Titel: Belauscht
Autor: Lady Charena (Juni 2010)
Fandom: Torchwood
Episode: Staffel 1
Wörter: ~ 1000
Prompt: take off your pants
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Gwen Cooper
Pairing: Jack/Ianto, [Gwen/Owen]
Rating:  AU, pg12, slash, oneshot
Beta: T‘Len
Archiv: ja


Summe: Jack und Ianto kommen von der Weevil-Jagd zurück und Gwen bekommt mehr zu hören, als ihr lieb ist. (nach „1.08 They keep killing Suzie“)

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Oder um mit Stephen Fry zu sprechen: Not one word of the following is true.



Gwen durchstöberte die Schubladen und Fächer der Kaffeenische nach etwas Essbarem. Sie wusste, dass Ianto irgendwo Kekse versteckt hatte. Und im Moment war ihr sehr nach etwas Süßem zumute.

-= -= -

Eigentlich sollte sie jetzt nicht hier sein, sondern in ihrer Wohnung, mit Rhys vor dem Fernseher. Aber Rhys war mit Banana unterwegs. Und so viel Alkohol konnte sie gar nicht trinken, um Bananas Gegenwart zu ertragen.

Also hatte sie Owen angerufen, doch der Arzt nahm nicht ab. Sein Handy klingelte einfach nur, schaltete nicht zur Mailbox um. Sie fragt sich, wo er war und was er tat. Ob er mit jemand anderem zusammen war – um sich dann zu sagen, dass sie das nichts anging. Was immer auch zwischen ihnen gewesen war, war vorbei. Es war besser so. Richtig?

Also war sie in den Hub gefahren, in der Hoffnung, dass wenigstens Jack ihre Anwesenheit zu schätzen wissen würde. Nach der Sache mit Suzie fühlte sie sich alleine unwohl. Aber Jack war nicht da.

Ein Blick auf die Monitore verriet ihr, dass eine mögliche Weevil-Sichtung gemeldet worden war. Sie nahm ihr Earpiece von ihrem Schreibtisch und aktivierte das Intercom – doch bevor sie Jack fragen konnte, ob er ihre Hilfe benötige, hörte sie Stimmen über die offene Verbindung. Gefolgt von Lachen. Jacks unverkennbarem Lachen. Sie verspürte einen eifersüchtigen Stich. Mit wem war er zusammen, der ihn so zum Lachen brachte? Dann erklang Iantos trockene Stimme in ihrem Ohr und sie nahm das Earpiece ab, ließ es wie einen Käfer auf den Tisch fallen. Mit gerunzelter Stirn sah sie auf die auf ihrem Schreibtisch verteilten Unterlagen, die sie eigentlich längst hätte erledigen sollen, aber Papierkram war schon in ihrem alten Job nie ihre Lieblingsbeschäftigung gewesen… Seit wann nahm Jack Ianto mit zu einer Weevil-Sichtung? Ianto war fürs Archiv zuständig und Mädchen-für-alles im Hub, aber nicht für die Feldarbeit. Dafür war sie da.

Gwen beschloss, dass ihr Papierkram noch eine Weile warten konnte, und ging in die Kaffeeküche, um den Wasserkocher anzustellen. Genau für Fälle wie diesen hatte sie eine Dose Instantpulver versteckt…

-= -= -

Im Fach unter dem Spülbecken wurde sie schließlich fündig – eine Plastiktüte mit Tesco-Aufdruck enthielt mehrere Pakete mit Keksen. Sie fischte eine Packung Double-Chocolate-Chip-Cookies heraus, öffnete sie und holte eine Tasse aus dem Schrank. Bevor sie sich damit auf den Weg zu ihrem Schreibtisch machen konnte, blinkten die Sirenen über der Rolltür auf und der Alarm erklang, als sie zur Seite glitt.

Gwen spähte nach unten und sah Jack in den Hub treten, Ianto folgte ihm. Sie trat vor, um ihre Anwesenheit bekannt zu machen – und trat dann wieder einen Schritt zurück, ohne wirklich zu wissen, wieso.

Die Stimmen der beiden Männer drifteten zu ihr hoch. Gwen biss in einen Schokoladenkeks, als sie Jack wieder lachen hörte. Und verschluckte sich fast daran, als Ianto zu vernehmen war.

„Okay, Jack. Runter mit der Hose.“

WAS zum… Gwen war solche Bemerkungen von Jack gewohnt, aber nicht von ihrem sonst so zurückhaltenden Landsmann.

„Du weißt doch, du musst nur fragen.”  Jacks Antwort kam nicht wirklich unerwartet. „Aber…“

„Jack!“ In Iantos Stimme schwang eine Mischung aus Amüsement und langvertrautem Frust. „Bitte?“

Gwen wischte ein paar Kekskrümel von ihrem T-Shirt und überlegte, ob es an der Zeit war, ihre Präsenz bekannt zu machen.

„Du könntest mir zumindest zuerst einen Drink kaufen und mir sagen, wie hübsch ich bin.“ Jacks Schmollen war deutlich hörbar.

„Ich wische den Boden nicht auf, Sir.“

Was war das? Gwen lehnte sich gegen die Küchenzeile und fischte einen weiteren Keks aus der Packung. Das war besser als Fernsehen.

„Du könntest mir wenigstens dabei helfen.“ Wieder Jack. „Ich glaube mein Reißverschluss klemmt.“

Gwen konnte fast hören, wie Ianto mit den Augen rollte.

„Oh, und sieh‘ dir das an. Sie ist enger geworden. Vor allem… hier. Willst du mal fühlen?“

„Ich glaube nicht, dass das nötig ist, Sir.“ Iantos Stimme war staubtrocken. „Ziehst du sie jetzt aus? Ich werde sie morgen früh mit den anderen Sachen in die Reinigung bringen.“

Jack seufzte. „Spielverderber. Es ist immerhin deine Schuld, dass ich in diesem Zustand bin.“

Gwen hörte zu ihrer Überraschung Ianto lachen. Sie konnte sich nicht erinnern, wann er das zum letzten Mal getan hatte. Oder überhaupt? Er war immer so ernst.

„Wieso ziehst du dich nicht um und ich überlege mir in der Zwischenzeit eine Belohnung dafür, dass du mich davor bewahrt hast, ein unfreiwilliges Bad zu nehmen und selbst nass geworden bist?“

„Ich könnte gleich ausgezogen bleiben“, schlug Jack vor.

„Ich möchte nicht schon wieder in die CCTV Database hacken müssen, Sir. Ich denke, Tosh wird langsam misstrauisch.“ Einen Moment Stille. „Aber warum nimmst du nicht eine Dusche, um dich aufzuwärmen, während ich Kaffee mache – und vielleicht lasse ich mich dazu überreden…“

Iantos Stimme senkte sich zu einem Flüstern und Gwen konnte ihn nicht mehr hören. Sie hatte allerdings so eine Ahnung, was er gesagt hatte, von Jacks begeistertem „Whoa.“ Gwen spitzte die Ohren, in der Hoffnung, mehr von unten zu hören und merkte dabei kaum, wie sie den Keks zwischen den Fingern zerkrümelte.

Sie zuckte zusammen, als Ianto plötzlich vor ihr stand.

Der jüngere Mann zuckte hingegen nicht einmal mit der Wimper. Er ging einfach um sie herum und holte Jacks blaugestreiften Kaffeebecher aus dem Schrank. „Kann ich dir auch eine Tasse anbieten, Gwen?“, fragte er höflich. „Du hast da Krümel.“ Er deutete auf seinen eigenen Mundwinkel.

Gwen wischte sich hastig das Gesicht ab. „Nein. Danke. Ich bin… praktisch schon weg. Ich war nur hier, weil ich meine…“ Zeit zu gehen, Gwen. „…Tasche vergessen hatte. Gute Nacht, Ianto.“

Sie war nicht sicher, aber als sie nach unten lief, glaubte sie Ianto leise lachen zu hören – auch wenn er versuchte, es hinter einem höflichen Husten zu verbergen.

Definitiv besser als Fernsehen.

Ende

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Titel: Pity Party
Autor: Lady Charena (Juni 2010)
Fandom: Torchwood
Episode: Staffel 1 / vage 1.07 Greeks Bearing Gifts
Wörter: ~ 900
Prompt: Pity Party
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Toshiko Sato
Pairing: Jack/Ianto
Rating:  AU, pg12, slash oneshot
Beta: T‘Len
Archiv: ja


Summe: Tosh & Ianto haben eine Party und Jack ist nicht eingeladen.
Das hält ihn natürlich nicht davon ab, trotzdem aufzutauchen. (established relationship, da angesiedelt in meinem „I’ve lost my way along the road“-Verse, zeitlich nach dem angegliederten Oneshot „Early Light“)

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Oder um mit Stephen Fry zu sprechen: Not one word of the following is true.



Jack stutzte, als er in die Wohnung kam und den Raum nicht ganz in dem Zustand vorfand, in dem er ihn vorzufinden gewohnt war.

Auf der Couch häuften sich Kissen und Decken zu einer Art Nest. Der Fernseher lief, eine SciFi-Serie mit abgestelltem Ton; ein Stapel DVD-Boxen lag davor auf dem Boden. Der Kaffeetisch vor der Couch war mit halbleeren Essenscontainern, Chipstüten, aufgerissenen Schokoladenpackungen und Flaschen vollgestellt. Jemand hatte etwas, das wie Suppe – süßsauer, mit Glasnudeln, tippte er - aussah, auf den Teppich davor gekleckst. Zusammengeknüllte Papiertücher zogen eine Spur in Richtung Küche. Als Jack ihr folgte, trat er fast auf ein T-Shirt, das die gleichen Flecken wie der Teppich zeigte. Er hielt es hoch und betrachtete es genauer. Definitiv nicht Iantos Größe. Pink. Und mit einer Figur aus einer japanischen Zeichentrickserie bedruckt. Jack war sich ziemlich sicher, dass er es an Tosh gesehen hatte, als er sie einmal spätnachts in den Hub gerufen hatte. Er ließ es wieder fallen. Interessant.

Die Schlafzimmertür ging auf und ein zerzaust wirkender Ianto trat ein. Jacks Blick folgte der tief auf den Hüften sitzenden Pyjamahose und dem weiten, verwaschenen T-Shirt, die der junge Mann trug. So verschieden von seinem üblichen Anzug, aber nicht minder sexy. Er konnte gar nicht anders, als zu ihm zu gehen, ihn mit einem Arm um die Hüften an sich zu ziehen und ihn zu küssen. „Hey. Hat hier eine Party stattgefunden, zu der ich nicht eingeladen war?“, fragte er amüsiert.

„Du wärst ganz bestimmt nicht interessiert gewesen“, murmelte Ianto, sein Akzent stärker ausgeprägt als sonst.

„Du wärst ganz bestimmt überrascht, für was ich mich alles interessieren kann“, entgegnete Jack im gleichen Tonfall. „Kann es sein, dass du ein klein wenig betrunken bist?“

„Definitiv, Sir.“ Ianto lehnte sich in Jacks Seite. „Du hast gesagt, ich soll den Tag freinehmen und tun, was ich will“, verteidigte er sich.

„Hey, wenn du dich betrinken willst, ist das deine Sache.“ Jack ließ seine Finger unter den Saum von Iantos T-Shirt und seine Wirbelsäule entlang gleiten. Ein Schauer lief durch den jungen Mann und Jack küsste ihn auf die Stirn. „Und du hast hier ganz alleine gefeiert?“

„Mit Tosh.“ Ohne aufzusehen wies Ianto über die Schulter auf die Tür, aus der er gekommen war. „Sie zieht sich gerade an.“

„Okay, jetzt bin ich wirklich interessiert.“ Tosh und Ianto? Das hatte sogar er nicht kommen sehen. „Bin ich zu spät, um noch mitzumachen? Ich verspreche auch…“

„Jack!“, kam es tadelnd von Ianto. Er griff nach Jacks wandernder Hand und zog sie unter seinem T-Shirt hervor.

„Oder wenigstens zusehen? Du bist so heiß, wenn du…“

„Jack!“ Ianto löste sich von ihm und hielt sich die Hände vor die Ohren. „Noch ein Wort!“

„In diesem Jahrtausend weiß einfach keiner, wie man sich wirklich amüsiert.“ Jack seufzte und nutzte die Tatsache, dass Iantos Hände anderweitig beschäftigt waren, dazu ihn wieder enger an sich zu ziehen. Seine Finger glitten zu dem schmalen Streifen weißer Haut, der zwischen T-Shirt und dem Bund von Iantos Hose zu sehen war, als die Bewegung seiner Arme den Saum des Shirts hochrutschen ließ.

„Wir haben nicht… Sie hat Suppe über ihr Oberteil geschüttet und ich habe ihr etwas zum Anziehen geliehen.“

Iantos Mund war zu einem Schmollen verzogen, das er unwiderstehlich fand, doch als Jack sich vorbeugte um ihn zu küssen, wich Ianto ihm aus.

„Wir wollten nur… einfach nur zusammen essen. Und Filme sehen und… reden.“ Ianto zuckte mit den Schultern. „Tosh hat hauptsächlich geredet. Über Mary und… so.“

„Ich habe kein Problem damit, wenn ihr beide Freunde seid.“ Jack ließ seine Hände um Iantos Hüften gleiten, um ihn wieder eng an sich zu ziehen. Seine Fingerspitzen schoben sich unter den Bund seiner Hose. „Aber was hältst du jetzt von einer kleinen Privatparty. Du und ich…“

„Ich wollte ohnehin gerade nach Hause gehen“, sagte Tosh trocken, die in dem Moment aus dem Schlafzimmer kam.

Jack grinste sie über Iantos Schulter hinweg an. „Danke, dass du ihn für mich betrunken gemacht hast, Tosh“, sagte er mit einem Augenzwinkern.

Tosh lachte nur und drückte im Vorbeigehen seinen Arm, während Ianto das Gesicht mit einem Aufstöhnen gegen Jacks Schulter presste. Ein roter Schimmer breitete sich in seinem Nacken aus.

„Wir müssen das unbedingt wiederholen“, sagte Tosh und dann war sie weg.

Jack beugte sich vor, seine Lippen streiften Iantos Ohr. „Verlegen wir diese Party ins Bett?“, fragte er. „Ich habe vor, schamlos aus zu nutzen, dass du nicht ganz nüchtern bist.“ Er spürte einen Schauer durch den jungen Mann laufen und lächelte. „Ich verspreche, mit mir fühlst du dich besser, als mit jeder Art Alkohol auf dieser Welt. Und…“

Was immer er noch sagen wollte, wurde von Iantos Mund abgeschnitten.

Ende

-= -= -

PITY PARTY (the): A way of experiencing grief, in which you spend your time feeling sorry for yourself and whining endlessly about how crappy your life is. Pity parties can be just for one or for many people, such as maybe your friends and close people, who will try to comfort you or just be there for you while you keep asking yourself what did you do to deserve whatever it is that made you so sad in the first place. Pity Parties require the proper outfit, which is usually pajamas cause you don’t get all dressed up during those feeling-sorry-for-myself moments. Also you should have no make-up on or just the one from the night before; hair undone as well.

It also involves tissues, comfort food such as ice cream; chocolate; potato chips; cookies; cake; and candy. Low fat food is banned. Alcohol might or might not be allowed (if alcohol makes you go wild, no alcohol should be brought to the pity party in that case since the point is not exactly to have fun). The purpose of a Pity Party is to dump the pity. Music is also very important at pity parties, including songs like "One is the Loneliest Number", "All by Myself" and any other song that makes you feel like throwing yourself from the nearest cliff.

Pity parties usually end after you are done whining or if someone breaks it up. This will usually be a cynical loved one who will not let you drown in self pity and will take you either to have the best time ever, drinking and partying or will just make you crawl out of bed by making you see how pathetic you look and how you should cut the whining and just do something to make things better.

(
http://www.urbandictionary.com)

 

Titel: Anders
Autor: Lady Charena (Juni 2010)
Fandom: Torchwood
Episode: Anfang Staffel 2
Wörter: ~ 1300
Prompt: You look good in black and blue
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones     
Pairing: Jack/Ianto
Rating: AU, pg12, h/c, slash, oneshot
Beta: T‘Len
Archiv: ja


Summe: Ianto gerät in eine Schlägerei.
Jack kümmert sich um ihn.
A/N: mit leichter Überlänge ;)

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Oder um mit Stephen Fry zu sprechen: Not one word of the following is true.




Der Alarm blinkte nur für ein paar Sekunden auf und wenn er nicht gerade zufällig auf den Monitor geblickt hätte, wäre es ihm gar nicht aufgefallen. Zumal der blinkende Lichtpunkt von rot zu grün wechselte, was bedeutete, jemand hatte den Alarm mit dem entsprechenden Autorisierungscode abgeschaltet.

