Penance: Into the dark

(begonnen Mai 2012, weitergeschrieben 2018)

 

LadyCharena (Dezember 2018)

Charaktere: Ianto Jones, Lisa Hallett, Rupesh Patanjali, OC: Major Kona

Pairing: [Ianto/Lisa]

Rating: A/U, pre-series, pg16, Canon-Charaktertod

Worte: 3069

 

 

Summe: Wie geht es mit Ianto weiter, nachdem er aufgeflogen ist und Lisa tot?

 

 

Fortsetzung zu: „Undercover Jones“, „Like Rats in his Stomach“, „Wer ist Ianto Jones?“ Part 1 bis 6, „Der Anfang vom Ende“ Teil 1+2, „It‘s all over but the crying...“, „Owner of a lonely heart“ und „Penance: Ianto Jones doesn‘t live here anymore“.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

 

 

 

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Into the dark

Songtext von Melissa Etheridge

 

there was fire

there was death

there was lying

on your breath

 

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Der Raum, in dem er erwachte, war absolut dunkel. Keine Umrisse, die ein Fenster vermuten ließen, oder ein Lichtstreifen der unter der Tür durchschien. Auch keine Notbeleuchtung, die der Orientierung diente.

 

Er lag auf etwas kaltem, hartem – Stein oder Beton. Der Fußboden? Dumpfer Schmerz schoss durch seinen Kopf und den Nacken, als er sich langsam aufsetzte. An der Seite seines Gesichts war etwas angetrocknet, die Haut spannte, war rau. Er zupfte gedankenverloren daran, rieb mit dem Handrücken über seine Wange, bevor er sich aufstützte und langsam auf die Beine kam. Sein ganzer Körper fühlte sich taub an, als hätte er zu lange geschlafen.

 

Wo immer er war, geheizt wurde hier schon länger nicht mehr. Und irgendwo echote ein tropfender Wasserhahn oder eine undichte Leitung.

 

Nach einem Schritt senkte sich der Boden etwas und die Spitze seines Schuhs stieß an ein Gitter, das in den Fußboden eingelassen war. Es ergab ein metallisches Geräusch, als er dagegen kickte. Ein Abflussgitter. Das ganze erinnerte ihn an etwas… an eine Zelle.

 

Das Erste, das Sinn für ihn machte, seit er aufgewacht war.

 

Es schien keinen Unterschied zu machen, in welche Richtung er sich wandte, also ging er gerade aus, eine Hand vor sich ausgestreckt. Nur wenige Sekunden später streiften seine Fingerspitzen eine kalte, glatte Fläche. Eine Wand. Nach links, nach rechts? Ein leichter Windzug schien von seiner Linken zu kommen, also wandte er sich dorthin. Einige Momente später ertastete er einen Spalt in der ansonsten fugenlosen Wand. Er streckte beide Hände aus und strich bogenförmig über die Tür bis er mit dem Handrücken gegen eine Klinke stieß.

 

Vielleicht… Er schloss die Finger darüber, drückte sie nach unten. Mit einem leisen Klicken gab die Klinke nach und die Tür schwang auf. Eine Zelle, die nicht abgesperrt worden war? Auf der anderen Seite war Licht.

 

Gegen die plötzliche Helligkeit anblinzelnd, drückte Ianto Jones die Tür weiter auf und verließ den Raum.

 

 

- - -

 

 

Der Korridor, in den er trat, war in kaltes Neonlicht getaucht. Leuchtstoffröhren zogen sich entlang der niedrigen Decke, beleuchteten schmucklose Wände, bedeckt mit grobporigem Putz in einem funktionalen Grauton. Der schmutzig-grüne Fußboden federte leicht unter seinen Schuhen und verschluckte das Geräusch seiner Schritte fast völlig.

 

Ein Türbogen mit offenstehendem Gittertor führte ihn… nur in einen weiteren, leeren Korridor. Hier bestand der untere Teil der Wände aus roten Ziegelsteinen, der obere Teil aus grauem Beton.

