Titel: Zu viel Glück tut weh

Autor: Lady Charena
Fandom: Tatort

Paarung: Ivo Batic, Franz Leitmayr, Carlo Menzinger
Rating: gen, h/c

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe/Hintergrund: Nach der Episode "Außer Gefecht" (Die Zusammenfassung des Plots habe ich hinter die Story gesetzt) besucht Ivo seinen Partner im Krankenhaus.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics by REM.

 

 

 

Maybe tonight you're takin

You couldn't get enough

Honey you'll soon be wakin'

 

Maybe the world is falling

It wasn't strong enough

Tell me you'll soon be crawling

 

 

 

"Hier. Du siehst aus, als könntest du das brauchen."

 

Ivo sah auf, als ein Becher in seinem Blickfeld erschien. Er griff dankbar danach, nickte Carlo zu. Doch als er einen Schluck nahm, verzog er das Gesicht. "Pfui Teufel, Carlo. Das ist ja Kamillentee!"

 

Carlo grinste und setzte sich neben seinen Kollegen auf einen der unbequemen Plastikstühle vor der Notaufnahme. "Heißt das, deinem Magen geht's inzwischen besser?"

 

"Mein Magen?", fragte Ivo irritiert. "Wen interessiert denn der noch."

 

"Dacht' ich`s mir doch die ganze Zeit." Carlo verschränkte die Arme hinter dem Kopf und gähnte. "Es war nicht Mustafas Hammel mit Minze, der dir im Magen lag, sondern der Streit mit dem Franz. Typische Stress-un-Resistenz. Du warst die ganze Zeit über so stinkig. Wenn des noch länger so mit euch zwei weitergangen wär', hätt' ich mich nach einem neuen Büro umschaun müssen."

 

Ivo knurrte etwas unschmeichelhaftes. "So wie der sich in letzter Zeit aufgeführt hat, wär' ich glatt mitgekommen", fügte er dann verständlich hinzu. Er stellte den Becher auf den freien Sitz neben sich und lehnte den Kopf gegen die Wand. "Ich krieg' das immer noch nicht ganz auf die Reihe. Das er nie ein Wort gesagt hat. Sind wir jetzt Freunde, oder was? Statt dessen führt er sich auf wie ein Irrer."

 

Carlo blieb es erspart, erneut darauf zu antworten, als ein Arzt zu ihnen trat.

 

"Herr Batic und Herr Menzinger?", fragte der Arzt. "Ihrem Kollegen geht es so weit gut. Abgesehen von leichtem Fieber und Erschöpfung fehlt ihm nichts weiter. Wir behalten ihn auf jeden Fall über Nacht zur Beobachtung hier, auch wenn Herr Leitmayr darauf bestehen wollte, noch heute entlassen zu werden."

 

Ivo stand auf. "Kann ich mit ihm sprechen?"

 

Der Arzt musterte ihn. "Gut, aber ich möchte nicht mehr als eine Person in seinem Zimmer und nicht für länger als zehn Minuten. Er hat ein Beruhigungsmittel erhalten. Sie können also ohnehin keine verwertbare Aussage von ihm erhalten."

 

Ivo winkte ab. "Ich will ihn nicht verhören. Das kann jetzt warten. Es gibt da nur noch etwas, dass ich ihm sagen muss." Er wandte sich an seinen Kollegen. "Du kannst ruhig schon nach Hause fahren, ich lass' mir dann ein Taxi kommen."

 

Carlo sah ihn fragend an, nickte dann aber. "Ja, gut, okay. Dann... sag' dem Franz.,.." Er winkte ab. "Ach was, vergiss' es. Gute Nacht." Er nickte dem Arzt zu, zog seine Sonnenbrille aus der Brusttasche und ging, vor sich hinsummend.

 

Der Arzt zog einen Pieper aus der Tasche und warf einen Blick darauf. "Ich muss weiter. Eine Schwester bringt Sie zu Ihrem Kollegen." Mit einem knappen Gruß eilte er davon.