Jack öffnete ein Fenster auf dem Bildschirm, um einen Blick auf das interne CCTV des Tourismusinformationsbüros zu werfen. Ianto kam durch den Perlenvorhang, der den kleinen Nebenraum abgrenzte. Jack lehnte sich in seinen Stuhl zurück und sah auf die Uhr. Was machte Ianto hier? Er hatte ihn schon vor ein paar Stunden nach Hause geschickt. Auf dem Bildschirm schien Ianto etwas aus einer Schublade zu nehmen und… Jack beugte sich wieder vor, um mehr Details in der grobkörnigen, schwarzweißen Aufnahme auszumachen – wieso hatten sie keine bessere Kamera dort oben? es war immerhin der Eingang ihrer Basis. Ianto drückte etwas gegen die Stirn, ein Taschentuch oder etwas Ähnliches.

Jack warf einen Blick auf den Papierkram, der einfach nie enden wollte, und schob dann seinen Stuhl zurück, um aufzustehen. Das konnte warten. Es war wesentlich interessanter, was Ianto um diese Zeit hier suchte. Es war nicht, dass er ihm misstraute, sagte er sich, als er darauf wartete, dass der Aufzug ihn nach oben brachte. Doch Lisa, Mary und Suzie hatten ihn gelehrt, dass es gefährlich wurde, wenn sein Team Geheimnisse vor ihm hegte.

Ungeduldig wartete er darauf, dass die Tür aufglitt und trat in das Tourismusbüro. Ianto war nicht mehr hinter dem Schreibtisch, doch Jack hörte Wasser in dem kleinen Nebenzimmer rauschen. Er trat durch den Perlenvorhang. Ein paar Kartons waren entlang der Wände aufgestapelt, ansonsten war der kleine Raum leer. In der Ecke befand sich hinter einer Abtrennung eine Toilette. Gegenüber dem Durchgang waren ein Waschbecken und ein Spiegel angebracht. An einem Kleiderhaken hing Iantos Mantel. Eine blanke Glühbirne spendete mattes Licht.

Ianto stand vor dem Waschbecken und als Jack näher kam, sah er auf und ihre Blicke trafen sich für einen Moment im Spiegel. Jack trat hinter ihn und legte die Arme um seine Taille. „Kannst du nicht schlafen ohne mich?“, fragte er, doch jeder Anflug von Flirten verschwand aus seiner Stimme, als er bemerkte, wie Ianto zusammen zuckte und deutlich hörbar Luft holte. Er wusste, dass Ianto ihn gesehen hatte, also hatte er ihn nicht erschreckt. Jack drehte ihn zu sich herum.

Auf der blassen Haut formte sich deutlich sichtbar eine Prellung an Iantos Kinn und über seinem rechten Wangenknochen. Jack musterte seinen jungen Liebhaber. Iantos Hemd war schmutzig und hatte einen Riss an der Seite. Er trug schwarze Jeans, aber sein linkes Bein schien bis zum Knie nass zu sein. Und… ging dieser Uringeruch von ihm aus?

Jack hielt vorsichtig sein Kinn fest und drehte Iantos Gesicht mehr ins Licht. „Was ist passiert?“, fragte er.  

„Ich konnte ohne dich nicht schlafen.“ Ianto versuchte sich aus seinem Griff zu befreien, doch Jack presste ihn zurück gegen das Waschbecken, und zog Iantos rechte Hand vor, die der junge Mann hinter dem Rücken versteckt hielt. Die Knöchel waren aufgeschrammt.

„Und anstatt mich anzurufen, hast du was genau getan?“ Als Ianto schwieg, beugte sich Jack vor und küsste ihn. Iantos Lippen öffneten sich bereitwillig unter seinen, aber erst nach merklichem Zögern. „Sag‘ es mir.“

„Es ist nichts.“ Ianto versuchte wieder, sich umzudrehen, und dieses Mal ließ Jack ihn gewähren. Er drehte den Wasserhahn auf und begann sich die Hände zu waschen.

„Ich weiß, ich lasse es sexy und cool aussehen, Geheimnisse zu haben. Aber mir wurde gesagt, ich bin nicht immer das beste Vorbild.“ Jack sah, wie der andere Mann ein Zusammenzucken zu unterdrücken versuchte, als er an einem Schmutzfleck auf seinem Hemd rieb. „Ianto? Bitte?“

„Ich konnte nicht schlafen“, sagte Ianto nach einer langen Pause. Seine Stimme war leise. „Ich dachte, ich könne genauso gut herkommen und an der Typisierung in Sektion C weiterarbeiten.“

„Du hättest mich fragen können, ob ich dir Gesellschaft leiste.“ Warum hatte er eigentlich darauf bestanden, alleine im Hub zu bleiben?

Iantos Schultern sackten leicht nach unten. „Ich bin unten beim Pub zwei Typen über den Weg gelaufen, ich denke, sie waren betrunken. Offenbar gefiel ihnen mein Gesicht nicht, sie haben mich blöd angequatscht, mich ein wenig rumgeschubst und mir ans Bein gepinkelt, bevor sie die Lust daran verloren haben und weiterzogen.“

Jack legte die Hand über das Loch in Iantos Hemd und hörte ihn nach Luft schnappen. „Und jetzt die Wahrheit.“

„Das war die Wahrheit.“

„Sie haben dich einfach so angegriffen? Ohne jeden Grund?“

Als Ianto das Wasser abdrehte, war es sehr still. „Es könnte sein, dass sie… uns mal gesehen haben. Zusammen. Das schien ihnen… nicht gefallen zu haben.“

Er zog die Hand zurück, legte sie stattdessen in Iantos Nacken, rieb mit den Fingerspitzen an seinem Haaransatz entlang. „Wieso denkst du das?“

„Sie haben gesagt… was sie gesagt haben – und das werde ich nicht wiederholen.“ Er zuckte mit den Schultern. „Und als sie mich jetzt wieder gesehen haben… Es war ein blöder Zufall. Es sollte dich freuen, dass ich dank deines Trainings nicht der einzige war, der einstecken musste und schließlich sind sie abgehauen, als ein paar Leute aus dem Pub an der Ecke kamen. Ich bin nur hergekommen, weil ich ohnehin schon fast hier war und ich nicht so durch die Gegend laufen wollte. Nicht, um mich auszuheulen.“ Er klang plötzlich wütend. „Denkst du, das ist das erste Mal, dass ich Prügel bezogen habe, weil ich… anders bin. Früher waren es meine guten Noten oder weil mich ein Lehrer mochte oder weil ich den Fehler machte, außerhalb meines Zimmers ein Buch zu lesen. Ich denke, bis ich zwölf war, hatte ich ein halbes Buch gegessen.“

„Bitte?“

„Ein paar Jungs hatten Spaß daran, mich Buchseiten aufessen zu lassen, bevor sie mich verprügelt haben.“ Er zuckte wieder mit den Schultern. „Ein paar blaue Flecken sind nichts.“

Jack wandte sich wortlos ab, aber bevor er mehr als einen Schritt gemacht hatte, schlossen sich Iantos Finger um sein Handgelenk und hielten ihn fest. „Wo willst du hin?“

„Papierkram erledigen“, entgegnete Jack mit einem falschen Unterton. „Du drängst mich doch immer dazu.“

„Jack! Du wirst dir nicht das CCTV ansehen und du wirst sie nicht suchen. Geheime Organisation, erinnerst du dich? Wir brauchen wegen so einer Kleinigkeit nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf uns lenken.“

„Das hat nichts mit Torchwood zu tun.“ Jack drehte sich zu ihm um. „Und du bist keine… Kleinigkeit.“

„Vergiss‘ es. Wenn du etwas für mich tun willst, finde heraus, wo Owen die wirklich guten Schmerzmittel versteckt und bring‘ mich nach Hause. Du weißt, dass mich das Zeug immer ganz benommen macht. Versprich‘ mir, dass du nicht nach ihnen suchst.“

Jack nickte, ohne ihn anzusehen und löste den Klammergriff um sein Handgelenk.

Bevor er gehen konnte, hielt ihn Ianto wieder auf. „Jack? Würdest du… bleib‘ heute Nacht bei mir, ja?“

Er nickte erneut, und nahm Iantos Hand, um – achtsam der aufgeschrammten Knöchel – einen Kuss auf seinen Handrücken zu pressen. „Ich setze den Hub auf Remote, du wartest hier, ich bin in fünf Minuten wieder da, okay?“

„Okay. Ich habe nicht vor, irgendwohin zu gehen.“

Jack nahm zurück in den Hub nicht den Lift, sondern die Treppe. Er war zu wütend, um im Lift still zu stehen. Gleich morgen früh würde er Tosh bitten, das CCTV zu prüfen. Schließlich hatte er nur versprochen, es nicht selbst zu tun…

Ende

 

Titel: Unsterblichkeit
Autor: Lady Charena (Juni 2010)
Fandom: Torchwood
Episode: TW Audiobook Hidden (Season 1)
Wörter: ~ 1000
Prompt: to have and to hold
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Team
Pairing: Jack/Ianto
Rating:  AU, pg12, slash, oneshot
Beta: T‘Len
Archiv: ja


Summe: Jack nimmt sich ein wenig Ianto-Zeit.
(beginnt direkt nach dem Ende von „Hidden“.)
A/N: Laut Wikipedia ist „Hidden“ in Staffel 1 nach 1.09 Combat und vor 1.12 Captain Jack Harkness angesiedelt.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Oder um mit Stephen Fry zu sprechen: Not one word of the following is true.



Jack lehnte Gwens Angebot, mit ihnen zurück zu fahren, ab und schickte sein Team nach Hause.

Sie ließen den SUV vor dem Krankenhaus geparkt und quetschten sich zu dritt in Owens Wagen. Der Rift war in den vergangenen zwei Tagen zwar glücklicherweise ruhig geblieben, doch Tosh würde via Laptop die Monitore im Auge behalten. Obwohl Jack ihr genau wie Owen und Gwen versichert hatte, dass sie nicht hatte wissen können, was passieren würde, fühlte sie sich immer noch ein wenig schuldig, dass sie Ianto geraten hatte, die Seitenstraße zur Brücke zu nehmen.

Er angelte mit der einen Hand nach der Tüte mit Trauben, die die Mädchen auf dem Weg für Ianto gekauft hatten und musterte das Gesicht des jungen Mannes. Auf den ersten Blick sah es so aus, als würde Ianto schlafen, doch er kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass es nicht so war. Owen hatte keinen Zweifel daran gelassen, wie knapp Ianto einer Lähmung oder gar dem Tod durch Verbluten entgangen war, als sein Wagen von der Straße gedrängt wurde.

„So… auf meinem Handy sind siebenunddreißig Anrufe von dir. Heißt das, du hast mich vermisst?“, fragte Jack schließlich, als ihm die Stille zu viel wurde.

„Ich hasse Krankenhäuser. Wann kann ich hier raus?“, sagte Ianto im gleichen Moment.

Prompt verfielen sie wieder in Schweigen.

Jack fischte ein paar weitere Trauben aus der Tüte und beobachtete, wie Iantos Finger glättend am Saum des Lakens entlang glitten, mit dem er zugedeckt war. Owen hatte gesagt, dass nichts dagegen sprach, ihn bereits morgen aus dem Krankenhaus zu holen. Er konnte sich genauso gut in seiner eigenen Wohnung unter Owens medizinischer Aufsicht erholen. Es würde eine Weile dauern, bis sein Bein und die Wunde an seinem Rücken verheilt waren und er zurück an die Arbeit konnte. Eine der Trauben platzte mit einem leisen Knacken zwischen Jacks Zähnen.

„Sind die nicht eigentlich für mich gedacht?“, fragte Ianto, die Augen nach wie vor geschlossen.

Jack steckte noch eine Traube in seinen Mund und warf eine zweite in Iantos Richtung – sie prallte an der Nase des jungen Mannes ab. Er grinste, als Ianto die Augen öffnete und ihm einen strengen Blick zuwarf, bevor er nach der Traube angelte, die irgendwo zwischen seiner Schulter und dem Kissen gelandet war.

Die Bewegung reichte aus, um die Wunde an seinem Rücken zu irritieren und er sank mit schmerzverzerrtem Gesicht zurück in die Kissen.

„Lass‘ mich das machen.“ Jack verließ seinen Platz am Fußende des Bettes und machte sich auf die Suche nach dem verlorenen gegangenen Obst, als Ianto ihn unvermittelt am Revers seines Mantels packte und zu sich herunter zog, um ihn zu küssen. „Hey, woher kommt das?“, fragte Jack überrascht. Er küsste Ianto entschuldigend auf die Seite der Nase, da wo ihn die Traube getroffen hatte und dann wieder auf den Mund. „Nicht, dass ich mich beklage.“ Er musterte seinen sonst so zurückhaltenden Waliser und erhielt erwartungsgemäß einen Klaps auf den Handrücken, als er seine „Suche“ in den Ausschnitt von Iantos T-Shirt ausdehnte.

„Ich bin mit dem Wagen fast von einer Brücke gestoßen worden; mein Auto ist explodiert und ausgebrannt und dieses Ding in meinem Rücken hat mich um ein Haar von der Taille an gelähmt – wenn ich nicht vorher verblutet wäre… ich fühle mich heute ein klein wenig... abenteuerlich.“ Ianto sah zu ihm auf, die blauen Augen weit in seinem blassen Gesicht, seine Unterlippe plump und pink von ihrer Berührung und Jack konnte nicht anders, als ihn wieder zu küssen. Abgesehen von Iantos… Antrag… über Suzies Leiche, war es immer Jack, der den Kontakt zwischen ihnen initiierte.

Plötzlich brach Ianto weg, und gähnte. Jack lachte leise und presste seine Stirn gegen die des jüngeren Mannes, bevor er sich aufsetzte. Er hielt die wiedergefunden Traube an Iantos Mund und seine Lippen öffneten sich, eine pinkfarbene Zungenspitze glitt über seine Fingerspitzen und Iantos Zähne nippten nicht nur an dem Obst, sondern auch an seinen Fingern. Jack zog die Hand zurück, tappte dann ganz leicht mit der Fläche des Daumens gegen Iantos Lippen. „Später“, versprach er. „Du wirst gesund, und dann erkunden wir diese neue abenteuerliche Seite von dir etwas genauer.“

„Natürlich.“ Da stand für einen Moment Enttäuschung in den blauen Augen, bevor sie hinter einer Maske scheinbarer Gleichgültigkeit verschwand. „Du wirst sowieso an die Arbeit zurück müssen.“

Jack zögerte. Er wusste, er hatte bereits zu viel Zeit fern des Hubs verbracht. Und auch wenn der Rift in den vergangenen Tagen ruhig gewesen war, konnte sich das innerhalb von Sekunden ändern. Aber er dachte auch an siebenunddreißig verpasste Anrufe, während er in einem Verhörzimmer mit der Polizei Katz-und-Maus spielte.

Jack stand auf, doch anstatt zu gehen, zog er seinen Mantel aus und legte ihn über das Fußende des Bettes. Er war froh über den Zwischenstopp im Hub, der es ihm ermöglicht hatte, seine Kleidung zu wechseln und den Gestank nach Tod und brennendem Metall loszuwerden. Dann kickte er seine Schuhe von den Füßen und setzte sich wieder, dieses Mal so, dass sein Oberarm gegen Iantos presste. Er wand den Arm um die Schultern des jungen Mannes, der sich an ihn lehnte und legte die Beine aufs Bett, darauf achtend, dass er Iantos bis über das Knie bandagierte Bein nicht berührte. „Ich denke, das kann ein paar Minuten warten. Nur für den Fall, dass du besser schläfst, wenn du nicht alleine bist.“ Er ließ den üblichen zweideutigen Unterton in seinen Worten mitschwingen, doch was er empfand, als er einen Kuss in Iantos Haar drückte, war Erleichterung, und Dankbarkeit, dass er den jungen Mann nicht vorzeitig – und so sinnlos – verloren hatte.

Er hatte in den vergangenen achtundvierzig Stunden mit angesehen, was ein Mann alles tat, um sich Unsterblichkeit zu sichern. Hier und jetzt, hielt Jack seine in den Armen.


Ende

 

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Titel: Jack Junior
Autor: Lady Charena (Juni 2010)
Fandom: Torchwood
Episode: ---
Wörter: ~ 1180
Prompt: Watch out for the Dinosaur!
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones
Pairing: Jack/Ianto
Rating:  AU, pg, slash, oneshot
Beta: T‘Len
Archiv: ja


Summe: Ianto ist strikt gegen weitere Haustiere im Hub, und Jack versucht seine Meinung zu ändern...

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Oder um mit Stephen Fry zu sprechen: Not one word of the following is true.


„Kann ich ihn behalten?“

Ianto gab der Versuchung nach, mit den Augen zu rollen. Immerhin hatte er es die letzten drei Mal nicht getan, als Jack den gleichen Wunsch – wenn auch in leicht variierter Formulierung - äußerte. Manchmal... manchmal könnte er schwören, dass sich hinter der Fassade von Captain Jack Harkness ein maßlos verwöhnter Fünfjähriger versteckte.

