Titel: Teamwork
Autor: Lady Charena
Fandom: SK Kölsch

Zitat aus: Die letzte Runde

Pairung: Jupp, Klaus
Rating: PG

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Jupp kommt ins Grübeln und lässt sich etwas einfallen. Aber es wird ein bisschen mehr daraus, als er gedacht hatte.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

 

 

„Ich weiß, dass du im Moment einsam bist und dass du dir Sorgen machst über Florians Erziehung. Und alle nehmen Rücksicht darauf. Ich hoffe, du weißt das zu schätzen. Und wenn du das zu schätzen weißt, dann zeig’s deinen Leuten doch einfach mal.“

 

Er blieb noch einen Moment vor dem Haus stehen - sah zu, wie Klaus nach diesen Worten einfach nach drinnen verschwand – und wusste nicht recht, was er jetzt denken sollte. Eine Spur Ärger mischte sich in seine Nachdenklichkeit, und nicht wenig Verlegenheit. Der Ärger galt in erster Linie sich selbst, aber auch Klaus. Die Verlegenheit rührte daher, dass er im Grunde wusste, dass sein Partner recht hatte. Es war wirklich nicht okay, dass er seine miese Laune an seinen Kollegen ausließ. Aber da war noch etwas anderes...

 

Er startete den Wagen und fädelte sich wieder in den Verkehr ein. Was zum Teufel hatte er sich dabei gedacht, Klaus zurück zu rufen? Wo der doch deutlich gemacht hatte, dass er zu diesem... seinem... Alex wollte, der oben in seiner Wohnung auf ihn wartete. Vielleicht war es nur alte Gewohnheit gewesen. Es hatte schließlich einmal eine Zeit gegeben, zu der Klaus ohne zu Zögern den Abend mit ihm verbracht hätte. Er grinste schief, schüttelte über sich selbst den Kopf. Er vermisste das. Sicher verbrachte Klaus noch immer viel Zeit mit ihm und Flo – aber etwas war anders. Taube hatte plötzlich ein Privatleben. Und ein bewegteres, als er sich je vorgestellt hätte... nicht, dass er darüber jemals nachgedacht hatte, du lieber Himmel, er doch nicht! Aber irgendwie war Klaus nicht mehr so, so – verfügbar. Jetzt, wo er selbst niemand hatte, wäre es schön gewesen, mal wieder einen Abend miteinander zu verbringen: Fußball gucken, quatschen oder einfach nur dasitzen und gemeinsam zu schweigen.

 

Doch statt dessen gab es da jetzt einen Alex. Wieder schüttelte er den Kopf. Und hupte ärgerlich, als ihn jemand schnitt. Verdammt, waren heute nur Idioten unterwegs?

 

Müde rieb er sich übers Gesicht. Warf einen Blick auf die Uhr. Zu früh fürs Bett. Aber er hatte auch keine Lust, noch weg zu gehen. Und irgendwie spürte er, dass er ohnehin keine Lösung für seine Probleme in einer Kneipe finden würde. Noch in einer flüchtigen Bekanntschaft.

 

Glück muss der Mensch haben! Da war direkt vor dem Haus ein Parkplatz frei und wenig später betrat er leise die Wohnung und öffnete die Tür zu Flos Zimmer. Die Lampe auf seinem Nachttisch brannte und ein auf den Boden gefallener Comic zeigte deutlich, womit sich sein Sohn die Zeit vor dem Einschlafen vertrieben hatte. Jupp hob ihn auf, legte ihn beiseite, zog die Decke um Flo zurecht und drückte einen Kuss auf seine Schläfe. Dann ging er genauso leise hinaus.

 

Im Wohnzimmer ließ er sich in einen Sessel fallen und legte den Kopf in den Nacken. „...dann zeig’s deinen Leuten doch einfach mal...“ Klaus hatte gut reden. Nur wie sollte er das anstellen? Alle einfach mal zum Essen einladen? Das hatten sie schon lang nicht mehr gemacht; früher mal hatten sie ab und an alle im Rättematäng zusammen gesessen – Gabi und Dino und Haupt. Achim. Und Klaus. Abgesehen von Haupt, Achim und Klaus war niemand mehr von damals hier. So vieles hatte sich verändert. Er kam sich seltsam wurzellos vor, seit Ellens Tod. Vielleicht hatte es auch schon viel früher begonnen, bei der Scheidung. Offenbar benötigte er jemand, auf den er sich stützen konnte. Zuerst Ellen. Dann Klaus. Und Klaus hatte mehr und mehr Raum in seinem Leben eingenommen, war immer wichtiger geworden – als Freund, als Vertrauter, als Halt. Oft genug, um ihm den Kopf zurecht zu rücken und seinen Hintern zu retten, wenn er mal wieder in der Patsche saß.