 

Ivo nahm wieder Platz und nippte mit einer Grimasse an seinem inzwischen kaltgewordenen Kamillentee, der dadurch nicht an Geschmack gewonnen hatte. Aber das ständige Rumoren in seinem Bauch hatte inzwischen tatsächlich aufgehört. Eigentlich gleich nachdem er durch die Luke in die Liftkabine geklettert war und die beiden reglos daliegenden Männer gesehen hatte. Zu seiner Erleichterung hatte der Franz aber noch geatmet, während für den anderen jede Hilfe zu spät kam. Und obwohl sein Kollege und Freund aus seiner Bewusstlosigkeit zu sich gekommen war, hatte es doch noch eine scheinbare Ewigkeit gedauert, bis der Techniker des Liftnotdienst die sabotierte Steuerung instand gesetzt hatte und sich die Kabine wieder in Bewegung setzte. Zehn Minuten später war Franz dann auf dem Weg ins Krankenhaus. Ivo und Carlo überließen es den Kollegen, aufzuräumen und die Leiche des "Todesengels" wegzuschaffen. Erklärungen konnten bis morgen warten.

 

Nach der Anspannung der letzten Stunden - Ivo sah auf die Uhr und stellte mit Erstaunen fest, dass kaum mehr als zweieinhalb Stunden vergangen waren, seit Franz mit Peschen im Lift verschwunden war, es kam ihm vor, als wäre inzwischen die halbe Nacht vorüber - konnte er nicht länger ruhig sitzen. Ivo stand auf und sah sich nach einer Möglichkeit um, den Tee loszuwerden. Es war kein Papierkorb in der Nähe. Aber ein paar Schritte den Korridor entlang stand ein Wagen mit Blumenvasen, die über Nacht aus den Zimmern der Patienten entfernt worden waren. Er war eben dabei, den Tee in eine davon zu entsorgen, als sich hinter ihm jemand räusperte. Ivo fuhr erschrocken herum und warf dabei die Vase um. Wasser und Blumen verteilten sich gleichermaßen über den Wagen und den Fußboden. Mit peinlich rotem Kopf entschuldigte sich Ivo, stellte die Vase wieder auf und wollte damit anfangen, die Blumen aufzusammeln. Die Krankenschwester winkte seine Entschuldigungen und seine Bemühungen gleichermaßen ab und brachte ihn endlich zum Zimmer seines Partners.

 

Vielleicht lag es an seinem Status als Polizist, vielleicht war es auch einfach nur Glück, dass Franz Leitmayr ein kleines Zwei-Bett-Zimmer für sich allein bekommen hatte. Ivo zögerte an der Tür, bevor er ganz eintrat. Hinter ihm kam ein dünner Lichtstrahl vom Flur, aber ansonsten war außer der durch das Fenster einfallenden Straßenbeleuchtung keine Helligkeit im Raum. Er wartete, teils um seinen Augen Zeit zu geben, sich an das Dämmerlicht zu gewöhnen, teils weil er plötzlich unsicher wurde, ob dieser Besuch unter den gegebenen Umständen wirklich Sinn machte. Er sollte morgen wiederkommen, nachdem Franz sich von seinem Erlebnis erholt hatte. Andererseits hatte er schon viel zu viel Zeit damit verbracht, darauf zu warten, dass Franz endlich mit ihm sprach. Und jetzt, da er aus Peschens Unterlagen wusste, dass eines der Opfer des sogenannten "Todesengels von Passau" Franz Vater gewesen war...

 

Franz hustete und das gab den Ausschlag, dass Ivo sich in Bewegung setzte, die Tür leise hinter sich schloss und ans Bett trat. Auf dem Nachtkästchen standen eine Wasserflasche und ein Plastikbecher. Ivo schaltete das Nachtlicht über dem Kopfende des Bettes ein und grinste entschuldigend, als Franz mit einem schwachen Protestlaut die Augen zusammenkniff und den Kopf wegdrehte. "Hallo, Dornröschen", meinte er.

 

Franz murmelte etwas, hustete.

 

Ivo füllte den Becher halb und hielt ihn seinem Kollegen hin.

