Titel: Liebesbeweise
Autor: Lady Charena (Mai 2017)
Fandom: Torchwood – Millennium Edition
Wörter: 1719
Charaktere: Ianto Jones, Jack Harkness, andere erwähnt
Pairing: Jack/Ianto
Rating: AU, ab12, slash
Beta: T’Len


Summe: Jack versucht Iantos Tag besser zu machen.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.




Torchwood: Millennium Edition – Teil 2: Always a Good Day to Die

Kapitel 2.31: Liebesbeweise


Jack stoppte kurz an der Kreuzung zweier Tunnel, die in verschiedene Richtungen vom Hauptgang abzweigten. Beide führten am Ende zurück in das höhlenähnliche Zentrum des Hubs, mit seinen blinkenden Lichtern, Computern und faszinierender Technik, von der unter Androhung strengster Strafen die Finger zu lassen hatte. Aber da einer davon erheblich länger war als der andere und unter Berücksichtigung von Iantos… nun, sagen wir… aufgebrachten Zustand, entschied sich Jack für den kürzeren der Tunnel.

Er holte den jungen Waliser auf halben Weg ein. Iantos gesenkter Kopf, seine hängenden Schultern und die Schwere in seinen Schritten, die von den Backsteinmauern widerhallten, machten mehr als deutlich, dass sich seine Laune in den vergangenen Minuten nicht gebessert hatte.

„So...“ Jack räusperte sich. Er warf einen Blick auf seinen Liebhaber und grinste. Ianto sollte wirklich die komische Seite seines Erlebnisses sehen. „Es war doch irgendwie beeindruckend, oder? Du warst immerhin mindestens drei Meter von seinem Käfig entfernt.“

„Und das war offensichtlich nicht weit genug“, presste Ianto zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. „Erinnere mich daran, dass ich Alex frage, warum er dieses Ding nicht in eine der Zellen mit Glaswänden gesteckt hat.“

„Weil ich die Spezies erkannt habe und ihm gesagt habe, dass Fido völlig harmlos ist.“ Jack blieb stehen, weil Ianto abrupt stoppte.

„Fido?“ Die Stimme des jungen Walisers nahm einen untypisch hohen Ton an. „Fido?“

„Ja, findest du nicht, der Name passt zu ihm?“ Jack zuckte mit den Schultern. „Vielleicht sollten wir ihn behalten, als Haustier.“

„Wie um alles kommst du auf die Idee, dass ein Geschöpf, das aussieht als hätten eine Kröte und eine Schnecke unaussprechliche Dinge miteinander getan und dabei ein Baby gezeugt, Ähnlichkeit mit einem Hund hat?“, fragte Ianto verblüfft.

„Wieso ein Hund?“, entgegnete Jack, ebenfalls verblüfft.

„Fido ist ein klassischer Hundename“, erklärte Ianto.

„Oh.“ Jack grinste. „Ich dachte einfach nur, Fido ist ein lustiger Name und Fido sieht lustig aus, deshalb würde es passen. Ich wusste nicht, dass nur Hunde so heißen dürfen. Gibt es in dieser Zeit noch mehr solcher Regeln über Namen?“

„Richtig.“ Ianto setzte sich wieder in Bewegung. „Ich werde nicht mal versuchen, dieser Logik zu folgen. Hoffentlich wirst du sehr glücklich mit deinem… Fido. Wie wir beide wissen, ist genug Platz für zwei in den Zellen.“

„So war das nicht gemeint.“ Jack folgte ihm. „Du solltest es als... ja, als eine Art von Kompliment verstehen. Fido findet dich attraktiv und hat nur versucht, deine Aufmerksamkeit zu erregen. Vermutlich würde es ihm besser gefallen, wenn du bei ihm einziehst.“

„Er wollte meine Aufmerksamkeit erregen?“ Erneut stoppte Ianto und wandte sich ihm zu. „Das ist ihm gelungen. Er hat mich an gepinkelt!“ Anklagend deutete er auf seine Kleidung.

„Oh, keine Sorge - das war kein Urin“, winkte Jack ab.