„Nein“, entgegnete er knapp und warf einen Blick in den Rückspiegel. Oh, wunderbar. Zu dem schmollenden Ausdruck auf Jacks Gesicht fehlte nur noch, dass er ihm trotzig die Zunge rausstreckte. „Hast du eine Ahnung, wie groß das Ding sein wird, wenn es ausgewachsen ist?“

„Er ist kein Ding und im Hub ist Platz genug. Wir richten ihm ein Zimmer in einem der unteren Level ein.“

„Jack, sag’ mir bitte, dass das nicht dein Ernst ist! Wir bekommen ihn doch nicht mal durch die Tür!“ Oh gut, jetzt hatte er auch schon angefangen, von einem „ihm“ zu reden. „Und willst du ihn... es den Rest seines Lebens ohne Tageslicht einsperren?“

„Hey, willst du damit sagen, er ist fett? Das ist reiner Babyspeck. Überlebenswichtig, da wo er herkommt.“ Jack musste seinen Ärmel retten, der in einem Papageienschnabelähnlichem Mund zu verschwinden drohte. „Uh-uh, nicht meinen Mantel anknabbern, Schätzchen, sonst wird Onkel Ianto böse mit uns“, flüsterte er – allerdings nicht leise genug, dass es auf dem Fahrersitz nicht zu hören war.

Ianto konnte ein irritiertes Seufzen nicht unterdrücken. Typisch Jack, hin zu gehen und sich auf den ersten Blick zu verlieben. „Ich meinte, wenn er... es...“ Oh verdammt. „...wenn er ausgewachsen ist. Wie groß können sie werden? Sieben, acht Meter, richtig? Und das Gewicht liegt bei mehreren Tonnen?“ Sicher sah Jack jetzt ein, dass sie ihn nicht behalten konnten? Oh, bitte, bitte lass’ ihn Vernunft annehmen...

„Aber er mag mich. Er ist sofort zu mir gelaufen.“

Ianto korrigierte Jacks mentales Alter nach unten – der Tonfall seiner Stimme hätte jedem Dreijährigen zu Gesicht gestanden. „Vielleicht hält er dich für seine Mutter.“ Er wusste im gleichen Moment, dass er das nicht hätte sagen – sich nicht auf Jacks Spielchen einlassen - sollen.

Er warf wieder einen Blick in den Rückspiegel. Vielleicht konnten die anderen Jack diese hirnrissige Idee ausreden? Aber was machte er sich vor – Gwen und Tosh würden ihn unterstützen und Owen entweder eine Autopsie vornehmen wollen oder dumme Witze reißen. Beides vermutlich. Und an ihm blieb dann die Arbeit hängen. Oh nein, nein, auf keinen Fall.

„Macht dich das dann... uff... nicht so fest, mein Kleiner, das tut weh!... zu Daddy?“ Jack hoffte wirklich, dass diese Angewohnheit, ihn in die Rippen zu rammen, keine normale Form von Zuwendung war – die blauen Flecken mochten zwar nicht bleiben, aber es war auch nicht gerade angenehm. „Wir könnten uns ein kleines Haus auf dem Land kaufen und ihn großziehen. Sicher würden uns die Leute anfangs komisch ansehen, aber wir können sagen, er ist adoptiert. Obwohl ich denke, er hat deine Nase. Und... uff... eindeutig mein Temperament.“

„Sehr witzig, Jack. Haha.“ Der Stopp an einer roten Ampel ermöglichte es Ianto, nach hinten zu sehen. Er lachte dieses Mal wirklich, als er sah, dass Jack damit beschäftigt war, sein Hemd und einen seiner Hosenträger zurück zu erobern. „Na zumindest wissen wir jetzt, dass wir ihn zur Not mit deiner Kleidung füttern können.“

„Eindeutig mein Sinn für Mode“, fuhr Jack ungerührt fort, Iantos amüsiertes Schnauben ignorierend. „Und ein Kuschler – wie du.“

Stand bei Wikipedia wohl auch etwas darüber, ob Dinosaurier froren?  Er hatte als Junge nie diese Phase durchgemacht und es war mehr durch praktische Erfahrung geglückt, heraus zu finden, was Myfanwy benötigte. „Vielleicht ist ihm kalt und er sucht Körperkontakt, um sich zu wärmen? Du bist ziemlich warm.“

Ooooh, kaum haben wir ein Baby, schon findest du mich nur noch warm und nicht mehr heiß“, kam es vom Rücksitz.

Ianto steuerte den SUV in die Garage und parkte, nicht ganz um seine übliche Sorgfalt bemüht, bevor er den Kopf gegen das Lenkrad legte. „Ich werde ihn nicht erschießen“, murmelte er. „Das Blut bekomme ich nie wieder aus den Sitzen.“

„Ich will ihn behalten.“ Jack grinste, als er Ianto gequält aufstöhnen hörte und sah, wie er erneut mit der Stirn gegen das Lenkrad schlug. „Du kannst dir ja schon einmal einen Namen für ihn überlegen...“

„Jack!“

Hmh, Jack Junior? Nicht, dass die Leute uns verwechseln...“

Ianto wand sich auf dem Sitz nach hinten und sah Jack an. „Niemand käme auf die Idee, dich mit einem Triceratop zu verwechseln, egal wie er heißt.“ Er presste Daumen- und Zeigefinger gegen den Nasenrücken. „Oh Gott, habe ich das gerade wirklich gesagt?“, murmelte er. „Bitte, Jack. Bitte schaff’ ihn einfach aus dem Wagen, bevor er anfängt, die Sitze anzuknabbern.“

„Es ist ein Baby, Ianto. Wir konnten ihn nicht alleine in den Kofferraum sperren. Was wenn er Panik bekommen hätte? Sicher, er ist noch ziemlich klein, aber immerhin fast so groß wie ein Weevil. Oder willst du der Polizei erklären, warum wir mit einem Dinosaurier in der Gegend herumfahren, falls wir einen Unfall haben, weil er im Kofferraum herum wütet?“ Jack öffnete die Tür und mit einiger Kraftanstrengung schuppste er „Jack Junior“ vom Sitz.

Der Baby-Triceratop gab ein protestierendes Quieken von sich, drehte sich auf den Hinterbeinen und verschwand im Schweinsgalopp tiefer ins Dunkel der Garage.

Ianto seufzte. Wenigstens hatte sich das Tor nach draußen automatisch hinter ihnen geschlossen und ihr Neuankömmling konnte nirgendwo hin. „Ich gehe jetzt und genehmige mir eine Tasse Kaffee zu meinem längst überfälligen Nervenzusammenbruch. Du kannst Tosh alleine erklären, warum sie nach Lebensformen scannen soll.“

Jack grinste, küsste ihn auf die Seite der Nase und machte sich auf die Suche nach seinem Dino-Baby.


### zwei Wochen später ###

„Was wird UNIT mit „Jack Junior“ anfangen? Sie werden ihn nicht töten, oder?“, sagte Ianto, als Jack zu ihm trat. „Sicher ist er lebendig viel wertvoller.“

Jack war bei dem Triceratop-Baby geblieben, bis das Betäubungsmittel wirkte und die UNIT-Soldaten die Transportkiste für den Flug verschlossen. Es ging auf dem Luftweg schneller und schonender als per LKW.

„Nein. Sie setzen ihn auf einer Insel ab, irgendwo wo es warm ist und es genug Pflanzen gibt, die er fressen kann. Und keine Menschen, weit und breit, außer vielleicht dem einen oder anderen Wissenschaftler. Was denkst du, woher die Idee zu „Jurassic Park“ kam?“ Jack grinste und schlang einen Arm um Iantos Mitte, als der Helikopter außer Sicht geriet. „Ich hatte... mich wirklich an ihn gewöhnt.“ Es war ein trauriger Unterton in Jacks Stimme.

„Es wird ihm dort sicher besser gehen als in unserem Keller. Tosh kann bestimmt in den Überwachungssatelliten hacken, sobald wir wissen, wohin er gebracht wird und wir können sehen, wie es ihm geht“, entgegnete Ianto – und obwohl er erleichtert war, nicht mehr für einen heranwachsenden Dinosaurier sorgen zu müssen, hatte er „Jack Junior“ doch auch ins Herz geschlossen. „Komm’ ich habe eine Idee wie wir unseren ersten Abend ohne Elternpflichten verbringen“, schlug er vor.  

„Du weißt, ich liebe wie du denkst.“ Jacks Miene hellte sich sichtlich auf. „Myfanwy war übrigens nicht die erste Überraschung aus der Vergangenheit, die der Rift ausgespuckt hat. Obwohl ich nicht denke, dass irgendjemand den gigantischen Tausendfüssler als Haustier behalten wollte, der 1973 bei einer Hochzeit aufgetaucht ist...“




Ende

 

Titel: Echos und Schatten
Autor: Lady Charena (Juni 2010)
Fandom: Torchwood / Dr. Who
Episode: 2.02 Sleeper, DW: 3x11-13
Wörter: ~ 1050
Prompt: My home is your castle
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Team
Pairing: Jack/Ianto
Rating:  AU, pg12, slash, oneshot
Beta: T‘Len
Archiv: ja


Summe: Jack verbringt die Nacht alleine im Hub.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Oder um mit Stephen Fry zu sprechen: Not one word of the following is true.



Jack blieb einen Moment stehen und sah sich um.

Der Hub war still und dunkel, voll von Echos und Schatten. Er hatte sein Team nach Hause geschickt und sie waren ohne Protest gegangen – überraschenderweise Ianto als Erster.

Sie hatten drei harte Tage hinter sich die Spuren der Schläfer aufzustöbern und auszutilgen. Tosh war es gelungen, eine Verbindung zu den Speicherzellen in Beth‘ Arm aufzubauen und einen Teil der Informationen auszulesen. Nicht genug, um heraus zu finden, ob es noch weitere Schläfer außer denen in Beth‘ Zelle gab. Doch zumindest schienen die, die mit ihr aktiviert worden waren, alle tot zu sein. Jack hatte Stunden in Telefonkonferenzen verbracht, um das Chaos auf der Militärbasis aufzuräumen – im übertragenen Sinne – und deutlich zu machen, dass Torchwood es nicht schätzte, wie ihnen Informationen vorenthalten worden waren. Owen zirkulierte durch die Notaufnahmen der Krankenhäuser und hielt ein Auge nach verdächtigen Umständen offen. Gwen war in ähnlicher Mission bei der Polizei unterwegs. Bei Ianto liefen alle Informationen zusammen und er kontrollierte, wie die Geschichte in den Medien gesponnen wurde. Er löschte hier und da Einträge in Blogs und Newsboards, die zu kritisch mit der offiziellen Version von Terroristenangriffen umgingen, brachte einen von Tosh speziell für solche Gelegenheiten entwickelten Computervirus und diverse Falschmeldungen in Umlauf. Er war – fand Jack – erschreckend gut in dem was er tat. Mit der gleichen, scheinbar mühelosen Effizienz tauchte er immer genau eine Sekunde bevor Jack nach Kaffee verlangen konnte, mit einer frischen Tasse auf. Und nachdem Ianto befand, dass er seine Strafe für das Schänden des Außenspiegels mit Klebeband abgesessen hatte, kam er sogar wieder in den Genuss von Iantos Spezialkaffee.

Er hatte zu ihm aufgesehen, als Ianto die Tasse auf seinen Schreibtisch stellte und der Geruch alleine hatte eine Unruhe in ihm besänftigt, von der er nicht gewusst hatte, dass sie noch da war – es war real, es war vorbei, er war zurück, und dies alles kein Traum, keine Illusion, während sein Körper zerbrochen und sterbend in den Ketten hing, die alles waren, was ihn aufrecht hielt. Und Ianto auf die Wange geküsst. Er wusste, dass sie auf dem Weg zu etwas waren, doch… er beendete den Gedanken nie, als Ianto den Kopf wandte und ihn küsste und sie für eine Weile alles um sich herum vergessen konnten, bis das Klingeln von Jacks Telefon sie in die Realität zurückholte. Jack sah zu, wie Ianto sich aufrichtete, seine Krawatte zurechtrückte und nahtlos in seine Rolle zurückschlüpfte – vielleicht abgesehen davon, dass seine Wangen und Lippen ein wenig mehr pink als sonst wirkten und seine Schritte ihre übliche Grazilität vermissen ließen, als er aus dem Büro eilte.

Doch jetzt war er alleine im Hub. Und manchmal war es, als überlappten sich hier und da zwei Bilder und für Sekunden war er zurück im Maschinenraum der Valiant und spürte kalten Stahl in seine Handgelenke beißen und das Halsband, das in seine Kehle schnitt, wenn er den Kopf zu weit senkte. Dieses Jahr, das für den Rest der Menschheit nicht stattgefunden hatte, es war für ihn noch immer nicht vorbei.

Jack holte tief Luft, und rieb sich übers Gesicht, bevor er in sein Büro ging. Er wollte die relative Ruhe des Rifts nutzen, um endlich etwas zu tun, was er bereits zu lange aufgeschoben hatte – heraus zu finden, was sein Team während seiner Abwesenheit getan hatte.


-= -= -


„Ich habe gerüchteweise gehört, dass du hier irgendwo ein Bett versteckst. Aber wenn du an deinem Schreibtisch schläfst, ist es wohl nicht mehr als ein Gerücht.“

„Ich habe nicht geschlafen“, sagte Jack automatisch, als er sich aufsetzte. Er hatte nicht geschlafen, oder vielleicht doch oder möglicherweise war er nur für eine Weile  in seinen Gedanken verloren gegangen. Die Arme im Nacken verschränkend, streckte er sich und ließ den Blick über Ianto wandern, der vor ihm auf der Kante des Schreibtisches Platz genommen hatte.

„Du hast die ganze Nacht hier gesessen?“, fragte Ianto.

Mmhm.“ Jack fand Iantos rote Krawatte wesentlich interessanter als die Diskussion über seine Schlafgewohnheiten. Oder seinem Mangel daran. Er schob die Finger unter die kühle Seide und ließ sie nach oben gleiten, bis unter den Knoten – und zog Ianto näher zu sich.

„Jack, nicht…“, protestierte der junge Mann und griff nach Jacks Oberarmen, um sich abzustützen  bevor er das Gleichgewicht verlor und in Jacks Schoß landete. Lehnte sich dann aber vor, um ihn zu küssen.

„Dann hättest du heute Morgen nicht diese Krawatte anziehen sollen.“ Jack strich die Seide entschuldigend glatt. „Du weißt, ich kann ihr nicht widerstehen.“

„Ich verstehe“, entgegnete Ianto trocken und setzte sich aufrecht hin. „Muss ich mir über deine Obsession mit meinen Krawatten Sorgen machen? Oder soll ich euch beide vielleicht miteinander alleine lassen?“

Jack warf den Kopf in den Nacken und lachte. Zum ersten Mal seit längerer Zeit, als er wissen wollte, fühlte es sich echt und nicht gezwungen an. Er legte Hand auf Iantos Oberschenkel und strich mit dem Daumen die Hosennaht nach. „Lass‘ mich dich zum Frühstück ausführen“, sagte er. „Ich habe plötzlich Lust, die Sonne zu sehen.“

„Okay“, sagte Ianto nach einem Moment. „Greasy Spoon oder das Café, in dem sie diesen wirklich guten Jamaican Blend servieren?“

Jamaican Blend ist es. Ich bezahle.“ Jack drückte sein Knie und stand dann auf, um seinen Mantel zu holen.

„Aber das zählt nicht als unser Date, oder?“

Unsicherheit schwang in Iantos Stimme mit und Jack musterte ihn; fragte sich, ob sie daher rührte, dass er sich nicht sicher war, dass Jack es mit dem Date und all den unausgesprochenen Implikationen für ihre Beziehung ernst gemeint hatte. „Nein. Ich werde dir meine angestaubten Datingkünste nicht ersparen.“ Er legte ihm den Arm um die Schulter und küsste ihn auf die Schläfe. „Komm‘, lass uns von hier verschwinden, bevor die anderen auftauchen und mitkommen wollen.“

Ende

 

Titel: Ein anderes Leben
Autor: Lady Charena (Juni 2010)
Fandom: Torchwood
Episode: --
Wörter: ~ 1100
Prompt: I'm sorry I can't make you okay
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, OCs
Pairing: Jack/Ianto, Ianto/OFC
Rating:  AU, pg12, slash/het, oneshot
Beta: T‘Len
Archiv: ja


Summe: Obwohl ihr Leben nun in völlig anderen Bahnen verläuft, Jack hat Ianto nicht vergessen.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Oder um mit Stephen Fry zu sprechen: Not one word of the following is true.



„Ich werde eindeutig nicht gut genug bezahlt für diese Arbeit“, murmelte Ianto, als er angetrockneten, fliederfarbenen Schleim vom Autopsietisch schrubbte. Er hasste Owen, der diese Schweinerei hinterlassen hatte, anstatt selbst sauber zu machen.

„Und ich dachte, du machst das alles für den Bonus“, ertönte Jacks Stimme hinter – oder genauer gesagt – über ihm.

„Welchen Bonus?“ Er sah hoch zu ihm.

„Sex mit dem Boss“, erwiderte Jack mit einem Grinsen.

Ianto versteckte sein Lächeln hinter einem Husten. „Natürlich, rede dir das nur weiter ein“, entgegnete er trocken und wandte den Kopf, um Jacks Weg die Stufen zur Medbay herunter zu verfolgen.

