Titel: Unterirdische Schätze

Autor: Lady Charena (August 2017)

Fandom: Torchwood – Millennium Edition

Wörter: 2300

Charaktere: Ianto Jones, Jack Harkness, Alex Hopkins, OC: Dr. Adam Hill

Pairing: Jack/Ianto

Rating: AU, ab12, slash

Beta: T’Len





Summe: Ianto geht im Hub auf Entdeckungstour.



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Torchwood: Millennium Edition – Teil 2: Always a Good Day to Die



Kapitel 2.32: Unterirdische Schätze





Hast du vor Joggen zu gehen?“, fragte Adam lachend. Er rieb sich über die Haare. „Es regnet übrigens gerade in Strömen.“



Ianto saß in der Pausenecke des Hubs und schnürte seine Turnschuhe. Er sah hoch. „Ich gehe nicht nach oben, sondern tiefer. Alex hat mir erlaubt, mich in Ebene F umzusehen.“ Prüfend knipste der junge Waliser eine Taschenlampe an und wieder aus. „Willst du mitkommen?“



Der Arzt schüttelte den Kopf. „Nein. Danke, ich finde es hier schon beengend genug.“ Er nahm seine Brille ab und musterte Ianto. „Sei vorsichtig da unten, okay. Ich denke, da war die letzten fünfzig Jahre niemand.“



„Den Wartungsaufzeichnungen nach war seit zehn Jahren niemand mehr dort. Davor wurde zweimal im Jahr der Zustand kontrolliert. Jetzt sind Sensoren dort unten, die alles automatisch überprüfen.“



Hill zog überrascht die Augenbrauen hoch. „Das ist mir neu.“



„Ich helfe Alex sein Büro neu zu organisieren. Es ist nicht schwieriger, als ein Antiquariat in Ordnung zu halten. Es gibt einen kompletten Aktenschrank voll mit Aufzeichnungen, die allein die Wartung des Hubs betreffen. Wusstest du, dass es hier früher zwei General Support Officers gab? Sie waren nur für die Instandhaltung von all dem hier zuständig.“ Iantos Geste schloss den kompletten Hub mit ein. „Dann wurde das Team auf Feldagenten reduziert, ein großer Teil der Ebenen versiegelt und die meisten Wartungsaufgaben automatisiert.“



„Du solltest dich um den Job bewerben.“ Der Arzt stellte seine Tasche ab und ließ sich neben dem jüngeren Mann auf das durchgesessene Sofa sinken. „Aber trotzdem, hältst du es für eine gute Idee, da alleine runter zu gehen?“



Ianto hob einen kleinen Rucksack hoch. „Ich habe einen Kompass, ein Funkgerät, eine Flasche Wasser und Energieriegel. Außerdem hat Caden mir einen neuen Sender gegeben, dessen Reichweite unter der Erde er immer schon mal testen wollte.“ Er zuckte mit den Schultern, zippte seine Jacke zu und stand auf. Ianto schwang sich den Rucksack auf den Rücken. „Und wir wissen doch inzwischen beide, dass mir nicht ernstlich etwas passieren kann, richtig?“



„Deshalb musst du nicht leichtsinnig mit deinem Leben umgehen.“ Adam sah auf die Uhr. „Wenn du bis heute Mittag nicht wieder da bist, schicke ich dir Jack hinterher.“



„Jack?“, fragte Ianto skeptisch. „Du überschätzt sein Orientierungsvermögen. Zumindest unter der Erde.“



„Oh, ich dachte eher an seine Nase. Jack behauptet, er würde dich überall riechen können.“ Adam grinste.



Einen Versuch wäre es wert. Die Erkundungstour würde vermutlich zu Zweit eh mehr Spaß machen, aber Jack war mit den anderen unterwegs, einen Riftvorfall zu untersuchen. Er hätte warten können, bis Jack wieder da war, aber vielleicht tat es ihm gut, auch mal für sich alleine zu sein.



Ianto schnitt eine Grimasse. „Die Fido-Sache, oder?“



„Die Fido-Sache“, bestätigte der Arzt lachend. „Er hat mir davon erzählt. Falls es dir ein Trost ist, Fido siedelt nächste Woche nach London um. Ein paar meiner Kollegen sind ganz wild darauf, ihn zu untersuchen. Die Idee ist, seinen Speichel zu analysieren und heraus zu finden, wie er auf Menschen wirkt.“



„Als jemand, der bereits das Vergnügen hatte, kann ich dir genau sagen, wie es wirkt, angespuckt zu werden“, erwiderte der Waliser grimmig.



