ihn dafür bezahlt.“ Hopkins starrte ihn an. „Und jetzt hast du eine Anzeige am Hals. Was hast du dazu zu sagen?“

„Kannst du das vielleicht etwas genauer eingrenzen?“ Jack zuckte mit den Schultern. „Mein Gedächtnis…“ Es war eine wirklich sehr allgemeine Aussage.

Nicht einmal der Anflug eines Lächelns zeigte sich auf Alex’ Miene. „Er hat dich auf einem Foto identifiziert, weil er sich Straffreiheit erhofft.“

Das wurde ja immer mysteriöser! „Wieso hat die Polizei ein Foto von mir?“

„Jack!“ Alex sah aus, als stände er kurz vor einem Schlaganfall. Sein Gesicht war inzwischen nicht mehr fahl, sondern dunkelrot.

„Wenn ich deine Fragen beantworten soll, dann will ich auch Antworten von dir.“ Jack gab nicht nach.

„Natürlich hat die Polizei Fotos von uns. Was denkst du, wieso die Heddlu so bereitwillig die Szene räumt, wenn es sich um einen Fall für uns handelt? Wir arbeiten mit ihnen zusammen. Sie haben Akten über uns, wenn auch stark zensiert“, erklärte Alex aufgebracht. „Offensichtlich hat dich einer der Polizisten nach seiner Beschreibung erkannt und ihm das Foto gezeigt. Vielleicht einer, bei dem du dich wieder nicht mit dem Flirten zurückhalten konntest. Ich sage dir immer, nicht jeder nimmt das gut auf.“

„Das ist mehr als ein Jahr her. Und ich denke inzwischen, ich habe ihn damals zu gut bezahlt.“ Entgegen seiner Worte hatte er eine ziemlich genaue Vorstellung, von wem Alex sprach. Und auch, dass die Aussage des jungen Mannes etwas mit einem zufälligen Zusammentreffen vor einigen Wochen zu tun haben mochte, bei der er eine Wiederholung ihres Arrangements abgelehnt hatte.

Alex stöhnte gequält auf. „Nimmt das bitte ernst, Jack. Cardiff ist nicht London. Ich habe hier viel weniger Einfluss und sehr viel weniger Gefallen, die ich einfordern kann.“

„Ich habe nichts genommen, dass er mir nicht angeboten hat, Alex.“

„Darum geht es nicht. Das interessiert niemanden.“ Seufzend ließ sich Hopkins in seinen Stuhl fallen. „Dein Glück, dass er wenigstens über 21 ist, auch wenn er nicht so alt aussieht und nicht zum ersten Mal einen Freier an die Polizei verpfiffen hat.“

„Das ist Glück?“

„Ja. Er hat, was man einen "zweifelhaften Charakter" nennt. Ich konnte sie überzeugen, dass er lügt. Dass er bezahlt wurde, um Gerüchte über dich in die Welt zu setzen. Oder versuchen wollte, dich durch Erpressung um noch mehr Geld zu erleichtern.“ Alex trank einen Schluck aus seinem Teebecher und verzog das Gesicht.

„Das haben sie dir geglaubt?“, fragte Jack skeptisch. „Wieso...“

„Du hältst den Mund. Du kritisierst mich nicht“, unterbrach ihn Alex wütend und knallte den Becher zurück auf den Tisch. „Das kommt mir nicht noch einmal vor, Jack, verstanden? Ich halte meinen Kopf nicht mehr für dich hin.“

„Das nächste Mal...“

„Es wird kein nächstes Mal geben. Halt dich wie der Rest von uns an die weiblichen Huren in der Stadt. Oder such dir zumindest jemand, der den Mund hält. Ein kleiner Tipp, nicht wieder in einem Pub.“ Er rieb sich müde übers Gesicht. „Du wolltest hier bleiben. Du hast mir versprochen, mir zu helfen, diese Niederlassung wieder aufzubauen. Aber das kann ich nicht, wenn ich ständig hinter dir herräumen muss. Verdammt, du lebst lange genug auf diesem Planeten um die Regeln zu kennen. Egal was du davon hältst, versuch wenigstens in der Hinsicht, dich daran zu halten.“

„Es tut mir leid.“ Jack gab sich alle Mühe zerknirscht dreinzusehen.

„Und was genau tut dir leid?“ Hopkins sah zu ihm hoch.

„Das ich erwischt wurde und du deshalb in Schwierigkeiten bist“, entgegnete Jack mit einem schiefen Lächeln. „Lass mich wissen, wie ich dich dafür entschädigen kann.“

Alex grinste müde. „Ich habe nichts anderes erwartet.“

„Ich werde vorsichtiger sein“, versprach Jack und wandte sich zum Gehen. Stimmen aus dem Hauptraum des Hubs verkündeten, dass andere aus dem Team eingetroffen waren.

„Wenn nicht meinetwegen“, meinte Alex hinter ihm. „Dann um deines Mister Jones' Willen.“

Jack drehte sich um. „Was hat Ianto damit zu tun?“

„Wenn ich nicht eingegriffen hätte, wären sie als nächstes ins Hotel gegangen, um sich dort nach dir zu erkundigen, wo du wohnst. Was wäre, wenn jemand dort irgendetwas gesehen hat? Etwas völlig Harmloses. Dein Arm um Iantos Schulter. Oder jemand, der gesehen hat, wie er zu einer ungewöhnlichen Zeit aus deinem Zimmer gekommen ist. Wie schnell lässt sich daraus etwas Kompromittierendes konstruieren. Dich mag dein Ruf nicht kümmern, aber was ist mit ihm?“

Es war einen Moment still, dann senkte Jack den Blick. „Danke, Alex. Das meine ich ernst.“ Er griff nach der Türklinke.

„Wohin willst du?“, fragte Hopkins.

„Ich gehe an meine Arbeit. Du hast offenbar alles im Griff.“ Jack verließ das Büro ohne eine Antwort seines Vorgesetzten abzuwarten. Auf dem Weg in die Garage ignorierte er die Zurufe seiner Teamkollegen – er hatte eine Falle zu stellen.



tbc