Jack bedachte ihn mit einem dieser Blicke, bei denen Ianto nie wusste, ob die Unsicherheit und die Fragen in ihnen echt oder nur gespielt waren. Jack war nie unsicher, oder?

Dann trat Jack zu ihm, schlang die Arme um seine Mitte und presste ihre Körper aneinander, bevor er ihn in den Nacken küsste. „Wie wäre es dann mit einer Gehaltserhöhung?", flüsterte er in Iantos Ohr und er lachte, gleichzeitig nicht in der Lage, ein Erschauern zu unterdrücken.


-= -= -

„Daddy, ich bin müde", quengelte Sean und Ianto hob ihn auf die Schultern, nur um festzustellen, dass sein Sohn mit fast fünf Jahren langsam zu groß dafür wurde.

„Schon okay, siehst du, wir sind fast Zuhause." Er deutete auf das Straßenschild an der Ecke, wo Rani mit ihrer einjährigen Tochter Khalinda auf ihn wartete. Dieses Leben - eine Frau, Kinder, ein langweiliger aber völlig ungefährlicher Job - er hatte nie gewusst, dass er es wollte. Er hatte geglaubt, Torchwood und Jack - untrennbar miteinander verbunden - wären gewesen, was er wollte.

Bis Jack ihm die Entscheidung aus den Händen nahm und Ianto der erste Torchwood-Angestellte wurde, der seinen Job mit intakten Erinnerungen verließ... oder lebendig, was das betraf.

Es hatte weh getan, am Anfang. So weh wie Lisa zu verlieren, so wie Jack nach Abaddon tot zu sehen. Aber im Laufe der Zeit sah er ein, dass Jack recht hatte – es war nicht das richtige Leben für ihn. Was zwischen ihnen gewesen war… er begann zu glauben, was Jack ihm gesagt hatte: ein wenig weit gegangene Heldenverehrung; Iantos Angst nach Lisa Tod, alleine zu sein und Jacks… Aufgeschlossenheit… waren keine Beziehung. Er sah ein, dass Jack ihn mochte, dass er sich um ihn sorgte, dass er wichtig für ihn war – aber er ihm nicht die emotionale Sicherheit, keine stabile Beziehung bieten konnte, die Ianto brauchte. Tosh half ihm, wieder in den Datenbanken zu erscheinen, aus denen er mit seinem Eintritt in Torchwood verschwunden war, und er hatte plötzlich eine Vergangenheit. Jack bugsierte ihn in den SUV und überraschte ihn am Ende der Fahrt mit einer vollständig eingerichteten Wohnung – in Newport, wo Ianto aufgewachsen war, doch in einer besseren Wohngegend. Dann kam sein letzter Tag bei Torchwood und er verabschiedete sich von seinen Freunden und blieb alleine mit Jack im Hub. Er sagte „ja“, als Jack ihn fragte, ob er wirklich sicher sei; ob er dieses neue Leben wollte und keiner von ihnen schlief in dieser Nacht, die er in Jacks Armen, in seinem schmalen Bett im Bunker unter seinem Büro verbrachte.

Jack besuchte ihn anfangs, vielleicht einmal im Monat, um zu sehen, wie er zurechtkam. Aber er blieb nie lange und Ianto bat ihn nie darum. Als er Rani kennen lernte, sie einander näherkamen und schließlich zusammenzogen, wurden Jacks Besuche seltener und blieben schließlich ganz aus. Sie heirateten an einem eiskalten, aber klaren Dezembertag und Gwen, Owen und Tosh feierten mit ihnen – Jack wurde mit keiner Silbe erwähnt. Ein Jahr später kam Sean zur Welt und dann machte Khalinda ihre kleine Familie komplett.

Er dachte kaum noch an sein altes Leben; es schien so fern wie ein halb vergessener Traum. Nur an einem Tag kam alles zurück; am Abend vor seinem Geburtstag, wenn Jack ihn besuchte.

Heute war dieser Tag. Ianto spürte die Karte in seiner Tasche, die er am Morgen im Briefkasten gefunden hatte. Es war eine billige Geburtstagskarte, wie man sie an jedem Zeitschriftenstand und in jedem Schreibwarengeschäft bekam. Auf der Innenseite stand nur eine Uhrzeit, nicht mehr.

Er half Rani die Kinder ins Bett zu bringen, küsste sie und ging dann – sie wusste, dass er sich immer an diesem Abend mit einem alten Freund traf. Ianto ging langsam die Straße entlang, die Hände in die Hosentaschen geschoben, bis neben ihm ein schwarzer SUV anhielt.

###

Ianto Jones führte ein normales Leben, bis er kurz vor seinem vierundachtzigsten Geburtstag starb, umgeben von seinen Kindern und Enkeln. Niemand wusste, wer der Fremde mit den harten blauen Augen und dem grauen Militärmantel war, der die Beerdigung nur von weitem beobachtete.


-= -= -


„Jack?“ Ianto verließ seinen Posten an der Tür zu Jacks Büro und trat zu ihm, als Jack nicht auf Ansprache reagierte.

Jack saß vornüber gebeugt in seinem Stuhl, er hielt etwas das metallisch schimmerte zwischen den Handflächen, und der Blick seiner Augen schien in die Ferne zu gehen.

Ianto ging vor ihm in die Hocke und versuchte das Medaillon, das Jacks Aufmerksamkeit so gefesselt hielt, aus seinen Fingern zu lösen – und wich zurück, als Jack abrupt seine Hand wegzog und das Medaillon in die Tasche schob. „Fass‘ das nicht an!“

„Okay.“ Ianto stand auf, doch er kam nicht weit, als Jack sein Handgelenk ergriff.

„Es tut mir leid.“ Jack rollte den Stuhl zurück, so dass Ianto zwischen ihm und dem Schreibtisch Platz fand. „Das… das ist etwas, dass du nicht sehen darfst.“

„Ein Artefakt?“ Ianto lehnte sich zurück, verschränkte die Arme vor der Brust. Er wusste, dass manchmal Dinge durch den Rift kamen, die Jack von ihnen fernhielt – meist weil sie zu gefährlich waren.

„Eine Möglichkeit, einen Blick in die Zukunft zu werfen. Es funktioniert wie ein Orakel, man stellt eine bestimmte Frage und bekommt eine mögliche Version der Zukunft zu sehen. Aber es ist nicht sehr zuverlässig.“ Jack sah zu ihm auf, doch Ianto bemerkte, dass sein Lächeln seine Augen nicht erreichte.

„Was wolltest du wissen?“, fragte er, und streckte die Hand aus, um die Fingerspitzen an Jacks Unterarm entlang zu streichen, bis er seine nun leere Handfläche erreichte.

„Es war nicht wichtig“, sagte Jack, hielt seine Hand fest und zog ihn an sich, als er aufstand. „Bleibst du heute Nacht hier?“

Ianto nickte. „Wo sollte ich sonst sein”, sagte er und küsste Jack.


Ende



A/N: Das Medaillon habe ich aus “2.12 Fragments” geborgt.

 

Titel: Ein normaler Tag in Cardiff
Autor: Lady Charena (Juni 2010)
Fandom: Torchwood
Episode: Staffel 2
Wörter: ~ 1.100
Prompt: Ladies first!
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, OC
Pairing: Jack/Ianto
Rating:  AU, pg12, slash, oneshot
Beta: T‘Len
Archiv: ja


Summe: Wieso, fragte sich Ianto Jones, passierten diese Dinge immer ihm?

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Oder um mit Stephen Fry zu sprechen: Not one word of the following is true.



Wieso, fragte sich Ianto Jones, passierten solche Dinge immer ihm?

Er hatte den Hub nur für eine halbe Stunde verlassen, um vor der nachmittäglichen Kaffeerunde ein paar Sachen einzukaufen. Die Tragetüte mit seinen Einkäufen in der Hand, trat er gerade aus dem Minimarkt um die Ecke vom Hub, als er die beiden Jungen auf der anderen Seite der Straße bemerkte. Sie steckten die Köpfe zusammen und schienen über etwas zu beraten. Er schenkte ihnen keine besondere Aufmerksamkeit, in Gedanken bei der Sektion des Archives, mit dessen Neuorganisation er gerade begonnen hatte und vielleicht auch ein kleines bisschen bei dem Vorschlag, den Jack ihm ins Ohr geflüstert hatte, bevor er ging.

Eine Frau eilte über die Straße, und Ianto trat automatisch zur Seite, um Platz zu machen, denn sie schien so in die Unterhaltung vertieft, die sie am Handy führte, dass sie kaum darauf achtete, wohin sie ging. Dabei sah er – mehr aus den Augenwinkeln – dass einer der beiden Jungen etwas in den Händen hielt, das aussah wie eine der Laserkanonen, die zu einer 3D-Spielkonsole in der Video-Arkade gehörten. Irgendjemand machte sich einen Spaß daraus, die Dinger zu stehlen und sie hatten bereits drei davon als vermeintliche Alien-Tek eingesammelt. Er machte sich eine mentale Notiz, PC Andy einen Tipp zu geben, als er sah, dass der Teenager auf die Frau zielte und dabei BANG, BANG rief. Doch das freudlose Lächeln über ihre Naivität, das für einen Moment um seine Lippen gespielt hatte, verschwand als er sah, dass das Ding in den Händen des Jungen aufleuchtete wie ein Weihnachtsbaum. Es gab eine Mischung aus Klick- und Zischgeräuschen von sich, und glühte dann auf. Der Junge ließ es fallen und starrte es an, als hätte es ihn gebissen – sein Freund sammelte es auf, packte seinen Kumpel an der Jacke und die beiden rannten davon.

Ianto hätte dem ganzen keine weitere Bedeutung zugeschrieben, wenn die Frau mit dem Handy nicht immer noch am gleichen Fleck gestanden hätte, nur dass ihre Haut jetzt grün war. Sie blinzelte, ein- zwei Mal, sah Ianto an – und ließ ihr Handy fallen, als ihre Hände zum Mund flogen und sie begann, zu schreien.

Er seufzte und zog sein Handy aus der Jackentasche um Jack anzurufen.

###

Owen gelang es mit Gwens Hilfe, die Frau zu überzeugen, dass sie eine Allergie auf einen Farbzusatz im Essen hatte und als nach einigen Stunden ihre Hautfarbe wieder normal war, kurierte sie eine Dosis Retcon völlig.

Es war der leichtere Teil und davon erfuhr er erst nach ihrer Rückkehr. Ianto hatte kaum Zeit, Gwen die Tüte mit seinen Einkäufen in die Hand zu drücken, als Jack sich ihn schnappte und sie sich an die Verfolgung der beiden Teenager machten.

Toshs Scanner und Jacks Wriststrip führen sie zu einem verlassenen, halb zerfallenen Haus, und sie gelangten durch eine Lücke in dem Bauzaun, der es umgab, auf das Gelände. Jack blieb mit seinem Mantel an einem vorstehenden Nagel hängen und Ianto war nicht besonders glücklich über den Zustand seiner Schuhe – doch das wurde rasch zweitrangig, als sie die beiden Jungen fanden. Und etwas, von dem Jack später erklärte, dass er glaube, dass es sich um eine Rettungskapsel eines Raumfrachters oder einer Vergnügungsjacht handelte. Sie hatten keine Gelegenheit es sich genauer anzusehen, denn was immer das ovale Objekt im ehemaligen Wohnzimmer des Hauses war, es gab das gleiche Leuchten und Glühen und die gleichen Klick- und Zischgeräusche ertönten, wie vor dem Minimarkt. Nur kamen sie nicht von der Waffe – oder was immer es auch gewesen war, dass die Jungs gefunden hatten – kamen, sondern von dem Ding auf dem Fußboden. Von den beiden Teenagern war keine Spur zu sehen, obwohl Ianto in einer Ecke des Raumes ihre Schultaschen einsammelte.

Und dann kam plötzlich ein Ton von Jacks Wriststrap, der Iantos Haare im Nacken zu Berge stehen ließ, als das Klicken und Zischen lauter und das Leuchten und Glühen hektischer wurden. Noch beunruhigender war, wie Jack ihn am Arm packte und ihn mit einem „Ladies first“ durch die Tür schob, und ihn dann förmlich hinter sich her zerrte. Bevor er fragen konnte, was vor sich ging – sie hatten gerade den Bauzaun erreicht – als Jack ihn mit dem Gesicht zuerst gegen besagten Zaun presste. Bevor Ianto sich über die Splitter in seiner Wange beklagen konnte (und was besagte es, das er sich bei weitem nicht zum ersten Mal in dieser Position wiederfand?) tönte hinter ihnen, im Inneren des Hauses, eine Explosion und Schutt regnete auf sie hinunter.

Sobald sich Jacks Griff um ihn etwas lockerte, drehte sich Ianto um und sah Jack an. „Was war das?“

„Ich habe keine Ahnung.“ Jack hielt ihn nach wie vor gegen den Zaun gepresst. „Vielleicht haben sie irgendeinen Sicherheitsmechanismus ausgelöst.“

„Die Jungs! Wenn sie noch da drin…“

„Waren sie nicht“, beruhigte ihn Jack. „Niemand außer uns war in dem Gebäude, vermutlich sind sie auf der anderen Seite raus.“ Seine Hände glitten über Ianto. „Bist du okay?“

„Ja, mir ist nichts passiert.“ Er sah über Jacks Schulter auf das Haus, das jetzt definitiv mehr als baufällig war. „Wir werden Tage brauchen, um das aufzuräum… Jack!“ Die Hände seines Lovers waren inzwischen definitiv nicht mehr damit beschäftigt, ihn auf mögliche Verletzungen zu untersuchen. Und da war noch genug Adrenalin in seinem Kreislauf, dass er sich nicht daran störte. Ianto ließ die Schultaschen, die er nach wie vor in der Hand hielt, fallen und griff stattdessen nach Jacks Nacken, um ihn zu küssen.

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Nachdem ihre Aktivitäten zur Stressbewältigung rüde vom Eintreffen der Feuerwehr und Polizei unterbrochen wurden und während Jack die Torchwood-Karte ausspielte und sich mit den Verantwortlichen anlegte, sah sich Ianto die Schultaschen näher an und fand die Adressen der beiden Jungen heraus.

Zwei Besuche - und einige Dosen Retcon – später, holte Owen sie mit dem SUV ab, weil Jack es für unter seiner Würde befand, ein Taxi zum Plas zu rufen und beklagte sich den ganzen Rückweg über bitterlich darüber, dass sie aufhören sollten, sich auf dem Rücksitz wie Teenager zu benehmen…

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Gwen hatte ihre unfreiwillige Zeugin nach Hause gebracht, Tosh und Owen hatten Feierabend gemacht, als Ianto die Tür von Jacks Büro hinter sich schloss und sich dagegen lehnte. Er verschränkte die Arme vor der Brust und starrte Jack so lange an, bis der aufsah, eine Augenbraue fragend hochgezogen.

„Ladies first? Wirklich?“, fragte Ianto trocken.

„Uh… Entschuldigung?“, bot Jack mit einem Grinsen an.

„Ich hoffe, du lässt dir noch etwas Besseres einfallen.“

Jacks Augen leuchteten auf. „Wieso fährst du nicht nach Hause und ich komme in einer Stunde zu dir und ich entschuldige mich ordentlich?“

Ianto wandte sich ab, um zu gehen. „Mach‘ fünfundvierzig Minuten draus und ich ziehe es in Erwägung“, warf er über die Schulter zurück, bevor er das Büro verließ.

Nur ein normaler Tag in Cardiff.


Titel: Dying changes everything
Autor: Lady Charena (Juni 2010)
Fandom: Torchwood
Episode: Season 1
Wörter: ~ 1280
Prompt: Coffeemaker’s Nightmare
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones
Pairing: Jack/Ianto
Rating: AU, pg12, slash, oneshot
Beta: T‘Len
Archiv: ja


Summe: Ein Was-Wäre-Wenn-AU-Szenario...
Was wäre, wenn Jack bereits vor den Ereignissen in „1.13 End of Days“ stirbt und Ianto Zeuge davon wird? Sagt er ihm die Wahrheit?
A/N: Schuldig! Ich habe den Titel bei „House“ geähem… borgt? ;)

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Oder um mit Stephen Fry zu sprechen: Not one word of the following is true.




„Bist du sicher, dass ich Owen nicht anrufen soll?” Ianto half seinem Captain, sich hinter den Schreibtisch in seinen Stuhl zu setzen. „Willst du dich nicht lieber hinlegen? Was ist, wenn dieses Ding giftig war?“

Weder Jacks Erinnerungen noch die Datenbanken hatten einen Namen für das Alien hergegeben, dass der Rift ausgespuckt hatte. Offenbar war es nicht nachtaktiv und verwirrt von dem Mangel an Licht, war es Ianto schließlich gelungen, es mit einem von noch von Suzie entwickelten Spezialnetz einzufangen und in einen Behälter zu sperren.

Allerdings nicht, bevor es Jack stechen konnte.

