Titel: Kein Sushi zum Frühstück

Autor: Lady Charena (Januar 2017)

Fandom: Torchwood – Millennium Edition

Wörter: 1734

Charaktere: Ianto Jones, Jack Harkness, OC: Dr. Adam Hill, andere erwähnt

Pairing: Jack/Ianto

Rating: AU, ab12, slash

Beta: T’Len

 

 

Summe: Ianto und Adam Hill unterhalten sich. Es kommen ein paar Ereignisse aus Iantos Kindheit ans Licht.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

 

 

 

 

Torchwood: Millennium Edition – Teil 2: Always a Good Day to Die

 

Kapitel 2.30: Kein Sushi zum Frühstück

 

 

 

„Ich erinnere mich ziemlich genau, dass ich gesagt habe, ich will euch beide sehen“, meinte Adam Hill und reckte den Hals, als vermute er, dass sich Jack hinter dem schlaksigen Waliser versteckte.

 

„Hast du das nicht mitbekommen? Ein Alarm. Jack ist mit.“ Ianto betrat das medizinische Labor neben dem Sektionsraum und angelte mit dem Fuß einen Hockern unter dem Untersuchungstisch hervor, um sich zu setzen. Er drehte sich zu Hill um. „Du musst vorerst mit mir Vorlieb nehmen.“

 

„Hey, das war keine Beschwerde.“ Der Arzt lehnte sich neben ihm gegen den Tisch, verschränkte die Arme vor der Brust und sah auf ihn hinab. „Noch Alpträume?“

 

„Nicht seit dem letzten.“

 

Aber Ianto wich bei dieser Antwort seinem Blick aus. Adam glaubte nicht, dass der junge Mann ihn anlog. Aber vielleicht definierte er es einfach anders. „Gut, dann fange ich eben mir dir an. Du bist ohnehin der angenehmere Patient.“

 

„Jack hat irgendwo zwischen hier und da wo er herkommt seine guten Manieren verloren.“ Ianto krempelte den Ärmel hoch. „Du willst sicher wie immer zuerst Blut.“

 

„Ja. Wie immer. Könntest du es so formulieren, damit es nicht klingt, als wäre ich ein Vampir?“, beschwerte sich Adam lachend und reichte Ianto die steril verpackte Nadel und ein verpacktes Desinfektionstuch. „Und was Jack betrifft, glaube ich, er ist vollkommen ohne Manieren geboren.“

 

Ianto betrachtete den Inhalt der Plastikschale, die auf Adams Tisch bereitstand, während er seine Armbeuge abtupfte. „Für wen von uns ist der Schwangerschaftstest bestimmt?“, fragte er.

 

Der Arzt sah ihn einen Moment verständnislos an. „Haha, sehr komisch. Es gibt diese Teststäbchen auch für andere Zwecke.“ Er schob seine Brille hoch und beobachtete, wie routiniert sich Ianto selbst Blut abnahm. Er hatte schon voll ausgebildete Krankenschwestern gesehen, die das schlechter machten. „Haben wir viel Erfahrung mit Schwangerschaftstests, ja?“

 

„Hey, ich habe eine ältere Schwester, die eine „wilde Phase“ durchmachte, als ich zehn war.“ Ianto reichte ihm das Röhrchen. „Natürlich musste ich wissen, was sie da so schnell unter ihrem Bett versteckt hat, als sie nach Hause gekommen ist. Es war ein Heim-Schwangerschaftsschnelltest.“ Er zuckte mit den Schultern. „Natürlich hat Rhi mich dabei erwischt. Ich dachte, sie bringt mich um. Dummerweise hat sie mit ihrem Gezeter unseren Vater geweckt und dann gab es erst richtig Krach. Am Ende war es dann doch nur falscher Alarm. Damals zumindest.“

 

„Deine Schwester hat aber ein Kind, richtig?“ Adam gab eine kleine Menge Blut in einen winzigen Behälter und steckte den in ein Analysegerät, das leise surrend seine Arbeit aufnahm.

 

„David. Ich bin nicht sicher, wie alt er jetzt ist.“ Ianto zuckte mit den Schultern und glättete seinen Ärmel. „Durch die Zeit zu reisen kann einen ganz schön verwirren.“

 

„Milde ausgedrückt.“ Hill zog seine Handschuhe aus und warf sie in den Müll. „Okay, du kennst das Spiel. Die Urinprobe bitte und anschließend ab mit dir auf die Waage. Dann arbeiten wir die Checkliste ab.“

 

Ianto stand auf, warf das Tuch in den Müll und die Nadel in den dafür gekennzeichneten Behälter. Er holte einen der steril verpackten Becher für flüssige Proben aus dem Schrank. „Glaubst du wirklich, dass diese ganzen Tests irgendetwas erklären können?“, fragte er.