 

Nachdem Franz getrunken hatte und es sich wieder bequem gemacht hatte, wiederholte er seine Worte: "Ich verzichte auf einen Kuss." Er klang heiser.

 

Ivo lachte leise. "Du glaubst gar nicht, wie froh ich bin, deine Stimme zu hören." Er zog einen Stuhl ans Bett und setzte sich, die Unterarme auf die Knie gestützt, leicht nach vorne gebeugt. "Auch wenn du klingst wie ein halb erdrosseltes Huhn."

 

"Ich hab’ nicht als Erster aufgelegt." Franz rieb über seinen Oberarm, an dem sich ein blauer Fleck vom Einstich zeigte. Er schloss die Augen.

 

"Ich auch nicht." Ivo zuckte mit den Schultern. "Die Dessauer - die Tante aus dem Technikraum, sie hat mit Peschen gemeinsame Sache gemacht - Mann, du weißt das ja alles noch nicht - hat die Verbindung unterbrochen und behauptet, die Sabotage am Lift hätte auch das Notruf-System außer Gefecht gesetzt."

 

"Peschen - ist er...?"

 

"Ja, er ist tot", bestätigte Ivo. "Er hatte Krebs im Endstadium, Franz. Er hatte nichts mehr zu verlieren und deswegen hat er die Nummer mit dem anonymen Anruf durchgezogen, um dich in den Olympiaturm zu locken. Er hat sich mit einer Überdosis Morphium umgebracht, so wie er die zwölf Morde begangen hat." Ivo zögerte kurz. "Und ich weiß auch, warum er gerade dich ausgesucht hat." Wieder schloss sich eine Pause an seine Worte an, doch Franz erwiderte erneut nichts. "Peschen hat alles sehr sorgfältig dokumentiert. Er muss dich auf der Pressekonferenz gesehen haben, wir haben eine Videoaufnahme davon in seinem Hotelzimmer gefunden. Dein Vater, er war eines..."

 

"Ich weiß! Er hat... er hat mir einen Zeitungsschnitt mit meinem Bild vor die Nase gehalten. Auch von der PK. Ich weiß nicht, was er von mir wollte, Ivo", sagte Franz schließlich nach einer Weile. "Dankbarkeit oder vielleicht Verständnis oder was weiß ich..." Er gähnte. "Er hielt sich für den großen Erlöser. Und jetzt lass' mich in Ruhe, Ivo. Ich will schlafen."

 

"Du hättest es mir sagen können, Franz, anstatt alles in dich reinzufressen. Dann wäre das nie passiert."

 

Leitmayr öffnete die Augen und sah ihn zum ersten Mal seit seinem Eintreten direkt an – aber als er sprach, schien es, als habe er Ivos vorherigen Satz nicht gehört. "Es war nicht mein Ausraster auf der Pressekonferenz. Er glaubte... er glaubte, ich hätte ihn verbissen gejagt. Aber erst nach... erst hinterher. Weil ich nicht den Mut hatte, zu tun, was er getan hat."

 

"Mut? Um deinen Vater zu töten?", fragte Ivo verständnislos. "Hör' mal - ich habe keine Ahnung, was dieser Verrückte alles zu dir gesagt hat, während der Lift fest hing, aber ich..."

 

"Er hatte doch recht", unterbrach ihn Franz leise. "Nicht, was das... ich meine, ich hatte nicht den Mut, meinem Vater zu besuchen, nachdem er im Pflegeheim war. Ich habe ihn auch vorher kaum gesehen, seit ich von Zuhause weg bin. Nein... das ist nicht richtig. Es hatte nichts mit Mut zu tun. Ich... er war mir einfach gleichgültig. So gleichgültig, wie ich ihm immer gewesen bin."

 

Ivo legte eine Hand auf die Schulter seines Partners. "Was hat Peschen dir erzählt?", fragte er angespannt.