Das Geschöpf war fast so groß wie Iantos Kopf und abgesehen von der verschiedenen Färbung zeigte es sehr viel Ähnlichkeit mit einer normalen, irdischen Wespe. Obwohl es kein hörbares Geräusch von sich gab, vibrierten die Wände des Plastikcontainers und Ianto konnte spüren, wie sich die Haare an seinen Armen aufrichteten, als er den Behälter berührte.

Jack schüttelte den Kopf. „Es geht mir gut.“ Eine Lüge... Nein, er sagte sich, es war mehr eine Untertreibung, als eine Lüge. Das Gift brannte, als es sich mit jedem Herzschlag weiter in seinem Körper verteilte. Er wusste, dass Owen ihm nicht hätte helfen können, selbst wenn er ihn sofort nach dem Stich behandelt hätte. Er wusste, dass er in ein paar Minuten sterben würde. Nun, glücklicherweise war das kein dauerhafter Zustand... da war nur das Problem Ianto.

Ianto wusste nichts von seinen... einzigartigen... Fähigkeiten und für eine Erklärung war es inzwischen etwas zu spät. Andererseits konnte er auch nicht zulassen, dass Ianto ihn Sterben sah, selbst wenn es nicht von Dauer war. Ihre Beziehung... oder wie immer sie das nennen wollten... war zu neu, zu fragil, für diese Art von Wahrheit.

Wenn Ianto nur zehn Minuten aus seiner Nähe verschwand, hatte er genug Zeit, um das Gift seine Wirkung tun zu lassen und wieder zurück zu kommen. „Warum sorgst du nicht dafür, dass unser Gast sicher untergebracht ist, bis ihn sich Owen morgen vornehmen kann – nur für den Fall, dass da draußen noch mehr auftauchen?“ Jacks Gedanken flogen, um mit einer Erklärung aufzukommen, die Ianto weder misstrauisch machen noch beunruhigen würde. Die Suche sollte ihn für eine Weile in den unteren Level des Hubs festsetzen.

„Bist du sicher?“, fragte Ianto erneut. „Du hast Schweißperlen auf der Stirn.“

„Ich bin sicher. Mir ist nur ein wenig warm.“ Jack lächelte und ließ die Augen an Ianto auf und ab wandern. „Und ich weiß, wer dafür verantwortlich ist“, sagte er mit einem Unterton, der dazu führte, dass Iantos Wangen rot wurden. „Und wenn du mir auf dem Rückweg eine Tasse deines himmlischen Kaffees mitbringen könntest?“

„Natürlich.“ Ianto zögerte einen Moment, beugte sich dann vor und küsste ihn unerwartet, bevor er aus Jacks Büro eilte.

Jack holte tief Luft, schloss die Augen und ließ sich gegen die Rückenlehne zurücksacken. Er hasst diesen Teil...


###


Ianto kam mit zwei Tassen Kaffee – er war ohnehin zu aufgedreht als dass er an Schlaf denken konnte – kaum zehn Minuten später in Jacks Büro zurück. Sein perfektes Gedächtnis und die Tatsache, dass er den Hub inzwischen in- und auswendig kannte, hatten ihm geholfen, mit ihrem „Gast“ schnellstmöglich fertig zu werden. Das Geschöpf steckte in einem versiegelten Container, in dem es genug Luft bekam. Auf Futter musste es warten, bis Owen mehr über seine Physiologie herausgefunden hatte. Die Kaffeemaschine könnte er notfalls im Schlaf bedienen und so war er rascher als vermutet auf dem Weg zu Jack. Er konnte nicht verhindern, dass er immer noch darüber besorgt war, dass Jack es so abtat, dass er gestochen worden war.

Jack lehnte in seinem Stuhl zurück, die Augen geschlossen, als Ianto die Tassen auf den Schreibtisch stellte. Der Geruch des Kaffees würde ihn sicher wecken... Doch entgegen seiner Annahme, rührte sich Jack nicht.

Ein ungutes Gefühl breitete sich in Iantos Magen aus und er trat um den Tisch, um sich neben Jack zu stellen und eine Hand auf seine Schulter zu legen. „Sir? Jack?“

Keine Reaktion.

Ianto schluckte und schüttelte ihn leicht. Sicher schlief Jack nur besonders tief. Sie waren seit dem Morgengrauen unterwegs gewesen. Sogar er musste irgendwann erschöpft sein. „Jack... Jack?“

Wieder nichts.

Er beugte sich über seinen Captain, tastete an seinem Hals nach dem Puls und fand nichts als kalte, klamme, schweißnasse Haut. Seine Hand glitt von Jacks Kehle weg, legte sich auf seinen Brustkorb – der aufgehört hatte, sich zu Heben und zu Senken.

Jack atmete nicht.

Jack war... tot.

Er sollte irgendetwas tun. Aber Ianto konnte sich nicht rühren. Es war, als wäre die Welt um ihn herum zusammengebrochen und als seine Knie nachgaben, sackte er in sich zusammen wie ein Ballon aus dem die Luft entwich – der Schreibtisch in seinem Rücken das einzige, was ihn aufrecht hielt. Er war zu geschockt, um zu denken, zu fühlen, zu... Es war reiner Automatismus, der mit jedem Atemzug weiter Sauerstoff in seine Lungen zwang.

Langsam streckte er die Hand aus, berührte Jacks Wange, seine Schulter; schüttelte ihn erneut, nur um dann sein Gesicht mit beiden Händen zu umschließen und seine Stirn gegen Jacks zu pressen.

...bitte nicht, bitte nicht, Jack, bitte nicht, ich kann es nicht noch einmal ertragen, jemanden zu verlieren...

„Bitte, Jack, bitte...“ Er war sich nicht bewusst, dass er die Worte tatsächlich murmelte, als er das Gesicht gegen Jacks reglosen Brustkorb presste...

...als Jack abrupt auffuhr und nach Luft schnappte.

Ianto taumelte vor Schreck rückwärts, stolperte über seine eigenen Füße und landete unsanft auf dem Boden. Mit weiten Augen starrte er zu Jack hoch, der blinzelte und sich dann mit der Hand übers Gesicht rieb. „J-Jack?“

Erst jetzt schien der andere Mann zu bemerken, dass Ianto im Raum war.


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Jack fluchte stumm, als er Iantos blasses Gesicht, die schreckgeweiteten Augen und die Tränenspuren auf seinen Wangen sah. Offenbar hatte er sich verkalkuliert und entweder das Sterben oder der Zurückkommen-Teil hatte länger gedauert. Er stand auf, ruckartig genug dass der Stuhl ein Stück nach hinten rollte, und kniete sich neben Ianto auf den Boden, zog ihn auf und in eine Umarmung. „Es ist alles in Ordnung. Hey, komm’, nicht so schlimm.“ Er drückte ihn eng an sich, spürte Ianto zittern und presste einen Kuss auf sein Haar. „Es ist alles in Ordnung.“

„Ich... ich... dachte du wärst t-t-tot“, flüsterte Ianto.

Er wusste, dass es der Moment war, die Wahrheit zu sagen - Ianto zu vertrauen.

Jack… ließ ihn verstreichen.

„Ich bin nicht so leicht umzubringen“, sagte er, Iantos Gesicht gegen seine Schulter haltend, so dass ihn der junge Mann nicht ansehen konnte. „Du hast dich geirrt.“

„Aber... du hattest keinen Puls. Ich habe deinen Puls gefühlt und da war nichts. Und du hast nicht geatmet.“

„Das muss... das Gift gewesen sein.“ Jack zog ihn mit sich auf die Beine, als er aufstand. „Irgendeine Art von vorübergehender Lähmung oder so etwas. Aber jetzt bin ich wieder okay. Siehst du? Eindeutig atmend.“ Er lächelte, als Ianto den Kopf hob. „Und ich habe definitiv einen Puls.“ Er nahm Iantos Hände und führte ihn zu der Luke, die nach unten in seinen Bunker führte. „Bleib‘ heute Nacht hier und ich beweise dir, wie lebendig ich bin…“


# # #


Trotz den leichthin gesprochenen Worten, es geschah nicht mehr zwischen ihnen in dieser Nacht. Er schickte Ianto unter die Dusche und gesellte sich nach einem Moment zu ihm. Das heiße Wasser und die seidene Haut unter seinen Händen vertrieben die Kälte und Schatten, die das Gift und seine Wiederbelebung hinterlassen hatten und den verstörten Ausdruck aus Iantos Gesicht.

Später, in seinem engen Bett, dass ihnen keine andere Wahl ließ, als eng aneinander gepresst zu schlafen, Iantos Rücken gegen seine Brust geschmiegt, ihre Beine ineinander verschlungen, vergrub er sein Gesicht in Iantos Nacken und das Bedauern über das, was passiert war, tief in seinem Bewusstsein.


Ende

 

Titel: Lethe
Autor: Lady Charena (Juli 2010)
Fandom: Torchwood
Episode: Season 1 (1.4 Cyberwoman)
Wörter: ~ 1200
Prompt: buy me a drink (sorry, the pubs are all out of Lethe)
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones
Pairing: Jack/Ianto pre-slash
Rating: AU, pg, pre-slash, oneshot
Beta: T‘Len
Archiv: ja


Summe: Jack findet heraus, was Ianto an seinem ersten freien Tag nach der Suspendierung unternimmt.
A/N: Tagetes: Beet- und Schnittblume, auch Studentenblume, Sammetblume, türkische Nelke oder Totenblume genannt (Wikipedia). In der viktorianischen Blumensprache drückt sie Schmerz und Trauer aus.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Oder um mit Stephen Fry zu sprechen: Not one word of the following is true.


„Wie heißen sie?”, fragte eine vertraute Stimme hinter ihm. „Ich bin sicher, ich habe diese Blumen schon hundertmal gesehen, aber nie darüber nachgedacht, wie sie heißen.“

Ianto zögerte mit einer Antwort, scheinbar völlig darin vertieft, seine Hände abzuwischen. „Tagetes“, sagte er schließlich. „Ich… bin fast fertig, Sir.“

„Sie sind sehr… orange.“ Ein Augenblick Stille. „Weißt du, ich war neugierig, wie du deinen ersten freien Tag seit Wochen verbringen würdest.“

Eine Hand legte sich auf seine Schulter, drückte sie leicht, und für einen Moment lehnte Ianto sich in die Berührung, bevor er sich erinnerte, dass er kein Recht mehr dazu hatte, und zurückwich. Die Hand glitt von seiner Schulter. Er stand auf, so dass es wie ein Zufall aussah.

„Das war nicht ganz, was ich mir vorgestellt habe.“

„Kann ich etwas für dich tun?“, fragte Ianto und riskierte einen Seitenblick auf Jack. Er registrierte die steife Haltung seiner Schultern, die in die Taschen seines Mantels vergrabenen Hände. „Ist irgendetwas passiert?“ Er zog sein Handy aus der Innentasche seines eigenen Mantels und sah auf das Display. Nein, er hatte nicht vergessen, es ein zu schalten und es zeigte weder verpasste Anrufe noch Textnachrichten an. „Brauchst du mich im Hub?“

„Entspann‘ dich, Ianto. Das ist kein Notfall.“

Jack wandte sich ihm zu und der junge Waliser richtete den Blick sofort zurück auf den Boden. Als der Captain nicht weitersprach, kniete er sich wieder hin und machte sich wieder an die Arbeit.

Ianto… was machst du hier?“

„Ich pflanze Blumen auf ein Grab.“ Genauer gesagt, war er damit bereits fertig gewesen, als Jack unvermittelt auftauchte. Er begann, die kleinen Plastiktöpfe, in denen die Pflanzen eingetopft gewesen waren, einzusammeln und in eine Tüte zu packen.

„Das ist nicht deine Aufgabe.“

„Es ist etwas, das ich tun will.“ Er fand, dass es leichter war zu sprechen, wenn er Jack dabei nicht ansah. Und wozu auch – er konnte sich denken, wie der andere Mann reagierte. „Sie hat niemand sonst.“

„Ich sehe, was du tust. Du büßt. Ich war schon zu oft in dieser Situation.“

Ianto hob überrascht den Kopf, als Jack seine schmutzige Hand packte und ihn auf die Beine zog. „Ich…“

„Lass‘ uns etwas essen gehen.“ Jack ließ Iantos Hand los und griff nach der Plastiktüte.

„Aber ich bin noch nicht fertig“, protestierte der junge Mann.

„Ich warte beim Wagen auf dich.“

Erstaunt sah Ianto Jack nach, der auf dem Absatz kehrtmachte und den Friedhof verließ.

* * *

Erst als er auf dem Beifahrersitz des SUV saß, dachte Ianto an sein eigenes Auto. Und beschloss, dass es gut dort aufgehoben war, wo es stand. Er konnte Tosh bitten, ihn später her zu fahren. Oder ein Taxi nehmen. Nicht, dass Jack sich darum Gedanken zu machen schien. Er startete den Wagen, noch bevor Ianto die Tür völlig geschlossen hatte.

* * *

Keine halbe Stunde später saßen sie sich in einem Pub gegenüber. Sie waren am Ende des Lunch-Ansturms angekommen und das Lokal leerte sich langsam, daher hatten sie eine der Fensternischen erobert.

Jack hatte ihn gefragt, was er trinken wolle und ein müdes Lächeln lag für einen Moment um seine Lippen, als Ianto leise: „Lethe“ antwortete.

Er war mit zwei Gläsern Wasser zurückgekommen und ein paar Minuten später stellte eine ältere Frau mit abgearbeiteten Händen zwei Schalen mit Suppe und einen Teller mit Sandwiches zwischen sie auf den Tisch.

Sie kamen selten in den Genuss einer Mahlzeit, die nicht aus einem Karton oder Container kam oder in der Mikrowelle aufgewärmt worden war, und doch brachte Ianto es kaum über sich, mehr als ein paar Bissen zu essen. Seine Kehle war wie zugeschnürt.

Jack schlang wie üblich sein Essen hinunter, und Ianto fragte sich unwillkürlich, ob er auch nur daran gedacht hatte, zu essen, seit Ianto am Vortag das Mittagessen für das ganze Team orderte.

Als er den Blick des jüngeren Mannes bemerkte, hob Jack sein Glas und trank einen Schluck. „Wenigstens ist es Wasser“, sagte er. „Wenn es auch nicht…“ Sein Wriststrap gab ein Geräusch von sich und Jack brach ab. Einen Moment darauf summte sein Handy in den Tiefen seines Mantels. Der ältere Mann schloss kurz die Augen und ein Schatten glitt über sein Gesicht, bevor er das Handy aus der Tasche fischte und einen Blick aufs Display warf. „Ein Weevil. Mitten am Tag?“

Ianto schob seinen Stuhl zurück und stand auf. „Ich komme mit.“

„Nein.“ Jack stand ebenfalls auf und deutet auf ihr unterbrochenes Mahl. „Du hast noch nichts gegessen.“ Er fuhr sich durch die Haare. „Dein Wagen…“

„Ich nehme ein Taxi.“ Obwohl ihm Jacks Auftauchen auf dem Friedhof zuerst nicht willkommen gewesen war und er ihn mehr oder weniger zum Essen zu nötigen versuchte, alleine zu sein war schlimmer. „Ich lasse mir eine Quittung geben und reiche sie als Spesen ein“, setzte er mit einem kleinen Lächeln hinzu.

Jack streckte die Hand aus, seine Fingerspitzen strichen über Iantos Mundwinkel. „Besser“, stellte er fest, bevor er die Hand wieder sinken ließ.

Ianto spürte seine Wangen heiß werden und hoffte, dass er nicht zu offensichtlich errötete – ohne sagen zu können, ob es von Jacks Berührung herrührte oder davon, dass er es mitten in einem Pub tat, wo jeder sie sehen konnte.

„Ich… ich muss gehen.“ Wie aufs Stichwort summte sein Handy mit einer neuen Textnachricht. „Wenn es der Rift zulässt… erlaubst du mir, dich heute Abend zu besuchen? Ich komme zu dir.“

Für einen Moment wusste Ianto nicht, was er sagen sollte. Jack fragte ihn um Erlaubnis? Jack, der einen Monat lang in seiner Wohnung ein- und ausgegangen war, wie es ihm gefallen hatte? Egal ob mitten in der Nacht oder mitten am Tag… Er nickte.

Jack lächelte. „Gut.“ Er zog ein paar Geldscheine aus der Tasche, legte sie auf den Tisch  und wandte sich zum Gehen. Nach ein paar Schritten sah er über die Schulter zurück. „Ich meinte das ernst, du musst etwas essen. Es ändert nichts, ich spreche aus Erfahrung.“

Bevor Ianto etwas darauf erwidern konnte, war Jack weg.

* * *

Es war fast Mitternacht, als Jack die Tür zu Iantos Wohnung aufschloss und leise eintrat. Er hatte einige Zeit im geparkten SUV verbracht und mit sich selbst debattiert, ob er wirklich hier sein sollte – es war viel später, als er erwartet hatte. Noch bevor sie den Weevil gefunden hatte, kam ein neuer Alarm herein – nur Schrott, doch sie waren bis nach Anbruch der Dunkelheit mit einer Aufräumaktion beschäftigt gewesen.

