Titel: Tänzerin auf Tatooine
Autor: Myra, jettatori@gmx.net
Fandom: Star Wars VI
Typ/Kategorie: Drama
Charaktere: Alle Personen sind dem
Film entnommen.
Zusammenfassung: Han Solo ist
Gefangener in Jabbas Palast und in Karbonit eingefroren, aber seine Freunde
organisieren bereits seine Befreiung. Nur Jabba weiß nichts davon und geht
seinen üblichen Beschäftigungen nach.
Disclaimer: Alle Charaktere und
sämtliche Rechte gehören Lucasfilm Ltd.
Beta: T´Sihek
Archiv: Gerne hier
Wie jeden Abend warteten wir auf
unseren Auftritt und versuchten bis dahin, aus den hingeworfenen bunten
Stofffetzen und Farbtiegeln das Beste zu machen.
Der enge, aus Steinblöcken
gehauene Schlafraum ließ die allgegenwärtige Hitze beinahe unerträglich werden und
ich fühlte mich bereits sehr erschöpft. Aber Oola bestand darauf, dass unsere
Schminke noch intensiver glänzen sollte. Für sie musste immer alles perfekt
sein. Aber wohin hatte sie das gebracht? Nach Tatooine, diesem elenden
Wüstenplaneten im Außenrand der Galaxis.
Und, als ob das noch nicht reichen
würde, auch noch direkt an die Sklavenkette von diesem ekelhaften Hutten Jabba.
„Lyn, ich kann nicht anders! Ich
bin Tänzerin“, seufzte sie auf und schob sich ein schwarzes Netzband über Beine
und Oberkörper. „Tanzen ist mein Leben.“
Ich legte der hübschen Oola gerade
einen ihrer beiden, großen Kopftentakel auf den Rücken, als die widerliche
Stimme von Bib Fortuna auf dem Gang erklang. Und da kam er auch schon herein.
„Wenn ihr euch nicht beeilt, seid
ihr bald Rancor-Futter, ist das klar?“ Seine grellroten Augen starrten uns an
und man konnte das Blut unter seiner leichenblassen Haut pulsieren sehen.
Selbst für uns ein fast unerträglicher Anblick.
„Ein Twi`lek sollte keinen anderen
Twi`lek ein Leid antun“, klagte Oola leise.
Ich verdrehte meine Augen und sah
entschuldigend zu unserem Boss, der uns einst von unserem Heimatplaneten Ryloth
entführt hatte. Angeblich hätten wir ein Engagement bei einem Lord, hatte er damals
versprochen. Jabba und Lord! Gangsterlord trifft es wohl besser. Einer von der
ganz üblen Sorte. Mir lief unwillkürlich ein Schauer über den Rücken.
Fortuna würdigte uns keines
Blickes mehr und verschwand wieder in dem dunklen Flur.
„Wir kommen sofort“, rief ich ihm geflissentlich
noch hinterher.
„Und du, meine Liebe, hältst dich
in Zukunft besser zurück, ist das klar?“ Ich nahm meine Freundin bei den
Schultern und zwang sie so, mir direkt in das Gesicht zu sehen.
„Ist das klar? Ich möchte dich
nicht verlieren!“
Sie riss erst erschrocken ihre
Augen auf und drehte dann plötzlich ihren Kopf wieder weg.
„Oh Lyn, ich wollte es dir schon
die ganze Zeit sagen, aber ich wusste nicht wie...“
„Was ist los Oola?“
„Es tut mir so leid“, murmelte
sie.
Ich hatte Mühe sie zu verstehen
und wurde langsam ärgerlich.
„Sag endlich, was los ist!“
„Mein Vater hat die Ablösesumme
bezahlt. Morgen früh kommen seine Leute und holen mich ab. Ist das nicht
großartig?“, erzählte Oola. „Aber wegen dir, es tut mir so leid...Ich habe es
erst heute erfahren.“
„Schön für dich.“ Etwas Besseres fiel
mir im ersten Moment einfach nicht ein. Aber ich sollte mich darüber freuen und
tat es dann auch für sie. Wenigstens eine würde dieser Hölle entkommen.
„Das ist wunderbar Oola!“ Ich
schloss sie in meine Arme und wir hielten uns für einen Moment ganz fest.
„Aber ich werde dich so schnell
wie möglich nachholen, das verspreche ich dir, Lyn“, flüsterte Oola und ihre
dunklen Augen schienen von innen heraus zu leuchten.
„Ich lass dich garantiert nicht
zurück.“
„Das ist lieb von dir.“ Ich küsste
ihre Stirn und fuhr zärtlich über ihren wunderschönen Kopf. Dann nahm ich sie
laut aufseufzend bei der Hand. So einfach wie sie sich das vorstellte, würde es
nicht funktionieren. Denn was mich betraf, machte ich mir keine Illusionen.
Mein Vater war kein Clan-Oberhaupt.
