Titel: Blank Spaces
Autor: Lady Charena (Dezember 2010)
Fandom: Torchwood
Episode: 2.06 Reset
Wörter: 4040
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Gwen Cooper
Pairing: Jack/Gwen, Jack/Ianto
Rating: AU, NC-17, slash/het
Beta: T‘Len
Archiv: ja


Summe: Er spürte ihren Atem warm gegen seinen Rücken, irgendwo zwischen seinen Schulterblättern. Wartete darauf, dass ihre Berührung tiefer ging als seine Haut. Das sie die leeren, dunklen Stellen in ihm mit Wärme füllte, wie er es sich vorgestellt hatte, als er ihr begegnet war. (angesiedelt post-Ep. Reset, Jack/Ianto & Jack/Gwen)

Kategorien: semi-expliziter Sex,  m/f, m/m

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.




But I don't wanna take something
That never was mine
Or fill in blank spaces
With more dotted lines

(Dotted Lines by Sweet Talk Radio)



Sein Handy vibrierte.
Nur ein einziges Mal, gefolgt von einem leisen ’ping’, das die Ankunft einer Textnachricht ankündigte. Es konnte nichts Wichtiges sein, sonst hätte Ianto ihn angerufen - oder das comm. benutzt, das neben dem Mobiltelefon lag - und nicht nur eine Nachricht geschickt. Es war auch kein Alarm, sein Wriststrap war mit den Hubsystemen verbunden, und hatte keinen Ton von sich gegeben.

Trotzdem zog er langsam den Arm unter ihrem Kopf hervor und setzte sich - vorsichtig, um sie nicht zu wecken -  auf, während er nach seinem Handy griff. Gwen rollte sich von ihm weg, wandte ihm unbewusst den Rücken zu und er schüttelte amüsiert den Kopf über sich selbst, es gab nichts in diese Geste hinein zu interpretieren.

Abwesend strich er ihr Haar zurück, entblößte die blasse Haut ihres Nackens, während er durch die Liste der Nachrichten scrollte, bis er die Neueste fand. Iantos Name glühte in schwarzen Buchstaben von dem hell erleuchtenden Display und er öffnete die Nachricht mit fast so etwas wie einem Kribbeln der Erwartung.


Martha sagt, sie muss unbedingt mit dir sprechen. Ich habe online für euch einen Tisch im Restaurant ihres Hotels gebucht. Reservierung unter dem Namen Harkness für ein Uhr. Dein Kalender ist ab zwölf Uhr frei für den Nachmittag. Ianto J.


Das war alles? Er las die SMS noch einmal, doch da war kein verborgener Sinn hinter der sachlichen Mitteilung, kein persönliches Wort. Jack ging die Liste der Nachrichten noch einmal durch, doch da waren keine weiteren Neueingänge. Während alle Welt immer neue (und gelegentlich absurde) Abkürzungen für Textnachrichten erfand, schrieb der junge Waliser nicht nur jedes Wort vollständig aus, sondern auch noch peinlich genau auf Tippfehler und korrekte Kommasetzung achtend.

Ianto J.

Als gäbe es mehr als einen Ianto in seinem Leben und er liefe Gefahr, ihm mit jemand anderem zu verwechseln. Jack schüttelte lächelnd den Kopf, legte das Mobiltelefon zurück auf die Ablagefläche über dem Bett und drehte sich auf die Seite.

Seine Fingerspitzen zogen eine Linie über Gwens Schultern und er hörte sie im Schlaf leise seufzen; ein sanfter Schauer lief durch sie, als er der Linie ihrer Wirbelsäule folgte, ihre Haut glatt und warm unter seiner Berührung.

Wie spät war es? Jack rollte zurück auf den Rücken und tastete nach seiner Armbanduhr, die neben dem Handy auf der Ablage lag, um sie sich vors Gesicht zu halten, so dass er auch in der matten Beleuchtung das Ziffernblatt sehen konnte. Kurz nach zwei Uhr morgens. Ianto hatte Martha in ihr Hotel zurückgebracht. Bedeutete seine Nachricht, dass er um diese Zeit noch bei ihr war?

Als er die Uhr zurücklegte, wippte das Handy gegen die Seite seiner Hand und er griff reflexartig danach.

Die Matratze senkte und hob sich leicht, als er die Beine über die Bettkante schwang.