Aus dem Wohnzimmer kam Licht und das Rauschen des Fernsehers. Jack warf einen Blick auf den Bildschirm, als er eintrat, doch da waren nur Schneegeriesel und das Blinken des DVD-Players, der das Ende des Filmes verkündete.

Ianto schlief. Er lag in einer gekrümmten Haltung auf dem Sofa, den Kopf auf den Arm gebettet, und Jacks Nackenmuskeln zuckten mitfühlend. Jack streifte seine Schuhe ab, legte seinen Mantel über einen Stuhlrücken und nahm neben dem schlafenden jungen Mann auf der Couch Platz. Vorsichtig, um ihn nicht aufzuwecken, arrangierte er ihn so, dass ihn seine Muskeln am Morgen nicht allzu sehr hassen würden und bettete Iantos Kopf in seinen Schoß, seine eigenen Beine auf den Kaffeetisch gelegt. Er ließ seine Finger durch Iantos kurzes, dunkles Haar gleiten. Wie gut er die Sehnsucht des jungen Mannes nach Vergessen verstehen konnte – aber er hatte schon zu lange gelebt, um nicht zu wissen, dass Lethe nur ein unerfüllbarer Wunsch blieb…

Ende

 

Titel: Simply Tosh
Autor: Lady Charena (Juni 2010)
Fandom: Torchwood
Episode: Staffel 2 (2.04 Meat)
Wörter: ~ 1300
Prompt: Darf ich dir mein Schlafzimmer zeigen?
Charaktere: Jack Harkness, Toshiko Sato
Pairing: Jack/Ianto
Rating:  AU, pg, slash, oneshot
Beta: T‘Len
Archiv: ja


Summe: Tosh versucht Jack etwas zu erklären, doch der ist leicht... abgelenkt. (angesiedelt direkt nach 2.04 Meat)
A/N: Titel ist eine Abwandlung des Slogans „simply champagne

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Oder um mit Stephen Fry zu sprechen: Not one word of the following is true.



„Jack?“

Tosh lehnte sich in ihren Stuhl zurück und nahm ihre Brille ab, um für einen Moment die Finger gegen den Nasenrücken zu pressen. Sie war sich nicht sicher, ob sie es amüsant oder ärgerlich finden sollte, dass Jack zum wiederholten Male ihren Worten absolut keine Aufmerksamkeit schenkte. Es fehlte nicht mehr viel und sie würde ihm vors Schienbein treten müssen, damit er sich endlich auf ihren Bildschirm konzentrierte.

Am Ende gewann das Amüsement und als sie ihre Brille wieder aufsetze, glitzerte es schelmisch in ihren Augen. „Jack, darf ich dir mein Schlafzimmer zeigen?“, sagte sie und ihre Stimme wich nicht eine Note von dem sachlichen Tonfall ab, mit dem sie in den letzten zwanzig Minuten versucht hatte, ihn für ihre Testreihen zu interessieren.

Jack drehte seinen Stuhl ruckartig nach rechts, so dass sein Blick Ianto folgen konnte, der mit einem Stapel Unterlagen im Arm und einer kleinen, steilen Falte der Konzentration zwischen den Augenbrauen an ihnen vorbeieilte. „Hmh, ja. Ich bin sicher, du hast alles im Griff, Tosh“, entgegnete er abgelenkt.

„JACK!“

Sie war sich nicht sicher, ob es die ungewohnte Lautstärke war oder ob es daran lag, dass Ianto durch die Rolltür verschwunden war – entweder nach unten in die Archive oder nach oben ins Tourismusbüro – doch als sich Jack ihr endlich zuwandte, hatte sie zum ersten Mal in den vergangenen Minuten den Eindruck, dass er sie tatsächlich sah.

„Ma’am?“ Jack zwinkerte ihr zu. „Ich fürchte, ich muss das Angebot ablehnen, Tosh. Ianto und ich haben schon etwas vor... außer du lädst uns beide zur Besichtigung deines Schlafzimmers ein. Ich denke, Ianto würde... aua!“ Noch bevor er den Satz beendet hatte, rieb Jack Harkness sein Schienbein, wo ihn Toshikos Stiefel getroffen hatte. „Wofür war das?“

„Du weißt genau, dass ich das nur gesagt habe, weil du zu beschäftigst damit warst, Ianto nach zu starren, um mir zuzuhören. Und das ist nicht, wie Owen es nennen würde.“

„Aber ich habe doch zugehört“, verteidigte sich Jack mit übertrieben gekränkter Miene.

Tosh lachte. „Ja, als ich mein Schlafzimmer erwähnte.“ Sie strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr zurück. „Du weißt, dass er sich nicht in Luft auflösen wird, nur weil du ihn für fünf Minuten aus den Augen lässt, oder?“, setzte sie wesentlich sanfter hinzu.

Jack sah sie einen Moment lang an, dann lehnte er sich in seinen Stuhl zurück und rieb eine Hand übers Gesicht. „Ich weiß“, erwiderte er. „Gott, ich bekomme das Bild nicht aus dem Kopf, wie er mich angesehen hat, als ihm dieser Kerl im Lagerhaus die Waffe an die Stirn hielt. Er dachte, er würde sterben. Er war sicher, er würde sterben und er hätte verdammt nochmal recht behalten, wenn nicht...“ Jack brach ab. Er musste das nicht noch einmal wiederholen. Tosh hatte schließlich direkt neben ihm gestanden. „Und ihn dann hinter den Brüdern her zu schicken... aber ich hatte keine andere Wahl. Owen war mit dem Betäubungsmittel beschäftigt; wir beide konnten uns nicht von der Stelle rühren, ohne zerquetscht zu werden und Gwen war praktisch nutzlos von dem Moment an, als sie Rhys hatten. Er war der einzige, der sie stoppen konnte.“

Sie musterte ihn, und für einen Moment war es, als zeige sich jedes einzelne Jahr seines langen Lebens in seinem Gesicht, in seinen nach unten gesackten Schultern. Und die Tatsache, dass er fluchte – was selten vorkam – sagte mehr als seine Worte. „Jack, du musst deine Entscheidungen nicht rechtfertigen“, entgegnete sie ruhig.

Blaue Augen - erfüllt mit einer Emotion die sie nicht identifizieren konnte und die sie ohnehin kein Recht hatte, zu kennen – suchten fragend ihre, als Jack den Kopf hob. „Ich wollte nichts mehr, als ihn da wegholen und ihn irgendwohin bringen, wo er sicher ist“, sagte er leise, fast zu leise als dass Tosh ihn über die Hintergrundgeräusche des Hubs hören konnte, obwohl er kaum einen Meter von ihr entfernt war. „Aber abgesehen davon, dass er mich das niemals tun lassen wird...“ Ein flüchtiges Lächeln glitt um Jacks Lippen, als er daran dachte, was Ianto zu dem, was er als  „Jacks Neigung mich in Watte packen zu wollen“ umschrieb, zu sagen hatte. „Ich darf ihn nicht bevorzugen wegen... dem was... zwischen uns ist.“

Tosh war überrascht über seine Worte, doch sie zeigte es nicht. Sie schwieg, drängte Jack nicht dazu, weiter zu sprechen, wie Gwen es unzweifelhaft getan hätte. Nicht, dass es sie etwas anging. Ihre Liebe zu und ihre Sorge um ihre Freunde gab ihr kein Recht, sich in ihr Privatleben zu drängen.

Und sie zog Stolz aus der Tatsache, dass sie bereits herausgefunden hatte, was dieses „was“ zwischen ihnen war, als die beiden Männer noch damit beschäftigt gewesen waren, den Kopf in den Sand zu stecken...

Aber sie konnte ihn in einem Punkt beruhigen. „Du behandelst jeden von uns bevorzugt. Gut, nicht auf die gleiche Weise. Ich bin sicher, Owen wäre nicht begeistert, wenn du anfangen würdest, ihn wie Ianto zu behandeln.“ Jack schnitt eine schmerzvolle Grimasse und Tosh lächelte. Ihr Gesicht wurde einen Moment später wieder ernst. „Und das hat damit angefangen, dass du uns ausgesucht hast, wir haben uns nicht gerade um diesen Job beworben.“ Vielleicht traf das nicht ganz auf Ianto zu. Vielleicht war er in gewisser Weise eine Ausnahme, doch Tosh ließ sich von diesem Gedanken nicht beirren. „Du lässt Owen zum Beispiel durchgehen, dass er oft zu spät kommt. Mir, dass ich meine Computer Menschen vorziehe und Gwen, dass sie nicht gerade selten mit dem Kopf durch die Wand will. Es zeigt uns, dass du uns liebst.“

Jack starrte sie einen Augenblick an als habe sie in einer fremden Sprache zu ihm gesprochen, dann sah Tosh ihn schlucken. Im nächsten Moment stand er vor ihr und beugte sich zu ihr hinab, um sie auf die Stirn zu küssen. „Danke, Tosh.“

„Jederzeit, Jack.“ Sie blickte zu ihm auf und hinter dem Brillenglas nahmen ihre Augen erneut ein schelmisches Funkeln an. „Ich denke, meine Testergebnisse brauchen noch eine kleine Überprüfung, bevor wir darüber sprechen. Gwen ist bei Rhys Zuhause, Owen wird frühestens in ein paar Stunden wieder einigermaßen menschlich sein und aus dem Bett kriechen und der Rift benimmt sich zur Abwechslung. Warum siehst du nicht zu, dass du Ianto von seinen geliebten Archiven loseisen kannst und ihr beide unternehmt irgendwas? Geh’ mit ihm Kaffeetrinken, Mittagessen, oder...“ Ihr Lächeln vertiefte sich. „...was immer dir sonst noch einfällt, was euch beiden Spaß macht. Ich halte hier die Stellung – und ich werde nicht zögern, Owen eigenhändig aus dem Bett zu zerren, Kater hin oder her, wenn ich Hilfe brauche.“

Jack zögerte, und sie konnte seine Unentschlossenheit förmlich sehen. Tosh machte eine Geste, als würde sie ihn in Richtung Rolltür schubsen.

„Bist du sicher?“

„Ich bin sicher“, sagte sie. „Wirklich. Wenn wir dich brauchen, weiß ich, wie ich dich finden kann. Technikgenie, erinnerst du dich?“

„Du bist brillant, Tosh - und das könnte ich nie vergessen.“ Jack wandte sich auf dem Absatz um und verschwand in sein Büro.

Ein paar Sekunden später tauchte er wieder auf, seinen Mantel über dem Arm. Als er an ihr vorbei ging, und sie zu ihm aufsah, eine weitere Frage danach erwartend, ob sie wirklich sicher war, ein paar Stunden ohne ihren Captain und ohne Iantos Kaffee auskommen zu können – überraschte er sie mit einem sanften Kuss auf den Mund. Definitiv keusch nach seinen Maßstäben (und dem nach, was sie auf den Bändern des CCTVs gesehen hatte, das eine oder andere entging Iantos Gründlichkeit), die Lippen geschlossen und der Druck gegen ihre leicht, fast flüchtig, während seine Finger ihre Wange liebkosten.

„Danke, Tosh“, sagte er, bevor er zurückwich und sich erneut zum Gehen wandte.

Oi, spar’ dir das für den teaboy, Harkness“, rief sie ihm hinterher und gab sich alle Mühe, wie Owen zu klingen. Und zu hoffen, dass ihre Wangen nicht rot waren...

Jack winkte und verschwand durch die Rolltür. Tosh lehnte sich in ihren Stuhl zurück und lächelte, während sie ihre Finger wie liebkosend über den Rand der Tastatur streifen ließ. Sie könnte nun in Ruhe mit ihrer Arbeit fortfahren. Oder... sie warf einen Blick auf ihre Uhr und ihr sanftes Lächeln verwandelte sich in etwas beinahe diabolisches, als sie ihr Handy von der Arbeitsfläche nahm und Owens Nummer wählte...

Ende

 

Titel: Rip off the roof and stay in bed
Autor: Lady Charena (Juli 2010)
Fandom: Torchwood
Episode: Staffel 2
Wörter: ~ 900
Prompt: It’s raining men (Yes, THE song)
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones
Pairing: Jack/Ianto
Rating:  AU, pg12, slash, oneshot
Beta: T‘Len
Archiv: ja


Summe: Nach einer langen Nacht hat Ianto keine Lust aufzuwachen.
Jack… versucht seine Meinung zu ändern. (PWP-ish, Fluff-ish)
Anmerkung: Auf besonderen Wunsch meiner besten Freundin.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Oder um mit Stephen Fry zu sprechen: Not one word of the following is true.




Ianto befand sich in der Dämmerphase zwischen Schlafen und Wach sein, als das Gefühl von warmen Fingerspitzen in sein Bewusstsein drang, langsam an der Seite seines Gesichtes entlang streichend. Sie verschwanden, und tauchten gleich darauf wieder auf, um seine Lippen zu umranden.

Er drehte sich von der Berührung weg, vergrub sein Gesicht ins Kissen. „Nicht schon wieder, Jack“, murmelte er. „Ich brauche ab und zu Schlaf.“ Er versuchte die Hand weg zu schieben, die Kreise auf seinen Handrücken malte. „Später.“

„Es ist später“, kam es amüsiert von Jack.

„Hm-mh.“ Seine Stimme war rau vom Schlaf und seine Augenlider fühlten sich schwer wie Blei an. „Noch später.“ Er spürte Jack näher lehnen, aber er wirklich, wirklich müde. „Jack, ich meine das ernst. Kümmer‘ dich unter der Dusche darum, ich mach‘ es später wieder gut…“

Er hörte Jack leise lachen. „Schon wieder dieses Wort: ‚später‘. Du hast plötzlich eine besondere Vorliebe dafür“, sagte er.

Die Finger waren zurück, dieses Mal in seinem Haar. Ianto zwang seine Augen auf, entschlossen Jack die Meinung zu sagen… aber die Worte kamen nie über seine Lippen.

Jack lag neben ihm, auf einen Ellbogen gestützt und seine Aufmerksamkeit schien darauf gerichtet, wie die Finger seiner freien Hand durch Iantos Haar glitten.

Wesentlich wacher nun, lehnte sich Ianto in die Berührung zurück; seine Haut prickelte unter Jacks sanfter Massage, und als die Finger in seinen Nacken glitten, konnte er ein Erschauern nicht unterdrücken. „Mmmmh…“

„Hey.“ Jack lächelte, als er ihn ansah. „Wach?“

„Lass‘ mich in Ruhe, Jack.“ Die Reste seiner Entschlossenheit dieses Mal nicht einfach so nachzugeben um sich raffend, rollte sich Ianto auf den Rücken. Er spürte seinen verräterischen Körper bereits unter Jacks Berührungen sehr wachwerden, und er wusste, in ein paar Minuten würde es ihm egal sein, wie spät oder wie früh es war, aber er musste wenigstens etwas Widerstand aufbringen… Jack war ohnehin schon stolz genug darauf, dass er ihn mit einem Blick hart machen konnte.

Ein einzelner Finger glitt seinen Arm entlang, hinterließ eine Gänsehaut.

„Es ist Zeit zum Aufstehen.“ In Jacks Stimme schwang Bedauern mit. „Torchwood wartet auf niemand. Wir könnten…“

„…weiterschlafen?“, fragte Ianto hoffnungsvoll.

Hmm, so verlockend das auch klingt, ich dachte eher daran, dass wir in dem kleinen Café frühstücken könnten, das du so gerne magst.“

„Du hast gesagt, du hasst es dort.“ Ianto drehte den Kopf, um ihn anzusehen. „Obwohl du nicht sagst, wieso.“

„Ich bin von deinem Kaffee verwöhnt.“ Jacks Blick war seinen Finger gerichtet, der Iantos Handrücken nachzeichnete.

Er wusste, dass da irgendetwas war, was Jack ihm nicht sagte. Vielleicht war dort irgendwas irgendwann einmal passiert – das Café stammte aus den frühen Fünfzigern. Vielleicht war es auch nur ein Ort, der Jack an einen anderen erinnerte. Das kam manchmal vor. Sie würden ein anderes Café finden... Er sah wieder weg, hinüber zum Fenster. „Und es regnet.“

„I feel stormy weather moving in. About to begin, hear the thunder. Don't you lose your head. Rip off the roof and stay in bed. It's Raining Men! Yeah!“, sang Jack dicht an seinem Ohr.

Ianto lachte und stieß ihn in die Seite. Das war typisch Jack, in einem Moment über etwas brütend, im nächsten überschwänglich. Das Gefühl von etwas warmen, feuchten auf seiner Haut riss ihn aus seinen Gedanken. Er öffnete die Augen, die ihm wieder zugefallen waren und blickte auf Jack hinab, der inzwischen über seinen Oberschenkeln kniete und dessen Zunge Kreise auf Iantos Brustbein zog.

„Ich dachte, du hast gesagt, es wäre spät. Und irgendetwas davon, dass wir aufstehen müssen.“

Jack erwiderte nichts. Stattdessen glitt sein offener Mund über Iantos Brustkorb, sein Atem warm auf Iantos Haut; Wärme, die sich durch seinen ganzen Körper ausbreitete.