 

„Ich denke nicht, dass ich in der Lage bin, eine Erklärung zu finden“, gab der Arzt zu. „Das heißt nicht, dass es keine gibt.“

 

„Ich hoffe, du hast Recht.“ Ianto rieb sich übers Gesicht. „Hast du Arbeit für mich? Ich meine, wenn wir mit der Checkliste durch sind. Ich kann… will… nicht länger herumsitzen und nichts tun.“

 

„Du kannst mir dabei helfen, den Sektionsraum aufzuräumen und zu reinigen. Ich habe mich letzte Nacht ein paar Stunden mit unserem Freund dem Blowfish beschäftigt. Der Aufbau der inneren Organe ist einfach faszinierend.“ Adam lachte, als Ianto das Gesicht verzog. „Keine Sorge, du musst ihn dir nicht ansehen, er ist zurück in seinem Kühlfach.“

 

„Ich fand Sushi immer schon stark überbewertet“, entgegnete der Waliser trocken. Er ging zur Tür. Nebenan war eine kleine Toilette. Seine Blase war schüchterner als Jacks, der sich nicht scheute, das vor Ort zu erledigen.

 

„ich lade dich hinterher zum Frühstück ein.“ Der Arzt wandte sich dem Display des Analysegeräts zu. „Kein Sushi, versprochen.“

 

###

 

 

Adam schob abwesend seine Brille hoch auf die Stirn, einen Ausdruck studierend. „Wir müssen deinen Hormonspiegel im Auge behalten.“

 

Ianto wandte sich zu ihm um. „Verwandle ich mich in ein Mädchen?“, fragte er.

 

„Das ist eher unwahrscheinlich“, entgegnete der Arzt und lachte.

 

„Verwandelt sich Jack in ein Mädchen?“ Es funkelte amüsiert in den Augen des jungen Walisers.

 

„Nicht so weit ich weiß. Enttäuscht? Vielleicht habe ich ja Neuigkeiten, wenn Jack endlich hier eintrudelt und ich ihn testen kann“, erwiderte Adam grinsend.

 

„Ich kann damit leben.“ Ianto wandte sich wieder seiner Arbeit zu und stapelte Autopsiebesteck in den Autoklaven. „Und keiner von uns hat Eltern, denen wir uns gegenseitig vorstellen müssen. Obwohl es meinem Vater möglicherweise gefallen hätte, dass er Recht behalten hat. Wobei ich denke, Jack ist ein guter Fang für eine... armselige Schwuchtel.“

 

„Dein Vater hat dich so genannt?“, fragte Adam, den ernsten Unterton in seiner Stimme bemerkend.

 

„Um ehrlich zu sein, das ist eine eher höfliche Umschreibung dessen, was er tatsächlich gesagt hat. Zu seiner Verteidigung, ich denke, er war so betrunken, dass er kaum wusste was er sagte, oder zu wem.“ Er stellte das Gerät an.

 

„Warum hat er dich beschimpft?“ Adam zögerte. „Ich meine, nur wenn du darüber sprechen willst.“ Er ließ den Computerausdruck sinken und musterte den jungen Mann auf der anderen Seite des Raumes.

 

„Er hat mich dabei... erwischt, wie ich meinen Freund Hywel umarmt und geküsst habe. Nur auf die Stirn.“ Ianto wandte seine Aufmerksamkeit dem Autopsietisch zu, der bereits abgewaschen war.

 

„Das war alles?“, fragte der Arzt, als nichts weiter kam.

 

„Wir waren beide sechs Jahre alt. Hywel war zum Spielen zu mir gekommen. Meine Schwester sollte eigentlich auf uns aufpassen, aber sie war... irgendwo anders. Unterwegs mit Freundinnen, vermutlich. Meine Mutter war bei der Arbeit, das war bevor sie krank wurde. Ich hatte ein wirklich tolles Spielzeugauto, einen knallroten Flitzer und wir wollten beide damit spielen. Hywel hatte die hintere Hälfte in der Hand, ich die vordere und wir haben beide versucht, es an uns zu reißen.“ Ianto sah auf. „Es ist mir aus der Hand gerutscht, vielleicht habe ich es auch absichtlich losgelassen, ich weiß nicht mehr - aber als ich es losgelassen habe, ist es Hywel gegen die Stirn geknallt. Er fing an zu weinen und ich habe gemacht, was meine Mutter immer machte, wenn ich mir wehgetan hatte - ich habe ihn in den Arm genommen und versucht, die Schramme mit einem Kuss besser zu machen.“