Jack stand auf und trat weg vom Bett, den Daumen bereits über der Kurzwahltaste, die ihn mit Iantos Handy verbinden würde.

Er stand am Fenster und starrte hinaus auf die verlassene Straße; auf das orangefarbene Licht, das eine einzelne Straßenlaterne über den schräg halb auf dem Bürgersteig geparkten SUV und überquellende Müllcontainer warf.

Wieso hatte er eigentlich keine Wohnung mit besserer Aussicht gewählt?

Mit Blick auf die Bucht wie Owens modernes Loft in einer umgebauten Fabrik. Weit und hell und geräumig.

Oder in einer ruhigen, ein wenig altmodisch angehauchten Seitenstraße gelegen. Von Iantos Schlafzimmer unter dem Dach aus hatte man einen guten Blick in den mit viel Liebe und Sorgfalt gepflegten Garten der Hausbesitzer, die im Erdgeschoss wohnten. Es wirkte seltsam beruhigend, fast hypnotisch, selbst im Dunkeln, dieser kleine Fleck Natur inmitten von Beton und Stahl.

Aber er hatte die Wohnung einzig nach praktikablen Gesichtspunkten ausgewählt, nicht ihres Ausblicks wegen. Vor allem war sie nicht zu weit vom Hub entfernt und er hatte sie komplett – wenn auch spärlich - möbliert übernommen. Es war ja nicht so, als hätte er in den letzten zehn Jahren sehr viel Zeit hier verbracht. Und das schien offensichtlicher zu sein, als er angenommen hatte... denn als Gwen sich mit weiten, überraschten Augen umsah (was hatte sie erwartet – etwas aus einem SciFi-Film?), war ihre erste Frage, ob er erst vor kurzem eingezogen war.

Zugegeben, es gab nicht viel in dem Zwei-Zimmer-Apartment zu sehen.

Der Wohnraum mit seiner kleinen Küchennische (abgesehen von Instantkaffee und ein paar Takeout-Mahlzeiten ziemlich unbenutzt), war neben dem Fernseher und einer Stereoanlage nur mit einem Sofa, einem kleinen Tisch und zwei überraschend bequemen Sesseln ausgestattet. Es gab keine Fotos, Bilder, Bücher, DVDs oder irgendetwas anderes von all dem Kleinkram, der einer Wohnung eine persönliche Note gab. Die neutral hellgrün gestrichenen Wände waren blank. Es gab ein Bad mit Waschbecken und Dusche, alles in weiß und praktikabel eingerichtet, einen Schrank für Handtücher und Hygieneartikel und eine separate Toilette. Das Schlafzimmer war etwas kleiner, so blieb gerade genug Platz für ein breites Bett, einen Stuhl unter dem Fenster und einen in eine Ecke geschobenen schmalen Schrank, in dem er ein paar Kleidungsstücke zum Wechseln aufbewahrte.

Für die Zwecke für die er das Apartment hatte, war es völlig ausreichend. Er zog die Wohnungen seiner Partner vor (machte den Morgen-danach unkomplizierter, er konnte einfach gehen) oder genoss alternativ den anonymen Luxus eines Hotelzimmer, da er schließlich schlecht seinen Bunker im Hub benutzen konnte. Diese Wohnung kam eigentlich nur ins Spiel, wenn er jemandem begegnete, den er für länger als eine Nacht treffen wollte. Was in den letzten Jahren so gut wie nie vorgekommen war. Er bezahlte einen Reinigungsservice dafür, dass einmal im Monat alles saubergemacht und belüftet wurde, doch ansonsten kümmerte er sich nicht sonderlich um die Wohnung.

Die Fensterscheibe war kühl gegen seine Stirn, als er sich vorbeugte und auf das leise Tuten lauschte, das dem Aufbau der Verbindung voraneilte. Er konnte seine eigene Reflexion auf dem Glas ausmachen; das orange Licht verfärbte seine Haut unattraktiv bräunlich und seine Augen schwarz.

„Was machst du gerade?“, fragte er.

„Es ist mitten in der Nacht, Sir“, ertönte Iantos Stimme in seinem Ohr, sein stärker ausgeprägter Akzent der einzige Hinweis darauf, dass er ihn möglicherweise gerade aus dem Schlaf gerissen hatte.

