Titel: Wendy oder Tigerlily?
Autor: Lady Charena (Februar 2016)
Fandom: Torchwood – Millennium Edition
Wörter: 1165
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Dr. Adam Hill
Pairing: Jack/Ianto
Rating: AU, ab12, slash
Beta: T’Len


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Torchwood: Millennium Edition – Teil 2: Always a Good Day to Die

Kapitel 2.25: Wendy oder Tigerlily?



„Ist es seltsam, dass ich ihn vermisse?“ Ianto drehte sich samt Stuhl um und sah Adam Hill fragend an. „Ich meine, nicht das Putzen und das er immer gerade dann hungrig war, wenn ich gerade eingeschlafen war…“ Er zuckte mit den Schultern. „Aber irgendwie schon.“

Der Arzt klopfte ihm auf die Schulter. „Du wusstest von Anfang an, dass er nicht lange bleiben kann und er eignet sich wirklich nicht zum Haustier“, erwiderte er. Dann grinste er und fuhr dem jüngeren Mann durch die Haare, als wäre Ianto ein Kind. „Du hast ja noch Jack. Ich bin sicher, wenn er sich richtig Mühe gibt, ist er zehnmal so anstrengend wie Bamblien.“

Ianto rollte mit den Augen und duckte sich weg. „Danke, die Aussicht muntert mich erheblich auf“, meinte er trocken. „Er hat bereits vorgeschlagen, dass ich in Zukunft seinen Bauch reibe.“

Nun war es an Hill, sich in gespieltem Entsetzen weg zu ducken. „Keine weiteren Details über euer Liebesleben, bitte.“ Er deutete auf den Papierstapel. „Diese alten Krankenberichte scannen sich nicht von selbst.“

Der junge Waliser drehte sich zurück und betrachtete die Unterlagen. „Ist das eine Art Strafarbeit?“, fragte er, sich die Haare aus der Stirn streichend. Ein paar Strähnen fielen sofort wieder zurück. Er musste wirklich Alex fragen, ob sie bei der nächsten Einkaufstour einen Abstecher zu einem Frisör machen konnten. „Sind diese Leute nicht schon alle längst tot? Wieso willst du ihre Unterlagen aufbewahren? Es spielt jetzt doch keine Rolle mehr, welche Krankheiten sie hatten.“

Adam nahm neben ihm auf einem Hocker Platz. „Die Vorschriften besagen, dass alles für unbegrenzte Zeit aufbewahrt werden muss. Glaub mir, der Tag an dem der Scanner erfunden wurde und man die digitale Aufbewahrung eingeführt hat, sollte bei Torchwood als Feiertag begangen werden“, erklärte er. „Aber die hier sind auch für uns ganz interessant“, fuhr der Arzt fort und rückte seine Brille zurecht. „Manche dieser Akten lesen sich wie Science Fiction Storys. Physiologische Veränderungen, die von Artefakten und Kontakt mit Aliens verursacht wurden. Die mentale Belastung… Es lässt sich viel daraus lernen, vor allem um zu verhindern, dass anderen Agenten das gleiche passiert.“

„Ich verstehe.“ Ianto griff nach dem nächsten Bericht und legte ihn in den Flachbettscanner.

„Und natürlich ist es eine Art Strafarbeit“, setzte der Arzt lächelnd hinzu und stand auf. „Aber wenn es dich tröstet, du hast nichts im Speziellen getan, um sie zu verdienen. Du bist einfach derjenige, der gerade Zeit dafür hat.“

„Das ist sehr… ermutigend“, erwiderte der junge Waliser trocken.

„Nun, ich habe nebenan einen Kadaver zu untersuchen“, fuhr Adam fort. „Oder vielleicht ist es ein alter Badeschwamm, der aus mysteriösen Gründen mit Wackelpudding gefüllt ist.“ Er lachte. „So sieht das Ding zumindest aus, das Alex und Jack letzte Nacht mit in den Hub gebracht haben. Wenn du mit dem Stapel fertig bist, kannst du mir gerne bei der Autopsie assistieren. Das sollte etwas interessanter sein. Und nach all der Zeit können sie ruhig noch einen Tag liegen bleiben und Staub ansetzen.“ Adam nahm einen frischen Laborkittel aus dem Schrank und zog ihn über seine Kleidung.