 

"Er... er hat mir vom Geburtstag meines Vaters erzählt. Davon, dass er auf meinen Besuch wartete. Dass er... Schmerzen hatte, weil er keine Spritze wollte, um klar im Kopf zu sein, wenn ich komme. Und... und dass er..." Seine Stimme wurde so leise, dass Ivo sich vorbeugen musste, um ihn noch zu verstehen. "...dass er schließlich ins Bett gemacht hätte, weil er für meinen Besuch die Windel auszog. Und einer der Pfleger ihn deswegen geschlagen hätte. Angeblich wollte mein Vater sich an diesem Tag mit mir aussprechen. Er... hat mir vorgeworfen, nicht besser zu sein als der Alte."

 

"Ich weiß ja nicht, was zwischen deinem Vater und dir schiefgelaufen ist, Franz - aber du kannst nicht einfach glauben, was dir dieser Peschen erzählt hat. Der könnte doch alles möglich behaupten, um sich zu rechtfertigen."

 

Sein Kollege erwiderte nichts darauf.

 

"Offensichtlich wollte er dich nicht töten. Der Notarzt sagte, auch eine Überdosis Serotonin kann einen nicht umbringen."

 

Zu seinem Erstaunen lachte Franz plötzlich. "Nein. Es bringt einen nicht um. Aber es tut verdammt weh, du glaubst gar nicht, wie so eine Überdosis Glück wehtut." Das Lachen brach in ein Husten ab und Franz krümmte sich leicht zusammen. „Das hat er mir am Schluss gesagt: Eine Überdosis Glück bereitet furchtbare Schmerzen.“

 

"Hey, alles in Ordnung mit dir?", fragte Ivo besorgt. "Soll ich den Arzt rufen? Oder eine Schwester?"

 

"Nein." Franz holte tief Luft. "Ist schon okay. Nur so ein Muskelkrampf. Der Fußboden in diesem Lift war verdammt ungemütlich." Er entspannte sich langsam wieder.

 

"Ich denke, ich geh' jetzt besser und lass dich schlafen." Ivo stand auf.

 

"Was ist denn mit deiner Hand passiert?" Franz blinzelte.

 

"Ach, weißt du..." Ivo grinste schief. "...war nicht so einfach, sich fast 30 Meter einen Liftschacht hinab abzuseilen, wenn man nicht gerade als Bergsteiger geboren ist. Nicht der Rede wert." Er schob die Hände in die Taschen seiner Lederjacke, zuckte ein wenig verlegen mit den Schultern. "Es tut mir leid, dass wir so spät gekommen sind, aber die Dessauer machte uns weis, der Lift würde abstürzen, wenn wir versuchen sollten, runter zu klettern."

 

"Du bist gekommen. Und... du hast mich rausgeholt. Wie du es versprochen hast. Das habe ich nämlich noch gehört, bevor die Leitung tot war."

 

"Hey, sind wir Freunde, oder was?" Batic wandte sich zum Gehen. „Und wenn du hier raus bist, lade ich dich zum Essen ein. Bloß nicht zu Mustafa.“ Er stoppte an der Tür, wandte sich um und blickte seinen Kollegen an. Grinste.

 

Leitmayr grinste müde zurück. "Nur eins, Ivo? Lass' uns in nächster Zeit auf Aufzüge verzichten, okay?"

 

Ende

 

* * * * * * * * * * * * *

 

Tatort: Außer Gefecht

 