 

Genau die gleiche Art Wände hatte er im Hub gesehen, als Captain Harkness – Jack – ihn durch die unteren Ebenen des Hauptquartiers von Torchwood Drei in Cardiff geführt hatte.

 

Nur war hier alles sauberer – wenn auch Spuren kürzlicher Benutzung wie Schuhabdrücke zu sehen waren – und geschätzte hundert Jahre jünger. Es wuchsen keine Flechten auf den Ziegelsteinen und es gab keine Kalkrinnen, die eindringendes Wasser hinterlassen hatte.

 

Aber trotz seines benommenen Zustands war Ianto sicher, dass er sich nicht im Hub aufhielt. Die Geräusche fehlten. Obwohl er sich nur verhältnismäßig kurz dort aufgehalten hatte, hatte Ianto die Geräuschkulisse des unterirdischen Hauptquartiers von Torchwood Drei verinnerlicht – unbewusst, wie ein noch ungeborenes Kind dem Herzschlag seiner Mutter lauscht. Hier war es komplett still. Abgesehen von seinen eigenen Schritten, dem Rauschen von Blut in seinen Ohren, dem Pochen seines Herzens.

 

Wenige Meter von ihm entfernt gabelte sich der Korridor. Der Durchgang zur Rechten war mit einer grauen Metalltür verschlossen. Der andere führte in einen unbeleuchteten Gang.      

 

„Ianto.“

 

Er erstarrte. Unmöglich. Es war unmöglich. Diese Stimme, die er hörte… nicht möglich.

 

Oder doch?

 

War er zurück in London? Hatte Harkness ihn zu UNIT zurückgeschickt, wusch sich die Hände von ihm? Der Gedanke sollte ihn nicht überraschen. Wer wollte schon einen Spion unter seinem Dach. Und Harkness‘ Freundlichkeit hatte nur dazu gedient, ihn in Sicherheit zu wiegen…

 

„Ianto.“

 

Nein, es war nicht wahr! Ianto vergrub die Finger in seiner Kopfhaut, presste die Handballen gegen seine schmerzende Stirn. Es konnte nicht wahr sein.

 

Außer…

 

Außer wenn Harkness ihn belogen hatte. Wenn er – aus welchem Grund auch immer – einen Deal mit Kona oder Patanjali geschlossen hatte. Aber Kona hasste Harkness, so viel hatte er mitbekommen. Wieso sollte er dann mit dem draufgängerischen Captain zusammenarbeiten?

 

Nur, um ein Geheimnis zu bewahren.

 

Das Geheimnis, dass ein Cyberman überlebt hatte.

 

Das Geheimnis, dass Lisa lebte.

 

Ianto hob den Kopf. Das musste es sein. Torchwood – beziehungsweise was davon übriggeblieben war – und UNIT hatten sich zusammengetan, um gemeinsam die Cybertechnologie zu erforschen. Das Einfachste überhaupt, eine Geschichte zu erfinden, wie Lisa angeblich aus der Konvertier-Einheit entkommen war – das Einzige, was sie überhaupt am Leben hielt – und gestorben war. Eine Geschichte, die ihn davon abhielt, weitere Fragen zu stellen.

 

Aber warum ihn nicht ebenfalls gleich beseitigen? Wieso sollten sie bei ihm Skrupel haben? Nichts einfacher, als einen Selbstmord zu inszenieren. Ihn spurlos verschwinden zu lassen wäre auch kein Problem. Er hatte seit Jahren nur sporadischen Kontakt zu seiner Schwester, eine Postkarte zu Weihnachten, Geschenke für seine Nichte und seinen Neffen an ihren jeweiligen Geburtstagen. Sie konnten Rhiannon einfach mitteilen, dass er bei der vorgeblichen Terrorattacke auf den Canary Wharf Tower ums Leben gekommen war und seine Schwester würde das akzeptieren. Falls sie das nicht längst getan hatten. Vielleicht existierte er längst offiziell gar nicht mehr.

 

Wer sollte nach ihm suchen?