„Ich habe dich geweckt.“

„Zum Glück.“ Ianto gähnte. „Ich denke, wenn ich den Rest der Nacht in der gleichen Haltung verbracht hätte, müsstest du mich morgen früh in den Hub tragen.“

„Oh, das können wir auch so ausprobieren.“ Er lachte leise und drückte das Handy unwillkürlich näher ans Ohr, so dass ihm keine einzige Nuance in der Stimme des jungen Walisers entging. „Aber wo hast du geschlafen? Bist du nicht Zuhause?“

„Ich bin auf Toshs Couch eingeschlafen und sie hielt es für netter, mich nicht zu wecken.“ Ianto klang beträchtlich wacher. „Leider ist sie nicht wirklich zum Schlafen geeignet. Die Couch, meine ich, natürlich nicht Tosh...“

Oh, er hatte ihn definitiv geweckt. Nur direkt nach dem Aufwachen war Ianto so unpräzise mit seinen Worten, dass er das Bedürfnis verspürte, sich selbst zu korrigieren.

Zu jedem anderen Zeitpunkt hätte er ihn damit aufgezogen, doch heute Nacht fühlte es sich falsch an. Und Toshikos Couch war winzig, perfekt für die zierliche Computerspezialistin, aber kaum bequem genug, dass ein ausgewachsener Mann darauf schlafen konnte. „Ist Tosh okay?“

„Falls du meinst, ob sie noch immer ziemlich erschüttert davon ist, einen Freund sterben und wieder zum Leben erweckt zu sehen? Dann etwas, dass sich ‚der Tod’ nennt, in einem Krankenhaus freizulassen und eine riesige Aufräumaktion zu starten, während wir zu verdrängen versuchen, dass Owen nun eine Art Zombie ist? Ja. Aber wir kommen beide langsam darüber hinweg. Wie Owen damit fertig wird, weiß ich nicht. Er hat uns aus seiner Wohnung geworfen und gesagt, wir sollten endlich aufhören, seine Totenruhe zu stören.“

Seine Stimme stolperte leicht über das Wort ‚Totenruhe’, doch ansonsten war sein Tonfall im Gegensatz zu seinen Worten seltsam emotionslos. Das war nicht untypisch für den jungen Waliser und Jack wusste, wäre er jetzt mit ihm in einem Raum, könnte er die Maske über Iantos Gesichtszügen sehen.

Vielleicht hätte er Iantos Angebot, später zu ihm zu kommen, annehmen sollen. Doch die Erinnerung an ein paar im Halbschlaf gemurmelte, harmlose Worte: „Du solltest endlich bei mir einziehen...“ stand wie eine unsichtbare Mauer zwischen ihnen. Er hatte ihm nicht geantwortet, nur einen Arm um Ianto gelegt, ihn gegen seine Brust gezogen, und das Gesicht gegen den Nacken des anderen Mann gepresst.

Also hatte er offenbar Toshs Gegenwart einem Abend alleine in seiner Wohnung vorgezogen. Jack beneidete sie manchmal darum, wie unkompliziert die Beziehung zwischen ihr und Ianto war.

„Ich kümmere mich morgen um ihn.“

„Ich glaube nicht, dass er im Moment viel mit dir zu tun haben will. Marthas Worte, nicht meine“, erwiderte der jüngere Mann neutral.

„Du hast sie in ihr Hotel gebracht?“

„Natürlich. Allerdings nehme ich an, dass sie nicht so schnell wieder Cardiff besuchen will. Ich denke, wir haben einen fürchterlichen ersten Eindruck gemacht.“

„Sie hat Schlimmeres erlebt, Ianto, glaub’ mir.“ Er beobachtete, wie sein Atem die Fensterscheibe beschlagen ließ.

„Was ist passiert?“, fragte Ianto.

Jack war sich sicher, dass Ianto nicht von Martha sprach. „Wieso sollte etwas passiert sein?“ Er malte ein Smiley auf die beschlagene Scheibe.

„Du rufst mich mitten in der Nacht an. In Anbetracht der... Umstände... wohl nicht für Telefonsex.“ Die letzten Worte hatten einen unüberhörbar sarkastischen Unterton. „Sir.“

Oh. Er hatte sich bereits gefragt, ob Ianto wusste, wo er war. Und mit wem... „Ich kann nicht schlafen.“ Jack wischte das lächelnde Smiley mit dem Handrücken weg und malte dafür ein trauriges.