„Aber jetzt müssen wir los, sonst
erlebst du deine Befreiung nicht mehr.“
„Du darfst es niemandem erzählen.
Versprichst du mir das, Lyn?“, flüsterte sie verschwörerisch.
Ich nickte. “Natürlich. Aber beeil
dich, du weißt ja...“ Dabei sah ich mich ängstlich um. In Jabbas düsterem
Palast hatten die Wände Ohren. Aber an so was dachte Oola natürlich nie.
In der Halle angekommen wurden wir
sofort getrennt. Ein Gamorreaner schloss Jabbas schwere Kette an ihrem Halsband
fest.
Zu meinem Leidwesen fanden auch
andere ihre olivegrüne Haut äußerst attraktiv.
Ich selbst hatte das Unglück mit
weißer Haut geboren zu sein. Deswegen wusste ich auch von Anfang an, dass ich auf
der Bühne immer nur in der zweiten Reihe stehen würde und niemals ganz vorne. Aber
hier war das eindeutig ein Vorteil.
Oola saß wie üblich auf der Kante
von Jabbas Repulsorschlitten gleich neben dem grässlichen Salacious Crumb,
diesem perfiden, affenartigen Hofnarren und es lag der typische, modrige Geruch
in der Luft.
Neben ihr standen der Bottich mit
den lebenden Reptilien, die sich Jabba permanent in sein schleimiges Maul
stopfte und seine riesige Wasserpfeife.
Jabba hielt Hof und zwei Droiden
marschierten wenig später herein und spielten nach einigem Hin und Her ein Hologramm
ab.
Ein schwarz gekleideter, junger
Mann erschien wie aus dem Nichts und erklärte, dass sein Name Luke und er ein
Jedi sei.
Durch den Saal ging ein
allgemeines Raunen. Jedi? War Darth Vader nicht auch einer gewesen?
Ich war wohl nicht die einzige,
die von ihren Kräften gehört hatte.
Aber der Mann, bzw. sein bläulich
schimmerndes Abbild wollte nur verhandeln. Es ging um den in Karbonit
eingefrorenen Mann.
Das hätte er sich allerdings sparen
können. Jabba wurde sehr schnell wütend, wenn ihm jemand etwas wegnehmen
wollte.
Nicht nur wir Sängerinnen wussten sofort
um die drohende Gefahr. Auch Oola zeigte Angst. Ich konnte es an dem feinen
Zittern ihres Körpers sehen. Wenn der Hutte sich ärgerte, musste jemand
sterben. Dieses Monster war so.
Aber erst einmal passierte nichts
weiter, außer dass die beiden Droiden in die unterirdischen Kerker gebracht
wurden. Die Erleichterung im Saal war nahezu mit Händen greifbar.
Und wie auf ein geheimes Stichwort
legte plötzlich die Max Rebo Band in ohrenbetäubender Lautstärke mit einer
ihrer irrwitzigen Melodien los.
Wir drei Hintergrundsängerinnen
sahen uns nur kurz an und auf mein stilles Kommando hin, begannen wir mit
unserem ersten Lied.
Jabba zog an Oolas Kette, und
forderte sie zu einer ihrer Solotanznummern auf.
Und als ob ich es nicht geahnt
hätte, schien sie von einem Moment auf den anderen alles um sich herum zu
vergessen. Als gäbe es das Böse nicht mehr. Mit geschmeidigen, weiten Gesten
folgten ihre schönen Glieder dem Rhythmus der schnellen Musik. Ihre Bewegungen
schienen sie wie Flügel wieder in unsere Heimat zurücktragen. Immer
akrobatischer sprang sie über die kleine Fläche vor Jabbas Schlitten, immer
höher, immer weiter, und in vollendeter Harmonie. Sie schien beinahe fliegen zu
können und ihr Gesicht strahlte entrückt.
Dann war unser Lied zu Ende.
Sogar Jabba schien gespürt zu
haben, dass da gerade etwas Besonderes passiert war.
„Noch mal“, forderte er sie auf
Huttisch auf.
Ach, hätte sie sich doch geweigert.
Aber das wäre ihr nicht möglich gewesen.
Wieder begann sie zu tanzen. Sie
war so schön, so fließend ihre Bewegung. Sie lächelte glücklich und ich sah ihr,
wie alle anderen im Saal gebannt zu.
„Halte durch kleine Oola, morgen
wirst du wieder an das Sonnenlicht treten, als freie Twi`lek. Du wirst ganz
bestimmt eine erfolgreiche Tänzerin, ich wünsche es dir so sehr. Aber heute
musst du noch durchhalten“, flüsterte ich ganz leise.
Dann begann das Unheil.
Angeregt durch das Schauspiel zog
Jabba an ihrer Kette und wollte das Mädchen auf seinen schleimigen Körper
ziehen und mit seinen Extremitäten begrapschen.