 

Seine Freunde und Kollegen waren entweder tot oder selbst zu traumatisiert, um Fragen zu stellen. Und warum sollten sie seinen Tod auch anzweifeln, wenn so viele ihr Leben verloren hatten?

 

Harkness‘ Team? Sie würden sich mit jeder Erklärung ihres Anführers zufrieden geben. Vermutlich würden sie sogar erleichtert sein, sich nicht mehr mit ihm abgeben zu müssen, jetzt wo sie wussten, dass er sie belogen hatte.

 

„Ianto.“

 

Er gab auf. Das Grübeln, das Denken, den Versuch eine logische Erklärung zu finden.

 

Ianto folgte der Stimme und trat zu der Seite des Korridors, auf der sich die Metalltür befand. Olivfarbenes Metall, über das sich eine hässliche Schramme zog, als wäre etwas achtlos daran entlang geschrammt. Die Klinke bewegte sich unter seiner Hand und die Tür schwang geräuschlos auf. Mit einem surrenden Geräusch sprang ein Ventilator in der Wand an und gleichzeitig flammten die Lampen an der Decke auf.

 

Er hielt die Luft an, doch niemand befand sich in dem Raum. Vermutlich waren Ventilator und Lampen an einen Bewegungssensor gekoppelt. Ianto drückte die Tür hinter sich ins Schloss. Offenbar war er in einer Art Lagerraum gelandet. Metallregale in ordentlichen Reihen, auf denen sich Pappkartons und Plastikboxen stapelten. Er öffnete eine der Plastikboxen, die am nächsten bei ihm stand und fand eine UNIT-Uniform, säuberlich gefaltet.

 

Eine Idee begann sich zu formen – falls man es eine Idee nennen konnte. Ianto zerrte die Uniform aus ihrer Box und zog sie über seine normale Kleidung. Für wen auch immer die Uniform bestimmt gewesen war, musste größer und breiter sein als er, aber es sollte klappen.

 

Wenn er herausfinden wollte, was passiert war und wo sie – wie er mit wachsender Sicherheit annahm – Lisa gefangen hielten, durfte er nicht sofort herausstechen. Eine andere Kiste enthielt eine ganze Menge der roten Barette, die UNIT-Soldaten trugen. Ianto strich sich die Haare glatt und setzte eines davon auf. Plötzlich erinnerte er sich an eine Bemerkung Jacks – darüber wie sexy das aussehen würde – und hätte fast gelächelt. Er knöpfte den Kragen der Uniform hoch. Beinahe hatte er sich vom Charme des Captains ablenken lassen. Darüber hinwegtäuschen lassen, dass Harkness nicht nur befohlen hatte, alle teilkonvertierten Überlebenden exekutieren zu lassen, sondern auch selbst getötet hatte.

 

Er erfuhr das bei einem zufällig belauschten Gespräch von Suzie Costello und Owen Harper, weniger als zwei Tage vor seinem Zusammenbruch. Die beiden hatten nicht bemerkt, dass er im hinteren Teil des Archivs Berichte einsortierte. Die jüngsten waren in den Fünfzigern datiert, vermutlich hatte Harkness ihm deshalb die Aufgabe anvertraut.

 

Die beiden waren offenbar von einem mittäglichen Stelldichein zurückgekommen und suchten nun ein verstecktes Plätzchen um die Lunch-Pause ausklingen zu lassen, ohne dass ihre Kollegen etwas davon mitbekamen. Ianto hatte sich in einen dunklen Winkel verzogen und gehofft, dass das Herumalbern, Gekicher und Knutschen nicht in einen Quickie ausuferte. Aber nach einer Weile wurde der Ton weniger intim und mehr ernst und Ianto hatte mit angehaltenem Atem Suzies Worten gelauscht, ihrer Schilderung der Ereignisse in London, die ihr immer noch Albträume bescherten.

 

Ianto öffnete einen Karton und fand ein Paar Stiefel, das ihm passte. Er zog das Barett etwas ins Gesicht, in der Hoffnung, dass es ihn zumindest ein wenig tarnte und verließ das Lager.