„Grundsätzlich gesprochen. Stell dir vor, du hast eine Gruppe auf Krawall gebürstete Hooligans nach einem verlorenen Rugby-Spiel auf der Suche nach einem Ventil für ihren Frust.“



„Oder ein normaler Samstagabend in Cardiff“, warf Ianto trocken ein.



„Und statt Hundertschaften in Riotgear braucht man nur ein paar Zerstäuber. Die Leute atmen das Zeug ein und gehen friedlich gemeinsam einen trinken, anstatt sich die Köpfe gegenseitig einzuschlagen“, fuhr Adam fort.



„Klingt als sollte die Stadt dir einen Orden verleihen, wenn das klappt.“ Ianto steckte die Taschenlampe in seine Jackentasche.



„Ich werde leider damit nichts zu tun haben“, entgegnete Adam bedauernd. Er nahm seine Tasche und stand auf. „Dazu fehlt mir die Zeit. Und das ist mein Stichwort.“ Hill sah Ianto an. „Ich meine das übrigens ernst, pass auf dich auf.“



„Ich bin vorsichtig“, versprach der Waliser. Er winkte und kletterte eine seitlich an der Wand angebrachte Leiter eine Ebene nach unten. Von dort aus gab es einen Tunnel zu Ebene F.





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„Denkt der gnädige Herr vielleicht daran, sich auch an der Suche zu beteiligen?“ Der Ton von Alex‘ Stimme lag irgendwo zwischen Ärger und Amüsement. Hopkins trat neben Jack und rümpfte die Nase. „Der Regen ist angenehmer als der Gestank hier drinnen.“ Der Schuppen musste als Unterstand für Schafe gedient haben. Alex versuchte flacher zu atmen. Möglicherweise waren auch ein paar davon hier drinnen verendet.



„So viel Feuchtigkeit ist nicht gut für meine Haut“, meinte Jack mit einem Grinsen. „Ich bin auf einem viel trockeneren Planeten groß geworden.“



„Wales ist nicht die ganze Erde“, entgegnete Alex. „Ich habe Gerüchte darüber gehört, dass es Orte gibt, an denen es nicht jeden zweiten Tag regnet.“



Jack lachte. „Warte, bis ich das Ianto erzähle.“ Er lehnte sich mit der Schulter gegen den Türrahmen (der schon lange keine Tür mehr enthielt) und starrte nach draußen, wo Franks fluchend über die schlammige Wiese stampfte. „Ianto sollte hier sein. Ich meine, nicht hier-hier. Er ist zwar Waliser, aber so gerne mag er den Regen auch wieder nicht.“



„Wir wissen nie, was uns erwartet, wenn wir einem Riftereignis nachgehen, Jack. Ich kann im Einsatz keine Rücksicht auf einen Amateur nehmen.“ Alex hob die Hand, bevor Jack protestieren konnte. „Ianto ist ein intelligenter, präziser junger Mann mit erstaunlicher Anpassungsfähigkeit und er hat große Fortschritte gemacht, trotz deiner speziellen Art von Training. Aber ihm fehlt die Erfahrung und eine gewisse… nennen wir es Skrupellosigkeit. Und ich persönlich würde es bedauern, wenn er letzteres lernen sollte.“



Jack sah ihn an. „Ich habe das vage Gefühl, gerade beleidigt worden zu sein“, erwiderte er grinsend.



„Jack, wenn es nach Erfahrungen mit außerirdischem Leben und außerirdischer Technologie gehen würde, wärst du Torchwoods Direktor.“ Hopkins fuhr sich durch die feuchten Haare.



„Anstatt eines von Torchwoods Versuchsobjekten.“ Jack starrte wieder in den Regen hinaus. „Ich wäre ein verdammt schlechter Direktor. Ich hasse Papierkram.“ Er hob eine Schulter. „Ich hätte einfach verschwinden können, anstatt mir nur einen trockenen Ort zum Unterstellen zu suchen.“



„Ich weiß.“ Alex machte einen Schritt vorwärts, wo er zwar den gelegentlichen Regentropfen abbekam, die Luft aber erträglicher roch. „Aber du wärst nicht hier, wenn ich mir nicht sicher wäre, dass du das nicht tust. Expertise hin oder her.“



„Wenn ich wirklich so skrupellos wäre, dann würde es mich nicht interessieren, was mit ihm passiert und einfach verschwinden“, meinte Jack.