Er streckte die Hände aus, legte sie auf Jacks Oberschenkel, die Finger gespreizt. „Jack…“

Bevor er mehr sagen konnte, fühlte er Jacks Lippen gegen seine. Zuerst nur leicht, flatternden Berührungen, ohne Druck. Und Jack hob den Kopf, sah ihn an, als frage er um Erlaubnis, bevor er sich wieder vorbeugte, um ihn noch einmal zu küssen.

In Momenten wie diesen, wenn er Jacks Fokus alleine auf sich gerichtet wusste,  als wären sie beide die einzigen Menschen auf der Welt, fühlte er sich wie etwas Besonderes. Und so lebendig.

Er ließ seine Hände an Jacks Seiten hochwandern, seine Arme entlang, bis er sie um Jacks Gesicht schließen konnte und spürte sein Lächeln gegen seine Lippen.

Jack hob den Kopf ein wenig, gerade genug, dass er ihn ansehen konnte, ohne Iantos Griff zu lockern. „Weißt du eigentlich wie gut du morgens riechst?“, flüsterte der ältere Mann.

Ianto sah zu ihm auf, plötzlich atemlos, seine Kehle und sein Brustkorb eng mit namenlosen Gefühlen. Er schob die Finger in Jacks Haar und zog ihn herab, um ihn wieder zu küssen. Plötzlich war er so gar nicht mehr müde.

Und Torchwood konnte eine Stunde länger auf sie warten…


Ende

 

Titel: Besuche

Autor: Lady Charena (September 2011)
Fandom: Torchwood
Episode: Season 2
Wörter: ~ 2000
Charaktere: Ianto Jones, Rhiannon & Mica Davies, Jack Harkness
Pairing: Jack/Ianto
Rating: slash, pg
Beta: T‘Len

Summe: Ianto besucht seine Schwester.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.



Bite Size - Prompt: „Pink is beautiful”



"Mica. Lass deinen Onkel damit in Ruhe.
Er interessiert sich nicht für deinen Nagellack."

Rhiannon manövriert ihre Tochter von ihrem Bruder weg, und wirft einen verstohlenen Blick auf den Ärmel von Iantos schickem Anzug, an dem gerade noch schmutzige, klebrige Kinderfinger zupften, um die Aufmerksamkeit der Erwachsenen zu erringen.

Sie mustert ihn: Wie er auf der Kante ihres Küchenstuhls sitzt, die Hände flach auf seinen Oberschenkeln, als wüsste er nicht wohin damit oder hätte Angst, womit sie in Kontakt kommen könnten, wenn er sie bewegt. Seine gepflegten, offenbar kostspieligen Schuhe die makellos sauber sind und die rote Krawatte (das Designerlabel gerade so sichtbar) ist zu einem perfekten Windsorknoten gebunden. Er könnte damit direkt der Titelseite eines Modemagazins entsprungen sein.

Was ist mit ihrem kleinen Bruder passiert, der Jeans und löchrige T-Shirts und ausgetretene Turnschuhe trug, bevor er aus ihrem Leben verschwand? Steckt er noch irgendwo hinter dem Mann im Anzug?

Rhi fragt sich, ob sie ihn so selten zu Gesicht bekommt, weil sie - wie damals, als er in London arbeitete - nicht fein genug für seine Freunde ist. Cromwell Estate hat einen schlechten Ruf, wie alle Glasscherbenviertel, aber abgesehen davon, dass sie sich nichts Besseres leisten konnten, mit zwei Kindern und Johnny, der sich von Job zu Job hangelte - war sie hier Zuhause. Hier lebte ihre Familie, ihre Freunde, ihre Nachbarn. Es war ihre eigene, kleine Nische in der Welt, und sie würde sie gegen alles verteidigen.

Ianto erwähnte bei einem ihrer früheren Telefonate eine neue Wohnung, hatte sie jedoch nicht einmal indirekt eingeladen, ihn dort zu besuchen. Er meinte nur, sie läge nahe an seinem Arbeitsplatz. Lebte er dort alleine? Sie wusste, dass er in London mit einer Frau zusammen gelebt hatte und dass sie bei den furchtbaren Terroristenattacken in Canary Wharf ums Leben kam.

Doch sie wusste es nur, weil Ianto direkt danach für eine Weile vollkommen von der Bildfläche verschwand – das teilten ihr zumindest die beiden... Rhiannon war sich nicht sicher, was oder wer sie tatsächlich gewesen waren. Keine Polizisten, das war klar, auch wenn sie einen gegenteiligen Eindruck zu erwecken versuchten. Ein kleiner, mürrischer Mann mit starkem Cockney-Akzent und eine hochgewachsene, schlanke Frau mit langen, dunklen Locken, die sie kühl und unbeteiligt musterte, als sie die Tür öffnete, gerade einen Korb Schmutzwäsche unter den Arm geklemmt. Sie hatten Ausweise bei sich, doch sie konnte sich hinterher nicht mehr an ihre Namen erinnern oder daran, von welcher Organisation sie eigentlich kamen.

Der Mann rümpfte die Nase über den Tee, den sie ihnen servierte und sah sich in ihrer Küche um, die Hände in den Hosentaschen, offenbar uninteressiert. Die Frau fragte danach, ob sie in der letzten Zeit irgendwelchen Kontakt mit ihrem Bruder hatte – Telefonate, eMails, vielleicht einen guten, altmodischen Brief? Oder war er vielleicht überraschend vorbeigekommen? Zu einem längeren Besuch geblieben?

Als sie wissen wollte, wozu die ganzen Fragen gut sein sollten, setzte der Mann in der Lederjacke zu einer Antwort an, doch die Frau stoppte ihn mit einem kühlen Blick. Sie fuhr dann fort, ihr zu erklären, dass sie sich nach allen Opfern der Terroristenattacken und deren Angehörigen erkundigten.

So hatte sie erfahren, dass ihr Bruder in London verlobt gewesen war, und dass seine Verlobte starb. Ianto hatte es nie erwähnt und als er beinahe ein Jahr später zum ersten Mal wieder von sich hören ließ um ihr zu sagen, dass er einen Job in Cardiff angenommen hatte, war sie zu erleichtert gewesen, um das Thema anzusprechen. Und welchen Sinn würde es jetzt auch noch machen? Alles was sie damit bezwecken konnte, war schmerzliche Erinnerungen neu aufzuwühlen. Ihr Vater hatte den Tod ihrer Mutter so behandelt und sie selbst war bei seinem Tod diesem Beispiel gefolgt.

Ob er wieder mit jemandem zusammen lebte? Rhiannon hoffte es. Alleine zu sein war nicht gut für ihren kleinen Bruder. Er brauchte jemand in seinem Leben.

Hat er überhaupt Freunde? Ihre Fragen über seine Arbeit beantwortet er ausweichend, doch was er sagt, klingt nicht als würde er tatsächlich in einem der Büros der Walisischen Tourismusbehörde arbeiten, auch wenn er ihr neben seiner privaten Handynummer eine eMail-Adresse und eine Telefonnummer für eines der Touristeninfo-Büros in Mermaid Quay gegeben hat, unter der sie ihn in Notfällen erreichen könnte.

Er sprach kurz von einer Frau namens Toshiko, mit der er zusammenarbeitet, sie war wohl irgendeine Form von Computergenie, und es klang, als wäre Ianto mit ihr befreundet. Und er unterbrach sich zwei Mal, nachdem er begann, über einen Mann namens Jack zu sprechen, über den sie ihm nicht mehr entlocken konnte, als dass er sein Boss war und offensichtlich mit allem flirtete, das nicht bei drei auf den Bäumen saß.

"Wieso gehst du nicht in dein Zimmer oder ärgerst deinen Bruder."

Mica schmollt erwartungsgemäß. "Aber es ist Nagellack, der im Dunkeln leuchtet. Im Dunkeln!", beharrt sie. Kein Zweifel war es im Moment das Bedeutendste in ihrer Welt. "Das ist cool."

Sie streckt ihre kleinen, schmutzigen, klebrigen Finger Ianto entgegen und er unterdrückt den Drang, davor zurück zu weichen, als wäre sie ein Hoix nach dem Winterschlaf. Er zwingt sich, still zu sitzen und nicht daran zu denken, wie viel einfacher es wäre, tatsächlich mit dem Alien umzugehen, als mit seiner kleinen Nichte. Er wünscht, er wäre mehr wie Jack.

Jack hätte die beiden innerhalb von zwei Minuten um den Finger gewickelt und da wären keine unbehaglichen Gesprächspausen entstanden, in denen sie sich über den fleckigen Tisch hinweg ansahen und nicht wussten, wie sie die Distanz zwischen sich überbrücken sollten.

Er weiß nicht, worüber er mit ihr sprechen soll.

Da ist seine Arbeit – über die er nicht sprechen darf - selbst wenn er sich dazu hätte durchringen können, seiner bodenständigen Schwester von Alien, Raumschiffen, geheimen Regierungsorganisationen und einem Riss im Zeit-Raum-Gefüge mitten in Cardiff zu erzählen.

Und dann ist da Jack – über den er nicht mit ihr sprechen kann, weil er keine Ahnung hat, wie sie darauf reagieren wird, dass ihr kleiner Bruder eine Beziehung mit einem Mann (seinem Boss darüber hinaus, der im Übrigen nicht auf der Erde und im 51. Jahrhundert geboren wurde und geschätzte 150 Jahre alt war, ganz zu schweigen von dem nicht-tot-bleiben-Ding) führt.

Tosh hatte er bereits erwähnt, und er wusste nicht, was er über Owen oder Gwen sagen könnte, das nicht weitere Fragen bei seiner Schwester aufwarf.

"Raus", befiehlt Rhi mit strenger Stimme und mütterlicher Wärme im Blick, als sie Mica in Richtung Tür schiebt. "Ich wünschte, Johnny hätte sich nicht von ihr breitschlagen lassen, den Barbie-Nagellack für sie zu kaufen. Für eine Fünfjährige! Aber offensichtlich schminken sich alle ihre Freundinnen und da kann sie auf keinen Fall zurückstehen. Sie machen das Zeugs extra für Kinder in dem Alter, alles in rosa."

Ianto rutscht ein wenig unbehaglich auf seinem Stuhl herum, ertappt sich selbst dabei und zwingt sich, still zu sitzen.

Vielleicht besucht er Rhiannon deshalb so selten, weil er nicht weiß, wie er mit der Entfaltung dieses normalen, alltäglichen Familienlebens in der leicht verwohnten Küche seiner Schwester umgehen soll. Erwartet Rhi eine Bemerkung von ihm? Oder würde sie das eher als Kritik ihres unverheirateten und kinderlosen Bruders auffassen?

Er beschränkt sich auf ein neutrales Nicken und hört ihr zu, als sie nahtlos dazu über geht, dass zwei von Johnnys Freunden ihren Job verloren hatten. Und wie Davids neue Sporttasche nach dem Fußballtraining aus der Umkleide verschwand, während er sich draußen mit seinen Freunden unterhielt. Der Dieb machte sich zuvor sogar die Mühe, seine schmutzigen Sportsachen auf den Boden zu kippen. Johnnys Reaktion beschränkte sich darauf, zu sagen, er hätte David lieber Rugby spielen sehen und seine Beschwerden, als er das Geld für schon wieder eine neue Tasche herausrücken sollte...
                                                     


                                                         ~ * ~ * ~


Er stoppt vor dem Supermarkt an der Ecke des Estate. Da sind ohnehin ein paar Dinge, die er besorgen muss, und die Einkaufstaschen würde ihm darüber hinaus eine unverfängliche Antwort bieten, sollte jemand fragen, wo er gewesen ist.

Außer für Jack. Natürlich weiß der Captain, wo Ianto den Nachmittag verbringt, aber ihre Verabredung lautet, dass er keine Fragen stellt.

Vielleicht sollte er das nächste Mal einen Tag für seinen Besuch wählen, an dem die Kinder in der Schule sind? Andererseits richtet der Rift sich nicht gerade nach Schultagen...

Ianto parkt seinen Audi am Rand des Parkplatzes, in der Hoffnung, ihn dadurch von Kratzern, Beulen und Beschädigungen zu bewahren. Er checkt zweimal, dass wirklich abgeschlossen und die Alarmanlage aktiv ist, bevor er in den Supermarkt tritt. Vielleicht ist er paranoid, aber er ist hier aufgewachsen und er weiß, was mit Autos passiert, die so offensichtlich nicht in diese Gegend gehören.

Er steht bereits in der Schlange an der Kasse, als sein Blick auf ein Display mit einer lebensgroßen, spärlich bekleideten Barbie fällt.


* * *


Jack boxt das Kissen hinter seinem Kopf zurecht und verschränkt die Arme im Nacken. „Ianto? Hast du vor da drin zu übernachten?“ Sollte er nachsehen? Andererseits ist sein Vorschlag, gemeinsam zu duschen auch nicht gerade auf Gegenliebe gestoßen.

Er ist Ianto nicht ganz ohne Hintergedanken… abgesehen von den üblichen Hintergedanken, natürlich… in dessen Wohnung gefolgt. (Die wievielte Nacht war das übrigens in diesem Monat?)

Seit Ianto von dem Besuch bei seiner Schwester zurückgekommen ist, hat er eine leichte Veränderung in seinem Verhalten wahrgenommen. Es ist nichts Dramatisches – aber im Verlauf der Monate war Jack zu einem leidenschaftlichen Ianto-Beobachter geworden – und deshalb fiel es ihm auch auf, als Ianto ihm seinen Kaffee mit Milch brachte, obwohl er ihn in der Regel ohne trank. Und wie er mit seinen Manschetten spielte, später, als sich das Team zu einer Besprechung über den Stand ihrer individuellen Projekte traf.

Doch ihre Verabredung macht es unmöglich, ihn direkt zu fragen – eine Vereinbarung, die Jack insofern entgegen kommt, da er selbst Familienangelegenheiten hat, über die er nicht sprechen will. Nicht einmal mit Ianto, der schon so viele seiner Geheimnisse kennt. Vielleicht… irgendwann, wenn…

Das Schließen der Tür unterbricht diesen nicht gänzlich angenehmen Gedankengang, doch als er erwartungsvoll aufsieht, geht das Licht aus.

Jack grinst. „Ist das eine Überraschung? Oh, bitte. Ich liebe Überraschungen.“

Die Jalousien sind geschlossen, so kann er Ianto nicht sehen, aber er weiß trotzdem, dass er nicht mehr länger alleine im Schlafzimmer ist.

„Du weißt, dass es nichts gibt, dass du vor mir verstecken musst, ich habe alles schon gesehen.“

Er hört, wie sich Ianto räuspert - noch so ein nervöser Tick - und dann bemerkt er die Leuchtpunkte, die in der Nähe der Tür wie kleine, pinkfarbene Glühwürmchen oder Leuchtkäfer durch die Luft schweben. Nach einem Moment kommen sie auf das Bett und ihn zu und Jack setzt sich auf, um zu sehen, dass die schwebenden Leuchtpunkte ein paar Freunde mitgebracht haben, die über den Boden zu kriechen scheinen.

Die Matratze senkt sich, als der erste Leuchtpunkt auf seiner Brust landet, gefolgt von vier anderen, wie ein Schmetterling der die Flügel ausbreitet.

Jack greift nach oben, in Iantos Nacken, um ihn nach unten zu ziehen. „Leuchtender Nagellack. Sehr kreativ.“

„Du findest es nicht albern?“ Da ist ein Unterton von Unsicherheit in Iantos Worten.

„Im Gegenteil. Ich finde es praktisch. Damit weiß ich immer, wo du bist.“ Jack hakte die Finger seiner freien Hand unter Iantos. „Und das ist meiner Meinung nach eine gute Sache.“ Er hat das Gefühl, dass sie plötzlich nicht mehr nur über Leuchtfarbe sprechen.

„Ja, das klingt gut.“

Einen Moment lang drücken Iantos Finger seine, dann gleiten sie weg und tiefer und Jack versucht den Kopf zu heben, um ihren Weg zu verfolgen und zu sehen, wie sie sich um seinen Penis legen. Aber Ianto scheint andere Vorstellungen zu haben, denn die Leuchtpunkte landen auf seinem Kinn, drehen seinen Kopf herum. „Das klingt wirklich gut“, flüstert Ianto, bevor er ihn küsst.


Ende

 

 

Titel: Nicht nach Mitternacht füttern…
Autor: Lady Charena (Juli 2013)
Fandom: Torchwood
Episode: --
Wörter: 1361
Charaktere: Ianto Jones, Jack Harkness
Pairing: Jack/Ianto
Rating: pg, slash, humor
Beta: T‘Len


Summe: [Prompt: Chinesisches Essen] Jack, Ianto und ein Mitternachtssnack

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.