Oola wollte nicht. Wollte weiter
tanzen. Alles um sie herum vergessen. Wie gut ich sie verstand.
„Nur eine Nacht noch, Oola halt
durch! Nur noch wenige Stunden und du wirst frei sein!“ Ich hätte laut schreien
können, aber es hätte nichts geändert.
Instinktiv wehrte sie sich. Aber
Jabba hatte immer bekommen, was er wollte. Vielleicht, weil es ihre letzte
Nacht in seinem Palast war.
„Halte durch, liebste Oola, bitte
wehr dich nicht“, flehte ich leise.
Ich sah ihr Gesicht: verschwitzt,
verzweifelt, voller Wut.
„Oola“, rief ich laut. Aber es war
schon zu spät. Jabba verlor schnell die Geduld, das wusste jeder, er duldete nicht
den kleinsten Widerstand. Vielleicht hatte Oola aber sowieso niemals eine Chance
gehabt und ihr Schicksal war längst entschieden worden.
Mit seiner widerlichen Pratze hieb
er auf einen Knopf, der das Bodengitter vor seinem Schlitten öffnete und die
schöne Oola fiel tief in die Grube darunter.
Ich hielt mir die Ohren zu und
wollte die grässlichen Geräusche des Rancor nicht hören. Nicht ihre Schreie. Nicht
das erleichterte Jubeln der anderen Speichellecker, die froh waren, noch einen
Tag länger in diesem Horror leben zu dürfen.
Wann endlich machte jemand diesem
Irrsinn ein Ende? Wenn ich nur die Möglichkeit hätte, ich würde Jabba sofort
mit seiner eigenen, verdammten Kette erwürgen.
Mir zitterten die Knie. Doch bevor
ich fallen konnte, hielt mich eine der anderen Sängerinnen am Arm fest.
Ich wagte es noch einmal durch das
jetzt wieder geschlossene Gitter zu sehen... Ein dunkler Schatten lag auf dem Boden.
Das wenige, was der Rancor von ihr übrig gelassen hatte. Oh, arme Oola. Du
warst so kurz davor, diesen Kerker verlassen zu können...
Ich konnte nicht verhindern, dass
mir Tränen über das Gesicht liefen. Es war so ungerecht. So grausam.
Jemand drückte mich schmerzhaft in
meinen Oberarm. Es war Rystáll. Die Sängerin redete mit mir, aber ich hatte
Mühe sie zu verstehen. Es herrschte eine Stimmung wie auf einem Fest der
Feuchtfamer. Alle waren froh, dass Jabba wieder zufrieden an seiner
Wasserpfeife sog. Niemanden schien Oolas Schicksal zu berühren.
„Lyn Me! Hör auf zu weinen, bevor
dich noch jemand sieht“, beschwor mich ihre Stimme erneut. „Das macht sie auch
nicht wieder lebendig.“
Sie hatte Recht, aber ich konnte
es immer noch nicht fassen, obwohl es nicht das erste Mal gewesen war, dass
Jabba seinen Monstern ein Opfer zum Fraß vorwarf. Aber, dass es ausgerechnet
Oola sein musste...
„Lyn, vergiss das alles. Du kannst
es sowieso nicht mehr ändern. Du musst jetzt an dich denken. Hörst du?“
Ich nickte und sie schien
zufrieden zu sein.
„Schau! Da ist Boba Fett. Ich mach
dich mit ihm bekannt. Er mag Hellhäutige. Er wird unser Ticket in die Freiheit.
Du wirst sehen.“
Ich starrte sie an und ihr roter
Kopfschmuck wippte scheinbar fröhlich, während sie sprach. Das wirkte
gespenstisch in dieser Umgebung, aber ich kam wieder zur Besinnung und sah dann
auf die Nischen hinter der Grube. Richtig, da stand der berühmte Kopfgeldjäger,
wie immer etwas im Hintergrund und winkte uns süffisant zu. Er schien guter
Stimmung zu sein.
Nicht lange und Jabba würde sich
eine neue Sklavin auf seinen Schlitten setzen lassen. Er mochte das. Sie tat
mir jetzt schon leid. Aber bis dahin musste ich unbedingt hier verschwunden
sein. Vielleicht gab es wirklich eine Chance. Das war besser, als nichts.
Langsam kehrte wieder Ruhe in den
Saal ein und Bibs Fortuna flüsterte Jabba etwas zu. Der nächste Bittsteller,
ein ungewöhnlich kleiner Kopfgeldjäger mit einem riesiger Wookiee an seiner
Seite, stieg die Steintreppe herunter. Die Prinzessin war eingetroffen, um den
in Karbonit eingefrorene Mann zu retten, wie ich später erfuhr. Aber das, was
darauf folgte, hätte sich niemand auch nur annähernd vorstellen können.
Und zum ersten Mal hatte ich
wirklich Glück in meinem Leben, denn Jabba mochte keine Sängerinnen auf seiner Ausflugsbarke.