„Das ist nicht, was ich gesagt habe.“ Alex deutete nach draußen. „Scheint so, als würde der Regen nachlassen. Beweg deinen Hintern da raus und hilf uns suchen.“



„Habe ich schon erwähnt, dass mein Hintern der „Hintern des Jahres 5094“ war?“, entgegnete Jack grinsend.



„Pardon.“ Alex deutete eine Verbeugung an. „Beweg deinen preisgekrönten Hintern da raus, Hoheit und hilf uns suchen.“



„Alex, du hoffst besser, dass ich niemals Torchwoods Direktor werde.“ Grinsend schlenderte Jack ins Freie, einen extra-Hüftschwung einlegend, als er an Hopkins vorbei trat. „Dann wäre ich dein Boss.“



Hopkins schnaubte amüsiert. „Der Himmel helfe in dem Fall Wales. Und dem Rest der Welt.“





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Es war etwas enttäuschend. Abgesehen von Spinnweben und vertrocknetem Mäusekot hatte Ianto bisher nichts gefunden. Die rauen, roten Ziegelsteinwände des Tunnels, dem er folgte, waren trocken und erstaunlich warm unter seiner Berührung. Alle hundert Meter blinkte ein Sensor – etwa so groß wie eine Untertasse, sah aus wie ein gewöhnlicher Rauchmelder – an der Wand. Über ihm an der Decke befanden sich altmodische Glühbirnen in kleinen Gitterkäfigen, zwischen denen sich schwarze Kabel schlängelten.



Bisher hatte Ianto fünf davon gezählt ohne an eine Abzweigung oder an eine Tunnel- oder Türöffnung zu geraten. Wozu diente wohl ein fünfhundert Meter langer Korridor?



Er öffnete den Kragen seiner Jacke ein wenig, es war wärmer als erwartet. Seine Schuhe verursachten kaum ein Geräusch auf dem Boden aus einem Material, das wie gegossener Beton aussah. Vielleicht war es Beton, glatt aber nicht rutschig, unter seinen Sohlen.



Ianto passierte einen weiteren Sensor – sie beobachteten Temperatur, Luftfeuchtigkeit, den Gehalt an „exotischen Partikeln“ (was auch immer damit gemeint war) und Riftenergie – und notierte die Nummer, die darüber an der Wand geschrieben stand, in sein Notizbuch. Auf die Weise konnte er später mit Hilfe der Blaupausen genau nachvollziehen, wo er sich aufgehalten hatte und Caden die Reichweite seines Senders berechnen.



Bevor er den nächsten Sensor erreichte, fand Ianto endlich die erste Türöffnung. Und was für eine Tür! Es war ein zweiflügliges Tor aus dunklem, groben Holz, wie man es in einem Schloss erwartete, mit einem dicken, rostigen Riegel in der Mitte und zwei Eisenringen, die wohl zum Öffnen gedacht waren.



Ianto zog ein Paar Arbeitshandschuhe aus der Tasche – er wollte sich keine Blutvergiftung zuziehen, wenn er sich an rostigem Eisen verletzte – und streifte sie über. Dann versuchte er sein Glück an dem antik aussehenden Riegel. Der sich natürlich keinen Millimeter bewegte. Nach etlichen Versuchen musste Ianto sich eingestehen, dass er mit roher Gewalt nicht weiterkam. Also nahm er seinen Rucksack ab, öffnete ihn und holte eine Plastikflasche heraus. Es war nicht gerade Rostlöser, aber das beste, was er improvisieren konnte. Flüssigseife. Ianto pumpte eine großzügige Menge über den Riegel und versuchte es nach einer kleine Pause erneut. Vielleicht half die Seife oder das vorherige Rütteln hatte genug Rost gelöst, aber schließlich bewegte sich der Riegel mit einem Quietschen, das durch den Tunnel hallte, zur Seite. Ianto musste sich mit seinem vollen Gewicht gegen die Türflügel lehnen, aber es gelang ihm, sie aufzudrücken. Nach innen.



Er machte einen Schritt in einen dunklen, staubig-modrig riechenden Raum und knipste die Taschenlampe an. Er war… leer. Okay, was hatte er geglaubt, dass er finden würde? Fremdartige Maschinen? Regale voller Schätze? (Dazu waren die Archive da.) Käfige voller Alien-Skelette?