„Jack, du schläfst so gut wie nie. Weck’ Gwen damit sie sich darum kümmern kann. Ich räume nicht wie üblich hinter ihr den Müll weg.“

„Ich bin ziemlich sicher, du hast mich gerade beleidigt.“

„Können wir mit den Spielchen aufhören? Jack, ich würde gerne nach Hause gehen und noch ein paar Stunden schlafen, bevor die Welt wieder einmal endet.“

Er wischte das traurige Smiley weg. „Du bist ein Rätsel für mich, Ianto.“

„Das werde ich auch in ein paar Stunden noch sein. Wenn das alles ist... Sir?“

Jack sah auf die Kaffeetasse, die er auf die Scheibe gemalt hatte und lächelte. Pavlowscher Reflex... „Wir sehen uns im Hub.“ Es kam fast wie eine Frage über seine Lippen.

„Natürlich, Sir. Gute Nacht, Jack.“ Ianto beendete die Verbindung ohne ihm die Chance für ein weiteres Wort zu bieten.

Jack legte das Handy auf das Fensterbrett und stützte sich mit beiden Handflächen ab. Er fühlte sich ruhelos, als er in die Nacht hinausstarrte.

Hinter ihm raschelten Laken und dann tappten bloße Füße über den Teppich.

„Mit wem hast du telefoniert?“ Gwen klang schläfrig, als sie sich an ihn schmiegte, die Arme um seine Taille gelegt.

Er spürte ihren Atem warm gegen seinen Rücken, irgendwo zwischen seinen Schulterblättern. Wartete darauf, dass ihre Berührung tiefer ging als seine Haut. Das sie die leeren, dunklen Stellen in ihm mit Wärme füllte, wie er es sich vorgestellt hatte, als er ihr begegnete.

Er hatte geglaubt, sie wäre was er brauche, um wieder heil zu werden. Gehofft, sie wäre eine zweite Rose; eine Brücke über die Distanz die sich im Laufe der Jahrzehnte um ihn gebildet hatte und hin zu den Menschen, für die sie täglich ihr Leben riskierten. Genau wie Rose es für den Doctor gewesen war. Beide Frauen schienen so leidenschaftlich dafür zu kämpfen, sie zu erinnern, dass sie es nicht nur mit Alien, sondern vor allem mit atmenden, lebenden Menschen zu tun hatten. Doch die Arbeit mit Torchwood hatte Gwen verändert – und vielleicht hatte er sich nur bisher geweigert, es zu sehen.

„Wer ruft dich denn mitten in der Nacht an? Das ist doch hoffentlich kein Notfall und du musst weg, Jack?“

„Nein, kein Notfall. Wieso gehst du nicht zurück ins Bett?“ Sie war weich und warm und nachgiebig gegen seinen Körper. Ihre Finger zeichneten gedankenverloren Achten auf seinen Brustkorb. Ihr Haar kitzelte, wo es seine Seite streifte. Warum war das nicht mehr genug?

„Kommst du nicht mit? Wo wir jetzt beide schon einmal wach sind…“ Ihre rechte Hand wanderte ein wenig tiefer, doch sie stoppte unterhalb seines Bauchnabels.

Er führte ihre Hand nach unten, bis ihre Fingerspitzen über seinen Penis rieben; ließ sie spüren, dass er hart wurde.

Gwen zog die Hand zurück. „Komm‘ mit ins Bett“, sagte sie.

„Gleich.“ Er sah über die Schulter zu ihr.

Gwen löste sich von ihm und raffte das Laken enger um sich, das sie aus dem Bett mitgebracht hatte, um nicht darüber zu stolpern.

Sie hatte mehr Hemmungen, als er von einer jungen, attraktiven und selbstbewussten Frau in diesem Jahrhundert erwartet hätte. (Sicherlich mehr, als Ianto damals hatte, wisperte eine verräterische Stimme in seinem Bewusstsein – und für ihn war es das erste Mal mit einem Mann gewesen.) Ihre Hände hatten sein Hemd aufgeknöpft und seinen Gürtel geöffnet, doch sie scheiterte an den Hosenträgern und überließ ihn mit einem fast nervösen Lachen sich selbst, während sie sich auszog. Sie raffte das Laken um sich und bat ihn das Licht auszumachen, bevor er neben ihr aufs Bett glitt.