 

Das Licht im zweiten Tunnel ging nicht an, aber es zogen sich Notlichter entlang den Seitenwänden, so dass er problemlos vorankam. Es ging nicht weit vorwärts, vielleicht zwanzig Meter, dann stand Ianto am Fuß einer Treppe. Am Ende der Stufen befand sich eine weitere Metalltür. Mangels Alternativen versuchte Ianto sich an der Klinke – und auch diese Tür war nicht abgeschlossen.

 

Durch den Türspalt fiel Licht – und eine ärgerliche Stimme. „Hey, aufpassen!“

 

Die Tür wurde von der anderen Seite aufgezogen und Ianto erstarrte auf der obersten Stufe.

 

Ein unbekannter Mann in einem weißen Laborkittel sah ihn verärgert an. „Hey, die Tür ist mir fast ins Gesicht geschlagen. Pass das nächste Mal gefälligst auf.“ Ohne sich weiter mit Ianto abzugeben, ging der Mann weiter, etwas Unschmeichelhaftes über Holzköpfe in Uniform murmelnd.

 

Ianto atmete erleichtert auf, trat in einen hellerleuchteten Korridor, der ihm sehr vertraut vorkam. Kein Zweifel. Er war zurück in der UNIT-Einrichtung, in der er nach der Cybermen-Attacke Monate verbracht hatte. Und zwar in dem Teil davon, in dem sich die Laborräume befanden, in die Patanjali ihn eines Nachts gebracht hatte, damit er Lisa sehen konnte. Es musste mehrere Verbindungstunnel geben. Er erinnerte sich an Überwachungskameras und Sicherheitscodes, die in Zahlenfelder eingegeben werden mussten.

 

Oder vielleicht war auch das nur ein Trick gewesen. Damit er erst überhaupt nicht auf die Idee kam, eine Flucht zu versuchen. Das ganze musste eine Inszenierung gewesen sein, um ihn davon zu überzeugen, sich bei Torchwood einschleusen zu lassen.

 

Türen zogen sich an den Wänden entlang, hinter einer davon konnte Lisa sein. Oder Patanjali. Ianto hatte mit dem Arzt ein Hühnchen zu rupfen. Er hatte ihn… abgerichtet wie ein Haustier. Oder es zumindest versucht.

 

Für den Moment war niemand außer ihm unterwegs. Ianto hatte keine Ahnung, wie spät es war – ob Tag oder Nacht – oder ob alle beim Mittagessen waren und ihn der Mann deshalb so unwirsch angefahren hatte, weil er befürchtete, keinen Pudding mehr zu bekommen.

 

Er begann die Türen zu überprüfen, aber hier war alles abgeschlossen. Ianto hatte fast das Ende des Flurs erreicht, wo eine große, doppelte Glastür aus undurchsichtigem Milchglas ins Unbekannte führte, als er es wieder hörte. Lisas Stimme. Und sie rief seinen Namen.

 

Und sie konnte nicht weit von ihm entfernt sein. Tatsächlich öffnete sich bereits die nächste Tür unter seinem Griff und Ianto fand sich in einem abgedunkelten Raum wieder, von dem aus man durch ein großes Beobachtungsfenster in das angrenzende Labor blicken konnte.

 

Seine Knie wurden weich und Ianto sackte gegen das Beobachtungsfenster. Lisa. Sie lag in einem Krankenbett, in der Mitte des Raumes, angestrahlt von mehreren Lampen. Ein Laken bedeckte sie bis zur Taille, der sichtbare Teil ihres Körpers steckte in einem Untersuchungshemd, wie man sie in Krankenhäusern trug.

 

Ihre bloßen Arme, ihr Hals, ihr Kopf – alles was er von ihr sehen konnte, war wieder frei von dem grausamen Metallpanzer, in den die Cybermen sie gezwungen hatten.

 

Nur eine einzige Infusion führte zu ihrem rechten Handrücken und schickte eine klare Flüssigkeit in ihre Venen. Über ihrem Kopf befand sich ein Monitor auf dem ein regelmäßig pulsierender Punkt ihren Herzschlag anzeigte.