Sie saßen in Jacks Büro über dem Papierkram, als plötzlich der Magen des Captains lautstark knurrte. Ianto sah von seinem Laptop auf und nutzte die Gelegenheit, mit den Fingern seinen Nasenrücken zu massieren. Seine Augen brannten vom stundenlangen Starren auf den Bildschirm und seine Zunge fühlte sich pelzig an. Er brauchte ein Glas Wasser. Und am besten eine Pause. Er warf einen Blick auf die Uhr. Streich das. Er brauchte sein Bett. Aber die Arbeit erledigte sich nicht von selbst. „Muss ich mir Sorgen machen, dass einer der Weevil aus seiner Zelle entkommen ist, Sir?“

Jack grinste und lehnte sich in seinem Stuhl zurück, eine Hand wie besänftigend auf den Bauch legend. „Falls ja, was meinst du, wie Weevil schmecken? Wie Hühnchen?“ Er schnalzte nachdenklich mit der Zunge und sinnierte laut weiter. „Sind vermutlich recht zäh. Aber wenn man sie lange genug kocht…“

Der junge Waliser schauderte sichtlich bei der Vorstellung. „Danke Jack. Ich hätte gut den Rest meines Lebens ohne diesen Gedanken leben können.“

„Zufällig habe ich Hunger“, verteidigte sich Jack. Sein Gesicht hellte sich auf. „Oh, ist nicht noch Pizza von heute Mittag übrig?“

Nope.“ Ianto speicherte die Datei ab, an der er gerade arbeitete. „Owen hat den Rest gegessen bevor er nach Haus gegangen ist. Und der Kühlschrank ist leer. Ich bin nicht zum Einkaufen gekommen. Für den Rest von euch ist Einkaufsliste ja wohl mit unsichtbarer Tinte geschrieben.“

Der Captain schnitt eine Grimasse und ignorierte die Spitze. Wenn er einkaufen ging, beschwerte sich Ianto hinterher darüber. „Haben wir gar nichts anderes da? Irgendwelche Reste? Kekse? Chips? Oh, ich könnte eine Tonne Chips essen. Oder vielleicht teilt Myfanwy ihren Schokoladenvorrat mit mir, wenn ich sie nett frage…“

Mit einem Seufzen schob Ianto den Laptop von sich. „Unsere Ernährungsgewohnheiten sind wirklich abstoßend.“

„Ich lasse über die Weevil mit mir reden.“ Jack beugte sich vor. „Hey, ich bin wirklichwirklich hungrig. Wie war noch einmal der Name dieses Chinesen, der rund um die Uhr liefert?“

„Panda Express“, erwiderte Ianto prompt und schüttelte den Kopf. „Hat letzten Monat geschlossen. Offenbar haben die Bestellungen von uns alleine nicht genügt, um sie im Geschäft zu halten.“

Jack beugte sich weit nach hinten – wobei er fast den Stuhl zum Umkippen brachte – und fischte eine Zeitung aus dem Papierkorb. „Ich habe da irgendwas gesehen…“ Er blätterte rasch durch die Seiten. „Hier. Warum bestellen wir nicht mal dort?“ Er hielt die Seite hoch, damit Ianto es ebenfalls lesen konnte. Die reißerische Anzeige versprach „Die besten Frühlingsrollen von Cardiff“ und Lieferungen rund um die Uhr. Jacks Augen glänzten wie bei einem aufgeregten Kind. „Können wir die ausprobieren? Bitte, bitte?“

Der junge Waliser rollte mit den Augen und griff nach seinem Handy. „Frühlingsrollen mitten in der Nacht“, murmelte er, während er darauf wartete, dass jemand dranging. „Ich sehe besser nach ob wir noch Tabletten gegen Sodbrennen haben. Und erinnere mich daran, dass ich dir „Gremlins“ runterlade. Füttern nach Mitternacht ist gefährlich.“

###

Sie einigten sich darauf, den Papierkram bis zum nächsten Tag liegen zu lassen und in Iantos Wohnung zu fahren. (Mehr und mehr ihre gemeinsame Wohnung.)

Ianto hatte das Essen dorthin bestellt und beschloss zu duschen, während sie auf die Lieferung warteten.

Ein paar Augenblicke nachdem im Bad Wasser zu rauschen begann, wurde es Jack plötzlich schrecklich langweilig und eigentlich konnte ihm eine Dusche auch nicht schaden… So bekam Ianto Gesellschaft und sie überhörten das Klingeln, als das Essen geliefert wurde. Glücklicherweise hatte Ianto bereits bei der Bestellung mit Kreditkarte bezahlt, so ließ der Bote ihre Bestellung einfach vor der Tür stehen.

Allerdings war das Essen kalt, als Ianto es dort entdeckte. Kein Problem.

„Und… Hallo, meine Süßen.“ Jack sprang hastig auf, als die Mikrowelle piepste. Dabei kickte er unabsichtlich gegen den Stuhl, der die Balance verlor und rückwärts auf den Boden knallte. „Kommt zu Papa.“

„Wirklich? Ich erinnere mich an eine Zeit, zu der du mich so angesehen hast“, bemerkte Ianto.

„Dich sehe ich jeden Tag. Die besten Frühlingsrollen von Cardiff hingegen...“

„Beende diesen Satz und das ändert sich ganz schnell. Dann kannst du so viel Zeit mit asiatischem Essen verbringen, wie du willst“, warnte der junge Waliser lachend.

Wunderte sich eigentlich außer ihm niemand darüber, dass die angeblich besten Frühlingsrollen aus einem Restaurant mit griechischem Namen kamen, das von zwei Isländern geführt wurde? Und bei dem Aufschlag fürs Liefern nach Mitternacht waren die Dinger hoffentlich auch so gut wie die Werbung es versprach.

„Vorsicht! Heiß und fettig!“ Jack balancierte mit bloßen Händen zwei Frühlingsrollen zum Tisch. Er ließ sie auf eine Papierserviette fallen, die Ianto hilfreich hingeschoben hatte und wedelte mit den verbrannten Fingern.

„Hat dir schon mal jemand von der Erfindung des Tellers erzählt?“, fragte sein Partner. „Soll ungemein die Finger schonen.“

„Dauert zu lange.“ Jack holte zwei weitere Frühlingsrollen heraus - und ließ prompt eine davon fallen. Bedauernd sah er ihr hinterher. „Der Boden ist sauber, oder?“, fragte er. „Drei-Sekunden-Regel.“

„Ich gebe vor, dass ich das nicht gehört habe“, erwiderte Ianto trocken.

Jack bückte sich danach und pustete die Frühlingsrolle proforma an. „Scheint okay zu sein.“

„Und das habe ich nie gesehen“, kam es von einem kopfschüttelnden Ianto.

„Gut.“ Jack setzte sich mit seinem geretteten Snack an den Tisch.

Ianto brach vorsichtig die Frühlingsrolle mit einer der mitgelieferten Plastik-Gabeln auseinander, die Füllung war oft heißer als das Äußere und seine Finger würden vermutlich wesentlich länger schmerzen als Jacks, wenn er sie verbrannte.

Was seinen Partner jedoch nicht davon abhielt, sich die erste Frühlingsrolle gleich bis zur Hälfte in den Mund zu stopfen und abzubeißen.

Ja, man sollte denken, Jack hätte in seinem langen Leben einige Grundregeln gelernt. Zum Beispiel, dass es unklug war, eine große Menge sehr heißen Essens auf einmal in den Mund zu stopfen.

Ianto legte seine Gabel weg und beobachtete mit kritisch hochgezogener Augenbraue, wie sich Jacks Gesicht rötlich verfärbte und seine Augen etwas hervorquollen, während er offenbar darum kämpfte, nicht einfach wieder alles auszuspucken. Schließlich würgte Jack alles hinunter, riss den Mund auf, streckte die Zunge heraus und wedelte mit der Hand davor herum.

„Alles in Ordnung?“, fragte Ianto unschuldig. „Schmeckt es nicht?“

„Heiß“, quetschte Jack heraus.

„Das soll vorkommen, wenn man Essen kocht.“ Der junge Waliser probierte vorsichtig seine Frühlingsrolle, die durch das Öffnen inzwischen etwas abgekühlt war. Na, ob das die besten Cardiffs waren bezweifelte er doch stark… Sie hatten den faden Beigeschmack und die matschige Konsistenz der TK-Version. Konnte natürlich auch am Herumstehen und Aufwärmen liegen. Möglicherweise. Er nahm noch einen Bissen. Eher unwahrscheinlich.

Jack hatte sich inzwischen soweit erholt, dass er auf die Idee kam, sich ein Glas Wasser zu holen und so seinen Mund weiter herunter zu kühlen. Er betrachtete seine zuvor so begehrlichen Frühlingsrollen nun als vermute er, sie könnten ihn anspringen und beißen. Was sie in gewisser Weise wohl auch bereits getan hatten. „Ich schmecke nichts mehr.“ Mit den Fingern seine Zungenspitze packend, zog Jack sie soweit heraus wie es ging und versuchte, darauf zu sehen bis er zu schielen begann.

Da verpasste er nichts. „Ich bin sicher, deine Zunge erholt sich“, erwiderte Ianto. Er hatte noch einen Karton Weetabix im Küchenschrank. Die bekam er zur Not auch ohne Milch runter. So hatte er sie als Junge eh am liebsten gegessen.

Ianto schob seine zweite, unberührte Frühlingsrolle über den Tisch. „Danke fürs Dinner. Das Essen war so lala“, sagte er, als er aufstand. „Aber die Showeinlage war großartig.“ Er küsste Jack auf die Wange und machte sich auf die Suche nach seinen Weetabix. Dabei streckte er sich vielleicht ein wenig mehr als nötig gewesen wäre, aber das führte dazu, dass sich seine Hose über seinem Hintern straffte und ein Streifen Haut zwischen dem nach oben rutschenden Hemd und dem Hosenbund zu sehen war.

Jack rollte seine Zunge ein – wörtlich wie bildlich gesprochen – und schnappte sich mit einem Grinsen Iantos zweite Frühlingsrolle.

Ende

 

 

Titel: Undercover
Autor: Lady Charena (Januar 2017)
Fandom: Torchwood
Episode: ---
Prompt: Red is my favorite color
Wörter: 1000
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Team
Pairing: Jack/Ianto
Rating: pg, Humor
Beta: T‘Len


Summe: Ianto muss „undercover“ in einem Hotel arbeiten.
Unter erschwerten Bedingungen…

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.



„Warum genau kann Owen das nicht machen? Sein Gesicht passt auch viel besser zu diesem Affenkostüm“, beschwerte sich Ianto - nicht zum ersten Mal - und zerrte an dem zu engen Hemdkragen, der ihm die Luft abschnürte. Warum konnte er nicht sein eigenes tragen? Das sah man doch später gar nicht.

„Ich werde ihm verraten, dass du das gesagt hast.“ Jacks Hand wanderte interessiert über Iantos Hüfte und in Richtung seines Hinterns, der von der etwas zu kleinen - und daher straffer als üblich sitzenden - Hose gut betont wurde.

„Nein, das wirst du nicht.“ Ianto trat einen Schritt weg und schüttelte damit die grapschenden Finger ab. Echt, manchmal war Jack wie ein kleines Kind. Er musste einfach alles anfassen, was er sah!

„Und wieso nicht?“ Mit einem herausfordernden Grinsen verschränkte Jack die Arme vor der Brust, während Ianto mit einen Gesichtsausdruck tiefsten Abscheus die Schweißflecken im Innenfutter der Jacke betrachtete. „Weil du dann die Uniform später noch einmal für mich anziehst und wir Hotelgast und Kofferträger spielen? Oh, bitte-bitte.“

„Ich dachte eher, weil du unser Boss bist, und für Frieden im Team sorgen musst.“ Ianto schloss die Augen, als er in die Uniformjacke schlüpfte und unterdrückte ein erneutes Erschaudern. Jack hätte ihm wenigstens so viel Zeit geben können, dieses... Kostüm... zu waschen, bevor er sie ins Hotel zerrte. Seine Haut begann sofort zu jucken und kribbeln. Vermutlich reagierte er zu allem Überfluss auch noch allergisch gegen den imitierten Samtstoff der Uniform. Ianto schob einen Finger in den Ärmel und kratzte sich. Dafür würde Jack büßen...

„Hey. Was ist, wenn ich dir verspreche, dass du sofort duschen kannst, sobald wir im Hub sind?“ Jack stand hinter Ianto und legte die Arme um seine Mitte, um ihn zurück gegen sich zu ziehen. „Ich helfe dir auch dabei.“

„Danke, aber ich brauche schon seit mehr als zwanzig Jahren keine Hilfe beim Duschen“, erwiderte der junge Archivar säuerlich. Nicht, dass der Gedanke an eine gemeinsame Dusche so unangenehm war. Im Gegenteil. Die Kontrolle, die Jack mit ein paar Worten und Berührungen über ihn ausübte, war manchmal erschreckend. Er war überzeugt, wenn Jack das  wollte, würde er ihn auch dazu bringen, splitterfasernackt durchs Hotel zu laufen.

„Bist du sicher?“, flüsterte Jack direkt in sein Ohr. „Du weißt, rot ist meine Lieblingsfarbe… Mein Angebot steht. “

Das war nicht das einzige. Wie er ganz deutlich spüren konnte. Ianto schubste ihn von sich weg, bevor er nachgab und die Pagen-Uniform noch ein paar Flecken mehr bekam.

„Kannst du dir Owen in diesem Job vorstellen?“, meinte Jack besänftigend. „Er würde fluchen, irgendjemanden beleidigen, und das Tablett fallen lassen. Die Mädchen können nicht, weil das Hotel nur männliche Zimmerkellner beschäftigt. Und ich...“ Er grinste und zupfte an Iantos Revers. „Ich passe nicht so perfekt in die Uniform wie du. Der Typ, von dem wir sie gekauft haben, muss fast die gleiche Größe wie du haben.“

„Fast.“ Ianto sparte sich, Jack darauf hinzuweisen, dass ihm die Sachen mehr als eine Nummer zu klein waren. Für 50 Pfund konnte man natürlich keinen Maßanzug erwarten, aber wie konnte jemand nur den ganzen Tag in diesen versifften Klamotten herumlaufen?“ Er seufzte. „Was genau soll ich tun? Wie hast du dir das eigentlich vorstellt?“, fragte der junge Waliser skeptisch. „Anklopfen, warten bis er aufmacht und ihn fragen, von welchem Planeten er kommt?“

„Denkst du nicht, dass wir uns in dem Fall die Verkleidung sparen könnten? Ich habe versprochen, dass wir diese Angelegenheit so diskret wie möglich erledigen.“ Jack musterte ihn zufrieden. „Sag einfach, dass der Obstkorb eine Aufmerksamkeit des Hotels ist, lass ihn den Empfang auf dem Notepad bestätigen und geh wieder. Tosh hat einen Scanner in den Stift eingebaut, damit wird seine DNS direkt zu uns übertragen.“ Er zuckte mit den Schultern. „Wenn es ein Delasianer ist, schnappen wir ihn uns.“

Ianto wirkte noch nicht völlig überzeugt. „Was ist, wenn er kein Obst mag und sagt, ich soll verschwinden?“

„Keine Sorge. Delasianer sind verrückt nach Obst. Fruchtzucker wirkt wie ein Aphrodisiakum auf sie. Vermutlich ist er hier, um sich einen größeren Vorrat zuzulegen und anderswo mit Gewinn weiter zu verkaufen.“ Jack grinste. „Also solltest du nicht länger als unbedingt nötig bleiben, falls er gleich etwas aus dem Korb probiert...“

„Ich hoffe, das hast du dir nur ausgedacht“, murrte Ianto. Als ertrug er nicht schon genug…

„Was denkst du, warum wir gerade einen Obstkorb als Köder verwenden?“ Jacks Miene spiegelte pure Unschuld wieder. „Was, gibt es keine dieser kleinen, runden Mützen zur Uniform?“, fuhr er fort, als Ianto sich das Haar glattstrich.

„Ich denke, die werden seit hundert Jahren nicht mehr verwendet.“ Ianto musterte sich in dem Spiegel, der zu dem kleinen Umkleideraum gehörte. Warum nur ließ er sich immer wieder auf Jacks Pläne ein...

„Ist das eine kleine Anspielung auf mein Alter?“, fragte Jack hinter ihm.

„Nein. Es ist eine große Anspielung auf dein Alter.“ Ianto drehte sich zu ihm um, küsste ihn auf die Wange und griff nach dem bereitliegenden Notepad und dem Scanner-Stift. „Und lass bitte die Finger von den Zimmermädchen, so lange ich weg bin, Sir. Schließlich machen wir das doch alles, um gerade kein Aufsehen zu erregen.“ Er griff mit der anderen Hand nach dem üppigen Obstkorb, den Gwen besorgt hatte.

„Du verlangst unmögliches von mir. Hast du deren Uniformen gesehen?“, rief ihm Jack lachend nach. „Nostalgie-Hotels muss man doch einfach lieben.“

Darüber konnte man streiten, dachte Ianto und machte sich auf dem Weg zum Lift. Er hoffte, dass sich der zweifelhafte Gast als menschlich herausstellte. Umso schneller kam er aus dieser traurigen Entschuldigung einer Uniform heraus und unter eine heiße Dusche.


Ende