Sie reagierte enthusiastisch genug auf ihn. Vielleicht etwas erstaunt, als er sich die Zeit nahm, sie ausgiebig zu erkunden – was hatte sie erwartet… dass er sie einfach nur aufs Bett warf und nahm? Ihre Oberschenkel hatten seinen Kopf fast eingeklemmt, als er sie das erste Mal nur mit Fingern und Zunge zum Orgasmus brachte. Auf der anderen Seiten berührte sie ihn kaum und wenn, wanderten ihre Hände selten unterhalb der Taille.

Jack hatte sicherlich die eine oder andere Fantasie darüber gehegt, wie es wäre, mit ihr zu schlafen. Doch entgegen seiner Erwartungen war sie weniger emotional, als er es sich vorgestellt hatte. Sie behandelte ihn fast, als wäre er ein Fremder, den sie erst vor ein paar Stunden in einer Bar aufgerissen hatte. Machte sie es sich so einfacher, am Morgen zu Rhys zurück zu gehen?

Wieso war er darüber enttäuscht? Sex war Sex und er hatte nicht vor, Gwen zu heiraten und den Rest ihres Lebens mit ihr zu verbringen, sondern nur diese eine einzige Nacht. Sie hatten beide keine Illusionen darüber und es gab keine Versprechen für mehr.

Er war hier, weil er mit angesehen hatte, wie eines seiner Teammitglieder starb. Weil er seine Schuldgefühle darüber, was er unwissentlich Owen angetan hatte, exorzierte. Nicht, weil sieben harmlose Worte ihn an den Rand einer Panik gebracht hatten und er sich seiner Freiheit versichern musste…

Jack war sich nicht sicher, warum Gwen hier war. Sie kam in sein Büro, nachdem Ianto mit Martha, Toshiko und Owen den Hub verlassen hatte und wollte mit ihm über Owen sprechen. Darüber verhandeln, dass der Arzt seinen Posten zurückbekam. An sein Mitgefühl appellieren.

Sie lehnte gegen seinen Schreibtisch, die Arme vor dem Busen verschränkt und schien sich auf eine längere Rede vorzubereiten – die er im Keim erstickte, indem er die Hände um ihr Gesicht legte und sie küsste.

Das Wiedersehen mit Martha, das mehr Erinnerungen an das Jahr auf der Valiant wachgerufen hatte, als er vorbereitet gewesen war; Owens Tod und Wiederauferstehung; der wandelnde „Tod“ auf Seelenfang… Er war erschöpft und nicht in der Stimmung sich mit ihr auseinander zu setzen, sich zu rechtfertigen. Alles, was er wollte, war für einen Moment vergessen. Für eine Weile nicht Captain Harkness, Direktor von Torchwood 3 sein, sondern nur ein Mann, nur Jack.

Gwen zögerte einen Augenblick, dann schlang sie die Arme um seinen Nacken und küsste ihn zurück. Er war sicher, sie hätte gleich dort in seinem Büro oder auf der Couch mit ihm geschlafen, doch folgte sie ihm widerspruchslos, als er sie an der Hand nahm und zum unsichtbaren Lift führte. Der SUV war draußen auf dem Plass geparkt.

Vielleicht hielt sie es für eine besondere Ehre, dass er sie in seine Wohnung mitnahm (von der sein Team nicht einmal ahnte, dass er sie hatte) und er tat sicherlich nichts, um ihre Meinung zu ändern....

Jack wandte sich vom Fenster weg. Unter dem dünnen Laken zeichnete sich ihr Körper ab, als sie sich vor seinem Blick räkelte. Er lächelte, als er nach einem neuen Kondom auf der Ablage griff und sich neben sie setzte, um trotz ihrer halb lachenden, halb ernsthaften Proteste das Laken weg zu ziehen.


---->  Teil 2 folgt am Samstag !

 

ja, ich weiß, es ist noch nicht Samstag.. ;o)
aber ich hab gerade Zeit.
Die Fortsetzung gibt's morgen, auf die muss ich noch einen Blick werfen...

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„Bitte sehr, Sir.“ Ianto stellte seine Tasse vor ihm und Jack hob den Kopf, von dem Bericht, den der junge Waliser über die Geschehnisse im Krankenhaus – und die Maßnahmen zur Vertuschung, die sie vornahmen – verfasst hatte.

„Danke.“ Er sah zu, wie sich Ianto mit seiner eigenen Tasse in den Stuhl auf der anderen Seite des Schreibtisches setzte. „Alles in Ordnung?“, fragte er, bevor er den ersten Schluck Kaffee nahm. Er hmmhte anerkennend, als das leicht bittere Aroma samten über seine Zunge glitt. Musste eine neue Sorte sein und er fragte sich, womit er das verdient hatte.