„Wirklich?“ Ianto schloss einen Moment die Augen. „Will ich wissen, was es dann war?“

„Soweit ich mich erinnere, eine Mischung aus Pheromonen, Hormonen und Speichel. Wenn du es genau wissen willst, solltest du Adam fragen.“ Jack hob erneut die Schultern. „Er kann zur Abwechslung mal etwas anderes als uns analysieren.“

Ianto verzog angewidert das Gesicht. Seltsamerweise fand er das noch schlimmer. „Angespuckt? Ich wurde angespuckt! Und du willst mir sagen, es war ein Kompliment? Und wo kam das ganze Zeug überhaupt her? Es war, als wäre ein Eimer über mir ausgekippt worden – es tropft mir aus den Haaren! Und ich habe überhaupt keinen Mund gesehen.“ Er hob die Hand. „Moment, beantworte besser nichts davon.“

„Andere Planeten, andere Sitten. Das solltest du inzwischen doch wissen.“ Jack grinste. „Hilft es, wenn ich dir sage, dass du jetzt sehr, sehr sexy riechst? Also auf mich wirken die Pheromone definitiv.“

Der junge Waliser machte einen Schritt rückwärts. „Wage es nicht, näher zu kommen, Jack Harkness!“, warnte er ihn. „Ich werde jetzt die längste Dusche in der Geschichte des Duschens nehmen. Und danach werde ich meine Kleidung verbrennen, bevor du nicht mehr an dich halten kannst.“

„Soll ich dir helfen? Ich meine, beim Duschen.“ Jack schnüffelte übertrieben laut.

„Ich habe absolut keine Ahnung, von was du sprichst.“ Ianto zupfte an seinem Sweatshirt und schnitt eine Grimasse. „Was ich rieche, hat den total gegenteiligen Effekt auf mich.“

„Ist das ein ja?“ Jack sah ihn erwartungsvoll an. „Außerdem bist zu viel schneller sauber, wenn ich dir helfe.“

„Verlockend, aber das ist ein Nein...“ Ianto seufzte und seine Schultern sackten wieder nach unten. „Wenn du mir wirklich helfen willst, es wäre wundervoll, wenn du mir etwas zu essen besorgen könntest. Und mir etwas Sauberes zum Anziehen aus unserem Zimmer holst, während ich dusche? Nackt durch den Hub zu laufen, ist nicht mein Ding.“

„Bedauerlicherweise.“ Doch Jack konnte nicht übersehen, dass Ianto bei allem Sarkasmus niedergeschlagen wirkte. Obwohl nichts daran seine Schuld gewesen war, litt Iantos immer noch unter dem Vorfall mit dem Weevil, war sein Selbstbewusstsein angeknackst. „Natürlich, was du willst. Soll ich mit Fido reden? Mann zu Krötenschnecke? Ihm klarmachen, dass du vergeben bist und keine Annäherungsversuche wünschst?“

„Wie willst du mit ihm sprechen?“, fragte Ianto misstrauisch.

„Ich spucke zurück. Könnte etwas länger dauern und ich sollte mir vermutlich etwas zu Trinken mitnehmen...“ Jack lachte, als er Iantos ungläubigen Gesichtsausdruck sah. „Das war ein Scherz, Ianto. Geh duschen, ich sage Alex, dass alles in Ordnung ist mit unserem neuen Mitbewohner und finde dir etwas zu essen.“ Er gab ihm einen Kuss auf die Wange, die sauber geblieben war.

„Danke. Du bist mein Lebensretter“, entgegnete Ianto trocken und setzte sich wieder in Bewegung.  

„Hey, Ianto. Was hältst du von Sex im Wasser?“, rief Jack ihm nach.

„Ich vermute, du meinst nicht, innerhalb eines Badezimmers? Die Antwort kennst du nämlich schon.“

„Im Freien, natürlich.“ Jack gab Ianto einen Klaps auf den Hintern, als er ihn überholte.

„Wales liegt nicht in der Karibik.“ Ianto wischte sich mit dem Ärmel übers Gesicht. „Ich hatte bisher nicht mal den Wunsch, zum Schwimmen ins Wasser zu gehen.“

Jack drehte sich um. „Das heißt, du bist nicht grundsätzlich abgeneigt, es ist dir nur zu kalt. Das merke ich mir.“

„Das heißt, was ich gesagt habe. Mach dich an die Arbeit, Jack. Wir werden nicht dafür bezahlt, uns über Sex zu unterhalten.“

Jack grinste. „Wir sollten. Außerdem werden wir für gar nichts bezahlt.“


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Ianto, bist du da?“

Der junge Waliser legte sein Buch zur Seite und setzte sich auf. „Wo sollte ich sonst sein?“, fragte er, als Jack durch die Tür kam. „Ihr wart lange weg.“ Mit Jack war ein Schwall kalter Luft in den Raum gekommen und er zog fröstelnd die Decke um die Schultern.  