 

Gedankt hatte er es ihm nicht wirklich. Empfand die Hilfsangebote als Einmischung in sein Leben. Klaus Rat als Bevormundung. Genau das war doch auch seine erste Reaktion gewesen, heute Abend.

 

Jupp seufzte, rieb sich über die Augen. Er war müde. Und er wusste noch immer nicht, wie er seinem Team zeigen konnte, dass er ihre Sorge schätzte – und ihre Rücksichtnahme wahrnahm. Er gähnte und stemmte sich aus dem Sessel hoch. Unter seinen Füßen knirschte etwas. Mit einem Fluch hob Jupp den Fuß und entdeckte bunte Plastiksplitter auf dem Boden. Er war auf eine der Figuren aus einem Überraschungsei getreten, die er aus dem Handschuhfach geräumt hatte, wo sie sich seit einer lange zurückliegenden Überwachung angesammelt hatten. Er fegte die Splitter zusammen, hob sie auf und warf sie in den Papierkorb. Ein plötzliches Lächeln hellte seine Züge auf. Hey, vielleicht würde er den Jungs morgen ein Überraschungsei auf den Schreibtisch legen. Es war nicht viel, aber ein kleiner Anfang. Aber nicht für Klaus. Aus dem Lächeln wurde ein Grinsen. Nein, für Klaus wusste er was besseres – dem würde er ein paar Blumen besorgen. Und die Sache mit Flo würden sie schon auch in den Griff bekommen – war doch schließlich sein Sohn.

 

Mit bedeutend besserer Laune ging Jupp ins Bett.

 

* * *

 

„Hey, worauf wartest du noch? Keinen Hunger?“ Jupp steckte den Kopf ins Büro. Klaus lehnte an seinem Schreibtisch und drehte die Gesteckschale mit der Orchidee in Händen.

 

Jupp spürte wieder diese seltsame Verlegenheit. Er hatte es gut gemeint und irgendwie... also irgendwie war es ihm passend erschienen, Klaus eine dieser hübschen Blumen mit zu bringen. Er konnte nur nicht genau erklären, wieso. Vielleicht, weil Orchideen so als selten und teuer galten und Klaus für ihn genauso war. Ein Freund, wie es nicht viele gab. Ach, er wusste es doch selbst nicht so genau. Und vielleicht wollte er es auch gar nicht genauer wissen. Zu viel über Gefühle nach zu denken, konnte einen ganz schön nervös machen. Vielleicht hätte er ihm einfach auch ein Überraschungsei in die Hand drücken sollen, wie Achim und Gino. „Es tut mir leid, also wenn ich mit den Blumen...“, er begann, bevor er gedacht hatte, was er sagen wollte und so fehlten ihm auf einmal auch die Worte.

 

Klaus hob den Kopf und musterte ihn überrascht. Er stellte die Schale ab und setzte sich hinter den Schreibtisch. „Nein, wieso?“, fragte er. „Das ist doch... hübsch. Nur unerwartet.“

 

Jupp hob die Schultern. „Äh... ja. Kommst du auch zum Essen?“

 

„Nein, danke, Jupp. Ich habe mir etwas mitgebracht und werde hier essen. Ich muss auch noch einen Anruf erledigen.“ Klaus schlug eine Mappe auf.

 

„Hey, kann das nicht warten? Ich meine, eigentlich wollte ich euch noch was sagen. Oder genauer gesagt, ich wollte euch einladen.“

 

„Einladen?“ Klaus lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Jetzt mach’s nicht so spannend.“

 

„In Kalk findet ein Straßenfest statt. Und ich dachte... also wir könnten alle gemeinsam hingehen, auf meine Kosten. So als richtiges Dankeschön. Ich hab das mit Haupt schon geklärt, wegen der Bereitschaft.“

 

Klaus blickte ihn einigermaßen überrascht an. „Das ist ne tolle Idee, Jupp. Hätte ich dir gar nicht zugetraut.“ Er lächelte, um den Worten den möglichen Stachel zu nehmen. „Was sagen Achim und Gino dazu?“

 

„Ich wollte es ihnen eben sagen. Kommst du mit?“

 

Taube stand auf. „Natürlich. Mein Anruf kann warten.“ Er kam um den Schreibtisch herum und trat zu seinem Partner.

 

„Na wenn du lieber den Abend mit... jemand anderem... verbringen willst, kannst du natürlich diesen... also deinen... diesen Alex mitbringen“, druckste Jupp herum.

 

Klaus lächelte und legte für einen Moment den Arm um Jupps Schulter. „Nein. Er muss heute Abend ohnehin arbeiten.“ Sie gingen gemeinsam zur Tür.