 

Lisas Augen waren geschlossen, ihr Brustkorb hob und senkte sich gleichmäßig und langsam. Sie schlief.

 

Aber wie hatte sie ihn dann rufen können? Es war sicher nicht mehr als eine Minute vergangen, zwischen dem Zeitpunkt als er sie rufen hörte und dem, als er den richtigen Raum fand. Vielleicht war sie einfach noch sehr schwach. Sie musste eine enorme Tortur hinter sich haben.

 

Neben dem Beobachtungsfenster war eine Tür und Ianto zwang Luft in seinen Körper, sein Herz schlug so rasch, dass er das Gefühl hatte, es füllte seinen kompletten Brustkorb aus und presste alle anderen Organe zusammen.

 

Die Tür war nur mit einem Riegel verschlossen, doch er ließ sich nicht bewegen, egal wie heftig Ianto daran zerrte. Hinter ihm stand an der Wand ein Schreibtisch und er riss die Schubladen auf, durchsuchte sie nach etwas, dass er als Hebel benutzen konnte, eine Schere vielleicht… seine Finger schlossen sich um einen schweren, metallenen Gegenstand im Hintergrund der Schublade. Ianto zog ihn hervor. Eine Waffe. Eine Automatic. Dem Gewicht nach mit vollem Magazin.

 

Obwohl er nicht als Agent, sondern als Archivar bei Torchwood gearbeitet hatte, musste Ianto eine Grundausbildung durchlaufen. Und das schloss ein Basictraining mit verschiedenen Waffen ein. Er mochte kein Meisterschütze sein, aber Ianto lief nicht Gefahr, sich in den Fuß zu schießen.

 

Er vergewisserte sich, dass die Waffe gesichert war, dann drehte er sie um, packte sie am Lauf und benutzte sie wie einen Hammer, um den widerspenstigen Riegel damit zu bearbeiten.

 

Ein Plastiksplitter brach aus dem Griff der Waffe, aber der Riegel gab nach und mit einem müden Seufzen schwang die Tür in ihren Angeln.

 

Ianto betrat zögernd den Raum. Er blieb am Fußende des Bettes stehen und versuchte, sich an ihr satt zu sehen, während ihm so viele Dinge gleichzeitig durch den Kopf schossen, dass es ihm nicht gelang, auch nur einen Gedanken lange genug festzuhalten, um ihn zu Ende zu denken.

 

Bis auf einen. Sie mussten von hier weg, bevor ihn jemand entdeckte.

 

Er löste sich aus seiner Starre, trat um das Bett herum und an Lisas Seite. Er beugte sich über sie und küsste sie auf die Stirn. „Lisa“, flüsterte er, die Hand auf ihre Schulter legend. „Lisa, ich bin es. Bitte wach auf.“

 

Aber sie rührte sich nicht. Ihr Atem behielt seinen ruhigen, gleichmäßigen Rhythmus bei, er spürte das Heben und Senken ihres Brustkorbes gegen seinen Unterarm.

 

„Lisa.“ Ianto legte die Waffe auf das Bett und beide Hände auf die Schultern der schlafenden Frau. „Lisa, du musst aufwachen. Wir müssen hier weg.“ Er schüttelte sie vorsichtig.

 

Wieder keine Reaktion. Ianto berührte ihre Wange. Lisas Haut war warm unter seiner Berührung. Langsam richtete er sich auf. Lisa lag vor ihm wie eine Puppe – eine atmende Puppe – keine Falte in dem Laken, mit dem sie zugedeckt war, kein Haar in Unordnung.

 

Sie musste betäubt sein.

 

Aber wie hatte er dann ihre Stimme hören können? Wie hatte sie seinen Namen rufen können?

 

Und wie hatte er ihre Stimme in dem Tunnel unter dieser Ebene hören können?

 

Automatisch nahm Ianto die Waffe in die Hand. Er sah sich in dem leeren Raum um. Eine Falle. Es war eine Falle. Sie hatten ihn hierher gelockt, um…

 

Um was zu tun?