„Ich habe dir etwas mitgebracht.“ Jack kickte seine schmutzigen Schuhe neben der Tür von den Füßen und ließ seine Jacke achtlos daneben fallen.

„Ist es ein weiterer Fido?“, fragte Ianto misstrauisch. Er ertappte sich nach wie vor dabei, wie er an sich selbst schnüffelte, obwohl der Vorfall in den Zellen bereits etliche Stunden (und eine mehr als gründliche Dusche) zurücklag. Irgendwie hatte er noch immer diesen Geruch in der Nase…

„Du hättest mir sagen sollen, dass du noch einen haben willst, jetzt habe ich nur das für dich.“

Eine Plastiktüte landete neben ihm auf dem Bett. Er öffnete sie und sah hinein. „Ich hoffe, du hast es nicht geklaut“, meinte Ianto trocken und hielt ein dunkelrotes T-Shirt mit der weißen Aufschrift: „Croeso i Cymru“ (Willkommen in Wales) hoch.

„Keine Angst. Alex hat dafür bezahlt.“ Jack ließ sich neben ihn plumpsen. „Wir waren in einem Schloss, in Cardiff“, fuhr er mit einem breiten Grinsen und einem begeisterten Leuchten in den blauen Augen, wie ein aufgeregter kleiner Junge, fort. „Mit Schwertern und Rüstungen und unheimlich vielen alten Dingen, von denen ich nicht weiß, wie sie heißen. Zieh es an“, forderte er Ianto auf, nach dem T-Shirt greifend. „Ein Ding mit fünf Stielaugen und ziemlich hässlichen Zähnen hat versucht mich zu fressen. Aber ich war schneller. Alex hat es dann mit der Elektroschocker-Pistole beschossen, das ging nicht gut. Glaub mir, du bist mit Fido besser weggekommen. Und dann sollte ich helfen, aufzuräumen.“ Jack schnitt eine Grimasse. „Ich habe mich lieber umgesehen, das Ding stank wie ein Nimhahs in der Brunst. Du stinkst bis in alle Ewigkeit. Und da habe ich einen Laden gefunden, im Schloss, und da gab es T-Shirts.“

Ianto schüttelte den Kopf. „Ist das eigentlich angeboren oder angelernt, deine Fähigkeit, sich vor richtiger Arbeit zu drücken?“ Aber eigentlich war er ein klein wenig neidisch auf Jacks Abenteuer. Er erinnerte sich vage an Cardiff Castle von einem Schulausflug.

„Ich bin clever. Alex musste auf der Rückfahrt alle Fenster aufmachen, obwohl es so kalt ist. Denkst du, er lässt mich lernen, wie man mit einem Schwert kämpft? Das ist so...“ Jack sackte zurück, bis er flach auf dem Rücken lag und machte ein paar Bewegungen, als schwinge er ein unsichtbares Schwert durch die Luft.

„...cool?“, beendete Ianto den Satz trocken. „Ich hätte dich niemals diesen Gladiatorenfilm im Fernsehen sehen lassen sollen.“

„Gib es zu, die Lederoutfits haben dir auch gefallen.“ Jack rollte sich auf die Seite und sah ihn an. „Zieh das T-Shirt an.“

„Okay, okay.“ Ianto zog das Pyjamaoberteil über den Kopf und dafür das T-Shirt über. „Zufrieden?“ Manchmal erinnerte Jack ihn sehr an einen Teenager... oder an einen Welpen, der aufgeregt mit einem neuen Spielzeug ankam und es vorführen wollte. Fehlte nur der wild wackelnde Schwanz und dass er ihm das Gesicht ableckte, aber der Abend war ja noch jung...

Jack musterte ihn und nickte. „Für deinen neuen Job.“

„Für meinen...“ Ianto sah ihn überrascht an, als er verstand. „Sie haben es genehmigt.“

Jack nickte. „Ich habe Alex auf der Hinfahrt telefonieren hören. Ab dem Ersten des nächsten Monats arbeitest du für die walisische Tourismusbehörde. Zumindest inoffiziell.“ Er zog Ianto zu sich herunter. „Bis dahin kannst du mit mir üben. Ich habe viel Erfahrung als Tourist.“ Jack presste das Gesicht gegen Iantos Hals. „Hey, ich denke, du riechst immer noch ein bisschen nach Fido...“ Den Protest seines Geliebten erstickte er lachend, mit einem Kuss.  



Ende (tbc)