 

„Arbeiten?“, fragte Jupp neugierig. „Was denn? Ich meine, was hat er denn für einen Beruf?“ So, wie er Klaus Geschmack kannte – obwohl er den eigentlich gar nicht kannte – hatte der sich was Besseres aufgerissen. Vielleicht einen Arzt, der Nachtdienst hatte?

 

Aber Klaus lächelte nur erneut. „Jupp, um einen bekannten, blonden deutschen Showmaster zu zitieren – du kannst zwar alles essen, aber nicht alles wissen. Los, die anderen haben sicher schon ohne uns angefangen.“ Er hielt die Tür auf und  Jupp trat kopfschüttelnd in den Korridor.

 

* * *

 

„Hey, da steckst du ja. Wo sind Achim und Gino abgeblieben?“ Leicht atemlos schloss Jupp zu Klaus auf, der vor einem Straßenkünstler stehen geblieben war.

 

Klaus drehte sich zu ihm um. „Keine Ahnung. Ich hab sie schon seit einer Weile nicht mehr gesehen.“

 

„Sieht also so aus, also wären wir beide mal wieder allein unterwegs.“ Jupp sah seinen Partner an, als sie langsam weitergingen. Das war eigentlich ein richtig toller Abend gewesen. Sie hatten an verschiedenen Ständen das unterschiedlichste Essen probiert und allerhand dazu getrunken. Jupp hatte sogar Klaus zuliebe eine Fotoausstellung mit ihm besucht und sie wider Erwarten interessant gefunden. Aber als er sich umgesehen hatte, war sein Partner von der Bildfläche verschwunden gewesen. „Hat’s dir gefallen?“

 

Klaus blieb stehen und sah seinen Freund an. „Jetzt entspann’ dich mal, Jupp“, meinte er mit einem Lächeln und klopfte Schatz auf die Schulter. „Du hast das prima gemacht und du bist ein toller Chef, okay? Jetzt lass’ uns den Rest des Abends genießen.“

 

„Klaus...“ Jupp zögerte. E sah sich um, dann zog er Taube ein Stück beiseite. „Was du gestern gesagt hast... das ich zur Zeit einsam bin...“

 

„Ja?“, ermunterte ihn Klaus, als Jupp nicht weitersprach.

 

„Ich... also ich.... vermisse dich“, platzte Schatz heraus.

 

„Vermissen? Du vermisst mich? Was soll das, Jupp, ich bin doch hier.“

 

Abrupt wandte Jupp sich ab, starrte in die Abenddämmerung. „Aber du bist nicht richtig da, seit du diesen Alex kennst“, murmelte er.

 

„Was?“, fragte Klaus nach einem Moment überrascht. Dann schüttelte er den Kopf und lächelte. „Jupp... Jupp, du bist ja eifersüchtig“, erwiderte er sanft.

 

„Ich? Eifersüchtig?“, wiederholte Jupp mit mehr gespielter, denn echter Empörung. „Quatsch. Ich bin doch nicht so... ich bin nicht...“

 

„Nicht allein?“, beendete Klaus ironisch den Satz. „Ist schon okay, ich versteh’ das“, setzte er sanfter hinzu. „Komm’, lass uns weiter gehen.“

 

„Jetzt warte doch mal.“ Jupp rührte sich nicht vom Fleck. „Ich weiß doch selbst nicht, was mit mir los ist. Ja, ich bin eifersüchtig. Ich habe noch nie jemand wie dich gekannt, Klaus. Noch nie jemand, dem ich solche Sachen erzähle, wie dir. Du bist echt was ganz... besonderes für mich.

 

Taube sah ihn einen Moment an. „Danke“, erwiderte er dann ernst. „Ich hatte auch noch nie einen Freund wie dich.“

 

„Du meinst, Hetero-Freund?“ Jupp stopfte die Hände in die Taschen seiner Jeansjacke.

 

„Ich meine einfach nur Freund.“ Klaus legte ihm die Hand auf die Schulter, drückte leicht. „Okay? Suchen wir jetzt die anderen?“

 

Jupp beugte sich unvermittelt vor und im gleichen Moment bewegte Klaus den Kopf. Und statt Klaus Wange, streiften Jupps Lippen seinen Mund, vielleicht nur für die Dauer eines Herzschlages. Dann wich er zurück, sah zu Boden. Jupp räusperte sich. „Ja, gehen wir. Achim und Gino wundern sich sicher, wo wir abgeblieben sind.“ Ohne seinen Partner noch einmal anzusehen, wandte sich Jupp um und entfernte sich.

 

Klaus sah ihm mit gemischten Gefühlen nach. In Gedanken berührte er seinen Mund. Dann schüttelte er den Kopf, seufzte – und folgte Jupp.

 

 

Ende