 

Wieso war er hier? Wieso war er in einer Zelle aufgewacht, die nicht abgeschlossen war? In einem offenbar komplett ungesicherten Teil des Gebäudes? Warum hatten sie ihn nicht einfach getötet?

 

Er berührte Lisas Arm. Unter seinen Fingerspitzen fühlte er ihre samtweiche Haut, warm und lebendig. Aber war sie das wirklich? War das seine Lisa? Die Frau, die mit ihm gelebt hatte, die er liebte und mit der er alt werden wollte, obwohl sie nie daran dachte, den Wasserkocher zu entkalken? Er konnte ihr Lachen hören, wie sie seinen Namen flüsterte, wenn sie sich liebten. Ihre Hand an seiner Wange spüren und in seinem Nacken, ihre Finger die durch seine Haare strichen und…

 

Ein Geräusch ließ ihn hoch schrecken. Die Tür, durch die er selbst den Raum betreten hatte, schwang erneut auf.

 

„Mister Jones. Ianto.“ Rupesh Patanjali blieb stehen und hob die Hände, die Handflächen ihm zugedreht.

 

Ohne es bewusst zu denken, hob Ianto die Waffe, richtete sie auf den Arzt. „Keinen Schritt weiter.“

 

„Okay. Kein Problem.“ Patanjali ließ die Hände sinken. „Ich möchte helfen, Ianto.“

 

„Helfen?“, wiederholte der Waliser zweifelnd. „Wie?“

 

„Ich kenne einen Weg, auf den wir das Gelände verlassen können, ohne dass jemand etwas davon bemerkt.“ Der Arzt hob die Schultern. „Wir brauchen ein Auto.“ Er machte einen Schritt auf Ianto zu, doch der andere Mann hob die Waffe etwas mehr und er stoppte.

 

„Nein.“ Ianto schüttelte den Kopf. „Das ist eine Falle. Was ist mit Lisa? Warum wacht sie nicht auf?“

 

„Lisa ist tot, Ianto.“ Es war die Stimme des Arztes und gleichzeitig war es Jacks Stimme.

 

Nein. Sie versuchten ihn zu verwirren. Sie lag hier neben ihm, atmend, lebendig, frei. Er hatte sein Versprechen gehalten. Er war zurückgekommen und er würde sie… Das Bett war leer. Ianto blinzelte. Er rieb sich mit der freien Hand übers Gesicht. Aber das Bett war und blieb leer.

 

„Wo ist sie?“, fragte er erstickt. „Was habt ihr mit ihr gemacht?“

 

„Es tut mir leid, Ianto.“ Der Arzt kam auf ihn zu, offenbar versuchte er, ihn zu beschwichtigen.

 

„STOP!“ Ianto hörte seine eigene Stimme in seinen Ohren gellen – und das trockene Bellen des Schusses, als er die Waffe entsicherte und den Abzug betätigte, ohne zu denken.

 

Patanjali gab ein Gurgeln von sich und sackte auf dem Boden zusammen.

 

Die Tür flog auf, hart genug dass sie gegen die Wand knallte und Ianto herumfahren ließ. Major Kona trat in den Raum, seine eigene Waffe im Anschlag. „Jones!“, rief er. „Runter mit der Waffe!“ Hinter ihm kamen weitere UNIT-Soldaten in den Raum.

 

Ianto sah auf das Bett – leer – dann auf den Boden, wo Patanjali reglos zusammengesackt war. Sein Arm fiel an seine Seite zurück, die Waffe glitt aus seinen tauben Fingern. Er sah Kona auf sich zukommen – und dann wurde es schwarz um ihn.

 

 

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Ianto schreckte hoch und starrte auf sein eigenes Spiegelbild, sein Gesicht blass und mit schreckensweiten Augen.

 

Jemand räusperte sich und Ianto fuhr herum. Auf einem Stuhl neben dem Bett auf dem er lag, saß Jack Harkness.

 

 

Ende (tbc)