 

„Und daraufhin hat dein Vater...“

 

Ianto schüttelte den Kopf. „Nein. Damals hat er mich nur in mein Zimmer und Hywel nach Hause geschickt. Ich war vierzehn, meine Mutter war inzwischen gestorben. Er musste tagelang getrunken haben, ich hatte ein paar Tage bei meiner Schwester verbracht, die mit Johnny, ihrem späteren Mann zusammengezogen war. Es gab eine sehr unerfreuliche Szene, bei der er mir unter anderem eben die Geschichte mit Hywel vorhielt.“ Ianto lachte leise, humorlos. „Es war nicht mal das schlimmste, was er mir vorwarf. Und kurz darauf bin ich von Zuhause abgehauen und habe mich nach London durch geschlagen.“ Mit einem Schulterzucken nahm er eine Plastikflasche und begann Desinfektionsmittel auf dem Tisch zu versprühen.

 

„Er muss sehr unglücklich gewesen sein“, stellte Adam fest.

 

„Ja.“ Ianto hielt einen Moment inne. „Das war er. Schon vor der Krankheit meiner Mutter, vor ihrem Tod. Ich weiß nicht wieso.“ Er begann den Tisch mit einem Papiertuch abzureiben. „Es spielt keine Rolle mehr, jetzt kann ich ihn nicht mehr danach fragen. Oder warum es ihm nicht möglich war, mich zu lieben.“

 

Vielleicht war es dieses Gefühl des Ungeliebtseins, dass Ianto so leicht zu machen schien, Jacks übersprudelnde, unverhohlene Zuneigung zu akzeptieren. Laut sagte der Arzt: „Wenn der Tisch aufhört zu glänzen, dann hast du übrigens zu viel geschrubbt. Ich bin im Labor, gibt mir Bescheid, wenn du fertig bist, dann gehen wir frühstücken. Du hast es dir mehr als verdient.“

 

 

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Ianto rollte sich zu ihm herum und presste das Gesicht gegen seine Halsbeuge, holte tief Luft.

 

„Was?“, fragte Jack amüsiert, als nichts weiter von seinem Liebhaber kam.

 

„Nichts“, murmelte Ianto.

 

„Brauche ich schon wieder eine Dusche?“, bohrte Jack nach.

 

„Nein.“ Ianto hob den Kopf. „Ich habe Adam heute Morgen beim Aufräumen geholfen. Er hat bei dem Blowfish eine Autopsie vorgenommen. Und jetzt ist mir etwas eingefallen, etwas was der Blowfish gesagt hat.“

 

„Er hat mir dir gesprochen? Wann? Nach der Autopsie?“ Für seinen Spott erhielt Jack einen Klaps auf den Oberschenkel, der ihn aber nicht weiter entmutigte.

 

„Vorher natürlich“, entgegnete Ianto trocken. „Es war wirklich merkwürdig. Er hat gesagt, wir - du und ich - wir stinken nach Zeit. Was kann er damit gemeint haben?“

 

„Ich habe noch nie gehört, dass man Zeit riechen kann. Auch nicht sehen, hören oder anfassen. Und ich hatte schon wirklich viel mit Zeit zu tun. Das wäre vermutlich eine Frage für die Tardis.“ Jack fasst mit den Fingern in die etwas zu langen - seiner Meinung nach in genau richtig - Haare in Iantos Nacken, zupfte leicht daran. „Keine Ahnung, was er damit gemeint hat. Ich finde, wir riechen beide großartig. Das war vielleicht ein schlechtgelaunter Fisch.“

 

„Du bist auch jedes Mal ein schlechtgelaunter Fisch, wenn Alex dich in eine Zelle steckt“, neckte ihn Ianto, das Thema wechselnd.

 

„Was soll dieser Vergleich? Bin ich kalt wie ein Fisch? Nass? Übelriechend?“ Jack drückte ihn zurück aufs Bett und sah grinsend auf ihn hinab. „Ich denke, ich hatte schon einmal Sex mit einem Fisch, auf...“ Er lachte, als Ianto ihm den Mund zuhielt und mit den Augen rollte. Wenn er recht überlegte, war die Ähnlichkeit mit einem Fisch doch gering gewesen. Und die Geschichte war eigentlich auch gar nicht so gut. Unwichtig. Die Gegenwart war so viel angenehmer….

 

 

Ende (tbc)