Ianto zögerte einen Moment mit einer Antwort, als müsse er sie sich erst zurechtlegen. „Ja, Sir“, erwiderte er dann schlicht.

„Der Bericht ist hervorragend. Du und Tosh, ihr habt ausgezeichnete Arbeit geleistet, das ganze in der Presse und mit der Polizei zu regeln.“

Der junge Waliser zuckte mit den Schultern. „Es ist unser Job, Sir.“

„Bitte… weniger ‚Sirs‘, Ianto? Es ist spät.“ Jack lehnte sich zurück, und rieb sich übers Gesicht.

Etwas in seiner Tasse schien Iantos ganze Aufmerksamkeit zu fesseln. „Jack…“

Bevor er mehr sagen konnte, klingelte Jacks Handy. Er ignorierte es, um den jungen Mann anzusehen. „Was?“

Ianto schüttelte den Kopf und machte Anstalten, auf zu stehen und ihn alleine zu lassen.

Jack hob die Hand, während er mit der anderen nach dem Mobiltelefon griff. „Bleib“, sagte er. „Bitte?“

Der jüngere Mann nahm wieder Platz und lehnte sich leicht in seinen Stuhl zurück. Er nahm einen Schluck Kaffee und Jack beneidete plötzlich einen Moment lang die Tasse, die gegen diese vollen Lippen presste.

„Harkness“, meldete er sich kurzangebunden und fühlte eher, als er sah, wie Ianto ihn musterte.

„Können wir uns sehen, Jack?“ Gwen. „Wir könnten uns in deiner Wohnung treffen. Rhys geht heute mit seinen Kollegen in den Pub und ich habe ihm gesagt, ich könne nicht mitkommen, weil ich arbeiten muss. Wir haben die ganze Nacht für uns und...“

„Nein, Gwen.“ Er beobachtete, wie Ianto den Kopf zur Seite neigte. „Ich dachte, wir wären uns beide im Klaren darüber, dass das eine einmalige Sache war.“

„Aber wir waren gut zusammen, Jack“, protestierte sie. „Du kannst doch nicht behaupten, dass es nichts bedeutet hat. Wenn es wegen Rhys ist, er muss nie etwas davon erfahren, wir…“

„Du solltest noch einmal darüber nachdenken, was du gerade gesagt hast, Gwen. Geh‘ zu Rhys; überrasche ihn damit, dass du unerwartet frei bekommen hast und genieße die Zeit, die du mit ihm hast.“ Iantos Hand erschien in seinem Blickfeld und löste den Kaffeebecher aus seinen Fingern, um ihn auf den Schreibtisch zurück zu stellen. Er hatte nicht einmal bemerkt, dass er ihn fest genug umklammerte, dass seine Fingerknöchel hell aus der Haut traten.

„Aber wir… du kannst doch nicht…“, begann Gwen zu protestieren.

Jack schnitt ihr das Wort ab. „Ich kann. Es gibt kein ‚wir‘, Gwen. Es gab nie ein ‚wir’. Und du wusstest, dass ich ein Bastard bin, als du dich darauf eingelassen hast, also musst du es jetzt nicht wiederholen. Gute Nacht.“

Er unterbrach die Verbindung und sah zu Ianto auf, der seinen Platz auf der anderen Seite des Schreibtisches aufgegeben hatte und nun neben ihm auf der Tischkante saß.

„Die zweite Frau, die ich innerhalb kürzester Zeit gegen mich aufgebracht habe“, meinte er mit einer Grimasse. „Sieht so aus, als verliere ich meinen Charme.“ Er legte die Hände locker auf Iantos Hüften. „Heute Mittag mit Martha... sie wollte mit mir reden“, sagte er leise, stockend. „Über… die Zeit, die wir mit dem Doctor verbracht haben.“

Sie hatten nie wirklich über seine Abwesenheit gesprochen – abgesehen von einer vagen Erklärung, warum er zusammen mit Martha und dem Doctor plötzlich für einige Tage auf der Fahndungsliste stand - aber Jack war sich ziemlich sicher, dass Ianto seine eigenen Schlüsse aus dem einen oder anderen zog. Er war zu oft in den Armen des jungen Mannes aufgewacht, Saxons Stimme noch im Ohr, als ihn seine Erinnerungen an ‚Das Verlorene Jahr’ (wie er begonnen hatte, es zu nennen) in der Form von Alpträumen heimsuchten.