Ianto ließ den Lichtstrahl die Wände entlang und dann nach oben wandern. Backsteinwände, rostrote Stahlträger und ein sicherlich architektonisch interessantes Deckengewölbe mit Bogenabschlüssen, die mit einem dekorativen Muster verziert waren. Teile des Raums erinnerte ihn eher an einen Saal in einer alten Burg. Aber ansonsten gab es nichts Modernes: keinen Lichtschalter, keine Glühbirnen, keine Stromkabel. Die dicke Staubschicht auf dem Boden zeigte nur die Abdrücke seiner Schuhe. Es gab einen vergitterten Abfluss in der Mitte des Raumes, aus dem leises Gluckern drang. Offenbar befand sich darunter ein Abwasserkanal.



Vielleicht hatte er beim nächsten Mal mehr Glück. Ianto verließ den Raum und zog die Torflügel hinter sich zu, verriegelte sie. Dann steckte er die schmutzigen Handschuhe in die Hosentasche und ging weiter.



Ein Blick über die Schulter zeigte ihm, dass der Tunnel nicht so gerade verlief, wie es die unbeleuchteten Ecken und Winkel suggerierten. Er bewegte sich in einem flachen Bogen langsam nach innen, wie im Gewinde eines Schneckenhauses.



Ianto fand zwei weitere, ebenfalls leere, Kammern. Ein Blick auf seine Uhr sagte ihm, dass er sich langsam auf den Rückweg machen sollte, bevor Adam sein Versprechen wahrmachte und Jack hinter ihm her schickte. Er nahm die Wasserflasche aus dem Rucksack und trank ein paar Schlucke.



Zugegeben, er hatte sich mehr von seinem Ausflug versprochen. Andererseits gab es noch mehr Ebenen als Ebene F zu erkunden. Er konnte ein Projekt daraus machen. Die Unterlagen, die er gemeinsam mit Alex durchgesehen hatte, mussten dringend aktualisiert werden. Und wenn er schon auf unabsehbare Zeit hier festsaß, dann konnte er sich zumindest nützlich machen.



Mit einem Stück wasserfester Kreide, dass er aus seiner Hosentasche nahm, zeichnete Ianto die Stelle an, bis zu der er vorgedrungen war und drehte dann um. Er folgte seinen eigenen Fußabdrücken im Staub auf dem Boden.



Nachdem er etwa die Hälfte der Strecke zurückgelegt hatte, fiel Ianto eine weitere Türöffnung auf, die sich an der anderen Seite der Wand befand. Es war eine normale Tür, keine, die aussah wie aus einer Schlossruine gestohlen, und sie war weder mit einem Riegel, noch mit einem normalen Schloss versehen. Ianto konnte sie einfach aufstoßen.



Auch hier gab es keinen Lichtschalter, also knipste er die Taschenlampe an. Oh, großartig. Er hatte offenbar Torchwoods Möbellager entdeckt. Vielleicht fand er ja etwas, mit dem er ihr Zimmer unter dem Dach weiter einrichten konnte.



In einer Ecke standen ein paar der schweren Bücherregale, allerdings in schlechterem Zustand, als diejenigen, die Torchwoods Büchersammlung beherbergten. Ein wuchtiger Schreibtisch, der ebenfalls sehr alt aussah. Ianto fragte sich, wie man den wohl einst durch die Tür gebracht hatte. Einige verstaubte Teekisten verdeckten halb einen Schrank, der mit einer Plane abgedeckt war. Vorsichtig, um nicht von einer Staublawine erstickt zu werden, schob Ianto die Plane beiseite und zog eine der knarrenden Schranktüren auf. Etwas mottenzerfressenes, das möglicherweise mal eine Decke gewesen war, fiel ihm aus dem obersten Fach entgegen und er wischte sich hustend das Gesicht ab. Dahinter kam ein Holzkasten, etwa von der Größe einer Schuhschachtel zum Vorschein. Der Rest des Schrankes war leer.



Ianto hob das Kästchen mit einer Hand an und war überrascht, dass es sich so schwer anfühlte. Etwas rollte darin von einer Seite zur anderen, als er es kippte. Er klemmte die Taschenlampe zwischen Kopf und Schulter und benutzte beide Hände, um das Kästchen aus dem Schrank zu heben. Der Decke ließ sich nicht anheben – und der Grund dafür war wohl das Schlüsselloch, dass er entdeckte, als er sie umdrehte.



Nach kurzem Überlegen steckte Ianto das Kästchen in seinen Rucksack, den er dafür umpacken musste und sah sich noch einmal in dem Raum um, bevor er ihn verließ und die Tür hinter sich zu zog. So war sein Ausflug nicht völlig erfolglos gewesen.





Ende (tbc)