Ianto sah die Plastikbox voll leicht vergilbter Akten an, die noch darauf warteten, in Bits und Bytes verwandelt zu werden. Vielleicht beschäftigte er sich doch lieber damit. Er hatte einen kurzen Blick in die Containment-Box geworfen, bevor Jack sie in einem der Kühlfächer verstaute und war sich nicht sicher, ob er mehr sehen wollte. Vor allem nach Adams phantasievoller Beschreibung. An staubiges Papier war er gewöhnt, weniger an… was auch immer der Rift ausgespuckt hatte. Mit lebenden Alien kam er besser klar. „Sicher, warum nicht“, erwiderte er ohne große Begeisterung. „Ich mache mich dann besser mal an die Arbeit.“ Er beugte sich mit plötzlicher Konzentration über den Scanner und wischte ein paar Staubkörnchen von der Glasplatte.

Hill beobachtete ihn einen Moment lang amüsiert, dann zog er Handschuhe über und ging in den Autopsieraum.


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Ianto zupfte an einem kleinen Loch in der Naht seines T-Shirts. Es befand sich direkt unterhalb der Achsel, wo es im Prinzip unsichtbar war. „Ich schätze, einer von uns sollte wirklich nähen lernen“, meinte er gedankenverloren, faltete das T-Shirt zusammen und packte es zu seinen anderen Kleidungsstücken in einen Karton. Oder Selbstbeherrschung. Die Hälfte der Hemden die Jack vorzugsweise trug, hatten lose oder fehlende Knöpfe.

„Welche von den beiden gefällt dir besser? Wendy oder Tigerlily? Oder hättest du lieber Wendy und Tigerlily?“, fragte Jack, faul quer über das Bett ausgestreckt. Er hatte das Buch hinter Iantos Kopfkissen gefunden und blätterte darin.

„Keine von beiden. Sie sind kleine Mädchen. Kinder.“ Ianto sah auf und strich sich wieder die Haare aus der Stirn zurück. Dagegen musste er wirklich etwas unternehmen. „Wolltest du mir nicht helfen? Oder war das nur ein Vorwand, um dich vor der Arbeit zu drücken, die Alex für dich hatte?“ Wozu brauchte er eine Wendy oder eine Tigerlily. Er war bereits vollkommen mit seinem eigenen Peter Pan ausgelastet... Oh, das klang nicht richtig.

„Können wir das ganze Zeug nicht einfach hier lassen?“ Jack rollte sich auf die Seite, um ihn anzusehen. Er hielt das Buch noch immer in der Hand und deutete damit vage im Raum umher.

„Damit du morgens nackt durch den Hub rennen kannst, weil wir keine frische Kleidung mehr in unserem neuen Quartier haben?“, entgegnete Ianto trocken. „Jemand könnte dich für einen Eindringling halten und schießen.“

„Du hattest mich bei nackt im Hub.“ Jack legte „Peter Pan“ zur Seite und stützte sich auf die Ellbogen auf, Ianto erwartungsvoll ansehend.

„Als nächstes schlägst du noch vor, wir spielen nackt Verstecken.“ Ianto sparte nicht an Sarkasmus. „Vielleicht können wir uns dann sparen, uns auszudenken, wie wir von hier verschwinden und Alex wirft uns raus.“

„Spielverderber.“ Jack drehte sich zurück auf den Rücken und raffte die Kissen über seinem Kopf zusammen.

„Mein zweiter Vorname.“ Ianto rollte zwei Socken zu einem Ball und warf sie zu den anderen Sachen in den Karton. „Übrigens, Adam denkt, was ihr letzte Nacht gefunden habt, ist entfernt mit den Pilzen verwandt, wie es sie hier auf der Erde gibt.“

„Pilze? Wie auf Pizza? Oh, ich habe Hunger. Denkst du, wir haben Pizza?“, kam es zwischen den Kissen hervor.

Ianto schüttelte sich bei der Vorstellung. Er hatte Hill zwar dann doch nicht bei der Autopsie zugesehen, ihm aber geholfen, hinterher den Autopsieraum zu säubern. An Essen wollte er im Moment nicht mal denken. Vielleicht war er wirklich zu zartbesaitet für diesen Job…

Er stand auf und wischte ein paar Staubflocken von seiner Hose, den Karton voll Kleidungsstücke betrachtend. Waschen, Flicken, für Nahrung sorgen… Es war eindeutig. Er war Wendy…


Ende