Aber Ianto fragte nie; er hielt ihn nur fest, während er sich in die Gegenwart zurückfand oder ließ ihn auch allein, wenn Distanz das war, was er brauchte. Mehr als eine Nacht hatte er am Ende auf der Couch in Iantos Wohnzimmer verbracht; unfähig, wieder ein zu schlafen; Ianto neben ihm, in seine Seite gelehnt, wenn zumindest ihn letztlich der Schlaf übermannte.

Und auch diese vage Erklärung schien Ianto nicht zu stören. Er neigte nur den Kopf, akzeptierte seine Worte.

„Was wolltest du mich fragen?“

Ianto schob zwei Finger unter die Manschette seines Hemdes, strich über die empfindliche Haut an seinem Handgelenk – dort, wo sonst sein Vortex Manipulator befestigt war. Er hatte ihn abgenommen, als er von seiner Lunch-Verabredung mit Martha zurückgekommen war und in seinem privaten Safe eingeschlossen, plötzlich nicht mehr in der Lage ihn anzusehen, ohne an Marthas Reise um die Welt zu denken.

„Du wirst denken, dass es albern ist“, sagte er verlegen. „Oder mich für… dumm halten.“

„Ich verspreche, dass ich das nicht tue.“ Von Iantos Berührung breitete sich ein Kribbeln durch seinen Arm aus. „Du bist einer der brillantesten Männer, denen ich je das Glück hatte, zu begegnen.“ Jack lachte leise und beugte sich vor, um die sich rötenden Wangen des jungen Mannes zu küssen. „Und du bist viel zu bescheiden.“

„Ich wollte wissen, was ich tun muss, um das… Privileg… zu verdienen, deine Wohnung zu sehen.“

Es war keine Frage, die er erwartet hatte. „Ianto, es… es ist kein Privileg.“ Er wartete, bis Ianto den Blick wieder zu ihm hob. „Ich wohne dort nicht; es ist nur ein Ort, um…“ Jack zuckte mit den Schultern. „Nur ein Ort ohne Bedeutung. Und nichts, was dort passiert, hat Bedeutung.“

„Oh.“ Ianto fuhr fort, seine Haut unter seiner Manschette zu streicheln; seine ganze Konzentration schien darauf gerichtet zu sein und Jack war nahe daran, ihn zu bitten, mehr… alles… von ihm so zu berühren. „Du hast mich nie dorthin gebracht. Wieso hast du nicht…?“ Er brach verunsichert ab.

„Nein“, entgegnete Jack. „Das habe ich nicht. Du bist immer etwas Besonderes gewesen, Ianto. Du bist etwas Besonderes. Du bist so viel mehr für mich, als ich dir sagen kann. Und vielleicht sollte ich langsam aufhören, davor Angst zu haben.“ Er zog Iantos Finger von seinem Arm weg, um einen Kuss auf seine Handfläche zu pressen. „Bring‘ mich bitte von hier weg“, bat er müde. „Ich möchte für eine Nacht das alles hier vergessen.“

In einer fließenden Bewegung stand Ianto auf und streckte ihm die Hand hin. „Meine Wohnung?“, fragte er einfach.

„Bitte.“ Jack ließ sich von ihm auf die Beine helfen und legte die Arme um seine Taille, um ihn eng an sich zu ziehen. „Woher wusstest du eigentlich, dass ich... wir… wo wir waren?“

„Das GPS in unseren Handys. Ich weiß immer, wo jeder von uns ist. Ich weiß immer, wo du bist, damit ich dich finden kann.“

Ianto umrahmte sein Gesicht mit beiden Händen, die Fingerspitzen in sein Haar geschoben, um leicht in die Kopfhaut zu pressen und sah ihn an.

Die Intensität in seinem Blick gab ihm fast das Gefühl, die blauen Augen sahen direkt in ihn hinein und hinter all‘ die Barrieren, die er für so lange errichtet hatte. Dann beugte sich Ianto vor und küsste ihn – und Jack spürte, wie zumindest ein wenig der Leere, der Dunkelheit, in ihm wich.



Ende



Fortsetzung und Abschluss folgt in der Story: „Wine will never be water“.