Franz Leitmayr wird von einem anonymen Anrufer in das Restaurant des Münchner Olympiaturms bestellt. Dort soll er auf einen Mann treffen, der in der Presse als „Todesengel von Passau“ bekannt ist und der unheilbar Kranke – auf deren oder Wunsch ihrer Angehörigen – mittels einer Überdosis Morphium tötet. Seine Kollegen Ivo Batic und Carlo Menzinger (Michael Fitz) sind mehr als skeptisch, was den Erfolg dieser Aktion anbelangt. Vor allem, da Leitmayr seit einiger Zeit nicht mehr er selbst zu sein scheint und verbissen auf eigene Faust Ermittlungen anstellt, obwohl dieser Fall nicht in seiner Zuständigkeit liegt. Tatsächlich verhaften sie einen Krankenpfleger namens Johannes Peter Peschen (Jörg Schüttauf). Ein Anruf hält Ivo Batic auf und so sind Leitmayr und Peschen allein in der Liftkabine, mit Handschellen aneinander gefesselt. Peschen hatte bei der Fahrt hinauf zum Restaurant zwei Spritzen im Fahrstuhl versteckt und injiziert nun den Inhalt der einen dem Kommissar. Er setzt den Lift in Bewegung, der jedoch etwa nach der halben Strecke abrupt stecken bleibt. Nicht zufällig, denn die zuständige Technikerin Frau Dessauer ist die Tochter einer todkranken Frau, die Peschen von ihrem Leid erlöst hat. Sie sabotiert in Peschens Auftrag den Fahrstuhl und das Notfalltelefon, so dass Leitmayr nach einem ersten, unterbrochenen Gespräch keine Verbindung mehr zu seinen Kollegen hat. Peschen verkündet dem Polizisten, dass er nur noch eine Stunde zu leben habe und es keine Möglichkeit gebe, ihn zu retten. Aber für diese Stunde würde er am eigenen Leib die Schmerzen erfahren, von denen er (Peschen) seine Opfer erlöst habe. Während Carlo und Ivo fieberhaft daran arbeiten, nicht nur ihren Kollegen aus dem Lift zu bekommen, sondern auch mehr über Peschen herauszufinden, und welches Medikament er Leitmayr gespritzt haben könnte, beginnt sich der Krankenpfleger vor dem Kommissar zu rechtfertigen. Unter anderem kommt dabei auch zur Sprache, dass Peschen Leitmayrs Vater – zu dem er seit langem keinen Kontakt mehr hatte und der schwerkrank in einem Pflegeheim lebte – getötet hat. Leitmayrs Zustand verschlechtert sich weiter, er leidet unter immer heftigeren Schmerzen. Die Monteure des gerufenen Reparaturservices für den Lift verunglücken auf der Fahrt zum Olympiaturm – aufgrund der leichtfertigen Zusage einer jungen Polizistin, dass sie auch bei Rot über die Ampel fahren dürften, es handele sich ja immerhin um einen Notfall. Die gerufene Feuerwehr ist ebenfalls machtlos, da Frau Dessauer – von deren Mitwirkung an der Sabotage da noch niemand weiß – die Sache weiter verschleppt, indem sie behauptet, die Liftkabel wären beschädigt und jeder Versuch, über den Schacht in die Kabine zu gelangen, müsse diese unweigerlich zum Absturz bringen. Batic und Carlo gelingt es, mit Hilfe einer Altenpflegerin, die mit Peschen befreundet ist, den Lieferanten für das Morphium aufzuspüren. Dabei erfahren sie, dass Peschen selbst im Endstadium mit Krebs erkrankt ist und somit nichts zu verlieren hat. Zurück im Olympiaturm kommt Frau Dessauers Rolle ans Licht und auch, dass der Lift bei weitem nicht so schwer beschädigt ist, wie sie den Kommissaren glauben machen wollte. Worauf Ivo das Risiko eingeht und sich in den Liftschacht abseilen lässt. Kurz bevor er die Kabine erreicht, die Stunde ist fast abgelaufen, versichert Peschen, dass er Leitmayr nicht töten wollte – er hatte ihm Serotonin gespritzt, eine körpereigene Glücksdroge, die aber in Überdosis heftige Schmerzen und andere Symptome hervorruft. Peschen setzt daraufhin mit der zweiten Spritze, die eine Überdosis Morphium enthält seinem Leben ein Ende, während Ivo erleichtert seinen Partner lebendig, wenn auch völlig erschöpft, vorfindet.

 

Das interessante an der Folge ist – neben dem delikaten Thema Sterbehilfe/Tötung auf Verlangen, das überraschend neutral dargestellt wird – auch, dass sie praktisch in Realzeit läuft. Immer wieder zeigt zwischendurch ein Blick auf die Uhr, wie die Stunde langsam verrinnt, auf die Peschen Leitmayrs Überlebenszeit festgesetzt hat. Und es ist ein sehr deutlicher Unterschied zwischen der fast völligen Immobilität der beiden Männer im Lift und der Entfaltung hektischer Aktivität von Batic und Carlo.